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Die Wirkung von Frühpädagogik auf die kindliche Entwicklung. Die Evaluierung von pädagogischer Qualität durch die EPPE Studie

Ausarbeitung 2016 20 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aktueller Forschungsstand

3. Die EPPE-Studie
3.1 Ergebnisse
3.1.1 Effekt des Besuchs einer FF-Einrichtung (im Vergleich zu keinem)
3.1.2 Effekt der Qualität und Umsetzung in FF-Einrichtungen
3.1.3 Effekt der Form der Einrichtung
3.1.4 Effekt der Familie
3. 2 Interpretation der Ergebnisse

4. Das Sure Start Programm

5. Qualitätsbild der EPPE Studie
5.1 Caregiver Interaction Scale
5.2 Early Childhood Environment Rating Scale
5.3 Auswertung

6. Was ist Qualität?
6.1 Fünf Perspektiven der Qualität in Kindertagesstätten
6.2 Pädagogische Qualität nach Tietze
6.3 Deutsche Liga für das Kind

7. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Da Deutschland eine Wissensgesellschaft ist, was eine frühe Heranführung von Kindern an Bildung erforderlich oder zumindest erstrebenswert macht, sieht die deutsche Liga für das Kind unter bildungsökonomischen Aspekten keine Alternative zu einer gut ausgebauten frühen Tagesbetreuung, um allen Kindern gerechte Teilhabechancen bieten zu können. Auch beziehen sie sich auf Rauschenbach und Schilling, welche sagen, jede Investition in frühe Bildung bringe eine volkswirtschaftliche Rendite hervor.1

Die vorliegende Arbeit behandelt den Zusammenhang von Frühförderung und der Entwicklung des Kindes. Dieser wird am Beispiel der EPPE Studie und einem Überblick aus den Erkenntnissen weiterer Studien zu diesem Thema aufgezeigt. Es folgt die Darstellung des Verlaufs und der Ergebnisse der EPPE Studie, sowie die Bedeutung der gewonnenen Erkenntnisse. In diesem Zusammenhang soll auch auf den Einfluss, den die eigene Familie auf die kindliche Entwicklung hat, eingegangen werden. Weiterhin wird ein Programm der frühen Hilfen vorgestellt welches sich an benachteiligte Familien wendet. Im weiteren Verlauf wird ebenfalls das in der EPPE Studie zugrunde liegende Konzept von Qualität in Frühförderungseinrichtungen kritisch beleuchtet. Hierzu werden neben den in der EPPE Studie genutzten Bewertungsskalen weitere Konzepte von Katz, Tietze und der deutschen Liga für das Kind herangezogen.

Abschließend sollen die gewonnenen Kenntnisse in einem zusammenfassenden Fazit dargestellt werden.

In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff der Frühförderung (wird im Folgenden mit FF abgekürzt) verwendet um frühpädagogische Betreuung jeglicher Art zu beschreiben.

2. Aktueller Forschungsstand

In Großbritannien, sowie in Europa existieren eine Vielzahl unterschiedlicher Formen der Einrichtungen für Kinder die noch nicht in die Schule gehen, sie unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich Größe, Alter der Zielgruppen, pädagogischen Ausrichtungen und Umsetzung. Die Ergebnisse der EPPE-Studie führten zum Ausbau der gesamten Einrichtungen für Frühförderung in Großbritannien.2 Neben der EPPE-Studie zeigen weitere, ebenfalls in Großbritannien durchgeführte Studien, dass FF Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat. Hierzu gehört die Forschung von Osborn und Milbank (1987), die aufgrund ihrer Erkenntnisse, aussagen konnten, dass verschiedene Formen der FF die kognitiven Fähigkeiten von Kindern verbessern.3 Goodmans und Sianesis Analyse zeigten (2005), dass FF einen positiven Langzeiteffekt im Bezug auf Kognitionstests (Rechnen und Lesen) hat, welche im Alter von 7 und 16 Jahren erhoben wurden. Darüber hinaus stieg die Wahrscheinlichkeit im Erwachsenenalter neue Qualifikationen zu erwerben und einen Arbeitsplatz zu haben für diejenigen, die im Kindesalter eine FF-Einrichtung besuchten.4 Die Studie von Becker (2011) zeigt eine verbesserte Sprachentwicklung bei Kindern aus niedrigen Bildungsschichten auf, wenn diese FF erhalten.5

Außerhalb von GB, beispielsweise in Uruguay, verglichen Berlinski, Galiani und Manacorda (2008) Geschwister mit und ohne Vorschulerfahrungen und konnten den Nutzen von diesen Erfahrungen bis in die Mittelstufe aufzeigen.6

Weiterhin zeigte eine Metaanalyse von über 125 Studien Zusammenhänge zwischen FF und kognitiver sowie sozio-emotionaler Entwicklung auf. Außerdem konnte ein Zusammenhang zwischen der bewussten Ausrichtung einer Einrichtung auf Bildung und größer ausfallenden Effekten in der Entwicklung der Kinder gezeigt werden.7

Nach einer von der OECD durchgeführten Studie zeigt die Lese- und Schreibfähigkeit im Alter von 15 Jahren einen starken Zusammenhang mit dem Besuch einer FF-Einrichtung, wenn ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ebenjene nutzt, wenn der Besuch über mehrere Monate andauert und wenn die Qualität jener aufrechterhalten wird.

Daraus folgert die OECD: Erhöhung der Teilnehmer einer FF-Einrichtung Leistung und Gerechtigkeit und Verminderung sozioökonomischer Ungleichheiten, solange ein Ausbau der Einrichtungen nicht die Qualität mindert.8

3. Die EPPE-Studie

An der Langzeitstudie nahmen, beginnend im Alter von drei Jahren, über 3.000 Kinder teil, welche von insgesamt 141 Preschools stammten, jene wiederum nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Bei Schuleintritt wurden als Vergleichsgruppe sogenannte „home children“ zusammengestellt, also Kinder, welche keine Frühförderung erhielten. Es fanden regelmäßige Anfertigungen von Entwicklungsprofilen der Kinder statt, wobei die Informationen durch Interviews, Fragebögen und Beobachtungen gewonnen wurden.9

Das Anwenden eines sogenannten Multilevel-Modells sollte ein differenziertes Aufzeigen bestimmter Effekte ermöglichen um diese isoliert erklären zu können. Hierzu zählt der Einfluss des persönlichen, sozialen und familiären Hintergrundes, die Lernunterstützung zu Hause, in den FF-Einrichtungen und den Grund- und weiterführenden Schulen, sowie demografische Informationen.10

3.1 Ergebnisse

Sollen alle Ergebnisse der EPPE-Studie in einem Satz zusammengefasst werden, so zeigt diese das Ausmaß der Effektivität von Einrichtungen zur Frühförderung gemessen an verbessertem „child-outcome“.11 Jedoch lassen sich die Ergebnisse noch weiter aufspalten um so unterschiedliche Facetten und Wirkungsfaktoren aufzeigen zu können.

So lässt sich die voran gegangene Aussage bereits dahingehend präzisieren, dass die EPPE-Studie aufzeigen konnte, dass Frühförderung in hoher Qualität positive Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern zeigt.12

Desweiteren lassen sich die Ergebnisse hinsichtlich folgender vier Faktoren zusammenfassen:

- Effekt des Besuchs einer FF-Einrichtung (im Vergleich zu keinem)
- Effekt der Qualität und Umsetzung in FF-Einrichtungen sowie
- Effekt der Form der Einrichtung
- Effekt der Familie

3.1.1 Effekt des Besuchs einer FF-Einrichtung (im Vergleich zu keinem)

Hinsichtlich des ersten Faktors zeigten die Ergebnisse der EPPE-Studie, dass je länger die Dauer (Monate) des Besuchs einer Frühförderungseinrichtung, desto weiter voran geschritten ist die intellektuelle Entwicklung, die Unabhängigkeit bzw. Selbstständigkeit, sowie die Konzentrations- und sozialen Fähigkeiten der Kinder. Insbesondere benachteiligte Kinder profitieren signifikant von einem Besuch qualitativ hochwertiger Einrichtungen.

Ganztagsbesuche zeigen jedoch keinen höheren Effekt als Halbtagsbesuche.13

3.1.2 Effekt der Qualität und Umsetzung in FF-Einrichtungen

Je höher die Qualität einer Einrichtung, desto weiter ist die intellektuelle und soziale Entwicklung der Kinder. Eine hohe Qualität ist nicht an eine bestimmte Form von Einrichtung gebunden, sondern kann in allen Formen der Frühförderung gefunden werden. Es ließ sich auch feststellen, dass ein höher qualifiziertes Personal, mit einer insgesamt höheren Qualität der Einrichtung und größeren Entwicklungsfortschritten der Kinder, einhergeht.14

Auch die pädagogische Ausrichtung bleibt nicht ohne Wirkung, denn wo Bildung und soziale Entwicklung von gleichem Interesse sind und als sich ergänzend gesehen werden, entwickeln sich die Kinder insgesamt besser.15

Effektive Pädagogik definiert sich aus dem Zusammenspiel von „traditionellem Lehren“ und dem „sustained shared thinking“, welches einen dialogisch-entwickelten Interaktionsprozess zwischen Erzieherinnen/Erziehern und Kindern meint. „Beim ,sustained shared thinking´ (ins Deutsche zu übersetzen als „anhaltendes geteiltes Nachdenken“) arbeiten zwei oder mehrere Personen intellektuell zusammen, um ein Problem zu lösen, ein Konzept zu verstehen, eine Tätigkeit zu beurteilen, eine Geschichte weiterzuentwickeln u.a. Alle Beteiligten tragen zum Denkprozess bei, er wird gemeinsam entwickelt und erweitert.“16

3.1.3 Effekt der Form der Einrichtung

Bestimmte Formen von Einrichtungen sorgten für ein höheres „child-outcome“ als andere. Hierzu zählen voll integrierte Einrichtungen, da die generelle Qualität der Einrichtung höher und somit auch die Entwicklung der Kinder weiter ist.17 Voll integrierte Einrichtung meint hier, dass das Konzept der Institution soziale und intellektuelle Entwicklung als gleichwertig und sich ergänzend ansieht.18

3.1.4 Effekt der Familie

Die eben erläuterten Bereiche sind für die Entwicklung des Kindes bedeutsam, jedoch bildet der persönliche Hintergrund des Kindes den entscheidenden Faktor.19 Die maßgeblichen Aspekte sind die Qualität der familiären Lern-Anregungen und der Bildungshintergrund der Eltern, insbesondere der der Mutter. Diese stehen in direktem Bezug zu den mathematischen Fähigkeiten sowie Lesefähigkeiten des Kindes im fünften Schuljahr. Weitere Faktoren bilden ein niedriges Geburtsgewicht, frühe gesundheitliche Probleme, Defizite in der frühen Entwicklung und der sozioökonomische Status.20

Jedoch waren die persönlichen Hintergründe und ihr Einfluss auf die Lesefähigkeiten und die Rechenleistungen des Kindes im fünften Schuljahr schwächere Prädiktoren als im ersten Schuljahr. Dies ist auf den gesteigerten Einfluss der Primary School und der Peergroups zurückzuführen.21

[...]


1 Gerszonowicz et al., S. 3

2 Melhuish (2013), S. 211f

3 Melhuish (2013), S. 212

4 Ebd.

5 Ebd.

6 Melhuish (2013), S. 217

7 Melhuish (2013), S. 216

8 Melhuish (2013), S. 217

9 Melhuish (2013), S. 213

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Melhuish (2013), S. 214

15 Ebd.

16 www.kita-aktuell.de

17 Melhuish (2013), S. 214

18 Sylva et al. (2003), S.4

19 Melhuish (2013), S. 215

20 Sammons et al. (2007)

21 Ebd.

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668320574
ISBN (Buch)
9783668320581
Dateigröße
806 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341915
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
EPPE Studie Qualität Frühpädagogik pädagogische Qualität

Autor

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Titel: Die Wirkung von Frühpädagogik auf die kindliche Entwicklung. Die Evaluierung von pädagogischer Qualität durch die EPPE Studie