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Arten der Sprachrezeption. Sensorische, syntaktische, semantische und pragmatische Rezeption

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. Sensorische Rezeption
2.1. Hören
2.2. Lesen

3. Syntaktische Rezeption

4. Semantische Rezeption
4.1. Konzeptuelle Aspekte der semantischen Rezeption
4.2. Referenz-, Kohärenz- und Inferenzprozesse

5. Pragmatische Rezeption

6. FAZIT

LITERATUR

1. EINLEITUNG

Die Psycholinguistik als Teil der Kognitionswissenschaft beschäftigt sich mit kognitiven Prozessen der Sprachverarbeitung. Die Fähigkeit zur Sprachverarbeitung beinhaltet die Fähigkeiten zur Sprachrezeption und zur Sprachproduktion. Bei diesen Prozessen handelt es sich in erster Linie um die Informationsverarbeitung bzw. um das Sprachverstehen im Allgemeinen. Die Information wird als Reihung der Signale im menschlichen Gehirn identifiziert, umgeformt und abgespeichert. Bei der Sprachproduktion handelt es sich um die Wiedergabe der bereits verarbeiteten Information. Die Sprachrezeption wird nicht als eine bloße Wiederspiegelung der Sprachproduktion angesehen, obwohl sich einige Verarbeitungsstufen ähneln. Die Sprachrezeption beschreibt die damit verbundenen kognitiven Prozesse, die sich in Anlehnung an die linguistischen Bestandteile – wie Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik – folgendermaßen unterscheiden lassen: perzeptuelles, morpho - syntaktisches, semantisches und pragmatisches Verstehen.

Wie die Prozesse auf diesen Ebenen untereinander agieren, wird von den Vertretern verschiedener Prozessmodelle beschrieben. Die Modelle lassen sich unterscheiden in autonome und interaktive Theorien. Erstere behaupten, dass die Prozesse unabhängig voneinander verlaufen. Interaktive Theorien sehen jedoch die Prozesse im Zusammenhang mit der ständigen Interaktion der Ebenen. Die Sprachrezeption wird folgendermaßen definiert:

„Die Sprachrezeption ist die zweite wichtige Verarbeitungsrichtung des Sprachverhaltens. […] Die sprachliche Information wird zunächst mit Hilfe der Sensorik erkannt und dann syntaktisch und semantisch weiterverarbeitet, bis sie schließlich auf der pragmatischen Ebene in den aktuellen Kommunikationszusammenhang eingebettet wird.“ (Rickheit 2002:93)

Des Weiteren unterscheidet Rickheit (2002) zwischen vier Hauptgruppen der Sprachrezeption: sensorische, syntaktische, semantische und pragmatische Rezeptionen. Im Weiteren soll auf einzelne Arten der Sprachrezeptionen eingegangen werden.

2. Sensorische Rezeption

2.1. Hören

Die sensorische Rezeption umfasst sowohl die auditive als auch die visuelle Seite der Sprachwahrnehmung. Mit dem Prozess des Hörens werden zuerst die auditiven sprachlichen Informationen gemeint. Im engeren Sinne betrifft es die Wort- und Bedeutungserkennung. Genau genommen die Fähigkeit des Menschen, die einzelnen Laute bzw. Phoneme zu erkennen und bedeutungsgemäß zuzuordnen. Die Kohortentheorie von William Marsel-Wilson und Lorrraine K. Tyler (1980) beleuchtet den Erkennungsprozess der Wörter, indem bereits an das erste gehörte Phonem eine ganze Reihe von potenziell richtig erkannten Wörter angehängt wird. Die weitere Einschränkung des Worterkennens passiert beim Hören des zweiten Phonems des Wortes. Die mögliche Reihe von Wörtern wird dadurch reduziert bis die richtige Variante übrig bleibt. Der Verlauf lässt sich auf folgendem Beispiel grafisch darstellen:

(1) das gesprochene WortIHRE

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Modell zeigt, dass bereits beim Hören die Bedeutung eines Wortes erkannt werden kann. Dabei spielt der Kontext eine große Rolle, denn in einem gegebenen Kontext erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer schnellen und vielmehr richtigen Identifizierung der Wortbedeutung. Der Kontext spielt insbesondere eine wichtige Rolle bei der Auseinanderhaltung der Homophone, wie z.B.:

(2)mahlen und malen

(3)Ihre und Ire

In solchen Fällen wird die Verarbeitung der lexikalischen Einheiten unter zwei Ansätzen betrachtet. Der Interaktionsansatz betrachtet den Vorgang der Worterkennung als kontextabhängig, der Autonomienansatz betrachtet dagegen denselben Vorgang als kontextunabhängig. Alle Bedeutungen eines mehrdeutigen Wortes werden gleichzeitig aktiviert. Die Wahl einer zum Kontext passender Variante erfolgt erst danach.

Das hybride Modell von Simpson (1984) vereint die Wichtigkeit des Kontextes sowie einzelne Wortbedeutungen (vgl. Rickheit (2002)). In der Sprachrezeptionsforschung spricht man auch von situierten Modellen der Sprachverarbeitung. Diese berücksichtigen, wie das Hybride Modell von Simpson (1984), die Sprachverarbeitung in ihrer Gesamtheit der verschiedenen Prozesse auf unterschiedlichen Ebenen, dabei wird die Kommunikationssituation unterstrichen (vgl. Prestin (2003)). Die Unterschiede zwischen diesen Ansätzen, die sensorische Rezeption betreffend, nämlich das Hören und dessen Verarbeitungsprozesse, kann man folgendermaßen darstellen:

a. Autonomienansatz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Lesen

Wie auch beim Hören handelt es sich beim Lesen um Worterkennung. Während beim Hören ein auditives Signal benutzt wird, so wird beim Lesen ein visuelles Signal genutzt, welches sich in den Graphemen äußert. Deren Reihung dient zur Erkennung bestimmter Informationen und somit zum Verstehen der geschriebenen Information. Die Information wird vor allem während der sogenannten Fixationen aufgenommen. Unter Fixationen werden die Ruhepausen zwischen den Augenbewegungen beim Lesen, von einem Ruhepunkt zu dem anderen, verstanden (vgl. Rickheit (2002)).

Neben den Augenbewegungen und Pausen gehört die Worterkennung zu dem wichtigen Teilprozess des Lesens. Das Logogen-Modell von John Morton (1970) gibt den Prozess der Worterkennung wieder, indem es auf die lexikalischen Elemente zugreift. Bei dem lexikalischen Zugriff handelt es sich um den sensorischen Input und den zu ihm im mentalen Lexikon passenden Einträgen. Aus der Menge zu dem Input passenden Varianten wird letztendlich eine Richtige ausgewählt. Als Logogen wird eine Wissenseinheit bezeichnet, durch die die Bedeutung des Wortes aktiviert wird. Das passiert dann, wenn ,,die Evidenz für das fragliche Wort einen gewissen Schwellenwert übersteigt […]“ (Rickheit 2002:95). Die häufig vorkommenden Wörter werden schneller erkannt als der einzelne Buchstabe. Es gelten jedoch auch die morphologischen Regeln, bei denen bestimmte Buchstabenverbindungen, die häufiger in den Wörtern vorkommen, schneller erkannt werden, z.B. in den Präfixenver-,be-undzer-. Die visuelle Worterkennung umfasst folgende kognitive Codes: Visuelle Codes, orthographisch-lexikalische Codes, die phonologische Aktivierung und den semantischen Code. Bestritten ist jedoch, ob diese Punkte lienal verlaufen oder aber auch parallel aktiviert werden (vgl. Müsseler (2003)).

3. Syntaktische Rezeption

Bei der syntaktischen Rezeption handelt es sich um eine Erscheinung, die Parsing - Prozesse, Garden – path - Sätze, Mehrfachanbettungen und perzeptuelle Strategien umfassen. Wie auch im gesamten Sprachverarbeitungsprozess, wird bei der Betrachtung des Parsing - Prozesses zwischen autonomen und interaktiven Theorien bzw. Herangehensweisen unterschieden. Der autonome Ansatz der Sprachverarbeitung plädiert für die klare Trennung des syntaktischen und des semantischen Teils eines Ausdrucks. Der interaktive Ansatz lässt zu, dass selbst die semantischen Variationen bei der Verarbeitung der syntaktischen Informationen behelfen.

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668326798
ISBN (Buch)
9783668326804
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342779
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Slavistik
Note
1,0
Schlagworte
Sprachverarbeitung Sprachwahrnehmung Arten der Sprachrezeption kognitive Linguistik Sprachrezeption

Autor

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Titel: Arten der Sprachrezeption. Sensorische, syntaktische, semantische und pragmatische Rezeption