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Die Hexenverfolgungen in Europa im Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Hausarbeit 2008 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Das kumulative Konzept der Hexerei
1.1 Der Teufel
1.2 Der Pakt mit dem Teufel
1.3 Der Hexensabbat
1.4 Der Hexenflug

2. Hexenverfolgungen
2.1 Voraussetzungen
2.1.1 Magie im Alltag
2.1.2 Inquisition
2.1.3 Von den Ketzern zu den Hexen
2.2 auslösende Momente
2.2.1 Die „Kleine Eiszeit“
2.2.2 Mentalitätswandel
2.2.3 „Der Hexenhammer“
2.3 Höhepunkt
2.4 Hexenprozesse
2.4.1 Voraussetzungen für die Durchführung von Hexenprozessen
2.4.2 Durchführung
2.5 Opfer
2.6 Ende

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Hexe – kaum ein anderes Wort hat jemals die Geister so sehr geschieden.“[1] Seit dem 15. Jahrhundert verdächtigte man besonders Frauen der Schadenszauberei und der Teufelsbuhlschaft. Das neue Feindbild führte dazu, dass sich die christliche Gesellschaft von innen her bedroht fühlte. Hexenverfolgungen setzten ein und führten zum Tod von zahlreichen unschuldigen Menschen.

Ziel dieser Arbeit ist es, dieses Phänomen näher zu erläutern. Zu Beginn werde ich explizit auf die europäischen Hexenvorstellungen eingehen. Vor allem die Hauptelemente der Hexenlehre sollen dabei ausführlich dargestellt werden. Anschließend folgt eine detaillierte Beschreibung über die Voraussetzungen und auslösende Momente der Hexenverfolgung, die im 16. und 17 Jahrhundert zum Höhepunkt führten. In diesem Zusammenhang soll vor allem das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das als Kerngebiet der Hexenverfolgungen galt, thematisiert werden. Außerdem sollen sowohl die Voraussetzungen als auch die Durchführung von Hexenprozessen näher beschrieben werden. Am Ende wird dann auf die Opfer eingegangen und Gründe aufgeführt, die zur Beendigung der Hexenverfolgung führten.

1. Das kumulative Konzept der Hexerei

1.1 Der Teufel

Im Mittelpunkt der europäischen Hexenvorstellung stand stets der Teufel, der als „Quelle der Hexenmagie“ galt.[2] Während des Mittelalters hatten sich die vielfältigen Formen des Hexenglaubens und die Vorstellung vom Teufel beträchtlich verändert. Im Volksglauben hielt man den Teufel, der auch als Satan bezeichnet wurde, für den „Feind Gottes“.[3] Für die Menschen verkörperte er das Böse und galt als „Herr über ein Reich böser Geister“.[4] Sowohl seine Dämonen als auch er selbst „konnten das Aussehen von Menschen und Tieren annehmen“ beziehungsweise „vom Körper eines menschlichen Wesens Besitz ergreifen“.[5] In Büchern wurde er als halbmenschliches und halbanimalisches Wesen mit Hörnern und Schwanz dargestellt. Die oftmals schwarze Darstellung des Teufels „beruht auf der traditionellen Assoziation mit der Farbe Schwarz mit der Sünde“.[6] „Als im 15. Jahrhundert die Macht des Teufels in der Welt zuzunehmen schien und die ersten Hexenprozesse stattfanden, erfuhr die Vorstellung vom Teufel eine bedeutsame Veränderung.“[7] Zunehmend wurde er „als Quelle […] der Häresie“ angesehen.[8] Das Verbrechen der Hexerei wurde umgedeutet und so wurde aus dem Maleficium der Satanskult.

1.2 Der Pakt mit dem Teufel

„Der grundlegende Gedanke des kumulativen Konzepts der Hexerei ist der Glaube“ an den Pakt zwischen der Hexe und dem Teufel.[9] Im europäischen Mittelalter glaubten die Menschen, dass in solch einem Pakt die Hexe und der Teufel vertragsähnliche Vereinbarungen trafen. Gegen Einsatz ihres Seelenheils wurde die Hexe vom Teufel mit übernatürlichen Kräften ausgestattet, „die sie befähigten, aber auch verpflichteten, den übrigen Menschen Schaden zuzufügen“.[10] Demnach galt dieses Abkommen als das „wichtigste Verbindungsglied zwischen der Ausübung schädlicher Magie und der angeblichen Teufelsanbetung“.[11] In vielen Rechtskreisen bildete der Pakt „die Grundlage des juristischen Tatbestandes des Verbrechens der Hexerei“, da er als handfester Beweis galt.[12] Häufigstes Zeichen für den Vertragsabschluss war das Hexenmal, „welches der Teufel seiner Anhängerin bei der ersten Teilnahme am Hexensabbat einbrannte“.[13] Unregelmäßigkeiten der Haut wie Leberflecke, Narben und Warzen, die schmerzunempfindlich waren, galten als solche 'stigma diabolicum'. Vereinzelt wurde auch ein formeller Vertrag mit dem Teufel abgeschlossen, der mit dem Blut der Hexe unterschrieben werden musste. Besiegelt wurde der Teufelspakt in der Mehrzahl der Fälle dann durch den gemeinsamen Geschlechtsverkehr. Dies bezeichnete man als Teufelsbuhlschaft.

1.3 Der Hexensabbat

Im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa existierte die Vorstellung von nächtlichen Hexenversammlungen mit dem Teufel an einem bestimmten, meist abgelegenen Ort. Bei diesen Zusammenkünften wurden „eine Reihe von blasphemischen, unmoralischen und obszönen Riten vollzogen“.[14] Sowohl der nackte Tanz als auch der kannibalistische Kindermord gehörten nach Ansicht der europäischen Gesellschaft zum Sabbat. In einem Auszug heißt es dazu:

„Dem Teufel zu Ehren töten sie [die Hexen] in grausamer und schändlicher Weise die eigenen und fremde Kinder und überreichen sie ihm [dem Teufel].“[15]

Diese „spezifisch christlich-europäische Darstellung einer Anti-Gesellschaft“ entstand bereits im11. und 12. Jahrhundert.[16] Vor allem die Mönche entwarfen bewusst dieses Bild, um so „dass Anwachsen solcher Bewegungen zu verhindern und ihre Bekämpfung zu beschleunigen“.[17] Im 15. Jahrhundert veränderte sich dieses Verständnis. Nun ging man davon aus, dass malefici als teufelsanbeterische Sekten organisiert waren. Folglich spielte der Vorwurf einer Teilnahme am Hexensabbat in den Hexenprozessen der frühen Neuzeit oftmals eine Schlüsselrolle.

1.4 Der Hexenflug

Die Vorstellung, dass Hexen fliegen konnten, war die letzte wichtige Komponente des kumulativen Konzepts der Hexerei. Diese Annahme war in mancher Hinsicht „die logische Folge aus dem Glauben an den Sabbat, da sie eine Erklärung für die Fähigkeit der Hexen bot, sich nächtens in weit entfernten Gegenden zu treffen, ohne das ihre Abwesenheit vom Wohnort entdeckt wurde“.[18] Mit einer Flugsalbe rieb die Hexe ihren Körper ein. Anschließend salbte sie ihr Fluggerät, wobei es sich meistens um einen Besen handelte ein und sprach dann die Beschwörungsformel: „oben aus und nirgends an“ und flog davon.[19] Vereinzelt benutzte sie auch einen Bock als Flugobjekt. Viele Angehörige der europäischen Elite teilten den Glauben, „der Teufel könne menschliche Körper durch die Luft bewegen“.[20] Daneben gab es jedoch auch die Vorstellung, dass solche Flüge gar nicht real wären, sondern es sich hierbei lediglich um absichtliche Täuschung, hervorgerufen durch den Teufel, handeln würde. Die Inquisitoren Heinrich Kramer und Institoris kamen schließlich in ihrem Werk „Der Hexenhammer“ zu dem Schluss: „Sie [die Hexen] werden sowohl körperlich als auch in der Phantasie transportiert.“[21]

2.Hexenverfolgungen

2.1 Voraussetzungen

Bevor eine Verfolgung von Hexen beginnen konnte, mussten gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Sie betreffen zum einen den Hexenglauben der Bevölkerung und zum anderen die rechtlichen Grundlagen.

2.1.1 Magie im Alltag

Bevor eine Hexenverfolgung stattfinden konnte, musste in der Bevölkerung ein Glaube an Hexerei vorhanden sein. In den meisten Fällen war diese Voraussetzung erfüllt. Bereits vor der Ausformung des kumulativen Konzepts der Hexerei existierten im Volksglauben traditionelle magische Vorstellungen. Schon in der Antike war Magie allgegenwärtig. Die Menschen kannten sowohl schützende als auch schädigende Zauber. Auch Volksglaubensvorstellungen von nächtlichen Flügen und Tierverwandlungen spukten in den Köpfen. Jedoch existierte noch nicht das Bild von Hexen, wie man es seit dem 15. Jahrhundert kannte. Die biblische Anordnung: „Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen“, lieferte schließlich eine der wichtigsten Rechtfertigungen für die Verfolgung von Hexen.[22]

2.1.2 Inquisition

Im Früh- und Hochmittelalter war die Bekämpfung der heidnischen Magie, Sache der Bischöfe und Pfarrer. Seit dem 13. Jahrhundert kam die Inquisition hinzu, die sich in Folge der religiösen Bewegungen herausgebildet hatte. Ziel dieser kirchlichen Institution war die Verfolgung, Anklage und Verurteilung von Ketzern oder Häretikern durch geistliche Richter. Neben der Entstehung der Inquisition wurde auch ein neues Prozessverfahren geschaffen. Die Anwendung der Folter wurde nun in bestimmten Fällen als Beweismittel erlaubt. „Sie war [jedoch] keine Marter, um Schmerzen als Strafe zuzufügen, sondern ein Teil der Beweiserhebung, um Hochverdächtige zu einem Geständnis, […], zu bewegen.“[23] Der Richter, der nun „Herr des Verfahrens“ war, begnügte sich nicht mehr mit den Beteuerungen der Prozessbeteiligten und ihrer Zeugen, sondern forschte selbst aktiv nach.[24] Kurzum er inquirierte.

Vor der Inquisition hatten sich alle jene einzufinden, die entweder von Dritten denunziert worden waren oder die sich durch Selbstanzeige als Häretiker kenntlich gemacht hatten. In der Regel fielen die Strafen für diejenigen, die sich selbst stellten, milder aus als die Strafen für jene, die zwangsweise vor Gericht gestellt wurden. Am Ende aller Prozesse wurde in einer öffentlichen Zeremonie, dem „Akt des Glaubens“, das Urteil verkündet und die ausführliche Begründung vorgelesen.[25] Anschließend schworen die Sünder von ihren Irrtümern ab, „wonach die nicht rückfällig Gewordenen im Allgemeinen mit Gefängnisstrafen – und Galeerenstrafen sowie kirchlichen Bußen davonkamen“.[26]

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es im Weltbild der Inquisitoren des 13. und 14. Jahrhunderts noch nicht die Vorstellung von Hexen als Teufelsanbeter gab. Daher fanden auch keine Hexenverfolgungen statt.

2.1.3 Von den Ketzern zu den Hexen

Wie bereits erwähnt, kannten die Inquisitoren des 13. und 14. Jahrhunderts keine Hexensekte. Lediglich Ansätze in diese Richtung waren gegeben. Zum einen durch die Verfolgung der Juden, die aufgrund der Pestwellen seit 1348 als Sündebocke galten, zum anderen durch die Verfolgung von häretischen Gemeinschaften. Ihnen wurde die Verehrung des Satans unterstellt, wobei sie ihm Opfer darbrächten, ihn anbeteten und mit ihm und ihresgleichen Geschlechtsverkehr hätten.

Erst seit dem Spätmittelalter kam es zur Entstehung eines neuen Hexenbildes. An die Stelle des vorherrschenden Wortes „Zauber, Zauberin“, das den Schadenszauber in das Zentrum stellte, trat langsam die „Hexe“. Ursprünglich war damit die „hagsuzza“, ein sich auf Grenzzäunen aufhaltendes dämonisches Wesen, gemeint.[27] Theologen und Juristen entwickelten die Idee einer Sekte von Teufelsanbetern, den Hexen. „Sie beließen es aber nicht bei der praktischen Verfolgung der Teufelsdiener, sondern brachten ihre Gedankengebäude in 'wissenschaftlichen' Abhandlungen zu Papier, […].“[28] Dieser neue Hexenglaube führte zur Bekämpfung des neuen Feindbildes. Sowohl die geistlichen Inquisitoren als auch die Gesellschaft waren daran beteiligt. Die Motive waren jedoch unterschiedlich. Die Kirche wollte in erster Linie den „Abfall von Gott“ verhindern, der „Staat“ dagegen handelte primär um den Schadenszauber abzuwenden. Aus der Ketzerverfolgung entwickelte sich also langsam eine Hexenverfolgung.[29]

2.2 auslösende Momente

Hexenverfolgungen wurden auf vielfältige Weise ausgelöst. In den meisten Fällen versetzte nicht ein einzelner Faktor Menschen in eine Stimmung aus der heraus sie eifrig Hexen verfolgten. Vielmehr waren diese Verfolgungen stets von verschiedenen Umständen, die in den folgenden Abschnitten näher erläutert werden sollen, abhängig.

[...]


[1] Behringer, Wolfgang: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. München 2006, S. 7

[2] Levack, Brain P.: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa. München 1995, S. 39.

[3] Ebd.

[4] http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761570625/Teufel.html, Stand: 26. Dezember 2007

[5] Levack (1995), S. 42.

[6] Ebd., S. 40.

[7] Ebd., S. 43.

[8] Ebd.

[9] Ebd, S. 44.

[10] Heinemann , Evelyn: Hexen und Hexenglauben. Eine historisch-sozialpsychologische Studie über den europäischen Hexenwahn des 16. und 17. Jahrhunderts. Frankfurt/Main; New York 1986, S. 66.

[11] Levack (1995), S. 44.

[12] Ebd.

[13] Heinemann (1986), S. 67.

[14] Levack (1995), S. 47.

[15] Behringer (2006), S. 232.

[16] Levack (1995), S. 49.

[17] Ebd.

[18] Levack (1995), S. 52 f.

[19] Heinemann (1986), S. 68.

[20] Levack (1995), S. 55.

[21] Ebd., S. 56.

[22] Decker, Rainer: Hexen, Magie, Mythen und die Wahrheit. Darmstadt 2004, S. 5.

[23] Ebd., S. 31.

[24] Ebd.

[25] Ebd.

[26] Ebd.

[27] Decker (2004), S. 35.

[28] Ebd.

[29] Ebd., S. 36.

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668307551
ISBN (Buch)
9783668307568
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341185
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Geschichte
Note
Schlagworte
Hexenverfolgung Hexenprozesse Europa Spätmittelalter Frühe Neuzeit

Autor

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