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Social Media in deutschen Unternehmen (KMU). Einsatzmöglichkeiten und zukünftige Entwicklung

Masterarbeit 2016 124 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungs- und Untersuchungsziel
1.2 Methodik

2 Theoretische Grundlagen: KMU
2.1 Grundsätzliches zu KMU
2.1.1 Qualitative Indikatoren
2.1.2 Quantitative Indikatoren
2.1.3 Zusammenfassung der KMU-Definitionen
2.2 Definition der Erhebungseinheit
2.2.1 Abgrenzungsmerkmale der Erhebungseinheit
2.2.2 Festlegung von Schwellenwerten
2.2.2.1 Bestimmung von Obergrenzen
2.2.2.2 Bestimmung von Schwellenwerten
2.2.3 Definition von deutschen KMU als Erhebungseinheit

3 Theoretische Grundlagen: Social Media
3.1 Social Media: Definition und Bedeutung
3.2 Einsatzmöglichkeiten von Social Media
3.3 Social Media in Deutschland im Überblick
3.4 Exkurs: Nutzung von Social Media in Deutschland im Jahr

4 Social Media in deutschen KMU
4.1 Zielsetzung und Durchführung der empirischen Untersuchungen
4.2 Nutzung von Social Media allgemein
4.2.1 Prognose der zukünftigen Entwicklung des Nutzungsgrads von Sozialen Medien in deutschen KMU
4.2.2 Interpretation der Analyse der allgemeinen Entwicklung von Social Media in deutschen KMU
4.3 Zielsetzung des Einsatzes von Social Media in deutschen KMU
4.3.1 Zielsetzungen des Einsatzes von Social Media in deutschen KMU im Jahr
4.3.2 Entwicklung der Zielsetzungen des Einsatzes von Social Media in deutschen KMU in den Jahren 2012 und
4.3.3 Entwicklung der Zielsetzungen des Einsatzes von Social Media in deutschen KMU in den Jahren 2012, und
4.3.4 Interpretation der Untersuchung der Zielsetzungen des Einsatzes von Sozialen Medien in deutschen KMU
4.4 Wie setzen KMU in Deutschland Social Media ein?
4.4.1 Untersuchung der Einsatzbereiche von Sozialen Medien in deutschen KMU im Jahr
4.4.2 Nutzenentwicklung von Social Media in ausgewählten Einsatzbereichen von deutschen KMU in den Jahren 2012 und
4.4.3 Identifikation zukünftigen Optimierungspotenzials des Einsatzes von Sozialen Medien in deutschen KMU

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Phasen des Forschungsablaufs

Abb. 2: Spannungsverhältnis einer zu eng gefassten Definition von deutschen KMU und deren Bedeutung in der Praxis

Abb. 3: Unterscheidung von KMU im engeren und KMU im weiteren Sinn

Abb. 4: Interessensgruppen eines Unternehmens

Abb. 5: Social-Media-Prisma (German Edition)

Abb. 6: Phasen des Forschungsablaufs

Abb. 7: Entwicklung der Nutzungsintensität von Social Media in deutschen KMU in den Jahren 2010 bis

Abb. 8: Dn KMU in den Jahren 2010 bis 2015 mit Referenzwerten

Abb. 9: durchschnittlicher Entwicklungsverlauf der Nutzungsintensität von Social Media in deutschen KMU in den Jahren 2010 bis 2015 sowie eine lineare Prognose der zukünftigen Entwicklung

Abb. 10: Zielsetzungen des Einsatzes von Social Media im Jahr

Abb. 11: Vergleich der Zielsetzungen des Einsatzes von Social Media im Jahr 2012 und

Abb. 12: Vergleich der Zielsetzungen des Einsatzes von Social Media in den Jahren 2012, 2014 und

Abb. 13: Einsatzbereiche von Social Media in deutschen KMU im Jahr

Abb. 14: Einsatz von Social Media in Unternehmen in den Jahren 2012 und

Abb. 15: bestehendes Optimierungspotenzial des Einsatzes von Social Media in deutschen KMU im Jahr

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Merkmalskatalog für KMU in Abgrenzung zu Großunternehmen nach Pfohl

Tab. 2: Überblick gängiger KMU-Definitionen anhand von quantitativen Merkmalen

Tab. 3: KMU-Definition des IfM Bonn seit dem

Tab. 4: KMU-Definition der Europäischen Kommission

Tab. 5: Definition von KMU als Erhebungseinheit

Tab. 6: Auflistung von involvierten Einsatzbereichen bei nach außen gerichteten bzw. externen Social-Media-Einsätzen

1 Einleitung

Einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2015 zufolge ist die Anzahl der deutsch­sprachigen Internetnutzer ab 14 Jahren in Deutschland auf einen Höchstwert von 79,5% gestiegen.[1] Die Studie zeigt außerdem, dass der Anteil der deut­schen Bevölkerung, die täglich das Internet nutzt, im Jahr 2015 auf 63% gestie­gen ist und damit 8,5% über dem Vorjahreswert liegt.[2] Des Weiteren geht aus den Studienergebnissen hervor, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren, die das Internet täglich nutzt, überwiegend auf Social-Media- Plattformen bzw. konkret in Sozialen Netzwerken (im Folgenden Synonym ver­wendet Social Networks) aktiv ist.[3] Neben Privatpersonen kann Social Media (im Folgenden synonym verwendet Soziale Medien) bei richtiger Nutzung ins­besondere auch für Unternehmen ein wichtiger Bestandteil des täglichen Ge­schäfts darstellen, da mit Social Media eine Vielzahl an Nutzern und somit viele potenzielle Kunden erreicht werden können. Zudem zeigen die aktuellen Zah­len, dass die Sozialen Medien nicht mehr länger als ein Trend oder Hype anzu­sehen sind. Vielmehr hat sich Social Media seit einigen Jahren zu einem festen Bestandteil der breiten Gesellschaft entwickelt, der sich immer weiter etabliert. Insofern ist es für Unternehmen, die Social Media bisher als kurzfristigen Trend oder Hype angesehen haben, grundsätzlich ratsam, die eigenen Unterneh­mensstrukturen an diesen gesellschaftlichen Wandel anzupassen. Während aktuellen Untersuchungen zufolge bereits mehr als 75% der Großunternehmen in Deutschland gezielt Social Media einsetzen, ist der Bereich der Sozialen Me­dien in deutschen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) weitestgehend unerforscht.[4] In der einschlägigen Literatur fehlt ein aktueller Status Quo, der zeigt, wie die Sozialen Medien in deutschen KMU eingesetzt und ob diese in deutschen KMU überhaupt genutzt werden. Die Feststellung eines fehlenden Status Quo ist insofern überraschend, da bspw. im Jahr 2013 KMU i. S. d. De­finition des IfM Bonn 99,6% der gesamten deutschen Unternehmen gebildet haben.[5] Zwar existieren in der Literatur vereinzelt Studien, die für ein einzelnes Jahr den Status Quo von Sozialen Medien in deutschen KMU aufzeigen, aller- dings sind die meisten dieser Studien, bedingt durch die Inexistenz einer ein­heitlichen und allgemeingültigen Definition von KMU, nicht miteinander ver­gleichbar. Insofern ist es auf Basis dieser unterschiedlichen Daten u.a. nur sehr schwer möglich, einen Trend abzuleiten und eine Aussage bzw. Prognose über die zukünftige Entwicklung von Sozialen Medien in deutschen KMU zu treffen. Die Ausarbeitung eines aktuellen Status Quo von Sozialen Medien in deut­schen KMU ist daher ratsam, um nicht nur einen möglichen Trend abzuleiten, sondern um auch Informationen über die Nutzung von Social Media in deut­schen KMU zu erlangen. Zu diesem Zweck ist es u.U. notwendig, Studien aus vergangenen Jahren gleichförmig und für die Durchführung eigener Untersu­chungen greifbar zu machen. Dieser Schritt der Konzeptualisierung wird in Ka­pitel 2 der vorliegenden Arbeit vorgenommen. Es erfolgt eine Aufarbeitung aller theoretischen Grundlagen, die im weiteren Verlauf der Arbeit für die Ausarbei­tung der eigenen Untersuchungen benötigt werden. Im Zentrum von Kapitel 3 steht der eigentliche Untersuchungsgegenstand der Arbeit, nämlich die Sozia­len Medien. Nach einer Begriffsklärung von Social Media werden in Kapitel 4 Untersuchungen durchgeführt, mithilfe derer ein aktueller Status Quo bezüglich der Nutzung und Entwicklung der Nutzungsintensität von Social Media in deut­schen KMU ermittelt werden soll. Die Arbeit schließt in Kapitel 5 mit einem Fazit sowie einer kritischen Würdigung der angestellten Untersuchungen und den daraus abgeleiteten Interpretationen und Ergebnissen.

1.1 Forschungs- und Untersuchungsziel

Basierend auf der zuvor genannten Problematik eines fehlenden Status Quo bzgl. der Nutzung von Social Media in deutschen KMU besteht das For­schungsziel der vorliegenden Arbeit darin, im Rahmen einer empirischen Un­tersuchung die Nutzungsintensität von Sozialen Medien in deutschen KMU zu bestimmen bzw. die Entwicklung der Nutzungsintensität über einen gewählten Zeitraum darzustellen. Zudem wird versucht, auf Basis der gewonnenen Daten die Entwicklung der Nutzungsintensität von Social Media für die Zukunft zu prognostizieren. Zu diesem Zweck besteht die Notwendigkeit, die mit dem Thema der Sozialen Medien in deutschen KMU einhergehenden Fragen aufzu­arbeiten. Einerseits muss der Begriff der deutschen KMU definiert werden, um diesen zu operationalisieren. Andererseits muss der Terminus Soziale Medien genauer betrachtet werden, um ein Grundwissen zu erarbeiten, auf dem im weiteren Verlauf der Arbeit die empirischen Untersuchungen aufgebaut werden können. Insofern ist ein Zwischenziel dieser Arbeit die Definition von deutschen KMU als Erhebungseinheit bzw. eine Operationalisierung der Begrifflichkeit, mit Seite 2 dem Ziel, den Begriff der deutschen KMU im Rahmen der empirischen Unter­suchung zahlenmäßig erfassen zu können. Zudem sind die im Vorfeld einer empirischen Untersuchung notwendigen Vorbereitungen i. S. e. theoretischen Aufbereitung der verschiedenen kritischen Stellen innerhalb der Thematik der Sozialen Medien in deutschen KMU, wie z.B. die Definition von KMU als Erhe­bungseinheit und die Erläuterung der Begrifflichkeit Social Media, als zwischen­geschaltetes Ziel bzw. als notwendiges Hilfsmittel für die Untersuchung von Social Media in deutschen KMU anzusehen. Insofern werden mit den zwischen­geschalteten Zielen die Voraussetzungen für die empirischen Untersuchungen geschaffen. Abschließend sei gesagt, dass neben der eigentlichen empirischen Untersuchung eine detaillierte und leicht nachvollziehbare sowie mit den Er­gebnissen vergangener sowie zukünftiger Studien vergleichbare Darstellung der Daten ein weiteres Forschungsziel der Arbeit darstellt.

1.2 Methodik

Anhand der in Anlehnung an Raithel erstellten und nachfolgend angeführten Abbildung wird die methodische Vorgehensweise der vorliegenden wissen­schaftlichen Arbeit vorgestellt (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Phasen des Forschungsablaufs[6]

Nachdem bereits auf die Problemstellung sowie das Forschungsziel und die damit einhergehenden Fragen in den beiden vorherigen Abschnitten eingegan­gen wurde, werden angesichts der angestrebten empirischen Untersuchungen zur Nutzung von Social Media in deutschen KMU in einem dritten Schritt die für das Vorhaben der vorliegenden Arbeit erforderlichen theoretischen Grundlagen operationalisiert (Konzeptualisierung), um eine Verwertbarkeit der Daten bei der Durchführung der empirischen Untersuchung zu gewährleisten. In diesem dritten Schritt erfolgt eine Aufarbeitung der bereits vorhandenen Definitionen von KMU, mit dem Ziel der Erarbeitung einer auf das Forschungsziel dieser Arbeit abgestimmten Definition von KMU als Erhebungseinheit, um den Begriff schließlich zahlenmäßig erfassbar zu machen. Des Weiteren wird in der dritten Phase der Begriff Soziale Medien erläutert, da dieser den Hauptuntersuchungs­gegenstand der Arbeit bildet. Zudem erfolgt eine Auflistung von ausgewählten bzw. dem Themenkomplex der Sozialen Medien zugehörigen Applikationen.

Im Anschluss an die Erarbeitung der theoretischen Grundlagen werden in ei­nem vierten Schritt die ersten konkreten, auf die empirischen Untersuchungen von Social Media in deutschen KMU abgestimmten Erhebungsvorbereiten so­wie die ersten Datenerhebungen durchgeführt. Die durch Recherche gewonne­nen Daten werden in der an die Erhebungsvorbereitung und Datenerhebung anschließenden Datenaufbereitungsphase aufbereitet, d.h. die Daten werden bereinigt und sofern notwendig auch modifiziert. Eine Modifizierung der recher­chierten Daten ist möglicherweise notwendig, da diese u.U. nicht der Definition von deutschen KMU als Erhebungseinheit entsprechen und demnach zur An­wendbarkeit in den geplanten empirischen Untersuchungen angepasst werden müssen. Sind die Daten aufbereitet, werden diese analysiert und ausgewertet. Zur Analyse und Auswertung der Daten, auch im Hinblick auf eine Interpretation der Daten, werden diese zur besseren Veranschaulichung zusätzlich grafisch dargestellt, um z.B. die Entwicklung der Nutzung von Sozialen Medien in deut­schen KMU über einen konkreten Zeitraum abzubilden. Zusammenfassend be­stehen die eigentlichen empirischen Untersuchungen also aus den drei Phasen Erhebungsvorbereitung und Datenerhebung, Datenaufbereitung sowie Daten­analyse und -auswertung. Insofern können die einzelnen Phasen des For­schungsablaufs in einer zusammenfassenden Darstellung zwar getrennt von­einander dargestellt werden, in der textlichen Ausarbeitung sind diese Phasen allerdings stark miteinander verbunden bzw. gehen weit ineinander über.

Abschließend erfolgt in einem letzten Schritt eine Interpretation der gewonne­nen Daten. Ebenso wird Stellung zu der möglichen Übertragbarkeit oder Disse­mination der Ergebnisse genommen. Demnach erfolgt in der letzten Phase nicht nur eine Interpretation der Ergebnisse, sondern es werden Aussagen dar­über getroffen, inwieweit die gewonnenen Daten und erarbeiteten Prognosen tatsächlich belastbar sind.

2 Theoretische Grundlagen: KMU

Für den weiteren Verlauf der Arbeit wird eine Definition von KMU vorausge­setzt. Bereits im Vorfeld einer empirischen Untersuchung muss festgelegt wer­den, auf welchen Bezugsgrößen die Analyse aufbaut und welche Daten analy­siert werden. Darauf aufbauend können anschließend die erarbeiteten Daten ausgewertet und interpretiert werden.

2.1 Grundsätzliches zu KMU

Die Eingrenzung der empirischen Untersuchung auf KMU in Deutschland ist insofern problematisch, da es in der Literatur bislang an einer einheitlichen und allgemeingültigen Definition von KMU mangelt und der Begriff der KMU ,,[...] zumeist losgelöst von [..] [seinem, d. Verf.] eigentlichen Hintergrund verwendet [...]‘‘[7] wird. Zudem werden in der einschlägigen Literatur die Begrifflichkeiten Mittelstand, Familienunternehmen und KMU zumeist synonym verwendet.[8] Das Fehlen der Existenz einer einheitlichen Definition in Verbindung mit der syno­nymen Verwendung der soeben genannten drei Begrifflichkeiten setzt im Vor­feld einer empirischen Untersuchung eine Aufarbeitung des KMU-Begriffs vo­raus. Mit einer eingehenden Auseinandersetzung mit dem Begriff der KMU in Deutschland wird ein Grundverständnis erarbeitet, das für den weiteren Verlauf der Arbeit notwendig ist. Neben der Begriffserklärung von KMU besteht ein wei­teres Ziel in der Erläuterung und Abgrenzung der Begrifflichkeiten Mittelstand, Familienunternehmen und KMU. Mit einer eindeutigen Unterscheidung dieser drei Begrifflichkeiten tritt zwangsläufig ein für die Empirie gewünschter Effekt ein, da mit einer eindeutigen begrifflichen Differenzierung die Daten bzw. dieje­nigen Unternehmen definiert werden, die in der empirischen Untersuchung zu analysieren sind. Für die Unterscheidung und Operationalisierung der Termini Mittelstand, Familienunternehmen und KMU werden häufig in der Literatur an­zutreffende Definitionen bzw. Begriffserläuterungen gegenübergestellt sowie die Charakteristika dieser drei Termini mit einer Fokussierung auf KMU heraus­gearbeitet.

Der Begriff KMU wird im Folgenden in zwei Schritten definiert. Zunächst werden Indikatoren dargestellt, die es erlauben, KMU ganz allgemein anhand von qua­litativen und quantitativen Merkmalen zu definieren bzw. von Großunternehmen abzugrenzen.[9] Mit den quantitativen Indikatoren wird in diesem Zusammen­hang ein zahlenmäßig erfassbarer Tatbestand dargestellt, wie z.B. die Anzahl der Beschäftigten oder der Jahresumsatz eines Unternehmens. Die qualitativen Indikatoren hingegen können zahlenmäßig nicht bzw. lediglich unter besonde­ren Voraussetzungen zahlenmäßig erfasst werden. Neben den ökonomischen bzw. quantitativen Indikatoren, beinhalten qualitative Indikatoren im Wesentli­chen psychologische und gesellschaftliche Aspekte.[10] Die KMU werden in die­sem ersten Schritt ganz allgemein anhand von qualitativen und quantitativen Indikatoren dargestellt. In einem zweiten Schritt wird der Begriff der KMU ope- rationalisiert, d.h.,,[...] aus dieser allgemeingültigen Definition [erfolgt, d. Verf.] durch weitere Einschränkungen die Ableitung einer arbeitsspezifischen Defini­tion“[11]. Die Definition einer arbeitsspezifischen Erhebungseinheit auf Basis der allgemeinen Darstellung von KMU ist zwingend notwendig, da die Erhebungs­einheit die zu analysierenden Daten der empirischen Untersuchung beinhaltet.

2.1.1 Qualitative Indikatoren

In der Literatur werden KMU anhand von qualitativen und quantitativen Indika­toren erläutert und von Großunternehmen abgegrenzt. Im Folgenden werden die qualitativen Indikatoren und die quantitativen Indikatoren getrennt vonei­nander erläutert, wobei die qualitativen Indikatoren als Erstes thematisiert wer­den. Das Voranstellen der qualitativen Indikatoren wird dem Umstand geschul­det, dass in der Literatur der Begriff der KMU zwar weit verbreitet anhand von quantitativen Faktoren definiert und angewendet wird, die Begrifflichkeiten Mit­telstand, Familienunternehmen und KMU allerdings durch qualitative Indikato­ren voneinander abgegrenzt werden.[12] Insofern müssen im Vorfeld einer Aus­arbeitung der quantitativen Faktoren von KMU die qualitativen Faktoren für die Unterscheidung von KMU zu Mittelstand, Familienunternehmen und Großun­ternehmen erläutert werden.

In der Literatur existiert eine Vielzahl an unterschiedlichen Merkmalskatalogen, mit denen anhand von qualitativen Merkmalen zumeist KMU von Großunter­nehmen unterschieden werden.[13] In diesen Katalogen werden Gemeinsamkei­ten von KMU aufgezeigt, die häufig auftreten und mit denen KMU als eine Grup­pierung von Unternehmen mit bestimmten Merkmalen definiert werden können. Mithilfe dieser Merkmale können KMU anschließend von Großunternehmen ab­gegrenzt werden, indem die jeweiligen Unternehmen auf eben diese Merkmale hin untersucht und miteinander verglichen werden. Dabei gilt: Ein Merkmal, das umso häufiger für die Beschreibung eines KMU herangezogen werden kann, ist ein Faktor mit hoher Aussagekraft für die Definition und Abgrenzung von KMU. Insofern zeigen Merkmalskataloge eine Vielzahl an unterschiedlichen In­dikatoren auf, anhand derer KMU beschrieben bzw. definiert werden können. „Hinsichtlich des Umfangs und der Länge unterscheiden sich diese Merkmals­kataloge. Ein idealtypischer Merkmalskatalog, der für alle KMU repräsentativ ist, existiert de facto nicht.“[14] Ebenso enthalten einige der Merkmalskataloge Widersprüche an sich oder widersprechen den Kriterien anderer Ausführungen durch eine grundsätzlich andere Auslegung der Indikatoren.[15] Aufgrund der ho­hen Anzahl an diversen Merkmalskatalogen, die KMU mit qualitativen Indikato­ren in Verbindung mit widersprechenden bzw. nicht übereinstimmenden Aus­sagen erläutern, sollen zur Wahrung der Übersichtlichkeit nachfolgend nur die beiden in der Literatur am weitesten verbreiteten Merkmalskataloge nach Pfohl und Mugler vorgestellt werden. Für qualitative Merkmale werden meist die Ein­heit von Eigentum und Leitung, die Selbständigkeit des Unternehmens in wirt­schaftlicher und rechtlicher Hinsicht sowie die „[...] Dominanz des Unterneh­mers für die Erscheinungsform des Klein- und Mittelbetriebes [...]“[16] genannt.

Mugler führt insgesamt acht Kriterien an, mit denen KMU ganz allgemein cha­rakterisiert werden können. Bei der Darstellung dieser Kriterien muss allerdings beachtet werden, dass nach Mugler ein Unternehmen auch dann zur Kategorie der KMU dazugezählt werden kann, wenn der Betrieb nicht alle der nachfolgend genannten Indikatoren erfüllt:[17]

1. „Der Unternehmer verfügt über ein Netz von persönlichen Kontakten zu Kun­den, Lieferanten und anderen für das Unternehmen wichtigen Bezugsperso­nen.
2. Das Unternehmen kann rasch auf Umweltveränderungen reagieren.
3. Das Unternehmen hat nur einen kleinen Marktanteil.
4. Die Organisation ist gering formalisiert.
5. Das Unternehmen wird nicht von einem größeren Unternehmen, zum Beispiel im Rahmen eines Konzerns, beherrscht.
6. Das Unternehmen wird durch die Persönlichkeit des Unternehmers geprägt, der Leiter und oft auch Eigentümer ist.
7. Die Kontakte zwischen der Unternehmensleitung und den Mitarbeitern sind eng und informell.
8. Das Unternehmen erstellt Leistungen nach den individuellen Wünschen der Kunden.“[18]

Der oben angeführte Merkmalskatalog nach Mugler findet in der Literatur ein hohes Maß an Beachtung. In diesem Zusammenhang ist auffällig, dass die Per­son des Unternehmers in vielen der von Mugler angeführten Indikatoren über­geordneten Stellenwert einnimmt und Mugler die Merkmale in weiten Teilen nicht auf das Unternehmen an sich, sondern auf die Person des Unternehmers bezieht.[19] Zudem bezieht Mugler keinerlei Referenzdaten in die Auflistung der Indikatoren mit ein. So sind bspw. die beiden Merkmale „Das Unternehmen hat nur einen kleinen Marktanteil“[20] und „Das Unternehmen kann rasch auf Um­weltveränderungen reagieren“[21] ohne einen Vergleichs- oder Referenzwert von geringer Aussagekraft. Durch einen fehlenden Vergleichswert können aus einer Vielzahl an Unternehmen nicht diejenigen Unternehmen identifiziert werden, welche die jeweiligen Merkmale aufweisen. Die Definition einer Erhebungsein­heit anhand von qualitativen Indikatoren ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn die Erhebungseinheit der deutschen KMU exakt von allen anderen deutschen Unternehmen abgegrenzt werden kann. Für die Definition der KMU als Erhe­bungseinheit sind die Ausführungen nach Mugler demnach nicht geeignet. Durch das Fehlen von Vergleichswerten und die Nichtexistenz einer Abgren­zung zu weiteren Unternehmen kann der Merkmalskatalog nach Mugler nur als Anhaltspunkt einer qualitativen Definition genutzt werden. Die Konkretisierung eines KMU anhand einer geringen Formalisierung, eines schnellen Reaktions­vermögens auf Umweltänderungen sowie einer individuellen Erstellung von Leistungen nach Kundenwünschen besitzt ohne Vergleichsdaten zu wenig Aussagekraft. Bspw. erläutert Mugler in diesem Zusammenhang keine der zur Konkretisierung notwendigen Komponenten, weder in zeitlicher noch in organi­satorischer Hinsicht.[22] Das Merkmal eines schnellen Reaktionsvermögens kann ohne Zeitangabe nicht beurteilt werden. Ohne zeitlichen Bezug fehlt es diesem Merkmal an Aussagekraft. Zudem kann bspw. der Punkt „Das Unter­nehmen erstellt Leistungen nach den individuellen Wünschen der Kunden“[23] in vielerlei Hinsicht interpretiert und angewendet werden. Die Individualisierung einer Leistung muss nicht zwangsläufig mit einem einzelnen Produkt einherge­hen. Unter Umständen kann ein individuelles Produkt für eine beliebig hohe Anzahl an Kunden mit gleichen Wünschen und Vorstellungen erstellt werden. Zudem existiert bereits eine Vielzahl von Unternehmen, deren Geschäftsmodell aus Mass Customization, d.h. der Herstellung von individueller Massenware, besteht.[24] Aufgrund der Inexistenz an präzisen Vergleichswerten und der ext­rem weiten Auslegung der Indikatoren nach Mugler kann an dieser Stelle fest­gehalten werden, dass die Definition einer Erhebungseinheit mit den qualitati­ven Merkmalen nach Mugler nicht möglich ist und somit grundsätzlich die Mög­lichkeit besteht, dass die Erhebungseinheit der KMU nicht mit qualitativen Indi­katoren definiert werden kann.

Aufgrund dessen, dass der Merkmalskatalog nach Mugler für die Definition von KMU als Erhebungseinheit nicht ausreichend ist, wird nachfolgend ein weiterer, in der Literatur viel beachteter Merkmalskatalog angeführt. Dieser Katalog stammt von Pfohl und findet bei unterschiedlichen Autoren aufgrund seines Umfangs und seiner Untergliederung in betriebliche Funktionssparten große Beachtung.[25] Nachfolgend wird in Tab. 1 ein kleiner Auszug des Merkmalska­talogs nach Pfohl präsentiert, der die bereits von Mugler genannten Funktions­bereiche Personal, Organisation und Unternehmensführung, enthält. Neben der Untergliederung ist ein weiterer Vorteil der Auflistung nach Pfohl, die Ab­grenzung von KMU zu Großunternehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Merkmalskatalog für KMU in Abgrenzung zu Großunternehmen nach Pfohl[26]

Im direkten Vergleich ist der Merkmalskatalog nach Pfohl wesentlich detaillier­ter und umfangreicher als der Merkmalskatalog nach Mugler. Zudem wird durch die Abgrenzung von KMU zu Großunternehmen bereits ein grober Rahmen für die Definition von KMU als Erhebungseinheit vorgegeben. Die Abgrenzung von KMU zu Großunternehmen anhand von qualitativen Merkmalen hat allerdings ähnlich dem Merkmalskatalog nach Mugler wenig Aussagekraft. Zwar beinhal­ten einige der Indikatoren Aussagen, anhand derer durchaus eine Definition von KMU möglich ist, allerdings fehlt es dem Merkmalskatalog nach Pfohl ebenso wie dem Katalog nach Mugler an Vergleichsgrößen in jeglicher Hin­sicht. Zwar können grundsätzlich aus der großen Anzahl an Indikatoren nach Pfohl einige Faktoren auch ohne Vergleichsgrößen für die Definition der Erhe­bungseinheit angewendet werden, allerdings ist die Aussagekraft einiger weni­ger Indikatoren im Vergleich zu einer Vielzahl an Merkmalen wesentlich gerin­ger und die Reduktion eines umfangreichen Merkmalskataloges auf wenige In­dikatoren bei der Definition einer Erhebungseinheit unglaubwürdig. Zudem be­inhaltet weder die Auflistung nach Pfohl noch die Aufzählung nach Mugler eine Untergliederung der KMU in kleine und mittlere Unternehmen. Zusätzlich be­ziehen Mugler und Pfohl eine hohe Anzahl der identifizierten Indikatoren auf die Person des Unternehmers. So sind bspw. für Pfohl eine patriarchalische Füh­rung und der Eigentümer-Unternehmer Indikatoren für KMU.[27]

In diesem Zusammenhang muss allerdings erwähnt werden, dass z.B. Fami­lienunternehmen durch das IfM Bonn mit ähnlichen Kriterien definiert werden.[28] Das IfM Bonn definiert ,,[...] alle Unternehmen als Familienunternehmen, bei denen bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen mindes­tens 50% der Anteile eines Unternehmens halten und diese natürlichen Perso­nen der Geschäftsführung angehören“[29]. Die Merkmale Eigentümer-Unterneh­mer und ein mindestens 50%iger Anteil einer natürlichen Person an einem Un­ternehmen (laut IfM Bonn beides Merkmale eines Familienunternehmens defi­niert) lassen aufgrund des ähnlichen Inhalts keine eindeutige Abgrenzung von KMU und Familienunternehmen zu. Eine Trennung dieser beiden Begrifflich- keiten ist nur dann möglich, wenn die Indikatoren mit gleichem Wortlaut durch die weiteren Merkmale präzisiert werden. Insofern müssten durch die zusätzli­chen Indikatoren genügend Anhaltspunkte gegeben sein, um KMU eindeutig von Familienunternehmen zu unterscheiden. Aufgrund der bereits genannten Inexistenz der Konkretisierung der Merkmale anhand von Vergleichsgrößen ist es nicht möglich, die genannten Begrifflichkeiten durch die Untersuchung wei­terer Merkmale zu definieren. Dieser Umstand verdeutlicht, dass die Begriffe Familienunternehmen und KMU in der Literatur unter Umständen synonym ver­wendet werden, da es an konkreten Unterscheidungsmerkmalen mangelt. Es zeigt sich, dass auch Familienunternehmen zu den KMU hinzugezählt werden können.[30] „Die Schnittmenge von Familienunternehmen und kleinen und mitt­leren Unternehmen (KMU) ist naturgemäß sehr groß.“[31]

Weiterhin definiert das IfM Bonn den Begriff Mittelstand mit dem exakt gleichen Wortlaut wie den Begriff Familienunternehmen und räumt in diesem Zusam­menhang ein, dass die Begrifflichkeiten Familienunternehmen, Mittelstand, Ei­gentümerunternehmen und familiengeführte Unternehmen nach den Definitio­nen des IfM Bonn synonym verwendet werden.[32] Es findet eine Erweiterung bzw. Substitution der bereits erwähnten großen Überlappung von KMU und Fa­milienunternehmen statt, indem der Begriff der Familienunternehmen in dem Satz „die Schnittmenge von Familienunternehmen und kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist naturgemäß sehr groß“[33] durch den Begriff der mittel­ständischen Unternehmen substituiert bzw. erweitert wird. Die Ausdehnung der Schnittmenge auf die mittelständischen Unternehmen durch das IfM Bonn wird mit dem Wortlaut „die Schnittmenge von mittelständischen Unternehmen/Fami­lienunternehmen und unabhängigen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist sehr groß“[34] wiedergegeben. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass KMU mit qualitativen Indikatoren nicht eindeutig definiert werden können. In der Literatur fehlt es an Vergleichsgrößen anhand derer KMU sinnvoll und eindeutig von den übrigen Unternehmen abgrenzt werden können. Des Weite­ren wird eine Vielzahl an Indikatoren, die auch ohne Vergleichsgrößen aussa­gekräftig sind synonym für Familienunternehmen, KMU und den Mittelstand verwendet. Eine Operationalisierung von KMU mit qualitativen Merkmalen ist demnach aufgrund der Komplexität, des Umfangs und der Substitution der Be­griffe nur schwer möglich.

2.1.2 Quantitative Indikatoren

Da eine Operationalisierung des Begriffsverständnisses von KMU anhand von qualitativen Merkmalen nicht eindeutig möglich ist, wird in einem zweiten Schritt der Versuch unternommen, den Begriff der KMU mit quantitativen Indikatoren zu beschreiben bzw. die Definition von deutschen KMU als Erhebungseinheit auf Grundlage von quantitativen Merkmalen durchzuführen. Mit quantitativen Indikatoren wird ein Sachverhalt zahlenmäßig erfasst, d.h. es besteht grund­sätzlich die Möglichkeit, anhand von Zahlen bzw. Werten Indikatoren darzustel­len und von anderen Merkmalen abzugrenzen. Die Darstellung eines Sachver­halts mit quantitativen Merkmalen muss allerdings nicht auf einem einzelnen Indikator beruhen. Vielmehr kann ein Sachverhalt, in diesem Fall der KMU- Begriff, mit unterschiedlichen quantitativen und somit zahlenmäßig erfassten Indikatoren dargestellt werden.[35] Ähnlich wie bei den qualitativen Indikatoren existiert bei den quantitativen Indikatoren ebenfalls eine Vielfalt an unterschied­lichen Definitionen für KMU. Aufgrund dieser Vielfalt an unterschiedlichen quantitativen Erläuterungen werden in der nachfolgenden tabellarischen Über­sicht basierend auf den in der einschlägigen Literatur aufgezeigten Begriffsbe­stimmungen die bekanntesten und wichtigsten Definitionen von KMU unter­schiedlicher Institutionen dargestellt. Mit diesem kleinen Auszug soll die Viel­zahl an unterschiedlichen Definitionen verdeutlicht werden, die in der Literatur anzutreffen sind. Die Definitionen unterscheiden sich nicht nur in der Auswahl an den für die Erläuterung von KMU herangezogenen Indikatoren, sondern die Merkmale werden von Institution zu Institution zusätzlich mit unterschiedlichen Schwellenwerten für die Abgrenzung der Unternehmen versehen.[36] Hinsichtlich der Auswahl an quantitativen Indikatoren kann in der tabellarischen Übersicht der gängigen KMU-Definition (siehe Tab. 2) festgestellt werden, dass die An­zahl der zur Erläuterung herangezogenen Merkmale zwar gering ist, die unter­schiedlichen Merkmale allerdings nicht immer von jedem Autor zur Definition des KMU-Begriffs verwendet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[37] [38] [39] [40] [41] [42]

Tab. 2: Überblick gängiger KMU-Definitionen anhand von quantitativen Merkmalen[43]

Das Deloitte Mittelstandsinstitut an der Universität Bamberg verwendet bspw. die beiden quantitativen Indikatoren der Anzahl der Beschäftigten und den Jah­resumsatz des Unternehmens in Euro p.a., wohingegen die Empfehlung der Europäischen Kommission zusätzlich zu diesen beiden Merkmalen zur quanti­tativen Definition von KMU das Merkmal der Bilanzsumme des Unternehmen in Euro p.a. berücksichtigt.[44] Hinsichtlich der für eine Definition von KMU unter­schiedlichen Gestaltung von Schwellenwerten, beim Gebrauch von quantitati­ven Indikatoren, sind besonders die Definitionen der Kreditanstalt für Wieder­aufbau (KfW) Bankengruppe, des Deloitte Mittelstandsinstituts an der Universi­tät Bamberg und des Handelsgesetzbuches (HGB) hervorzuheben. Die drei ge­nannten Definitionen stechen aufgrund einer sehr hohen Abweichung von den festgelegten Schwellenwerten der verwendeten quantitativen Indikatoren her­vor. Den drei Definitionen der genannten Institutionen ist gemein, dass der Um­satz des Unternehmens in Euro p.a. als einer von mehreren quantitativen Merk­malen zur Erläuterung der Begrifflichkeit der KMU verwendet wird. Der Umsatz eines Unternehmens in Euro p.a. wird in der Definition des HGB mit einem Schwellenwert von 40 Mio. Euro p.a. angegeben.[45] Neben diesem Merkmal be­zieht das HGB bei seiner Definition von KMU zusätzlich die beiden Kriterien der Anzahl der Arbeitnehmer des Unternehmens im Jahresdurchschnitt und die Bi­lanzsumme des Unternehmens in Euro p.a. mit ein.[46] Zwei der Kriterien dürfen an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen nicht überschritten werden. Demnach ist ein Unternehmen, dessen Umsatz und Bilanzsumme bspw. den Schwellenwert von 40 Mio. Euro p.a. bzw. 20 Mio. Euro p.a. an zwei aufeinan­derfolgenden Bilanzstichtagen überschreiten, laut Definition des HGB nicht län­ger ein KMU.[47] Der Schwellenwert von 40 Millionen Euro Umsatz p.a. über­rascht allerdings im direkten Vergleich zu den beiden Definitionen der KfW Ban­kengruppe und des Deloitte Mittelstandsinstituts an der Universität Bamberg. Der Schwellenwert des Kriteriums Umsatz eines Unternehmens in Euro p a. wird von den beiden genannten Institutionen bei der quantitativen Definition von KMU mit einem mittleren bzw. gehobenen dreistelligen Umsatz angegeben.[48] Die KfW Bankengruppe bspw. definiert KMU als Unternehmen mit einem Jah­resumsatz von weniger als 500 Mio. Euro. Allerdings muss bei dem genannten Schwellenwert von 500 Mio. Umsatz in Euro p.a. der Umsatz verbundener Un­ternehmen berücksichtigt werden, d.h. der Schwellenwert ist einschließlich dem Umsatz verbundener Unternehmen zu prüfen.[49] Das Deloitte Mittelstandsinsti­tut an der Universität Bamberg legt den Schwellenwert des Merkmals Umsatz in Euro p.a. sogar mit 600 Mio. Euro p.a. fest und überbietet damit den festge­legten Grenzwert der KfW Bankengruppe um 100 Mio. Euro p.a.[50] Die drei ge­nannten quantitativen Definitionen sind insofern überraschend, weil zwar alle drei Erläuterungen den Umsatz eines Unternehmens in Euro p.a. als Kriterium beinhalten, der Schwellenwert des genannten Merkmals allerdings sehr stark von Definition zu Definition variiert. Insofern zeigt bereits die Gegenüberstel­lung eines einzigen Indikators unterschiedlicher Definitionen die gegensätzli­chen Auffassungen der diversen Autoren und Institutionen. Da eine Aufarbei­tung und Erläuterung aller in der Literatur zu verzeichnenden Definitionen auf­grund des begrenzten Umfangs dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich nicht möglich ist, dient die Auflistung der in der Literatur gängigsten KMU- Definitionen in Tab. 2 der Darstellung der Komplexität und Problematik von quantitativen Definitionen des KMU-Begriffs. Zusätzlich zu den bereits in Tab. 2 genannten und aufgezeigten quantitativen Definitionen existieren in der ein­schlägigen Literatur eine Vielzahl an weiteren quantitativen Erläuterungen.[51]

Die Verschiedenartigkeit der Definitionen ist nach Clasen auf die Vielzahl an unterschiedlichen Leitfragen und Zielsetzungen zurückzuführen.[52] Die Defini­tion des KMU-Begriffs sowie die Auswahl und Festlegung von Schwellenwerten bei den quantitativen Indikatoren werden von den Autoren auf Grundlage des Untersuchungszwecks der eigenen Forschungsarbeit getroffen, allerdings de­finieren die Autoren den KMU-Begriff nicht vollkommen neu.[53] Vielmehr orien­tieren sich die meisten Autoren bei eigenen Erläuterungen an bereits bestehen­den Definitionen.[54] Die daraus resultierenden neuen Definitionen beinhalten meist nicht nur dieselben Indikatoren, vielmehr greifen die Autoren sogar bei der Festlegung von Schwellenwerten für die diversen Merkmale auf die bereits existierenden Grundlagen zurück.[55] So haben Aybar-Arias, Casino-Moartinez und López-Gracia bereits im Jahr 2003 bei einer ersten Untersuchung mehrerer KMU-Definitionen festgestellt, dass 20 dieser untersuchten Definitionen im We­sentlichen auf die Empfehlung der Europäischen Kommission zurückzuführen sind.[56] Unter Umständen unterscheiden sich allerdings die gewählten Merk­male, d.h. nicht alle Autoren verwenden alle von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen quantitativen Indikatoren und definieren KMU anhand eines einzelnen Merkmals. So wird bspw. lediglich das Merkmal der Anzahl der Mit­arbeiter bei den Ausführungen berücksichtigt, dieses ist allerdings mit demsel­ben Schwellenwert wie in der Erläuterung der Europäischen Kommission an­gegeben.[57] In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Untersuchung nach Ansicht von Aybar-Arias, Casino-Moartinez und López-Gracia nicht abge­schlossen und lediglich ein kleiner Teil der in der Literatur anzutreffenden Defi­nitionen untersucht worden ist: „Nevertheless, in the field of research this unifi­cation has not been finalised.”[58] Eine Darstellung aller existierenden quantitati­ven Definitionen ist im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit nicht möglich und auch nicht zielführend. Vielmehr werden nachfolgend die beiden in der deutschen Literatur am weitesten verbreiteten quantitativen KMU-Definitionen vorgestellt, mit dem Ziel, die beiden für eine Vielzahl an weiteren Definitionen grundlegenden Ausführungen vorzustellen. Mit einer ausführlichen Darstellung der Definitionen, die von einer Vielzahl von Autoren als Grundlage zur Erstel­lung eigener quantitativer Definitionen herangezogen werden, gelingt es, ein Verständnis für den Aufbau weiterer Definitionen zu erarbeiten und einen grundlegenden Überblick über die Definition von KMU in quantitativer Hinsicht zu erlangen.[59]

Im Rahmen der Erläuterung der in der Literatur gängigsten Definitionen ist be­reits ausgiebig auf die Problematik der Vergleichbarkeit von Schwellenwerten und der Auswahl von Indikatoren bei der quantitativen Definition des KMU- Begriffs hingewiesen worden. Nach Lanninger sind die divergenten Definitionen auf die unterschiedlichen Forschungsfragen der verschiedenen Autoren zu­rückzuführen. Bspw. werden KMU lediglich auf Basis einer abgrenzenden Re­gion wie z.B. einem Staat definiert oder die landestypischen Besonderheiten der Unternehmen fließen in die Definition bzw. in die Festlegung von Schwel­lenwerten mit ein.[60] Hinsichtlich einer arbeitsspezifischen Definition von KMU und im Hinblick auf die Themenstellung Nutzung und Entwicklung der Nut­zungsintensität von Social Media in deutschen KMU ist eine Erläuterung aller Besonderheiten sowie eine Aufarbeitung quantitativer Indikatoren unterschied­licher Definitionen nicht zielführend bzw. für die Definition von deutschen KMU als Erhebungseinheit nicht notwendig, da eine Aufbereitung und Berücksichti­gung internationaler Definitionen einen erheblichen Einfluss, hinsichtlich einer arbeitsspezifischen Definition von deutschen KMU als Erhebungseinheit haben kann. Insofern werden, wie bereits erwähnt im Folgenden die beiden in der deutschen Literatur grundlegenden Definitionen der Europäischen Kommission und des IfM Bonn vorgestellt.[61] Für einen umfassenden Überblick über die un­terschiedlichen internationalen Definitionen von KMU wird an dieser Stelle auf die Ausführungen nach Günterberg und Wolter verwiesen.[62] Die beiden Auto­ren geben in ihrer Unternehmensgrößenstatistik aus dem Jahr 2002 nicht nur einen Überblick über KMU-Definitionen in Deutschland und der Europäischen Union, sondern gewähren auch einen Einblick in die gängigen unterschiedli­chen internationalen KMU-Definitionen anhand einer Gegenüberstellung des Indikators Anzahl der Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens.[63]

Da der Schwerpunkt dieser wissenschaftlichen Arbeit auf der Analyse deut­scher KMU liegt ist eine Erläuterung der in der Literatur gängigen Definition des IfM Bonn unumgänglich.[64] An diesem Punkt muss hervorgehoben werden, dass das IfM Bonn nach eigenen Angaben in seiner quantitativen Definition von KMU die deutschen Besonderheiten herausstellt.[65] Grundsätzlich ist die Gestaltung einer arbeitsspezifischen Definition auf Basis der Ausführungen des IfM Bonn allein denkbar, allerdings ist von einer alleinigen Definition aufgrund der Anfang des Jahres 2016 umgesetzten Harmonisierung der Definition der Europäischen Kommission abzusehen.[66] Eine Darstellung der deutschen KMU lediglich auf Grundlage der Definition des IfM Bonn ist, auch aufgrund der durch die Harmo­nisierung der beiden Ausführungen entstandenen engen Verzahnung, nicht möglich, d.h. eine Erläuterung von deutschen KMU anhand von quantitativen Indikatoren muss zwingend die Definition des IfM Bonn und die der Europäi­schen Kommission beinhalten. Im Hinblick auf die Definition einer Erhebungs­einheit und die Durchführung einer empirischen Untersuchung, kann den bei- den Definitionen bereits an diesem Punkt ein hoher Stellenwert bei der Begriffs­bestimmung von deutschen KMU in quantitativer Hinsicht zugeschrieben wer­den.

Auch nach der Harmonisierung der KMU-Definition des IfM Bonn mit der Defi­nition der Europäischen Kommission grenzt das IfM Bonn ,,[...] in seiner aktua­lisierten KMU-Definition nach wie vor alle kleinen und mittleren Unternehmen [..] von den Großunternehmen mit Hilfe von quantitativen Kriterien wie [dem, d. Verf.] Jahresumsatz [...] und [der, d. Verf.] Beschäftigtenzahl [...] ab“[67]. Damit bedient sich das IfM Bonn, so Frenkel und Fendel, den beiden häufigsten zur Abgrenzung von KMU herangezogenen Indikatoren, die sich nach Pfohl zusätz­lich durch einen geringen Erhebungsaufwand, eine hohe Erhebungsgenauig­keit und eine günstige Erhebungsmöglichkeit auszeichnen.[68] Nach der Harmo­nisierung zu Beginn des Jahres 2016 unterscheidet das IfM Bonn aktuell neben kleinen und mittleren Unternehmen zusätzlich auch Kleinstunternehmen.[69] Der Definition des IfM Bonn nach ist ein Kleinstunternehmen ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 2 Millionen Euro und einer Beschäftigten­zahl von bis zu 9 Mitarbeitern. Im Vergleich dazu ist ein Kleinunternehmen ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 10 Millionen Euro und einer Beschäftigtenzahl von bis zu 49 Mitarbeitern. An diesem Punkt muss er­wähnt werden, dass ein Kleinstunternehmen kein Kleinunternehmen sein kann, d.h. ein Kleinunternehmen kann präziser mit den quantitativen Indikatoren einer Beschäftigtenzahl von 10 bis 49 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über 2 bis zu 10 Millionen Euro beschrieben werden. Ein mittleres Unternehmen ist ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro und einer Beschäftigtenzahl von bis zu 499 Mitarbeitern. Insofern kann ein mittleres Unternehmen mit den Schwellenwerten einer Beschäftigtenzahl von 50 bis 499 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über 10 bis 50 Millionen Euro defi­niert werden. Ergänzend zur Auflistung der KMU-Definition des IfM Bonn aus Tab. 3 definiert selbiges Institut Großunternehmen als Unternehmen mit einem Jahresumsatz größer 50 Millionen Euro oder einer Beschäftigtenzahl ab 500 Mitarbeitern.[70] Zudem muss bei der Definition des IfM Bonn bedacht werden, dass die Indikatoren der Beschäftigtenzahl und der Umsatz des Unternehmens in Euro p.a. immer in Kombination anzuwenden sind, d.h. ein Unternehmen wird nur dann zu einer der höheren Unternehmensgrößen hinzugezählt, wenn die beiden genannten Merkmale gleichermaßen erfüllt sind.[71] Lediglich der Unter­nehmenstyp der Großunternehmen ist gesondert zu betrachten, da bereits bei einem Überschreiten der Beschäftigtenzahl von 499 und/oder einem Über­schreiten des Jahresumsatzes von 50 Millionen Euro das Unternehmen den Großunternehmen zuzuordnen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: KMU-Definition des IfM Bonn seit dem 01.01.2016[72]

Die KMU-Definition des IfM Bonn ähnelt stark der Definition der Europäischen Kommission. Allerdings findet neben den beiden Merkmalen des Jahresumsat­zes in Euro und der Anzahl der Beschäftigten, auch die Bilanzsumme des Un­ternehmens p.a. in Euro in der Definition der Europäischen Kommission Be- rücksichtigung.[73] Zudem ähnelt die KMU-Definition des IfM Bonn nicht nur in den zur Abgrenzung herangezogenen Indikatoren der Definition der Europäi­schen Kommission. Vielmehr beinhaltet die KMU-Definition der Europäischen Kommission die gleichen Unternehmensgrößen kleine, mittlere und Kleinstun- ternehmen. Die drei genannten Unternehmenstypen sind mit gleichem Wortlaut in der KMU-Definition des IfM Bonn anzutreffen.[74] In diesem Punkt ist, wie be­reits in der Erläuterung der KMU-Definition des IfM Bonn angeführt, eine Har­monisierung an die Definition der Europäischen Kommission erfolgt.[75] Zudem orientieren sich die beiden genannten Institutionen bei einer Eingruppierung von Unternehmen in die drei Unternehmenstypen an ähnlich festgelegten Schwellenwerten. Ein Vergleich der bei beiden Definitionen vorhandenen quan­titativen Indikatoren der Beschäftigtenzahl und des Jahresumsatzes in Euro zeigt, dass sich die Merkmale bzw. Grenzen ein einziges Mal unterscheiden. Lediglich bei der Definition des Unternehmenstyps der mittleren Unternehmen besteht insofern eine Diskrepanz zwischen der Definition des IfM Bonn und der Definition der Europäischen Kommission, weil das IfM Bonn ein mittleres Un­ternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 499 und nicht wie die Euro­päische Kommission mit bis zu 249 Mitarbeitern definiert (siehe Tab. 4).[76]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 4: KMU-Definition der Europäischen Kommission[77]

Weiterhin unterscheidet sich die Definition der Europäischen Kommission von der des IfM Bonn durch die Verwendung eines zusätzlichen Indikators. Das Merkmal der Bilanzsumme eines Unternehmens in Euro p.a. findet in der Defi­nition der Europäischen Kommission zusätzlich Anwendung. Unter Anwendung der drei genannten quantitativen Merkmale werden die Unternehmensgrößen wie folgt von der Europäischen Kommission definiert. Ein Kleinstunternehmen wird als ein Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 9 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von bis 2 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von bis zu 2 Millionen Euro p.a. definiert. Weiterhin wird ein Kleinunternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 49 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von bis 10 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von bis zu 10 Millionen Euro p.a. definiert. Auch bei dieser Definition muss erwähnt werden, dass die Defini­tion der kleinen und mittleren Unternehmen immer mit dem Zusatz des Aus­schlusses der nächsttieferen Unternehmensgrößen zu führen ist, d.h. ein Klein­unternehmen ist bspw. als ein Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 49 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von bis zu 10 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von bis zu 10 Millionen Euro p.a. definiert, darf aller­dings kein Kleinstunternehmen sein.[78] Dieser Zusatz ist ebenfalls bei der Defi­nition der mittleren Unternehmen von Bedeutung. Ein mittleres Unternehmen wird von der Europäischen Kommission als ein Unternehmen mit einer Be­schäftigtenzahl von bis zu 249 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von bis zu 43 Millionen Euro p.a. definiert. Das mittlere Unternehmen wird per definitionem nicht zum Unterneh­menstyp der Kleinst- und Kleinunternehmen hinzugezählt. Insofern können auch bei dieser Definition die Ausführungen weiter präzisiert werden, indem ein Kleinunternehmen als ein Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von 10 bis zu 49 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz größer 2 Millionen bis zu 10 Milli­onen Euro oder einer Bilanzsumme größer 2 Millionen bis zu einer Höhe von 10 Millionen Euro p.a. definiert wird. Ein mittleres Unternehmen ist demnach definiert als ein Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von 50 bis zu 249 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz größer 10 Millionen bis zu 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme größer 10 Millionen bis zu einer Höhe von 43 Millionen Euro p.a. Ein Großunternehmen ist laut Definition der Europäischen Kommission ein Unternehmen, dessen Indikatoren über den aufgezeigten ma­ximalen Schwellenwerten liegen, d.h. eine Beschäftigtenzahl von mehr als 249 Mitarbeitern und/oder einen Jahresumsatz größer als 50 Millionen Euro auf­weist oder eine Bilanzsumme von mehr als 43 Millionen Euro p.a. überschrei­tet.[79] Zudem beinhaltet die Empfehlung der Europäischen Kommission bezüg­lich der Definition der Kleinstunternehmen und der kleinen und mittleren Unter­nehmen den Hinweis, dass ,,[...] ein Unternehmen dessen Unternehmensan­teile oder Stimmrechte zu 25% oder mehr von einer staatlichen Stelle oder Kör­perschaft des öffentlichen Rechts kontrolliert werden, kein KMU ist“[80], d.h. die Erläuterung der Europäischen Kommission basiert auf Unternehmen mit einer weitgehenden Unabhängigkeit. Dieses Merkmal wird von der Europäischen Kommission im Vorfeld einer Zuteilung eines Unternehmens in eine der jewei­ligen Unternehmensgrößen vorausgesetzt. An diesem Punkt muss allerdings erwähnt werden, dass die „Verflechtungen von KMU mit anderen Unternehmen [..] in den amtlichen Statistiken (noch) nicht berücksichtigt werden“[81] können und KMU in der Regel in Analysen mit statistischem oder empirischem Hinter­grund nach der Beschäftigtenzahl und dem Jahresumsatz in Euro abgegrenzt werden.[82]

Zusammenfassend können die beiden KMU-Definitionen der Europäischen Kommission und des IfM Bonn als Definitionen beschrieben werden, die in vie­len der in den Erläuterungen aufgezeigten Punkten identisch sind. In beiden Definitionen finden die drei Unternehmensgrößen Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen Berücksichtigung. Zudem werden von beiden Instituten die Merk­male der Beschäftigtenzahl und des Jahresumsatzes eines Unternehmens in Euro mit fast identischen Schwellenwerten herangezogen. Lediglich der Schwellenwert der Beschäftigtenzahl der mittleren Unternehmen nach oben, demnach die Abgrenzung von mittleren und großen Unternehmen, wird von den Instituten mit unterschiedlichen Werten angegeben. Eine Begründung für die Diskrepanz des Indikators der Beschäftigtenzahl ist dem IfM Bonn zufolge das Hervorheben der Besonderheit von deutschen KMU, wohingegen die Definition der Europäischen Kommission eher als eine Grunddefinition für KMU in der europäischen Gemeinschaft dient.[83] Da sich die vorliegende Arbeit explizit auf eine Untersuchung von Social Media in deutschen KMU bezieht, müssen die genannten Punkte bei einer Ausarbeitung von KMU als Erhebungseinheit be­rücksichtigt werden.

2.1.3 Zusammenfassung der KMU-Definitionen

Im Vorfeld einer Erläuterung von KMU als Erhebungseinheit werden abschlie­ßend die bereits erwähnten und diskutierten Definitionen der KMU zusammen­gefasst. Die Schilderung der quantitativen bzw. qualitativen Indikatoren und der aus diesen Merkmalen hervorgehenden Definitionen zeigt, dass die Ausarbei­tungen der unterschiedlichen Autoren erheblich variieren. In der Literatur fehlt es an allgemeingültigen Definitionen. Die Verschiedenartigkeit der Definitionen und Erläuterungen ist nach Clasen auf die Vielzahl an unterschiedlichen Leit­fragen und Zielsetzungen zurückzuführen.[84] Die Auswahl an quantitativen und qualitativen Indikatoren der unterschiedlichen Autoren sowie die Auswahl von signifikanten Merkmalen für die Abgrenzung der Begrifflichkeit der KMU zu üb­rigen Unternehmen wird von den Autoren auf Grundlage des Untersuchungs­zwecks der eigenen Forschungsarbeit getroffen.[85] „Geleitet von der Frage der Zweckmäßigkeit wird in Abhängigkeit vom Untersuchungszweck eine Auswahl relevanter Abgrenzungsmerkmale getroffen und somit zwangsläufig eine Fülle von arbeitsspezifischen Definitionen des KMU-Begriffs produziert.“[86] Aufgrund der gezielten Auswahl an Kriterien, mit einer Fokussierung auf den Untersu­chungszweck der Forschungsarbeit der Autoren, existiert nicht nur eine Masse an unterschiedlichen Definitionen, sondern auch eine Masse an ungleichen Auslegungen des KMU-Begriffs. Obgleich eine Vielzahl an Indikatoren für die Abgrenzung der KMU herangezogen werden können, zeigt sich in der Literatur eine Fokussierung auf,,[...] wenige, leicht zu erhebende quantitative Merkmale [,..]“[87], um den Begriff der KMU zu operationalisieren, mit dem Ziel, den Begriff in der eigenen Ausarbeitung der Autoren konkret bzw. für den Leser greifbar zu formulieren.

Zudem sind alle in dieser wissenschaftlichen Arbeit zitierten und erläuterten Definitionen von KMU nicht auf Branchen bezogen, d.h. die Autoren verzichten in der Literatur auf Erläuterungen anhand von branchenspezifischen Merkma­len und definieren KMU, über alle Geschäftsfelder hinweg. Die KMU- Definitionen werden branchenübergreifend erstellt, d.h. die qualitativen und quantitativen Indikatoren werden nicht an die Besonderheiten der jeweiligen Branchen angepasst. Weiterhin verzichten nicht nur die in dieser wissenschaft­lichen Arbeit zitierten Autoren auf eine Ausgestaltung der Definitionen auf die unterschiedlichen Branchen in qualitativer und quantitativer Hinsicht, sondern es zeigt sich, dass sich die branchenübergreifenden Definitionen von KMU durchgesetzt haben.[88] Außerdem wird der Begriff der KMU immer global und nicht regional erläutert. Der KMU-Begriff wird also nicht auf ein bestimmtes Land wie z.B. Deutschland bezogen erläutert. Insofern kann an diesem Punkt festgehalten werden, dass die Erläuterungen und die Auswahl an qualitativen bzw. quantitativen Indikatoren der Autoren weniger mit dem Ziel einer allge­meingültigen Definition oder auf Aussagen bezogen entstehen, sondern für eine Vielzahl an Autoren das Forschungsziel und somit die erhebungsbezoge­nen Kriterien die ausschlaggebenden Abgrenzungsmerkmale für die Definition von KMU sind. Bei den KMU-Definitionen dominieren ,,[...] offensichtlich die er­hebungsbezogenen [gegenüber den, d. Verf.] [...] aussagebezogenen Aus­wahlkriterien für die Abgrenzungsmerkmale [,..]“[89].

[...]


[1] Aus Gründen der Vereinfachung und der Verwendung englischsprachiger Wörter wurde in der vorliegenden Arbeit auf Geschlechterneutralität verzichtet. Die Formulie­rungen sollen jedoch beide Geschlechter einbeziehen.

[2] Vgl. Frees, B.; Koch, W. (2015), S. 366.

[3] Vgl. Tippelt, F.; Kupferschmitt, T. (2015), S. 442ff.

[4] Vgl. BITKOM (Hrsg.) (2015), o.S.

[5] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (2013), o.S.

[6] Eigene Darstellung in Anlehnung an: Raithel, J. (2008), S. 27.

[7] Becker, W.; Botzkoswki, T.; Ulrich, P. (2015), S. 2.

[8] Vgl. ebenda, S. 2f.; Krummaker, S.; Manegold, D.; Steinle, C. (2007), S. 3f. Seite 6

[9] Vgl. Ciasen, J. P. (1992), S. 16f.

[10] Vgl. Krämer, J. (2014), S. 24.

[11] Ebenda.

[12] Vgl. Becker, W.; Ulrich, P. (2009), S. 11.

[13] Vgl. Mugler, J. (1998), S. 19; Pfohl, H.-C. (2006), S. 18ff.

[14] Immerschilt, W.; Stumpf, M. (2014), S. 20.

[15] Vgl. ebenda.

[16] Mugler, J. (1998), S. 19.

[17] Vgl. Mugler, J. (2008), S. 27.

[18] Mugler, J. (2008), S. 25ff.

[19] Vgl. ebenda, S. 25f.

[20] Ebenda, S. 26.

[21] Ebenda.

[22] Vgl. ebenda.

[23] Ebenda, S. 25.

[24] Vgl. With, S. (2009), o.S.

[25] Vgl. Immerschitt, WStumpf, M. (2014), S. 20. Seite 10

[26] Eigene Darstellung in Anlehnung an: Pfohl, H.-C. (2006), S. 18ff.

[27] Vgl. Pfohl, H.-C. (2006), S. 18ff.

[28] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.a), o.S.

[29] Ebenda.

[30] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.a), o.S.

[31] Ebenda.

[32] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.b), o.S.

[33] IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.a), o.S.

[34] Ebenda.

[35] Vgl. Huchzermeier, M. (2006), S. 131f.

[36] Vgl. Habedank, C. (2006), S. 27.

[37] Vgl. § 267 Abs. 2 und 3 HGB (2013).

[38] Vgl. KfW Bankengruppe (Hrsg.) (o.J.), S. 21.

[39] Vgl.Europäische Kommission (Hrsg.) (2008), o.S.

[40] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c.), o.S.

[41] Vgl. Becker, W.; et al (2008), S. 21.

[42] Vgl. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Hrsg.) (o.J.), o.S.

[43] Eigene Darstellung in Anlehnung an: Behringer, S. (2012), S. 34.

[44] Vgl. Becker, W.; et al (2008), S. 21; Europäische Kommission (Hrsg.) (2008), o.S.

[45] Vgl. § 267 Abs. 2 und 3 HGB (2013).

[46] Vgl. § 267 Abs. 2 und 3 HGB (2013).

[47] Vgl. § 267 Abs. 2 und 3 HGB (2013).

[48] Vgl. Becker, W.; et al (2008), S. 21; KfW Bankengruppe (Hrsg.) (o.J.), S. 21.

[49] Vgl. KfW Bankengruppe (Hrsg.) (o.J.), S. 21.

[50] Vgl. Becker, W.; et al (2008), S. 21.

[51] Vgl. United States Trade International Trade Commission (Hrsg.) (2010), S. 2-2ff.

[52] Vgl. Clasen, J.-P. (1992), S. 16.

[53] Vgl. Aybar-Arias, C.; Casino-Moartinez, A.; López-Gracia, J. (2003), S. 8; Lanninger, V. (2009), S. 33.

[54] Vgl. Aybar-Arias, C.; Casino-Moartinez, A.; López-Gracia, J. (2003), S. 8.

[55] Vgl. ebenda; Hinderer, M. (1984), S. 8f.

[56] Vgl. Aybar-Arias, C.; Casino-Moartinez, A.; López-Gracia, J. (2003), S. 8.

[57] Vgl. Aybar-Arias, C.; Casino-Moartinez, A.; López-Gracia, J. (2003), S. 8.

[58] Ebenda.

[59] Vgl. Habedank, C. (2006); S. 27f.; Krämer, J. (2014), S. 24f.

[60] Vgl. Lanninger, V. (2009), S. 33

[61] Vgl. Krämer, J. (2014), S. 24.

[62] Vgl. Günterberg, B.; Wolter, H.-J. (2002), S. 10ff.

[63] Vgl. ebenda.

[64] Vgl. Lanninger, V. (2009), S. 33.

[65] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c), o.S.

[66] Vgl. ebenda.

[67] IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c), o.S.

[68] Vgl. Frenkel, M.; Fendel, R. (1999), S. 3.; Zanger, C. (2006), S. 183ff.

[69] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c.), o.S.

[70] Vgl. ebenda.

[71] Vgl. ebenda.

[72] Eigene Darstellung in Anlehnung an: IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c), o.S.

[73] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2003), o.S.

[74] Vgl. ebenda; IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c), o.S.

[75] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c), o.S.

[76] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2003), o.S.; IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c), o.S.

[77] Eigene Darstellung in Anlehnung an: Europäische Kommission (Hrsg.) (2003), o.S.

[78] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2003), o.S.

[79] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2003), o.S.

[80] Vgl. ebenda.

[81] IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.d), o.S.

[82] Vgl. ebenda.

[83] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2003), o.S.; IfM Bonn (Hrsg.) (o.J.c), o.S.

[84] Vgl. Clasen, J.-P. (1992), S. 16.

[85] Vgl. Lanninger, V. (2009), S. 33.

[86] Ebenda.

[87] Ebenda.

[88] Vgl. ebenda, S. 33f.

[89] Ebenda, S. 34.

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Titel: Social Media in deutschen Unternehmen (KMU). Einsatzmöglichkeiten und zukünftige Entwicklung