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Wie vereinbar ist sportliche Betätigung mit Diabetes Typ 2?

Hausarbeit 2014 29 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Epidemiologie und Prävalenz von Diabetes

3. Klassifikation der Zuckerkrankheit

4. Diabetes Typ 2

5. Insulin
5.1. Chemie des Insulins
5.2. Biosynthese des Insulins
5.3. Insulinsekretion
5.4. Insulinrezeptor
5.5. Stoffwechselwirkungen des Insulins
5.6. Glukagon. Der hormonelle Gegenspieler des Insulins

6. Der Kohlenhydratstoffwechsel

7. Der Insulinmangel im diabetischen Organismus

8. Therapie und Prävention durch Sport
8.1. Geeignete Sportarten für den Diabetiker
8.2. Ungeeignete Sportarten für den Diabetiker

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es gibt viele Volkskrankheiten, die vor allem den Krankenkassen und den Staaten eine Menge Geld kosten. Allein dieser Aspekt macht es sinnvoll sich über das Thema „Volkskrankheit“ Gedanken zu machen. Doch nicht nur der finanzielle Aspekt spielt eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Krankheiten, die besonders stark in einer Bevölkerung verbreitet sind, sondern auch die Beschwerden und Schmerzen, die die Menschen erleiden müssen bei einer Erkrankung. In dieser Arbeit soll es um die Volkskrankheit Diabetes Typ 2 gehen. Wo liegen die Ursprünge dieser Krankheit? Was macht diese Krankheit aus und welche Bevölkerungsschicht ist betroffen? Gibt es Heilungschancen und Entlastung der Symptome? Woran erkennt man überhaupt, ob man Diabetes hat und welche Maßnahmen sollte man ergreifen? Diese Fragen versuche ich im Laufe dieser Arbeit zu klären und insbesondere ein Augenmerk auf die Rolle des Sports in Bezug auf die Krankheit zu werfen. Welche Rolle spielt Sport für einen Diabetiker und wie weit sehen die Fortschritte in dem Gebiet aus, um sagen zu können wie Sport eingesetzt werden kann und vor allem welcher Sport sinnvoll ist.

Im ersten Teil der Hausarbeit gehe ich auf die Verteilung des Diabetes in Deutschland, Europa und der Welt ein und die Prognose für die Zukunft. Damit soll gezeigt werden, welchen Stellenwert diese Krankheit in der Bevölkerung einnimmt und welche Relevanz sie aufweist. Im nächsten Schritt gehe ich auf die Klassifikation der Krankheit ein und unterscheide dabei den Typ 1 und den Typ 2 Diabetes. Es soll hierbei der Diabetes Typ 2 näher in den Blick genommen werden und der medizinische Aspekt im Vordergrund stehen. Nachdem die Epidemiologie und das Krankheitsbild und die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus geklärt sind, soll die Therapie und Prävention der Krankheit den Abschluss der Arbeit bilden, indem näher auf die Aufgaben des Sports eingegangen wird.

2. Epidemiologie und Prävalenz von Diabetes

Diabetes mellitus ist eine der großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Zwar untersuchen Epidemiologen die Verteilung der Krankheit in der Bevölkerung und versuchen Wege zu finden, um diese Krankheit zu heilen, aber die Entstehung der Krankheit ist mit vielen verhaltensbezogenen Komponenten verbunden. Beispielsweise würden Verhaltensweisen wie Tabakrauchen, Alkoholmissbrauch, Fehlernährung und Bewegungsarmut Krankheiten wie Krebserkrankungen, Bluthochdruck, Schlaganfälle, Herzinfarkte und Diabetes mellitus begünstigen[1]. Um Bezug auf aktuelle Zahlen zu nehmen, soll das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung zur Hilfe genommen werden. In Deutschland sieht die Prävalenz, die die Häufigkeit des Auftretens einer bestimmten Erkrankung in einer Bevölkerungsgruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem festgelegten Zeitraum beschreibt[2], so aus, dass in Deutschland etwa 6 Mio. Menschen mit Diabetesmelitus leben. Nach Angaben der Internationalen Diabetes Federation (IDF) sind Männer und Frauen annähernd gleich betroffen, wobei im Alter von 60 bis 79 der Prozentsatz am höchsten ist. Laut IDF wird die Zahl der Diabeteker 2030 auf 8 Mio. Menschen steigen, was einem Prozentsatz von 10 entsprechen würde[3]. In Europa sind etwa 55 Mio. Menschen im Jahr 2010 Diabetiker. Laut IDF wird 2030 die Zahl der Diabetiker auf 66,5 Mio. Menschen steigen. Weltweit gibt es 2010 laut IDF-Angaben 285 Mio. Menschen im Alter von 20 bis 79 mit Diabetes, was 6,6 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Nach Schätzungen soll 2030 die Zahl auf 438 Mio. Menschen, also 7,8 Prozent steigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb1. Quelle: IDF Diabetes Atlas 4th edition, 2009

Die Abbildung zeigt die Verteilung des Diabetes weltweit, wobei auffällt, dass besonders Südostasien und die Westpazifik-Region hohe Zahlen an Diabetikern aufzeigen. Afrika und Mittel- und Südamerika sind mit den wenigsten Diabetikern zahlenmäßig ganz gering aufgestellt. Europa liegt im Mittelfeld mit ca. 55.000 Diabetikern im Jahr 2010.

Um eine nähere Betrachtung auf Deutschland zu werfen, soll die GEDA-Studie von 2009 vorgestellt werden, in der im Untersuchungszeitraum vom Juli 2008 bis Juni 2009 20.000 Personen durch computergestützte telefonische Befragung (CATI) befragt wurden zum Diabetes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2. Quelle: GBE Kompakt. (2011): Zahlen und Trends aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes.

Die Menschen ab 18 Jahren wurden in der Studie nach einem von einem Arzt diagnostizierten Diabetes (Lebenszeitprävalenz) gefragt. Insgesamt wurde von 8,8% der Befragten, bzw. von 9,3% der Frauen und 8,2% der Männer ein diagnostizierter Diabetes angegeben. Die geschlechtsspezifische Prävalenz des diagnostizierten Diabetes lässt sich nach Altersgruppen wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3. Quelle: GBE Kompakt. (2011):Geschlechtsspezifische Prävalenz des diagnostizierten Diabetes, nach Altersgruppen. Datenbasis:. GEDA 2009.

Laut dieser Studie ist die Prävalenz des Diabetes bei beiden Geschlechtern bis zu einem Alter von 40 bis 49 noch unter dem 5%-Bereich. Was auffällt ist, dass ab 50 Jahren die Prävalenz bei beiden Geschlechtern drastisch steigt und unter den 50- bis 59- Jährigen jede 11. Person an Diabetes erkrankt ist, Bei den 60- bis 69-Jährigen jede 7. Person und bei den über 70-Jährigen bereits jede 5. Person.[4] Neben der geschlechtsspezifischen Befragung nach dem Diabetes wurde in der Studie auch nach dem Bildungsstatus (CASMIN-Index[5] ) gefragt und somit eine Verbindung von diagnostiziertem Diabetes und Bildung hergestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: GBE Kompakt. (2011): Geschlechtsspezifische Prävalenz des diagnostizierten Diabetes, nach Bildungsstatus und Altersgruppen. Datenbasis GEDA 2009.

Es zeigt sich deutlich in der Grafik, dass mit abnehmendem Bildungsstatus die Prävalenz des Diabetes zunimmt. Einen rasanten Anstieg der Prävalenz sieht man an Frauen ab 60 Jahren. Hier klafft die Prävalenz zwischen den Bildungsgruppen deutlich zwischen mittlerer und unterer Bildungsgruppe auseinander. Außerdem wird in der Studie eine regionale Unterscheidung der Diabetesprävalenz vorgenommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: GBE Kompakt. (2011): Prävalenz des diagnostizierten Diabetes, nach Regionen (Nielsen-Gebiete). Datenbasis: GEDA 2009.

Laut der GEDA-Studie geben 11,5% der Frauen und 9,5% der Männer in den neuen Bundesländern (einschließlich Berlin) einen diagnostizierten Diabetes an, wobei damit die Menschen hier häufiger betroffen sind als Männer und Frauen in den alten Bundesländern (ohne Berlin) mit 7,9%, bzw. 8,7%.Man sieht in der Abbildung einen Nord-Süd-Unterschied hinsichtlich des Anteils des diagnostizierten Diabetes in der erwachsenen Bevölkerung.

Woran liegt es aber, dass die Prognosen so hoch gehen und dass im hohen Rentenalter die Zahlen an Diabetikern am höchsten sind? Die hohen Prävalenzraten sind insbesondere auf die Alterung[6] der deutschen Bevölkerung und die erhöhten Lebenserwartungen zurückzuführen. Es gibt eine verbesserte Früherkennung, wodurch die Zahl natürlich auch im Gegensatz zu den heutigen Standards nach oben geht und es entsteht eine Sensibilisierung zu dem Gesundheitsproblem Diabetes mellitus. Weitere Zahlen zu chronischen Krankheiten, wozu der Diabetes zählt, sind 50% der vorzeitigen Todesfälle[7] und bis zu 50 – 60% der gesamten Gesundheitsausgaben[8] gehen auf diese genannten Krankheiten zurück. Die bis hierhin gesammelten Daten zur Prävalenz des diagnostizierten Diabetes mithilfe der GEDA-Studie zeigen, dass die Prävalenz mit dem Lebensalter überproportional ansteigt (s.Abb.1). Hier zeigt sich vor allem ein Anstieg des Diabetes ab dem Alter von 45 Jahren bei beiden Geschlechtern. Weiterhin muss man festhalten, dass Frauen unter 45 Jahren eine erhöhte Prävalenz durch einen Gestationsdiabetes aufweisen (0,3 – 2% der Schwangeren). Nicht auszuschließen ist, dass viele Diabetiker ab 55 Jahren unentdeckt bleiben. Alte Daten zeigen, dass etwa 1% der Gesamtbevölkerung mit einem unentdeckten manifesten Diabetes leben. 10% der Bürger in der BRD weisen einen „versteckten Diabetes“ auf, wobei es sich um Frühformen der Erkrankung handelt[9]. Personen, die eine oder mehrere diabetische Erbanlagen besitzen, belaufen sich auf 25% der Bevölkerung, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass diese Anlage zu einer Manifestation (Äußerung, Offenbarwerden) der Krankheit führt[10].

3. Klassifikation der Zuckerkrankheit

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die familiär gehäuft auftritt und deren Prädisposition zumindest auf einen Teil der Nachkommenschaft vererbt werden kann. Nach den klassischen Versuchen von Mehring und Minkowski lässt sich die dem menschlichen Diabetes mellitus vergleichbare Stoffwechselstörung auf die operative Entfernung des tierischen Pankreas beziehen. Der Diabetes mellitus würde durch einen mehr oder weniger geprägten Insulinmangel ausgelöst und unterhalten[11]. Da Diabetes ein vielseitiges Krankheitsbild aufweist und es schwierig ist, eine klare Definition und Einteilung zu finden, soll in diesem Kapitel darauf eingegangen, welche Formen von Diabetes es gibt und wie sich die Forschung bemüht Definitionen zu finden und eine klare Charakterisierung der Zuckerkrankheit zu geben.

Ursprünglich hat man die Definition und Einteilung der einzelnen Diabetesformen einem Expertenkomitee der Weltgesundheitsorganisation überlassen, was die wesentlichen Kriterien bestimmt hat und aus dem Jahre 1965 stammt. Da sich die Forschung und die Medizin im letzten Jahrzehnt weiterentwickelt haben, wurden auch unterschiedliche immunologische und genetische Faktoren hinsichtlich des Diabetes aufgedeckt, was eine neue Klassifikation erfordert hat. Diese Klassifikation des Diabetes stützt sich auf die Richtlinien der National Diabetes Data Group (NDDG) und wird 1980 auch von der WHO übernommen[12]:

1. Der insulinabhängige, zu Ketose neigende Diabetes mellitus Typ 1. Frühere Bezeichnung: Kindlicher Diabetes, Jugendlicher Diabetes, Juvenile Diabetes. Sie wird als eindeutige Untergruppe des Diabetes angesehen.
2. Der nicht insulinabhängige, kaum zu Ketose neigende Diabetes mellitus Typ 2. Diese Untergruppe wird weiter unterteilt, je nachdem, ob sie mit oder ohne Adipositas auftritt. Da diese Krankheit häufig familiär auftritt, sind genetische Faktoren ausschlaggebend. Neben der genetischen Disposition spielen wahrscheinlich auch Umweltfaktoren bei der Manifestation eine Rolle. Frühere Bezeichnung: Erwachsenendiabetes, Altersdiabetes, Erwachsenendiabetes beim Jugendlichen (MODY, „maturity-onsetdiabetes in theyoung“), stabiler Diabetes.
3. Andere Diabetestypen, einschließlich Diabetes, der mit bestimmten Krankheiten und Syndromen in Verbindung steht: a)Pankreaserkrankungen, b)Endokrine Erkrankungen, c)Durch Medikamente oder Chemikalien ausgelöst, d)Störungen des Insulinsrezeptors durch Autoantikörper, e)Bestimmte genetische Syndrome und f)Andere Formen. Frühere Bezeichnung: Sekundärer Diabetes.
4. Gestationsdiabetes. Diabetes bei Frauen, bei denen die Glukoseintoleranz in der Schwangerschaft entsteht oder entdeckt wird. Hierzu zählen nicht bereits diagnostizierte Diabetikerinnen, die schwanger werden. Diese Form ist verbunden mit perinatalen („im Rahmen einer Geburt“[13] ) Komplikationen und mit einem erhöhten Risiko zur Progression des Diabetes innerhalb von 5-10 Jahren nach der Entbindung. Nach der Schwangerschaft erfolgt eine Zuordnung in eine andere Diabetesform, zum Beispiel in den Diabetes mellitus. Frühere Bezeichnung: Gestationsdiabetes, Schwangerschaftsdiabetes.

[...]


[1] Vgl. Siegrist 2003: Zitiert nach. Birkenmeyer, A.: Sport als Therapieprinzip. Saarbrücken 2007. Dr. Müller Verlag.

[2] Brockhaus: Gesundheit. 2010.

[3] Vgl. http://www.dzd-ev.de/themen/diabetes-die-krankheit/zahlen/index.html (19.09.2014)

[4] Vgl. http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsK/2011_3_diabetes.pdf?__blob=publicationFileBerlin. Robert Koch-Institut. (19.09.2014).

[5] Brauns H., Scherer S., Steinmann S.: The CASMIN Educational Classification in International Comparative Research. Zitiert nach: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsK/2011_3_diabetes.pdf?__blob=publicationFileBerlin. Robert Koch-Institut. (19.09.2014).

[6] Vgl. http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsK/2011_3_diabetes.pdf?__blob=publicationFileBerlin. Robert Koch-Institut. (19.09.2014).

[7] Benett, P. & Murphy, S. PsychologyandHealth Promotion (2001), zitiert nach: Angela Birkemeyer. Sport als Therapieprinzip (2007). S.4.

[8] Vgl. Prochaska, J.O. (1999). Motivation zur Verhaltensänderung. Das transtheoretische Modell in Forschung und Praxis. S.7, zitiert nach: Angela Birkemeyer. Sport als Therapieprinzip (2007). S.4.

[9] Vgl. Behrmann &Weineck, J.: Diabetes und Sport(1992). S.18.

[10] Vgl. Mehnert H.: Ärztlicher Rat für Diabetiker. Stuttgart 1979. Zitiert nach: Behrmann &Weineck, J.: Diabetes und Sport(1992). S.18.

[11] Wandrey, H.: Diabetes mellitus in Praxis und Forschung. München 1971. S.15.

[12] Vgl. Petrides, P./Weiss, L./Löffler, G./Wieland, O.H.: Diabetes mellitus. München, Wien, Baltimore 1985. S.35.

[13] http://flexikon.doccheck.com/de/Perinatal (Abrufdatum: 22.09.2014)

Details

Seiten
29
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668309791
ISBN (Buch)
9783668309807
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341241
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Universität
Note
1.0
Schlagworte
Sport bei Diabetes Typ 2 Sport und Diabetes Diabetes Typ 2

Autor

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