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Jesus wächst als jüdisches Kind auf (Kath. Religion, 5. Klasse)

Unterrichtsentwurf 2014 20 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhalt

1. Zentrales Anliegen der Stunde

2. Stellung der Stunde in der Einheit

3. Bedingungsanalyse
3.1 Institutionelle Bedingungen in Bezug auf die Stunde
3.2 Beschreibung der Lerngruppe
3.2.1 Arbeits- und Sozialverhalten
3.2.2 Lernvoraussetzungen der Lerngruppe

4. Methodisch-didaktischer Kommentar

5. Überblick über den Verlauf der Stunde

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Zentrales Anliegen der Stunde

Die SuS fördern ihre Wahrnehmungskompetenz,

- indem sie die jüdische Tradition, in der Jesus aufwächst, darin glaubt, denkt und lebt, nachvollziehen.
- indem sie Lebensbereiche der realen Umwelt Jesu erforschen.
- indem sie an biblische Erzählungen herangeführt und für diese sensibilisiert werden.

Dabei können sie…

- aus einer Fantasiegeschichte das ihnen bekannte Wissen über Jesu und das Land Palästina mitteilen.
- mittels visueller Impulse eine Landkarte über Palästina erstellen und die Wirkungsorte Jesu benennen.
- selbstständig Fragen zu dem Thema „Jesus wächst als jüdisches Kind auf“ stellen und Antworten geben können, um daraus mit Unterstützungshilfen ein Gespräch innerhalb der Lerngruppe zu entwickeln.
- in Partnerarbeit kooperativ und wertschätzend miteinander umgehen.

2. Stellung der Stunde in der Einheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Bedingungsanalyse

3.1 Institutionelle Bedingungen in Bezug auf die Stunde

Die xy-Schule liegt am Rande der Stadt x und ist eine im Jahre 1971 erbaute, schulformbezogene Gesamtschule, die 2012 als Mint-freundliche Schule ausgezeichnet wurde und bestrebt ist, dieser Bezeichnung auch weiterhin gerecht zu werden. Das Schulgebäude gliedert sich in eine Haupt- und Realschule als auch in ein modernes Gymnasium mit gymnasialer Oberstufe. Etwa 1.650 Schülerinnen und Schüler[1] besuchen derzeit die Schule. Die Schule pflegt im Rahmen schulischer Veranstaltungen und Feierlichkeiten die Gestaltung von Gottesdiensten und christlicher Rituale (Meditation und Gebete) in der Advents- und vorösterlichen Zeit.

Der katholische Religionsunterricht der Klasse 5H/5R ist 2-stündig pro Woche angelegt.

Anstelle des Lehrbuches „Zeit der Freude“ dienten für die Erarbeitung der Unterrichtseinheit als Lehrwerksgrundlagen Kinderbibeltexte sowie Arbeitsblätter aus dem Materialheft “Sternstunden Religion“ für die Klassen 5/6 sowie “Jesus Christus“, Materialien für den Regelunterricht und Freiarbeit in der Sekundarstufe I (beide aus dem Auer-Verlag).

3.2 Beschreibung der Lerngruppe

Die Lerngruppe 5H/5R wird im Fach Katholische Religion seit Beginn des 1. Schulhalbjahres von mir eigenverantwortlich unterrichtet. Sie besteht aus 16 SuS im Alter von 11/12 Jahren, davon gehören 2 zum weiblichen Geschlecht und 14 zum männlichen Geschlecht. Vier SuS gehören zur Klassengemeinschaft der 5H, alle anderen SuS zur Klassengemeinschaft der 5R. Die SuS sind zu mir freundlich und höflich. Sie achten auf ihre Gefühle und Bedürfnisse und lassen diese in den Unterrichtsprozess mit einfließen (Selbstregulierung). Sie sind darum bemüht, ihre persönlichen Geschichten bzw. ihre persönlichen Erfahrungen mit einzubringen. In ihrer Glaubensentwicklung bewegen sich die SuS zwischen einem mythisch-wortgetreuen Glauben („Buchstabenglauben“), der „Mythen nicht als symbolische Sprache erkennen lässt und in dem Gott wie ein menschliches Wesen aufgefasst wird sowie einem synthetisch-konventionellen Glauben, der persönlich noch nicht angeeignet ist, sondern vielmehr von anderen übernommen und von anderen abhängig ist“. Die SuS der katholischen Religionsgruppe 5H sind in die größere Gruppe der Klasse 5R gut integriert, insbesondere M., aber auch Jo und N, eineiige Zwillinge, obwohl sie sehr schüchtern, ruhig und sensibel sind. Meine Aufmunterungen, den Unterricht aktiv mit zu gestalten, führen nicht immer zum Erfolg, zeigen aber eine positive Entwicklung auf. Integrationsprobleme hat S, die aufgrund eines körperlichen Organleidens sprachliche Einschränkungen hat und aufgrund immer wieder notwendiger Krankenhausaufenthalte am Unterricht nicht immer teilnehmen kann. S fühlt sich aufgrund ihres Leidens gehemmt und spricht kaum und auch sehr leise. So entwickelt sich ein partnerschaftlicher Umgang mit Sy (5R) nur sehr zögerlich. Sy arbeitet oft in Einzelarbeit, da sie mit den Jungen noch nicht zusammen arbeiten möchte. Ungeachtet dieser Tatsachen der Passivität bezüglich der Kommunikation, erledigen S, Jo, und N ihre Hausaufgaben sehr ordentlich, sind bezüglich des Unterrichtsgeschehens kognitiv präsent und arbeiten bei der Durchführung von Ritualen und Arbeitsaufträgen aktiv und interessiert mit. Sy, J, Ja, M, A, S und G bringen sich aktiv in das Unterrichtsgeschehen ein, drücken sich angemessen aus und zeigen Offenheit, Unbefangenheit und Neugierde gegenüber neuen Inhalten.

3.2.1 Arbeits- und Sozialverhalten

Das Sozial- und Arbeitsverhalten der Lerngruppe ermöglicht in der Regel einen lernfördernden Unterricht. Die SuS verhalten sich neugierig und aufgeschlossen. Wecke ich das Interesse der SuS, zeigen sie sich intrinsisch motiviert und arbeiten gewissenhaft. Ihr Arbeits- und Sozialverhalten entspricht mit wenigen Ausnahmen ihrem Entwicklungsstand. In der Regel bearbeiten sie ihre Aufgaben zielbewusst bis zu Ende. Vor allem G, S, J, A und Ja arbeiten zügig, sind sehr motiviert und agil am Unterrichtsgeschehen beteiligt. V, C, D und M erledigen ihre Aufgaben, unterbrechen sich aber durch ablenkende Gespräche. Mit Hilfe von Ermahnungen und mittels positiven Zuspruchs können sie sich jedoch wieder an die vereinbarten Gesprächsregeln halten und arbeiten weiter. Die SuS haben ihre Arbeitsmaterialien präsent und erledigen ihre Hausaufgaben. Die Jungen verfügen gegenüber den beiden Mädchen über ein hohes Maß an Durchsetzungsfähigkeit, verhalten sich aber in Bezug auf den Umgang miteinander freundlich und hilfsbereit.

3.2.2 Lernvoraussetzungen der Lerngruppe

Die Lerngruppe besteht aus gläubigen sowie aus indifferenten SchülerInnen, die sich weniger für die Sinnfragen ihrer Religionszugehörigkeit interessieren, aber den Unterricht aktiv gestalten und dem Fach Religion respektvoll Interesse zeigen. Die Person Jesus jedoch ist allen SuS aus ihren Alltagserfahrungen bekannt, insbesondere durch den Kommunionunterricht und aus dem Lernstoff der Grundschule. In Bezug auf die Unterrichtseinheit „Jesus ist ein Freund der Menschen“ haben die SuS dennoch unterschiedliches Wissen mitgebracht. Durch das Erstellen einer Mind-Map und des Steckbriefes über Jesus wurde der Wissensstand soweit wie möglich egalisiert. Die SuS kennen die wichtigsten Daten von Jesus und seine Wirkungsorte. Sie wissen darüber hinaus, dass Jesus Jude war. Die SuS sind es nicht gewohnt, Leitfragen zu entwickeln sowie angemessen auf Wortimpulse und visuelle Impulse zu reagieren. Deshalb benötigen sie Unterstützungshilfen. Die Methode des Frage- und Antwortspiels ist den SuS ebenfalls bekannt und entwickelt sich zunehmend besser. Auffallend ist, dass die SuS sehr unterschiedliche Lernzeiten benötigen, um eine anstehende Aufgabe zu bewältigen. Deshalb soll für die vorliegende Stunde jede Schülerin und jeder Schüler nach seinen Fähigkeiten und seiner Zeit arbeiten dürfen. Die SuS sind gewohnt, in Partnerarbeit anstehende Aufgaben zu bewältigen. Dabei gelingt es ihnen zunehmend besser, aufeinander zu achten, gegenseitige Rücksichtnahme einzuhalten, sich gegenseitig zuhören und Teamfähigkeit zu zeigen.

4. Methodisch-didaktischer Kommentar

Die Unterrichtsstunde beginnt mit dem für die SuS angenehmen Ritual des Singens. Es läutet harmonisch das Unterrichtsgeschehen ein, schafft eine Einleitung zur Strukturierung, Orientierung und Gestaltung der Unterrichtsstunde und fördert harmonisch das Zusammenleben der Lerngruppe. Alternativ bieten sich auch Gebetstexte, Meditationstexte oder Alltagsgespräche an. Das Singen jedoch spricht die SuS in ihrer seelischen-geistigen und emotionalen Verfasstheit ganzheitlich an. Es stiftet Gemeinschaft und verbindet die SuS untereinander. Der Songtext „Kumba jah my Lord…“ („Komm in unsere Mitte“) schafft eine Verbindung zum Thema der Unterrichtsstunde. Die SuS schaffen hier bereits eine Verbindung zu Jesus und laden ihn ein, bei ihnen zu sein.

Im Anschluss des Rituals erzählt die L eine Fantasiegeschichte, die die SuS in die Zeit Israels vor mehr als 2000 Jahren verführen soll. Sie regt die Vorstellungskraft der SuS an und schafft eine entspannte Lernzeit. Dies fördert die Motivation zum Mitdenken. Geschichten erzählen entspricht auch der Auffassung Fowlers, der die SuS im Alter von 11-12 Jahren auf der Glaubensstufe des mythisch-wörtlichen Glaubens einordnet. In diesem Alter gewinnen Mythen, Geschichten und Symbole an Bedeutung und verhelfen den SuS, sich in ihrer Lebenswelt besser zu orientieren. Die SuS sind fixiert auf narratives Erzählen und versuchen ihre Wirklichkeit getreu wieder zu geben. Die Fantasie-geschichte ermöglicht genau diesen Anspruch, weil die SuS sich in diese Zeit begeben, um Jesus als Freund zu begegnen und ihn in seiner Kindheits- und Jugendwelt zu erleben und zu begleiten. Für einen zeitlich kürzeren Einstieg bietet sich auch das Anhaften einer Landkarte mit den groben Umrissen des Landes Israels an. Dies ist möglich, da die SuS bereits in der vorangestellten Stunde das Land Palästina und die wichtigsten Wirkungsorte Jesu bereits kennengelernt haben (Wiederholung).

Nach der Fantasiegeschichte wird im Sitzkreis auf einem großen Plakat eine Landkarte über das Land Palästina erstellt. Dabei benennen die SuS Orte wie Bethlehem, Nazareth, Jerusalem, Galiläa und Judäa sowie die Gewässer Jordan, See Genezareth und das Tote Meer. Lebens- und Wirkungsorte von Jesu sowie Ortsnamen und Seen werden modellhaft so vorbereitet, dass sie entsprechend mit Nadeln festgesteckt werden können (unterschiedliche Farben verwenden!). Die Erstellung der Landkarte ermöglicht bereits vorhandenes Wissen (Wiederholung) mit neuen Informationen zu verknüpfen. Zudem vertieft sie visuell die örtlichen Gegebenheiten der damaligen Zeit. Es verleitet dazu, dass die SuS aus ihrer eigenen Kindheit und ihrer örtlichen Umgebung berichten. Nicht wenige SuS aus der Lerngruppe sind in anderen Ländern aufgewachsen. Aufgrund unterschiedlicher Nationalität bietet diese Lernsituation Gelegenheit, sich besser kennenzulernen. Dies ist wichtig, weil die SuS darüber gegenseitiges Verständnis für ihre Herkunft entwickeln. Umso deutlicher wird den SuS dann auch, dass man das Land und die darin verwurzelten Menschen, in dem Jesu gelebt hat, kennen muss, um Jesu Botschaft wirklich zu verstehen. Das jüdische Alltagsleben mit all seinen Traditionen bestimmt auch das Leben Jesu. Was er denkt, glaubt und lebt, ist nur aus dem Judentum heraus zu verstehen.

Zur Hinführung auf die Erarbeitungsphase zeigt die L auf den Ort Nazareth und bietet dadurch den SuS Gelegenheit, über den Geburtsort Jesu tieferes Wissen zu äußern. Daraus resultierend entwickeln die SuS -mit Unterstützung der L- die möglichen Leitfragen: „Wie ist Jesus aufgewachsen? oder „Wie hat Jesus im jüdischen Glauben gelebt?“ oder „Wie ist Jesus als Jude aufgewachsen?“ Es ist nicht notwendig, dass die SuS in der Leitfrage den jüdischen Glauben integrieren. Es genügt, dass sie äußern, wie Jesus aufgewachsen ist, denn in der Erarbeitung wird deutlich, dass Jesus nach jüdischer Tradition gelebt hat.

Die SuS haben nun in der Erarbeitungsphase Gelegenheit in Partnerarbeit, aber auch individuell, die jüdische Tradition nachzuvollziehen. Dabei helfen visuell reale Symbole aus der jüdischen Tradition wie Torarolle, Tallit, Mesusa, Menorah und Kippa sowie bildliche Symbole z.B. einer Synagoge, eines Flachdachhauses und des Sabbats. Diese werden auf einer Lerntheke präsentiert. Die Symbole werden visuell vorgestellt und anhand von Texten, die aus der Sichtweise Jesu erzählt werden, untermalt. Alle Texte werden eingeleitet mit „Jesus erzählt…“. Dies gibt den SuS das Gefühl, dass sie Jesus begleiten und bei ihm sind. Die SuS durchlaufen die Lerntheke in ihrer Zeit, soviel wie sie entsprechend ihren kognitiven Fähigkeiten schaffen und stellen Fragen zu den jüdischen Symbolen. Zugleich sollen sie eine Antwort auf ihre Frage finden. Zudem besteht die Möglichkeit, dass besonders schnelle SuS die jüdischen Symbole einem ihnen bekannten christlichen Symbol zuordnen können.

Nach der Erarbeitung kommen SuS im Sitzkreis wieder beisammen und tauschen ihr gesammeltes Wissen und ihre Erfahrungen über die dargestellten jüdischen Symbole und der damit verbundenen jüdischen Tradition aus. Methodisch bietet sich in dieser Lernphase das bereits eingeübte Frage- und Antwortspiel an. Ein Schüler oder eine Schülerin stellt eine Frage, die von SuS selbst beantwortet und auch gegebenenfalls korrigiert wird. So lernen die SuS eigenständig zu arbeiten, einander zuzuhören, gegenseitig Rücksicht zu nehmen und ihr Wissen selbst zu überprüfen. Für SuS, die Probleme haben, Fragen zu formulieren, gibt es Hilfekarten.

Wichtig ist, dass die Ergebnisse visuell an der Tafel oder auf einem großen Plakat schriftlich fixiert werden. Hilfreich ist es, dass man Begriffskarten bereits vorbereitet. Die Karten können von den SuS mit Magnetsteinen schnell befestigt werden. Das spart aufgrund der Stofffülle in einer nur zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunde sehr viel Zeit. Die visuelle Darstellung der von den SuS erarbeiteten Ergebnisse ermöglicht, dass sie ihre gemachten Erkenntnisse selbstreflektierend überprüfen können und an Wertschätzung gewinnen. Zudem können sie für den weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit genutzt werden. Als L sollte man nicht den Fehler machen, die SuS auf Ergebnisse hinzulenken, weil man diese entsprechend doch so mühsam vorbereitet hat. Wenn ein Begriff von den SuS nicht erarbeitet wurde, sollte man ihn auch weglassen. Mögliche andere Lösungen können auf leere vorbereitete Karteikarten von den SuS selbst geschrieben werden. Wichtig ist, dass über die erarbeiteten Symbole aus der jüdischen Tradition gesprochen wird und ein Vergleich zur christlichen Tradition eingebettet wird. Dies ist gut möglich, da die SuS christliche Traditionen wie Taufe und Kommunion und die damit verbundenen christlichen Symbole wie Gebet, Kirche, Kommunionkleid- und Anzug, Kerze, Priestergewand sowie das Kreuz erfahren haben. Das Gespräch sollte in jedem Falle in der nächsten Stunde nochmals aufgegriffen und vertieft werden.

Zur Festigung eignet sich ein von der L vorbereiteten Lückentext, der als Hausaufgabe auf einem Arbeitsblatt von zwei SuS ausgeteilt wird.

Bleibt noch genügend Zeit, bietet sich an, die Stunde mit einem von den SuS selbst gewählten Ritual zu beenden.

[...]


[1] im Folgenden mit SuS abgekürzt

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668335363
ISBN (Buch)
9783668335370
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v341044
Note
Schlagworte
jesus Palästina jüdische Traditionen Vergleich: christliche Traditionen

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