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Cybermobbing, Werbung, Cloud. Hilfe gibt’s vom Medienscout!

Vorbereitung und Durchführung einer Schulungseinheit für Augsburger Medienscouts zum Thema „Werbung”

Projektarbeit 2015 36 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Didaktisches Design
2.1 Bildungsbedarf
2.2 Ablaufplan der Projekteinheit
2.3 Lerntheoretische Einbettung
2.4 Didaktischer Aufbau der Projekteinheit
2.4.1 Lehr-/Lernziele
2.4.2 Lernformen
2.4.3 Materialdesign
2.4.4 Aufgabendesign

3. Praktische Durchführung
3.1 Vorbereitung der Schulungseinheit
3.2 Dokumentation der Durchführung

4. Kritische Reflexion

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1 Auswertung des Evaluationsbogens

1. Einleitung

Im Rahmen des V1 Seminars „Fit für die digitale Welt: Schulung jugendlicher Medienscouts“ sollte eine Schulungseinheit für die Augsburger Medienscouts konzipiert werden. Diese sollen an verschiedenen Augsburger Schulen ihre Mitschüler_innen bei allen Fragen rund um die Medien, insbesondere dem Internet, unterstützen und auch die Eltern für die Problemstellungen, die sich in der heutigen Zeit ergeben, sensibilisieren. Dazu veranstalten sie regelmäßig Vorträge oder Infoveranstaltungen. Besonders attraktiv wurde das Seminar durch den hohen Praxisbezug. In vorangegangenen Lehrveranstaltungen wurden didaktische Konzepte bisher nach dem Abschluss ad acta gelegt, doch durch die unmittelbare Anwendung in diesem Seminar hatte die Planungsarbeit einen Nutzen für die Zielgruppe. Außerdem konnten die früher erworbenen Kenntnisse im Konzipieren didaktischer Lernumgebungen vertieft und erweitert werden.

Doch nun zur Themenwahl: „Werbung ist teurer, keine Werbung ist noch teurer“. Dieses Zitat von Paolo Bulgari (macroplan-werbung.de, o.J., o.S.)verdeutlicht die wichtige Rolle, die Werbung in der Medienlandschaft spielt. Trotz der enormen Relevanz für die Mechaniken der Medienbranche, wenn es zum Beispiel um die Finanzierung von verschiedensten medialen Produkten geht, wird das Thema „Werbung“ in der Schulbildung oft stiefmütterlich behandelt. Bei vielen Schülern_innen besteht deswegen die Gefahr, dass sie durch einen zu leichtfertigen Umgang mit Werbebotschaften negativen Folgen wie etwa Gruppenzwang oder einer zu starken Markenbindung ausgesetzt sind. Auch deshalb ist es wichtig, dass die Medienscouts das Thema Werbung in ihr Repertoire aufnehmen und besonders jüngere Schüler_innen über Werbung, ihre Wirkung und Ziele aufklären.

Gerade weil es aber von großer Bedeutung ist, die Materie hintergründig zu verstehen, hat sich die Seminargruppe das Ziel gesetzt, die Schulung für die Augsburger Medienscouts zu zum Thema Werbung zu konzipieren. Auch weil in vorangegangen Schulungen durch Studierende der Universität Augsburg bisher eher Themen wie Cybermobbing oder medienrechtliche Grundlagen angesprochen wurden, fiel die Wahl schließlich auf die oben genannte Thematik.

In dieser Projektarbeit wird unter anderem auf das didaktische Design, wie beispielsweise die lerntheoretische Einbettung oder das Material- und Aufgabendesign eingegangen. Dabei wird detailliert erläutert, welche pädagogischen Entscheidungen aus welchen Gründen getroffen wurden. Weiterhin werden die praktische Umsetzung der Schulungseinheit und der Ablauf der Stunde beschrieben. Abgeschlossen wird die Arbeit durch eine kritische Reflexion und ein zusammenfassendes Fazit.

2. Didaktisches Design

Im folgenden Kapitel soll das didaktische Design der entwickelten Schulungseinheit präsentiert werden. Zunächst wird auf die Zielgruppe und den Bildungsbedarf eingegangen. Vor allem die Vermittlung der sogenannten Werbekompetenz soll hier diskutiert werden, die als Hauptaugenmerk der Einheit gilt. Im zweiten Teil wird der konkrete Ablaufplan der Schulungseinheit mit den zu vermittelnden Inhalten dargestellt und erläutert. Des Weiteren wird die lerntheoretische Einbettung in den Kognitivismus und Konstruktivismus mit ihren verschiedenen praktischen Elementen aufgeschlüsselt. Zuletzt soll auf die konkrete Methodenauswahl eingegangen werden. Sowohl die Lehr- und Lernziele als auch das Aufgaben- und Materialdesign werden detailliert diskutiert.

2.1 Bildungsbedarf

Die hier vorgestellte Schulungseinheit richtet sich an Schüler_innen von der achten bis zur zehnten Klasse, also zwischen 14 und 17 Jahren. Diese Zielgruppe wurde ausgewählt, da die Augsburger Medienscouts, denen das Thema Werbung näher gebracht wurde, in der Phase sind, in denen sie ihr erlerntes Wissen auch an jüngere Schüler_innen weitergeben sollen.

Obwohl sich diese Jugendlichen schon in einem Alter befinden, in dem sie sich zum Teil gut mit Medien und ihrer Wirkung auskennen, da sie in einer ‚Medienwelt‘ aufgewachsen sind, gibt es noch Defizite. Besonders die Wirkung von Werbung wird meist unterschätzt, da die Ausmaße des Themas nicht bekannt sind. Zudem werden immer mehr Sender ausschließlich durch Werbung finanziert. Die Gefahr besteht hierin, dass die Jugendlichen von der Masse der Angebote überflutet werden und ein Werbedruck entsteht, der zu unüberlegtem Konsum führt (Aufenanger&Neuß, 1999, S. 6). Deutschland hat sich in den letzten Jahren eher mit dem Schutz vor Medieninhalten und Werbung auseinandergesetzt. Aus diesem Grund wurden Altersfreigaben für Filme oder Computerspiele und Sendezeitschienen für das Fernsehen eingerichtet. Doch bei Onlinemedien sind diese Maßnahmen meist nutzlos, da Inhalte dauerhaft gespeichert und uneingeschränkt dupliziert werden können. Durch Suchmaschinen sind sie also immer wieder auffindbar (Hajok, 2014, S. 1).

Die Gefahren in der Werbung bestehen vor allem durch das gezielte Ausnutzen der jugendlichen Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit. Dadurch werden die Kinder und Jugendlichen zunehmen dazu angeregt, ihre Eltern oder sonstige Mitmenschen zum Konsum zu bewegen. Des Weiteren werden in der Werbung immer mehr Kinder und Jugendliche selbst als Darsteller eingesetzt, um den potentiellen Käufern das Angebot noch attraktiver zu machen (Hajok, 2014, S. 14).

Die heutigen Medienpädagogen schlagen eine Mischung aus bewahren und befähigen (Hajok, 2014, S. 14) vor. Die Jugendlichen sollen nicht nur durch gesetzliche Schutzmaßnahmen am Konsum der Medien gehindert werden, sondern auch beispielsweise durch ihre Eltern präventive Maßnahmen erleben. Zum einen sollten die Jugendlichen Informationen über das Thema Werbung erhalten und somit aufgeklärt werden und zum anderen sollte eine Beratung stattfinden. „Projekte der aktiven und themenzentrierten Medienarbeit” (Hajok, 2014, S. 15) können hier auch im schulischen Umfeld behilflich sein. Diese müssen so konzipiert sein, sodass sie den Schüler_innen beibringen, die Gefahren der Werbung selbst frühzeitig zu erkennen. Nur so können sie den möglichen Gefahren aus dem Weg gehen und bereits erlebte negative Erfahrungen besser bewältigen.

Diese „Ausbildung eines Selbstschutzes” (Hajok, 2014, S. 15) kann zusammengefasst als „Werbekompetenz” (Media Smart, 2015a, o.S.) bezeichnet werden. Sie wird als Teil der Medienkompetenz angesehen und konzentriert sich sowohl auf die Aufklärung über Medienwirkung als auch auf die kritische Betrachtung der Inhalte. Wichtig ist hier, dass diese Kompetenz aus der Sicht der Kinder und Jugendlichen vermittelt wird. Da die „Kindheit sich im Wandel befindet und zu einer Medienkindheit geworden ist” (Media Smart, 2015a, o.S.), werden die Jugendlichen heutzutage von den Medieneinflüssen nicht mehr abgeschirmt. Trotzdem raten die Medienpädagogen von einer rein bewahrenden Haltung ab. Der Alltag der Jugendlichen mit den Medien und der Werbung und vor allem ihre Konsumentenrolle sollte kritisch erlebt und betrachtet werden. Im Mittelpunkt sollte die „aktive Auseinandersetzung mit der Sicht des Kindes und mit wirtschaftlichen Zusammenhängen, zu denen Medien und Werbung gehören”, stehen (Media Smart, 2015a, o.S.). Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Vermittlung der Werbekompetenz auch gezielt in den Schulalltag einzubinden. Dabei kann an die Konsumentenerfahrung der Jugendlichen angeknüpft und diese kritisch überdacht werden. Die neuen Inhalte, die in der Einheit gelernt werden, sollen vor allem an jüngere Schüler_innen weitergegeben werden.

Im nächsten Unterkapitel soll nun der konkrete Ablaufplan der ausgearbeiteten Schulungseinheit erläutert werden.

2.2 Ablaufplan der Projekteinheit

Im folgenden Kapitel wird der genaue Ablaufplan präsentiert, der für die Schuleinheit vorgesehen ist. Sowohl die eingeplante Zeit als auch die verschiedenen Punkte, die hier erarbeitet werden sollen, werden dargelegt.

1. Vorstellung und Gliederung (5 Minuten): Als ersten Schritt werden den Schülern_innen die Rahmenbedingungen der Einheit erklärt. Nach einer kurzen Vorstellung soll auch die Gliederung für die Schulung präsentiert werden.

2. “Logo- und Jingle-Raten” (5 Minuten): Mit diesem interaktiven Einstieg sollen die Schüler_innen in die Materie des Themas Werbung eingeführt werden. Verschiedene Logos, Jingles und unvollständige Werbeslogans werden per Power Point Präsentation präsentiert. Die Schüler_innen müssen erraten, um welches Unternehmen es sich handelt oder die Slogans vervollständigen. Somit soll auf die ersten Wirkungen und Psychologie der Werbung aufmerksam gemacht werden. Zudem lockert dieser interaktive Einstieg die Atmosphäre etwas auf, sodass es zu einer freundlichen und entspannten Lernsituation kommen kann.

3. Mindmap (10 Minuten): Ein weiteres interaktives Element soll die Dynamik in der Gruppe nochmals steigern und den Studentinnen auch zeigen, wie viel die Schüler_innen schon über das Thema Werbung wissen. Die Medienscouts werden hier in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekommt eine Frage, die sie besprechen und dann auf Karteikarten festhalten sollen. Die Fragen sind zum einen „Wo begegnet Dir Werbung und in welcher Form?” und zum anderen „Warum gibt es Werbung?”. Nachdem die Ergebnisse an die Tafel gepinnt werden, gibt es von den jeweiligen Gruppen eine kurze Präsentation.

4. Was ist Werbung? (5 Minuten): In diesem ersten Input-Teil sollen die Ergebnisse und Vorkenntnisse der Schüler_innen ergänzt werden. Zum einen wird eine grobe Definition von Werbung erläutert und erklärt, warum es Werbung überhaupt gibt. Zum anderen werden verschiedene Werbetypen anhand von illustrativen Beispielen vorgestellt mit Hauptaugenmerk auf die Online-Werbung.

5. Wie funktioniert Werbung? (15 Minuten): In diesem längeren Diskussions- und Interaktionsteil werden anhand von Werbebeispielen die Strategien und die Psychologie hinter der Werbung erläutert und in der Gruppe diskutiert. Die Anregungen und Ideen der Schüler_innen sollen hier ergänzt werden. Speziell geht es um die Werbepsychologie, den Aufbau und die Wirkung von Werbung.

6. Gefahren und Beeinflussung:

6.1 „Sitz-Steh-Spiel” (5 Minuten): In diesem interaktiven Teil sollen die Schüler_innen zunächst durch ein Spiel auf die Gefahren und die Beeinflussung von Werbung aufmerksam gemacht werden. Die Fragen „Hast du Dir schon einmal etwas gekauft, weil Du es in der Werbung gesehen hast?”, „Würdest Du ein Produkt eher kaufen, wenn Dein Lieblingsstar es bewirbt?” und „Hast Du Dir schon einmal etwas gekauft, nur weil es von einer bestimmten Marke ist?” werden nacheinander abgefragt, während die Schüler_innen stehen. Wenn ein/e Schüler_in auf die jeweils gestellte Frage mit „Nein” antworten kann, darf er/sie sich setzen. Somit wird veranschaulicht, wer sich von der Gruppe von Werbung beeinflusst fühlt.
6.2 Gefahren und Beispiele (10 Minuten): In diesem zweiten Teil des Blocks soll wiederum anhand von Beispielen die Gefahren von Werbung mit den Schülern_innen zusammen diskutiert werden. Unter anderem die Themen Versprechungen, Beschönigungen und Markenbindung sollen hier den Medienscouts vor Augen geführt und an aktuellen Beispielen veranschaulicht werden.

7. Kritischer Umgang:

7.1 Fünffelder-Blatt / Placemat (10 Minuten): Um den Medienscouts auch zu zeigen, wie sie mit der Beeinflussung von Werbung umgehen und dieses Wissen auch an andere weitergeben können, soll in diesem interaktiven Teil der kritische Umgang mit Werbung behandelt werden. Die Schüler_innen werden in Kleingruppen mit je vier Personen aufgeteilt und bekommen ein Fünffelderblatt. Die Frage „Wie kann man sich vor manipulativer/unerwünschter Werbung schützen?” soll zunächst jeder für sich selbst klären und die Ergebnisse in ein Feld des Blattes niederschreiben. Dann sollen in den Kleingruppen die einzelnen Ergebnisse diskutiert werden. Die besten Ideen werden in das mittlere fünfte Feld eingetragen. Jede Kleingruppe stellt dann seine Ergebnisse den restlichen Gruppen vor.
7.2 Ergänzung (5 Minuten): Die erarbeiteten Ergebnisse sollen dann von den Studentinnen ergänzt werden. Besonders sollte auf die Themen kritische Reflexion und verstärkte Kommunikation mit Eltern und Freunden aufmerksam gemacht werden. Zudem soll als Beispiel die Funktionsweise, Vorteile und Nachteile eines Adblockers erläutert werden. Besonders für Kinder und Jugendliche ist aber die Kompetenz, mit Werbung verantwortungsvoll umzugehen, sehr wichtig. Diese Botschaft soll den Schülern_innen in Erinnerung bleiben.

8. Werbeslogan für Medienscouts (5 Minuten): In diesem letzten interaktiven Teil sollen die Schüler_innen ihr erlerntes Wissen anwenden, indem sie für sich selbst, also für die Medienscouts, einen Werbeslogan entwickelt. Dieser Teil soll eher als Denkanstoß und Ideenschmiede dienen. Als Fazit soll dann nochmals darauf aufmerksam gemacht werden, dass Werbung nicht nur Nachteile mit sich bringt, sondern für Unternehmen von großer Wichtigkeit ist.

9. Evaluation (5 Minuten): In diesen letzten fünf Minuten haben die Schüler_innen die Gelegenheit, durch einen von den Studentinnen konzipierten Evaluationsbogen Kritik an der Einheit auszuüben. Während der Vergabe von Schulnoten für verschiedene Fragen, gibt es auch ein leeres Feld, in dem die Schüler_innen weitere Anregungen anmerken können.

Insgesamt ist eine Zeit von 80 Minuten eingeplant, um noch einen Puffer von 10 Minuten zu haben. Somit kann sichergegangen werden, dass es zu keinem Zeitmangel kommt, falls eine Diskussionsrunde länger ausfallen sollte.

Im nächsten Unterkapitel wird nun die lerntheoretische Einbettung der Schulungseinheit aufgeschlüsselt.

2.3 Lerntheoretische Einbettung

Im Folgenden wird eine lerntheoretische Einbettung der Unterrichtseinheit vorgenommen. Lerntheorien stellen im Allgemeinen eine Beschreibung des Lernens dar (Reinmann, 2011a, S. 1) und wirken auf das didaktische Design (Reinmann, 2011a, S. 6). Die didaktische Einheit lässt sich vor allem dem Kognitivismus, aber auch in Teilen dem Konstruktivismus zuschreiben. Dies wird im nächsten Schritt genauer erläutert.

Kognitivismus

Der Kognitivismus zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sich Lernende nicht nur Wissen aneignen, sondern das Problemlösen im Mittelpunkt des Lernprozesses steht (Reinmann, 2011a, S. 3). Dabei ist es die Aufgabe des Lernenden, aktiv Lehr- und Lerninhalte zu bearbeiten (Kron und Sofos, 2003, zitiert nach Süss, Lampert, Wijnen, 2010, S. 156), welche von dem/der Lehrenden entsprechend aufbereitet wurden (Reinmann, 2011a, S. 3). Dazu gehört zum Beispiel „eigenes Finden und Ordnen von Informationen mit dem Ziel der Findung von Problemlösungen“ (Arnold et al., 2011, S. 103). Der/Die Lehrende nimmt während des Lernprozesses eine tutorielle Rolle ein (Reinmann, 2011a, S. 3), was demnach bedeutet, dass diese/r dem Lernenden bei Fragen und Problemen helfend zu Seite steht. Dabei ergibt sich entsprechend eine „bidirektional[e]“ (Baumgartner et al., 2004, zitiert nach Reinmann, 2011a, S. 3) Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrendem/r. Die genannten Aspekte lassen sich auf die Unterrichtseinheit übertragen. Das aktive Mitarbeiten, Bearbeiten von Aufgaben und Beantworten von Fragen hatte das Lösen von ‚Problemen‘ zu den aufbereiteten Lehr- und Lerninhalten zum Thema Werbung und verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel Werbepsychologie oder die Gefahren von Werbung, zum Ziel. Der Fokus lag demnach nicht auf dem bloßen Aneignen von Wissen über Werbung, sondern auf dem aktiven Umgang mit den vorliegenden Informationen. Beispiele dafür sind Aufgaben wie das Analysieren verschiedener Werbungen oder die offenen Diskussionen zu Fragen, die sich mit den Gefahren der Werbung beschäftigen. Diese Gesprächsrunden unterstützen den oben genannten Aspekt der Kommunikation, der auch bei dieser didaktischen Einheit in beide Richtungen verlief. Die Rolle des/der Lehrenden als Tutor_in zeigte sich vor allem darin, dass Wert darauf gelegt wurde, kaum klassischen ‚Frontalunterricht‘ zu halten, sondern die Lernenden stets einzubeziehen und selbstständig Ergebnisse finden zu lassen.

Konstruktivismus

Der Konstruktivismus betrachtet den Menschen „als Erschaffer seiner eigenen Realität, als ‚Welterzeuger’, der nicht nur reagiert oder Informationen verarbeitet, sondern gestaltend in seine Umwelt eingreift und diese verändert“ (Reinmann, 2011a, S. 4). Ein wichtiger Aspekt dabei ist demnach der Transfer des Gelernten auf die Praxis, was am besten durch eine authentische Lernumgebung gelingt (Arnold et al., 2011, S. 103). Der Fokus während des Lernprozesses liegt des Weiteren auf einem sozialen Aspekt. Dies bedeutet, dass Kommunikation und Kollaboration unter den Lernenden stets angeregt wird (Arnold et al., 2011, S. 104). Den Lernenden kommt dabei eine noch aktivere Rolle zu als beim oben beschriebenen Kognitivismus. Das bedeutet, dass diese weitgehend selbstgesteuert arbeiten und der/die Lehrende lediglich als eine Art ,Coach‘ fungiert, der/die die Lernenden unterstützt (Reinmann, 2011a, S. 4). Die Kommunikation verläuft dabei wiederum „bidirektional“ (Baumgartner et al., 2004, zitiert nach Reinmann, 2011a, S. 3) und darüber hinaus gleichberechtigt (Baumgartner et al., 2004, zitiert nach Reinmann, 2011a, S. 3). Der Einfluss dieser Lerntheorie auf die didaktische Einheit findet sich vor allem in der letzten Aufgabe, wobei die Medienscouts einen eigenen Slogan entwickeln sollten. Dabei fand der Praxistransfer zum einen durch die Anwendung des vorher Gelernten zum Thema Werbepsychologie statt. Zum anderen ergab sich dieser Transfer durch das Erarbeiten eines Slogans, welchen die Medienscouts auch tatsächlich für ihre Arbeit verwenden könnten. Hierbei wurde von den Lernenden in Gruppen zusammengearbeitet, um zu einer Lösung zu gelangen, was sowohl den kommunikativen als auch den sozialen Aspekt des Konstruktivismus verdeutlicht. Die Lehrenden gaben dabei ab und zu Hilfestellung, zum Beispiel beim Finden eines sich reimenden Wortes, und unterstützten die Lernenden, indem sie die gefundenen Slogans auf einem Plakat festhielten. Da in der gesamten Einheit öfter in Gruppen gearbeitet wurde, wie zum Beispiel zum Thema ‚Schutz vor Werbung‘ in Verbindung mit den Placemats, zeigt sich der konstruktivistische Einfluss. Dieser ist jedoch eher auf einen gemäßigten Konstruktivismus zurückzuführen, da von den Lehrenden doch meist genaue Instruktionen geliefert wurden (de Witt &Czerwionka, 2007, zitiert nach Süss, Lampert, &Wijnen 2010, S. 157).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die didaktische Einheit, wie beschrieben, sowohl kognitivistische als auch konstruktivistische Züge besitzt. Wie diese sich nun im didaktischen Design der Sitzung widerspiegeln, wird in den folgenden Kapiteln, vor allem im Material- und Aufgabendesign, geklärt.

2.4 Didaktischer Aufbau der Projekteinheit

Im Folgenden wird auf den didaktischen Aufbau der Unterrichtseinheit genau eingegangen. Es werden sowohl die angestrebten Lehr- und Lernziele als auch das angewandte Material- und Aufgabendesign, um diese zu erreichen, dargestellt. So werden hierbei alle Methoden und Materialien, welche verwendet wurden, um den Lernenden die Lehr- und Lerninhalte zu vermitteln, auch in Hinblick auf die damit verbundenen Lernformen erläutert.

2.4.1 Lehr-/Lernziele

Lehr-/Lernziele sind in erster Linie notwendig, um „die Ausrichtung einer Lernumgebung festzulegen“ (Reinmann, 2011a, S. 8) und „die ersten didaktischen Entscheidungen treffen zu können“ (Reinmann, 2011a, S. 6). Dabei müssen verständlicherweise auch Bedingungen wie die Eigenschaften der Lernenden und der zeitliche Rahmen berücksichtigt werden (Reinmann, 2011a, S. 6). Die von Reinmann (2011a, S. 5f) vorgestellten Lehr-/Lernziele Information, Aneignung von Wissen, Erwerb von Kompetenzen und langfristige Expertise bilden auch die angestrebten Ziele der vorgestellten Unterrichtseinheit. Denn zunächst sollten die Schüler_innen über das Thema Werbung und den damit verbundenen Aspekten, wie zum Beispiel Werbepsychologie oder Gefahren der Werbung, genauer informiert werden.

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Details

Seiten
36
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668311077
ISBN (Buch)
9783668311084
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341356
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
Medienscout Werbung Unterricht didaktik didaktisches design Werbekompetenz Werbeslogan Kognitivismus Behaviorismus Konstruktivismus

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