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Fremdenfeindliche Einstellungen und mögliche Auslöser

Bachelorarbeit 2013 48 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abstract

Fremdenfeindlichkeit und mögliche Auslöser
Fragestellungen und Hypothesen

Versuchsplanung und Methodik
Materialien
Untersuchungsablauf
Beschreibung der Stichprobe

Ergebnisse
Fremdenfeindlichkeitswerte
Nationalstolz
Selbstwert
soziale Desorientierung
soziale Deprivation

Zusammenfassende Diskussion

Literaturliste
Quellen aus dem Internet
Quellenangaben zum Fragenbogen

Anhang
Anhang A : deskriptive Statistik
Anhang B : t - Test
Anhang C : Korrelationen
Anhang E: Fragebogen

Zusammenfassung

Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Erforschung der Ursachen von fremdenfeindlichen Einstellungen. Dazu werden mittels Meinungsfragebogen soziale Deprivation, Selbstwert, Leistungsorientierung, soziale Desorientierung sowie Nationalstolz der Probanden ( N = 70 ) erfragt und mit einem erhobenen Fremdenfeindlichkeitswert in Beziehung gesetzt. Nationalstolz wird nach nationalistischer und patriotischer Ausprägung getrennt betrachtet. Fremdenfeindlichkeit wird über Einstellung zur Migration, negative Vorurteile, Assimilationsforderungen, Ethnozentrismus und Rassismus operationalisiert. Die vermuteten Zusammenhänge werden für alle Variablen bestätigt, einzig die Beziehung zum Selbstwert konnte wegen geringer Repräsentativität der Stichprobe nicht nachgewiesen werden. Fremdenfeindlichkeit korreliert hoch signifikant mit sozialer Deprivation ( r = 0,57 ), Leistungsorientierung ( r = 0,61 ), sozialer Desorientierung ( r = 0,44 ) sowie Nationalstolz (r = 0,64).

Schlüsselwörter: Fremdenfeindlichkeit, Leistungsorientierung, soziale Deprivation, soziale Desorientierung, nationalistischer Nationalstolz, patriotischer Nationalstolz, Selbstwert

Abstract

This bachelor thesis deals with the investigation of the causes of xenophobic attitudes. For that purpose seventy test subjects complete questionnaires about social deprivation, self-worth, achievement orientation, social disorientation as well as national pride, which are correlated with the collected values of xenophobia. National pride is examined separably for nationalistic and patriotic national pride. Xenophobia is operationalized by attitudes towards migration, negative prejudices, assimilation demands, ethnocentrism and racism. The supposed connections can be confirmed for all variables, only the analysis of self-worth could not be continued because of too low heterogeneity of the probands. The Xenophobia values correlate highly significant with social deprivation (r = 0.57), achievement orientation (r = 0.60), social disorientation (r = 0.44) as well as national pride (r = 0.64).

Key words: xenophobia, social deprivation, self-worth, achievement orientation, social disorientation, national pride

Fremdenfeindlichkeit und mögliche Auslöser

Bezüglich Integrations- oder Toleranzbereitschaft sind in der Allgemeinbevölkerung unterschiedliche Trends zu beobachten. Einerseits wird in der Öffentlichkeit der Trend zur fairen und gleichen Behandlung von Minderheiten vertreten. Andererseits sind fremdenfeindlich motivierte Diskriminierungen und Vorurteile selbst bei Personen mit weltoffener und liberaler Weltanschauung vorhanden. Da fremdenfreundliches Auftreten Konformitätsverhalten entspricht, gibt es kaum Menschen, die sich oder anderen gegenüber eingestehen würden, fremdenfeindlich zu sein. Fremdenfeindlichkeit ist dennoch als latente Einstellung zu verstehen (Beck, 1992; Gomischak, 2002). Jeder Mensch besitzt fremdenfeindliche Einstellungen und Verhaltensmuster, Unterschiede liegen aber in deren Qualität und Quantität (Gomischak). Evolutionstheoretische Erklärungsansätze (Lévi-Strauss, Dahmer, Zimmer, Eibel-Eibesfeldt) verweisen darauf, dass Fremdenangst und –hass nicht nur in allen menschlichen Kulturen, sondern auch im Tierreich ein gängiges Phänomen und dass Abneigungen gegen Fremde auch in der Entwicklungspsychologie anzutreffen ist („Fremdeln“).

Der Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ wird verwendet, da die Bezeichnung „Ausländerfeindlichkeit“ zu eng gefasst erscheint. Nicht alle Ausländer werden im selben Ausmaß angefeindet, diskriminiert oder sind von selben Vorurteilen betroffen. Vermehrt treten Einstellungsyndrome auf, intolerante Einstellungen gegenüber Ausländern gehen auch mit negativen Bewertungen anderer Minderheiten wie zum Beispiel Homosexuellen einher (Willems, 1993). Stigmatisierung ist nicht mehr am Merkmal der Ethnie, Staatsbürgerschaft oder des Heimatlandes generalisierbar. Zerger (1997) schreibt:

Der Fremde kann nämlich sowohl der Nicht-Bekannte aus der gleichen Stadt, der Bewohner des nächsten Dorfes, der Zuzügler aus einer anderen Region des gleichen Landes oder der Angehörige einer anderen Nation sein. Das heißt, er kann durchaus Mitglied eines Großkollektivs sein, wodurch er mit den Personen, die ihn ablehnen, verbunden ist, und gleichzeitig – weil Nicht-Mitglied eines Unterkollektivs - als Fremder eingestuft werden und daher zum Opfer von Fremdenfeindlichkeit werden (Zerger J., 1997, S.95).

Fremdenfeindlichkeit beschränkt sich nicht auf fremde Gebiete der Erde oder Staatsbürgerschaften. Vielmehr sind diejenigen Fremde, die aus Sicht der In-Group Merkmale, die auf Zugehörigkeit verweisen, nicht besitzen (Jaschke, 1994; Gomischak). Die emotionale Basis von Fremdenfeindlichkeit richtet sich gegen fremde und unvertraute Menschen und nicht nur gegen ethnisch Fremde (Holtmann, Jaeck & Völkl, 2009). Soziale Vorurteile sind nicht nur auf Ausländer bezogen.

Die gegenwärtige Forschung verweist drauf, dass es sich beim hypothetischen Konstrukt der „Fremdenfeindlichkeit“, um einen Oberbegriff verschiedener Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Fremden handelt.

Zur Erklärung von Fremdenfeindlichkeit werden sowohl psychoanalytische, sozialpsychologische, soziologische Ansätze wie auch politikwissenschaftliche, belastungstheoretische und geschlechtsspezifische Erklärungsansätze herangezogen.

Die Auseinandersetzung mit einigen Erklärungsansätzen wird zur Analyse der Entstehung von Fremdenfeindlichkeit in dieser Arbeit vorgenommen. Dabei sollen Zusammenhänge zwischen Tendenzen zu fremdenfeindlichen Einstellungen und möglichen Einflussfaktoren erfragt und analysiert werden. Die vorliegende Studie kann nur die individuellen fremdenfeindlichen Einstellungen erheben, nicht aber auf bestimmte Verhaltensweisen schließen oder diese vorhersagen.

Fragestellungen und Hypothesen

Jeder Mensch besitzt fremdenfeindliche Tendenzen, die ihm teilweise nicht bewusst sind oder er nicht als fremdenfeindlich wahrnimmt. Im Rahmen dieser Arbeit sollen nun Zusammenhänge zwischen möglichen Einflussvariablen und der Tendenz zu fremdenfeindlichem Denken bearbeitet werden.

Held et al. zeigten 1991 in einer Studie mit deutschen Jugendlichen einen Zusammenhang zwischen Aufstiegs- und Leistungsideologien und Ausgrenzungsforderungen gegenüber Fremden. Auch instrumentelle Arbeitsorientierung hängt mit partikularistischen Einstellungen zusammen (Heitmeyer, 1993), da man sich in einem ständigen Konkurrenzkampf zur Aufwertung der eigenen Person befindet.

Sowohl das Einstellungssyndrom des Ökonomismus wie auch des Wohlstandschauvinismus sprechen für einen Zusammenhang zwischen Leistungsorientierung und Fremdenfeindlichkeit.

Des Weiteren fungiert Leistung in der heutigen Gesellschaft als Schichtungsmittel und wird zur Rechtfertigung sozialer Unterschiede genutzt. Daraus resultiert ein permanenter Wettbewerb, der sozioökonomische Statusängste und Neidgefühle auslöst (Berghold, 2007). Werden Fremde als Konkurrenten am Arbeits- und Wohnungsmarkt gesehen, wird die Statuskonkurrenz verschärft. Um den eigenen Statusverlust zu verhindern, werden selbst unfaire Methoden wie Diskriminierung genutzt (Pickett & Wilkinson, 2009).

Aus diesen Gründen wird ein Zusammenhang zwischen Leistungs- und Wettbewerbsorientierung und fremdenfeindlichen Einstellungen vermutet.

Leistungsorientierung beeinflusst fremdenfeindliche Einstellungen dahingehend, dass diese mit zunehmender Leistungsorientierung stärker werden (Hypothese 1).

Die Bedeutung von Gruppen für die eigene Identität ist Gegenstand unzähliger wissenschaftlicher Theorien (Selbestkategorisierungstheorie (Tuner, 1987), Realistic Group conflict theory (Sherif et al., 1961), Theorie der Intergruppenkontakte (Prettigrew, 1998), Theorie der sozialen Identität (Tajfel & Turner, 1979/1986)). Fremde, die diesen Gruppen nicht angehören, stellen eigene Werte und Normen in Frage und werden als Bedrohung empfunden. Nationalismus und Patriotismus hegen Loyalität gegenüber der Nation und sind Folgen einer zugrunde liegenden nationalen Identität (vgl. Blank & Schmidt, 1993, 1997,2001,2003). Die Differenzierung zwischen patriotischem und nationalistischem Nationalstolz konnte in der Empirie als sinnvoll bestätigt werden (Adorno et al., 1950), da Identifikation mit einer nationalen Gemeinschaft mehrdimensional ist und von der Abwertungsdimension getrennt gesehen werden kann (Fleiß et al., 2009). Nationalistischer Nationalstolz zeigt hohe, positive Korrelationen mit der Bewahrung nationaler Eigenständigkeit und mit Ablehnung ethnischer Fremdgruppen (Blank & Schmidt ,; Cohrs., 2004; Mummendey & Simon, 1997). Sozialpsychologische Erklärungsansätze stützen Annahmen, dass Menschen mit hohem Nationalstolz größere Vorurteile gegenüber Ausländern haben, diese aber vermehrt bei nationalistischer Identifikation auftreten (Mummendey & Simon).

Daraus lässt sich ableiten, dass ausgeprägterer Nationalstolz zu fremdenfeindlicheren Einstellungen führt (Hypothese 2) und dass nationalistischer Nationalstolz stärkeren Einfluss auf fremdenfeindlichere Einstellungen besitzt als patriotischer Nationalstolz (Hypothese 3).

Fremdenfeindlichkeit kann als Verteidigung traditioneller Werte gesehen werden, gegen die Fremde angeblich verstoßen und demnach als Eindringlinge, als Gefahr für die nationale Einheit gedeutet werden (Pettigrew & Meertens, 1995). Die aus Desorientierungshypothesen abgeleitete Angst vor Überfremdung, kann als Gefahr für die kulturelle Identität der eigenen Nation interpretiert werden und führt zu vermehrten Anpassungsforderungen (Dahmer, 1995; Holtmann et al.).

Somit sollten Personen mit höherem Nationalstolz, denen diese Werte und Traditionen mehr bedeuten, stärker nach Assimilation von Fremden fordern (Hypothese 4).

Nationalismus und Ethnozentrismus sind einander sehr ähnliche Begriffe, die Fremdgruppen abwerten und gleichzeitig Eigengruppen idealisieren. Es ist anzunehmen, dass Personen mit ausgeprägtem Ethnozentrismus auch stärkere Diskriminierungstendenzen aufweisen.

In diesem Sinne wird erwartet, dass Personen mit hohem Nationalstolz auch hohe Ethnozentrismuswerte besitzen (Hypothese 5).

Übertriebene Konzentration auf ethnisch-nationale Zugehörigkeit, die nur einen kleinen Teil der Identität ausmacht, ist ein Zeichen von geringem Selbstwert (Berghold; Tajel). Zur Definition des Selbst ist laut Willems (1993) Fremddefinition nötig. In Konkurrenzsituationen wird Fremdheit schnell in Feindbilder umgewandelt. Aus Untersuchungen bezüglich Selbstwert in totalitären Massenbewegungen ist ein Zusammenhang zwischen Selbstzweifel und Anfälligkeit für Führungsideologien bekannt (siehe Hoffer). Somit sollte ein niedriges Selbstwertgefühl mit fremdenfeindlicheren Einstellungen einhergehen.

Es wird angenommen, dass sich fremdenfeindliche Einstellungen mit abnehmendem Selbstwert erhöhen (Hypothese 6).

In kapitalistischen, modernen Gesellschaften führt Individualisierung zur Auflösung sozialer Milieus, welche wegen Desorientierung, Überfremdung und Orientierungslosigkeit in der Gesellschaft entsteht. Fremde werden „als Boten der Globalisierung“ gesehen und für schnelle soziale Veränderungen verantwortlich gemacht (Henze). Pluralismus und Subjektivismus verringern gemeinsame Wert- und Normvorstellung, wodurch Normen der Akzeptanz und Toleranz weniger stark vertreten werden und die Entstehung von Fremdenfeindlichkeit begünstigen (Heitmeyer).

Um Vereinzelungserfahrungen zu entweichen, werden Fremdgruppen gemeinsam diskriminiert und somit die Solidarität innerhalb der Gruppe gestärkt. Gemeinsames Diskriminieren erzeugt Zugehörigkeitsgefühle zum imaginär homogenisierten Kollektiv (Dahmer). In Zeiten kollektiver Verunsicherung werden sozial-relevante Unterschiede zwischen In-Group und Out-Group verstärkt betont, um mit Hilfe von Grenzziehungsprozessen, Gruppen als feststehende Einheiten erscheinen zu lassen und somit Orientierung zu erlangen (Latcheva, 2007; Bauriedl, 1992).

Bedenkt man, dass Feindbilder meist Ausdruck von Angst und Unsicherheit sind (vgl. Bauriedl; Dahmer), so wird versucht herrschende Entfremdungsangst in Überfremdungsangst umzuwandeln (Markus, 1995). Fremde dienen als Stellvertreter, auf die Ängste projiziert und bekämpft werden. Die entstehende Illusion von Stärke und Kontrolle führt zu Erleichterung (Berghold). Auch die Sündenbock-Theorie verweist auf eine solche Annahme.

Fremdenfeindlichkeit kann im Zuge von Desintegrationsprozessen bei der Suche nach Gewissheit und Zugehörigkeit dienen.

Aus diesen Gründen ist anzunehmen, dass fremdenfeindliche Einstellungen bei Personen, die vermehrt an Zukunftsängsten und sozialer Desorientierung leiden stärker ausgeprägt sind (Hypothese7) .

Die Friedrich-Ebert-Stiftung stellte einen Zusammenhang wirtschaftlicher Deprivation und Fremdenfeindlichkeit fest, der durch den Wettbewerb um soziale Ressourcen entsteht. Eine subjektive wirtschaftliche, soziale oder politische Deprivation bewirkt Frustration, welche entsprechend der Frustrations-Aggressions-Hypothese Aggressionsentladung am Fremden bewirkt, da Fremde als zusätzliche äußere Bedrohung wahrgenommen werden, denen Schuld an der eigenen Lage gegeben wird (Berghold; Dollard et al., 1939; Han, 2010; Decker & Brähler).

Sowohl Sündenbocktheorie wie auch stress- und belastungsorientierte Erklärungsansätze verweisen auf eine erhöhte Vorurteilsempfänglichkeit und fremdenfeindlichere Einstellung unter diesen Umständen ( Wagner & Zick, 1995).

Somit wird angenommen, dass relative soziale Deprivation zu verstärkter Fremdenfeindlichkeit führt (Hypothese 8).

Versuchsplanung und Methodik

Materialien

Die Befragung erfolgt mittels Fragebogen aus 56 Items und 11 Skalen. Antwortformate und Antwortmöglichkeiten wurden zur leichteren Ausfüllbarkeit für alle Skalen vereinheitlicht.

Es wurden fünfstufige Liker-Skalen verwendet, um die Zustimmung zur jeweiligen Aussage zu erfassen; das bedeutet, dass Probanden für jedes Item zwischen den Antwortvorgaben „stimme stark zu“, „stimme zu“, „weder noch“, „lehne ab“ oder „lehne stark ab“ wählen konnten. Manche Items wurden negativ formuliert, um der Tendenz des Jasagens entgegenzuwirken. Die Antworten wurden so kodiert, dass hohe Werte hohe Ausprägungen indizieren. Skalenmittelwerte bewegen sich zwischen 0 und maximal 4.

Die Thematik „Fremdenfeindlichkeit“, welche viele Phänomene umschreibt, wird in dieser Studie nicht in allen möglichen Facetten sondern nur in Hinblick auf Vorurteile, Einstellung zur Migration, Ethnozentrismus, Assimilationsforderungen und Rassismus behandelt, welche zu einem Fremdenfeindlichkeitswert zusammengefasst werden.

Durch abwechseln der Skalen des Fremdenfeindlichkeitswertes und Skalen der unabhängigen Variablen wurde versucht, den Grund der Befragung unbekannt zu halten und somit Verzerrungen durch sozial erwünschtes Antwortverhalten zu verhindern.

Der Fragebogen ist aus den Skalen soziale Deprivation (5Items), negative Vorurteile (7 Items), Leistungsorientierung (7 Items), Einstellung zu Migration (4 Items), patriotischer Nationalstolz (6 Items), Assimilationsforderungen (5 Items), Selbstwert (4 Items), Ethnozentrismus (5 Items), nationalistischer Nationalstolz (4 Items), Rassismus (4 Items) und soziale Desorientierung (5 Items) zusammengestellt.

Untersuchungsablauf

Die Probanden erhielten per E-Mail die Bitte an der Studie teilzunehmen, wofür ihnen ein Link zum Fragebogen gesendet wurde. Dieser öffnete eine neue Seite, in der die Versuchsanleitung (siehe Anhang E) über das Vorgehen der Beantwortung informierte. Die entsprechende Antwortmöglichkeit konnte angeklickt und Fragen nochmals umgeändert oder ausgelassen werden.

Das Ausfüllen des Fragebogens dauerte ca. 25 Minuten, was als zumutbar gilt (vgl. Roth, 1987).

Bei einem anderen Teil der Probanden (N = 30) wurde die Befragung mittels Papier-Bleistift-Test durchgeführt. In gedruckter Form wurde der Fragebogen im E-Tech-Center in Linz und an persönliche Kontakte ausgeteilt.

Rücklaufquoten können nicht genau bestimmt werden, sind aber als hoch einzuschätzen.

Beschreibung der Stichprobe

An der Befragung nahmen 70 Personen teil, davon 40 über Onlinebefragung. Fremdenfeindlichkeit wiederspricht universalistischen Normen und Werte und wird somit von der Öffentlichkeit missbilligt. Um dennoch möglichst ehrliche Beantwortungen zu erhalten, wurde bei der Datenerhebung auf Anonymität geachtet. Auf soziodemografische Daten, die für die Analyse nicht benötigt würden, wurde daher verzichtet.

In den erhobenen Daten befinden sich weder ausgelassene Items noch abgebrochene Befragungen. Die Auswahl der Probanden erforderte außer der österreichischen Staatsbürgerschat keine genaueren Kriterien. Es nahmen ausschließlich Österreicher, deren Familien bereits über Generationen in Österreich leben, teil. Durch Ausgabe der Fragebögen an Personen verschiedener Altersgruppen und Bildungsschichten wurde eine möglichst heterogene Stichprobe erhofft.

Ergebnisse

Die Auswertung des Fragebogens erfolgte mittels EXEL und SPSS. Die Kodierung der Antwortformate war zur vereinfachten Einschätzung der erhobenen Konstrukte über alle Skalen gleich gewählt. Für das fünfstufige Antwortformat wurden zwischen vier (für stimme stark zu) und null (für lehne stark ab) Wertepunkte vergeben. Negativ kodierte Antwortformate wurden umgepolt und aus den Wertepunkten der einzelnen Items Skalenmittelwerte berechnet, welche einen Maximalwert von 4 erreichen konnten. Beim Skalenmittelwert handelt es sich um die durchschnittlich gewählte Antwortmöglichkeit einer Skala, der sich direkt mit den Mittelwerten der anderen Skalen vergleichen lässt.

Die Daten wurden mittels Kolmogorov-Smirnov-Test auf Normalverteilung geprüft (siehe Tabelle A2). Zur Hypothesenprüfung für normalverteilte Variablen wurden die Pearson Korrelation, ansonsten die nonparametrische Korrelationen nach Spearman berechnet.

Da es bei der Befragung zwei unterschiedliche Erhebungsarten gab, wurde ein t-Test für unabhängige Stichproben zur Überprüfung von Unterschieden in der Beantwortung eingesetzt. Befragte, die den Fragebogen online beantworteten, zeigen auf keiner der Skalen signifikante Unterschiede zu Befragten, welche eine Papier-Bleistift-Version bearbeiten (siehe Tabelle B1).

Fremdenfeindlichkeitswerte

Tabelle A 10 im Anhang stellt die Interkorrelationen sämtlicher Skalenmittelwerte von Fremdenfeindlichkeit dar, welche meist hoch signifikant miteinander korrelieren und einen hohen positiven Zusammenhang anzeigen. Alle Subskalen der Fremdenfeindlichkeit korrelieren signifikant, was auf die Validität des Fremdenfeindlichkeitswertes hinweist.

Tabelle 1

Deskriptive Angaben zu den Subskalen des Fremdenfeindlichkeitswertes mit Ausprägungen zwischen 0 und 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Leistungsorientierung

Der Skalenmittelwert ( M = 2,1, SD = 0,6) liegt annäherungsweise in der Mitte der Antwortmöglichkeiten, was auf eine durchschnittliche Bewertung der Items mit „weder noch“ hinweist.

Um die Befragten zu kategorisieren wurde an Hand des Medianes in die Gruppen „niedrige Leistungsorientierung“ und „hohe Leistungsorientierung“ geteilt. Bei hoher Leistungsanforderung zeigte sich eine mittlere Fremdenfeindlichkeit von 2,1 ( SD = 0,6 ), wohingegen Personen mit niedriger Leistungsorientierung eine durchschnittliche Fremdenfeindlichkeit von 1,4 ( SD = 0,6) aufweisen. Tabelle A3 illustriert die Verteilung der Befragten. Personen mit höherer Leistungsorientierung weisen höhere Fremdenfeindlichkeit auf ( t = -4,4, df = 68, p < .01).

Hypothesenkonform zeigte sich ein deutlich überzufälliger, positiver Zusammenhang zwischen Leistungsorientierung und fremdenfeindlichen Einstellungen ( r = .61, p < .01). Nach Cohen (1988) kann ein solcher Korrelationskoeffizient als großer Effekt interpretiert werden. Abbildung D2 visualisiert den Anstieg der Fremdenfeindlichkeitswerte bei steigender Leistungsorientierung. Dieser Zusammenhang wird auf Grund der angeführten Theorien so interpretiert, dass Leistungsorientierung 37 % der Varianz der gesamten Fremdenfeindlichkeit in der aktuellen Stichprobe erklärt.

Die errechneten Korrelationskoeffizienten zeigen hoch signifikante Zusammenhänge zwischen Leistungsorientierung und fremdenfeindlichen Einstellungen in allen fünf Subskalen des Fremdenfeindlichkeitsindexes (siehe Tabelle C1).

Die beschriebenen Ergebnisse bestätigen, dass eine bedeutsame Assoziation zwischen dem Ausmaß der Leistungsorientierung und der fremdenfeindlichen Einstellung vorliegt und die erste Hypothese bestätigt.

Nationalstolz

Der Nationalstolzwert ( M = 2,36, SD = 0,53 ) berechnete sich aus den Mittelwerten der Skalen patriotischer und nationalistischer Nationalstolz. Diese gemittelten Werte reichten von 0,63 bis zu 3,63 und decken beinahe das gesamte Spektrum der Antwortmöglichkeiten ab. Nach Median-Dichotomisierung besitzen Probanden der Kategorie „hoher Nationalstolz“ eine mittlere Fremdenfeindlichkeit von 1,9 ( SD = 0,7 ; Tabelle A4). Der Mittelwert fremdenfeindlicher Einstellungen von Befragten mit niedrigen Nationalstolz liegt bei 1,5 ( SD = 0,5 ). Ein t-Test für unabhängige Stichproben bestätigt, dass Personen mit hohem Nationalstolz fremdenfeindlichere Einstellungen aufweisen ( t = -2,7, df = 59,4, p < .05).

Es besteht ein hoher, positiver Zusammenhang zwischen Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeitswerten ( r = 0,64; p < .00 ). Auf Grund der zuvor erläuterten Theorie wird von einem starken Effekt (vgl. Cohen) des Nationalstolzes auf Fremdenfeindlichkeitswerte ausgegangen, wobei Nationalstolz 42 % der Varianz der gesamten Fremdenfeindlichkeit in der vorliegenden Stichprobe erläutert.

Abbildung D3 verdeutlicht grafisch das Zustandekommen der signifikanten, positiven Korrelation zwischen Nationalstolzwerten und dem Fremdenfeindlichkeitswerte.

Dass hoher Nationalstolz zu stärkeren fremdenfeindlichen Einstellungen führt (H2), wird bestätigt.

Auf der Skala „patriotischer Nationalstolz“ ( M = 2,3, SD = 0,5 ) reichten die Skalenmittelwerte von 1 bis 3,5, wonach das Antwortformat „lehne stark ab“ im Durchschnitt nicht verwendet wurde.

60 % der Befragten besitzen stark ausgeprägten patriotischen Nationalstolz und ihr durchschnittlicher Fremdenfeindlichkeitswert ( M = 1,9, SD = 0,6 ) ist signifikant höher als der von Probanden mit niedrigem patriotischen Nationalstolz ( M =1,5, SD = 0,6 ; t = -2,4, df = 68, p < .05).

Die Skala nationalistische Nationalstolz ( M = 2,3, SD = 0,7 ) besitzt eine hohe Bandbreite der Skalenmittelwerte (0,25 bis 4,0). Unter den Befragten herrscht keine Einigkeit zu Aussagen dieser Skala. Es gibt Probanden, die beinahe alle Aussagen stark ablehnten, aber auch einige, die jedem Item der Skala stark zustimmten.

Bei 65,7 % (46 Befragte) sind hohe Ausprägungen nationalistischen Nationalstolzes vorhanden, welche durchschnittliche Fremdenfeindlichkeitswerte von 2,1 ( SD = 0,6 ) besitzen. Befragte der Kategorie niedriger nationalistischer Nationalstolz ( n = 24 ) weisen mittlere Fremdenfeindlichkeitswerte von 1,2 ( SD = 0,5 ) auf. Personen mit hohem nationalistischen Nationalstolz besitzen signifikant höhere Fremdenfeindlichkeitswerte ( t = -5,3, df = 68, p < .00).

Wie bereits aus der deskriptiven Analyse ersichtlich, zeigte ein t-Test für gepaarte Stichproben, dass zwischen den beiden Subskalen kein signifikanter Unterschied besteht ( t = 0,6, df = 69, p = .51 ). Die Skalen patriotischer und nationalistischer Nationalstolz korrelieren am 5 Prozent Niveau signifikant ( r = .301 ).

Patriotischer Nationalstolz ( r = 0,38 ) und auch nationalistischer Nationalstolz ( r = 0,62 ) korrelieren höchst signifikant mit Fremdenfeindlichkeitswerten. Ein Vergleich dieser beiden Korrelationen zeigte einen signifikant höheren Zusammenhang zwischen nationalistischen Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit (t krit = 1,99, tbeob = -2,17, p < .05 ).

Wegen den Ergebnissen vorangegangener Studien wird dieser Zusammenhang so interpretiert, dass nationalistischer Nationalstolz 39 Prozent und patriotischer Nationalstolz 15 Prozent der Gesamtvarianz der Fremdenfeindlichkeit in der Stichprobe der Befragten erklärt.

Dass nationalistischer Nationalstolz die Entstehung von Fremdenfeindlichkeit eher begünstigt als patriotischer Nationalstolz, wird somit bestätigt (H3).

Nationalstolz korreliert mit allen Unterskalen des Fremdenfeindlichkeitsindex (Tabelle C 5). Ebenso zeigen sich hoch signifikante Korrelationen mit „Assimilationsforderungen“ ( r = 0,57). Diese Korrelation wird so interpretiert, dass Nationalstolz bei einem mittleren Effekt auf Assimilationsforderungen 39 % der Varianz der Gesamtvarianz der Assimilationsforderungen aufklärt.

Personen mit hohen Nationalstolzwerten haben auch hohe Assimilationsforderungen, was Hypothese 4 bestätigt.

Nationalstolzwerte und auch nationalistischer Nationalstolz zeigen hoch signifikante, mittlere, positive Zusammenhänge zur Subskala „Ethnozentrismus“. Einzig patriotischer Nationalstolz korreliert mit Ethnozentrismus nur gering positiv.

Tabelle 2

Korrelationskoeffizienten nach Pearson

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung. Koeffizienten mit **sind signifikant mit p < .01 a berechnet aus den Mittelwerten der Skalen patriotischer und nationalistischer Nationalstolz

Werden die Median-dichotomisierten Gruppen des nationalistischen Nationalstolzes verglichen, weisen Personen mit hohem nationalistischen Nationalstolz (M = 1,9, SD = 0,5 ) höhere Ethnozentrismuswerte als Personen mit geringem Nationalstolz ( M = 1,2, SD = 0,4 ) auf ( t = 5,0, df = 68, p < .00 ).

Personen mit hohem nationalistischen Nationalstolz erreichen hohe Ethnozentrismuswerte, womit Hypothese 5 bestätigt wird.

Selbstwert

Die Teilnehmer der Befragung stimmten allen Items zu und weisen sehr hohen Selbstwert auf (M = 3,2, SD =0,4 ). Bezüglich des Selbstwerts besteht ein homogenes Bild der Befragten. Die mittlere Zustimmung zu den einzelnen Items reichte von 2 bis 4, wonach die Antwortformate der Ablehnung oder starken Ablehnung nicht gewählt wurden und alle Probanden allen Items zustimmten.

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Details

Seiten
48
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668333390
ISBN (Buch)
9783668333406
Dateigröße
729 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342082
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
sehr gut
Schlagworte
Fremdenfeindlichkeit Leistungsorientierung soziale Deprivation soziale Desorientierung nationalistischer Nationalstolz patriotischer Nationalstolz Selbstwert

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Titel: Fremdenfeindliche Einstellungen und mögliche Auslöser