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Maschinelle und maschinengestützte Übersetzung. Probleme, Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven

Hausarbeit 2012 24 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Geschichtlicher Rückblick der maschinellen Übersetzung (MÜ)
1.1. Anfänge der maschinellen Übersetzung
1.2. Entwicklungstendenzen und gegenwärtiger Stand der Forschung

2. Maschinelle und maschinengestützte Übersetzung

3. Klassifizierung der Übersetzungssystemen
3.1. Regelbasierte Systeme
3.2. Neuere MÜ – Ansätze

4. Probleme und Lösungsmethode im maschinellen Übersetzungssystem

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit vielen Jahren gehört die maschinelle Übersetzung (MÜ) zu einem der intensiv erforschtesten Teilgebiete der Computerlinguistik. In der Zeit des kalten Krieges war sie zunächst für militärische Zwecke eingesetzt und wurde anfänglich als reiner Dekodierungsprozess betrachtet. Heutzutage ist das Forschungsfeld der maschinellen Übersetzung im wesentlichen durch die Internationalisierung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und Kontakte begründet.

Die vorliegende Arbeit soll die Probleme, Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven der maschinellen und maschinengestützten Übersetzung behandeln. Ich habe mich für dieses Thema entschieden, weil die maschinelle Übersetzung aufgrund der weltweit steigenden Verbreitung des Internets auf dem aktuellen Markt der Übersetzungswissenschaft sehr an Attraktivität gewonnen hat. Heutzutage ist das Internet die wichtigste Quelle der Informationsbeschaffung, sowohl für professionelle, als auch für private Nutzer, die ständig mit verschiedenen Sprachen konfrontiert werden. Mit dem Einsatz von maschinellen Übersetzungssystemen wird versucht, die globale Kommunikation zu unterstützen und die dabei entstehenden Sprachbarrieren zu vermeiden.

Zu Beginn meiner Arbeit wird zunächst ein Abriss über die geschichtliche Entwicklung der maschinellen Übersetzung im Hinblick auf die theoretisch – linguistischen und methodischen Grundlagen vorgestellt. Kapitel 1 beschreibt zudem den aktuellen Stand und einige Perspektiven in der Forschung. Die Grundzüge der maschinellen Übersetzung werden im zweiten Kapitel vermittelt. Dabei wird auf die Frage der Terminologiebildung zur Differenzierung der verschiedenen Arten der maschinellen Übersetzung eingegangen und der grundsätzliche Vergleich zu der maschinengestützten Übersetzung erläutert. Kapitel 3 befasst sich mit der Klassifizierung der traditionellen und der neueren aufgrund der linguistischen Defizite entstandenen MÜ – Ansätze und stellt deren Vor- und Nachteile heraus. Gegen Ende der Hausarbeit wird auf einige Problembereiche der maschinellen Übersetzung und derer Lösung eingegangen.

1. Geschichtlicher Rückblick der maschinellen Übersetzung (MÜ)

1.1. Anfänge der maschinellen Übersetzung

Die ersten Programmierungsversuche zur mechanischen Sprachübersetzung gehen auf das 17. Jahrhundert zurück. Namen wie Cave Beck, Johann Joachim Becher und Athanasius Kircher sollten in diesem Zusammenhang genannt werden. Damals begann die lateinische Sprache ihren Wert als Wissenschaftssprache zu verlieren. Um die Sprachbarrieren zu überwinden, wurde vorgeschlagen, mechanische Apparate einzusetzen.

In der Geschichte der maschinellen Übersetzung versuchte man schon anfangs, mit den Mitteln der neuen Computertechnologie unter minimaler Beteiligung der Spach- bzw. Translationswissenschaft weit zu kommen. Laut Schwanke (1995) werden die MÜ – Pioniere oft „als sture Mathematiker oder Informatiker charakterisiert, fasziniert von Computer – Algorithmen, aber ohne tieferes Verständnis für die Wunder der Sprache“ (S. 36).

Geschichtlich gesehen kann die Entwicklung der Forschung zur maschinellen Übersetzung als Abfolge von vier verschiedenen Generationen betrachtet werden. Der Beginn der „experimentellen“ Phase der Maschinellen Übersetzung kann mit der Entstehung der ersten maschinengestützten Übersetzungssysteme vom französischen Ingenieur G. Arstrouni und Russe Smirnov – Troyanskii betrachtet werden. Zu nennen sind hier vor allem auch solche Namen, wie Booth, Richens, Weaver und Bar – Hillel, deren Leistungen einen großen Anstoß für die weitere Entwicklung der maschinellen Übersetzung gegeben haben.

Die ersten konkreten Schritte zur Maschinisierung des Übersetzungsprozesses können auf das Jahr 1933 zurückgeführt und als Anfang der ersten Generation betrachtet werden. Die MÜ – Systeme beschäftigten sich damals mit der Bearbeitung von Sprachenpaar Russisch – Englisch, deren Aufgaben darin bestanden, dass man nur den Wörtern der Ausgangssprache die jeweiligen Wörter der Zielsprache zuordnen müsse, um eine adäquate Übersetzung zu erhalten. Solche Übersetzungsmaschinen gingen nicht über eine einfache Wort – für – Wort Übersetzung hinaus und brachten viele Nachteile mit sich. Zum einen konnten die semantischen Mehrdeutigkeiten auf Wortebene und syntaktische Probleme nicht gelöst werden. Zum anderen betraf es idiomatische Wendungen, wie z.B. Funktionsverbgefüge oder feste Syntagmen, deren Übersetzungen nicht bearbeitet und ermittelt werden konnten (vgl. Blatt 1985: S.47).

Im Laufe der Zeit stieg das Interesse an der maschinellen Übersetzung. Die Hoffnung, dass der Übersetzungsprozess mit Hilfe einer Maschine erfolgreich simuliert werden kann, wurde immer größer. 1954 wurde das erste auf einem Computer installierte Übersetzungssystem der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit diesem System, das auf der Grundlage von 250 Wörtern und sechs Grammatikregeln arbeitete, konnten ausgewählte Sätze vom Russischen ins Englische übersetzt werden. Dieses führte zur Meinung, dass es möglich sei, den Übersetzungsprozess zu automatisieren (vgl. Ramlov 2009: S. 59).

In der zweiten Hälfte der 50er Jahre wurde versucht einige Hilfsstrategien einzuführen, die auf die linguistischen Grundlagen der maschinellen Übersetzung eingehen sollten. So wurden z.B. idiomatische Wendungen in das Wörterbuch aufgenommen oder semantische Mehrdeutigkeiten im ausgangssprachlichen Text „präkodiert“ (vgl. Blatt 1985: S. 48).

Der Anfang der 60er Jahre kann als Periode der zweiten Generation bezeichnet werden. Der Unterschied von der ersten Generation zeigte sich vor allem durch ein neues Wörterbuchkonzept und eine unterschiedliche Aufteilung des Übersetzungsprozesses. Laut diesem neuen Gesamtkonzept wurden statt der Wortformen nur die Stämme in die Wörterbücher eingetragen, mit deren Hilfe verschiedene morphologische Informationen eines untersuchten Wortes ermittelt werden konnten. Zudem wurde es möglich auch eine syntaktische Analyse der Ausgangssprache durchzuführen, wie z.B. Angaben über die Valenz oder Wortklassen (vgl. Blatt 1985: S.50).

Trotz einiger Fortschritte wiesen die MÜ – Systeme immer noch viele Nachteile auf und wurden stark kritisiert. Es wurde notwendig, die Perspektiven der maschinellen Übersetzung auf dem Markt der Übersetzungswissenschaft zu analysieren. Auf Grund dessen wurde im Jahr 1966 von der amerikanischen National Academy of Sciences das Automatic Language Processing Advisory Committee (ALPAC) gegründet. Ein aus sieben Gutachtern bestehendes Gremium kam zu dem Entschluss, dass die MÜ nicht von Nutzen sei und als Einsatz zu maschinellen Hilfsmitteln elektronische Terminologiedatenbanken und Wörterbücher vorgeschlagen werden sollten. Infolgedessen wurde die Finanzierung der Forschung auf dem Gebiet der MÜ stark reduziert und in das Gebiet der Computerlinguistik mehr investiert.

Allerdings muss hinzugefügt werden, dass der damalige Stand der MÜ in der Forschung nicht in allen Ländern gleich beurteilt worden ist. Das Interesse an der maschinellen Übersetzung wuchs vor allem in Europa, wo der Bedarf an Übersetzungen von Texten aus verschiedenen Bereichen, wie Verwaltung, Technik, Medizin, Recht usw. in und aus den Sprachen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft ziemlich groß war (vgl. Ramlow 2009: S. 63).

Um die Schwachstellen und Nachteile der zweiten Generation zu beseitigen, wurde versucht nach dem ALPAC – Bericht neue Ziele und Aufgaben einzusetzen, die darin bestanden, semantische und syntaktische Regeln etwas ausführlicher darzustellen. Die Strategien zu kombinierten syntaktisch – semantischen Fragestellungen im Rahmen der MÜ – Forschung können der dritten Generation zugerechnet werden. Aber auch dieses „voll ausgereifte“ MÜ – System konnte jedoch noch nicht alle bei der Übersetzung gestellten Schwierigkeiten meistern (vgl. Blatt 1985: S. 53).

Seit Mitte der 70er Jahre erlebte die Forschung der maschinellen Übersetzung einen neuen Aufschwung und war zu jener Zeit auf drei grundlegende Bereiche ausgerichtet: Entwicklung von transferbasierten Systemen; Entwicklung neuartiger Interlingua – basierter Systeme und Nutzung der Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz für die maschinelle Übersetzung (s. Kapitel 3).

Nach einigen Jahren kamen die Forscher zur Erkenntnis, dass das Wissen von der Welt im allgemeinen und das Fachwissen im besonderen den vorherigen MÜ – Systemen fehlten. Daher wurden die bezeichneten Eigenschaften des Weltwissens in Form von Wissensstrukturen in den MÜ – Prozess einbezogen und die MÜ – Systeme dieser Art der vierten Generation zugerechnet (vgl. Blatt 1985: S. 59). Dabei handelte es sich um ein „algorithmisch fundiertes System der Welterklärung und Zusammenhänge zwischen Sprache und Denken auf der Basis einer begrifflichen Dependenztheorie“ (vgl. Freigang 1979: S. 8).

Seit dem Beginn der 80er Jahre wurden mehrere Forschungsprojekte durchgeführt, die große Hoffnungen auf dem Markt der Übersetzungswissenschaft hervorriefen. Eines von solchen bedeutenden Forschungsprojekten war das von der Europäischen Gemeinschaft linguistische Projekt EUROTRA, das durch eine realistischere Einschätzung der Probleme und Lösungsmöglichkeiten der maschinellen Übersetzung gekennzeichnet war. Bei dieser Software – Entwicklung handelte es sich vor allem um kontrastive Untersuchungen und Unterstützungen der linguistischen Arbeiten. Dazu zählten auch solche Projekte, wie z.B. EURATOM zur Übersetzung vom Russischen ins Englische, KANT mit relativ starkem wissensbasiertem Ansatz und das kommerzielle System METAL für die Übersetzung von Texten aus den Bereichen Telekommunikation und Datenverarbeitung im Sprachenpaar Deutsch – Englisch. (vgl. Ramlow 2009: S. 66).

Zu einem der wohl bekanntesten Übersetzungssysteme, die für das Deutsche als Ausgangssprache entwickelt worden sind, zählt das Saarbrücker System SUSY, das über ein größeres Lexikon der deutschen Sprache verfügte, obwohl die fremdsprachigen Lexika nur auf „einem bescheidenem Umfang geblieben sind“ (vgl. Schwanke 1991: S. 52).

1.2. Entwicklungstendenzen und gegenwärtiger Stand der Forschung

Zu Beginn der 90er Jahren wurde der Optimismus bezüglich der Realisierbarkeit der maschinellen Übersetzung immer größer. Dies betraf vor allem Länder wie USA, Westeuropa und Asien. Zu dieser Zeit wurden die Übersetzungsprogramme mehr auf der kommerziellen Basis eingesetzt. Der Grund dafür war, dass die Nachfrage der qualitativen Übersetzung nicht nur von Programmen, sondern auch von verschiedenen Gebrauchsanweisungen oder Produktbeschreibungen anstieg. Somit konnten die multinationalen Unternehmen, bzw. große Computerfirmen, die ihre Produkte auf internationaler Ebene vermarkten, ihre Marktposition gegenüber der Konkurenz aufrechterhalten (vgl. Ramlow 2009: S. 69). Inzwischen wurde auch erstmals versucht, das Dolmetschen zu maschinisieren. Zu den ersten Projekten zählte ein japanisches Produkt, das sich vor allem auf die Entwicklung eines Prototyps für das automatische Dolmetschen von Telefongesprächen spezialisierte (vgl. Schwanke 1995: S. 9).

Neben dem maschinellen Dolmetschen sind die statistische und die beispielbasierte Übersetzung heutzutage von großer Bedeutung. Trotz immer noch vorhandenen Problemen im maschinellen Übersetzungsprozess wurden mit der Zeit auch bestimmte Verbesserungen erreicht, mit deren Hilfe es möglich wurde, die Qualität der maschinell übersetzten Texte weiter optimieren zu können. So wurde vorgeschlagen, den statistischen und den beispielbasierten Ansatz mit den regelbasierten linguistischen Verfahren (s. Kapitel 3) der morphologischen und syntaktischen Analyse zu kombinieren. Zu der nächsten Absicht, Zieltexte in hoher Qualität zu generieren, gehörte auch der neue dialogbasierte Ansatz, der in einer Form der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine bestand (vgl. Ramlow 2009: S. 71).

Es lässt sich erkennen, dass seit einigen Jahren jeder Übersetzerarbeitsplatz auch ein Computerarbeitsplatz ist, an dem die modernsten Kommunikationsmedien bzw. verschiedene Terminologiedatenbanken, elektronische Glossare und Wörterbücher eingesetzt werden. Heutzutage bringt das Nutzen von maschinellen Übersetzungssystemen für professionelle Anwender offensichtlich bestimmte Vorteile mit sich. Dazu äußerte sich Wilss (1992) in seinen Studien:

Der Computer ist deswegen so groß in Mode, weil er ungeheuer schnell ist und im Handumdrehen umfangreiche Wissensangebote machen kann. Die moderne Gesellschaft ist deshalb bereit, immer mehr Kapital und menschliche Ressourcen in Schnelligkeit zu investieren (S. 47).

Die Übersetzungssysteme fanden ihre Anwendung auch im privaten Bereich, wo Angebot und Nachfrage in den letzten Jahren besonders anstiegen. Seit Mitte der 90er Jahren stehen verschiedene Online – Übersetzungssysteme im Internet zur Verfügung, die den Nutzern erlauben, einzelne Wörter, Sätze oder Texte in ihre Muttersprache übersetzen zu lassen. Mittlerweile gibt es sie für fast alle Sprachen und in unterschiedlichen Ausführungen. Allerdings ist die Qualität von solchen Übersetzungsprogrammen oft unzureichend und die von Online – Systemen übersetzten Texte werden meistens umgangssprachlich, inkohärent und grammatisch fehlerhaft übersetzt (s. Kapitel 4). Außerdem muss betont werden, dass bei der Übersetzung von Fachtexten wesentlich weniger Probleme auftreten, denn viele Übersetzungssysteme sind auf Texte aus bestimmten Fachgebieten ausgerichtet und erzielen somit deutlich bessere Ergebnisse (vgl. Ramlow 2009: S. 70).

Die Geschichte der maschinellen Übersetzung kann heute noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Auf dem Markt der Übersetzungswissenschaft entstehen immer noch neue Übersetzungsprogramme, an deren Qualität sorgfältig gearbeitet wird. Esther Allen (2011) schreibt in ihrem Artikel „I google Englisch“ über zwei gegenläufige Entwicklungen, die es in den letzten fünf Jahren in den Vereinigten Staaten gab. Zum einen entstanden neue Journale zu literarischen Übersetzungen sowohl im Print als auch online, wie z.B. Three Percent, Calque oder Guernica. Zum anderen haben sich viele Menschen durch die Berichterstattung über Fortschritte in der Informatik überzeugen lassen, dass menschliche Übersetzungsleistungen überflüssig werden. So wurden Fragen diskutiert, wie z.B. „ob die Computer bald menschliche Übersetzer verdrängen?“ oder „funktioniert ein Übersetzungsprogramm ohne von Menschen gemachte Übersetzungen doch nicht?“. Es wurde festgestellt, dass einige Übersetzungsprogramme, bzw. Google heutzutage in der Lage sind, auch literarische Texte korrekt zu übersetzen, was vor einigen Jahren unvorstellbar zu sein schien.

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Details

Seiten
24
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668312210
ISBN (Buch)
9783668312227
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341502
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Schlagworte
Übersetzungsprozess Maschinelle und maschinengestützte Übersetzung Machine – Translation Translation – Memory – Systeme Regelbasierte Systeme
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Titel: Maschinelle und maschinengestützte Übersetzung. Probleme, Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven