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Die versteckten Kosten von Kontrolle. Eine kritische Gegenüberstellung von experimentellen Studien

Bachelorarbeit 2010 25 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Erläuterung des zugrunde liegenden Modells
2.1 Die Arten der Kontrolle
2.2 Erweiterung um Löhne
2.3 Das Experiment

3 Gegenüberstellung
3.1 Andere Ansichten und Herangehensweisen
3.2 Unterschiede in den Experimenten

4 Kritischer Vergleich und Analyse
4.1 Kosten und Nutzen der Kontrolle
4.2 Die Reaktionen der Prinzipals und Agenten
4.3 Die Auswirkungen der Löhne und Auszahlungen

5 Zusammenfassung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Diese Arbeit basiert auf dem wissenschaftlichen Papier ”TheHiddenCostsofControl“ von Falk und Kosfeld (FK) (Am. Econ. Rev.96(5):1611-1630,2006). Es wird darin mo- delltheoretisch und experimentell der Frage nachgegangen, welche Effekte ein geforder- tes Mindestarbeitsniveau von Arbeitnehmern durch den Arbeitgeber verursacht werden können. Dabei wird allgemein von zwei Effekten ausgegangen. Zum einen einem positiven Effekt, da viele Agenten nicht mehr unter dem geforderten Niveau arbeiten können und dürfen, zum anderen aber einen negativen Effekt da sich viele Agenten in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen könnten und somit nur noch das Mindestlevel erfüllen. Die Frage welcher dieser Effekte überwiegt, wird anhand eines Prinzipal-Agenten-Spiels analysiert. Überwiegt der negative Effekt entstehen dem Prinzipal dadurch die Kosten der Kontrolle. Geforscht wird nach der Frage, welche Ursachen diese Kosten haben und von welchen Faktoren diese abhängen. Die Arbeit von Falk and Kosfeld (2006) wurde international scharf kritisiert und von anderen Autoren in Frage gestellt. Ziel der vorliegenden Bache- lorarbeit ist es, die Erkenntnisse von FK mit denen vergleichbarer Studien kritisch zu hinterfragen und Mängel der jeweiligen Paper herauszuarbeiten. Hierzu werden die Paper von Ziegelmeyer, Schmelz und Ploner (ZSP) (Experimental Economics 15(2): 323-340, 2012), Boly (Experimental Economics 14(2): 241-253, 2011) und von Schnedler und Va- dovic (SV) (Journal of Economics & Management Strategy 20(4): 985-1009, 2011) heran gezogen.

In Kapitel 2 wird die Arbeit von FK vorgestellt und zusammengefasst. Kapitel 3 fasst die relevanten Eigenschaften aller vier zugrundeliegenden Arbeiten zusammen und stellt diese erstmals der Studie von FK gegenüber. Dabei werden die Unterschiede in Herangehensweise und Ergebnis der jeweiligen Modelle herausgearbeitet und die daraus resultierenden Experimente vorgestellt. Die kritische Analyse wird in Kapitel 4 präsentiert, hierbei werden die jeweiligen Modelle und Experimente mit denen von FK verglichen und die Unterschiede analysiert. Kapitel 5 schließt die Arbeit mit einer Zusammenfassung ab und gibt neben einem Ausblick ein persönliches Statement ab.

2 Erläuterung des zugrunde liegenden Modells

”TheH idden Costs of Control “beschreibt den Ein fluss von Kontrolle sei tensdes Prinzipal (P) auf den Agenten (A) in einem bereits bestehenden Arbeitsverhältnis. Kontrolle wird hierbei als ein gefordertes Mindestniveau an zu leistender Arbeit verstanden, welches durch die Kontrolle implementiert und durchgesetzt wird. Dieses Niveau könnte sich in der Praxis auf die Arbeitszeit/- qualität oder Ähnliches beziehen. Die Auswirkungen der Kontrolle wurden in verschiedenen Modellen untersucht. Ein Modell hängt immer von mehreren Variablen und Faktoren ab. Diese werden nach einer Zusammenfassung aller vier Arbeiten anhand der jeweiligen Faktoren und Einflüsse untereinander verglichen. Dabei wird sowohl auf das zugrundeliegende mathematische Modell eingegangen, als auch auf den Aufbau und Ablauf der dazugehörigen Experimente. Ein besonders wichtiger Faktor in einem Arbeitsverhältnis ist immer der gezahlte Lohn. Es zeigt sich, dass dieser auch hier eine wichtige Rolle spielt, weshalb der Lohn jeweils in eigenen Unterkapiteln behandelt wird.

2.1 Die Arten der Kontrolle

Das Ergebnis von FK zeigt, dass Kontrolle die Motivation des A signifikant einschränkt im Willen des P zu arbeiten; dies führt zu den ”hiddencosts(h.c.)“derKontrolle.DerA fühlt sich durch die Mindestforderung in seiner Freiheit eingeschränkt und sieht es somit als negatives Zeichen des Arbeitgebers an, dass dieser seinen Arbeitnehmern nicht vertraut und deren Eigenmotivation unterschätzt.

Der Prinzipal hat eine Nutzenfunktion von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und eine Anfangsausstattung von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], der Agent dagegen hat den Nutzen aus [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und hat maximal [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Arbeitseinheiten zum Einsatz zur Verfügung. Unter der Annahme, beide seien eigennutze- norientiert, würde A einen Arbeitseinsatz von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wählen. Der Prinzipal kann daher ein Mindestlevel x ¯ verlangen.UmdieVerlässlichkeitdesModellszuüberprüfenundumzu prüfen welche Faktoren die unsichtbaren Kosten beeinflussen, werden verschiedene Arten der Kontrolle eingeführt. Es gibt drei verschiedene Stufen, C5, C10 und C20 und drei unterschiedliche Kontrollmechanismen. ”SpecificResponse(SR)10 “stehtfürdasStan- dardverfahren in dem P ein [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] verlangtundAdaraufhinseinArbeitseinsatz [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wählt.DaszweiteVerfahrenistals ”Exogenously(EX)10 “benannt. Hierbeikann

P das Mindestlevel nicht selber wählen, sondern es wird exogen gegeben. Das letzte Ver- fahren bezieht den Lohn mit ein und wird in Kapitel 2.2 erläutert. Wird das Level der Kontrolle exogen gegeben, fassen das die Agenten nicht als nega- tives Zeichen auf und der durchschnittliche Effort ändert sich somit nicht. Anhand der Variablen gilt nach ZSP, dass Kontrolle einen theoretisch positiven Effekt hat, falls gilt: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und einen negativen, falls gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Falk und ¯ undeinennegativen,fallsgilt x k K > Kosfeld kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass unabhängig von dem Verfahren die Kosten der Kontrolle den positiven Nutzen immer übertreffen. Kontrolle senkt somit den Output, was viele Prinzipale bereits im Vorhinein antizipieren und daher nicht kontrollieren. FK schreiben dabei jedoch auch den Beliefs eine große Rolle zu. So werden P mit hohen Beliefs nicht kontrollieren, andere, die ihren A weniger zutrauen aber schon. Nach den vorangegangenen Ansätzen ist bei einem obligatorisch niedrigem x Vertrauendeutlichbesserfür den Nutzen des P. Dieser Umstand ändert sich aber mit zunehmendem x ,sodasseinsehr hohes x zuvermehrterKontrolleführt.

2.2 Erweiterung um Löhne

In der Erweiterung des Modellrahmens werden dem Agenten Löhne in Höhe von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gezahlt. Die Nutzenfunktion des Agenten lautet nun: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Die des Prinzipals ist [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. A kann nun seinen Arbeitseinsatz [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wählen falls P nicht kontrolliert oder [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] falls ein Mindestarbeitsniveau von x ¯=10 implementiertwird.FalkundKosfeldbeschreiben,dassdieHöhevon ω mit dem Vertrauen des P in den Agenten stark positiv korreliert, wobei ein geringer Lohn kaum Einfluss auf die Höhe von x hat. Die Höhe der Löhne und die Arbeitsanstrengungen des A sind positiv korreliert; Kontrolle hat dabei weiterhin einen negativen Effekt. Beide Effekte arbeiten gegeneinander, wobei FK zu dem Resultat kommen, dass der negative Einfluss der Kontrolle den positiven der Lohnzahlung in jeder Variante zumindest dennoch leicht aber signifikant übertrifft. Nach diesem Ergebnis sollte P nie hohe Löhne zahlen und gleichzeitig ein hohes x ¯ wählen,dadieseMaßnahmendemAgentenunter- schiedliche Annahmen des P bezüglich des erwarteten Efforts suggerieren.

2.3 Das Experiment

Das zugehörige Experiment (Exp) wurde an der Universität Zürich (Schweiz) durchgeführt. Dabei nahmen insgesamt 804 Studenten dieser Universität und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich teil. Jeder dieser Studenten partizipierte jeweils nur an einem der Verfahren von FK. Dabei wurden die Studenten nach einem Zufallsprinzip der Rolle des A oder des P zugeordnet. Nach der Entscheidung des P, Kontrolle zu implementieren oder nicht, hatte A die Wahl nach den Vorgaben des Modells seinen Arbeitseinsatz zu wählen. Nach Ablauf des Experiments wurden die Studenten mit durchschnittlich 20 US-Dollar pro Person entlohnt. Neben den fünf Dollar als Teilnahmepauschale entstand der Rest des Betrages durch entscheidungsabhängige Zahlungen.

Neben dem Experiment wurde von einer Gruppe bestehend aus 403 Studenten ein Fra- gebogen ausgefüllt. Diese Studenten hatten vorher an keinem der anderen Experimente teilgenommen und waren ebenfalls aktive Studenten der Universität Zürich.

In diesem Fragebogen wurden fünf unterschiedliche Szenarios aus dem Arbeitsleben wi- dergespiegelt. Dabei kann P zwischen zwei Konditionen wählen: ”Kontrolle“oder ”keine Kontrolle“. Jeder der Befragten beantwortet jede der fünf Szenarios zu einer der vorher festgelegten Konditionen. Jeder Student musste dabei sein persönlichen Effort-Level in einem Rahmen von ”sehrniedrig“bis ”sehrhoch“angeben.

Mit Hilfe des Experiments und des zugrundeliegenden Modellrahmens kommen Falk und Kosfeld neben der Erkenntnis, dass Lohn und Effort positiv korreliert sind, zu folgenden grundlegenden Ergebnissen:

Es wird deutlich erkennbar, dass versteckte Kosten von Kontrolle in jedem der unterschied- lichen Verfahren vorkommen und bis zu einer gewissen Höhe des geforderten Mindest- Efforts x hochsignifikantsind.IndendurchgeführtenExperimentenistdieSignifikanz erst bei dem C20 - Verfahren nicht mehr ausschlaggebend. Zentrale Erkenntnis ist, dass die versteckten Kosten den Gewinn für den Prinzipal durch das geforderte Arbeitsminimum immer übersteigen. In dem Experiment schienen dies viele Prinzipale zu antizipieren, sodass die Mehrheit ”keine Kontrolle“ gewählthat. Die AgentenreagiertenaufdieKontroll- entscheidung des P dabei positiv, neutral oder negativ, wobei die letzte Gruppe deutlich die Größte darstellte. Die Prinzipale machten ihre Kontrollentscheidung von ihren Beliefs abhängig. FK zeigen, dass pessimistischere P eher einen Mindesteffort verlangen als P, die mit einem höheren x rechnen und weniger bis gar nicht kontrollieren.

[...]

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668325203
ISBN (Buch)
9783668325210
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342461
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,7
Schlagworte
HR Human Ressources Kosten Kontrolle Versteckte Kosten Personal Personalpolitik Bachelor BWL Bachelorarbeit Betriebswirtschaftslehre Vergleich Wissenschaftliche Arbeit Gegenüberstellung

Autor

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Titel: Die versteckten Kosten von Kontrolle. Eine kritische Gegenüberstellung von experimentellen Studien