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Theologische Gespräche im Religionsunterricht

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Theologische Gespräch
2.1 Definition und Ziele eines Theologischen Gesprächs
2.2 Mögliche Probleme und Schwierigkeiten beim Theologischen Gespräch

3. Entscheidbare und unentscheidbare Fragen

4. Die Rolle des Lehrers im Theologischen Gespräch

5. Argumentationsmuster von Jugendlichen im Theologischen Gespräch

6. Warum sind Theologische Gespräche mit Jugendlichen sinnvoll?

7. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der nachfolgenden Hausarbeit sollen die Chancen, welche das Theologische Gespräch im Religionsunterricht bietet, dargestellt werden. Als erstes wird erläutert, was ein Theologisches Gespräch ist und welche Ziele es verfolgt. Danach werden Probleme und Schwierigkeiten, die beim Theologischen Gespräch auftreten können dargelegt. Als nächstes wird zwischen entscheidbaren und unentscheidbaren Fragen unterschieden. Welcher dieser Fragetypen wird im Theologischen Gespräch behandelt?

Die Rolle des Lehrers im Theologischen Gespräch und damit einhergehende Kompetenzen, die die Lehrkraft besitzen sollte, werden in Kapitel vier erläutert. Argumentationsmuster, in welche sich Jugendliche während des Theologischen Gesprächs einordnen lassen, sollen in Kapitel fünf ihre Darstellung finden. Durch die Argumentationsmuster lässt sich der Entwicklungsstand der Jugendlichen bestimmen und die Offenbarung des Argumentationsmusters hilft den Schülern dabei, sich weiter zu entwickeln.

Die Frage, warum Theologische Gespräche mit Jugendlichen im Religionsunterricht sinnvoll sind findet in Kapitel sechs ihre Antwort. Das Fazit fasst schließlich die wichtigsten Punkte und Argumente dieser Hausarbeit noch einmal zusammen.

2. Das Theologische Gespräch

2.1 Definition und Ziele eines Theologischen Gesprächs

Oft werden „[D]ie Begriffe „‚Kindertheologie‘ / ‚Jugendtheologie‘, ‚Theologisieren mit Kindern‘ / ‚Theologisieren mit Jugendlichen‘ und ‚Theologische Gespräche mit Jugendlichen‘ […] weitgehend synonym gebraucht.“[1]An dieser Stelle sollen die unterschiedlichen Akzentuierungen der Fachbegriffe zum weiteren Verständnis erläutert werden.Theologisierenals Fachbegriff ist eine Art desPhilosophierens.[2]Dabei sind „[d]ie drei wesentlichen Merkmale des ‚Theologisierens mit Jugendlichen‘ […] [die] Subjektorientierung […] das Gespräch bzw. der Dialog […] und die Theologie.“[3]Die BegriffeKindertheologieundJugendtheologieerkennen die Theologie, die Kinder und Jugendliche betreiben, als deren eigene Theologie an und würdigt diese als eigenständige Theologie. Unterschieden wird bei diesen beiden Begriffen zwischen der Theologie der Kinder und Jugendlichen, der Theologie für Kinder und Jugendliche und der Theologie, welche gemeinsam mit den Kindern oder Jugendlichen entwickelt wird. Ihren Ausdruck findet die Kinder- bzw. Jugendtheologie meist erst im Theologischen Gespräch. Dieses Theologische Gespräch mit Mitschülern und einer Lehrperson führt häufig zur Weiterentwicklung der Theologie von Kindern und Jugendlichen.

Während man in der Kindertheologie auf jahrelange Forschung zurückblicken kann, ist die Jugendtheologie ein eher neues und weniger erforschtes Gebiet.

Doch was genau ist die Theologie der Kinder und Jugendlichen, die im Theologischen Gespräch ihren Ausdruck findet? Kinder und Jugendliche werden im Theologischen Gespräch als Theologen anerkannt.[4]Nach Wilfried Härle „dient Theologie ‚der gedanklichen Durchdringung, Reflexion und Überprüfung, also der denkenden Rechenschaft über den christlichen Glauben‘.“[5]Auch wenn den Kindern und Jugendlichen eine Reflexion ihres Glaubens zugesprochen wird, unterscheidet diese sich deutlich von der wissenschaftlichen Reflexion des Glaubens. Die Kinder sind Experten für ihre eigene Perspektive, aus der sie heraus ihre Fragen und letztendlich ihre Theologie entwickeln. Ihre Theologie und besonders deren Reflexion sollten von der Lehrperson gefördert werden, damit die Kinder und Jugendlichen zum selbstständigen theologischen Denken befähigt werden.

Die Ziele von Kinder- und Jugendtheologie, welche im Theologischen Gespräch ihren Ausdruck finden, sind zum Einen die Erlangung vonemotionaler Sicherheitund zum anderen die Erlangungkognitiver Klarheit. Unterkognitiver Klarheitversteht man den Erwerb von mehrschichtigem Wissen und der Ordnung der eigenen religiösen Vorstellungen. Diese Voraussetzungen versetzen die Kinder und Jugendlichen in die Lage, ihre religiöse Weltanschauung argumentativ zu vertreten. Somit bietet diekognitive Klarheiteine Grundlage, auf welche zurückgegriffen werden kann, wenn Argumente gesucht sind oder es darum geht, einzelne Aussagen in einem Gesamtkontext zu verstehen. Neben derkognitiven Klarheitist dieemotionale Sicherheitebenfalls ein Ziel von Kinder- und Jugendtheologie, welche durch das Theologische Gespräch erworben wird. Es ist dieemotionale Sicherheit, die mit und mit erworben wird und es den Kindern ermöglicht, mögliche Antworten auf ihre essentiellen Fragen zu finden. Dadurch, dass sie in die Lage versetzt werden, einleuchtende Antworten zu geben, erlangen sie dieseemotionale Sicherheit. Dennoch bleibt die Kinder- und Jugendtheologie ein immerwährender Prozess, bei welchem die Kinder und Jugendlichen mithilfe fachkompetenter Unterstützung in unvertrauten Situationen ihre Theologie hinterfragen und gegebenenfalls revidieren oder verändern.[6]

Man könnte sich nun die Frage stellen, warum wir Theologische Gespräche überhaupt benötigen. Können wir fragenden Kindern nicht einfach eine konkrete Antwort geben, die alle zufrieden stellt? Betrachtet man Fragen wie: Wohnt Gott in den Wolken? Wie sieht Gott aus?, spürt man augenblicklich, dass eine konkrete Antwort schwer fällt. Können wir sagen wie Gott aussieht? Was ist falsch daran, wenn sich Kinder Gott als einen alten Mann mit Bart vorstellen? Muss ich dieses Gottesbild als falsch bewerten? Können wir, selbst wenn wir mehr wissenschaftliches Hintergrundwissen als die Schüler haben, entscheiden, welches Gottesbild falsch und welches richtig ist? Statt den Kindern bei unentscheidbaren Fragen eine Antwort zu geben, die uns als richtig erscheint, erkennen wir die Schüler als eigenständige Theologen an und würdigen ihre Theologie.[7]Ziel des Theologischen Gesprächs ist es dann, diese Theologie zu hinterfragen, zu diskutieren und gegebenenfalls zu überarbeiten. Das Thema der entscheidbaren und unentscheidbaren Fragen wird im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit aufgegriffen.

Für den weiteren Verlauf dieser Hausarbeit gilt, dass dasTheologische Gesprächund dasTheologisieren, welches das Theologische Gespräch zum Inhalt hat, synonym verwendet werden.

2.2 Mögliche Probleme und Schwierigkeiten beim Theologischen Gespräch

Auch, wenn das Theologische Gespräch die Möglichkeit bietet, die Theologie der Kinder und Jugendlichen zu festigen und zu besprechen, gibt es keine Garantie, dass diese Möglichkeit auch genutzt wird. Sehen einige Schüler das Theologische Gespräch als Chance, in offenen Diskussionen Meinungen und Theologien auszutauschen, empfinden andere Schüler diese Gespräche schnell als „Gelabere“.

Zudem ist es schwierig, theologische Fakten, wie z.B. den theologischen Begriff der Trinität den Schülern nahezubringen. Diese Fakten müssen alleine aufgrund des Lehrplans den Schülern nahegebracht werden und sind nicht auslegbar, wie beispielsweise das eigene Gottesverständnis. Scheinbar fällt es den Schülern schwer, zwischen der Darlegung ihrer eigenen Theologie, die auf jeden Fall von Schüler zu Schüler individuell sein darf und der Notwendigkeit der Erlernung von Theologischen Denkfiguren und Tatsachen, die keinen großen Auslegungsspiel-raum bieten, zu unterscheiden.[8]

Problematisch bei Theologischen Gesprächen ist ihre Unplanbarkeit. Theologische Fragen von Seiten der Kinder kommen oft ohne Vorwarnung und sind manchmal nicht als solche zu verstehen, der Lehrer kann sie leicht überhören. Als schwierig stellen sich viele Fragen der Schüler heraus, wie: Hat Gott Ohren mit denen er uns hören kann? Über diese Aspekte der Theologie machen sich Erwachsene oft keine Gedanken, Kinder dagegen schon und es fällt den Lehrern schwer, auf eine solche Frage eine befriedigende Antwort zu finden.[9]

Für viele Lehrer stellt sich das Problem, dass sie unter dem Druck stehen, dem Lehrplan gerecht zu werden und die Kinder auf ihren Schulabschluss vorzubereiten. In den Augen mancher Lehrer bleibt daher keine Zeit für Theologische Gespräche, welche die Schüler, mit ihren individuellen Theologien in den Vordergrund rücken. Daneben ist das Theologisieren im Unterricht für viele Lehrer etwas Neues und Unbekanntes, mit dem sie sich möglicherweise nur ungerne auseinandersetzen und stattdessen auf altbekanntes vertrauen. Außerdem ist es für die Lehrkräfte schwierig, konkrete Unterrichtsthemen zu formulieren und gleichzeitig dem Theologischen Gespräch im Unterricht Raum zu geben. Soll sich an geplante Unterrichtsthemen gehalten werden, ist es schwierig, den Bedürfnissen der Schüler als Individuen gerecht zu werden. Die Theologie der Schüler und die wissenschaftliche Theologie, welche in konkreten Unterrichtsthemen vermittelt werden soll, sind nicht einfach in Einklang zu bringen. Die bereits in Kapitel 2.1 erwähnten drei Kernaspekte des Theologischen Gesprächs, der Subjektbezug, das Gespräch selbst und die Theologie der Schüler bzw. des Lehrers, können manchmal verfehlt werden, selbst wenn man ein Theologisches Gespräch anstrebt. Erwartet die Lehrkraft eine bestimmte Antwort oder gibt Antwortmöglichkeiten vor, entsteht kein echtes Gespräch, da der Ausgang des Gesprächs bereits feststeht. Die Theologie wird im Unterricht oft beschnitten, wenn sie auf die Behandlung der Ethik und das Einräumen von Kirchenkritik reduziert wird. Die Schüler, welche als Subjekt im Mittelpunkt stehen sollen, werden oft zum Objekt des Gesprächs degradiert. Für die Theologie der Schüler wäre es negativ, wenn sie zum Objekt degradiert werden, indem ihre theologischen Ansichten als Negativbeispiel verwendet werden, um zu erklären, wie die wissenschaftliche Theologie den gleichen Sachverhalt „richtig“ versteht. Würde der Dialog wie zuvor beschrieben so verlaufen, dass die Schülerantworten genutzt werden, um zur Wahrheit des Glaubens zu finden, wie die Kirche Sachverhalte versteht, wäre kein Theologisches Gespräch gelungen.

In einigen Fällen wird den Schülern angeboten, sich in Textform oder mündlich z.B. zu ihrem Gottesbild zu äußern. Im weiteren Verlauf werden diese Äußerungen, ob sie mündlich oder schriftlich sind, oft nicht genutzt. Sie werden zur Kenntnis genommen, evtl. auch kommentiert, aber das eigentliche Ziel eines Theologischen Gesprächs, bei dem die eigene Theologie im Dialog verteidigt, hinterfragt, überdacht und weiterentwickelt werden soll, wird verfehlt.[10]

Insgesamt kann trotz angeführter Schwierigkeiten, ein diskursiver Religionsunterricht als Chance verstanden werden. Es ist eine neue Art der Herangehensweise im Unterricht, mit Schülern zu Theologisieren und über religiöse Ansichten ins Gespräch zu kommen. „Die Aufgabe besteht damit also nicht in einer einfachen [Wiedergabe]des themenzentriert-problemorientierten Religionsunterrichts, sondern in einer Weiterentwicklung, Neuausrichtung und Innovation im Blick auf eine der aktuellen Situation angemessenen (Wieder-)Aufnahme, Weiterführung und Profilierung des religionspädagogischen Kernanliegens, mit Heranwachsenden religiöse und theologische Fragestellungen zu thematisieren.“[11]Diesem Anspruch wird das Theologisieren mit Schülern gerecht. Es bleibt jedoch zu überlegen, inwieweit dieses Vorgehen mit dem Lehrplan vereinbar ist.

[...]


[1]Freudenberger-Lötz, Petra, Theologische Gespräche mit Kindern und Jugendlichen. Konzeptionelle Grundlegung und empirische Befunde, in: Freudenberger-Lötz, Petra/Riegel, Ulrich (Hrsgg.), >>Mir würde das auch gefallen, wenn er mir helfen würde<<. Baustelle Gottesbild im Kindes- und Jugendalter. Jahrbuch für Kindertheologie. Sonderband, Stuttgart 2011, 11.

[2]Vgl. Ebd, 11.

[3]Dietrich, Veit-Jakobus, Theologisieren mit Jugendlichen – Einleitende Überlegungen, in: Dietrich, Veit-Jakobus (Hrsg.), Theologisieren mit Jugendlichen. Ein Programm für Schule und Kirche, Stuttgart 2012, 9.

[4]Vgl. Freudenberger-Lötz, Theologische Gespräche mit Kindern und Jugendlichen, in: >>Mir würde das auch gefallen, wenn er mir helfen würde<<, 11-12.

[5]Ebd., 12.

[6]Vgl. Ebd., 13.

[7]Vgl. Freudenberger-Lötz, Petra, Theologische Gespräche mit Kinder – Chancen und Herausforderungen für die Lehrer/innenausbildung, 2007: http://www.theo-web.de/zeitschrift/ausgabe-2007-01/3.pdf, zuletzt aufgerufen 10.05.2015.

[8]Vgl. Dietrich, Theologisieren mit Jugendlichen – Einleitende Überlegungen, in: Theologisieren mit Jugendlichen, 9-11.

[9]Vgl. Freudenberger-Lötz, Petra, Theologische Gespräche mit Kinder – Chancen und Herausforderungen für die Lehrer/innenausbildung, 2007: http://www.theo-web.de/zeitschrift/ausgabe-2007-01/3.pdf, zuletzt aufgerufen 10.05.2015.

[10]Vgl. Dietrich, Theologisieren mit Jugendlichen – Einleitende Überlegungen, in: Theologisieren mit Jugendlichen. Ein Programm für Schule und Kirche, 9-12.

[11]Vgl. Ebd., 12.

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668327627
ISBN (Buch)
9783668327634
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342740
Note
2,0
Schlagworte
theologisches Gespräch Religionsunterricht Religionspädagogik entscheidbare Fragen unentscheidbare Fragen

Autor

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Titel: Theologische Gespräche im Religionsunterricht