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Die Veränderung der Liebe und der Partnerwahlkriterien. Liebesbeziehungen früher und in Zeiten des Internets

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

1 Einleitung

Wir leben heute in einer Zeit, wo das Internet unser Leben in vielfacher Weise beeinflusst. Es ändert die Art und Weise, wie wir lernen, uns Informationen beschaffen, Kontakte knüpfen und vieles mehr. Soziale Kontakte werden im Internet gepflegt, oder sogar gefunden. Das Internet ist zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden, in dem Online- Einkäufe und ähnliche Aktivitäten, die man im Internet betätigt, zur Normalität geworden sind. Sie sind in unserer modernen, immer sich weiter entwickelten Gesellschaft, nicht mehr wegzudenken. Sie helfen uns mit der Komplexität der Welt klarzukommen.[1]

Das Internet hat auch einen sehr großen Einfluss auf unsere Liebesbeziehungen und allgemein auf unser Verständnis von Liebe. Durch die vielfältigen Möglichkeiten wachsen unsere Ansprüche und es wird immer schwieriger einen Partner, der unseren Idealen entspricht, zu finden. Eva Illouz betrachtet die moderne Liebe als einen offenen Marktplatz, der durch Angebot und Nachfrage geregelt wird.[2]

Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, wie sich die Liebe und damit verbundenen Partnerwahlkriterien im Verlauf der Zeit verändert haben. Dank des Internets haben die Menschen nämlich unzählige neue Möglichkeiten gewonnen, die die Suche nach ihrem Traumpartner ermöglichen aber nicht unbedingt einfacher gestalten. Zwei wichtige Varianten der Partnersuche im Internet bilden Singlebörsen und Partnervermittlungen. In Singlebörsen sind eher junge Leute zu finden, die auf der Suche nach Flirt und Spaß sind. Bei Partnervermittlungen handelt es sich um älteres Publikum, das an längerfristigen Partnerschaften interessiert ist.[3]

Ich gehe zuerst auf die Aspekte der Liebe und der Partnerschaft ein und nähere mich dann langsam den Onlinebörsen.

2 Was ist Liebe?

„Die eigentliche und totale Antwort auf die existentielle Frage liegt in der zwischenmenschlichen Vereinigung, in der Vereinigung mit einem anderen Menschen, in der Liebe“.[4] (Fromm 1976,S.36)

Liebe wird seit Langem als eine Erfahrung bezeichnet, die überraschend auf uns zukommt und uns bewältigt. Dieser Macht können wir uns nicht entziehen, ganz egal was wir gegen dieses Gefühl tun. Es ist stärker als der Wille des Menschen.[5] Wie oben von Fromm zitiert, ist die Liebe das, wonach die Menschen in ihrem Leben suchen. Aber obwohl über die Liebe so viel gesungen, geschrieben und gesagt wird, ist es nicht einfach zu erklären, was sie genau ausmacht. Laut sämtlichen Definitionen ist die Liebe ein Gefühl der höchst intensiven Zuneigung. Jeder von uns hat verschiedene, individuelle Vorstellungen von diesem Gefühl. Dem russischen Schriftsteller Dostojewski zufolge, haben wir mit Liebe zu tun, wenn zwei Menschen sich nicht nur sehr gerne haben sondern vor allem ein gemeinsames Ziel verfolgen und dafür zusammen verschiedene Anforderungen übernehmen. Gemäß des französischen Philosophs Gabriel Marcel zeichnet sich Liebe damit aus, dass die zwei Liebenden miteinander alt werden wollen. Das heißt, dass sie dafür bereit sind, nicht nur in guten sondern auch in schlechten Zeiten gemeinsam durch das Leben zu gehen.[6] Die bekannte Trauformel besagt: „Ich verspreche dir die Treue in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet…“[7]. Sich dem Partner hinzugeben und gleichzeitig seine eigene Identität zu bewahren ist nach Fromm die „reife Liebe.“ Der Mensch bekommt die Liebe nicht einfach von Gott geschenkt. Er muss an ihr arbeiten. Sie ist nämlich eine aktive Leistung des Menschen, das wechselseitige Verhältnis von Geben und Nehmen.[8] Dies spiegelt sich im folgenden Zitat wieder:

„…von seiner Freunde, von seinem Interesse, von seinem Verständnis, von seinem Wissen, von seinem Humor und von seiner Traurigkeit- kurz, von allem, was in ihm lebendig ist. Und dadurch, dass er von seinem Leben gibt, bereichert er den anderen, steigert er das Lebensgefühl des anderen in der Steigerung des eigenen Lebensgefühls“ ( Fromm 1976, S.44)

2.1 Niklas Luhmann und seine Sicht auf die Liebe

Der deutsche Soziologe und Systemtheoretiker Niklas Luhmann hat in seinem Buch „Liebe als Passion“ untersucht, wie die Gesellschaft unsere Vorstellungen von der Liebe prägt. Bis heute haben seine Thesen große Gültigkeit. Liebe ist für ihn „ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium“ sozusagen eine Einrichtung, die dabei helfen soll, Probleme, die bei der Kommunikation auftreten, zu bewältigen. Die verschiedenen symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien mit dazu gehörigen Codes sind für sein Soziologieverständnis charakteristisch. Luhmann will die Liebescodes durch Abstraktion mit anderen Codes z.B. Macht, Geld, Wahrheit vergleichen.

Er weist nach, dass die Liebe und auch andere Kommunikationsmedien kulturellen und gesellschaftlichen Regeln unterworfen sind, da mit wachsender Komplexität des Gesellschaftssystems auch die Selektivität aller Festlegungen größer wird.[9] Wie das folgende Zitat:

„In diesem Sinne ist das Medium Liebe selbst kein Gefühl, sondern als Kommunikationscode, nach dessen Regeln man Gefühle ausdrücken, bilden, simulieren, anderen unterstellen, leugnen und sich mit all dem auf die Konsequenzen einstellen kann, die es hat, wenn entsprechende Kommunikation realisiert wird.“( Luhmann 1994, S.23)

illustriert, behandelt er die Liebe nicht als ein Gefühl sondern als ein Code, nach dessen Regeln man Gefühle ausdrücken kann. In diesem Code ist sogenannte „Bedeutungssteigerung“ verwurzelt, die „das Lernen des Liebens, die Interpretation der Anzeichen und die Mitteilung einer Zeichen für große Gefühle ermöglicht; und es ist der Code, der Differenz erfahrbar werden läßt und die Nichterfüllung mitexaltiert.“Insbesondere werden zwischen den Verliebten spezifische Sprechweisen entwickelt, die der Liebe spezielle Form geben.[10]

Luhmann zufolge geht es in der Liebe nicht um die „totale Kommunikation“, nicht um die volle Konzentration auf den Partner, sondern darum, dass die Verhältnisse auf Universalität des Bezugs auf den Partner und dessen Beachtung in allen Lebenslagen beruhen.[11]

Liebe hat laut dem Soziologen sehr großen Einfluss darauf, wie man Sachen erlebt. Sie verändert damit „die Welt als Horizont des Erlebens und Handelns mit der ihr eigenen Totalität“. Dank dieses besonderen Gefühls gewinnen gewisse „Dinge und Ereignisse, Personen und Kommunikationen“ an Bedeutung. Sie werden anders wahrgenommen. Die verliebten Menschen schaffen sich ihre eigene Welt, „die Welt des gemeinsames Geschmacks und der gemeinsamen Geschichte, der besprochenen Themen und bewerteten Ereignisse.“[12]

2.2 Die Transformation der Liebe

Liebe hat sich im Laufe der Zeit in sehr großen Maße verändert. Jeder von uns hat bestimmt schon mal ein Roman gelesen, in dem Liebe mehrmals als ein schmerzhaftes Gefühl beschrieben wird. Eva Illouz beschreibt in ihrem Buch kurz die Geschichte von Heathcliff und Catherine von „Sturmhöhe“. Die beiden waren ineinander verliebt. Da aber der Heathcliff nicht gesellschaftlich angemessen für die Catherine war, entschied sie sich einen anderen zu heiraten. Als der Verliebte diese Nachricht hörte, lief er für immer weg. Catherina wurde todeskrank, weil sie ihn nicht mehr finden konnte.

Solche Geschichten zeigen, wie sehr die Liebe früher durch die Gesellschaft geprägt war. Diese Romanheldin konnte ihre Liebe nicht zum einzigen Kriterium ihrer Wahl machen, weil gesellschaftliches Sein in diesen Zeiten wichtiger war. Heutzutage ist das kein Problem mehr. Wir können und sollen sogar unserem Herzen folgen, wenn wir glücklich werden wollen.[13] Die moderne Liebe hat es heute „einfacher“. Wenn eine Person Liebesprobleme hat, muss sie nicht wie die Romanhelden weglaufen oder Selbstmord begehen. Die Verzweifelten haben heute vielfache Möglichkeiten, die ihnen helfen die Liebesqualen durchzustehen. Sie können z.B. eine Paartherapie machen oder sich einfach im Internet über die Probleme austauschen.[14] Die Veränderung der Liebesqualen gibt das folgende Zitat wieder:

„Das moderne Liebesleid zieht einen nahezu endlosen Kommentar nach sich, dessen Zweck darin besteht, seine Ursachen zu verstehen und mit den Wurzeln auszureißen. Zu sterben, Selbstmord zu verüben oder ins Kloster zu gehen, zählt nicht mehr zu unseren kulturellen Repertoires und schon gar nicht mehr zu denen, auf die wir stolz sind.“ ( Illouz 2011, S.11)

Die Bedingungen, unter denen die Menschen die Wahl ihrer Partner treffen, haben sich auch sehr stark verändert. Dies hängt sehr eng mit der Verbreitung des Internets zusammen. Illouz beschreibt es als “die Ökologie und die Architektur der romantischen Wahl.“ Die Veränderung ist auf den Prozess, der „große Transformation“ genannt wird, zurückzuführen. Gemeint hiermit ist jener Vorgang, durch den „der kapitalistische Markt die Wirtschafttätigkeit aus der Gesellschaft und ihren moralischen/normativen Rahmenbedingungen herauslöste, die Wirtschaft auf selbstregulierende Märkte umstellte uns schließlich die Gesellschaft der Wirtschaft unterordnete.“ Die von den Personen abhängige Partnerwahl wurde aus der sozialen Verflechtung abgetrennt und es entstanden selbstregulierende Kontaktmärkte, unter anderem Online-Partnerbörsen. Die Illouz betrachtet die moderne Liebe als Marktplatz, der durch Angebot und Nachfrage geregelt wird.[15]

3 Die Partnerwahl

Bevor ich aber auf die durch das Internet geschaffene Realität näher eingehen werde, möchte ich zunächst allgemein darstellen, was die Partnerwahl ist und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat.

Die Frage, warum sich zwei Menschen füreinander entscheiden und dann ineinander verlieben, ist nicht einfach zu beantworten. Wir verlangen nach einem ganz bestimmten Typ, der uns das Gefühl gibt, endlich den Menschen gefunden zu haben, den man schon die ganze Zeit gesucht hat. Wenn wir dann „von Amors Pfeil getroffen“ werden, glauben wir, diese Person ist die einzige mit diesen Besonderheiten, die wir uns in unserem Traumpartner schon immer gewünscht haben.[16] Die Partnersuche bringt die Individuen in eine Situation der Rivalität mit anderen Suchenden, die gleiche Erwartungen an den zukünftigen Partner haben. Das Treffen mit den potentiellen Partnern wird also durch einen oben schon erwähnten „offenen Markt“ reguliert, in dem jeder jeden kennen lernen kann, aber gleichzeitig auch mit anderen um die populären Kandidaten kämpfen muss.[17] Dieses Phänomen findet seine Zuspitzung auf den verschiedenen Onlineplattformen, wo die Rivalität enorm groß ist. An dieser Stelle muss man auch sagen, dass die romantischen Beziehungen heutzutage zu Gunsten von partnerschaftlichen an Bedeutung verloren haben. In der Gegenwart suchen wir hauptsächlich nach gleichgestellten Beziehungsformen, was zu „Diversifizierung der Paar- und Haushaltsformen führt.“[18]

3.1 Die Veränderung der Partnerwahlkriterien

Ein so genannter Heiratsmarkt ist durch viele Eigenschaften gekennzeichnet und im Laufe der Zeit vielen Veränderungen unterzogen worden. In vormodernen Zeiten hat man die Partner „horizontal“ gesucht, also hauptsächlich innerhalb der eigenen Gruppe. Die Konkurrenz war auf die Männer und Frauen derselben Klasse beschränkt und demzufolge nicht so groß. Es gab damals kein Internet, weswegen man sich andere Möglichkeiten als heutzutage aussuchen musste, um neue Leute kennenzulernen, z.B. durch den Besuch bei verschiedenen dörflichen Veranstaltungen. Da in der Moderne sozioökonomische Faktoren und ethnische Zugehörigkeit bei der Partnerwahl keine Fesseln mehr sind, erfolgt die Rivalität nicht nur horizontal sondern auch vertikal. Hinzu kommt noch das Medium „Internet“, das noch bessere Suchmöglichkeiten anbietet. Die Suchenden können sowohl in der eigenen Gruppe als auch außerhalb Ausschau nach potenziellen Partnern halten. Jeder hat einen gleichen Anspruch auf die Suche, weil es keine gruppenspezifische Grenzen mehr gibt. Demzufolge wächst das Angebot sowohl auf den normalen als auch den virtuellen Heiratsmärkten und Menschen müssen immer stärker miteinander konkurrieren.[19]

Die Kriterien der Wahl des Partners, unter anderem „physische Attraktivität, sexuelle Vorlieben, Persönlichkeit und der soziale Status“ wurden subjektiviert. Sie werden zur Sache des individuellen Geschmacks. Der Markt wird somit für die persönlichen Wahlentscheidungen und Vorlieben offen, was sich in der Möglichkeit des Austausches zwischen „Eigenschaften wie Sexyness oder Attraktivität und ökonomischen Status“ auszeichnet.

Die Individuen verinnerlichen heute die ökonomischen Veranlagungen, die bei der Entscheidung behilflich sein können. Die Wahl soll nämlich gleichzeitig „ökonomisch und emotional, rational und irrational sein“. Die beste Wahlentscheidung kommt zu Stande, wenn die ökonomische Kalkulation mit den emotionalen Dimensionen zusammenpasst. Das Individuum leidet unter inneren Spannungen und hat Probleme mit der Wahl, wenn es sich z.B. zwischen einer Person, die ihm sozial angemessen und einer, die erotisch attraktiv ist, entscheiden muss. Eva Illouz gibt es im folgenden Zitat wieder: „Gerade weil er eine Vielzahl von Dispositionen in sich einschließt, ist der sexuell-romantische Habitus sehr kompliziert geworden“.[20]

Auf den modernen Heiratsmärkten können wir das Phänomen beobachten, dass die physische Attraktivität zum Anzeichen des inneren Werts der Person werden. In früheren Zeiten war das nicht der Fall. Die vormoderne Beziehung entstand aufgrund „der objektiven Stellung und daher des objektiven Wertes einer Person“, heute bilden sich die Beziehungen auf Basis von Subjektivität. Das ist das Resultat von unzähligen Tauschmöglichkeiten von verschiedenen Attributen, die dazu führen, dass der Erfolg auf dem Heiratsmarkt zu einem Indiz für den Wert einer Person werden. In Worten von Illouz bedeutet dies: „Erfolg an der Partnerbörse trägt einem nicht nur Beliebtheit, sondern, grundlegender, gesellschaftlichen Wert ein“.[21]

In der Moderne findet also eine große Transformation der Kriterien der Partnerbildung statt. Die physische (und vor allem sexuelle) Attraktivität wird zu einer eigenständigen Dimension der Partnerwahl. In vormodernen Gesellschaften waren Männer und Frauen so zusagen emotional gleichgestellt, da sie ähnliche ökonomische Güter getauscht haben und eine gesellschaftliche Pflicht hatten, zu heiraten. Heute kontrollieren Männer „den Großteil des Eigentums und der Kapitaleinflüsse, was Ehe und Liebe entscheidend für das soziale und ökonomische Überleben von Frauen macht“.[22]

4 Die Suche nach der Liebe im Internet

Wie oben gezeigt, gab es in der Geschichte der Liebe eine Transformation der Partnerwahlkriterien, die dazu führte, dass das sexuelle Verlangen zu einem unabhängigen Kriterium der Partnerwahl wird. Aus diesem Grunde existieren heute viele Orte wie zum Beispiel Nightclubs, Internet-Sexdienste, Kontaktanzeigen, Internet-Partnerbörsen und Partnervermittlungen, die die Gelegenheit zu sexuellen und romantischen Begegnungen bieten.[23] Ich konzentriere mich in dieser Arbeit auf die zwei letzten Möglichkeiten, die auf die Verbreitung des Internets zurückzuführen sind.

Viele Menschen bevorzugen diesen Weg der Suche nach der Liebe, weil sie es im Internet anonym machen können. Im realen Leben fehlt ihnen oft der Mut, solche Erfahrungen zu machen. Die im Internet zu findenden Möglichkeiten der Partnersuche, sind für viele Leute die einzige Chance, der Liebe näher zu kommen.[24]

Es unterliegt keinem Zweifel, dass das Internet in unserem gegenwärtigem Leben sehr große Rolle spielt. Es bietet uns viele neue Optionen, die uns das Leben in vielfacher Weise vereinfachen. Ein Leben ohne das Internet wäre heute für viele Menschen dementsprechend nicht mehr vorstellbar. Weil man im Netz kulturelle Gedanken, gesellschaftliche Regeln und lokale Gewohnheiten wiederfinden kann, ist diese technische Innovation in unserem Jahrhundert zu einem Teil der materiellen Kultur geworden.[25]

4.1 Online-Dating

Online-Dating ist in heutigen Zeiten eine sehr populäre Methode der Partner- bzw. Liebessuche, die auf dem Medium Internet basiert. Sie ist ein wichtiger Punkt im Leben vieler Menschen geworden, der nicht mehr wegzudenken wäre. Die Suche nach der Liebe im Netz soll als eine kulturelle Verfahrensweise angesehen werden, die heute einen wichtigen Forschungsgegenstand darstellt.[26] Diese neue Variante wird als „professionelle Dienstleistung“ von spezialisierten Internetportalen ermöglicht. Dazu zählen verschiedene Single-und Kontaktbörsen und Partnervermittlungen. Zu den populärsten in Deutschland gehören Elite Partner und Parship. Im Jahr 2010 nahmen rund sieben Millionen Leuten in Deutschland das Online-Dating in Anspruch. Diese Branche erwirtschafte somit in dem gleichen Jahr rund 189 Millionen Euro.[27] Zwischen Singlebörsen und Partnervermittlungen gibt es einen großen Unterschied, der unter keinen Umständen übersehen werden sollte. In Singlebörsen sind die Nutzer nämlich vorwiegend junge Leute, die auf der Suche nach Flirt und Spaß sind. Bei den Partnervermittlungen handelt es sich um etwas älteres Publikum, das an langfristigen Partnerschaften interessiert ist.[28] Die Börsenmitglieder sind allgemein gesagt auf der Jagd nach einer Beziehung, die sie glücklich macht und im realen Leben gelebt werden soll.[29]

Obwohl das Online-Dating so verbreitet ist, gibt es auch zahlreiche Beispiele dafür, dass diese Branche oft stereotypisiert und als gefährlich angesehen wird. Viele Leute misstrauen solchen Aktivitäten und haben Angst emotional, finanziell oder sogar körperlich verletzt zu werden. Dies illustriert das folgende Zitat von Julia Dombrowski: „Auf meiner Suche nach Informanten antwortete mir eine Akademikerin, dass ihr zum Online-Dating nur einfalle, dass man dabei seinen zukünftigen Mörder kennenlerne.“[30] Das Online-Dating unterliegt moralisierenden Bewertungen, weil viele daran Zweifel haben, ob die wahre Liebe auf so einem Weg entstehen kann und, ob es sich nicht eher nur um die Bedürfnisbefriedigung handelt.[31] Die Konsumgesellschaft folgt laut Illouz nämlich nicht mehr den sexuellen Regeln und Untersagungen, was zur Entkopplung von Gefühlen und Sex führt. Internet-Portale eignen sich sehr gut dazu, nach rein sexuellen Bekanntschaften Ausschau zu halten.[32]

[...]


[1] Vgl. Hofele Sibylle (2005) „Liebe auf den „ersten Klick““, S.1

[2] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.80

[3] Vgl. Stiftung Warentest: Partnerbörsen. Wo sich die Suche lohnt, http://www.test.de/Partnerboersen-Wo-sich-die-Suche-lohnt-4206342-0/, Abruf:02.03.2013

[4] Vgl. Fromm Erich (1976) „Haben oder Sein“, S.36

[5] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.39

[6] Vgl. Plettenberg Gabriele (1990) „Lebensziel Liebe“, S.5

[7] Vgl. Brautrteff.de: Treueversprechen, http://www.brauttreff.de/trauung/treueversprechen.html, Abruf : 04.03.2013

[8] Vgl. Fromm Erich (1976) „Haben oder Sein“,S.44

[9] Vgl. Luhmann Niklas (1994)„Liebe als Passion“, S.21f

[10] Vgl. Luhmann Niklas (1994)„Liebe als Passion“, S.23f

[11] Vgl. Luhmann Niklas (1994) „Liebe als Passion“, S.25

[12] Vgl. Luhmann Niklas (2008) „Liebe eine Übung“, S.15f

[13] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut”, S.9ff

[14] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.11

[15] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.80f

[16] Vgl. Tai chi & Qigong: Partnerwahl, http://www.schoenheitsforschung.de/partnerwahl.htm, Abruf:04.03.2013

[17] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.101

[18] Vgl. Bühler-Ilieva Evelina (2006) „Einen Mausklick von dir entfernt“, S.56

[19] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.101f

[20] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.102f

[21] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S 103f

[22] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.107f

[23] Vgl. Illouz Eva (2011) „Warum Liebe weh tut“, S.107

[24] Vgl. Dombrowski Julia (2011) „Die Suche nach der Liebe im Netz“, S.65

[25] Vgl. Dombrowski Julia (2011) „Die Suche nach der Liebe im Netz“, S.10f

[26] Vgl. Dombrowski Julia (2011) „Die Suche nach der Liebe im Netz“, S.7f

[27] Vgl. Statista: Statistiken zum Thema Online-Dating, http://de.statista.com/themen/885/online-dating/, Abruf: 04.03.2013

[28] Vgl. Stiftung Warentest: Partnerbörsen. Wo sich die Suche lohnt, http://www.test.de/Partnerboersen-Wo-sich-die-Suche-lohnt-4206342-0/, Abruf: 02.03.2013

[29] Vgl. Dombrowski Julia (2011) „Die Suche nach der Liebe im Netz“, S.10

[30] Vgl. Dombrowski Julia (2011) „Die Suche nach der Liebe im Netz“, S.7f

[31] Vgl. Dombrowski Julia (2011) „Die Suche nach der Liebe im Netz“, S. 74

[32] Vgl. Illouz Eva (20011) „ Warum Liebe weh tut“, S.89

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668319295
ISBN (Buch)
9783668319301
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342078
Institution / Hochschule
Universität Trier – Soziologie
Note
2,3
Schlagworte
Liebe Soziologie Internet Onlinedating

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