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Ungewollte Kinderlosigkeit. Gesellschaftliche Einflüsse, Bewältigungsversuche und Dominanz der Medizin

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 17 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Fokussierung auf die Kinderwunschbehandlung - Der generelle Einfluss sozialer Bezugspersonen
2.2 Die Dominanz der Medizin - Der Einfluss der Ärzte
2.3 Die Pränataldiagnostik - Auswirkungen auf die Akzeptanz von Behinderung

3 Reflexion (der Literatur von Monika Fränznick und Brigitte Sorg)

4. Literaturverzeichnis
4.1 Anhang

1 Einleitung

Seit den 1970er Jahren besteht die Möglichkeit reproduktive Maßnahmen in Anspruch zu nehmen, um eine ungewollte Kinderlosigkeit zu vermeiden. Inzwischen gelten sie als medizinische Standartverfahren. 2012 wurden in Deutschland 1,9% aller Geburten durch die assistierende Reproduktionsmedizin ermöglicht. Eine Behandlung ist jedoch nicht erfolgssicher sondern äußerst vage (vgl. Hoffmann 2013, S. 210- 211). Trotzdem versprechen sich viele Paare beim Ausbleiben der Schwangerschaft große Hoffnungen an die Fortpflanzungsmedizin. Wenn jedoch das Vorhaben endgültig ausbleibt, hat dies Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Eine ganze Zukunftsperspektive zerbricht daran. „Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen gibt es kaum“ (Enchelmaier 2004, S. 8).

Angesichts des zuletzt angeführten Aspektes befasst sich die vorliegende Hausarbeit im weiteren Verlauf mit der Fragestellung, welche dem Seminar Gleichheit und Differenz: Zum Diskurs von Lebens- und Familienformen im Wandel SoSe 2014 zu Grunde liegt:

Ungewollte Kinderlosigkeit

-Gesellschaftliche Einflüsse, Bewältigungsversuche und Dominanz der Medizin-

„Besteht ein Verhältnis zwischen Bezugspersonen/- gruppen mit dessen normativen/ sozialen Erwartungen und der Entscheidung, assistierende Reproduktion oder im Falle einer Behinderung eine gesetzlich legale Abtreibung in Anspruch zu nehmen?“

Die Ausarbeitung schildert allgemeine Facetten der Reproduktionsmedizin, welche heutzutage als selbstverständlich gilt und definiert in diesem Kontext mögliche Ursachen für jenen Sachverhalt. Es soll herausgestellt werden, dass die Perspektive der Frau, welche durch die assistierende Methodik eine biologisch unabhängige Gleichberechtigung beziehungsweise Selbstbestimmung erlangt, trotzdem von diversen Bezugsgruppen wie dem Freundeskreis, der Familie oder den Ärzten geprägt und beeinflusst wird. Zudem werden weiterführende Informationen und Daten beziehungsweise Statistiken angegeben.

Die grundlegenden Gegebenheiten beruhen primär auf dem Seminartext „Frauen in der Reproduktionsmedizin: Hoffnungen – Entscheidungszwänge – Behandlungsspiralen“ von Monika Fränznick und Brigitte Sorg aus dem Jahr 2002. Jene schildern die Dimension der Verfahren kritisch in jeweils eigenen Kapiteln. Dabei unterscheiden sie zwischen der In- vitro- Fertilisation (IVF), der Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), der Pränataldiagnostik (PND) und der Präimplantationsdiagnostik (PID). Da in modernen elektronischen Medien wie dem Fernsehen fast ausschließlich nur eine enthusiastische Berichterstattung vorliegt, versuchen die Autorinnen dem potentiellen Leser einen Überblick über Chancen und vor allem Risiken der genannten Verfahren zu ermöglichen.

Des Weiteren wurde der Beitrag „Extremfokussierung in der Kinderwunschbehandlung. Ungleiche biographische und soziale Ressourcen der Frauen“ von Britt Hoffman aus der vorgegebenen Seminarliste sowie weitere Sekundärliteratur, welche im Verzeichnis 4.1 vermerkt ist, zum Erkenntnisgewinn herangezogen. Diese wird zudem genutzt, um Beiträge der Präsentationsdiskussion vom 16.06.2014 für das Segment der Reflexion (des Textes von Fränznick und Sorg) wissenschaftlich fundiert darzustellen beziehungsweise zu belegen.

2. Hauptteil

2.1 Die Fokussierung auf die Kinderwunschbehandlung - Der generelle Einfluss sozialer Bezugspersonen

Die Reproduktionsmedizin kann Paaren verhelfen den erhofften Kinderwunsch zu erfüllen. Somit wird die Eizellenspende überflüssig. Es wird eine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau geschaffen, da die biologische Stagnation nicht mehr Ursache für das Ausbleiben der Schwangerschaft sein kann (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 75). Jedoch stellt die Parität der Frau nicht den alleinigen ausschlaggebenden Aspekt für die Nutzung der Kinderwunschbehandlung dar. Viele Paare wollen mit der Begründung des Leidensdrucks der Frau (als selbstbestimmende Person) ein Wunschkind legitimieren. Aufgrund dessen konnte eine enorme Steigerung der IVF Behandlungen festgestellt werden. 1987 nutzen lediglich 700 Paare die Möglichkeiten der assistierenden Reproduktion. 1997 dagegen waren es schon 30000. Dies entspricht einer Steigerung von ca. 4000%. Dadurch wird eine gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber den Methoden verdeutlicht. IVF sowie ICSI wurden somit in den 90ern etabliert und galten in kürzester Zeit als Selbstverständlichkeit. Es wird impliziert, dass man das gesunde Wunschkind zum gewünschten Zeitpunkt bekommt (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 76).

Bedenken wie Fehlbildungen, Chromosomabweichungen, Entwicklungsverzögerungen oder allgemein die Gegebenheit eines Infektionsrisikos werden nicht bedacht (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 76). Das Wissen zum biologischen technischen Aspekt ist nur mosaikartig vorhanden oder wird hauptsächlich durch Medien (wie dem Fernsehen, Zeitungen, etc.) und propagierende Erfahrungsberichte genährt (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 22). Mütterfreude beziehungsweise Müttersorgen sind demnach gesellschaftsfähiger als Risiken der Behandlung oder die psychischen Belastungen beim Ausbleiben der Schwangerschaft. Dies zeigt auch das Warensortiment renommierter Buchläden. Es gibt zahlreiche Literatur, welche größtenteils von Frauen konsumiert werden, zu Erziehungsfragen oder den Mitteln der Reproduktionsmedizin als quasi Allheilmittel. Themen wie der nicht erfüllte Kinderwunsch werden nur distanziert behandelt. Die Trauer beispielsweise ist ein deutliches Tabuthema und wird marginal illustriert (vgl. Enchelmaier 2004, S. 8). „[Sie] hat in unserer Konsumgesellschaft keinen Platz“ (Enchelmaier 2004, S. 32).

„Das Kind gilt nach wie vor als wesentlicher Bestandteil eines weiblichen Lebenslaufes“ (Fränznick/ Wieners 1996, S. 17). Frauen fühlen sich ohne Nachwuchs nicht vollwertig. Die Kinderlosigkeit wird als Verfehlen des Lebensziels betrachtet. Die Mutterrolle beinhaltet ein zentrales biographisches Identifikationsangebot (vgl. Hoffman 2012, S. 211). Das Selbstkonzept der Frau wird angegriffen, da sie sich in ihrer Weiblichkeit nicht vollwertig fühlt. Mutterschaft besitzt einen hohen Stellenwert für den sozialen Status (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 72). Nach einer Studie von Rauprich, Berns und Vollmann (2011) gaben 74% der Befragten an, dass für sie der Kinderwunsch im Mittelpunkt ihres Lebens steht (vgl. Hoffman 2012, S. 214). Neue technische Möglichkeiten festigen dadurch aber beiläufig traditionelle Rollenmodelle/ Geschlechterbilder. Vorhandene Mutterschaftsideale werden verstärkt. Geschlechterstereotypen werden gebildet und vermindern das Recht auf persönliche Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung (vgl. Hoffman 2012, S. 211).

Die heutige Gesellschaftsnorm ist demzufolge geprägt vom Blickwinkel der vorindustriellen Ideologie, wo es ein starkes Verhältnis zwischen Frau, Familie und Kind gab. Jene soll ihr Leben im Sinne der Familiengemeinschaft gestalten (vgl. Beck- Gernsheim 1988, S. 19). Der Freundeskreis besitzt meist eine homogene Ansicht zu idealtypischen Lebenszyklen der Frau (Beziehung, Heirat, Kinder- Sie bilden eine Theorie der Sinneinheit) (vgl. Hoffman 2012, S. 218). Ergo wird eine Ehe ohne Kinder nicht als erwartungsgemäß hingenommen beziehungsweise akzeptiert. Sie weicht von einer gesellschaftlichen erwünschten Norm ab (vgl. Enchelmaier 2004, S. 85). Mutterschaft soll dadurch das Lebensziel und die Lebensaufgabe der Frau (aus der Mittelschicht) sein. Das Leben dieser soll im Dienste der Erziehung gestellt werden. Dafür benötigt sie Kinder (sie sollen die einzige Möglichkeit darstellen, vollkommende Nähe und emotionale Wärme zu erlangen). Dies wiederspricht zwar bürgerlichen Regelungen wie Freiheit und Gleichheit, wird ihr aber trotzdem abverlangt. Dadurch kann Mutterschaft auch zur Belastung werden. Alte Strukturen bleiben weiterhin bestehen (vgl. Beck- Gernsheim 1988, S. 36- 37).

In summa entsteht ein starres Grundkonzept der Gesellschaft. Jenes betrachtet eine Frau in nur zwei Kategorien: „Frau mit Kind“ und „Frau ohne Kind“. Diese Aufteilung ist nicht komplex genug, da individuelle Motive und Gründe nicht berücksichtigt werden. Ungewollte Kinderlosigkeit wird demnach als etwas „dazwischen“ einsortiert (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 63). „So trägt beispielsweise die Erfahrung, vorherrschenden Weiblichkeitsbildern und konventionellen Lebensentwürfen nicht entsprechen zu können, maßgeblich dazu bei, daß ungewollt kinderlos zu sein für viele Frauen zu einer Lebenskrise wird“ (Fränznick/ Wieners 1996, S. 18). „Die Konfrontation mit der Tatsache, kein Kind zu bekommen, ist vergleichbar mit einer Amputation, die für andere jedoch nicht sichtbar ist“ (Enchelmaier 2004, S. 14). 48% der betroffenen Frauen empfinden die Unfruchtbarkeit sogar als ein schlimmeres Ereignis als den Tod eines nahestehenden Menschen (vgl. Enchelmaier 2004, S. 14).

Dennoch gilt der unerfüllte Kinderwunsch im Verwandtenkreis häufig nicht als psychisches sondern als medizinisches Problem, welches man mit einer Behandlung auch einfach handhabbar beheben kann. Die Daten sprechen jedoch dagegen. Die Erfolgschancen der IVF aus medizinischer Sicht betrugen in den 90ern lediglich 25- 30%. Aktuellere Daten zeigen immer noch nicht den Sachverhalt der garantierten Schwangerschaft (2011: ca. 33% (vgl. Anhang)). Der eigentliche Erfolg im Sinne der wirklichen Geburtenrate liegt aber bei 16% (1999). Die so oft erwähnte Schwangerschaft ist gar nicht so greifbar wie durch Medien immer suggeriert wird (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 78- 79). Die körperliche Unfruchtbarkeit ist dessen ungeachtet aber keine Krankheit. Dennoch wird sie von der Gesellschaft wie zum Beispiel Boulevardzeitungen als solche implizit tituliert (vgl. Enchelmaier 2004, S. 13). Durch den stetigen Druck des Verwandtenkreises stehen für die Frauen Ursachen für das Ausbleiben der Schwangerschaft und das medizinische Verfahren im Vordergrund. Das allgemeine Interesse an den Risiken der Behandlung und den damit verbundenen Belastungen werden verdrängt, um weiteren Stress zu vermeiden. Jenes ist aber nicht dauerhaft möglich (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 80- 81).

Durch den ständigen Kontakt zu den Freunden entstehen Konflikte im sozialen Umfeld. Freundinnen bekommen unbeschwert Kinder und können den Leidensdruck nicht nachvollziehen. Es ist eine schmerzhafte Konfrontation der Paare, da sie das eigene Familienpotential nicht vollkommen ausschöpfen können. Gefühle wie Wut auf den eigenen Körper und Trauer können die Beziehung belasten (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 81). Die Sinnhaftigkeit jener Partnerschaft wird infrage gestellt. Die Beständigkeit dieser wird von der Extrempositionierung der Frau gefährdet (vgl. Hoffman 2012, S. 225).

Bei den Freundschaften treten unüberbrückbare Differenzen auf. Schon allein die Tagesgestaltung kann zu Komplikationen führen, da jene vor allem von den Kindern abhängig ist beziehungsweise nach ihnen gestaltet wird. Aktivitäten unter Freunden werden zum Wohle jener verschoben. Zudem werden Freundschaften häufig durch Vorurteile geprägt, wo Kinderlose als rücksichtslos karriereorientiert denunziert werden. (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 63- 64). Ihnen werden egoistische Gründe wie der Vorrang des beruflichen Werdeganges unterstellt. Damit ist häufig das Verhältnis, dass kinderlose Paare häufiger Urlaube unternehmen oder hochpreisige Hobbys besitzen, gemeint. Sie werden als „DINKS“ bezeichnet (englische Abkürzung, Deutsch: „doppeltes Einkommen, keine Kinder“) und von den Eltern beneidet (vgl. Enchelmaier 2004, S. 85). Eine Vereinbarung mit Beruf und der anspruchsvollen Rolle der Mutterschaft, welche von der Gesellschaft konstruiert beziehungsweise vorgegeben wird, wäre aber fast nicht möglich (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 55).

Demnach müsste ein gesellschaftliches Verständnis für diese Problematik vorhanden sein. Soziale Bezugsgruppen tabuisieren aber häufig die Thematik oder belächeln die Paare, da sie sie auf den körperlichen Status reduzieren. Für sie ist es eher ein eigenes Verschulden, wenn Angebote der Reproduktionsmedizin nicht genutzt werden (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 82). Das Versäumnis wird mit dem Gebrauch eines Kondoms gleichgesetzt (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 56). Zudem können viele Verwandte eine ungewollte Kinderlosigkeit schwer nachvollziehen und reagieren mit Verunsicherung. Dadurch kommt es zu verletzenden Bemerkungen. Die Frau fühlt sich nicht ernst genommen und findet deswegen keine Anknüpfungspunkte, sich über ihr Leiden zu äußern (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 18).

Paare werden bedrängt und wollen mit den gegebenen Erwartungen nicht brechen, da die Angst vor sozialer Isolation und Ausgrenzung überwiegt. Wünsche von anderen Menschen wie beispielsweise denen der Eltern (Großelternbestreben) sind vordergründig (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 83). Frauen haben zusammenfassend Angst vor der Denunzierung. Sie rechtfertigen ihre Kinderlosigkeit damit, dass es nur ein zeitliches Phänomen ist. Sie betonen dann die Bemühungen und geben deswegen an, dass sie in Zukunft auch die Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen werden. Falls die Reproduktionsmedizin- Phase unterbrochen wird, wird dies negativ interpretiert. Deswegen fällt der Schritt aus dem Verfahren schwer (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 65- 66).

2.2 Die Dominanz der Medizin - Der Einfluss der Ärzte

Eine bedeutsame Bezugsgruppe stellt auch der Arzt mit dessen medizinischen Rat dar. Er ist eine Autoritätsperson. Seine Diagnosen werden als endgültig angesehen (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 111). Bei ihm begeben sich die Frauen in eine Sterilitätsbehandlung. Verhäuft wird aber vorzugsweise die vielversprechendere Definition der Kinderwunschbehandlung gebraucht. Diese weckt bei speziellen Patientinnen Hoffnungen, wo eigentlich keine sein können. Es suggeriert eine adäquate Lösung der Probleme (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 19). Der Mediziner Dr. Peter Kemeter gibt aber an, dass seit der Behandlung „[…] mehr Bedürfnisse geweckt worden sein, als gestillt werden konnten“ (Fränznick/ Wieners 1996, S. 21). Die Paare können zu Beginn des Reproduktionsverfahrens die Gefahren somit nicht fachgemäß einschätzen (vgl. Fränznick/ Wieners 1996, S. 21).

Doch trotz offener Fragen stieg die Nachfrage nach einer ICSI Behandlung von 1994- 1998 um mehr als 300%. Dadurch entsteht eine Dominanz der Medizin, welche einen Dienstleistungscharakter entwickelt. In Deutschland wurde ein dichtes Netz der Schwangerschaftsversorgung geschaffen. Jenes ist auch in den gesetzlichen Mutterschaftsrichtlinien verankert. Es wird demnach politisch befürwortet. Jedoch gibt es bei mehreren Untersuchungen unausbleiblich mehr Abweichungen. Viele Personen werden unnötig als Risikoschwangere eingeschätzt, weswegen gesellschaftliche Bezugspersonen die Nutzung der Reproduktionsmedizin aufgrund des Status „Risiko“ als Notwendigkeit und Pflicht der werdenden Mutter ansehen. Nebenwirkungen oder die Anzahl der Versuche werden gemeinhin nicht bedacht (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 77).

Assistierende Reproduktionsmedizin ist letztendlich keine Garantie für Kindergeburten (sogar mehrere erfolglose Behandlungen müssen in Betracht gezogen werden). Für die Frau stellt dies eine dauerhafte Belastung dar, da es stets einen Disput zwischen Hoffnung und Zweifel gibt. Sie besitzt einen Zweifel gegenüber der Behandlung, aber dennoch auch den Glauben an den greifbaren Kinderwunsch, welcher von Erfahrungsberichten oder Erkenntnissen anderer Frauen aus dem Bekanntenkreis gestützt wird. Sie gerät dadurch in einen Kreislauf aus Hoffen- Warten- Enttäuschung- Behandlung, welcher für sie eine psychische und physische Belastung ist (vgl. Fränznick/ Sorg 2002, S. 79- 80). „Viele Ärzte vergleichen diesen mit einem Teufelskreis mit süchtigem Verhalten. Die Gedanken kreisen nur noch um dieses Thema, die Partnerschaft leidet unter dem Druck, Freunde werden vernachlässigt, Hobbys aufgegeben, der Arbeitsplatz gekündigt“ (Enchelmaier 2004, S. 29).

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Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668312197
ISBN (Buch)
9783668312203
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341480
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
ungewollte kinderlosigkeit gesellschaftliche einflüsse bewältigungsversuche dominanz medizin

Autor

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Titel: Ungewollte Kinderlosigkeit. Gesellschaftliche Einflüsse, Bewältigungsversuche und Dominanz der Medizin