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Der Zusammenhang zwischen der sportlichen Motivation und der Persönlichkeit bei jungen Erwachsenen

Bachelorarbeit 2016 39 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Die Motivation und ihre Determinanten
2.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung (sportlich-)motivierten Verhaltens
2.2.1 Klassische Ansätze
2.2.2 Kognitiv-handlungstheoretisch orientierter Ansatz
2.3 Persönlichkeitsmodelle
2.3.1 Klassische Persönlichkeitsmodelle
2.3.2 Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit
2.4 Erholungsprozesse nach bzw. durch sportliche Beanspruchung
2.5 Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen der sportlichen Motivation und der Persönlichkeit
2.6 Fragestellung

3. Untersuchungsmethoden
3.1. Untersuchungsstrategie
3.2 Messinstrumente
3.2.1 Soziodemografische und sportbezogene Daten
3.2.2 Berner Motiv- und Zielinventar im Freizeit- und Gesundheitssport
3.2.3 BFI-K
3.2.4 Fragebogen „Berufliche Belastung und Erholung“
3.3 Hypothesen
3.4 Methodische Auswertung

4. Ergebnisse
4.1. Deskriptive Statistiken
4.2. Überpr ü fung der Hypothesen
4.3. Weitere Analysen

5. Diskussion
5.1. Interpretation der Ergebnisse
5.2 Methodische Limitation
5.3 Forschungsausblick

6. Literaturverzeichnis

Anhang A: Tabellen

Anhang B: Items

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sportlichen Motivation und der Persönlichkeit bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Zusätzlich wird die Annahme, dass die Häufigkeit der ausgeübten Sportart mit der Erholungsfähigkeit zusammenhängt, überprüft. Dabei sollten schon bestehende Ergebnisse aus vorherigen Studien bestätigt und weiter ausgebaut werden. Die Befragung fand einmalig in Form einer korrelativen Querschnittstudie statt. Dafür wurde der Link zum Online Fragebogen über das soziale Netzwerk Facebook verbreitet. Erfasst wurden die sportbezogenen Motivklassen (Fittness/Gesundheit, Figur/Aussehen, Kontakt, Wettkampf/Leistung, Aktivierung/Freude, Ablenkung/Katharsis und Ästhetik), drei der fünf Persönlichkeitsfacetten (Neurotizismus, Extraversion und Gewissenhaftigkeit) und die angenommene Kontrollierbarkeit des Erholungsvorgangs bzw. die individuelle Erholungsfähigkeit. Die Stichprobe umfasst insgesamt 90 Frauen und 48 Männern die in den letzten 6 Monaten (wenn auch nur sporadisch) Sport getrieben haben. Es konnte außer einem schwachen positiven Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitsfacette Extraversion und dem Motiv Kontakt keine weiteren Korrelationen zwischen der sportlichen Motivation und der Persönlichkeit festgestellt werden. Auch die Häufigkeit der ausgeübten Sportart und die Erholungsfähigkeit erwiesen keine signifikanten Zusammenhänge. Grund hierfür könnten verschiedene methodische Einschränkungen gewesen sein. Dafür konnte ein signifikanter genderspezifischer Mittelwertunterschied bezüglich des Motivs Wettkampf/Leistung mithilfe eines t-Tests ermittelt werden.

Abstract

This present study examines the coherence between the athletic motivation and the personality of young adults aged between 18 and 25 years. Further the assumption is tested whether the frequency of practiced sports correlates with the capability to recover. Already existing results of previous studies have been confirmed and extended as well. The survey was a single correlative cross-sectional study, distributed with a link to the online questionnaire on the social media platform Facebook. Information was gathered about the motif classes relevant to sports (fitness/health, appearance/figure, contact, competition/accomplishment, activation/joy, distraction/catharsis and aesthetics), about three out of five personality facets (neuroticism, extraversion and diligence) and the assumed controllability of the recovery process and the individual ability to recover respectively. The random sample involves 90 women and 48 men that have been engaged in sports (also sporadically) during the last six months. Besides a weak positive coherence between the personality facet extraversion and the motif of contact, no further correlation between the athletic motivation and the personality was found. The frequency of the practiced sport is not significantly interrelated to the capability of recovery. This may be caused by various methodical restrictions. Yet a significant gender-specific change in mean value regarding the motif competition/accomplishment was determined with the help of a t-test.

1. Einleitung

Um der eigenen Gesundheit etwas Gutes zu tun oder im Kampf gegen überschüssige Pfunde sind sportliche Aktivität und gesunde Ernährung essentiell. Im Rahmen der „Verbrauchs- und Medienanalyse 2016“ (kurz „VuMA“) wurde die deutschsprachige Bevölkerung ab dem Alter von 14 Jahren zur Häufigkeit des Sporttreibens befragt. Die Erhebung fand von 2010 bis 2015 statt. Im Gegensatz zum Jahre 2010, in dem rund 11,07 Millionen Menschen mehrmals in der Woche Sport trieben und 27,92 Millionen sich nie sportlich betätigten, sanken die Werte der mehrmals wöchentlich Sporttreibenden bis zum Jahr 2015 auf 10,25 Millionen und stiegen die derjenigen die nie Sport treiben auf 29,57 Millionen Menschen an. Laut der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (kurz „GEDA“) aus dem Jahre 2012, treiben jeweils 66 % der Frauen und Männer in Deutschland Sport. Jedoch sind es nur 41% der Frauen und 47% der Männer die sich mehr als 2 Stunden in der Woche sportlich betätigen.

Doch warum treiben manche Menschen mehr Sport und andere dagegen weniger? Die Sportwissenschaft bietet zwei Forschungsstränge. Die Wohlbefindensforschung untersucht die Effekte sportlicher Aktivität auf das Wohlbefinden. Die Gesundheitsverhaltensforschung dagegen versucht die psychologischen Entwicklungsstadien der Verhaltensänderung und außerdem sozial-ökologische und personale Bedingungen des Sportverhaltens zu benennen. Beide Stränge beschäftigten sich in jüngster Zeit mit der differentiellen Bedeutung individueller Handlungsvoraussetzungen. Laut Brehm et al. (2006) werden in diesem Zusammenhang vor allem Sportangebote verlangt, die eine Unterscheidung der Zielgruppe zulassen. So kann das Sportverhalten oder auch Sportinteresse vieler Menschen erfolgreich gesteigert werden. Üblicherweise unterschied man in der Hinsicht die Personen ausschließlich anhand soziodemographischer, gesundheitlicher oder körperlicher Merkmale. Dabei wurde der psychischen Handlungsvoraussetzung noch wenig Beachtung geschenkt. Motive stellen beispielsweise eine solche psychische Handlungsvoraussetzung dar (Lehnert et al. 2011). Trost et al. (2002) konnten den Einfluss von umweltbedingten, sozialen und außerdem personalen Faktoren auf die sportliche Betätigung beweisen. Dem personalen Faktor wird schon seit Jahren die Persönlichkeit zugeordnet (Rhodes & Smith 2006). In bisherigen Studien wurden schon Motive in Bezug auf die sportliche Aktivität und auch die Persönlichkeit in Bezug auf die sportliche Aktivität ausreichend untersucht. Andererseits finden sich im deutschsprachigen Raum kaum wissenschaftliche Untersuchungen zum Zusammenhang der Persönlichkeit und der sportlichen Motivation.

Die vorliegende Studie versucht die Ergebnisse schon bestehender Studien bei einer Stichprobe von jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren zu überprüfen und auch um einen weiteren Faktor, nämlich der individuellen Erholungsfähigkeit, zu ergänzen.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1. Die Motivation und ihre Determinanten

„Motivation bezieht sich generell auf das Ingangsetzen, Steuern und Aufrechterhalten von körperlichen und psychischen Aktivitäten“ (Zimbardo 1995). Motive stellen Bewertungsdispositionen dar, die bestimmen ob und in welchem Ausmaß Ereignisse oder Zielzustände (Reize) Anreizcharakter erhalten. So sind Motive und Anreize eng miteinander verbunden und bilden gemeinsam Motivation, welche die Intensität, Richtung und Dauer reguliert (Puca & Langens 2007). Heckhausen (2000) beschrieb zwei universelle Charakteristiken motivierten Handelns. Zum einen das Streben nach Wirksamkeit und zum anderen die Organisation von Zielengagement und Zieldistanzierung. Die beiden Charakteristiken wirken auf viele Menschen als selbstverständlich. Jedoch stellen sie genauer betrachtet eine Leistung der Verhaltensrevolution dar. Sie wirken adaptiv und lenken so die Aktivitäten des Organismus. Die Motivationspsychologie versucht zielgerichtetes Verhalten und dessen Persistenz, Richtung und Intensität zu erklären (Heckhausen 2010). Die Faktoren, welche das Verhalten beeinflussen, werden in personenbezogene und situationsbezogene Faktoren gegliedert:

Personenbezogene Faktoren:

Zu den Personenbezogenen Faktoren gehören Bedürfnisse, implizite und explizite Motive der Person. Implizite Motive sind emotionsbelastete Präferenzen, sich ständig mit bestimmten Anreiz-Arten auseinander zu setzen. Sie werden in der frühen Kindheit erlernt (McClelland, Koestner & Weinberger 1989). In der Motivationspsychologie sind das Leistungs-, das Macht- und das Anschlussmotiv bisher am besten erforscht (Heckhausen 2010). Die drei Motivklassen beziehen sich dabei sowohl auf die impliziten als auch auf die expliziten Motive. Explizite Motive sind selbst zugeschriebene, bewusste, sprachlich repräsentierte/repräsentierbare Selbstbilder, Werte und Ziele. Die beiden Motiv-Systeme stehen häufig im Konflikt, in einigen Fällen können sie aber auch zusammenarbeiten indem die impliziten Motive in die Zielsetzung (explizite Motive) umgewandelt werden (Heckhausen 2010).

Situationsbezogene Faktoren:

Zu den Situationsbezogenen Faktoren gehören die intrinsischen und extrinsischen Anreize. Anreize besitzen einen „Aufforderungscharakter“ zu einem dementsprechenden Handeln. Diese Anreize können an die Handlung selbst, an das Ergebnis der Handlung oder an die Folgen des Ergebnisses gebunden sein. Demnach unterscheiden sich Situationen in der Ausprägung der „Situations-Ergebnis-Erwartung“, der „Handlungs-Ergebnis-Erwartung“ und der „Ergebnis-Folgen-Erwartung“ (Heckhausen 2010). Besteht beispielsweise eine sehr hohe „Handlungs-Ergebnis-Erwartung“ mit geringer „Situations-Ergebnis-Erwartung“, wird ein hoher Handlungsanreiz erwartet. Wenn z.B. die „Situations-Ergebnis-Erwartung“ sehr hoch ist (d.h. die Situation führt auch ohne Handeln zum Ergebnis), ist der Handlungsanreiz im Gegensatz sehr gering. Auf die Motivklassen von vorhin bezogen finden sich im Sport Anreize für jede dieser drei Motive. So wird das Anschlussmotiv durch eine im Sport geforderte Teamleistung, die durch erfolgreiche Interaktion mit anderen Gruppenmitgliedern zustande kommt, positiv angeregt (Wegner et al. 2014). Personen mit hohem Leistungsmotiv sprechen dafür mehr auf Sportarten an, welche mit dem Meistern von Herausforderungen oder dem Erwerb neuer Kompetenzen verbunden sind (Krug & Kuhl 2006). Durch Konfrontation mit dem Gegner, den man schlagen muss bzw. gegen den man nicht verlieren darf, wird außerdem das Machtmotiv bei denjenigen angeregt, bei denen es stark ausgeprägt ist (Krug & Kuhl 2006; Schultheiss & Rhodes 2002). Im Rahmen der Fragebogenkonstruktion entwickelten Lehnert, Sudeck und Conzelmann (2011) das „Berner Motiv- und Zielinventar im Freizeit- und Gesundheitssport“. Das Inventar beinhaltet 24 Items im Bereich Fitness/Gesundheit, Figur/Aussehen, Kontakt, Ablenkung/Katharsis, Aktivierung/Freude, Wettkampf/Leistung und Ästhetik. So wurde eine operationalisierte Erfassung der auf den Sport bezogenen Motive möglich.

2.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung (sportlich-)motivierten Verhaltens

Die Motivationspsychologische Literatur bietet einige zentral theoretische Ansätze, welche das sportlich-motivierte Verhalten beschreiben bzw. erklären sollen. Zu den klassischen Ansätzen gehören die biologisch-physiologischen, die ethologisch-instinkttheoretischen, die tiefenpsychologisch-triebtheoretischen, die behaviorstisch-lerntheoretischen und die persönlichkeitstheoretischen Ansätze. Außerdem der etwas modernere kognitiv- handlungstheoretisch orientierte Ansatz. Die einzelnen Perspektiven werden im Folgenden kurz erläutert:

2.2.1 Klassische Ansätze

Biologisch-physiologische Ansätze:

Die Biologisch-physiologischen Ansätze gehen davon aus, dass der Organismus ein ständiges Bedürfnis nach Homöostase hat. Damit ist gemeint, dass der Körper versucht das „interne Milieu des Organismus“ zu regulieren (Gabler 2002). So beschreibt motiviertes Verhalten laut diesem Ansatz eine Reaktion auf einen „internen Mangelzustand“, welcher sich dann über die biologischen Grundbedürfnisse wie Hunger oder Durst äußert (Gabler 2002). In Bezug auf die sportliche Motivation bleibt ungeklärt, ob das Bewegungsverhalten hier als ein Grundbedürfnis funktioniert und das sportliche Verhalten zumindest teilweise darauf zurückzuführen ist. Dank unserem zentralnervösen Aktivierungssystem in der formatio reticularis im Hirnstamm, welcher afferente Signale unserer Sinnesorgane enthält, ist ein Mangelzustand zur Aktivierung des Organismus jedoch nicht zwingend notwendig. Es wird davon ausgegangen, dass der Organismus eine Tendenz zur optimalen Aktivierung hat. Demnach meidet der Körper sowohl Überaktivität als auch Unteraktivität. Das optimale subjektiv empfundene Erregungsniveau bzw. welche Situationen von der Person als motivierend erlebt werden hängt einerseits von der Intensität und dem Gehalt des Reizes und zum anderen von individuellen Dispositionen ab (Gabler 2002).

Ethologisch-instinkttheoretische Ansätze:

Die Ethologie beschreibt ein Teilgebiet der Biologie. Als vergleichende Verhaltensforschung versucht sie mithilfe der Verhaltensanalyse bei Tieren Humanpsychologische Phänomene zu erklären. In Bezug auf die Motivationsforschung tritt vor allem der „Instinkt“-Begriff in den Vordergrund. Tinbergen (1952) definierte ihn als einen „nervösen Mechanismus, der auf bestimmte (...) Impulse, sowohl innere wie äußere, anspricht und sie mit wohlkoordinierten lebens- und arterhaltenden Bewegungen beantwortet“. Instinkte zeigen sich beispielsweise im Beutefang- oder auch Fluchtverhalten. Dieser Ansatz wurde von Lorenz (1963) auf die humanpsychologische Aggressionsthematik angewendet. So verstand er aggressives Verhalten als Instinkthandlung. Die angestauten inneren aggressiven Energien entladen sich durch Instinkthandlung, dabei fungieren äußere Reize lediglich als „Ventil“ (Lorenz 1963).

Aus dieser Perspektive ist der Sport „eine im menschlichen Kulturleben entwickelte ritualisierte Sonderform des Kampfes“ (Lorenz 1963). Laut Lorenz ist also der Sport das Ventil zum entladen aggressiver Energien.

Tiefenpsychologisch-triebtheoretische Ansätze:

Die Tiefenpsychologie geht davon aus, dass das menschliche Verhalten von triebhaften Impulsen beeinflusst wird (Gabler 2002). Diese Impulse sind jedoch im Unbewussten verborgen und sind das Ergebnis innerer Kräfte und Konflikte. Ähnlich wie bei dem instinkttheoretischen Ansatz geht auch Freud, der wohl bekannteste Begründer der Tiefenpsychologie, von einem Triebreduktionsmodell aus. Demnach müsse sich der „psychische Apparat“ mit inneren Reizen auseinandersetzen und nach Abreaktion/Entladung drängen (Gabler 2002). Der Unterschied zum instinkttheoretischen Ansatz ist der, dass das Triebziel „Befriedigung“ im Gegensatz zum Instinkt dabei von einem Objekt abhängig ist. Erfolgreiche Befriedigung verschafft Lustgefühle und erfolglose dagegen Unlustgefühle. Diese Unlustgefühle sind das Ergebnis innerer Konflikte zwischen Triebwünschen und Gewissensansprüchen. Genau diese „Normkonflikte“ motivieren die Person. Im Gegensatz zu Freud, der sich überwiegend mit dem Sexualtrieb auseinander setzte, beschäftigten sich andere Tiefenpsychologen mit anderen Trieben wie beispielweise Adler mit dem Machtstrebd Ausmaß sportliche Aktivität auf einen Bewegungstrieb zurückzuführen ist. Dies könnte auch eine Erklärung für das Bevorzugen von Sportarten sein, da die Richtung dieses Bewegungstriebs abhängig von der unbewussten Abreaktion/Entladung innerer Konflikte bestimmt wird.

Behavioristisch-lerntheoretische Ansätze:

Im Behaviorismus beschränkt sich die Sicht auf die beobachtbaren und messbaren Aspekte des Verhaltens und jene Inhalte, welche nur durch Introspektion (Selbstbeobachtung) abrufbar sind wie die Wahrnehmung, das Fühlen und das Denken, bleiben hier außen vor. Demnach ist das menschliche Verhalten das Ergebnis von erlernten Erfahrungen. Durch objektiv beobachtbare Reiz-Reaktions-Verknüpfungen (z.B. das Erlernen der Nahrungssuche) und dementsprechende Verstärkung (Befriedigung des Hungers) lernen wir neue Verhaltensweisen. Motiviertes Verhalten entspricht demnach einer Gewohnheitsreaktion (Gabler 2002). Hull (1952) ergänzte die Theorie um eine so genannte intervenierende Variable, die Triebreize. Auf das obige Beispiel bezogen entspricht das dem Hungerempfinden. Die sportliche Aktivität als „Gewohnheits-Verhalten“ entsteht also durch häufige Triebreduktion und entsprechende Verstärkung. Sportliche Situationen geben einem so Anreize zur Bedürfnisbefriedigung (Gabler 2002).

Persönlichkeitstheoretische Ansätze:

Einige Autoren versuchten die Persönlichkeit des Menschen als ein breit gefächertes Konzept der Individualität zu erfassen. Dabei beziehen sie sich vor allem auf die motivationalen Aspekte. So konnten Eigenschaften, wie beispielsweise Kontaktbereitschaft und Leistungsbereitschaft, durch alleinige Verhaltensbeobachtung bestimmt werden. Mit Eigenschaften sind hier Dispositionen im Sinne von Bereitschaften gemeint. So nahm man an, dass z.B. Personen mit einer Kontaktbereitschaft in passenden Situationen auch den Kontakt zu anderen suchen. Maslow (1954) grenzte die motivationalen Dispositionen mithilfe der von ihm entwickelten „Hierarchie allgemeiner Bedürfnisklassen“ voneinander ab. Die Bedürfnishierarchie beginnt mit den physiologischen Grundbedürfnissen. Im Anschluss kommen Sicherheitsbedürfnisse, Bedürfnisse nach sozialen Bindungen, Bedürfnisse der Selbstachtung und zuletzt die Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung (Maslow 1954). Dabei werden die höheren Bedürfnisse erst aktiv, wenn die jeweils unteren Bedürfnisse bereits befriedigt sind. Auf die sportliche Aktivität bezogen kann beispielsweise gefolgert werden, dass bei Jugendlichen die sozialen Bindungen im Vordergrund stehen und bei Erwachsenen die Bedürfnisse sich selbst zu verwirklichen (Gabler 2002). Zur Veranschaulichung wird, in Anlehnung an Maslow (1954), eine eigene Darstellung der Hierarchie im Folgenden (Abb. 1) dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bed ü rfnispyramide (Eigene Darstellung in Anlehnung an Maslow ’ s (1954) „ Hierarchie allgemeiner Bed ü rfnisklassen “ )

Die Ansätze haben alle ein sehr einseitiges Menschenbild und auch verschiedene Auffassungen von dem Begriff Motivation. Außer beim persönlichkeitstheoretischen Ansatz wird in jedem dieser Konzepte der Mensch als ein auf innere oder äußere Reize reaktives Wesen gesehen. Aufgrund solcher Einwände wurde ein weiteres Konzept entwickelt, nämlich der kognitiv-handlungstheoretisch orientierte Ansatz, welcher den heute wohl verbreitetsten Ansatz der Motivationspsychologie darstellt. Dieser wird nun im Folgenden kurz erläutert.

2.2.2 Kognitiv-handlungstheoretisch orientierter Ansatz

Im Gegensatz zum reaktiven Menschenbild der klassischen Ansätzen, in denen die auslösenden Faktoren des menschlichen Verhaltens entweder in der Vergangenheit (z.B. Tiefenpsychologie) oder der Gegenwart (z.B. Behaviorismus) ausgemacht werden, wird der Mensch in diesem Ansatz als ein planendes, auf die Zukunft gerichtetes und sich entscheidendes Wesen gesehen. Demnach handelt er gemäß einer Zielsetzung um diese auch zu erreichen. Seine Handlungen sind zweckrational, durch Bewusstseinsprozesse gesteuert und haben einen subjektiven Sinn. Die Selbstreflexion macht es dem Menschen möglich, Entscheidungen zu treffen und diese auch zu verantworten. Heckhausen (2010) bezeichnet diese zielgerichteten Verhaltensweisen, die aber keine Routine-Aktivitäten darstellen, als „auffälliges Handeln“. Ein Beispiel hierfür wäre ein Läufer, der mit äußerster Anstrengung einen Marathonlauf durchsteht oder ein „Free-Climber“, der obwohl er das Risiko hat zu sterben trotzdem ohne Sicherung klettert. Was motiviert diese Menschen dazu? Die Beurteilung von „auffälligem Verhalten“ teilte Heckhausen (2010) in drei Dimensionen. Zunächst vergleicht man das Verhalten mit anderen Personen in derselben Situation, so ergeben sich auffällige und individuelle Unterschiede. Vergleicht man die Person nur mit sich selbst und zwar in anderen Situationen, kommt man auf situationsübergreifende Übereinstimmungen. Macht man dies über einen längeren Zeitraum, so kann man feststellen, ob die Person in zeitstabiler Weise ähnlich reagiert und handelt. Der Ansatz geht von Wertungsdispositionen in der Person aus, Situationen in individueller Art und Weise zu bewerten und auch danach zu handeln. Als Motive werden hier also situationsübergreifende, zeitlich stabile und persönlichkeitsspezifische Wertungsdispositionen bezeichnet die der Person als gedankliche Hilfskonstruktion zur Aufklärung nicht beobachtbarer Bedingungen dient. Handlungen entstehen aus einem Wechselspiel von personeninternen Motiven und situativen (Umwelt-) Bedingungen (Gabler 2002).

2.3 Persönlichkeitsmodelle

Pervin et al. (2005) definierten die Persönlichkeit als „jene Charakteristika und Merkmale des Menschen, die konsistente Muster des Fühlens, Denkens und Verhaltens ausmachen.“ In der Persönlichkeitspsychologie gibt es einige Ansätze zum Beschreiben, Erklären und Vorhersagen der Persönlichkeit und ihrer individuellen Unterschiede. Eine dieser Perspektiven, der Eigenschaftszentrierte Ansatz, verwendet eine begrenzte Reihe von Adjektiven bzw. „Wesenszugbegriffe“ um Personen zu beschreiben. Dieses Konzept der Persönlichkeitswesenszüge brachte verschiedene Theorien einiger Begründer hervor. Im Gegensatz zu anderen Perspektiven, die eher von indirekten Verbindungen zwischen offenen Verhaltensweisen und grundlegenden Persönlichkeitswesenszügen ausgehen, gehen Wesenszugtheoretiker wie Allport, Eysenck oder Cattell von einer direkten Verbindung aus (Pervin et al. 2005). Hans Jürgen Eysenck (1970) veranschaulichte die Persönlichkeit in seinem hierarchisch aufgebauten Modell. Im Folgenden (Abb. 2) wird, angelehnt an Eysenck’s Modell, die Hierarchie des Modells am Beispiel der Extraversion veranschaulicht.

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Details

Seiten
39
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668321694
ISBN (Buch)
9783668321700
Dateigröße
951 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342273
Note
2,1
Schlagworte
sportliche Motivation Persönlichkeit sportliche Aktivität junge Erwachsene Motive im Sport Persönlichkeitsfacetten

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Titel: Der Zusammenhang zwischen der sportlichen Motivation und der Persönlichkeit bei jungen Erwachsenen