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Schwarzarbeit in der EU. Ermittlungsmethoden und Ergebnisse der Eurobarometer-Studie

Studienarbeit 2016 15 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definition der Schattenwirtschaft

III. Ermittlungsmethoden
A. Indirekte Ermittlungsmethode
1. Diskrepanz-Methode
2. Monetäres Schätzverfahren
B. Direkte Ermittlungsmethoden

IV. Ergebnisse der Eurobarometer-Studie

V. Diskussion

VI. Zusammenfassung

VII. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle II.: Beispiele für Schwarzarbeit und deren Bewertung nach nationaler Gesetzge- bung

Tabelle III.: The Size of the Shadow Economy in Germany According to Different Me- thods (in Percentage of Official GDP)

Tabelle IV.: QE Have you in the last 12 months paid for any goods or services of which you had good reason to assume that they included undeclared work (e.g. because there was no invoive or VAT receipt)?

I. Einleitung

Man nennt sie „Schwarzarbeit“, „schwarz“, den „Untergrund“, oder die „Schattenwirt- schaft“. Damit gemeint ist die Arbeit, die unter der Hand und an dem Rechtsstaat vorbei abgewickelt wird. Für den Arbeitnehmer in der Schattenwirtschaft sind die Folgen pre- käre Arbeit und die Unfähigkeit auf Renten- und Sozialleistungen zuzugreifen. Doch auch der Wettbewerb wird durch das Nicht-Zahlen von Steuern verzerrt, was sich unter anderem auf die staatliche Finanzierung von Bildungs- und Gesundheitsinstitutionen niederschlägt.

Diese Arbeit dient dem Informationszweck, indem sie zunächst den Begriff der Schat- tenwirtschaft definiert. Anschließend werden die Methoden zur Erfassung der Schwarz- arbeit zusammengefasst und die Ergebnisse einer repräsentativen Studie festgehalten und bewertet.

II. Definition der Schattenwirtschaft

Zunächst sei zu vermerken, dass die Definition der Schattenwirtschaft zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union variiert, ferner liegt in einigen Fällen keine De- finition vor.

Tabelle II.: Beispiele für Schwarzarbeit und deren Bewertung nach nationaler Gesetzge- bung1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Folglich ist es notwendig gleiche Voraussetzungen zu schaffen, wenn man den Grad der Schattenwirtschaft europaweit erfassen will. Daher hat man für die, von der EU-Kom- mission in Auftrag gegebene, Eurobarometer-Studie aus dem Jahre 2014, auf die in die- ser Arbeit das Hauptaugenmerk liegen wird, folgende Definition herangezogen: Schwarzarbeit beinhaltet „alle bezahlten Aktivitäten, die prinzipiell legal sind, aber die Deklaration an die Steuerbehörden oder Sicherheitsinstitutionen umgehen2.“ Die EU de- finiert Schwarzarbeit als „eine bezahlte, legale Aktivität, die der öffentlichen Hand nicht gemeldet ist. Dabei werden Unterschiede zwischen den regulatorischen Systemen der Mitgliedstaaten berücksichtigt3.“ Die marginale Abwandlung von der Definition der EU war jedoch notwendig, um repräsentative Ergebnisse in der Studie erheben zu können.

III. Ermittlungsmethoden

Es liegt in der Natur der Schattenwirtschaft, faktisch nicht gemeldet zu sein, die Analyse einer „Schattenwirtschafts-Datenbank“ ist folglich nicht möglich. Jedoch haben sich zwei Kategorien von Methoden mit der Zeit bewähren können.

III.A Indirekte Ermittlungsmethoden

Diese Art der Ermittlung misst, bzw. mutmaßt das Ausmaß der Schattenwirtschaft, indem sie hauptsächlich makroökonomische Datenbankphänomene, die sich potentiell in die Schattenwirtschaft eingliedern lassen, analysiert und ihr diese zuordnet.

III.A.1 Diskrepanz-Methode

Der potentielle Wert der Schwarzarbeit kann in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrech- nung ermittelt werden, wenn eine Aktivität mit mindestens zwei Methoden verbucht werden kann, wobei eine Methode den Aktivitätswert implementiert und die andere die- sen Wert nicht beachtet. Der Differenzwert lässt sich folglich als Schattenwirtschaftsak- tivität interpretieren4. Dieses Prinzip lässt sich auch auf der mikroökonomischen Ebene anwenden, um die Schwarzarbeit einzelner Individuen aufzudecken5. Zum Abgleichen der Ergebnisse werden Befragungen durchgeführt. Potentielle Fehlerquellen stellen Messfehler, unterschiedliche Methodenwahl und auf mikroökonomischer Ebene das befragte Individuum dar.

III.A.2 Monetäres Schätzverfahren

Diese Methode wurde durch die Arbeit von Professor Friedrich Schneider6 populär. Hierbei wird der Bargeldumlauf in Relation zu der gemessenen Wirtschaftsleistung ge- stellt. Dabei sei vorausgesetzt, dass alleine das Bargeld zur schattenwirtschaftlichen Ab- wicklung dient, da es nicht dokumentiert wird und folglich schwer nachzuvollziehen ist7. Potentielle Fehlerquellen bilden die Annahmen, dass in dem Referenzpunkt die Schattenwirtschaft nicht immanent ist, in der Schattenwirtschaft nur monetär (bar in dem Fall) entgolten wird, die Umlaufgeschwindigkeit des Bargeldes sich proportional zwischen nicht-gemeldeter und gemeldeter Wirtschaft zueinander verhält und dass Ver- änderungen der Referenzwerte des Geldes lediglich von der Schattenwirtschaft abhän- gig sind8.

III.B Direkte Ermittlungsmethoden

Bei der direkten Messung der Schwarzarbeit geht es um die Informationsbeschaffung über Umfragen, die direkt die Einstellung und Involvierung des Befragten dokumentieren. Hierbei lassen sich die Informationen nicht nur nach dem Alter der befragten Person klassifizieren, sie ermöglichen auch das Erfassen der Schattenwirtschaft in einer Vielzahl ihrer Dimensionen, wie:

- Angebot, Nachfrage, Entlohnung
- persönliche Einschätzungen
- soziale Akzeptanz
- persönliche Einstellung und Motive
- Sanktionen und -wahrscheinlichkeit

Mit diesen Methoden lassen sich jedoch nur ein Mindestmaß der Schattenwirtschaft dar- stellen.

In der Eurobarometer-Studie „Undeclared work in the European Union“ aus dem Jahre 2007 hat sich diese Ermittlungsmethode bewährt, woraufhin die Wahl der Nachfolger- studie auf selbige Methode fiel9. Auf diese wird im nächsten Kapitel vertieft eingegan- gen.

Tabelle III.: The Size of the Shadow Economy in Germany According to Different Methods (in Percentage of Official GDP)10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IV. Ergebnisse der Eurobarometer-Studie

Für die Studie „Undeclared work in the European Union“ wurden 26.536 Europäer in 27 Mitgliedstaaten (EU-27 + Kroatien) von TNS Opinion & Social Network innerhalb eines Monates befragt und die Ergebnisse anschließend ausgewertet (die Teilnehmer blieben anonym). Dabei ging es um folgende Teilaspekte:11

- Kennt der Teilnehmer jemanden, der arbeitet und die Informationen über seinen Verdienst vollständig bzw. teilweise der Steuerbehörde und/oder einer Sozialin- stitution vorenthält

- Hat der Teilnehmer eine Zahlung innerhalb der letzten zwölf Monate bezüglich eines Produktes bzw. einer Dienstleistung getätigt, von der Grund zur Annahme ist, dass Schwarzarbeit involviert war:

- Welches Produkt oder welche Dienstleistung
- Wie viel wurde bezahlt
- Bezüglich der Dienstleistungen, wie hoch das stündliche Entgelt anfiel
- Wo bzw. von wem wurde das Produkt bzw. die Dienstleistung erworben
- Grund des Erwerbens

[...]


1 Quelle: Boockmann, B. et al. (2010), S. 20, Tabelle 3.3.

2 Vgl. European Commission (2014a), S. 8.

3 Vgl. European Commission (2014b).

4 Vgl. Boockmann, B. et al. (2010), S. 63 f.

5 Vgl. Boockmann, B. et al. (2010), S. 69.

6 Vgl. Schneider, F., Enste, D. H. (2000), Vol. XXXVIII, Number 1.

7 Vgl. Boockmann, B. et al. (2010), S. 77 f.

8 Vgl. Boockmann, B. et al. (2010), S. 79.

9 Vgl. European Commission (2014a), S. 7.

10 Quelle: Schneider, F. (2012), S. 22, Tabelle 3.2, stellt verschiedene Methoden mit den jeweiligen Ergebnissen in Verbindung und zeigt ihre große Varianz auf.

11 Vgl. European Commission (2014a), S. 3 f.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668308237
ISBN (Buch)
9783668308244
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341250
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Schlagworte
Schwarzarbeit EU Europa

Autor

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Titel: Schwarzarbeit in der EU. Ermittlungsmethoden und Ergebnisse der Eurobarometer-Studie