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Konsumentenverhalten und die Bedeutung von Waren für den Menschen am Beispiel des Romans „Vier Äpfel“ von David Wagner

Referat (Ausarbeitung) 2015 15 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Roman „vier Äpfel“

2. Konsum und Konsumprozesse
2.1 Begriffsdefinition und Phasen des Konsums
2.2 Gründe für den Konsum
2.3 Der Entscheidungsprozess

3. Die Bedeutung von Waren und Konsum im Roman „vier Äpfel“
3.1 Waren und (Kindheits) -erinnerungen
3.2 Waren und die Liebe

4. Fazit

Literaturverzeichnis:

Einleitung

Konsumprozesse finden ständig und überall auf der Welt statt. Die Menschen konsumieren täglich, oft sogar unbewusst. Es ist bereits zum Alltag geworden, ein Leben wie es vor langer Zeit ohne Konsum stattfand, kann man sich in der heutigen Zeit kaum noch vorstellen.

Die Gründe für den Konsum reichen in der heutigen Zeit weit über die Beschaffung von lebensnotwendigen Nahrungsmitteln hinaus. Mittlerweile kann man fast alles kaufen oder bestellen in Geschäften, Dienstleistungsunternehmen oder ganz bequem im Internet. Ständig werden neue Produkte auf den Markt gebracht, die noch besser und ausgeklügelter sein sollen und dem Verbraucher das Leben erleichtern oder versüßen sollen.

David Wagner beschäftigt sich in seinem Roman „vier Äpfel“ auf vielseitige und anregende Weise mit dem Thema Konsum und Waren. Der Leser wird dadurch angeregt seinen eigenen Konsum und sein Kaufverhalten zu reflektieren. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Fragen: Was wird konsumiert und warum? Was veranlasst den Menschen sich unter der Vielfalt der Angebote für bestimmte Produkte zu entscheiden? Was hat Konsum mit Emotionen zu tun?

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst in die Handlung des Romans und dessen Besonderheiten eingeführt. Nach einem theoretischen Einblick in das Thema Konsum und Konsumprozesse, wird dann die Bedeutung der Waren in Wagners Roman untersucht. Wegen des begrenzten Umfangs dieser Ausarbeitung, beschäftigt sie sich nicht mit jedem der behandelten Themen des Romans, sondern fokussiert sich auf Waren und Konsum in Bezug auf Erinnerungen und der Liebe.

1. Der Roman „vier Äpfel“

Der Roman „vier Äpfel“ von David Wagner spielt von Anfang bis Ende in einem Supermarkt. Der Protagonist, dessen Namen nicht genannt wird, schildert aus der Ichperspektive und in der Gegenwart seinen Einkaufsprozess von dem Moment an indem er den Einkaufsmarkt betritt. Der Text besteht aus 144 kurzen Kapiteln und ist mit auffällig vielen Fußnoten versehen, die so zahlreich meist nur in wissenschaftlichen Texten zu finden sind.

Der männliche Protagonist schlendert im Verlauf des Romans durch viele Supermarktgänge, betrachtet die gefüllten Regale, legt einige wenige Produkte in seinen Einkaufswagen, assoziiert mit bestimmten Produkten etwas, beobachtet das Supermarktpersonal sowie einige Kunden. Neben den Motiven Waren, Konsum und Supermarkt werden auch immer wieder Kindheitserinnerungen und die verflossene Liebe des Protagonisten thematisiert. Der von Liebeskummer geplagte Protagonist erinnert sich ständig während des Einkaufes an seine Exfrau, die nur als L. bezeichnet wird. Wenn es nicht irgendwelche Produkte sind, die ihn an sie oder gemeinsame Momente erinnern, bildet er sich ein sie im Supermarkt zu sehen oder sie auf dem Cover einer Zeitschrift zu entdecken. Zudem erinnern ihn einige Produkte an seine Kindheit. So erzählt er beispielsweise wie er früher als Kind im „Tante-Emma“ -Laden eingekauft hat oder beim Bauernhof frische Milch geholt hat. Diese häufig auftretenden Sequenzen in denen er ausgiebig seine Erinnerungen schildert, lassen den Leser jegliches Zeitgefühl verlieren. Man bekommt den Eindruck der Einkauf ziehe sich über mehrere Stunden hin. Die detaillierten Beschreibungen der Ware und die Schilderung seiner aufkommenden Erinnerungen, Gedanken und Überlegungen vermitteln dem Leser das Gefühl man würde direkt neben dem Protagonisten im Supermarkt stehen und ihn bei seinem Einkauf begleiten. Man nimmt somit automatisch die Perspektive des Käufers ein, erinnert sich vielleicht an ähnliche Gedanken oder Fragen, die einen bei der Auswahl von Produkten bereits überkamen oder ertappt sich dabei, dass man auf die ein oder anderen Verkaufsstrategien oder Werbeversprechen, die der Protagonist anspricht, schon einmal selbst reingefallen ist. Somit wird der Leser dazu angeregt das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.

2. Konsum und Konsumprozesse

Das folgende Kapitel soll zunächst eine kurze Einführung in die theoretischen Hintergründe zu Konsum geben, um sie anschließend mit dem Roman in Verbindung zu setzen. Das Kapitel vermittelt einen Einblick in die Gründe warum Menschen konsumieren und was sie dazu bewegt sich unter dem vielfältigen Angebot für bestimmte Artikel zu entscheiden.

2.1 Begriffsdefinition und Phasen des Konsums

Zunächst erscheint eine Klärung des Begriffes Konsum sinnvoll. Wiswede (2013, S. 23) definiert Konsum wie folgt:

Der Begriff Konsum bezeichnet sämtliche Verhaltensweisen, die auf die Erlangung und private Nutzung wirtschaftlicher Güter und Dienstleistungen gerichtet sind. Diesen Prozeß kann man unter verschiedenen Aspekten betrachten: als Vorgang der Einkommensverwendung, als Vorgang der Marktentnahme oder als Vorgang der Nutzung dieser Güter durch den Konsumenten bzw. durch den Haushalt“.

Wiswede und Scherhorn (Wiswede 1972; Scherhorn et al. 1997) betrachten Konsum und Konsumverhalten als genetische Abfolge verschiedener Stadien:

- Bedürfnisentstehung, Bedürfnisreflexion und Bedarfsfeststellung,
- Kriterienwahl und -gewichtung für die Beschaffungs- und Nutzungsentscheidung,
- Informationssuche und -auswertung mit anschließender Wahlentscheidung,
- Die Durchführung des Kaufs (Beschaffung),
- Den eigentlichen Konsum (Gebrauch, Verbrauch, Nutzung oder Demonstration),
- Entsorgung bzw. Tausch, Verschenken, Verkaufen usw.,
- Weichenstellung für künftigen Bedarf (Wiswede 2013, S. 23).

Solomon (2013, S. 23) teilt den Konsumprozess ebenfalls in Phasen auf: Die drei Phasen bestehen aus der Phase vor dem Kauf, während des Kaufs und nach dem Kauf. In der ersten Phase identifiziert der Konsument ein Bedürfnis oder einen Wunsch, in der darauf folgenden tätigt dieser einen Kauf und in der letzten reflektiert der Konsument, ob das Produkt seinen Nutzen erfüllt/ Freude bereitet und entledigt sich gegebenenfalls wieder des Produktes.

2.2 Gründe für den Konsum

Nun stellt sich die Frage warum Menschen eigentlich konsumieren.

Wie bereits Maslow (1954) in seiner Bedürfnis-Pyramide aufzeigte, haben Menschen bestimmte Bedürfnisse. Der Mensch braucht, u.a. um sein Überleben zu sichern, ausreichend Nahrung, eine Behausung, Kleidung und einen Beruf. Damit diese Grundbedürfnisse befriedigt werden können, konsumiert der Mensch. In der heutigen Gesellschaft ist jedoch oft nicht nur die Befriedigung der Grund- bzw. Existenzbedürfnisse bedeutsam, sondern auch weitere Bedürfnisse nach speziellen Lebensmitteln, modischer Kleidung, schöner Einrichtung, Urlauben sowie nach kostspieligen Freizeitaktivitäten haben sich entwickelt. Vor allem elektronische Geräte sind für die Mehrheit nicht mehr aus dem Alltag zu entbehren. Solange bestimmte Wünsche eines Individuums nicht erfüllt sind, wird dies als Mangel empfunden, der beseitigt werden soll indem das Bedürfnis befriedigt wird. Der Mangel bzw. das Bedürfnis ist die motivierende Kraft etwas zu kaufen. Mit der zunehmenden Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses nimmt diese Kraft ab.

Da Bedürfnisse wie Essen, Trinken und Sicherheit in den Industrieländern meist quantitativ ausreichend befriedigt sind, arbeitet das Marketing mit dem Bedürfnis nach Qualität und Innovationen. Anstatt mit Leitungswasser beispielsweise wird Durst erst mit Mineralwasser und später dann mit aromatisiertem oder vitaminhaltigem Wasser gestillt (vgl. SDI-Research).

Ein weiterer Faktor, der den Menschen zum Konsum antreibt, ist der Wunsch nach Abwechslung. Dem modernen Menschen werden zahlreiche Möglichkeiten geboten das Leben und den Alltag abwechslungsreich zu gestalten. Viele streben nach ausgleichenden Hobbys, Lebensmitteln und Produkten aus aller Welt, außergewöhnlichen Reisen und zahlreichen anderen Möglichkeiten. Mittlerweile ist Konsum nicht nur noch Mittel zum Zweck, sondern der Prozess an sich ist bereits bei einer Vielzahl der Bevölkerung zum Hobby geworden. Mit einer Shopping-Tour mit Freunden belohnt man sich selbst und das bequeme Online-Shopping sowie das Ersteigern von Online-Ware ist bei einigen schon Zeitvertreib oder sogar zur Sucht geworden (vgl. Delta21 2014). Zudem streben die Konsumenten immer mehr nach Individualisierung und Selbstverwirklichung. Durch das jeweilige Konsumverhalten kann der Einzelne seine Persönlichkeit ausdrücken oder versucht es zumindest mithilfe bestimmter Produkte. Das kann auch unterstützen, dass sich Gleichgesinnte zu einer Interessensgemeinschaft zusammenfinden, beispielsweise Extremsportler, Oldtimerliebhaber oder Modellbauer. Viele nutzen das vielfältige Warenangebot zu einer Art Selbstinszenierung indem man bestimmte Kleidung wählt oder meidet und Marken aufgrund des damit verbundenen Images kauft (vgl. Delta 21). Materialistisch eingestellte Menschen bringen ihr Selbstwertgefühl in einem größeren Ausmaß mit Produkten in Verbindung (vgl. Solomon 2013, S. 165).

„Der Konsum von Waren dient demnach heute nicht mehr nur der Befriedigung alltäglicher Bedürfnisse, sondern ist vielmehr zu einem Ritual des öffentlichen und gemeinschaftlichen Lebens geworden, durch das Identität nicht nur gewandelt, sondern auch neu geschaffen wird“ (Grunenberg 2012, S. 3).

Csikszentmihalyi und Rochberg-Halton (1989) zufolge führen die Symbole, die mit den Waren verbunden werden nicht nur die Eigenschaften der Person, die sie tatsächlich hat, sondern auch Charakterzüge oder Merkmale, die sich im Individuum erst generieren (sollen). Somit kann der Kauf von Sportschuhen beispielsweise dem Käufer das Gefühl von Sportlichkeit vermitteln bevor er überhaupt körperlich aktiv ist. Das gekaufte Produkt dient also dazu, das tatsächliche Ich des Besitzers dem Selbst-Ideal näher zu bringen (vgl. Pape 2012). Jedoch ist diese Annäherung des Selbst an das Idealbild nicht immer auch mit einer bestehenden Absicht der Zielerreichung verbunden. Häufig dient der Kauf eines bestimmten Produktes dem Konsumenten als Ersatz für nicht vorhandene Eigenschaften oder Werte, die er oder sie gerne hätte oder nach außen gerne ausstrahlen möchte. Zufriedenstellend ist dieser Kauf aber vermutlich nicht dauerhaft, also kauft der Konsument weiter, um die Lücke zu füllen (vgl. ebd.).

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Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668318397
ISBN (Buch)
9783668318403
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341811
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Schlagworte
Konsumverhalten Konsum Konsumprozesse Liebe Vier Äpfel David Wagner

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