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Raumkonstruktionen im Film. "Pünktchen und Anton" als Analyse- und Anwendungsbeispiel für den Einsatz in der Schule

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 37 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Film als Unterrichtsgegenstand

2. Deflnltion und Abgrenzung des Begriffs Filmraum
2.1. Allgemeine Bestimmungen des Mediums Film
2.1.1. Filmsemiotik
2.1.2. Ästhetische Bildung
2.2. Räume im Film
2.2.1. Allgemeine Definitionen
2.2.2. Typologie des filmischen Raums
2.2.3. Typische Bildstrukturen und Analysekategorien

3. Raumanalysen des Films Pünktchen und Anton
3.1.ln der Verfilmung von 1953
3.2.ln der Verfilmung von 1998

4. Unterrichtslegitimation und Lehrplanbezug
4.1. Literarisches Lernen nach K. H. Spinner
4.2. Didaktische Zielperspektiven
4.2.1. Filmlesefähigkeit
4.2.2. FilmhistorischeAspekte
4.3. Lehrplanbezug

5. Vorschläge für einen konkreten Einsatz im Unterricht
5.1. Arbeiten mit einem Standbild
5.2. Vergleich mit der literarischen Vorlage

6. Ausbllck für die Verwendung des Films in höheren Jahrgangsstufen

7. Anhang

8. Abbildungsverzeichnls

9. Literaturverzeichnis

l. Der Film als Unterrichtsgegenstand

„Der Spielfilm wurde als Unterrichtsgegenstand in der Schule lange vernachlässigt. Doch spätestens seit der Filmkompetenzerklärung und dem Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung ist die Filmbildung an Schulen in Bewegung gekommen."[1]

Dass der Film in unserer heutigen Welt ein eigentlich nicht mehr wegzudenkendes Element ist, setzt schon fast selbstverständlich voraus, dass jeder Mensch über eine gewisse Filmkompetenz (z.B. Filmlesefähigkeit und bewusster Umgang mit dem Medium Film) verfügt. Die meisten Menschen sind zwar in der Lage eine filmische Darstellung folgerichtig zu entziffern und zu verstehen, jedoch beschäftigen sich immer noch sehr wenige mit der gezielten und analytischen Wahrnehmung des Mediums Film.

Über viele Jahre hinweg war auch der Film in der Schule schon präsent, jedoch eigentlich nur als praktischer Lückenfüller in Vertretungsstunden oder für das bevorstehende Ende des Schuljahres, um damit noch die verbleibenden Unterrichtsstunden zu füllen. Erst seit 2003, nachdem die oben genannte Filmkompetenzerklärung erlassen wurde, gibt es auch für Lehrkräfte konkrete Forderungen danach, den Film als weiteres erzieherisch-pädagogisches Mittel in den Unterricht miteinzubauen. Auch die Lehrpläne wurden in den letzten Jahren immer weiter aktualisiert und an die Rezeption der moderneren Medien angepasst.

Inwiefern das Medium Film und die damit verbundenen filmischen Mittel im Deutschunterricht zum Einsatz kommen können, soll in nachfolgender Arbeit anhand der spezifischen Analyse der Kategorie des Filmraumes durchgeführt werden. Dabei werden zunächst die grundlegenden Fachkenntnisse und -definitionen erläutert, die sich eine Lehrkraft für den geeigneten Einsatz im Unterricht aneignen sollte. Anschließend wird anhand der aufgestellten Kategorien eine Beispielanalyse eines Raumes der Verfilmungen von Pünktchen und Anton (1953 und 1998) vorgenommen und zum Schluss geklärt, welche Legitimation dieser Themenkomplex im Unterricht der 6. Jahrgangsstufe einer Realschule hat und mit welchen Vorgehensweisen und Methoden eine konkrete Durchführung im Unterricht erfolgen kann.

2. Definition und Abgrenzung des Begriffs Filmraum

Im nun folgenden Kapitel sollen die wichtigsten Begrifflichkeiten, die das Verständnis des Filmraums betreffen, im Allgemeinen definiert und für die später folgende Analyse eines konkreten Beispiels kategorisiert werden.

2.1. Allgemeine Bestimmungen des Mediums Film

2.1.1. Filmsemiotik

Der Begriff Semiotik stammt vom griechischen Begriff „sêmeiötikós" ab, der im Deutschen als „zum (Be)zeichnen gehörend" definiert werden kann.[2] Im Allgemeinen ist Semiotik folglich die Wissenschaft, die sich mit Zeichen(systemen) jeglicher Art befasst. Spezifiziert man den Begriff nun im Verbund mit dem Medium Film, so erhält man die Definition filmischer Semiotik. Wichtig hierbei, ist zu klären, dass das filmische Zeichen (das Bild) eine Art Doppelcharakter besitzt:

1. Zeichencharakter des (gezeigten) Abbilds, wie beispielsweise die konkrete Bildschöpfung durch bestimmte Ausschnitte, Vergrößerungen, Perspektiven und Lichtgebungen.
2. Subjektive Wahrnehmung des Rezipienten, der dem Bild durch Hinzufügen seiner persönlichen Erfahrungen und Assoziationen eine konkrete Bedeutung verleiht. Außerdem tragen stereotype/typisierende Figuren, bekannte Handlungselemente und Räume bei einem Filmsetting dazu bei, um bestimmte Klischees für den Zuschauer bereitzustellen und so dessen Erwartungshaltungen zu bedienen und gleichzeitig das Verständnis des Films zu sichern.

Diese zweidimensionale Zuschreibung des filmischen Mediums ist somit an die Wirkungs­und Funktionskategorien von kommunikationstheoretischen Modellen, die nach dem Sender-Zeichen-Empfänger-Prinzip konstruiert sind (z.B. das Organon-Modell von Karl Bühler), angelehnt.[3]

Des Weiteren muss bei der Analyse der Filmwahrnehmung beachtet werden, dass das menschliche Sehen ein klar selektiver Vorgang ist. Das bedeutet, dass sich darin Züge des Auswählens, des Vereinfachens und des Generalisierens finden. Ein Zuschauer nimmt beispielsweise nur subjektiv für ihn wesentliche Elemente des Dargestellten auf, nie das komplett betrachtete Objekt. Diese wahrgenommenen Elemente werden dann von ihm zu einem Ganzen ergänzt, indem er durch die Zusammenhänge der eigenen Erfahrung mit dem Gezeigten Entfernungen, Größen, Überlagerungen, Farbintensitäten, Schärfe und Lichtverhältnisse subjektiv interpretiert. Sehen ist also kein naiver und voraussetzungsloser Vorgang, sondern erfordert Zuordnungs- und Interpretationsfähigkeiten und die dazugehörigen Kompetenzen vomjeweiligen Rezipienten.[4]

2.1.2. Ästhetische Bildung

Im Sinne einer ästhetischen Bildung soll erreicht werden, dass sich Filmzuschauer bewusst mit der Wahrnehmung, Konzeption und der Produktion von audiovisuellen Medien auseinandersetzen.

In der schon in 2.1. angesprochenen Zusammenwirkung mehrerer Einflüsse (z.B. des Bilds und seiner subjektiven Wahrnehmung) kann eine ästhetische Erfahrung sowohl zur vertieften Vorstellungsbildung führen als auch zur Imagination.

Unter dem Begriff der Vorstellungsbildung ist die Fähigkeit gemeint, über subjektive Sinneseindrücke und -Wahrnehmungen vor dem „inneren Auge" zu verfügen. Denn ohne eine solche Kompetenz wäre dies gar nicht möglich und somit würde auch die Wechselbeziehung zwischen dem Wahrnehmungsvorgang eines Objekts und der Verknüpfung mit etwas schon Bekanntem nicht ohne Probleme funktionieren. Imagination erweitert den Begriff der Vorstellungsbildung noch um ein wichtiges Charakteristikum, indem es hier darauf ankommt, dass sich die Vorstellung von etwas konkret Wahrgenommenem mit weiteren Vorstellungen verbindet. Jedoch müssen diese in diesem Moment nicht unbedingt wahrgenommen werden, sondern beispielweise individuell vor dem inneren Auge eines einzelnen Zuschauers realisiert sein.[5]

Jedoch ist es wichtig, die ästhetische Bildung nicht nur auf die Kategorien der Wahrnehmung, Vorstellung und der damit verbundenen Empfindung zu beschränken, sondern gleichzeitig auch die Denk- und Urteilsfähigkeit des Einzelnen miteinzubeziehen. Hierbei geht es um den Faktor der Rationalität, die bei jedem Rezipienten so ausgebildet sein sollte, dass er auf Ähnlichkeiten des Dargestellten aufmerksam wird und beispielsweise gleichzeitig Generalisierungen hinterfragt und kritisch reflektiert. Aber auch die Differenzierung und (Aus-)Wertung und Beurteilung zwischen z.B. realer Wirklichkeit und Fiktion, oder die indirekten Bezüge innerhalb eines Films gehören zu dieser Art von ästhetischer Bildung.[6]

2.2. Räume im Film

Im Folgenden soll es nun nicht mehr um allgemeine Zuschreibungen an das Medium Film und dessen Wahrnehmung bzw. Interpretation gehen, sondern um die spezifische Definierung der einzelnen Kategorien, die den filmischen Raum betreffen.

2.2.1. Allgemeine Definitionen

1. Einteilung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund

„Räume sind nicht nur soziale Räume im Sinne des schon erwähnten Settings von Figuren, sondern vergleichbar auch mit dem Raum derTheaterbühne. Entsprechend kann man Vorder-, Mittel- und Hintergrund unterscheiden."[7]

2. Allgemeine Bildkomposition

Die Anordnung aller visuellen Elemente innerhalb des Bildrahmens zählen zum Begriff der Bildkomposition. Die inszenierten Figuren und Gegenstände erzeugen eine Bedeutung, die sich nicht aus der alleinigen Wahrnehmung dieser ergibt, „sondern wesentlich durch die Beziehung ihrer Größen, Proportionen, der Linienführung,derGestaltungvon Flächen, Formen und Farben."[8]

2.2.2. Typologie des filmischen Raums

In der Filmwissenschaft werden vier übergeordnete Raumtypologien differenziert: Objektbezogene Raumkonstruktionen, Bildkomposition, Emotion und Kognition. (Nähere Beschreibungen der einzelnen Kategorien befinden sich in Anhang 1.)

In dieser Arbeit soll es jedoch zentral um die (allgemeine) Bildkomposition gehen, weshalb die restlichen Kategorien in den weiteren Analysen nicht mehr weiter aufgeführt werden. „Bei dieser Kategorie geht es um die Frage, ob ein Raum tief oder flächig ist und ob sich verschiedene Bildebenen differenzieren lassen. Für eine Zuordnung muss also das Arrangement der Objekte und ihre Beziehung zueinander analysiert werden."[9] Konkret vertreten wird diese Art der Bildkomposition beispielsweise in Bühnenräumen oder dargestellten tiefen oder weiten Räumen.

2.2.3. Typische Bildstrukturen und Analysekategorien

Eine Übersicht der wichtigsten Raumstrukturen und -kategorien im Film findet sich in Anhang 2.

Bei den in dieser Arbeit vorgenommenen Analysen soll es aber nicht um alle dort aufgeführten Kategorien gehen. Vielmehr wird sich die Untersuchung der Räume auf die spezifischen Merkmale des Lichts (speziell der Unterkategorien Belichtung und Farbe) und der kompositorischen Aspekte der räumlichen Relationen (speziell Unterkategorien Muster und Symmetrien) beschränken.

„Die Kategorie Licht kann [...] Bedeutung für das Verständnis eines Films haben - etwa als Unterbelichtung, Überbelichtung oder Mehrfachbelichtung."[10] „Anhand der Lichtmenge lassen sich drei Ausleuchtungsarten unterscheiden: normal, high-key und low-key."[11] „Farben spielen in vielen Filmen eine wichtige Rolle - als Stilmittel atmosphärischer Gestaltung, als Handlungshinweise oder auch als symbolische, die Message indizierende Bedeutungsträger [, aber auch als Hinweis auf die vom Regisseur intentionierte, ästhetische Inszenierungsweise des Films, S.B.]."[12]

Existieren in einem Raum Symmetrieachsen, so entsteht in der Wirkung dieses inszenierten Raumen eine gewisse Ordnung und Harmonie für den Rezipienten. Eng mit einer solchen Ordnungswahrnehmung ist der Einsatz von (wiederkehrenden) raumspezifischen Mustern verbunden. Ein im Film verwendetes Muster lässt sich beispielsweise durch die Wahrnehmbarkeit einer Wiederholung einer individuell gewählten Form kategorisieren und produziert somit wiederum eine Art von Symmetrie und Ordnung für den Zuschauer.[13]

3. Raumanalysen des Films Pünktchen undAnton

Nachfolgend sollen nun die unter Kapitel 2 (v.a. 2.2.) dargelegten Aspekte an einem konkreten Analysebeispiel Anwendung finden.

Die Besonderheit der Analyse ist, dass sie nicht nur eine Raumanalyse beinhaltet, sondern gleichzeitig auch eine Art des Film-Film-Vergleichs vornehmen soll, indem signifikante und exemplarische Räume in zwei verschiedenen Filmadaptionen untersucht werden.

Erich Kästners Pünktchen und Anton ist, neben Emil und die Detektive, wohl einer der bekanntesten Kinderbücher des Autors, das im Jahr 1932 erschienen ist. Da dieser Roman ein wahrer Verkaufsschlager war, dauerte es auch nicht lange bis die erste Pünktchen und Anton-Verfilmung auf den Markt kam. 1953 entstand somit der gleichnamige Kinderfilm im Schwarz-Weiß-Format unter der Regie von Thomas und Erich Engel. Caroline Link nahm sich dem Stoff und der Thematik des Kinderbuches bzw. des ersten Films einige Jahre später erneut an und produzierte 1998 eine weitere Kästner-Verfilmung, die jedoch in ihrer Handlungs- und Figurenkonstellation etwas an die moderneren Entwicklungen angepasst wurde.[14]

Im Folgenden wird das Haus der Familie Pogge in beiden Verfilmungen genauer analysiert, um einen Vergleich der beiden Adaptionen möglich zu machen.

Alle verwendeten Bildquellen finden sich im Abbildungsverzeichnis.

3.1.ln derVerfilmungvon 1953

> Licht:

Untersucht man die Abbildungen 1-7 näher, so stellt man fest, dass im gesamten Film in Bezug auf die Belichtung normale Stil bzw. der High-Key-Stil verwendet wurde.

Dies bedeutet, dass man ganz klar einen vollständig und meist gleichmäßig ausgeleuchteten Bildraum erkennen kann. Dieser Raum wird mit einem sog. Führungslicht von oben beleuchtet, jedoch auch noch zusätzlich mit seitlichen Lichtquellen (Fülllichtern) ergänzt.[15] Um die Existenz der verschiedenen Lichtquellen nachzuweisen, müssen v.a. die Schattenbildungen näher betrachtet werden:

In Abb. 1 beispielsweise sind drei deutliche Schatten zu erkennen (Schatten der Wandlampe und zwei Schattenbilder des Kinderfräuleins). Der Schatten auf der Treppe lässt sich durch eine Lichtquelle von oben erklären. Die beiden anderen jedoch haben einen anderen „Schattenwinkel" und geben Aufschluss darüber, dass höchstwahrscheinlich von schräg oben oder seitlich rechts im Bild noch eine weitere Lichtquelle existiert.

Durch die vollständige Raumbeleuchtung entstehen fast natürliche Belichtungsverhältnisse, die es dem Zuschauer zudem erleichtern, vorhandene

Raumnischen, besondere Wandkanten bzw. Raumsäulen und die allgemeine räumliche Gestaltung zu begreifen.

Abb. 2 macht durch die Beleuchtung und räumliche Aufteilung deutlich, dass der etwas dunklere Durchgang unter der Treppe darüber Aufschluss gibt, dass sich hinter dieser Durchgangsnische noch ein weiterer Raum befinden muss. Auch in Abb. 3 kann man durch die unterschiedlichen Belichtungen erkennen, dass sich neben der Haustüre noch eine Wandsäule befindet, die wiederum eine Nische produziert, in der die Garderobe des Hauses installiert wurde. Abb. 4 zeigt diese Garderobe noch etwas genauer und darüber hinaus, dass die Zimmerecke der Garderobe an zwei Wänden identisch aufgebaut ist (näheres zur genauen Symmetrie folgt im Punkt Muster und Symmetrien). Wiederum ist jedoch durch die differenzierte und doch relativ komplette Beleuchtung zu erkennen, dass die Wände nicht nur die, für ein Zimmer, normalen Kanten besitzt, sondern mehrere Wandsäulen und Wandbögen existieren.

> Farben:

Da die Verfilmung von 1953 als Schwarz-Weiß-Film gedreht wurde, scheint es im ersten Moment so, als sei das vorliegende Farbspektrum ein sehr einfaches und schlichtes. Jedoch ist festzustellen, betrachtet man beispielsweise Abb. 6 und 7 näher, dass nur wenige Elemente des Raumes eine wirklich extreme Farbgebung beinhalten, z.B. die Blusen von Frau Pogge und Pünktchen oder Frau Pogges Schuhe. Die restliche Raumgestaltung wird mit den verschiedensten Grauabstufungen vorgenommen. Trotzdem erhält jedes einzelne Element des Filmraumes eine spezielle Farbgebung, die dessen Erkennbarkeit deutlich macht. Die Wände des Raumes sind zwar auch „weiß", jedoch nicht so reinweiß wie die Kleidungsstücke der beiden Figuren. Die Haustür erscheint in einem hellen, etwas marmorierten Grauton, der dem Zuschauer durch seine Beschaffenheit in Kombination mit dem Element der Tür nahelegt, dass diese Tür wahrscheinlich eine massive Holztüre ist. Trotz der Tatsache, dass im gesamten Filmraum nur eine Grauskala an Farbtönen existiert, ist es dem Zuschauer möglich, sich alles vorzustellen. Dadurch kann er auch die Handlung und den Raum begreifen, da die verwendeten Raumgegenstände eine mögliche Realität abbilden und zudem eine Beschaffenheit aufweisen, wie sie in der alltäglichen Welt des Zuschauers existieren können.

> Muster und Symmetrien:

Betrachtet man die Abb. 1, 2 und 7, so stellt man fest, dass hierin ein Muster in zwei Raumgegenständen verwirklicht wurde. Das Geländer der großen Treppe und der Raumteiler, der die Garderobe vom restlichen Raum abtrennt, besitzen beide ein sehr verziertes und geschwungenes Muster, das den Eindruck erweckt, als wären die beiden Gegenstände mit Absicht in einer so gleichen Form realisiert worden. Dadurch wird eine Gemeinsamkeit bzw. Verbindung der beiden Elemente hervorgerufen.

Würde man Abb. 3 und Abb. 5 in ein gemeinsames Bild zusammenschieben, so ist zu erkennen, dass die Haustüre, gemeinsam mit den beiden Garderoben, eine gespiegelte Symmetrie hervorruft. Die Realisierung der beiden Garderoben mitsamt den umliegenden Wänden und Wandbögen/-säulen ist rechts und links neben der Türe komplett identisch, d.h. die Haustüre dient als eine Art Spiegelachse. Diese Kombination der beiden Elemente (Türe und Garderobe) gibt der Raumgestaltung etwas stabiles und harmonisches, da der Raum nicht komplett unterschiedlich, sondern mit einer indirekten Konstante versehen wurde.

Eine weitere Stabilität wird dem Raum durch die große Treppe verliehen, die die Verbindung der beiden Stockwerke herstellt und gleichzeitig ein sehr auffälliges Element dieses Raumes ist. Durch ihre große Beschaffenheit und die am Geländer angebrachten Verzierungen, stellt sie für den Zuschauer eine Art Blickfang ist. Des Weiteren kombiniert die Treppe mehrere vorliegende Muster miteinander. Zum einen verdeutlicht sie die Zimmerkanten des vorliegenden Raumes, indem sie diesen nachempfunden ist und an der Stelle, an der auch der Raum eine Ecke besitzt, die Schrägung nach unten in den Raum hinein beginnt. Zum anderen erfahren diese geradlinigen Kanten eine gewisse Abrundung und Weichzeichnung, indem das kantige Geländer mit einem prachtvoll-verzierenden Muster versehen ist (siehe Abb. 2).

Trotz der Tatsache, dass im abgebildeten Raum viele verschiedene Muster und Einzelelemente existieren, wird deutlich, dass er nach einem Muster bzw.

[...]


[1] Lehrerfreund: http://www.lehrerfreund.de/schule/ls/schulbuch-film-unterricht/3153 (letzter Zugriff am 15.07.2016).

[2] DUDEN: http://www.duden.de/rechtschreibung/Semiotik (letzter Zugriff am 13.07.2016).

[3] Vgl. Lange, Sigrid: Einführung in die Filmwissenschaft. Darmstadt 2007, S. 33 - 36 und 47f.

[4] Vgl. ebd.: S. 49ff.

[5] Vgl. Frederking, Volker/Krommer, Axel/Meier, Christel: Literatur- und Mediendidaktik, in: Frederking, Volker/Huneke, Hans-Werner/Krommer, Axel/Meier, Christel (Hrsg.): Taschenbuch des Deutschunterrichts. Band 2. Baltmannsweiler 2010, S. 452 - 458.

[6] Vgl. ebd.: S. 458-461.

[7] Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse. 2. Auflage, Paderborn 2008, S. 147.

[8] Lange, Sigrid: Einführung in die Filmwissenschaft, S. 49.

[9] Khouloki, Rayd: Der filmische Raum. Konstruktion, Wahrnehmung, Bedeutung. 2., durchgesehene Auflage, Berlin 2009, S. 119.

[10] Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse, S. 148.

[11] Diekhans, Johannes (Hrsg.): Filmanalyse im Unterricht. Zur Theorie und Praxis von Literaturverfilmungen. S. 26, in: EinFach Deutsch. Unterrichtsmodell. Paderborn 2004.

[12] Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse, S. 149 f.

[13] Vgl. Graf, Dennis/Großmann, Stephanie/Klimczak, Peter/Krah, Hans/Wagner, Marietheres (Hrsg.): Filmsemiotik. Eine Einführung in die Analyse audiovisueller Formate. Marburg 2011, S. 99 - 102.

[14] Vgl. Tornow, Ingo: Erich Kästner und der Film. München 1998, S. 42 - 49.

[15] Vgl. Lange, Sigrid: Einführung in die Filmwissenschaft, S. 53.

Details

Seiten
37
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668313255
ISBN (Buch)
9783668313262
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341582
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Philosophische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
raumkonstruktionen film pünktchen anton analyse- anwendungsbeispiel einsatz schule

Autor

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