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Wachstumsfinanzierung mit Hilfe eines Börsengangs am Beispiel der Treppenliftbranche

Hausarbeit 2016 26 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Die Treppenliftbranche

2. Finanzierungsmöglichkeiten
2.1 Innenfinanzierung
2.1.1 Selbstfinanzierung
2.1.2 Rückstellungsfinanzierung
2.1.3 Umschichtungsfinanzierung
2.2 Außenfinanzierung
2.2.1 Eigenfinanzierung
2.2.2 Fremdfinanzierung
2.2.3 Mezzanine Finanzierung

3. Börsengang als Finanzierungsalternative
3.1 Vorteile und Chancen
3.1.1 Wachstumsfinanzierung und Eigenkapitalstärkung
3.1.2 Imagegewinn
3.1.3 Nachfolgeregelung
3.2 Nachteile und Gefahren
3.2.1 Publizitätspflicht
3.2.2 Kosten
3.2.3 Überfremdungsgefahr

4. Going Public – Ablauf des Börsengangs
4.1 Vorbereitung
4.1.1 Berater
4.1.2 Unternehmensanpassung
4.1.3 Timing
4.1.4 Marktsegment und Börsenplatz
4.2 Umsetzung
4.2.1 Auswahl der Emissionsbanken
4.2.2 Emissionsvolumen
4.2.3 Due Diligence
4.2.4 Equity Story
4.2.5 Verkaufsprospekt
4.2.6 Preisfindung
4.3 Nachbetreuung

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 21 Genutzte Instrumente zur Wachstumsfinanzierung in Deutschland (Stand: 2011)

Abb. 31 Anzahl der Börsengänge in Deutschland von 1990 bis 2015

Abb. 41 Phasen des IPO-Prozesses

Einleitung

Die Treppenlift GmbH ist ein mittelständisches Unternehmen, welches im Bereich Spezialmaschinenbau für die Investitionsgüterindustrie, vorwiegend für die Treppenliftbranche, tätig ist. Die Branche erfreut sich an wachsenden Umsätzen und steigenden Auftragseingängen. Diese Arbeit entstand vor dem Hintergrund einer Expansion der Treppenlift GmbH, dessen Branche in Kapitel 1 kurz vorgestellt wird, und soll dem Leser einen Einstieg in das Thema Wachstumsfinanzierung mit Hilfe eines Börsengangs ermöglichen.

Wachstumsfinanzierung setzt zunächst die Erhöhung des Kapitals voraus. Um an Kapital für eine Wachstumsfinanzierung zu gelangen, bieten sich einem Unternehmer mehrere Möglichkeiten an. Grundlegende Finanzierungsmöglichkeiten werden in Kapitel 2 dargestellt. Um ein langfristiges Wachstum der Treppenlift GmbH sicherzustellen, erwägt das Unternehmen einen Börsengang. Zunächst werden in Kapitel 3 die Vor- und Nachteile eines Börsengangs erläutert, anschließend werden in Kapitel 4 die Maßnahmen für einen erfolgreichen Börsengang dargestellt.

1. Die Treppenliftbranche

Zukunftsmarkt „Alter“ – Herausforderungen und ökonomisches Potential

Die Gesellschaft in Deutschland – und nicht nur hier – wird immer älter. Künftig wird die Bevölkerung wesentlich stärker als heute von älteren Menschen geprägt sein.[1] Eine höhere Lebenserwartung scheint zunächst erfreulich, doch im Alter kann es zunehmend zu altersbedingten Einschränkungen kommen, die den Alltag und ein selbstbestimmtes Leben erheblich erschweren. Und das umso mehr, als der Wunsch der alternden Bevölkerung, die eigene Wohnung / das eigene Haus bzw. das eigene Umfeld nicht zu verlassen, dem entgegensteht.

Unter diesem Aspekt einer altersgerechten und komfortablen Unabhängigkeit entwickelt sich zwangsläufig ein Bedarf an Pflege-, Versorgungs- und Mobilitätsangeboten, der über die Jahre – so vermutet der Verfasser - stetig ansteigen wird. Für Unternehmen, die sich auf diesen Markt begeben wollen, bieten sich vielfältige Anknüpfungspunkte.

Treppenlifte sind geeignet zum nachträglichen Einbau in vorhandene Treppen, lassen sich vielfältig technisch ausgestalten und greifen den Wunsch nach unabhängiger Mobilität der Senioren konsequent auf. Die Anschaffung dieser Lifte stellt für die Senioren dank unterschiedlicher (zumindest teilweiser) Förderung durch Kostenträger (u. a. Pflegeversicherung) keine allzu große Belastung dar. Entsprechender Absatz ist möglich.

Viele Hersteller von Treppenliften – regional oder global tätig – haben sich inzwischen etabliert. Bedingt durch die Realisation nahezu jeden Kundenwunsches ist bei den Herstellern eine Ausstattung mit Maschinen unterschiedlicher Produktionsmöglichkeiten durchaus gegeben.

Der Hersteller eben dieser Investitionsgüter, die Treppenlift GmbH, ist im Bereich Spezialmaschinenbau tätig, sieht sich selbst stark wachsender Möglichkeiten gegenüber und steht – dank nicht zuletzt großer Forschungs- und Entwicklungskosten – vor der Überlegung, statt herkömmlicher Finanzmittelbeschaffung über Kreditinstitute eine Beteiligungsfinanzierung zu favorisieren.

2. Finanzierungsmöglichkeiten

Unter Finanzierung versteht man die Entscheidung über die Ausstattung bzw. Änderung des betrieblichen Kapitals. In der Regel sind die finanziellen Mittel eines Unternehmens begrenzt und reichen nicht aus um ein Unternehmenswachstum zu finanzieren.[2] Wie in Abbildung 2-1 ersichtlich ist Stand 2011 die interne Finanzierung das meist genutzte Instrument zur Wachstumsfinanzierung deutscher Unternehmen.[3] Als Alternative zur internen Finanzierung können aber auch von außen finanzielle Mittel durch Dritte aufgebracht werden.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-1 Genutzte Instrumente zur Wachstumsfinanzierung in Deutschland (Stand: 2011) (Quelle: Handelsblatt, 2011, Anlehnung an Statista)

2.1 Innenfinanzierung

Innenfinanzierung bedeutet die Kapitalbeschaffung aus dem Umsatzprozess. Voraussetzung für eine Innenfinanzierung ist das Vorhandensein liquider Mittel, die im Unternehmen zurückbehalten werden können, um Investitionen oder andere Aufwendungen zu finanzieren.[5] Bei der Innenfinanzierung können Gewinne thesauriert werden (Selbstfinanzierung), Kapital durch Vermögensverkauf freigesetzt werden oder durch die Bildung von Rückstellungen und die Absetzung von Abschreibungen in der GuV finanzielle Mittel einbehalten werden.[6]

2.1.1 Selbstfinanzierung

Bei der Selbstfinanzierung werden Gewinne einbehalten (thesauriert) und nicht in Form von Ausschüttungen an Gesellschafter ausbezahlt. Der Gewinn verbleibt als Investitionskapital im Unternehmen. Man unterscheidet zwischen der offenen und stillen Selbstfinanzierung. Die offene Selbstfinanzierung ist im Jahresabschluss ersichtlich, sie erfolgt aus dem versteuerten Gewinn. Bei der stillen Selbstfinanzierung ist die Gewinneinbehaltung hingegen nicht aus dem Jahresabschluss ersichtlich.[7]

2.1.2 Rückstellungsfinanzierung

Rückstellungen sind Verbindlichkeiten deren Höhe oder Fälligkeit noch nicht sicher feststehen.[8] In der Bilanz handelt es sich dabei um eine Vorwegnahme von Aufwendungen. Liquide Mittel können an das Unternehmen gebunden werden, da zunächst keine Mittel für Ertragssteuer-Zahlungen an den Fiskus oder Dividenden an die Anteilseigner abfließen.[9]

2.1.3 Umschichtungsfinanzierung

Eine Umschichtungsfinanzierung stellt eine Finanzierung aus Vermögensumschichtungen außerhalb des üblichen Umsatzprozesses dar. Durch Veräußerung von Sachgütern, Finanzwerten oder immateriellen Gütern erhöhen sich die liquiden Mittel, die für eine Finanzierung zu Verfügung stehen.[10]

2.2 Außenfinanzierung

Bei der Außenfinanzierung erfolgt die Kapitalbeschaffung außerhalb des Unternehmens an den Geld- und Kapitalmärkten. Die Deckung des Kapitalbedarfs kann durch Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung erfolgen.[11]

2.2.1 Eigenfinanzierung

Unter Eigenfinanzierung versteht man die Beschaffung von Eigenkapital durch Einlagenerhöhung durch die bisherigen Gesellschafter oder durch Ausgabe von Anteilsscheinen. Zum Beispiel erhöht ein neuer Anteilseigner durch seine Beteiligung das Eigenkapital des Unternehmens. Im Gegensatz zur Fremdfinanzierung hat der Anteilseigner ein Mitspracherecht und einen Anspruch auf einen Gewinnanteil, aber auch eine Verlustbeteiligung.[12] Deutsche Unternehmen sind vergleichsweise gering mit Eigenkapital ausgestattet. Bei 43% der deutschen Unternehmen liegt die Eigenkapitalquote unter 10%, lediglich 15% der Unternehmen weisen eine Eigenkapitalquote von über 30% aus.[13]

2.2.2 Fremdfinanzierung

Fremdkapital bezeichnet Kapital, welches einem Unternehmen zeitlich begrenzt durch Fremdkapitalgeber (Gläubiger) zur Verfügung gestellt wird. Da Fremdkapitalgeber kein Eigentum an dem Unternehmen erwerben, haben sie keinen Anspruch auf Mitspracherecht und Gewinnanteilen. Für die Bereitstellung des Kapitals werden sie mit Zinsen vergütet. Zinsen und Tilgung müssen fristgerecht beglichen werden, ohne Rücksicht auf die Liquidität des Unternehmens. Bei Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens werden Fremdkapital-Geber vorrangig vor Eigenkapital-Gebern befriedigt.[14]

2.2.3 Mezzanine Finanzierung

Mezzanin (ital. Mezzo ‚halb’) bedeutet in der Architektur ein niedriges Halb- oder Zwischengeschoss zwischen zwei Hauptgeschossen. Übertragen auf die Finanzierung eines Unternehmens wird Mezzanine-Kapital als Mischform zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung bezeichnet. Es wird Eigenkapital zugeführt, ohne den Kapitalgebern Mitspracherecht oder Gewinnausschüttung wie den echten Gesellschaftern zu gewähren. Die Haftung, beispielsweise bei einer Insolvenz, ist ähnlich wie der Eigenfinanzierung. Handels- und steuerrechtlich hingegen wir Mezzanine-Kapital als Fremdfinanzierung definiert.[15]

3. Börsengang als Finanzierungsalternative

Wie in Kapitel 2 vorgestellt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zur Finanzierung eines Unternehmens. Unter einem Börsengang bzw. Going Public oder IPO versteht man den erstmaligen Gang an die Börse zur Ausgabe von Anteilscheinen.[16]

Der Börsengang sticht unter den Finanzierungsmöglichkeiten als Königsweg heraus, da dieser für ein Unternehmen eine Vielzahl an Vorteilen und Chancen bietet, aber auch mit erheblichen Auswirkungen verbunden ist.[17] Bei dem Börsengang als Finanzierungsmethode handelt es sich um eine Eigenfinanzierung und lässt sich somit der Außenfinanzierung zuordnen, da das Kapital nicht aus dem betrieblichen Umsatzprozess resultiert.

Auch wenn der Börsengang viele Chancen bietet, entscheiden sich in Deutschland dennoch nur wenige Unternehmen für diesen Schritt. Wie in Abb. 3-1 ersichtlich, erfolgten im Jahr 2015 15 Börsengänge in Deutschland.[18] Rückblickend gab es um die Jahrtausendwende noch einen großen Trend für den IPO, der ab dem Jahr 2001 stark zurückging. Ab dem Jahr 2013 entwickelt sich jedoch wieder ein positiver Trend zum IPO.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3-1 Anzahl der Börsengänge in Deutschland von 1990 bis 2015 (Quelle: Kirchhoff, n.d.)

3.1 Vorteile und Chancen

Es gibt verschiedene Gründe, die für einen Börsengang sprechen; sie werden nachfolgend erläutert. In der Regel wird die Wahl des IPO aus mehreren Gründen beschlossen, abhängig von der jeweiligen Unternehmenssituation.[19] Für mittelständische Familienunternehmen sind überwiegend finanzielle Gründe für den IPO maßgebend.[20]

3.1.1 Wachstumsfinanzierung und Eigenkapitalstärkung

Die wichtigsten Motive, die für einen Börsengang sprechen, bilden die Wachstumsfinanzierung und die Eigenkapitalstärkung. Ein Börsengang ist mit einer Kapitalerhöhung verbunden, das heißt es fließen dem Unternehmen neue liquide Mittel zu. Dies erhöht das Eigenkapital und die benötigten finanziellen Mittel für ein Wachstum.[21] Wenn die zukünftigen Aktionäre durch eine überzeugende Unternehmensstrategie von einer Investition überzeugt werden können, ist die Aufnahme von Eigenkapital bei einem Börsengang nahezu unbegrenzt.[22] Durch die geringe Abhängigkeit von Kreditinstituten erhöht sich auch die Flexibilität des Unternehmens, da Entscheidungen direkt umgesetzt werden können und keine Zinsen und Tilgung vorhanden sind.[23]

Neben der Erhöhung des Eigenkapitals und der Flexibilität verbessert ein Börsengang aber auch die Möglichkeiten der Fremdfinanzierung. Durch die Erhöhung des Eigenkapitals erhöht sich entsprechend die Eigenkapitalquote. Dies hat den Vorteil, dass eine einfache Aufnahme von weiteren Fremdmitteln erfolgen kann, da sich beispielsweise die Konditionen bei Banken verbessern.[24]

3.1.2 Imagegewinn

Ein weiterer wesentlicher Vorteil, der ein Börsengang mit sich bringt, ist das verbesserte Image und der steigende Bekanntheitsgrad eines Unternehmens. Ein IPO wird immer noch stark von der Öffentlichkeit beachtet und es wird in der Presse viel Platz für Unternehmen, die einen IPO starten, eingeräumt. Dieser Effekt bringt kostengünstige unternehmensbezogene Werbemaßnahmen mit sich und verstärkt die aktive Informationspolitik im Vorfeld der Börseneinführung.[25] Ein positiver Nebeneffekt, der durch das verbesserte Image entsteht, ist die einfachere Beschaffung von Produktionsfaktoren, zum Beispiel die Einstellung von qualifizierte Mitarbeitern und Führungskräften. Ein börsennotiertes Unternehmen genießt ein höheres Ansehen als nicht gelistete Mitbewerber, entsprechend leichter kann qualifiziertes Personal eingestellt werden. Auch kann die Motivation der Mitarbeiter durch wertorientierte Leistungsanreize wie Aktienoptionen gesteigert werden.[26]

[...]


[1] Vgl. (Haustein, Mischke, Schönfeld, & Willand, 2016, S. 14)

[2] Vgl. Schneck, 2015, S. 320

[3] Vgl. Handelsblatt, 2011

[4] Vgl. Schneck, 2015, S. 320

[5] Vgl. Koss, 2006, S. 137

[6] Vgl. Schneck, 2015, S. 320-322

[7] Vgl. Becker, 2010, S. 242ff.

[8] Vgl. Schneck, 2015, S. 803

[9] Vgl. Koss, 2006, S. 118

[10] Vgl. Koss, 2006, S. 254

[11] Vgl. Schneck, 2015, S. 79

[12] Vgl. Schneck, 2015, S. 255-256

[13] Vgl. Koss, 2006, S. 126

[14] Vgl. Koss, 2006, S. 80

[15] Vgl. Reichling, Beinert, & Henne, 2005, S. 237

[16] Vgl. Schneck, 2015, S. 396

[17] Vgl. Bösl, 2004, S. 11

[18] Vgl. Kirchhoff, n.d.

[19] Vgl. Schnobrich & Barz, 2000, S. 25

[20] Vgl. Ehrhardt, 1997, S. 8

[21] Vgl. Brettel, Rudolf, & Witt, 2005, S. 229

[22] Vgl. Ferres, 2001, S. 19

[23] Vgl. Haubrok, 2006, S. 24

[24] Vgl. Haubrok, 2006, S. 24

[25] Vgl. Rummer, 2006, S. 50

[26] Vgl. Brettel, Rudolf, & Witt, 2005, S. 230-231

Details

Seiten
26
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668337305
ISBN (Buch)
9783668337312
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342717
Note
2.0
Schlagworte
Wachstumsfinanzierung Börsengang Unternehmen Wachstumsmaßnahmen

Autor

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