Lade Inhalt...

Praktikumsbericht über das studienbegleitende fachdidaktische Praktikum im Unterrichtsfach Religion

Praktikumsbericht / -arbeit 2005 20 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes

1. Fachwissenschaftliche Analyse

2. Fachdidaktische Analyse
2.1. Lernziele
2.2. Lehrplanbezug

3. Methodische Überlegungen

4. Verlaufsplanung

5. Reflexion

6. Literatur

7. Anhang
7.1. Geschichte: „Jesus und der Zöllner Zachäus“
7.2. Arbeitsblatt: Kreuzworträtsel
7.3. Arbeitsblatt: Bildergeschichte

0. Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes

Faktizitäten der vorgegebenen Schul- und Klassenverhältnisse

Unsere Praktikumsklasse befindet sich in der Grundschule x im gleichnamigen Ort. An diese Schule angegliedert ist eine Teilhauptschule. Die Praktikumsklasse ist aus fünf Klassen der fünften und sechsten Jahrgangsstufe zusammengesetzt und besteht aus neun Jungen und neun Mädchen. Elf Schüler kommen aus der Klasse 5a, drei aus der Klasse 5b, eine Schülerin entstammt der Klasse 6a, zwei Schülerinnen der Klasse 6b und eine der Klasse 6d. Die Schüler wohnen in x oder in den umliegenden Dörfern.

Soziale Herkunft und „Sozialisationsgeschichte“ der einzelnen Schüler

Fast alle Kinder wachsen zu Hause bei Mutter und Vater auf. Einzelkinder gibt es kaum. Etwa die Hälfte der Kinder unternimmt regelmäßig wöchentlich etwas mit der Familie.

Kirchlich-religiöse Voraussetzungen und Einstellungen

Von den 18 Schülern dieser Religionsklasse sind 14 getauft. Sieben Schüler gehen nie in den Gottesdienst, sechs besuchen einmal im Jahr die Kirche. Jeden Sonntag nehmen lediglich zwei Schüler am Gottesdienst teil. Meist wird mit verschiedenen Familienmitgliedern in die Kirche gegangen. Als Gründe für den Kirchenbesuch nannten acht Schüler, sie wollten Informationen über Gott erhalten. Andere Angaben waren Weihnachten, Spaß, der Glaube an Gott.

Eine Bibel besitzen zehn Kinder, wovon sechs beizeiten darin lesen.

16 der 18 Schüler beten manchmal, hauptsächlich vor dem Schlafen. Weitere Gründe für das Beten sind den Angaben zufolge vor dem Essen, um gute Noten zu bekommen, bei Traurigkeit, vor wichtigen Ereignissen usw..

Besonders gut gefällt sieben Schüler am Religionsunterricht, dass sie Informationen über Gott erhalten und dass sie über Gott reden. Die Religionslehrerin ist für einige Schüler ein ebenfalls positiver Aspekt des Religionsunterrichts. Gerne hören die Kinder auch Geschichten, singen das Anfangslied bzw. Lieder und spielen. Am Religionsunterricht bemängeln die Kinder außer den Proben, „dass die Lehrerin manchmal schimpfen muss“ und den störenden Mitschülern, kaum etwas.

Arbeitshaltung, Klassenatmosphäre und gruppendynamische Konstellation

Die Klasse arbeitet in einer ruhigen und konzentrierten Atmosphäre. Selten stören die Schüler den Unterricht. Die wenigsten Schüler machen einen gelangweilten Eindruck.

Die Schüler sitzen in vier Gruppen zu sechst bzw. zu viert zusammen. Aus dem Soziogramm ist deutlich zu entnehmen, dass sich die Sympathien vor allem auf die jeweiligen Tischgruppen beschränken. So wollten die Mädchen in der Tischgruppe mit x nicht neben einem Schüler oder einer Schülerin aus einer anderen Tischgruppe sitzen. Besonders viel Sympathie wird in dieser Gruppe x entgegengebracht. Der „Star“ der Tischgruppe mit x ist x. Auch diese Gruppe bleibt am liebsten unter sich. Nur x, der mit den drei Mädchen x in einer Gruppe sitzt, würde sich auch gern diesen vier Jungs anschließen. x nannten ebenfalls keine anderen Schüler, neben denen sie gerne sitzen würden. Die letzte Tischgruppe mit x zeigt keine anderen Ergebnisse. Die Schüler sind also sehr auf ihre jeweiligen Herkunftsklassen fixiert, wobei nicht zu erkennen ist, dass bestimmte Kinder besonders favorisiert oder ausgeschlossen sind.

1. Fachwissenschaftliche Analyse

Der Evangelist Lukas überlieferte die Geschichte des Zachäus. Sie ist am Ende seines Reiseberichtes (Lk 19, 1-10) zu finden. Zachäus ist Zöllner in Jericho, eine prachtvolle und reiche Stadt zurzeit Jesu, in der der Handel blühte. Die Nähe zur Gottesstadt Jerusalem gibt Jericho eine religiöse Bedeutung. Dem gegenüber steht der Kontrast: die Zöllner, eine Berufsgruppe, die durch die Handelsverhältnisse und die Herrschaftsstrukturen in Judäa an Bedeutung gewinnt. Die Herrscher aus Rom nutzten die wirtschaftliche Blüte Jerichos aus, indem sie hohe Steuern für den Handel auferlegten. Ein Zöllner war Zollpächter, der mit der Zahlung einer Pachtsumme an die römische Besatzungsmacht das Recht erwarb, Steuern einzutreiben und Zölle zu erheben.[1] Jeder Zöllner hatte einen Distrikt zu verantworten. Der erwirtschaftete Überschuss ging in seine eigene Tasche, Defizite jedoch musste er wieder ausgleichen. Die Höhe der Einnahmen lag in der Hand des Zöllners. Das nutzten die Zollherren - wie Zachäus - aus, indem sie mehr einnahmen, als verlangt war. Dies kennzeichnete ihr Gewinnstreben und trug zu ihrem Wohlstand bei. Aus diesem Grund wurden sie vom Volk verachtet und galten für fromme Juden als „unrein“.[2] In rabbinischen Schriften wurden Zöllner mit Räubern und Dieben gleichgestellt.[3] Dies äußert sich in der synonymen Verwendung der beiden Begriffe Zöllner und Sünder.

Die Zachäusgeschichte ist eine Begegnungsgeschichte, indem Jesus dem als Sünder verrufenen obersten Zollpächter Zachäus begegnet. Nach Schawohl ist diese Begegnung zwischen Jesus und Zachäus ein dynamischer Prozess. Er vollzieht sich in verschiedenen Phasen:[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Verachtung, die die Bewohner Jerichos Zachäus entgegenbringen, zeigt sich bei Lukas deutlich. Als das Volk sich drängt, um Jesus zu sehen, der in die Stadt gekommen ist, macht niemand es möglich, dass der kleine Zachäus einen Blick auf Jesus werfen kann. Damit zeigt sich deutlich, dass Zachäus keinen Platz in der jüdischen Gemeinschaft einnimmt und es ihm verwehrt blieb, am religiösen Ereignis teilzunehmen. Um einen Ausweg zu finden, klettert Zachäus auf einen Maulbeerbaum. Lukas stellt hier den großen Abstand des Zöllners vom „normalen“ Volk dar.[5] Trotz der herrschenden gesellschaftlichen und religiösen Normen wendet sich Jesus einem Außenseiter zu, isst und trinkt in dem Haus eines vom Volk angesehenen Sünder. Die Frommen, die von Lukas mit „sie“ bezeichnet werden, stehen empört vor Zachäus Haus. Sie werfen Jesus den Umgang mit einem Sünder vor.[6] Jesus rechtfertigt dies in zweierlei Hinsicht. Zum einen gehört Zachäus zur Nachkommenschaft Abrahams. „Jesus will […] [den Menschen] zeigen, daß [sic!] Zachäus zu ihnen, zum Volk Gottes gehört, daß [sic!] er zurecht Hoffnung auf Heil und Erlösung hat.“[7] Zum anderen hat er „[…] das Recht Gottes zu den „Sündern und Zöllnern“ gebracht, nämlich das Recht der Gnade.“[8], denn durch die Zuwendung Gottes sollen die Sünder, und damit die Zöllner, nicht verloren sein.[9] Jesus schenkt Zachäus Gemeinschaft. Die Zuwendung Jesu vermittelt dem Zöllner eine neue Sicht ethischen Verhaltens. Er zeigt sich nun bereit, entschlossen zu handeln: er gibt den Armen die Hälfte seines Besitzes und denen, die er betrogen hat, gibt er das Vierfache zurück. Die Wiedergutmachungsaussage des Zachäus kommt unerwartet.[10] Sie ist Ausdruck dafür, dass er um jeden Preis bereit ist, das von Jesus angebotene Heil anzunehmen. Er lässt sich auf die Begegnung mit Jesus ein, und er will die Folgen der Begegnung unter Beweis stellen. Mit diesem Punkt ist wiederum der Begegnungsaspekt angesprochen: durch die Begegnung, durch die Zuwendung Jesu zu Zachäus, durch die geschenkte Gemeinschaft, hat sich Zachäus zum Guten verändert. Die Zachäusgeschichte wird von Lukas zusammengefasst: „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren war“ (Lk 19,10). „Die Art und Weise, wie Jesus sich dem Menschen zuwendet, wie er ihm zu begegnen versucht, wirkt erlösend und befreiend.“[11] Jesus richtet sich gegen bestehende Vorurteile und verschafft Zachäus einen neuen Zugang zur Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen, ohne ihn zur Nachfolge zu berufen.

[...]


[1] Vgl. Kasper, W. u. a. (Hg.), Lexikon für Theologie und Kirche, Band 10, Freiburg, Basel, Rom, Wien 32001, 1487. [Kurztitel: Kasper, Lexikon für Theologie]

[2] Vgl. Kasper, Lexikon für Theologie, 1487.

[3] Lachmann, R., Adams, G., Reents, Chr. (Hg.), Elementare Bibeltexte, Göttingen 2001, 263. [Kurztitel: Lachmann, Elementare Bibeltexte]

[4] Vgl. Schawohl, P., Ohne Wenn und Aber: Jesus im Haus des Zöllners, München 1984, 10. [Kurztitel: Schawohl, Ohne Wenn und Aber]

[5] Vgl. Schawohl, Ohne Wenn und Aber, 12.

[6] Lachmann, Elementare Bibeltexte, 240.

[7] Schawohl, Ohne Wenn und Aber, 16.

[8] Moltmann, J., Der Weg Jesu Christi: Christologie in messianischen Dimensionen, München 1989, 132.

[9] Lachmann, Elementare Bibeltexte, 240.

[10] Herrenbrück, F., Jesus und die Zöllner: historische und neutestamentlich-exegetische Untersuchungen, Tübingen 1990, 275.

[11] Schawohl, Ohne Wenn und Aber, 18.

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638345255
Dateigröße
970 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34233
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Schlagworte
Praktikumsbericht Praktikum Unterrichtsfach Religion

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Praktikumsbericht über das studienbegleitende fachdidaktische Praktikum im Unterrichtsfach Religion