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Die Macht des Lehrers über die Motivation des Schülers. Techniken zur Motivation von Klavierschülern

Bachelorarbeit 2016 40 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Stand der Forschung
1.2 Notwendigkeit
1.3 Aufgabenstellung

2 Definition De-/Motivation
2.1 „De-/Motivation“ allgemein
2.2 Der Motivationszirkel
2.3 Intrinsische Motivation
2.4 Extrinsische Motivation

3 Ursachen für Demotivation

4 Voraussetzungen zur Motivation

5 Motivationsmethoden und -techniken
5.1 Individuelle menschliche Bedürfnisse beachten
5.2 Die Persönlichkeit des Lehrers
5.3 Die Persönlichkeit des Schülers
5.4 Die Unterrichtsgestaltung
5.5 Die Unterrichtsumgebung
5.6 Weitere Motivationsmethoden
5.6.1 Das Vorspiel oder Konzert
5.6.2 Das Gruppenmusizieren

6 Fallbeispiele
6.1 Motivieren eines Schülers bei Interessenverschiebung
6.2 Motivieren eines gelangweilten Schülers
6.3 Motivieren eines widerspenstigen Schülers

7 Zusammenfassung

8 Literatur -und Quellenverzeichnis
8.1 Literaturquellen
8.2 Internetquellen

9 Abkürzungsverzeichnis

10 Abbildungs-und Tabellenverzeichnis

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Methoden eines Klavierlehrers zur Steigerung der Motivation des Schülers im Unterricht sowie mit den Demotivationsfaktoren. Mit verschiedenen Methoden und Techniken können Klavierlehrer Abhilfe gegen Demotivation schaffen. Mit zusätzlichen Methoden können sie neue Motive vorgeben und dem Schüler so zu neuer Motivation und Leistung verhelfen. Um jedoch diese Methoden richtig einzusetzen, ist es notwendig, einige Voraussetzungen zu erfüllen. Im letzten Teil dieser Arbeit werden weitere Hilfestellungen gegeben sowie Fallbeispiele aufgeführt, um die Umsetzung der Methoden in die Praxis zu unterstreichen.

Abstract

The present work deals with methods of a piano teacher to increase the motivation of a student in the classroom as well as with the lack of motivation factors and their remedies. With different methods and techniques teachers can take remedial action against demotivation, pretend with additional methods new themes and support giving new motivation and efficiency to the students. However, in order to use these methods properly it is necessary to meet certain requirements. In the last part of this work further assistance will be given as well as case studies will be listed to emphasize the implementation of the methods in practice.

Vorwort

Wer kennt das nicht: Ein Physiklehrer zeigt ein interessantes Experiment und schnell ist passend dazu auch gleich die Theorie in das Verständnis der jungen Schüler eingepflanzt worden. Was tausende Wörter nicht erklären konnten: Ein Beispiel oder ein Bild tun es sehr bald. In meinen privaten Unterrichtsstunden fiel mir auf, dass die Klavierschüler mit ganz unterschiedlichen Motivationen am Unterricht teilnahmen. Nach einiger Zeit jedoch schwanden einige der Motive und es blieb eine Art passive Teilnahme über. Ohne jegliche Motivation. Das einzige, was die Schüler noch motivierte, war, dass sie Belohnungen oder aber im Gegensatz dazu Strafandrohungen von Seiten der Eltern erwarteten.

Dadurch stellt sich mir die Frage: Wie kann ich als Lehrer meine Klavierschüler dauerhaft für den Klavierunterricht motivieren? Daher beschloss ich diese Frage eingehender zu analysieren und sie in meiner Bachelorarbeit zum Kernthema zu machen.

1 Einleitung

Viele junge Klavierlehrer/-innen klagen über mangelndes Interesse ihrer Schüler im Unterricht. Aber auch Klavierlehrer mit jahrelanger Berufserfahrung und vielfältigen musikpsychologischen, pädagogischen und didaktischen Kenntnissen und Fertigkeiten stehen oftmals vor einem Rätsel: „Was kann ich als Lehrer gegen die Demotivation meines Schülers tun?“ und „Wie kann ich meinen Schüler aktivieren?“ gehen einem Klavierlehrer mehr als einmal durch den Kopf.

Wie viele andere Studien und Ausarbeitungen schon beweisen[1], gibt es eine Vielzahl an Faktoren, die die Motivation eines Schülers schmälern. Hat der Schüler anfangs mit Feuer und Flamme begeistert am Unterricht teilgenommen, findet man ihn oft schon ein halbes Jahr später nur noch widerwillig und möglicherweise unter Zwang aus dem Elternhaus beim Erlernen seines Musikinstrumentes. Kurze Zeit später „wirft er das Handtuch“.

Diese und ähnliche Beschreibungen finden Klavierlehrer häufig sogar in den eigenen Reihen der Klavierschüler. Und wenn es auch nicht immer mit einem endgültigen Abbruch des Unterrichts endet, ist Demotivation ein negativer Faktor, der Schülern die Sicht auf das Ziel nimmt und die Freude am Musizieren trübt. Oft ist es ein schwieriger und langer Weg, wieder Motivation für das Erlernen eines Instrumentes aus den Reserven der eigenen Persönlichkeit herauszuholen. Wer schon einmal versucht hat, sich selbst aus einem demotivierten Zustand heraus zu aktivieren, der weiß, wie schwer der Weg sein kann. Unmöglich ist dieser Weg aber nicht und es gibt auch verschiedene Bücher zum Thema Selbstmotivation. Jedoch ist häufig ein Eingreifen von außerhalb sehr notwendig. Oft sind es die Eltern, die den Schützling anspornen, durchzuhalten und diese Phase der Demotivation hinter sich zu lassen. Manchmal, eher selten, sind es die Freunde, die motivationsfördernd eingreifen, indem sie z.B. ein positives Feedback geben und die schon erlernten Fähigkeiten des Schülers loben, die dieser bei einem Konzert zur Schau gestellt hat. Neben den Eltern und dem weiteren Umfeld des Schülers hat auch der Lehrer eine große Verantwortung, über die Motivation des Schülers zu wachen. Ich behaupte, dass der Lehrer zum großen Teil die Motivation seines Schülers selbst beeinflussen kann. Wie groß dessen Einfluss auf die Motivation des Schülers ausfällt, hängt vor allem von der Lehrer-Schüler Beziehung und den unterschiedlichen Charakteren ab. Natürlich ist es so, dass ein gänzlich demotivierter Schüler kaum zu einem hypermotivierten Schüler wird. Grimmer schreibt dazu, dass Krisen durch ein pädagogisches Einwirken nicht zu verhindern sind, jedoch durch ein „fehlgeleitetes, unsensibles pädagogisches Handeln provoziert und verstärkt werden können.“[2] Umgekehrt ist es also möglich, durch sensibles pädagogisches Handeln eine Demotivations-„Krise“ zu überwinden und im Vorfeld schon vorzubeugen.

Dennoch ist es auch möglich, dass ein soeben typisierter Schüler durch einen entsprechenden Motivationsschub zu neuer Aktivität veranlasst wird. Immer wieder höre ich nämlich von Eltern, deren Kinder an allgemeinbildenden Schulen sind, dass Lehrer dieser Schulen allein durch ihre didaktischen und pädagogischen Fähigkeiten Schüler so sehr in ihren Bann ziehen, dass das Interesse dieser Schüler für ein Fach geweckt wurde, das ihnen bis dahin ein Buch mit sieben Siegeln war. Daran können wir sehen, wie groß die Macht eines Lehrers über die Motivation des Schülers ist.

Da diese Thematik fortlaufend von verschiedenen Institutionen untersucht wird und immer weitere Erkenntnisse gewonnen werden, können ggf. verschiedene Sachverhalte sich schon nach kurzer Zeit als veraltet und überholt herausstellen. Auch die Komplexität und der Umfang des Themas ist weit mehr, als in einer Bachelorarbeit zusammengefasst werden kann. Daher erhebt diese Ausarbeitung auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Mein Ziel ist es dennoch, aktuelle Motivationsmethoden zur Motivationssteigerung zugänglich zu machen und die Dringlichkeit, die Überwachung der motivationalen Aspekte im eigenen Unterricht zu beobachten, hervorzuheben.

1.1 Stand der Forschung

Aus eigener Erfahrung wissen alle Klavierlehrer, dass das Erlernen der Fertigkeiten zum Klavierspiel nicht immer einfach ist und dass manchmal die Lust fehlt, weiter zu lernen. Schüler jeder Altersstufe sind davon betroffen und zum Leidwesen der Schüler kommt dieses Phänomen immer wieder zum Vorschein. Manchmal hilft es sich selbst zu disziplinieren. Aber immer wieder kommt es dazu, dass Schüler den Instrumentalunterricht aus den unterschiedlichsten Gründen abbrechen.

Helmut Sonderegger hat in einer empirischen Studie über Lernabbrüche an Musikschulen in Vorarlberg (Österreich) herausgefunden, welche Gründe für einen Unterrichtsabbruch von den Schülern angegeben wurden.[3]

1. Zeitprobleme wegen Schule und Beruf
2. Kritik am oder Schwierigkeiten im Instrumentalunterricht
3. Mangel an Lust, Freude und Motivation
4. Zeitproblem wegen anderer Freizeitinteressen
5. Weiterhin Instrumentalunterricht beim Privatlehrer
6. Änderung der Lebensumstände
7. Wunsch nach anderem Instrument
8. Lernziel erreicht
9. Organisatorische Probleme im Umfeld des Unterrichtes
10. Sonstige Gründe

Eine weitere Studie an den Studierenden an der Hildesheimer Universität bestätigt die Ergebnisse der vorher zitierten Studie. Auch in dieser Studie war es das Ziel zu erfahren, welche Faktoren zu einem Abbruch des Instrumentalunterrichtes führten und vor allem wie und ob diese zusammenhängen.[4] Dazu wurden zum Ende des Wintersemesters 1997/98 1456 Studierende befragt. Von diesen hatten 25% nie Instrumentalunterricht erhalten, 10% hatten immer noch Unterricht und 65% (944) hatten Unterricht, haben ihn aber abgebrochen. 857 vollständig ausgefüllte Fragebögen der zuletzt genannten Personengruppe wurden ausgewertet. Der meistgenannte Grund für den Abbruch des Instrumentalunterrichtes ist der Motivationsmangel bzw. –verlust. Diese Feststellung spiegelt sich auch in weiteren Beiträgen und Erkenntnissen der Motivationsforschung im Bereich der Musik wieder.[5]

Neben dem Motivationsmangel bzw. –verlust mit 42,3%[6] (Motivationsmangel zum Üben, mangelnde Ausdauer, etc.) sind unter anderem auch Kritik am Unterricht selbst mit 38,3% (z.B. Kritik am Lehrer, Unterrichtsstil und Stückauswahl), eine Interessenverlagerung mit 21% und ein negatives Selbstkonzept mit 13% (z.B. Einstellung, unbegabt zu sein, Misserfolgserlebnisse) ausschlaggebende Gründe für einen Abbruch. Auch die verkehrte Instrumentenwahl ist mit 5,9% ein nennenswerter Faktor.

Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass z.B. die Kritik am Unterricht fast nie dazu ausreichte, den Instrumentalunterricht zu beenden. Vielmehr ist es so, dass mehrere Gründe in Kombination den tatsächlichen Abbruch hervorbrachten. Dazu konnte in dieser Studie weiter analysiert werden, dass Motivationsmangel oder -verlust als Abbruchsursache eine wesentliche Rolle einnimmt. Da in dieser Studie Mehrfachantworten möglich waren, wurde festgestellt, dass der Motivationsmangel in Verbindung mit der Kritik am Unterricht den meistgenannten Grund für den tatsächlichen Abbruch darstellt. Aber auch die Kombinationen der mangelnden Motivation mit der Verlagerung der Interessen des Schülers oder dem Selbstkonzept des Schülers waren sehr häufig zu finden.

1.2 Notwendigkeit

Bernhard Schlaag schreibt in seinem Buch „Lern- und Leistungsmotivation“, dass „Schüler zu sinnvoller Eigentätigkeit zu motivieren, eine der höchsten pädagogischen Anforderungen an den Lehrer darstellt.“[7] Und auch die eben angeführten Erhebungen zeigen deutlich, dass dieses Thema ebenso brisant, wie auch aktuell ist. Jeder Mensch ist ein individuelles Individuum. Jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit und damit auch einen eigenen Willen. Dadurch ergibt es sich, dass jeder Mensch unterschiedliche Anreize benötigt, um für das was ihm gefällt, aktiviert zu werden. Meiner Meinung nach ist es zum Beispiel sehr wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, welchen Stellenwert der Klavierunterricht oder auch Musik an sich im Leben des Musikschülers einnimmt. Daraus ergibt sich auch der weitere Unterrichtsstil mit angepassten Anforderungen an den Schüler. Wie aber auch die Studien[8] zeigen, lassen viele der Abbruchsgründe auf einen mangelhaften Unterricht bzw. Unterrichtsstil, aber auch auf Probleme mit dem Lehrer schließen. Dieses zeigt, wie notwendig ein schülerorientierter Unterricht ist. Vor allem ist es notwendig das Interesse und die Motivation der Schüler aufrecht zu erhalten um die Basis für den Klavierunterricht zu gewährleisten.

1.3 Aufgabenstellung

In dieser Bachelorarbeit soll analysiert werden, welche Faktoren die Demotivation fördern, aber auch welche Voraussetzungen beider Unterrichtsparteien benötigt werden, um die Grundlage für einen motivierenden Klavierunterricht zu stellen. Dann sollen Motivationsmethoden und -techniken ausgearbeitet werden, um Schüler zu motivieren und ihr Interesse für den Klavierunterricht zu erhalten bzw. neu zu entfachen. Alles in allem soll diese Bachelorarbeit den Lehrer dazu animieren, seinen Unterricht bewusst, schülerorientiert und motivierend zu gestalten, um dem Schüler das Erlernen der Kenntnisse und Fertigkeiten des Klavierspiels zu erleichtern und ihm dazu zu verhelfen, von sich aus weiter dem Klavierspiel nachzugehen.

2 Definition De-/Motivation

2.1 „De-/Motivation“ allgemein

Bevor wir uns den Ursachen und Hintergründen der Motivation zuwenden, sollten wir zunächst analysieren, was Motivation ist. Synonyme für Motivation sind zum Beispiel Anreiz, Ansporn, Antrieb oder Triebfeder.[9] „Motivation“ kommt aus dem lateinischen (lat. motus) und bedeutet „Bewegung“.[10] Wie aus den Synonymen schon erkennbar, ist ein Motiv der Beweggrund für unser Handeln. Jeder bewussten Handlung liegt eine Motivation, ein Motiv zugrunde.

„Unter Motivierung ist die momentane Bereitschaft eines Individuums zu verstehen, seine sensorischen, kognitiven und motorischen Funktionen auf die Erreichung eines künftigen Zielzustandes zu richten und zu koordinieren.“[11]

Psychologisch gesehen hat Motivation das eine Ziel: Das Leben zu optimieren.[12] Dabei spielt die Befriedigung unserer Grundbedürfnisse eine wichtige Rolle.[13] „Man kann jedoch niemanden motivieren, sondern ihm nur Motive anbieten; sie bei ihm auslösen und so auch ihre Verstärkung und Differenzierung oder Schwächung und Verflachung fördern.“[14]

Das Gegenteil von Motivation ist Demotivation. Synonyme hierfür sind unter anderem Unlust oder Entmutigung.8[15]

2.2 Der Motivationszirkel

Um zu verstehen, wie Motivation beim Erlernen der Fertigkeiten das Klavierspielens wirkt, sollten wir den Motivationszirkel betrachten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Der Motivationszirkel

An erster Stelle des Motivationszirkels steht das Motiv, z.B. das Motiv, ein Musikinstrument erlernen zu wollen, weil es schön klingt.[16] Dieses Motiv kommt aus unseren Beobachtungen und den daraus resultierenden Wünschen und wird beeinflusst von vielen verschiedenen Faktoren. Zum Beispiel die Gespräche mit Eltern oder Freunden, ein sehr schönes instrumentales Vorspiel auf einem Konzert oder Ähnliches. Dieses Motiv weckt in uns das Interesse und die Neugier auf mehr.[17] Die Folge davon ist, dass wir uns mehr mit der Materie befassen. Durch das weitere Befassen mit der Materie, z.B. dem Erlernen eines Musikinstrumentes, kommen wir irgendwann in eine Phase der Unsicherheit.[18] Wir begeben uns auf „Neuland“ oder kommen vielleicht bei einem Klavierstück nach unserer Auffassung einfach nicht mehr weiter, stehen unter Leistungsdruck oder Ähnliches. Dann kann diese Unsicherheit unsere Motivation sehr beanspruchen. Es gilt diese Anstrengungen zu überwinden.[19] Jedoch werden diese Anstrengungen oft mit einem Flow[20] /[21] belohnt, der uns wiederum motiviert fortzufahren und „weiteres Neuland zu erkunden“. So setzt sich z.B. ein Schüler nach langem Üben ein weiteres Mal an das Klavier und schon nach den ersten Takten merkt er, dass ihm die Phrasen, Abschnitte und vielleicht sogar das ganze Stück leicht von der Hand geht und wundervoll klingt. So ein Flow motiviert dazu, die weiteren Anstrengungen in Kauf zu nehmen, das Interesse am Klavierspiel zu befriedigen und so eine weitere Stufe der Selbstverwirklichung zu erreichen.

In allen Stufen des Motivationszirkels ist die Motivation die treibende Kraft. Schwindet die Motivation, so schwindet die Grundlage des Tuns. Die Folge davon ist, dass die weiteren Anstrengungen, das ursprüngliche Ziel zu erreichen, unterlassen werden.

Um diesen Motivationsverlust bei einem Klavierschüler zu verhindern, ist viel pädagogisch-didaktische Sensibilität, aber auch methodisches Eingreifen notwendig.

2.3 Intrinsische Motivation

Es gibt verschiedene Arten von Motivationstheorien. Meiner Meinung nach gibt es kein perfektes Schema zur Darstellung der Ursachen und Wirkungen der Motivation. Motivation ist ein sehr komplexer Vorgang und jedes theoretische Erklärungsmodell zeigt nur einige Tatsachen auf. Die Komplexität der Motivation anhand eines Schemas oder Erklärungsmodells zu erläutern ist ein unmögliches Vorhaben. Daher beschränke ich mich bei den weiteren Erläuterungen auf die Gegenüberstellung von intrinsischer und extrinsischer Motivation und nehme zu einem späteren Zeitpunkt das Erklärungsmodell „Maslowsche Bedürfnishierarchie“[22] zu Hilfe.

Wenn man Sportler fragt, warum sie sich täglich mit dem anstrengenden Training und dem Verzicht auf bestimmte Speisen und Getränke belasten, kommen in der Regel folgende Antworten:

- „Ich möchte mich fit halten!“
- „Weil es mir Spaß macht!“
- „Weil es mein Hobby ist!“

Sehr oft sind Sportler intrinsisch motiviert, wie aus den o.g. Aussagen erkennbar ist. D.h. sie erledigen eine Tätigkeit wegen der Tätigkeit selbst, weil es ihnen Freude bereitet und sie Spaß daran haben. Genauso kann auch bei Klavierschülern Motivation aus dem Klavierspiel heraus entstehen. Zum Beispiel, wenn sich ein Schüler an einem sonnigen Tag mit fröhlichem Mut an das Klavier setzt und sein Lieblingsstück mit der Interpretation seines Gemütes spielt und die Klänge genießt. Solche Gefühlsausbrüche deuten auf eine intrinsische Motivation hin.

Auch wenn der Klavierschüler den Wunsch hat, eines Tages Konzertpianist zu sein, ist dieses eine intrinsische Motivation, da die Motivation zum Erlernen des Umgangs mit dem Klavier aus der Person selbst kommt. Weiter kann auch das Klavierspiel an sich schon eine intrinsische Motivation sein, indem man spielt, weil man den Klang und Klaviermusik im Allgemeinen mag.

Wenn wir uns nun mit den Ursachen dieser Motivation befassen, müssen wir also festhalten, dass es zwei wesentliche Differenzen bei den Motivationsarten gibt.

[...]


[1] Siehe Abschnitt 5.1

[2] Grimmer, Frauke: Wege und Umwege zur Musik, Kassel u.a. 1991, S. 28

[3] Sonderegger, Helmut: Beweggründe für den “Lernabbruch” an Musikschulen. Eine empirische Studie über den Instrumentalunterricht in Vorarlberg. Anif/Salzburg 1996, S. 88-91

[4] Switlick, Bettina; Bullerjahn, Claudia: „Ursachen und Konsequenzen des Abbruchs von Instrumentalunterricht. Eine quantitative und qualitative Umfrage bei Studierenden der Universität Hildesheim“ - In: Knolle, Niels (Hg.): Musikpädagogik vor neuen Forschungsaufgaben. Essen 1999, S. 167-195.

[5] Vgl. dazu z.B. Helga de la Motte-Haber: „Die Motivation zu Leistung und Erfolg“, in: Helga

de la Motte-Haber (Hg.): Psychologische Grundlagen des Musiklernens (= Handbuch der

Musikpädagogik. Bd. 4). Kassel 1987. S. 273-331.

[6] Die Summe der Prozentzahlen ergibt mehr als 100%, da es sich hier um Mehrfachantworten handelt.

[7] Schlaag, Bernhard: Lern- und Leistungsmotivation, Wiesbaden 2006, S.139

[8] Siehe Abschnitt 5.1

[9] http://www.duden.de/rechtschreibung/Motivation, [17.12.2015]

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Motivation, [28.11.2015]

[11] Heckhausen; Heinz: „Förderung der Lernmotivierung und der intellektuellen Tüchtigkeiten“, in: H. Roth (Hg.): Begabung und Lernen, Stuttgart 1995, S. 149

[12] Petrat, Nicolai: Motivieren zur Musik. Kassel 2007, Seite10ff

[13] Siehe Maslowsche Bedürfnishierarchie, Abschnitt 7

[14] http://studienseminar.rlp.de/fileadmin/user_upload/studienseminar.rlp.de/gs-kus/bilder/Motivation_im_Unterricht.pdf, [23.12.2015]

[15] Vgl. Petrat, Motivieren, S.11ff

[16] Vgl. Petrat, Motivieren, S.15ff

[17] Vgl. Petrat, Motivieren, S.29ff

[18] Vgl. Petrat, Motivieren, S.59ff

[19] Vgl. Petrat,: Motivieren, S.94ff

[20] Flow (englisch „Fließen, Rinnen, Strömen“) bezeichnet das als beglückend erlebte Gefühl – (https://de.wikipedia.org/wiki/Flow_(Psychologie), [23.12.2015])

[21] Vgl. Petrat, Motivieren, S.146ff

[22] Siehe Abschnitt 7

Details

Seiten
40
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668315259
ISBN (Buch)
9783668315266
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341662
Institution / Hochschule
Hochschule Osnabrück – Institut für Musik
Note
1,7
Schlagworte
Motivation Motiv Demotivation Leistung Leistungsbereitschaft Schüler Lehrer motivieren Kl

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