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Der Fähigkeitenansatz nach Amartya Sen und Martha Nussbaum und die Bezüge zur Sozialen Arbeit

Hausarbeit 2015 21 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Abgrenzung zu klassischen Wohlfahrtstheorien
2.1 Utilitaristische Ansätze
2.2 Güteorientierte Ansätze

3. Amartya Sen als Begründer des Fähigkeitenansatz
3.1 Kritik an utilitaristischen Ansätzen
3.2 Kritik an güterorientierten Ansätzen
3.3 Der „Fähigkeitenansatz“ als Alternative
3.3.1 Freiheit als Ziel von Entwicklung
3.3.2 Begriffliche und inhaltliche Annäherung

4. Der „Fähigkeitenansatz“ nach Martha Nussbaum
4.1 Aristotelische Grundlagen
4.2 Eine Liste von Fähigkeiten als Grundlage für ein „gehaltvolles“ Leben

5. Bezüge zur Sozialen Arbeit

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Was macht ein erfülltes Leben aus? Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein? Welche äußeren Umstände wirken in diesem Kontext förderlich und welche hinderlich? Das sind nur einige der Fragen mit denen sich der Capability Approach – in der Literatur auch Capabilities Approach, Befähigungsansatz oder Fähigkeitenansatz - auseinandersetzt. Aus Vereinfachungsgründen wird der einheitliche Begriff „Fähigkeitenansatz“ für den weiteren Verlauf der Arbeit festgelegt. Der in den 1980er Jahren entwickelte normative Ansatz geht auf den Wohlfahrtsökonomen Amartya Sen zurück. Anfangs unabhängig und später in enger Zusammenarbeit mit der Philosophin Martha Nussbaum wurde der Fähigkeitenansatz entwickelt und kontinuierlich weiter geführt. Sen und Nussbaum gelten dabei gewissermaßen als die „Eltern“ der inzwischen weitverbreiteten Theorie, und haben beide wesentlich zu deren Verbreitung und Bekanntmachung beigetragen (vgl. Neuhäuser 2013, S.64). Nach einer allgemeinen Einführung in die Denkweise klassischer Wohlfahrtstheorien in Kapitel 2, beschäftigt sich der Hauptteil dieser Arbeit in Kapitel 3 und 4 entsprechend mit der jeweiligen Ausprägung des Fähigkeitenansatzes nach Sen und Nussbaum. Um ein detailliertes Verständnis für den Ansatz zu erlangen, stehen in der Abhandlung über A. Sen begriffliche und inhaltliche Spezifikationen im Vordergrund. Der folgende Abschnitt behandelt weiterhin die philosophische Fundierung des Fähigkeitenansatzes unter M. Nussbaum und stellt deren sogenannte „Fähigkeitenliste“ vor.

Seinen wesentlichsten Einfluss hat der Fähigkeitenansatz bis dato auf die IWF und die Weltbank genommen. Mittlerweile haben allerdings auch Theoretiker aus den Bereichen Erziehungswissenschaft, Soziologie und Sozialpädagogik den Ansatz für sich entdeckt. Sie nutzen den Fähigkeitenansatz als theoretische Grundlage, um sich mit Fragen der Ungleichheit, Lebensqualität und Entwicklungspolitik auseinanderzusetzen(vgl. Neuhäuser 2013, S.64). Aber auch in der der Sozialen Arbeit ist der Fähigkeitenansatz mittlerweile ein Begriff. Der Schlussteil der Arbeit erörtert deshalb entsprechende Bezüge zur genannten Profession und lässt hierbei unterschiedliche Autoren zu Wort kommen.

2. Abgrenzung zu klassischen Wohlfahrtstheorien

Um sich dem Fähigkeitenansatz zu nähern, erscheint es sinnvoll, dessen historische Ursprünge zu beleuchten. Sowohl Amartya Sen, als auch Martha Nussbaum setzen sich in der Entwicklung der jeweiligen Gerechtigkeitstheorie mit klassischen Theorien zur Wohlfahrtsmessung wie dem Utilitarismus und güterorientierten Ansätzen auseinander. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu übersteigen, konzentriert sich diese vorwiegend auf die Äußerungen Amartya Sens zu genannten Theorien (siehe Kapitel 3).

2.1 Utilitaristische Ansätze

Ausgangspunkt für die utilitaristische Wohlfahrtstheorie ist eine an ihren Konsequenzen gemessene Wohlfahrtspolitik (consequentalism). Für eine Gesellschaft im utilitaristischen Sinne gilt als gerecht, was den größtmöglichen Nutzen (welfarism) für die größtmögliche Anzahl von Menschen bringt (sum-ranking) (vgl. Neuhäuser 2013, S.55). Jeremy Bentham(1748-1832) als Begründer des Utilitarismus beschreibt dieses Verständnis als das Glück der Meisten –„the greatest happiness oft he greatest amount of people“ (vgl. Röh 2013, S.95). Im Utilitarismus wird jeder Mensch ausdrücklich als gleichwertig angesehen und trägt – ganz unabhängig von seinem sozialen Status – zum utilitaristischen Gesamtnutzen bei. Insgesamt spielt das Individuum bei dieser Gerechtigkeitsphilosophie allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Die Einzelperson wird entweder als Teil jener Mehrheit betrachtet, für die der Nutzen zu maximieren gerecht sei oder als Teil jener, die sich dem Nutzenkalkül der Gesamtheit zu unterwerfen haben (vgl. Graf, 2011, S.88).

2.2 Güteorientierte Ansätze

Der einfache Güteransatz findet in der Wirtschaftstheorie großen Anklang. Er basiert auf der Annahme, dass sich die Entwicklung einer Gesellschaft in deren Wohlstand zeigt und sich in ihrer Gütermenge messen lässt. Ein Beispiel hierfür ist die Heranziehung des Bruttoinlandprodukts, also der Gesamtmenge der produzierten Güter und Dienstleistungen, um zu bestimmen, wie gut dieses Land entwickelt ist. Ein gesellschaftlicher Fortschritt wird entsprechend dieser Logik an einem wachsenden Wirtschaftswachstum gemessen (vgl. Neuhäuser 2013, S.58). Die Lebenslage eines einzelnen Menschen dagegen wird im Hinblick darauf bestimmt, über wie viele Güter dieser verfügt (vgl Graf 2013, S:89).

Der liberale US-amerikanische Philosoph John Rawls (1921-2002) hat eine Gerechtigkeitstheorie entwickelt, welche sich in der Tradition der Güteansätze bewegt, jedoch wesentlich ausdifferenzierter ist. Darin unterscheidet er zwei Begriffe: Fairness und Gerechtigkeit. Zur Erklärung der Fairness auf der einen Seite skizziert er einen hypothetischen Urzustand der Gesellschaft. Die beteiligten Personen müssen dabei, eingehüllt in einen „Schleier des Nichtwissens“ über Gerechtigkeit und Gerechtigkeitsprinzipien abstimmen (vgl. Sen 2010, S.82). Hinter dem Schleier können die Beteiligten ihren späteren sozialen Status nicht erkennen. Auf diese Weise entsteht eine „faire“ Ausgangssituation die keinem Individuum Vorteile einräumt. Rawls setzt für diese Abstimmung freie, gleiche sowie - im Sinne des Menschenbild Immanuel Kants - vernünftige Individuen voraus (vgl. Röh 2013, S.101ff.). Trotz pluralistischer Vorstellungen über das Gute und Gerechte, könne auf diese Weise ein allgemeingültiger Konsens zur Grundstruktur der Gesellschaft gefunden werden (vgl. Röh 2013, S.99). Unter Gerechtigkeit auf der anderen Seite, versteht Rawls die Gleichverteilung von Ressourcen. Soziale Ungleichheit entsteht vor diesem Hintergrund dort, wo Individuen auf Grund divergierender Ressourcenausstattung, unterschiedliche Zugangsbedingungen zum Markt haben. Um diese Ungleichheit auszugleichen, plädiert der Philosoph dafür die Individuen von Beginn an mit einer gleichen Palette von Grundgütern auszustatten. Diese sollen Rechte, Freiheiten, Macht, Chancen, Einkommen, Vermögen und Selbstachtung enthalten (vgl. Merkel 2007, S.5). Entsprechend dieser Logik sorgt die Gleichverteilung von Grundgütern für die Abkehr von sozialer Ungleichheit. Eine Gesellschaft gilt entsprechend dann als gerecht, wenn gewährleistet ist, dass jedem/r Bürger/in unabhängig von individuellen Bedürfnissen ein gewisses Maß dieser Grundgüter zur Verfügung steht (vgl. Ziegler/Schrödter/Oelkes, 2012, S.301).

3. Amartya Sen als Begründer des Fähigkeitenansatz

Amartya Sen (*1933 in Westbengalen, Indien) studierte Physik, Chemie und Ökonomie bis er sich schließlich für die Philosophie begeisterte. Sen arbeitete im Rahmen seiner wissenschaftlichen Karriere an verschiedenen Universitäten in England, den USA und Indien, wodurch seine Arbeiten von europäischen, asiatischen und amerikanischen Einflüssen geprägt wurden. Für seine Beiträge zur Wohlfahrtsökonomie wurde Amartya Sen 1998 der Nobelpreis für Ökonomie verliehen. Die zentrale Frage, mit der sich Sen seine gesamte wissenschaftliche Laufbahn auseinandersetzt, lautet: Wie ist eine ökonomische und soziale Entwicklung möglich, die die Lebensqualität der Menschen in einer Gesellschaft tatsächlich optimiert? Sen kritisiert, dass bestehende Wohlfahrtstheorien zur Beantwortung dieser Fragestellung nur ungenügende Informationen liefern[1] (vgl. Neuhäuser 2013, S.54). In den 1980er Jahren konzipierte Sen daher den sogenannten Fähigkeitenansatz, der in diesem Zusammenhang eine umfassendere Herangehensweise bietet[2] (vgl. Röh 2013, S.92). Weitere Details liefern die folgenden Ausführungen.

3.1 Kritik an utilitaristischen Ansätzen

Klingt es nicht einleuchtend das größtmögliche Wohlempfinden aller Individuen zum Ziel einer gerechten Gesellschaft zu machen? Und ist es nicht sinnvoll und naheliegend, subjektive Befindlichkeiten wie das Empfinden von Lust oder Glück als die einzige beachtenswerte Größe im Leben eines Menschen anzusehen? Auf die erste Frage findet der Wirtschaftsnobelpreisträger in seinem Aufsatz „Equality of what?“ (1979) eine klare Antwort: Nicht das Glück oder das Wohlergehen der Mehrheit müsse als Maßstab herangezogen werden, sondern dasjenige des Individuums. Den Gesamtnutzen im utilitaristischen Sinne anzustreben, lehnt Sen kategorisch ab (vgl. Röh 2013, S.96). Weiterhin bemängelt er das Menschenbild des Utilitarismus. Dieser würde nur als Träger dessen gesehen, was wirklich als wertvoll erachtet wird, nämlich dem Nutzen. Es geht demnach gar nicht um den Menschen als autonomes Wesen, sondern um abstrakte Nutzenfunktionen und ihre Maximierung (vgl. Neuhäuser 2013, S.55). Ferner verweist Sen auf das Phänomen der Anpassung und „psychischen Konditionierung“. Darunter ist zu verstehen, dass sich unsere Wünsche und unser Vermögen, Glück zu empfinden, in sehr starkem Ausmaß an die jeweiligen Umstände angleichen. Als Beispiel führt er eine Person an, die es gewohnt ist in Armut zu leben und darüber hinaus keinerlei Aussichten auf eine Verbesserung ihrer Situation hat. Die Person wird sich nach Sen in der Regel mit wenig zufrieden geben. Aus dem simplen Grund, ihr Leben trotz schwieriger Bedingungen erträglich gestalten zu können. Menschen können dieser Argumentation nach massiv sozial benachteiligt sein, ohne dass sich dies in ihren subjektiven Wahrnehmungen in irgendeiner Weise niederschlägt (vgl. Sen 1999, S.80). Im Sinne einer utilitaristischen Argumentation, welche ja das subjektive Glücks- bzw. Lustempfinden in den Fokus rückt, gäbe es also keinen Grund die Situation dieser Person positiv zu beeinflussen - selbst wenn sie objektiv gesehen erheblichen Mangel leidet (vgl. Graf 2011, S.88ff.). Auch so grundlegende Dinge wie Freiheiten, Rechte, Chancen und soziale Güter stehen laut Sen in einer utilitaristischen Gesellschaft zu wenig im Fokus. Diese sind hier nur insofern von Interesse, als sie sich auf die grundlegende Größe des Nutzens aller auswirken. Laut Sen sind sie dagegen unabdingbare Rahmenbedingungen für freies menschliches Handeln und dem Streben nach übergeordneten Idealen (vgl. Sen 2010, S.302). Wenn die Bürger allerdings in der Existenz von Freiheitsrechten oder Bildungsmöglichkeiten keine Befriedigung erfahren, gibt es für eine utilitaristisch ausgerichtete Politik keinen Grund, diese auszubauen (vgl. Ziegler/Schrödter/Oelkes 2012, S.301).

Die Auswertung der utilitaristischen Wohlfahrtstheorie offeriert in den Augen Sens eine wenig befriedigende Herangehensweise, um die ökonomische Entwicklung eines Landes und die Lebensqualität von Menschen zu bewerten (vgl. Neuhäuser 2013, S.56). Daher ist es angesagt auch die güteorientierten Ansätze in Bezug auf die genannten Kriterien zu prüfen.

3.2 Kritik an güterorientierten Ansätzen

Den güterorientierten Ansätzen steht Amartya Sen ambivalent gegenüber. Einerseits gibt der Wohlfahrtsökonom zu, dass güterorientierte Ansätze durch leichte Handhabung und große Praktikabilität bestechen. Das Bruttoinlandsprodukt oder auch das Pro-Kopf-Einkommen lassen sich relativ gut ermitteln und mathematisch eindeutig darstellen. Dadurch entsteht eine gute Vergleichsbasis bezüglich der Wachstumsentwicklung zwischen verschiedenen Ländern und Regionen. Auch ist die materielle Situation von großer Bedeutung für die Handlungsoptionen des Menschen. Ein geringes Einkommen trägt wesentlich dazu bei, dass wir mit Mangelerscheinungen wie z.B. Hunger oder Schwäche zu kämpfen haben und unsere Potentiale nicht voll ausschöpfen können. Problematisch wird es allerdings dann, wenn Finanzielles (bzw. die materiellen Güter, die man erworben hat) seine Funktion als bloßes Mittel verliert und selbst als intrinsische Motivation erachtet wird. Der Wirtschaftsökonom wirft den Vertreter/innen dieser monetär orientierten Position vor, wichtige Zusammenhänge zwischen dem Verfügen über Einkommen und dem tatsächlichen Leben der Menschen zu übersehen. Zwischen den Lebenssituation der Menschen bestehen nämlich zum Teil große Unterscheide, die sich darauf auswirken, welchen Gebrauch sie von einem bestimmten Güterbündel oder Einkommensniveau machen können (vgl. Graf 2011, S.90). Zur Verdeutlichung führt Sen hier das einfache Beispiel einer schwangeren oder stillenden Frau an, die im Durchschnitt mehr Nährstoffe braucht, als die meisten anderen Frauen[3]. John Rawls Gerechtigkeitstheorie kann vor diesem Hintergrund ebenfalls nicht bestehen. Eine Gleichverteilung von Ressourcen allein führt zu keiner Abkehr von sozialer Ungleichheit. Die tatsächlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Betroffenen, ihre individuelle Fähigkeit Ressourcen in Lebenschancen umzuwandeln müssen ebenfalls berücksichtigt werden (vgl. Graf 2011, S.90)[4].

3.3 Der „Fähigkeitenansatz“ als Alternative

Amartya Sens Einwände gegen die vorgestellten Theorien, verdeutlichen deren grundlegende Unzulänglichkeiten zur Beurteilung individueller Lebenssituationen. Doch welche alternative Herangehensweise entwickelt Sen selbst in seinem Analyserahmen für individuelles Wohlergehen? Folgende Skizzierungen der liberalen Gerechtigkeitstheorie zielen vor dem Hintergrund der vorangegangenen Überlegungen auf die Beantwortung dieser Fragen.

3.3.1 Freiheit als Ziel von Entwicklung

Wie bereits angeführt, reicht es Sen nicht, allgemein den Zugang zu bestimmten Grundgütern zu eröffnen. Vielmehr ist sicherzustellen, dass Menschen individuell über die nötige Menge an Grundgütern verfügen, um in gleichem Maße ihre jeweiligen Ziele erreichen zu können. Damit ist konkret gemeint, die Freiheit des Individuums in dem Maße zu fördern, dass dieses seine jeweilige Vorstellung eines erfüllten Lebens realisieren kann. Im Gegensatz zu John Rawls stehen hier also reale Freiheiten und keine Grundgüter im Fokus. Wichtig ist Sen zudem das Vorhandensein einer Pluralität von Vorstellungen des „guten Lebens“. Dies gilt allerdings im liberalen Sinne unter der Einschränkung, dass diese Vorstellungen eines Menschen, die Freiheiten anderer Menschen genauso berücksichtigen müssen, wie die eigenen (vgl. Neuhäuser 2013, S.60).

3.3.2 Begriffliche und inhaltliche Annäherung

Die zentralen Begrifflichkeiten des Fähigkeitenansatzes sind Funktionen (functionnings) und Fähigkeiten (capabilities). Sie bilden den Ausgangspunkt und das Spezifikum des Fähigkeitenansatzes ausmachen, weshalb sie den zu Beginn der inhaltlichen Einführung stehen.

Funktionen . Sie stehen im „Fähigkeitenansatz“ für alle realisierten Tätigkeiten und Zustände („doings and beings“) (vgl. Sen 1999, S.95). Dazu gehören zum Beispiel Zustände wie verheiratet oder ledig sein, gebildet oder ausgebildet sein, krankenversichert oder hilflos sein, und dazu zählen Tätigkeiten wie Essen, Trinken, Spielen, Lieben, Reisen, Kinder erziehen etc. Wie die Beispiele zeigen, ließe sich die Liste an Funktionsweisen eines Menschen mit Sicherheit bis in die Unendlichkeit fortführen (vgl. Neuhäuser 2013, S.64).

Fähigkeiten. Funktionen, die noch nicht umgesetzt, aber in Zukunft leicht realisierbar wären werden als Fähigkeiten bezeichnet. Wenn jemand keine Urlaubsreisen macht, weil er oder sie das für Zeitverschwendung hält, aber jederzeit Urlaub nehmen und eine Reise machen könnte, dann verfügt diese Person über die Fähigkeit zu verreisen. Wenn jemand fernschaut, und gleichzeitig ein Buch neben sich liegen hat und zudem noch hinreichend gut ausgebildet ist - dann verfügt er oder sie in dieser Situation über die Fähigkeit zu lesen. Fähigkeiten sind also der Oberbegriff für umsetzbare Funktionsweisen (vgl. Neuhäuser, S.65). Aber aus welchem Grund unterscheidet Sen überhaupt zwischen Funktionen und Fähigkeiten? Diesen Aspekt erläutert das Beispiel des reichen Menschen, der bescheiden lebt und des armen Menschen, der gezwungen ist jeden Cent umzudrehen. Von außen betrachtet leben beide in bescheidenen Verhältnissen. Mit den Augen Sens betrachtet, hat allerdings nur der Reiche die Fähigkeit auch in mehr Wohlstand zu leben. (vgl. Neuhäuser 2013, S.66). Anders als Martha Nussbaum spricht sich Amartya Sen ausdrücklich gegen eine Liste von wesentlichen Grundfähigkeiten (basic capabilities) aus. Er ist der Meinung, dass – je nach kulturellem oder politischem Kontext eines Landes jeweils unterschiedliche Fähigkeiten eine Rolle spielen (vgl. Neuhäuser 2013, S.73).

Umwandlungsfaktoren . Sen unterscheidet drei Umwandlungsfaktoren, von denen die Fähigkeit Güter in Funktionsweisen umzuwandeln, abhängt. Hier sind erstens persönliche Umwandlungsfaktoren zu nennen, die in direktem Bezug zur handelnden Person stehen. Hierunter fallen Gesundheitszustand, das Geschlecht, der Bildungsstand, die Intelligenz etc. Zweitens finden sich soziale Umwandlungsfaktoren. Dies sind beispielsweise soziale Normen, das Rechtssystem, die politische Struktur und traditionelle Praktiken. Drittens nennt Sen umweltspezifische Umwandlungsfaktoren. Beispiele in diesem Kontext sind natürliche Gegebenheiten wie das Wetter, aber auch die menschlich geschaffene Umwelt, wie Straßenbeschaffenheit oder vorhandener Wohnraum (vgl. Sen 1999, S.89ff.).

An diesem Punkt der Arbeit wird das Alleinstellungsmerkmal des Fähigkeitenansatzes greifbar. Von utilitaristischen Ansätzen unterscheidet er sich, da er „das gute Leben“ des Einzelnen nicht auf Nutzen-, Glücks-, oder Lustaspekte reduziert. Lebensqualität wird bemessen an den bereits realisierten Funktionsweisen und den potentiell erreichbaren Fähigkeiten. Dabei obliegt es dem frei handelnden Individuum selbst, sich für die jeweilige Verwirklichung von Lebensqualität zu entscheiden. Von güterorientierten Ansätzen distanziert sich der Fähigkeitenansatz insofern, dass er zum einen Ressourcen bzw. Güter nicht als intrinsische Motivation betrachtet. Weiterhin fragt er nicht nur nach der Verteilung von ökonomischen Gütern, wie traditionelle Wohlfahrtsindikatoren, sondern beschäftigt sich auch mit der Frage, über welche Fähigkeiten Menschen jeweils verfügen und welche Funktionen sie damit realisieren können. Diese umfassende Perspektive eröffnet in einem nächsten Schritt vielschichtige Möglichkeiten für interpersonelle und interkulturelle Vergleiche(vgl. Neuhäuser 2013, S.70).

Das bekannteste Beispiel für einen solchen Vergleich im Sinne einer alternativen Wohlfahrtsmessung ist der sogenannte Human Development Komplex (HDI), an dessen Konzeptionierung Amartya Sen maßgeblich beteiligt war. Der HDI ist ein Wohlstandsindikator der seit 1990 von den Vereinten Nationen für unterschiedliche Länder veröffentlicht wird (vgl. Lexas Information Network 2014). Anders als Wohlstandsmessungen, die allein ökonomische Maße als Bewertungsmaßstab heranziehen, bildet der HDI die Lebenserwartung bei der Geburt, Schuljahre sowie die Verteilung des Wohlstandes ab. Sens Ziel einer alternativen Herangehensweisen für die Messung des Grades nationaler Wohlfahrt konnte auf diese Weise – auch in der Praxis - realisiert werden. Ein Beispiel für die vielschichtige Ergebnisdarstellung des HDI schildert die Mitbegründerin des Fähigkeitenansatz - Martha Nussbaum: „Der Human Development Report für 1993 besagt beispielsweise, dass die Vereinigten Arabischen Emirate ein reales Bruttosozialprodukt pro Kopf von 16753 haben – das zenthöchste der Welt vor Norwegen und Australien. (…) Bei den Lebensqualität-Indikatoren liegen sie allerdings nur auf Platz 67 von 173 untersuchten Nationen“ (vgl .Nussbaum 1999, S.208).

4. Der „Fähigkeitenansatz“ nach Martha Nussbaum

Das Zitat des vorangegangenen Absatzes leitet direkt zur Hauptperson dieses Kapitels über: der Philosophin Martha Nussbaum (* 6.Mai 1947 in New York). In Zusammenarbeit mit Amartya Sen engagierte sie sich in den frühen neunziger Jahren am Wider-Institut in Stockholm in der Armutsforschung und bemühte sich zeitgleich um eine Weiterentwicklung des Fähigkeitenansatzes (vgl. Hartlieb 2013, S.142ff.). Anders als Sen strebt sie dabei weniger die Möglichkeit der komparativen Messung von Lebensqualität an, als die die vertiefende philosophische Begründung besagter Theorie: „Mir (…) geht es um die philosophische Grundlagen einer Theorie grundlegender Ansprüche, die von allen Regierungen als der Menschenwürde gefordertes absolutes Minimum geachtet und umgesetzt werden sollen“ (s. Nussbaum 2010, S.104). Als Grundlegend für Nussbaums philosophischer Begründung des Fähigkeitenansatzes zählt ihre gedankliche Auseinandersetzung mit der aristotelischen Ethik. Einleitend werden deshalb in Kapitel 4.1 die Aristotelischen Grundlagen des Fähigkeitenansatzes nach M. Nussbaum vorgestellt (vgl. Hartlieb 2010, S.146).

4.1 Aristotelische Grundlagen

Martha Nussbaum erklärt die klassisch-ethische Frage nach dem guten Leben in Anlehnung an den griechischen Staatstheoretiker zur philosophischen Zielsetzung ihrer Überlegungen. Die an der University of Chicago Law School lehrende Philosophin versteht darunter zum einen die gute Verfassung des Körpers, und zum anderen das gute soziale Miteinander (vgl. Nussbaum 1999, S.27). Das Wunsch nach einem „guten Leben“ mündet bei Nussbaum in einer konkret ausformulierten Liste von Fähigkeiten, die aus Gerechtigkeitsgründen eine berechtigte Grundlage des guten Lebens beinhaltet (vgl. Nussbaum 2010, S.13). Diese Fähigkeiten sollen gemäß Nussbaum in einem nächsten Schritt als „Quelle politischer Prinzipien für eine liberale pluralistische Gesellschaft“ dienen (vgl. Nussbaum 2010, S.104). Hier zeigt sich ein weiterer deutlicher Bezug zur aristotelischen Tradition des bonum commune[5], in deren Nachfolge sowohl Sen als auch Nussbaum ihren Ansatz verorten. Bereits Aristoteles stellte die Bedeutung der sozialen Kooperationsgemeinschaft polis heraus, in der allein das Individuum sich richtig und angemessen entfalten kann (vgl. Hartlieb 2013, S.146). Marthe Nussbaum konkretisiert diese Verantwortung der polis in ihrem Werk „Gerechtigkeit oder das gute Leben“. Vor dem Hintergrund das menschliche Fähigkeiten nicht angeboren sind, beschreibt sie Fürsorge, Bereitstellung von Ressourcen und Erziehung als die wesentliche Aufgabe der Politik. Diese Unterstützung muss in der Weise gewährleistet sein, dass die Bürger als Freie und Gleichgestellte behandelt werden, gleichzeitig darf sie die Menschen aber nicht dazu bringen, auf eine bestimmte Weise zu funktionieren. Vielmehr sollen Menschen hervorgebracht werden, die zu bestimmten Tätigkeiten befähigt werden und sowohl die Ressourcen, als auch die Ausbildung haben, diese Tätigkeiten auszuüben. Die Entscheidung hierzu bleibt ihnen selbst überlassen (vgl. Nussbaum 1999, S.27; S.41.). Weiterhin orientiert sich Nussbaum mit ihrem Würdebegriff an Aristoteles. Dementsprechend beschreibt Nussbaum die menschliche Würde als „die Würde eines bedürftigen und verkörperten Wesens", eines auf Gesellschaft und soziale Beziehungen hin angelegten Wesens, von dessen Fähigkeiten die Forderung ausgeht, "dass sie entwickelt werden sollten, dass das Leben ein gedeihendes und kein verkümmertes Leben sein soll" (vgl. Nussbaum 2010, S.225.). Dieses Würdeverständnis Nussbaum ist insgesamt Ausgangs- und Mittelpunkt ihrer theoretischen Überlegungen. Gleichzeitig sucht die Philosophin hier eine Abgrenzung zur Gerechtigkeitstheorie John Rawls´. Nach dessen Menschenbild sollen „freie, gleiche und unabhängige“ Gesellschaftsmitglieder über die zukünftigen Gesellschaftsprinzipien abstimmen. Entsprechend dem Kant´schen Würdebegriff sind sie bei ihren Entscheidungen durch Vernunft geleitet. Dieses Vorgehen schließt Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen von vornherein aus. Ihre Inklusion kann erst als „nachträglicher Zusatz“ behandelt. Eine Sichtweise, die Nussbaum verurteilt. Für sie sind Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen gleichwertige Bürger/innen, deren Bedürfnisse nach Ausbildung, Selbstachtung und Aktivität von der Gesellschaft von vornherein berücksichtigt werden müssen (vgl. Nussbaum 2010, S.142).

4.2 Eine Liste von Fähigkeiten als Grundlage für ein „gehaltvolles“ Leben

Wie bereits angedeutet schlägt M. Nussbaum auf Basis dieser Überlegungen eine „objektive Liste“ grundlegender menschlicher Fähigkeiten vor, die das Fundament für die Verwirklichung der verschiedensten Entwürfe eines guten/gehaltvollen (flourisihing) Lebens enthalten. Mit diesem Vorgehen grenzt sie sich am deutlichsten von Amartya Sen ab, der bewusst keine Capabilities bestimmt. Die Fähigkeitenliste wird von der Philosophin als „im vollsten Sinne universell“ beschrieben (vgl. Nussbaum 2010, S.115). Damit ist gemeint, dass der Fähigkeitenansatz auf alle Formen menschlichen Lebens in allen Teilen der Erde übertragbar ist (vgl. Hartlieb 2013, S.145). Nussbaum zielt auf eine konkrete Anwendbarkeit ihres Ansatzes und benennt für dessen Umsetzung die Verantwortlichkeit der jeweiligen Landespolitik. Die Liste darf aber keineswegs als starres und abgeschlossenes Konstrukt verstanden werden. Je nach Kulturkreis sollen vielmehr unterschiedliche, plurale Ausdeutungen und weltanschauliche Umsetzungen möglich werden (vgl. Hartlieb 2013, S.149). Nussbaum schreibt hierzu: „Ich betone, dass die einzelnen Punkte der Liste deshalb auf recht abstrakte und allgemeine Weise formuliert werden, damit die Bürgerinnen und Bürger, ihre Parlamente und Gerichte ausreichend Raum haben, um sie genauer zu bestimmen und zu diskutieren“ (vgl. Nussbaum 2010, S.115). Die Tatsache, dass jede Einzelne der essentiellen Fähigkeiten für ein gelingendes menschliches Leben gegeben sein muss, ist das einzige normative Faktum des Fähigkeitenansatzes (vgl. Hartlieb 2013, S.149). Die Liste der natürlichen Fähigkeiten des Menschen setzt sich nach Nussbaum aus folgenden Einzelelementen zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die inhaltlich weitgefasste Liste zeigt, dass Nussbaum mit ihrer Hilfe auf die Abbildung der gesamten Breite menschlicher Lebens-und Umgangsformen abzielt (vgl. Hartlieb 2013, S.151). Zwei Fähigkeiten erweisen sich hierbei als besonders wichtig, da sie die anderen strukturieren und analysieren, nämlich die Vernunft und die Verbundenheit mit anderen Menschen (und Tieren). Dieter Röh sieht in diesen Fähigkeiten nicht nur einen starken moraltheoretischen, sondern auch einen handlungstheoretischen Bezug zur Profession der Sozialen Arbeit begründet. Denn der Fähigkeitenansatz vermittelt uns ein vernunftorientiertes Handeln und hat zeitgleich Gerechtigkeit im Sinne der Verbundenheit mit anderen zum Ziel. Mit anderen Worten geht es um Bildung, Erziehung und Kompetenzerwerb, um Herstellung einer solidarischen Gemeinschaft und nicht zuletzt um die Sicherstellung eines sozioökonomischen Existenzminimums, welches Jedem und Jeder die Möglichkeit eröffnet, mit erworbenen Kompetenzen individuelle Lebenspläne aufzustellen und zu realisieren (vgl. Röh 2013, S.115 ff.). Eine Interpretation der Theorie, die als geeignete Handlungsmaxime für die professionelle Soziale Arbeit dienen könnte. Weitere Verknüpfungen zwischen Fähigkeitenansatzes und Sozialer Arbeit stellt Kapitel 5 vor.

5. Bezüge zur Sozialen Arbeit

Ein Bezug zur Sozialen Arbeit konnte bereits relativ simpel hergestellt werden. Fragt man in einem nächsten Schritt nach Vorzügen der Fähigkeitenperspektive für die Soziale Arbeit, finden sich in der einschlägigen Literatur auch hierfür einige Beispiele. Vertreter/innen des Fähigkeitenansatzes wie Klaus Schneider setzen beispielsweise die Betonung von Kompetenzen und Verwirklichungschancen mit der Abkehr von defizitär orientierten Ansätzen gleich. Anstatt Probleme und Benachteiligungen zu fokussieren, sollen selbstwirksame Klient/innen zur Realisierung eines „guten Lebens“ befähigt werden (vgl. Schneider 2009,S.12). Holger Ziegler begrüßt in diesem Kontext, dass nicht mehr die Adaptionsfähigkeit der Klient/innen an widrige Rahmenbedingungen im Zentrum der professionellen Aufmerksamkeit steht, sondern das konkrete Ausmaß an Verwicklungschancen, die bestimmte soziale Arrangements eröffnen oder verschließen. Für die Klient/innen bieten sich demnach „Autonomiespielräume“, die Raum für unterschiedliche Handlungs-und Daseinsformen bieten (vgl. Ziegler 2011, S. 120 ). Dieter Röh bezieht sich konkret auf Martha Nussbaum und bezeichnet den „Fähigkeitenkatalog“ als die große Stärke des Fähigkeitenansatzes. Die Orientierung an dessen Prinzipien bietet ihm zufolge die Grundlage für ein fundiertes professionelles Handeln. So positiv der Bezug zwischen Fähigkeitenansatz und Sozialer Arbeit angesichts dieser Argumente zu beurteilen ist, bleiben doch einige offene Fragen. Es gilt beispielsweise noch zu klären, was wäre, wenn Klient/innen von ihren „Autonomiespielräumen Gebrauch machen und tatsächlich angebotene Hilfsmaßnahmen nicht ergreifen (vgl. Röh 2013, S.119)? Oder sich frei für ein subjektiv „gutes Leben“ entscheiden, dass letztendlich wenig mit einer gesellschaftlich anerkannten Lebensführung zu tun hat? Soll die Soziale Arbeit an dieser Stelle in der Beobachterperspektive verharren oder doch aktiv eingreifen? Was ist weiterhin mit Hilfeberechtigten, die auf Grund einer Behinderung oder sonstigen Beeinträchtigung gar nicht in der Lage sind, die grundlegenden Fähigkeiten nach M. Nussbaum zu entwickeln (vgl. ebd., S.110)? Auf welche Weise ist es umsetzbar ihnen ein möglichst autonomes Leben voller Verwirklichungschancen zu bieten? Am besten ohne sich erneut des immer wiederkehrenden Paternalismusvorwurfs schuldig zu machen (vgl. Röh 2013, S.119)?

Die Diskrepanz zwischen wertvollen Bereicherungen und Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Fähigkeitenansatzes kann und soll an dieser Stelle nicht aufgelöst werden. Zur Abrundung der Thematik bemüht sich Kapitel 6 nach einer allgemeinen Zusammenfassung trotzdem um eine adäquate Schlussbetrachtung.

6. Fazit

Ein Blick zurück zum Beginn dieser Arbeit macht deutlich: Um der Thematik des Fähigkeitenansatzes gerecht zu werden, wurde ein weiter inhaltlicher Bogen gespannt. Von den ursprünglichen Gerechtigkeitstheorien, zu deren Kritik und letztlich Amartya Sens alternativer Informationsbasis zur Wohlfahrtsmessung ist es bereits ein weiter Weg. Anschließend ging gedanklich wieder einen Schritt zurück, und Martha Nussbaum fragte nach den philosophischen Ursprüngen des Fähigkeitenansatzes. Ihr Vorschlag einer universell übertragbaren Fähigkeitenliste als Grundlage für ein „gutes Leben“ und im Sinne eines politischen Auftrages eröffnete eine völlig neue Dimension des Ansatzes. Das 5. Kapitel schließlich sucht nach Anschlussperspektiven in der Sozialen Arbeit. Die vorgestellten Unklarheiten machen deutlich, dass der Fähigkeitenansatz nicht ohne Reflektion auf die Soziale Arbeit übertragbar ist. Seine Umsetzung wirft Fragen auf und hat bei bestimmten Themenstellungen auch seine inhaltlichen Grenzen. Dabei gilt es allerdings zu bedenken, dass der Fähigkeitenansatz an keiner Stelle den Anspruch erhebt eins zu eins auf ein Land, eine Themengebiet oder eine Profession übertragbar zu sein. Im Gegenteil betonen dessen Vertreter/innen, dass der Fähigkeitenansatz immer wieder entsprechenden Diskursen unterworfen werden muss, um plurale Spezifikationen zuzulassen. Ein praktischer Bezug zur Soziale Arbeit erfordert dementsprechend ebenfalls einen regen Austausch zwischen Theoretikern und Praktikern der genannten Profession. Erst im gemeinsamen Dialog können dort gelungene Praxiskonzeptionen entstehen. An der Bereicherung, die der Fähigkeitenansatz für die Soziale Arbeit darstellen kann, ändert das meiner Meinung nach wenig. Sein positiver Einfluss liegt in einer wertschätzenden professionellen Haltung gegenüber den Hilfeberechtigten und der Betonung individueller Stärken und Entwicklungspotentiale. In einer von Kostenrestriktionen und strengen Zielvorgaben geprägten Sozialen Arbeit des Jahres 2014 bietet dies, wie ich persönlich finde, durchaus eine „Entwicklungschance“.

7. Literaturverzeichnis

Graf, Gunther (2011): Der Fähigkeitenansatz als neue Grundlage der

Armutsforschung? Online gefunden unter:

http://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/33982 (Zugriff am 14.10.14)

Hartlieb, Michael (2013):Die Menschenwürde und ihre Verletzung durch

extreme Armut. Eine sozialethisch-systematische Relektüre des Würde-

begriffs. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh Gmbh & Co. KG

Lexas Information Network (2014): Human Deveolopment Index (HDI).

Online gefunden unter: http://www.laenderdaten.de/indizes/hdi.aspx

(Zugriff am 21.10.2014)

Merkel, Wolfgang (2007): Soziale Gerechtigkeit. Theorie und Wirklichkeit.

Friedrich-Ebert-Stiftung. Online Akademie. Online gefunden unter:10.10.14)

http://library.fes.de/pdf-files/akademie/online/06078.pdf (Zugriff am 12.10.14)

Nussbaum, Martha (1999): Gerechtigkeit oder das gute Leben. Berlin:

Suhrkamp Verlag

Neuhäuser, Christian (2013): Amartya Sen zur Einführung. Hamburg:

Junius Verlag GmbH

Nussbaum, Martha (2010): Die Grenzen der Gerechtigkeit. Behinderung,

Nationalität und Spezieszugehörigkeit. Berlin: Suhrkamp Verlag

Röh, Dietrich (2013): Soziale Arbeit, Gerechtigkeit und das gute Leben.

Eine Handlungstheorie zur daseinsmächtigen Lebensführung. Berlin:

Springer-Verlag

Sen, Amartya (1999): Ökonomie für den Menschen. München,

Wien: Carl Hanser Verlag

Sen, Amartya (2010): Die Idee der Gerechtigkeit. München: C.H.

Beck Verlag

Schneider, Klaus (2009): Die Bewältigung diskontinuierlicher Lebensläufe.

Auf welche berufliche Zukunft bereiten wir die Jugend vor?

http://www.forum.lu/pdf/artikel/6554_285_Schneider.pdf

(Zugriff am 28.10.2014)

Ziegler, Holger (2011): Soziale Arbeit und das gute Leben – Capabilities als

sozialpädagogische Kategorie. In: Der Capability–Approach in

sozialwissenschaftlichen Kontexten – Überlegungen zur Anschlussfähigkeit

eines entwicklungspolitischen Konzepts. Wiesbaden:

VS Verlag für Sozialwissenschaften, S.117-137

[...]


[1] Siehe Teil 3.1 und 3.2 dieser Arbeit

[2] Siehe Teil 3.3 dieser Arbeit

[3] Weitere Einflüsse bzw. Umwandlungsfaktoren, welche die Entfaltungsmöglichkeiten des Menschen beeinflussen siehe Seite 8f.

[4] Kritik noch viel umfassender: „The idea of justice“. Wohlwollende Außeinandersetzung mit Theory of justice (1971) von John Rawl Rawl.

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668318809
ISBN (Buch)
9783668318816
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342096
Institution / Hochschule
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg – Fachbereich Soziales und Gesundheit
Note
1,8
Schlagworte
Fähigkeitenansatz; Soziale Arbeit Amartya Sen
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Titel: Der Fähigkeitenansatz nach Amartya Sen und Martha Nussbaum und die Bezüge zur Sozialen Arbeit