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Der ostdeutsche und der westdeutsche Arbeitsmarkt nach der Wende. Ein Vergleich der geschlechtsspezifischen Unterschiede

Hausarbeit 2016 24 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 ALLBUS-Umfrage zum Thema Normen und Wertvorstellungen in Ost und West bezüglich erwerbstätigen Müttern
1.2 Gliederung und Schwerpunkte der Arbeit

2 Ursachen der Unterschiede zwischen Ost und West auf dem Arbeitsmarkt
2.1 Grundsätze der Planwirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik
2.2 Die Sozialpolitik der DDR nach sowjetischem Vorbild
2.3 Das System der sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland
2.4 BRD – Vorzüge und Grenzen des Sozialstaates
2.5 Familienpolitik und familiäre Strukturen in BRD und DDR

3 Differenzen auf dem Arbeitsmarkt nach der Wiedervereinigung
3.1 Entwicklung des Ausbildungsmarktes
3.2 Weibliche Erwerbstätigkeit nach der Wende
3.2.1 Stand ost- und westdeutscher Frauen auf dem Arbeitsmarkt
3.2.2 Potential weiblicher Beschäftigter am Arbeitsmarkt
3.3 Lohndiskrepanzen
3.3.1 Vergleich der Lohnungleichheit von Männern und Frauen in Ost- und Westdeutschland
3.3.2 Mögliche Ursachen und Einflussfaktoren bezüglich der Lohnungleichheit
3.4 Atypische Beschäftigungsformen
3.5 Situation älterer Arbeitnehmer
3.5.1 Entwicklung der Beschäftigung Älterer
3.5.2 Betriebliche Einschätzung der älteren Mitarbeiter im Vergleich zu den jüngeren Angestellten
3.5.3 Nachfrage nach den älteren Arbeitnehmern
3.5.4 Betriebliche Bestimmungen zugunsten der Beschäftigungsfähigkeit älterer Angestellter
3.5.5 Möglichkeiten zur Mehreinstellung potentieller älterer Belegschaftsangehöriger

4 Fazit: positive Zukunftsvorhersage für den ostdeutschen Arbeitsmarkt

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 ALLBUS-Umfrage zum Thema Normen und Wertvorstellungen in Ost und West bezüglich erwerbstätigen Müttern

„Eine berufstätige Mutter kann ein genauso herzliches Verhältnis zu ihren Kindern finden, wie eine Mutter, die nicht berufstätig ist.“[1]

Dieser Aussage stimmten in einer Umfrage des ALLBUS 1991 nicht mehr als 9% der befragten BRD-Bürger zu, wohingegen rund 18% der teilnehmenden DDR-Mitglieder die Aussage als zutreffend empfanden. Siebzehn Jahre später fallen die Antworten mit 22% im Westen deutlich höher aus als kurz nach der Wende. Im Osten ist das Ergebnis mit 19% Zustimmung nahezu identisch zum Stand von 1991.[2]

1.2 Gliederung und Schwerpunkte der Arbeit

Die unterschiedlichen Meinungen bezüglich der Müttererwerbstätigkeit gingen zu Beginn der Wiedervereinigung beträchtlich auseinander. Interessant wäre zu wissen, welche Differenzen auf Seiten des Arbeitsmarktes noch vorhanden waren beziehungsweise heute noch existieren und vor allem wie diese zu Stande kamen. Im Folgenden werden die Unterschiede und deren Hintergründe erörtert und vorgestellt. Dabei wird zuerst auf die Ursachen der Unterschiede zwischen der ehemaligen DDR und der BRD eingegangen, vor allem in Hinblick auf die politischen und wirtschaftlichen Differenzen und die daraus resultierenden Schwerpunkte auch unter Betrachtung der verschiedenen Familienformen. Anschließend werden die konkreten Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt nach der Wiedervereinigung erörtert. Zentral hierbei werden Themen wie Ausbildungssituation, Frauenerwerbstätigkeit, Lohndiskrepanzen, atypische Beschäftigungsformen und die Situation älterer Beschäftigter sein. Am Ende findet man eine mögliche Variante der zukünftigen Entwicklungen, sowie das Literaturverzeichnis und die Eidesstattliche Erklärung.

2 Ursachen der Unterschiede zwischen Ost und West auf dem Arbeitsmarkt

2.1 Grundsätze der Planwirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik

Die Wirtschaft wird zentral durch den Staat gelenkt. Von der zentralen Planungsbehörde werden sogenannte Plansollwerte festgelegt, die die Produktion und den Arbeitseinsatz konkret bestimmen. Es gilt das Planerfüllungsprinzip, welches Arbeitszeiten, Löhne, Produktionsmenge, Preise, zu verwendende Rohstoffe und alle weiteren zu beachtenden Faktoren in landwirtschaftlicher und industrieller Produktion vor gibt und genauso eingehalten werden muss. Zudem besitzen die Unternehmen kein Privateigentum, sondern gehören dem Kollektiv.[3]

2.2 Die Sozialpolitik der DDR nach sowjetischem Vorbild

In der ehemaligen DDR, deren Verfassung am 07.Oktober 1949 in Kraft trat, stand die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) an der Spitze der Macht. Staatsziel war es, einen sozialistischen Staat nach sowjetischem Vorbild zu errichten, weshalb man auch die vorher genannte Planwirtschaft als zentrales wirtschaftliches System einsetzte. Diese sollte vor allem die Vollbeschäftigung garantieren und einen Lebensstandard ermöglichen, der die materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung erfüllt. Im Mittelpunkt der Sozialpolitik stand die Arbeitsgesellschaft mit dem Recht auf Arbeit und ihre gerechte Entlohnung. Im Zuge dessen wurde großen Wert auf Arbeitsschutz- und Gesundheitspolitik gelegt und die Sozialleistungen innerhalb der Betriebe ausgebaut. Auch Frauen und Mütter wurden staatlich dazu aufgefordert zu arbeiten, was sich vor allem durch das gut ausgebaute und kostenlose Krippen- und Kindergartenangebot, den besonderen Kündigungsschutz für Mütter mit mehr als drei Kindern und einigen anderen geldlichen Anreizen weitestgehend verwirklichen lies, sodass die Frauenerwerbsquote 1989 bei 82,4% lag und es nahezu keine Arbeitslosigkeit zu verbuchen gab.[4][5]

Das Rentensystem der DDR war hingegen verbesserungsfähig. Die Rente betrug lediglich zwischen 36-45% des Nettolohnes der ehemaligen Arbeiter, wodurch Rentner – grad im Vergleich zum Westen - sehr wenig Geld zur Verfügung hatten. Zudem war das System nicht anpassungsfähig an die sich stetig wandelnden ökonomischen Gegebenheiten.[6][7]

2.3 Das System der sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Das zentrale Ziel der sozialen Marktwirtschaft ist der Wohlstand für alle bei bestmöglicher sozialer Absicherung. Ein wesentlicher Unterschied zur Planwirtschaft besteht darin, dass der Staat kein aktiver Akteur ist, sondern die Wirtschaft nur durch konjunktur-, wettbewerbs- und sozialpolitische Maßnahmen passiv steuern kann. Tatsächlich wird die soziale Marktwirtschaft von den privaten Haushalten und Unternehmen selbst gelenkt. So sind sie selbst die Eigentümer der Produktionsmittel und senken bzw. steigern die Produktion durch Angebot und Nachfrage. Es gilt das Leistungsprinzip, in dem das Einkommen als Mittel dient um seinem individuellen Arbeitsvermögen Ausdruck zu verleihen.[8]

Zentrale Kennzeichen der sozialen Marktwirtschaft sind vor allem die gesicherte Freiheit, die soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Unfall sowie die soziale Gerechtigkeit. Zudem steht einem die Berufs- und Arbeitsplatzwahl frei zu und wird vom Staat durch Institutionen wie zum Beispiel dem Arbeitsamt nur indirekt mitgesteuert. Vorteile sind die hohe Wirtschaftlichkeit, sowie hohe Güterversorgung. Nachteile hingegen können der aufbegehrende Wettbewerb, die Ballung wirtschaftlicher Macht und besonders die unsozialen Auswirkungen, wie etwa die Arbeitslosigkeit, darstellen.[9]

2.4 BRD – Vorzüge und Grenzen des Sozialstaates

Unter anderem dank Ludwig Erhard konnte die soziale Marktwirtschaft im Gebiet der BRD bereits vor deren Gründung realisiert werden. Kurz darauf wurden die Sozialversicherungen, also Kranken-, Unfall-, Alters- und Arbeitslosenversicherungen aktiv. Der Wohlstand für alle und das Wirtschaftswachstum sind die wesentlichen Ziele der BRD. Im Zuge dessen wurde 1957 das Rentensystem eingeführt, welches bis heute – in abgewandelter Form – besteht.[10]

Aufgrund der benötigten Arbeitskräfte sinkt die Arbeitslosenquote 1961 schließlich unter einem Prozent. Der Fleiß wird belohnt, die Wirtschaft boomt, wodurch einige Sozialleistungen sogar noch erweitert werden können.[11]Anfang der 1970er Jahre kommt es schließlich zum Strukturwandel von der Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft, wodurch die Arbeitslosigkeit steigt. Zudem übersteigt der Wunsch nach Bildung dem Wunsch nach Arbeit, wodurch immer weniger einfache Arbeiterstellen gesucht wurden. Die „neue soziale Frage[12]entsteht, die Bevölkerung fördert mehr Unterstützung für Familie, insbesondere berufstätige Mütter und die, die einem Beruf nachgehen wollen. Infolgedessen führt der Staat das Kindergeld, das Mutterschaftsurlaubsgesetz und den besonderen Kündigungsschutz für Frauen mit Kindern ein, um es ihnen zu ermöglichen Beruf und Familie vereinbaren zu können.[13]

Die Arbeitslosigkeit bleibt jedoch ein großes Problem und lässt sich selbst nach einschlägigen Reformen wie der Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge, kürzeren Wochenarbeitszeiten und der Steigerung der Höchstbezugsdauer des Arbeitslosengeldes nicht stabilisieren.[14]

2.5 Familienpolitik und familiäre Strukturen in BRD und DDR

Gemeinsam war der BRD und der DDR, dass die Ehe einen besonderen Stellenwert genoss. Sie galt beiderseits als privilegierte Lebensform auf welcher die Familie als unabdingbare Institution beruhte. Darüber hinaus unterschieden sich die Ansichten der beiden Staaten in Bezug auf den Aspekt der Familie jedoch sehr. Das sogenannte „male-breadwinner-model[15]der BRD, indem der Mann Vollzeit arbeitet, während die Frau zuhause bleibt und die Kinderbetreuung übernimmt, stand dem in der DDR verbreiteten Mehrverdienermodell gegenüber, in dem beide Partner Vollzeit beschäftigt sind. In der Bundesrepublik wurde aufgrund des hohen Stellenwerts der Privatheit sehr selten von Seiten des Staates ins Familienleben eingegriffen, zumal es auch nur geringe Vorgaben gab, wie eine Familie konkret zu führen ist. Ganz anders in der Deutschen Demokratischen Republik. Mit dem „neuen Typus der sozialistischen Familie[16]entstand ein spezifisches Leitbild zum Konzept der Familie basierend auf vier maßgeblichen Bestandteilen:[17]

„Der fürs Leben geschlossenen Ehe, der Übereinstimmung von Grundinteressen von Familie und Gesellschaft, der vollständigen formalen Gleichberechtigung von Mann und Frau und der besonderen Qualität der Gefühlsbeziehungen der Familienmitglieder untereinander.“[18]

Die BRD hatte seit den 1980 Jahren den Leitsatz der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beruhend auf dem Element des Erziehungsurlaubes von maximal drei Jahren. Insgesamt war die Familienpolitik eher anderen Zielsetzungen untergeordnet und wurde so nicht weiter beeinflusst. Im Gegensatz dazu stand die pronatalistische Familienpolitik der DDR mit stark paternalistischen Zügen, deren Förderung als ein zentraler Aspekt der Politik galt. Die Familie war Ort der Reproduktion in Vereinigung mit Beruf und erzieherischen Tätigkeiten.[19]

Zusammenfassend existierten in den beiden Staaten zwei völlig verschiedene Konzepte zur Familienpolitik. Während in der BRD beruflicher Erfolg und die materielle Sicherung die wesentlichen Voraussetzungen waren um Kinder zu bekommen, welche den erreichten Wohlstand und die Spontanität wiederum zu bedrohen schien, existierte in der DDR eine Wechselwirkung zwischen Familiengründung und der ausgeglichenen Balance zweier Partner zueinander, wobei die berufliche Stabilität nicht zwingend in Zusammenhang mit der Familienplanung stand.[20]

[...]


[1]Drasch, Katrin (2011): S. 178.

[2]Vgl. Drasch, Katrin (2011): S. 178.

[3]Vgl. Die Merkhilfe (Hg.) (2015).

[4]Vgl. Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2014): S. 11f.

[5]Vgl. Schieck, Dana (2003).

[6]Vgl. Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2014): S. 11f.

[7]Vgl. Schieck, Dana (2003).

[8]Vgl. Die Merkhilfe (Hg.) (2015).

[9]Vgl. Die Merkhilfe (Hg.) (2015).

[10]Vgl. Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2014): S. 14.

[11]Vgl. Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2014): S. 16.

[12]Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2014), S. 19.

[13]Vgl. Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2014): S. 18f.

[14]Vgl. Stiftung Jugend und Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2014): S. 20f.

[15]Lewis, Jane (2001), S. 157.

[16]Schneider, Norbert F. (1994): S. 61.

[17]Schneider, Norbert F. (1994): S. 58ff.

[18]Schneider, Norbert F. (1994): S. 61.

[19]Vgl. Schneider, Norbert F. (1994): S. 64f.

[20]Vgl. von der Lippe, Holger / Bernardi, Laura (2006): S. 2.

Details

Seiten
24
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668327689
ISBN (Buch)
9783668327696
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342875
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
Arbeitsmarkt Deutschland Frauenerwerbstätigkeit Unterschiede Wende Westdeutschland Ostdeutschland DDR BRD

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