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Die Messestädte Frankfurt am Main und Leipzig im Vergleich. Unterschiede und Parallelen in ihrer Entwicklung im Mittelalter

Hausarbeit 2016 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Untersuchungskriterien für die Analyse der Messen
2.1. Lage
2.2. Privilegien
2.3. Konkurrenzstädte

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frankfurter sowie Leipziger Messe wirft auch in der Gegenwart noch ihre Schatten voraus, denn bereits im April diesen Jahres finden neuerliche Messen statt. Im Rahmen des interessanten Proseminars „Grenzüberschreitende Transferprozesse und ihre Verkehrsinfrastruktur im Mittelalter“ im Wintersemester 15/16 bot sich mir die Möglichkeit, sich mit dem Referatsthema „Städtischer Markt und Marktverkehr“ anhand des Beispiels der bedeutenden Handelsmetropole Leipzig zu beschäftigen. Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema stieß ich häufig auf die Reichsmesse Frankfurt am Main als Beispiel einer erfolgreichen Messestadt, weshalb ich diese beiden Städte in ihrer Entwicklung anhand von Kriterien auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede analysieren möchte. Die Kriterien sind zwischen Lage, Privilegien, Konkurrenzstädte zu differenzieren. Darüber hinaus sind innere Ordnung und Infrastruktur sowie die angebotenen Waren von Relevanz. Diese Kriterien sind sicherlich ausdehnbar und können kein Anspruch auf Vollständigkeit erheben, jedoch würde eine Erweiterung den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Nach Abschluss der Untersuchung und anhand der Ergebnisse möchte ich überdies eine allgemeine These über die Entwicklung einer Stadt zu einer der wichtigsten deutschen Handelsmetropole im Mittelalter aufstellen.

2. Untersuchungskriterien für die Analyse der Messen

2.1. Lage

Leipzig

Leipzig befand sich aus ökonomischer Sicht in einer sehr günstigen Lage. Denn in dem späteren Stadtgebiet kreuzten sich mit die wichtigsten Handelsstraßen im europäischen Raum. Die via regia ist als eine alte, führende Heeres- und Handelsstraße bekannt, die vom Westen kam und über Leipzig Richtung Osten führte.[1] Außerdem durchlief jenen Ort die via imperii, eine führende Fernhandelsstraße, welche den Norden und Süden Europas verband. Darüber hinaus lag die Stadt in der Nähe des Erzgebirges, wo einige Zeit später ein großes Silbervorkommen entdeckt wurde und als Handelsware diente.[2] Diese hervorragende Lage legte den Grundstein für die Leipziger Messe und dem wichtigen Fernhandel. Dadurch konnten Waren und Kaufleute schnell Leipzig erreichen und umgekehrt. Folglich war dieser Ort seit jeher ein beliebter Treffpunkt von Fernhändlern zum Austausch von Produkten sowie Ausgangspunkt und Voraussetzung zur Entwicklung zu einer der wichtigsten deutschen Handelsmetropole im Mittelalter.[3] Denn auch aufgrund des günstigen Standorts etablierte sich Leipzig im Spätmittelalter sowohl regional als auch überregional zum dominierenden Hauptumschlag- und Austauschplatz im Ost- und Westhandel.[4]

Frankfurt am Main

Auch Frankfurt profitierte stark von seiner aus wirtschaftlicher und verkehrsgeographischen Sicht günstigen Lage. Denn jene Stadt befand sich ebenfalls an der wichtigen Fernhandelsstraße via regia.[5] Erwähnenswert ist außerdem das relativ dicht besiedelte Rhein-Maingebiet, wodurch eine große Anzahl potenzieller Besuchter und Kaufleute der späteren Messe in Reichweite waren.[6] Darüber hinaus floss der Main am Frankfurter Siedlungsgebiet, sodass die Stadt auch über den Wasserweg erreichbar war. Zwar kreuzten sich nicht zwei wichtige Handelsstraßen wie in Leipzig an diesem Ort, jedoch war die Wasseranbindung auch von großen Vorteil.[7] Denn im Mittelalter dominierte häufig der Wasserweg als Transport- und Handelsstraße, sodass Frankfurt auf zwei verschiedene Verkehrswege zurückgreifen konnte. Dadurch war die Stadt sehr gut erreichbar. Außerdem umgab die Stadt ein landwirtschaftlich hochentwickeltes Gebiet, sowie ein Gewerbegebiet, von deren Erzeugnissen die Frankfurter Messe und die Wirtschaft der Stadt profitierte.[8]

2.2. Privilegien

Stadtbrief

Für die Stadtrechtsverleihung ist keine exakte Datierung bekannt, weshalb es verschiedene wissenschaftliche Ansichten bezüglich der Daten gibt. Laut Manfred Unger kann sie auf einen Zeitraum zwischen 1156 und 1170 festgelegt werden. Diese Schätzungen gehen mit dem Amtsantritt von Markgraf Otto dem Reichen sowie dem Tod von Bischof Johannes von Merseburg einher.[9] Jiri Sebanek ist wiederum der Ansicht, dass der Stadtbrief aus paläographischen Gründen zwischen 1170 und 1216 existiert haben muss.[10] Nichtsdestotrotz beinhaltete die Ausstellung des Stadtbriefes neben der offiziellen Bestätigung zur Anerkennung Leipzigs als Stadt ein Marktprivileg. Denn im Umkreis von 15 Kilometern durfte fortan kein anderer Jahrmarkt in einer Stadt durchgeführt werden.[11] Dadurch fand eine Wegelenkung innerhalb des Umkreises zugunsten Leipzig statt, denn der regionale Marktverkehr fokussierte sich fortan auf Leipzig.[12] Somit wurden die Weichen für eine erfolgreiche Messe durch dessen kaiserlichen Schutz und regionalen Kundenzustrom bereits früh gelegt.

Geleitschutz 1268

Die landesherrschaftliche Unterstützung setzte auch auf die Gewährleistung von sicheren Warenverkehr. Denn durch die Ausdehnung der Landesherrschaft konnten sächsische Herzöge und Kurfürsten die Basis für einen reibungslosen Warenverkehr auf den Straßen innerhalb ihrer Territorien legen, was als Anziehungspunkt für auswärtige Kauf- und Fuhrleute von Relevanz war, da die Messe zu diesem Zeitpunkt bereits eine Fernhandelsfunktion besaß. Schließlich galt die Stadt überregional aufgrund ihrer Lage als Hauptumschlagsplatz für den Fernhandel. Es wurde durch ein sogenanntes Geleitsystem dafür gesorgt, dass die Straßen auf dem Weg zur Leipziger Messe von bewaffneten Personen überwacht wurden und ein Straßenzwang herrschte, bei dem bestimmte Straßen nur für den Warentransport zur Messe und von Fuhr- sowie Kaufleuten benutzt werden durften. Denn aufgrund des steigenden Warenverkehrs und Zustroms von Kauf- und Fuhrleuten konnte im Laufe der Zeit ein sicherer Transport bzw. Anreise nicht mehr sichergestellt werden, sodass sich diejenigen ihren Schutz über das sogenannte Geleitschutz- Privileg von 1268 erkaufen konnten.

Diese Gebühren durch die Wegelenkung stellten eine wichtige Einkommensquelle für die Landesherren dar. Marktgraf Dietrich von Landsberg erteilte dieses Privileg und stellte dadurch eine sichere Anreise für Kaufleute und Händler nach Leipzig sicher. Bei Missachtung der Schutzmaßnahmen durch Überfälle drohten harte Sanktionierungen in Form von Geld- und Todesstrafen.[13] Fortan konnten sich die Kaufleute bei kostenpflichtiger Inanspruchnahme des Sonderrechtes sicher sein, dass sie bei der Fahrt nicht überfallen wurden und somit keinerlei materielle Verluste zu befürchten hatten. Folglich bot die Messe mehr Anreize für potentielle Besucher und Kaufleute. Das Privileg verdeutlicht überdies, welch hohen Stellenwert der Handel für Leipzig bedeutete.[14] Insofern bot das Geleitschutz neben einer lukrativen Einkommensquelle, Schutz der Kaufleute auch eine Stärkung des Fernhandels und damit der Wirtschaft. Die Attraktivität und Bedeutung der Leipziger Messe für Kaufleute stieg, was sich auch durch eine Zuwanderungswelle von Kaufleuten im 13. Jahrhundert nach Leipzig äußerte.[15]

[...]


[1] Kroker, Ernst: Handelsgeschichte der Stadt Leipzig. Die Entwicklung des Leipziger Handels und der Leipziger Messen von der Gründung der Stadt bis auf die Gegenwart, Leipzig 1925, S. 8, zit. nach Brübach, Nils: Die Reichsmessen von Frankfurt am Main, Leipzig und Braunschweig: (14. - 18. Jahrhundert), Stuttgart 1994, S. 391.

[2] Brühbach, N., S. 392.

[3] Hecht, Alice: Von der slawischen Doppelsiedlung zur mittelalterlichen Handelsstadt, in: Rodekamp, Volker (Hg.): Leipzig Stadt der Wa(h)ren Wunder. 500 Jahre Reichsmesseprivileg, Leipzig 1997, S. 170.

[4] Brühbach, N., S. 402.

[5] Rothmann, Michael: Die Frankfurt Messen im Mittelalter, Stuttgart 1998, S. 42.

[6] Fischer, Ulrich: Aus Frankfurts Vorgeschichte, Frankfurt 1971, zit. nach Rothmann, M., S. 45.

[7] Orth, Elsbeth: Frankfurt am Main im Früh- und Hochmittelalter, in: Frankfurter Historische Kommision (Hg.): Frankfurt am Main. Die Geschichte einer Stadt in neun Beiträgen, 2. Aufl., Sigmaringen 1994, S. 9.

[8] Rothmann, M., S. 43.

[9] Unger, Manfred: Geschicht – Buch, Leipzig 1990, S. 27, zit. nach: Hecht, Alice: Von der slawischen Doppelsiedlung zur mittelalterlichen Hansestadt, in: Rodekamp, V., S. 170f.

[10] Sebanek, Jiri: Zum Leipziger Stadtbrief, in: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Bd. 2, Weimar 1967, S. 175ff., zit. nach Brübach, N., S. 393.

[11] Winkler, Friedmann: Neue archäologische Beobachtungen zur Leipziger Stadtkernforschung, in: Archäologische Stadtkernforschung in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Berlin 1990, S. 39ff., zit. nach Ebenda, in: Ebenda, S. 171.

[12] Kroker, Ernst: Handelsgeschichte der Stadt Leipzig, Bielefeld 1925, zit. nach: Brübach, N., S. 395.

[13] Straube, Manfred: Europäische Handelswaren auf dem Wege von und zu den Leipziger Märkten um 1500, in: Rodekamp, V., S. 22 f.

[14] Kroker, E., in: Brübach, N., S. 398.

[15] Hecht, A., in: Rodekamp, V., S. 171.

Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668316553
ISBN (Buch)
9783668316560
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341875
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Insitut
Note
2,7
Schlagworte
messestädte frankfurt main leipzig vergleich unterschiede parallelen entwicklung mittelalter

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