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Gesundheitszustand von Personen mit Migrationshintergrund. Einfluss von Gewicht und Alkoholkonsum

Eine Forschungsarbeit

von Ulrike Köpke (Autor) Janina Mensing (Autor)

Forschungsarbeit 2014 67 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Einbettung
2.1 Forschungsstand
2.1.1 Theorien- Migranten in Deutschland
2.1.2 Theorien - Determinanten von Gesundheit
2.1.3 Theorien - Risikofaktoren in Bezug auf die Gesundheit
2.1.4 Bisherige empirische Befunde
2.2 Definitionen
2.3 Hypothesenableitung
2.3.1 Hypothesen zum Alkoholkonsum
2.3.2 Hypothesen zum Übergewicht

3. Datenerhebung
3.1 Fragebogenkonstruktion
3.2 Befragung und Probandensuche
3.3 Quotenvorgabe und Quotenerfüllung

4. Empirische Analyse
4.1 Daten, Variablen, Chi²-Teststatistik (Methode)
4.2 Bivariate Statistik: Alkoholkonsum
4.3 Bivariate Statistik: Gewicht
4.4 Logistische Regression (Methode)
4.5 Logistische Regression: Übergewicht
4.6 Logistische Regression: Alkoholkonsum

5. Diskussion
5.1 Schlussfolgerungen in Bezug auf die Hypothesen
5.2 Reflexion

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Die Lebensdauer der Bevölkerung hat sich seit dem 18. Jahrhundert fast verdoppelt und akute Erkrankungen wie Viruserkrankungen haben erheblich abgenommen (vgl. Hurrelmann 2019: 19, zit. nach Höpflinger 1997: 150). Trotzdem ist das Thema Gesundheit nach wie vor ein zentrales Thema in unserer Gesellschaft, da diese sich nun mit chronischen Krankheiten konfrontiert sehen muss, welche anstelle der akuten Krankheiten stark zugenommen haben (vgl. ebd.: 19).

Migration als Lebensereignis kann die Biografie jener Menschen und ihrer Nachkommen in hohem Maße prägen. So können sich unterschiedliche Belastungen, die mit der Migration einhergehen, auf die Gesundheit der Menschen auswirken. So zum Beispiel eine mögliche Trennung von der Familie, die rechtlichen Bedingungen im Aufnahmeland oder im schlimmsten Fall auch Verfolgung und Folter, welche zu gesundheitlichen Belastungen führen können (vgl. Geiger / Razum: 2006: 724f., zit. nach Razum 2004). Gesundheitsrisiken, welche im Herkunftsland vorherrschen, können beibehalten oder abgelegt werden. Zudem kann auch riskantes Verhalten des Aufnahmelandes angenommen werden (vgl. ebd.: 728).

Der vorliegende Forschungsbericht geht aus dem Forschungskolloquium „Gesundheit/ Krankheit im Lebenslauf- Migranten, Integration, Religion“ (Teil 2) als Abschlussarbeit unserer eigenen Forschung hervor. Im Folgenden soll diese Arbeit auf den Alkoholkonsum und das Gewicht der Befragten eingehen und die in diesem Zusammenhang aufgestellten Hypothesen annehmen oder ablehnen. Hierbei wird besonders in der theoretischen Fundierung auf Personen mit Migrationshintergrund eingegangen, sowie einige unabhängige Variablen speziell auf diesen getestet. Personen mit Migrationshintergrund stellen mit einer Anzahl von 15 Millionen Menschen einen großen Anteil der Bevölkerung dar. Zurückgeführt werden kann das auf die Geschichte Deutschlands und seinem Status als Einwanderungsland (vgl. Kleindienst- Cachay / Cachay / Bahlke / Teubert 2012: 11). Die hohe Zahl an Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur rechtfertigt unser Interesse an deren Gesundheitsstatus, weswegen wir in einigen Fällen nochmal genauer auf Menschen mit Migrationshintergrund und deren Gesundheitszustand eingehen beziehungsweise diesen mit der einheimischen Bevölkerung vergleichen.

Da schon im ersten Forschungsbericht der Alkoholkonsum und das Gewichtsempfinden von Jugendlichen einen zentralen Punkt darstellten, soll sich diese Arbeit näher mit dem

Gewicht und dem Alkoholverzerr von Erwachsenen beschäftigen. Im Folgenden soll zunächst erklärt werden, welche empirischen Befunde es bisher gibt und welche Theorien damit in Zusammenhang gebracht werden können. Die Grundlage dafür bilden unter anderem das Robert Koch-Institut, der Epidemiologische Suchtsurvey, sowie der Telefonische Gesundheitssurvey. Danach erfolgt eine ausführliche Beschreibung des Datensatzes des GKL_2013, sowie die Auswertung der Daten in Bezug auf unsere Forschungsfragen. Zuletzt soll dann in der Diskussion auf Probleme, die sich im Rahmen unserer Auswertung ergeben haben, Bezug genommen werden.

2. Theoretische Einbettung

2.1 Forschungsstand

2.1.1 Theorien- Migranten in Deutschland

Akkulturation

Auch in der heutigen Gesellschaft gibt es noch Diskussion um die Anpassung von Ausländerinnen und Ausländern im Zielland. Hierbei ist aber nicht die Angleichung an gesellschaftliche und politische Strukturen, also die Integration der Migranten im Zielland, zu verstehen. Eher ist die Anpassung an Lebensstile und Lebensformen des Aufnahmelandes gemeint, die dann landestypische Verhaltensweisen, wie unter anderem Ernährungs-, Gesundheits- bzw. Risikoverhalten, zur Folge haben (vgl. Kohls 2008: 24, zit. nach Kliewer 1992, Jasso et al. 2004). Akkulturation bezieht sich also auf die Anpassung der Migranten an die Gesellschaft des Ziellandes, wobei mit Akkulturation der Prozess der Angleichung gemeint ist (vgl. Treibel 1999: 138). Dies wird weiterhin als Assimilation bezeichnet. Folglich behalten Migranten auch nach der Zuwanderung zunächst die bekannten Lebensstile und Verhaltensweisen des Herkunftslandes bei und nutzen die Vorteile einer ethnischen Zugehörigkeit im Zielland, indem sie eine Gemeinschaft bilden (vgl. Kohls 2008: 24, zit. nach Abraido-Lanza et al. 1999, Palloni / Arias 2004). In Folge dessen sind Migranten vor den „(eventuell ungesunden) Lebensstil des Ziellandes geschützt“ (Kohls 2008: 24), weshalb sie zumeist im Zielland eine bessere Gesundheit und eine niedrigere Sterblichkeit aufweisen (vgl. Kohls 2008: 24, zit. nach Abraido-Lanza et al. 1999, Palloni / Arias 2004). So kann beispielsweise bei Migranten, die in Deutschland leben, die geringe Verbreitung von Herz-Kreislauf- Erkrankungen begründet werden. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass sie ihre ursprünglichen Ernährungsgewohnheiten beibehalten (vgl. Kohls 2008: 24, zit. nach Razum / Zeeb 2000). Das führt häufig dazu, dass die gesunden Ernährungs- und Gesundheitsverhalten abgelegt werden und somit das ungesunde Risikoverhalten des Ziellandes angenommen wird (vgl. Kohls 2008: 25). Des Weiteren bewirkt das aber auch die sozioökonomische Benachteiligung von Migranten im Zielland (vgl. Kohls 2008: 25, zit. nach Kliewer 1992, Razum / Rohrmann 2002, Jasso et al. 2004). Zusammenfassend kann man davon sprechen, dass sich die an das Zielland angepassten Gewohnheiten, wie beispielsweise das Ernährungsverhalten, manifestieren. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Zielland könnten also für die Mehrheit der Migranten „die lebensstil- und lebensformbedingten Unterschiede zunehmend kleiner werden […]“ (Kohls 2008: 25). Dies kann durch den Arbeitsplatz und die Freizeit erklärt werden, da somit Kontakte zu Einheimischen hergestellt werden. Weitere Gründe sind Sprache, Medien und Freizeitverhalten, sodass sie sich der Aufnahmegesellschaft zunehmend anpassen. In Folge dessen werden die Vorteile der Migranten in Bezug auf Gesundheit und Sterblichkeit zunehmend kleiner.

Der Epidemiologische Übergang

Als epidemiologischer Übergang wird die Veränderung der Fülle der Krankheits-und Todesursachen von infektiösen, akuten und chronischen Erkrankungen in den vergangenen Jahren bezeichnet. Dieser Übergang geht davon aus, dass die Infektionskrankheiten im vergangenen Jahrhundert zurückgedrängt wurden, wohingegen die chronischen Krankheiten in den Vordergrund traten. Das fand vor allem während des 20. Jahrhunderts statt. Heute wird die Mehrheit der Todesfälle durch Krebs und die Erkrankung des Herzens verursacht. Die Gründe für den epidemiologischen Übergang liegen vor allem im medizinischen Fortschritt, aber auch in den allgemein verbesserten Lebensbedingungen. Dazu zählen unter anderem der hygienische Fortschritt und soziale Maßnahmen. Demnach hängt der Gesundheitszustand des Einzelnen von den unterschiedlichen Wohn- und Lebenssituation der Menschen ab (vgl. Klemperer 2010: 118f.).

Healthy-Migrant-Effect

Wenn vom Healthy-Migrant-Effect die Rede ist, wird vom Selektionsprozess bei der Zuwanderung von Migranten gesprochen. Bevor eine Person in das gewünschte Zielland immigrieren kann, muss sie bestimmte Merkmale, wie ein bestimmtes Alter, psychische und physische Gesundheit aufweisen (vgl. Kohls 2008: 17). In den empirischen Befunden lässt sich also zeigen, dass Migranten oftmals gesünder sind und eine geringere Sterblichkeit aufweisen (vgl. Kreft 2009: 59). Meistens passt sich die zweite beziehungsweise dritte Migrantengeneration dem Lebensstil des Aufenthaltslandes soweit an, dass deren Sterblichkeit eher dem Aufenthaltsland gleicht, als dem Herkunftsland (vgl. Kohls 2008: 20). Die Frage ist nun, ob sich der Healthy- Migrant-Effect in den von uns betrachteten Gesundheitsbereichen, Übergewicht und Suchtmittelkonsum, überhaupt auswirkt, beziehungsweise ob dies in der von uns betrachteten Altersgruppe noch zutreffend ist.

Healthy-Worker-Effect

Dieser Effekt besagt, dass Menschen die sich im Arbeitsprozess befinden, gewöhnlich gesünder sind und eine niedrige Sterblichkeit aufweisen als gleichaltrige Menschen, die nicht mehr erwerbstätig sind (vgl. Stark & Guggenmoos-Holzmann 2000: 306). Dies tritt vorwiegend dann auf, wenn Personen schwere körperliche Arbeiten verrichten. Dies wird unter anderem dadurch erklärt, dass in Erwerbstätigkeiten mit physisch anspruchsvollen Aufgaben ein sogenannter Selbst-Selektionsprozess stattfindet, aufgrund dessen nur Personen diesen Beruf ausführen können, die über eine überdurchschnittliche Gesundheit und Fitness verfügen (vgl. Kohls 2008: 22f., zit. nach McMichael 1976). Im Laufe der Gastarbeiterzuwanderung gab es viele männliche Migranten, die anstrengende physische Tätigkeiten ausübten. Diese Anstrengungen kannten sie bereits aus ihrem Herkunftsland. Der Healthy-Migrant- und der Healthy-Worker-Effect stehen in einem sehr starken Zusammenhang. Jedoch tritt beim Healty-Migrant-Effect die Selbstselektion wesentlich früher im Lebenslauf ein. Die Selektion in Bezug auf die Erwerbstätigkeit ist dann lediglich die Fortsetzung der bereits zuvor stattgefundenen Auswahlphase bei der Migration (vgl. Kohls: 2008: 23).

Salmon Bias Effect

Hin und wieder kommt es jedoch auch zu der Remigration von Migranten. Der Prozess der Selektierung von der Rückwanderung von Migranten wird dabei häufig als Salmon Bias Effect bezeichnet. Damit eine Remigration überhaupt möglich ist, muss sichergegangen werden, dass die Rückwanderung in das Herkunftsland relativ unproblematisch geschehen kann und dass die psychische und physische Gesundheit des Migranten nicht allzu stark gefährdet wird. Kohls führt hier als Beispiel an, dass Bürgerkriegsflüchtlinge wohl kaum in ihr Herkunftsland zurückkehren, solange dort Krieg herrscht (vgl. Kohls 2008: 21).

Migrantengruppen

2010 hatten in Deutschland 19,3% der Menschen einen Migrationshintergrund (vgl. BAMF 2012: 27f.). Menschen mit türkischem Migrationshintergrund bilden mit 15,8% die größte Bevölkerungsgruppe der Menschen mit Migrationshintergrund. Die zweitgrößte Gruppe stellen mit 8,3% die polnischen Migranten dar (ebd. 30). Menschen mit Migrationshintergrund sind im Mittel jünger. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren gegenüber 45,9 Jahren der deutschen Bevölkerung. Demnach weisen die Personen mit Migrationshintergrund eine jüngere Altersstruktur auf. Die Bevölkerung verteilt sich also auf die jüngeren Jahrgänge (ebd. 31).

Partizipation am Gesundheitswesen

Weiterhin gibt es gravierende Unterschiede zwischen Einheimischen und Menschen mit Migrationshintergrund, die dafür sprechen könnten, dass Menschen mit Migrationshintergrund ungesünder sind. Menschen mit Migrationshintergrund nutzen Möglichkeiten des Gesundheitssystems wie die Vorsorge und Prävention weniger als Einheimische. Gründe dafür sind beispielsweise sprachliche und kulturelle Barrieren, sowie fehlendes Wissen über das Gesundheitssystem (vgl. BAMF 2012: 314). Ergebnisse der Gesundheitsforschung belegen laut BAMF, dass „Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund Vorsorgeuntersuchungen in allen Altersgruppen unterdurchschnittlich wahrnehmen und oft verspätet zur Ärztin bzw. zum Arzt gehen“ (ebd. 320). Diese Tatsache könnte sich insofern negativ auswirken, als dass Übergewicht wie auch Suchtmittelkonsum verspätet beziehungsweise gar nicht diagnostiziert werden können.

2.1.2 Theorien - Determinanten von Gesundheit

Soziale Lage der Bevölkerung mit Migrationshintergrund Der Bildungserfolg hängt in Deutschland im Allgemeinen maßgeblich von der sozialen Lage ab (Solga / Dombrowski 2009: 25). Die soziale Lage der Bevölkerung mit Migrationshintergrund unterscheidet sich stark von der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. „Die Armutsrisikoquote ist bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund deutlich höher“ (BAMF 2012: 38). Damit ist das relative Einkommen sichtlich niedriger, als das der deutschen Mitbürger (ebd.). Durch die Bildungsarmut bedingt sind ungünstigere Zukunftsaussichten und somit auch größere Gesundheitsrisiken (Robert Koch-Institut 2008: 130). Laut Daten des statistischen Bundesamtes 2011 weisen Menschen mit Migrationshintergrund eine höhere Erwerbslosenquote auf als Deutsche. Von den Menschen mit Migrationshintergrund sind rund 5% und von den Menschen ohne Migrationshintergrund rund 3% erwerbslos (vgl. destatis o.S.). Möglicherweise wirkt sich die ungünstige soziale Lage der Menschen mit Migrationshintergrund auf die von uns untersuchten Krankheitsbilder aus.

Sozioökonomischer Status und Gesundheit

Der sozioökonomische Status ist in der sozialwissenschaftlichen Forschung von zentraler Bedeutung. Er kann als der bedeutendste „sozial strukturierende Faktor für das Gesundheitsverhalten und den Gesundheitsstatus“ (Hurrelmann 2010: 25) angesehen werden. Der sozioökonomische Status einer Gruppe in der Bevölkerung verändert sich in Folge des Strukturwandels und den damit einhergehenden Ungleichheiten. Vor allem ist den westlichen Ländern sind diese Ungleichheiten stärker ausgeprägt, sodass eine zunehmende Kluft zwischen arm und reich zu verzeichnen ist. Nachteilig betroffen vom Strukturwandel sind beispielsweise Familien mit jüngeren Kindern, Jugendliche ohne gute Ausbildung, Arbeitslose und auch Migranten (vgl. ebd.: 26). Ein niedriger soziökonomischer Status wirkt sich negativ auf die Häufigkeit von Krankheiten und Gesundheitsstörungen aus. Dies wird deutlicher, wenn man die einzelnen Elemente eines niedrigen sozioökonomischen Status wie zum Beispiel Bildung und Einkommen betrachtet, welches im Forschungsstand näher erläutert wird.

Bildung und Gesundheit

Ein geringer Bildungsstand wirkt sich erheblich auf die Gesundheit aus. Anhand von Daten des telefonischen Gesundheitssurveys von 2003 zeigt sich, dass Männer sowie auch Frauen mit einem geringen Bildungsstand (Volks-oder Hauptschule) häufiger von Krankheit oder einer Gesundheitsstörung betroffen sind (vgl. Lampert et al 2005: 39, Tabelle 4.1). Die Anteile der Personen, welche von Krankheit und Gesundheitsstörungen betroffen sind, belaufen sich bei den Männern mit Volkshochschul- oder Hauptschulabschluss auf 40,1% gegenüber 34,3% bei Männern mit mittlerer Reife und 30,6% bei Männern mit Abitur. Bei den Frauen ist eine noch größere Differenz zwischen Volks-und Hauptschulabsolventinnen zu erkennen. Eine Gesundheitsstörung oder Krankheit tritt bei 50,4% der Volks- und Hauptschulabsolventinnen auf, während dieser Anteil bei den Frauen mit mittlerer Reife lediglich bei 40,5% liegt und bei denen mit Abitur mit 37% am niedrigsten ist (vgl. ebd.).

2.1.3 Theorien - Risikofaktoren in Bezug auf die Gesundheit

Alkohol

Des Weiteren stellt auch der Alkoholkonsum ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar, denn er kann verschiedene Krankheiten wie eine Fettleber, Chronische Lungenerkrankungen, Bluthochdruck, Leberzirrhose, Diabetes und Gastritis erzeugen (vgl. Soyka / Küfner: 2008: 176). Wichtig ist zudem, dass der Alkoholkonsum in einzelne Kulturen unterteilt werden kann. Zu den bedeutendsten Kulturen zählen die Abstinenz,- Ambivalenz, Permissiv- und die Funktionsgestörte Permissivkultur. Die Abstinenzkultur verbietet jeglichen Alkoholgenuss. Zu dieser Kultur zählen beispielsweise der Islam, der Buddhismus, sowie der Hinduismus. Die Ambivalenzkultur hingegen akzeptiert einen in den Alltag integrierten Alkoholkonsum, jedoch nicht das Trinken in der Öffentlichkeit. Diese Kultur ist vorwiegend in England, Kanada und den USA vorzufinden. In den mediterranen Staaten hingegen herrscht meist die Permissivkultur vor. Diese genehmigt den Alkoholgenuss, lehnt jedoch die Betrunkenheit ab. Der Konsum ist häufig auf Mahlzeiten beschränkt. Die funktionsgestörte Permissivkultur ist dagegen nirgendwo vorzufinden. Es existieren allerdings Unterformen in südamerikanischen Ländern, aber auch in nord- und osteuropäischen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, wo die Betrunkenheit zu Feiern und der Konsum im Alltag gebilligt werden. Interessant ist, wenn verschiedene Trinkkulturen aufeinander treffen, wie beispielsweise die Abstinenzkultur und Formen der funktionsgestörte Permissivkultur. So kommen viele in Deutschland lebende Migranten aus einer Abstinenzkultur wie zum Beispiel der Türkei. Türkische Migranten stellen, wie bereits erwähnt, die größte Migrantengruppe in Deutschland dar. Viele Türken gehören dem Islam an, der ein rigoroses Alkoholverbot vorsieht (vgl. Coumont: 2008: 44). In Deutschland leben laut BAMF 3,8 - 4,3 Millionen Muslime (vgl. BAMF 2012: 27f.).

In verschiedenen Statistiken ist zu sehen, wie sich Deutschland und die Türkei hinsichtlich des Alkoholkonsums unterscheiden. So gibt es in Deutschland im Jahr 2006 4,4% Abstinenzler zwischen 18 und 24 Jahren und in der Türkei in dem Jahr 2003 deutlich mehr, nämlich 83,5% Abstinenzler (s.O. WHO). Auch der pro Kopf Konsum von Alkohol unterscheidet sich stark. So hat Deutschland im Jahr 2009 ein pro - Kopf - Konsum von 12,87 Litern, wohingegen die Türkei ein pro - Kopf -Konsum von nur 3,64 Litern aufweist (vgl. WHO 2012: 138). Die Frage ist nun, ob sich der Alkoholkonsum der Migranten an die vorherrschende Trinkkultur anpasst oder sich eine gegensätzliche Position bildet oder die Trinkgewohnheit deren Herkunftslandes beibehalten wird.

Übergewicht

Übergewicht stellt einen hohen gesundheitlichen Risikofaktor dar und kann schwerwiegende Folgen verursachen. Zu ihnen zählen unter anderem koronare Herzerkrankungen, Fettleber, Diabetes, Fehlhaltungen der Wirbelsäule, einem frühzeitigen Einsetzten der Pubertät und ein erhöhtes Risiko für Gicht (vgl. Bjarnason- Wehrens / Dordel 2005: 14ff.). Vor allem in der kindlichen Entwicklung ist Übergewicht gefährlich, da das Risiko steigt, im Erwachsenenalter fettleibig zu werden (vgl. Bau / Gothe / Borde 2005: 51). Hinsichtlich des Migrationshintergrunds stellt sich die Frage, ob Menschen mit Migrationshintergrund häufiger übergewichtig sind und welche Ursachen dies haben könnte. So könnten diese beispielsweise ein anderes Ernährungsverhalten aufweisen. Die Ernährung spielt im Hinblick auf Übergewicht eine beträchtliche Rolle, da es einen engen Zusammenhang zwischen den Essgewohnheiten und der Entstehung von Übergewicht und Adipositas gibt (vgl. Bau / Gothe / Borde 2005: 47). So erwähnen die Autoren, „dass sich Migranten nur teilweise an die regional üblichen Essgewohnheiten anpassen“ (ebd. 32). Sie könnten damit also ein anderes Ernährungsmuster aufweisen, wodurch sie sich maßgeblich von den deutschen Mitbürgern unterscheiden. Des Weiteren wird auch ein Bewegungsmangel, besonders bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, diagnostiziert (vgl. BAMF 2012: 318). Dieser stellt einen erheblichen Risikofaktor bei der Herausbildung von Übergewicht dar (vgl. Graf / Dordel 2007: 74).

2.1.4 Bisherige empirische Befunde

Alkoholkonsum nach Geschlecht und Sozialschicht (epidemiologischer Suchtsurvey, 2009) Der Epidemiologische Suchtsurvey in Deutschland ermittelt seit einigen Jahren den Konsum und die Auswirkungen von Medikamenten, Drogen, Tabak und Alkohol der erwachsenen Bevölkerung. Im Jahr 2009 nahm Hamburg zum vierten Mal am Epidemiologischen Suchtsurvey teil. Er umfasst den Altersbereich von 18 bis 64 Jahren. Nach Angaben des epidemiologischen Suchtsurveys sind beim Konsum von Alkohol vor allem Geschlechterdifferenzen zu verzeichnen. Mehr Frauen als Männer waren nach eigenen Angaben in den letzten dreißig Tagen vor der Befragung abstinent und trinken generell keinen Alkohol (vgl. Kraus / Pabst / Müller 2009: 37). Bier und Wein waren in den letzten dreißig Tagen vor der Befragung mit 55,2% und 54,9% die meist konsumierten Getränke. Die Neigung zum Konsum unterschiedlicher Getränke ist oftmals von der jeweiligen Altersgruppe abhängig. Die Prävalenz zum Wein- und Sektkonsum ist beispielsweise in der Altersgruppe der 40 bis 49-Jährigen am höchsten (vgl. ebd.: 38). Zudem fällt, wie bereits erwähnt, auf, dass sich der durchschnittliche Konsum verschiedener Getränke nach dem Geschlecht unterscheidet. So ist dieser bei den Männern bei allen Getränken in den letzten dreißig Tagen vor Befragung im Durchschnitt höher (vgl. ebd.: 39, Tabelle 4-2). Auch das Rauschtrinken (mindestens einmal fünf oder mehr Gläser) kommt bei Männern drastisch häufiger vor als bei Frauen. Die Anteile belaufen sich auf 45,7% bei den Männern und 22,7% bei den Frauen (vgl. ebd.: 39). Ebenso ist ein problematischer Alkoholkonsum (nach den Kriterien der AUDIT) bei Männern gemäß dieser Daten häufiger zu beobachten als bei Frauen (vgl. ebd.: 42).

Interessant sind auch die Ergebnisse, die sich ergeben, wenn die soziale Schicht der Befragten berücksichtigt wird. Sowohl in den letzten zwölf Monaten als auch über die gesamte Lebenszeit waren Befragte der niedrigen Sozialschicht häufiger abstinent als Befragte der höchsten Schicht (vgl. ebd.: 43). Riskanter Konsum, Rauschtrinken sowie die durchschnittliche Reinalkoholmenge ist jedoch jeweils in der niedrigsten Schicht bei Frauen und Männern anteilig am meisten vertreten beziehungsweise am höchsten (vgl. ebd.: 43, Tabelle 4-7 & Tabelle 4-8).

Übergewicht nach Geschlecht und Sozialschicht (Bertelsmann Stiftung, 2007) Die Bertelsmann Stiftung thematisiert in einer Sonderausgabe aus dem Jahr 2007 die Prävalenz zu Übergewicht und Adipositas (Fettsucht) in der deutschen Bevölkerung. Die Daten der Bertelsmann-Stiftung beziehen sich auf die Jahre 2002 bis 2006 und wurden im Rahmen der Befragungswellen 2 bis 11 des Gesundheitsmonitors der Stiftung durchgeführt. Sie stellen jeweils unabhängige, repräsentative Stichproben dar. Anhand der beiliegenden Tabellen ist zu erkennen, dass sich der Anteil der Menschen, die zu Übergewicht beziehungsweise zu Adipositas neigen, in den Jahren 2002 bis 2006 tendenziell erhöht. So liegt der Anteil der Männer, die zu leichtem Übergewicht neigen, im Frühjahr des Jahres 2002 bei 60,9%, im Jahr 2006 schon bei 64,9%. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Frauen, welche im Jahr 2002 zunächst zu einem Anteil von 44,6% übergewichtig sind und im Jahr 2006 zu einem Anteil von 48,8%. Auch bei der Prävalenz zu Adipositas und starker Adipositas zeigt sich über die Zeit hinweg bei Männern und Frauen ein ähnliches Bild (vgl. Bertelsmann Stiftung 2007: 2). Insgesamt lässt sich also eine steigende Tendenz der Prävalenz zu Übergewicht und Adipositas bei Frauen und Männern erkennen. Männer sind zudem in allen drei Kategorien (Übergewicht, moderate Adipositas und starke Adipositas) immer stärker betroffen als Frauen (vgl. ebd.). Dieser Befund ist im weiteren Verlauf des Forschungsberichts und für unsere Hypothesenbildung von Bedeutung.

Des Weiteren ist die Betrachtung der Sozialschicht in Hinblick auf die Adipositasrate interessant. In diesem Zusammenhang lässt sich anhand der beiliegenden Tabelle erkennen, dass die Prävalenz zu Übergewicht und Adipositas von der Oberschicht zur Unterschicht steigt (vgl. Bertelsmann Stiftung 2007: 4). Hier sind also „Effekte sozialer Ungleichheit zu beobachten“ (Helmert / Schorb 2007: 6). Männer der Oberschicht beispielsweise leiden zu 15,8% an moderater Adipositas, dieser Anteil steigt schon in der Mittelschicht auf 17,3% an und ist letztlich in der Unterschicht mit 24,8% am höchsten. Ähnliche Tendenzen lassen sich, wenngleich nicht annähernd so stark ausgeprägt, auch bei starker Adipositas und normalem Übergewicht erkennen. Bei den Frauen ist sogar schon bei dem Anteil der übergewichtigen Frauen eine starke Differenz zwischen Oberschicht und Unterschicht zu beobachten. So sind 39% der Frauen aus der Oberschicht übergewichtig, wohingegen der Anteil in der Mittel- und Unterschicht mit 53,5% und 56,7% deutlich höher ist. Auch bei der Prävalenz zu moderater Adipositas ist eine Differenz von knapp 10% zwischen Ober- und Unterschicht zu erkennen. Die Rate ist bei starker Adipositas weniger bedeutend ausgeprägt, aber ebenfalls vorhanden.

Insgesamt ist die Unterscheidung der einzelnen Schichten hinsichtlich der Prävalenz zu Übergewicht und Adipositas folglich von zentraler Bedeutung. Auch wir werden im weiteren Verlauf des Forschungsberichts von dieser Unterscheidung Gebrauch machen.

Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas nach Alter und Bildungsgrad Der Bildungsgrad wirkt sich auch bei der Prävalenz zu Übergewicht und Adipositas in bedeutender Weise aus. Die Prävalenz zu Übergewicht und Adipositas ist bei Männern und Frauen mit einem geringeren Bildungsgrad (Volks- oder Hauptschule) in fast allen Altersstufen tendenziell höher als bei Männern und Frauen mit mittlerer Reife und Abitur. Besonders die Neigung zu Adipositas unterscheidet sich eindeutig, wenn man den Bildungsgrad mit einbezieht. So sind beispielsweise in der Altersgruppe der 50 bis 59- Jährigen Männer, welche die Haupt- oder Volksschule besuchten, 31,7% adipös, während dieser Anteil bei denjenigen, die die mittlere Reife oder das Abitur haben, mit 25,7% und 17,3% geringer. Dieser kontinuierliche Rückgang entlang des Bildungsgrads lässt sich in nahezu allen Altersstufen und bei beiden Geschlechtern vorfinden. Bei den Frauen ist jedoch der insgesamt hohe Anteil der Haupt-oder Volksschulabsolventinnen, welche an Adipositas leiden, auffällig. Dieser beträgt 31,4% gegenüber 24,3% bei den Männern (vgl. Lampert et al. 2005: 47, Tabelle 4.7).

Der generelle Anteil derjenigen, die, differenziert nach Bildungsgrad, an Übergewicht oder Adipositas leiden, nimmt bei den Männern über das Alter hinweg zu und findet seinen Höhepunkt bei den 50 bis 59-Jährigen Männern, welche zu über 70% (mittlere Reife und Abitur) beziehungsweise sogar zu über 80% (Hauptschule) an Übergewicht oder Adipositas leiden. Danach gehen die Anteile wieder leicht zurück. Bei den Frauen steigen diese Anteile ebenfalls über das Alter hinweg an und sind dann ab einem Alter von 50 Jahren am höchsten. Frauen leiden allerdings in nahezu allen Altersstufen zu etwas geringeren Anteilen an Übergewicht oder Adipositas (vgl. ebd.)

Alkoholkonsum und Prävalenz des Übergewichts bei Personen mit Migrationshintergrund (Telefonischer Gesundheitssurvey, 2003) Nach dieser allgemeinen Betrachtung der Determinanten des Alkoholkonsums soll nun näher auf den Alkoholkonsum von Menschen mit Migrationshintergrund eingegangen werden. Der telefonische Gesundheitssurvey zu chronischen Krankheiten und ihren Bedingungen (GSTel03) wurde im Jahr 2003 vom Robert Koch-Institut durchgeführt. Der Migrationshintergrund wird folgendermaßen definiert: Es „werden alle, die nicht in Deutschland geboren wurden oder nicht von Geburt an die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, als Personen mit Migrationshintergrund denen gegenüber gestellt, die von Geburt an die deutsche Staatsangehörigkeit haben und in Deutschland geboren wurden“ (Kohler / Ziese 2004: 11). Dementsprechend lassen sich die Ergebnisse des telefonischen Gesundheitssurveys gut für unsere Analysen verwenden und machen einen Vergleich möglich.

Der Alkoholkonsum wurde im GSTel03 per subjektiver Selbsteinschätzung der Probanden erhoben. In diesem Zusammenhang wurde der Alkoholkonsum in sechs Kategorien entlang einer Skala von „trinke gar keinen Alkohol“ bis „sehr viel“ eingeteilt. Die ersten drei Kategorien wurden zur Vereinfachung zusammengefasst und werden als moderater (kein oder wenig) Konsum eingeschätzt (vgl. ebd.: 13). Der Definition nach trinken Deutsche laut der Ergebnisse des GSTel03 zu 22,9% mäßig bis sehr viel Alkohol. Dieser Anteil ist bei den Personen mit Migrationshintergrund mit 17% deutlich geringer. Hier zeigt sich also ein Unterschied hinsichtlich des Migrationsstatus (vgl. ebd.).

Ein weiterer indirekt beeinflussbarer Risikofaktor ist nach Angaben des telefonischen Gesundheitssurveys der Body-Mass-Index (BMI), welcher zur Beurteilung des Gewichts dient. Der BMI beruht im Falle des GSTel03 auf Selbstangaben, sodass aufgrund einer geringeren Zuverlässigkeit dieser Daten mit oftmaliger systematischer Unterschätzung des eigentlichen BMI-Wertes ein Korrekturverfahren notwendig war. Die Bewertung des Gewichts erfolgt anhand von fünf Kategorien. Die Angaben werden in Untergewicht, Normalgewicht, leichtes Übergewicht, mittleres Übergewicht und Adipositas unterteilt. Die dazugehörige Tabelle verdeutlicht, dass sich Personen mit und ohne Migrationshintergrund in den Kategorien Untergewicht, leichtes Übergewicht und mittleres Übergewicht nicht wesentlich voneinander unterscheiden. Beim mittleren Übergewicht liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund jedoch einen Prozentpunkt über dem der deutschen Personen. Menschen mit Migrationshintergrund sind zudem zu einem geringeren Anteil normalgewichtig. Dieser Anteil beläuft sich auf 37,4% gegenüber 41,1% der deutschen Personen. Die Prävalenz zu Adipositas ist demgegenüber bei Menschen mit Migrationshintergrund mit 18,2% gegenüber 16,6% stärker ausgeprägt (vgl. Kohler / Ziese 2004: 15). Diesen Vergleich zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund wollen wir in unserem Forschungsprojekt ebenfalls vornehmen, um einen möglichen Unterschied zu ermitteln beziehungsweise diesen abzulehnen.

Schwerpunktbericht Migration und Gesundheit (2008)

Das Robert Koch-Institut legt weiterhin in seiner Gesundheitsberichterstattung den Gesundheitszustand von Migranten in Form eines Schwerpunktberichtes dar. Der Alkoholkonsum unterliegt diesen Ausführungen zufolge strengeren religiösen Vorschriften als der Tabakkonsum. Die Auswertung des Mikrozensus zeigte, dass in Nordrhein-Westfalen die Teilnahme an Rehabilitation aufgrund von Alkoholfolgen der zugewanderten Männer geringer ist. Jedoch zeigen diese einen höheren Gebrauch von Psychopharmaka. Bei den weiblichen Zugewanderten wird deutlich, dass diese weniger wegen Suchterkrankungen behandelt werden als deutsche Frauen. Hierbei verweist das Robert Koch-Institut darauf, dass besonders (Spät-)Aussiedler und (Spät-)Aussiedlerinnen wegen Drogenabhängigkeiten behandelt werden. Auf Alkohol wird in diesen Bezug nicht näher eingegangen (vgl. Robert Koch-Institut 2008: 56f.).

Im Zusammenhang mit Alkohol wird hier näher auf Jugendliche eingegangen. So liegt der Alkoholkonsum der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund deutlich über dem der Jugendlichen mit Migrationshintergrund (45,9% ohne Migrationshintergrund, 25,8% mit beidseitigem Migrationshintergrund). Der Konsum bei einseitigem Migrationshintergrund liegt nur knapp unter dem Anteil der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund (43,2%). Generell trinken anteilig mehr Jungen Alkohol als Mädchen (vgl. Robert Koch-Institut 2008a: Tabelle A8.4). Interessant wäre hier, ob sich dieses Ergebnis auch auf Erwachsene beziehen lässt.

Des Weiteren beschäftigt sich der Schwerpunktbericht auch mit dem Übergewicht von Migranten. Hierbei wird der Mikrozensus als Quelle verwendet. In diesem wird Gewicht und Größe der Probanden zwar erfragt, jedoch nicht gemessen, sodass die Daten weniger zuverlässig sind (vgl. Robert Koch-Institut 2008: 52). Da auch im GKL_2013 das Gewicht und die Körpergröße nur erfragt wurden, stellen die Ergebnisse der Gesundheitsberichterstattung einen guten Vergleich dar. Das Robert Koch-Institut wertete hierzu die Daten des Mikrozensus nach der Staatsangehörigkeit und dem Geschlecht aus dem Jahr 1999, 2003 und 2005 aus. Festzustellen war, dass bei Frauen des mittleren und höheren Alters, unterteilt in deutsch und nicht-deutsch, die BMI-Werte der nichtdeutschen Frauen deutlich höher waren, als bei den deutschen Frauen. Besonders nichtdeutsche Frauen ab dem Alter 40 haben ein höheres Risiko an Adipositas zu erkranken als die deutschen Frauen. Der Anteil der übergewichtigen weiblichen Deutschen beträgt laut Robert Koch-Institut im Jahr 2005 insgesamt 12,8%, während der Anteil der übergewichtigen nichtdeutschen Frauen bei 13,4% liegt. In der Altersgruppe 40 bis 64 liegt der Anteil der übergewichtigen einheimischen Frauen bei 13,8%. Bei den zugewanderten Frauen liegt er sogar bei 21%. Hier ist ein deutlicher Unterschied zu erkennen (vgl. ebd.: 53, Tabelle 3.3.1.1). Bei den Männern hingegen ist ein anderes Bild zu erkennen. Hier weisen die deutschen übergewichtigen Männer im Jahr 2005 einen Wert von insgesamt 14,4% auf und die in der Altersgruppe 40 bis 64 einen Wert von 17,6%. Bei den nichtdeutschen übergewichtigen Männern liegt dieser insgesamt bei 13,7% und im Alter 40 bis 64 bei 19,2%. Diese unterscheiden sich folglich nicht stark in Bezug auf Übergewicht. Trotzdem ist ein Anstieg des BMI zwischen 1999 und 2005 in allen Altersgruppen zu erkennen (vgl. ebd.: 54, Tabelle 3.3.1.2). Weiterhin weist der Gesundheitsbericht darauf hin, dass auch bei der Betrachtung des Migrationshintergrunds und des BMI ein ähnliches Bild zu erkennen ist (vgl. ebd.: 52). Bei den Frauen liegen die Gründe wohlmöglich in dem unterschiedlichen Körperbild je nach Herkunft. Weiterhin sind die zugewanderten Frauen zu einem geringeren Anteil sportlich aktiv (vgl. ebd.: 54). Die hier erkennbaren Unterschiede der BMI- Werte zwischen den Geschlechtern können jedoch auch eine Folge der „Verschiebung der jeweiligen Geschlechteranteile in den Untersuchungsgruppen“ (ebd.) sein. Dies kann wohlmöglich auch im GKL_2013 auftreten. Zusammenfassend ist zu erkennen, dass besonders zugewanderte Frauen und jene mit Migrationshintergrund häufiger unter Übergewicht und Adipositas leiden als die deutschen Frauen (vgl. ebd.).

Alkoholkonsum bei Personen mit Migrationshintergrund (Sander, 2009) Auch die Diplom-Volkswirtin Monika Sander beschäftigt sich unter anderem mit dem Alkoholkonsum von Migranten. In ihrer empirischen Untersuchung findet sie heraus, dass sich Männer und Frauen in Bezug auf den Migrationshintergrund deutlich unterscheiden. Demnach scheint für Männer das Herkunftsland keinen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit zu haben, abstinent zu sein, wohingegen Frauen, die in der Türkei oder in anderen Ländern geboren sind, eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit haben, abstinent zu sein. Weiterhin wird in Sanders Auseinandersetzungen deutlich, dass Migranten, die über gute Deutschkenntnisse verfügen, weniger abstinent sind, als jene, die über keine oder schlechte Deutschkenntnisse verfügen. Dies würde auch der zuvor erwähnten Akkulturationshypothese entsprechen, wonach diejenigen mit weniger guten Kenntnissen als weniger angeglichen an die Gesellschaft gelten (vgl. Sander 2009: 131). In ihrer empirischen Analyse wird jedoch vorerst der Akkulturationshypothese widersprochen, da mit fortschreitender Anzahl an Jahren, die in Deutschland gelebt werden, die Wahrscheinlichkeit zunimmt, abstinent zu sein. Jedoch muss hier beachtet werden, dass keiner der in diesen Bezug verwendet Koeffizienten signifikant ist.

Auch die Religionszugehörigkeit scheint im Zusammenhang von Migration und Trinkverhalten einen sehr wichtigen Punkt darzustellen. Diejenigen, die der Gruppe „other religion“ (Sander, 2009: 132) angehören haben eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit abstinent zu sein. Zu ihnen gehören Buddhismus, Islam und Zeugen Jehovahs. Jedoch gehören die meisten der Gruppe den Muslimen an. Resultierend ergibt sich jedoch, dass die Anwesenheit des Interviewers einen Einfluss auf das Antwortverhalten der Frauen hat. Diese geben dann öfter an, abstinent zu sein (vgl. ebd.).

2.2 Definitionen

Gesundheit

„Gesundheit ist der Zustand des völligen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen“ (Hurrelmann / Richter 2013 zit. nach WHO 1946). Demnach wird die Gesundheit als Zustand dargestellt, indem man sich sowohl körperlich, als auch seelisch und sozial wohl fühlt. Jedoch wird die Definition des Begriffs Gesundheit immer wieder kritisiert. Bisher gibt es noch keine endgültige Definition des Begriffs. Stattdessen wird in den „unterschiedliche[n] Erklärungsansätze[n], die Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit definiert“ (Hurrelmann / Richter 2013:120). Weiterhin bezeichnet Hurrelmann Gesundheit als das Wohlbefinden eines Individuums. Hierbei geht es um das Gleichgewicht der Schutz-und Risikofaktoren. Der Zustand Gesundheit des Menschen ist dann erreicht, wenn er ihm Gesundheit und Lebensfreude vermittelt (vgl. ebd.: 147).

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Details

Seiten
67
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668324145
ISBN (Buch)
9783668324152
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342582
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Lehrstuhl für Empirische Sozialforschung und Demographie
Note
Schlagworte
gesundheitszustand personen migrationshintergrund einfluss gewicht alkoholkonsum eine forschungsarbeit

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Titel: Gesundheitszustand von Personen mit  Migrationshintergrund. Einfluss von Gewicht und Alkoholkonsum