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Platons Ideenlehre. Die drei Gleichnisse der "Politeia" im Überblick

Zusammenfassung 2015 20 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhalt

I. Buch

II. Buch

III. Buch

IV. Buch

V. Buch

VI. Buch

VII. Buch

Platon - Politeia - Die Ideenlehre

I. Buch

- Sokrates und Kephalos sprechen über das Alter > je älter man werde, würden die Vergnügungen für Kephalos, die vom Leibe herrühren uninteressanter und stattdessen wachse die Freude und Lust am Reden. Auch Sokrates gesteht, dass er sehr gerne mit den Älteren spricht.
- Im Alter werde man freier von den Begierden des Körpers; die Leute, die sich im Alter beschweren und darüber klagen, tun dies nicht wegen ihres Alters, sondern weil ihre Gesinnung nicht gefasst und gefällig ist; Kephalos führt weiter aus, dass Reichtum dem Wohlgesinnten, dem Vernünftigen, dabei helfen kann, ein gutes und gerechtes Leben zu führen.
- Sokrates fragt daraufhin, was denn Gerechtigkeit genau sei? - vorläufige Antworten: Die Wahrheit reden und was man empfangen hat, wieder geben; Gerechtigkeit ist die Erstattung dessen, was man schuldig ist > Gerechtigkeit ist demnach z.B. seinen Freunden Gutes zu tun und den Feinden Böses; Das Gerechte sei das dem Stärkeren Zuträgliche (Thrasymachos)
- Sokrates führt gegen Thrasymachos an, dass Ungerechtigkeit kein größerer Gewinn ist, als die Gerechtigkeit: Die Kunst des Herrschens bezwecke nie den Vorteil des Herrschenden! Kein wahrer Herrscher herrsche freiwillig, sondern müsse durch Lohn oder Strafe dazu gezwungen werden. Und wenn ein Staat vollkommener Menschen entstünde, so würde sich niemand zum Herrschen drängen.
- Die Guten regieren weder des Geldes noch der Ehre wegen, dies ist also nicht ihr Lohn; die Strafe aber (falls sie sich weigern zu regieren) ist es von Schlechteren regiert zu werden; aus Furcht vor dieser Strafe regieren sie also (durch Zwang), weil sie die Notwendigkeit erkennen.
- Es ist unmöglich mit vollkommener Ungerechtigkeit etwas mit anderen oder allein zu vollbringen: die Ungerechten werden auch sich untereinander bekämpfen und sich Unrechtes tun; Ungerechtigkeit verursacht Zwietracht, Hass und Streit untereinander, Gerechtigkeit aber Eintracht und Freundschaft.
- Die Gerechten sind weiser und besser und auch im Handel mächtiger, in der Gemeinschaft können sie mehr bewirken: Frage: Leben die Gerechten auch besser und glückseliger? > Nur der mit der Gerechtigkeit als der ihr eigentümlichen Tugend kann die Seele ihr Werk vollbringen und glückselig sein.
- Die Tugend der Seele ist die Gerechtigkeit: Ihre ufgaben sind „besorgen, beherrschen, beraten etc.“ und diese wird eine schlechte Seele notwendig schlecht ausführen eine gute Seele aber gut.
- Die Schlechtigkeit der Seele ist also die Ungerechtigkeit
- Die gerechte Seele und der gerechte Mensch wird gut leben und glückselig sein, der Ungerechte aber schlecht.
- Ende des I. Buches: die Untersuchung begann damit, zu fragen, was das Gerechte sei, aber diese Frage wurde nicht beantwortet, es wurde festgestellt, dass die Gerechtigkeit eine Tugend ist, die glückselig macht.

II. Buch

- Glaukon fragt Sokrates, ob er denn nun wirklich schon fertig sei mit seiner Überzeugungsarbeit, „dass es auf alle Weise besser ist, gerecht zu sein als ungerecht?“
- Glaukon differenziert 3 Arten von Gut
- 1) Güter, die um ihrer selbst willen erstrebenswert sind (z.B. Wohlbefinden)
- 2) Güter, die nicht um ihrer selbst willen, sondern wegen dem Lohn oder dem Nutzen erstrebt werden (z.B. die Leibesübungen, sie sind beschwerlich aber sie nützen uns)
- 3) Güter, die um ihrer selbst willen und wegen ihrer Folgen erstrebt werden (z.B. Gesundsein)
- Gerechtigkeit gehört zu der dritten Art von Gütern, die sowohl um ihrer selbst willen als auch wegen den Folgen, der Glückseligkeit, erstrebt wird. Für Sokrates ist dies das Schönste Gut.
- Das Ziel von Platon ist es, die Gerechtigkeit in sich selbst als gut, die Ungerechtigkeit als übel nachzuweisen
- Die Rede des Adeimantos bereitet dieses Ziel vor: er behauptet, dass das Lob der Gerechtigkeit sich nicht auf ihr Wesen gründet, sondern auf ihre Folgen (pragmatische Argumentation): Ruhm und Vorteil bei den Menschen und Gunst der Götter
- Diese Meinung gilt es zu widerlegen und zu zeigen, was Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit rein für sich genommen sind> Wesen der Gerechtigkeit?
- Diese Frage wird dann erst im IV.Buch beantwortet im Hinblick auf - das System der Tugenden im Staat und dem System der Tugenden in der Einzelseele > Innerhalb dieser beiden Systeme steht jeweils die Gerechtigkeit am letzten Platz> Die Gerechtigkeit erweist sich dann als die strenge Ordnung , die jedes der beiden symmetrischen Systeme eigentlich zusammenhält
- Zwischen Staat und Einzelseele besteht ein Parallelismus> in beiden muss die
Gerechtigkeit gesucht werden.
- Sokrates wird aufgefordert, zu zeigen, dass Gerechtigkeit nicht nur besser ist als Ungerechtigkeit an und für sich, er soll aber auch zeigen, wozu die Gerechtigkeit den macht, der ihn besitzt.
- Sokrates will durch Beispiele die Gerechtigkeit an und für sich herausstellen: - Gerechtigkeit im einzelnen Menschen und - Gerechtigkeit im Staat (hier ist es leichter zu erkennen, da das Beispiel größer ist)
- In Gedanken lassen die Redner also einen Staat entstehen, um an dieser dann auch die Entstehung von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit zu sehen
- Entstehung der Polis: Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen > Die Polis entsteht aus den Bedürfnissen der Einzelnen, die diese nicht alle selber befriedigen können.
- In der Polis gibt es den Ackermann, den Baumeister, den Weber, den Schuhmacher und Ärzte > jeder übt nur eine Kunst aus, dann wird er dieses besser verrichten als wenn er viele Künste verrichten muss
- Diese Künste sind allerdings noch nicht ausreichend in der polis, z.B.: kann der Ackermann den Pflug, den er braucht, nicht selber „gut“ herstellen
- Die Polis braucht also auch Holzarbeiter, Schmiede, vielerlei Handwerker und Genossen, Rinderhirten und Schäfer
- Zufuhr von außen wird auch nötig sein, dafür werden Handelsleute benötigt und auch Seeleute, falls der Handel zu See geführt wird
- In dem Staat entsteht auch ein Markt, wo mit Geld gehandelt wird. Krämer verkaufen die Waren und Tagelöhner verrichten allerlei schwere Arbeit
- Es soll nicht nur eine Stadt entstehen, die das Mindeste hergibt, sondern wo die Menschen auch gesund und wohlbetagt leben können > Die Menschen haben also Zukost und Nachtisch > Diese Stadt ist recht und gesund (Die üppige Stadt)
- Wenn der Staat allerdings zu groß wird und aufgeschwemmt mit vielerlei unnutzen Dingen und Menschen (z.B. Dichter und Schauspieler etc.) wird sie ungesund und unrecht werden (Die aufgeschwemmte Stadt) In dieser Stadt gibt es mehr Diener, mehr Tiere, die man essen kann und auch mehr Ärzte werden bei dieser Lebensweise nötig sein. Der Boden wird nicht mehr reichen, um alle zu ernähren, also wird mit den Nachbarstaat Krieg geführt werden um Land. Hierin liegt der Ursprung des Krieges.
- Ein großes Heer wird nötig sein, um Krieg zu führen: also werden die Stände um die Kriegskunst erweitert
- Die Wehrmänner/ Wächter müssen in ihrer Kunst sehr gut und mit Sorgfalt ausgebildet sein Sie müssen auch eine geeignete Natur besitzen
- D.h. - tapfer sein dem Leibe nach - eifrig sein der Seele nach - sanftmütig gegenüber Freunden > ein guter Wächter muss diese Widersprüche in sich vereinen, denn die sanftmütige Natur ist der hocheifrigen Natur entgegengesetzt. Der gute Wächter muss auch philosophisch sein, d.h. lernbegierig, damit er Kenntnis hat wer Freund und wer Feind ist
- Wie müssen die Wächter erzogen werden? > Gymnastik für den Leib > Musik für die Seele > Kriegskunst
- Unter die Erziehung durch Musik fallen auch Reden > hier muss aufgepasst werden, denn es gibt wahre und falsche Reden: Auch Märchen sind bei der Erziehung von Kindern wichtig, aber es sollen keine beliebigen sein, damit ihre Seelen keine Vorstellungen ausbilden, die später schädlich sind. Platon wendet sich hier vor allem auch gegen die Mythen von Hesiod und Homer!
- „was sie zuerst hören, auf das Sorgfältigste mit Bezug auf die Tugend erzählt sei“
- Es gibt 3 Stände im idealen Staat:

1. Herrschender Stand > Philosophen-Könige (die Elite aus dem Wächterstand) - Standestugend: Weisheit
2. Wehrleute > Militär und Polizei - Standestugend: Tapferkeit
3. Kaufleute, Krämer etc. - Standestugend: Besonnenheit

Die Standestugenden werden durch die Gerechtigkeit ermöglicht. Das Gute ermöglicht die Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit ermöglicht die Einzeltugenden.

III. Buch

- Die Erziehung der Wächter wird weiter ausgeführt; es wird deutlich, dass die

Wächter bspw. auch keinen Besitz haben sollen

IV. Buch

- Die Wächter müssen über Reichtum und Armut im Staat wachen und walten und auch darüber, dass der Staat genügsam bleibt und nicht zu sehr anwächst
- Jedes Kind soll seiner Natur gemäß zu dem Beruf geführt werden, zu dem es geeignet ist > die edlen Naturen kommen zu den Wächtern
- Tüchtige Erziehung und Unterricht bildet gute Naturen und diese guten Naturen bringen selber wieder welche hervor
- Die ideale Stadt ist vollkommen gut > sie ist weise, tapfer, besonnen und gerecht
- Die Stadt ist weise, da sie wohlberaten ist > wohlberaten sein erfolgt nach einer Erkenntnis > Diese Erkenntnis besitzt nur der kleinste Teil des Staates, das sind die Wächter: diese haben die Weisheit über die Stadt und mit anderen Städten.
- Tapferkeit: die Stadt ist tapfer durch einen Teil ihrer selbst: Tapferkeit ist eine Bewahrung und Aufrechterhaltung der richtigen und gesetzlichen Vorstellung von dem, was furchtbar ist und was nicht > die richtige Vorstellung ist nur durch Bildung möglich
- Besonnenheit: Die Seele hat einen besseren und schlechteren Teil in sich, genauso verhält es sich auch in der Stadt > Die Erziehung bestimmt darüber, was ausgeprägt wird. Der bessere Teil der Seele ist die Besonnenheit. Proportional überwiegt die Unbesonnenheit in der Stadt, aber die Vernunft und Besonnenheit in den Wenigen beherrscht diese
- Gerechtigkeit: Erinnerung > jeder verrichte in der Stadt nur das, was er nach seiner Natur am besten kann; daher: Gerechtigkeit ist, „dass jeder das Seinige verrichtet“
- Die Gerechtigkeit ist das, was den anderen Tugenden die Kraft gibt dazusein und sie zu erhalten
- Worin liegt die Ungerechtigkeit? > wenn aus den anderen Ständen einer versucht in die nächst höhere Klasse (z.B. aus dem Handwerksbereich in die der Krieger, oder aus der Klasse der Krieger in die der Hüter und Berater) überzugehen ohne es wert zu sein, wird dies zum Verderben der Stadt führen
- Fazit: die erwerbende, beschützende und beratende Klassen müssen Geschäftstreue beweisen, damit Gerechtigkeit herrschen kann
- Die Ergebnisse des großen Beispiels sollen nun an einem kleineren Beispiel gezeigt werden: am einzelnen Menschen bzw. in der Einzelseele
- Der Begriff der Gerechtigkeit muss sich beim einzelnen Menschen auf ähnliche Weise zeigen

Das Prinzip der Gerechtigkeit ist die Selbstbeschränkung jedes Standes im Staate und jedes Bereichs in der Seele auf seinen besonderen Bereich! Das Prinzip, dass „jeder das Seinige“ tut meint nicht, dass man das tut zu seinem eigenen Vorteil, sondern für das Gemeinwohl.

V. Buch

- Frauen können auch zu Wächterinnen werden, wenn sie die dazu nötige Natur besitzen; daher sollen auch die Frauen dieselbe Erziehung bekommen
- Da Frauen aber generell schwächer sind als die Männer, sollten sie in der Rolle als Wächterin die leichteren Aufgaben bekommen
- Einheit des Staates: das größte Gut > Die Ursache an der Einheit ist die Gemeinschaft der Frauen und Kinder unter den übrigen Wächtern
- Zur Verwirklichung des idealen Staates brauche es nur eine Veränderung: Staatsgewalt und Philosophie müssen zusammenfallen: Philosophen-Könige
- Warum? Philosophen lieben die Weisheit und suchen nach dieser: und zwar als Ganzes und nicht wegen eines bestimmten Teils („wer aber ohne Umstände alle Kenntnisse zu kosten pflegt und gern zum Lernen geht und unersättlich darin ist, den werden wir wohl mit Recht weisheitsliebend nennen“)
- Die eigentlich Weisheitsliebenden sind die, die schaulustig nach der Wahrheit sind > Philosophen sind diejenigen, die fähig sind, das Wahre selbst zu schauen
- Unterscheidung von Erkenntnis (bezieht sich auf das Seiende), Unkenntnis (bezieht sich auf das Nichtseiende) und Vorstellung (liegt in der Mitte von Seiendem und Nichtseiendem)
- Erkenntnis: das stärkste aller Vermögen bezieht sich auf das Seiende, um zu erkennen, wie es sich verhält
- Vorstellung: ist das Vermögen sich etwas vorzustellen. Es bezieht sich weder auf das Seiende noch auf das Nichtseiende (nicht möglich sich NICHTS vorzustellen). Als Mittleres hat sie an beidem Anteil
- Es gibt vielfältige Formen bzw. Erscheinungen des Schönen oder bspw. des Gerechten auf die sich die Vorstellung bezieht, aber sie bezieht sich nicht auf die Sache an sich (das Gerechte an sich oder das Schöne an sich)
- „Die also viel Schönes beschauen, das Schöne selbst aber nicht sehen noch einen anderen, der sie dazu führen will, zu folgen vermögen und die vielerlei Gerechtes, das Gerechte selbst aber nicht, und so alles, diese, wollen wir sagen, stellen alles vor, erkennen aber von dem, was sie vorstellen, nichts“ > das sind also nur Meinungsliebende (philo-doxie)
- Diejenigen, die die Dinge an sich beschauen und so erkennen, lieben die Erkenntnis >

das sind Weisheitsliebende (philo-sophie) > Bezug zum wahrhaft Seienden

Wissen > Sein

Meinen > unsere Werde-Welt Nicht-Wissen > Nicht-Sein

VI. Buch

- Es wird gefordert, dass Philosophen als diejenigen, die das Gerechte selbst schauen, herrschen sollen

- Philosophen müssen die Führer des Staates sein, da sie „das sich immer gleich und auf dieselbe Weise Verhaltende fassen können“

- Sie sind in der Lage, die Gesetze und Bestrebungen der Staaten aufrechtzuerhalten

- Welche notwendigen Eigenschaften besitzt der Philosophen-Wächter? > Philosophen lieben immer und vollständig die Kenntnis vom Seienden, das ewig und unveränderlich ist; sie sind außerdem ohne Falsch und nehmen auf keinen Fall willentlich das Falsche an > sie lieben die Wahrheit; der wahrhafte Philosoph strebt von klein an nach Weisheit und Wahrheit, er hat eine mäßige und keine habsüchtige Natur; er hat nicht an Unedlem teil

- Um von klein auf zu erkennen, ob ein Kind eine philosophische Seele hat, wird man darauf achten müssen, ob es gerecht und mild ist

- Weitere Eigenschaften: gelehrig, gutes Gedächtnis, musikalisch, ebenmäßig und anmutig

- Solche Naturen kommen nur selten vor unter den Menschen und den Wenigen drohen auch noch viele Gefahren durch bspw. schlechte Erziehung

- Wie sieht der Erziehungsweg genau aus? > Um die wahrhaft philosophischen Naturen zu finden, müssen sie von klein auf in vielerlei Kenntnissen geübt werden und dann in den „schwersten Forschungen“ sich beweisen

- Was sind die Schwersten Forschungen? > hier wird nun der Bogen gespannt zur Idee des Guten > diese ist die größte und schwerste Erkenntnis, sie ist größer noch als die Gerechtigkeit und der wahrhafte Philosoph muss Kenntnis haben von der größten Erkenntnis

Die Idee des Guten: ist die größte Einsicht bzw. Erkenntnis! Durch sie wird das Gerechte und alles, was sonst von ihr Gebrauch macht, erst nützlich und heilsam

- Der wahrhafte Hüter des Staates muss Einsicht bzw. Erkenntnis über das Gute haben, da Meinungen ohne Erkenntnis „blind“ sind

- Sokrates wird dazu aufgefordert, das Gute zu erklären, aber Sokrates weicht aus und will stattdessen einen „ähnlichen Sprössling des Guten“ verdeutlichen  Vieles Schöne/Gerechte etc. kann man in der Wahrnehmung sehen aber nicht denken > das Schöne selbst oder das Gute selbst etc. wird gedacht und nicht gesehen („ was wir vorher als vieles setzten, setzen wir als eine Idee eines jeden und nennen jedes was ist“)

Vorüberlegungen1

Das Seiende ist nur durch reines Denken erkennbar! Die empirisch-wahrnehmbare Welt ist durch Sinneswahrnehmung erfahrbar.

Sinnliche Wahrnehmung >< Reines Denken im Vergleich:

Die Sinneswahrnehmung gibt Kunde über die Dinge der Erfahrungswelt. Das Gemeinsame aller Gegenstände der Sinneswahrnehmung ist die Veränderung, der fortwährende Wandel > sie sind dem Entstehen und Vergehen unterworfen z.B. das grüne Blatt eines Baumes > die Aussage ist nur zu einer bestimmten Zeit gültig, denn im Herbst ändert sich die Farbe und im Winter existiert das Blatt gar nicht mehr. Ebenso differieren die Meinungen über das, was gut, gerecht und schön ist zu verschiedenen Zeiten bei verschiedenen Kulturen > z.B. bestehe die Gerechtigkeit darin, jedem zukommen zu lassen, was ihm gebühre, oder dass Gerechtigkeit der Vorteil des Stärkeren sein etc.

Was aber ist Gerechtigkeit an ihr selbst? Oder das Gute, das Schöne? Sich ändernde Meinungen und Sinneswahrnehmungen können darauf keine Antwort geben.

Allgemeingültige Aussagen > immergeltende Aussagen sind nicht durch Sinneserfahrung noch durch menschliche Meinungen haltbar. Allgemeingültge Aussagen, wie z.B. 7+5=12, beziehen sich nicht auf die Sinnenwelt, da diese sich stets verändert.

Allgemeingültige Aussagen haben die Eigenschaften: Unveränderlichkeit und Unvergänglichkeit

Der Satz 7+5=12 ist demnach unveränderlich wahr. Der in ihm prädizierte Sachverhalt ist auch unveränderlich wahr.

Wo gibt es ein solches unwandelbar Unveränderliches? Wie kann es erfasst werden?

Das unwandelbar Seiende kann nur durch das reine Denken erfasst werden, ein Denken, das von allem Bezug auf die Sinneserfahrung frei ist.

Parmenideische Lehre

Das Seiende ist ein Ganzes, einzigartig, unbewegt, ohne Ende in der Zeit, unentstanden und unvergänglich, völlig gleichartig und unteilbar.

Sie hat die Gestalt einer Kugel> das Seiende ist eine homogene, kontinuierliche, unteilbare Kugel, die sich nicht bewegt und nicht verändert. Es ist als Kugel ausgedehnt (quantitativ), hat aber keine Qualitäten, es ist nicht belebt und nicht mit einer vernunftbegabten Seele ausgestattet. Was nur ausgedehnt ist, aber keine Akzidenzien hat, kann nicht sinnlich wahrgenommen werden. Rein menschliches Denken ist auf die Sinneswahrnehmung angewiesen, daher kann sie die gleichmäßig, ausgedehnte Seinskugel nicht erfassen.

Das menschliche Erkennen will aber die Wirklichkeit erkennen. Die menschliche Betrachtungsweise will zwar das Seiende erfassen, sieht aber statt der einen veränderungslosen Realität Vielheit und Veränderung und verfehlt so die Wirklichkeit.

Das Unwandelbare ist das nur dem reinen Denken zugängliche Seiende. Die Erfahrungswelt ist ein Truggebilde, das durch rein menschliches „Erkennen“ entsteht. Wollen wir zur Wirklichkeit vordringen, dann müssen wir uns über menschliches Wahrnehmen und Denken erheben, was nach Parmenides dem Menschen nicht aus eigener Kraft gelingt, sondern nur mit Hilfe einer Gottheit: Philosophie als Erkenntnis des unwandelbar Seienden ist ein Geschenk der Gottheit an die Menschen.

Parmenides liefert für Platon den Dualismus von Seiendem und dem, was uns die Sinne als seiend vortäuschen, das aber in Wirklichkeit nicht seiend ist.

Das Seiende ist demnach das Reich der Wahrheit, das Reich des Nicht-Seienden aber zu sein Scheinenden, das Reich der doxa, der Meinung und des Scheins.

Reich der Wahrheit vs. Reich des Scheins und der Meinung

Platon knüpft an Parmenides an und modifiziert seine Lehre: die Welt der Sinneserfahrung ist nicht nichts, sondern zwischen Sein und Nichts gestellt als Bereich des Werdens und Vergehens > auf diesen Bereich richtet sich die doxa.

Das, was ist, wird erkannt durch die episteme, das verstehende Wissen.

Die Philosophie strebt nach Erkenntnis, nach episteme: sie will das erkennen, was ist > sie will das Seiende erforschen

Fragen, die sich stellen:

Was ist das Seiende? > das Seiende ist das, was ist! Beispiel: ein „gerechter“ Mensch: wird nicht gerecht genannt, insofern er Mensch ist, sondern insofern er gerecht ist. Die Gerechtigkeit kann von ihm weichen und er wird trotzdem ein Mensch bleiben. Das Gerechte selbst aber oder die Gerechtigkeit an sich kann nie von sich selbst weichen, es ist mit sich selber identisch! Es ist nicht zusammengesetzt, es ist daher Eines und kann sich somit auch nicht auflösen> die Gerechtigkeit ist immer, als Immerseiendes ist sie unvergänglich, sie bleibt, was sie ist, sie ist unwandelbar! Nicht die Wahrnehmung erblickt das unwandelbar Gerechte, sondern das schauende Denken. Das Gerechte lässt immer dasselbe Wassein sehen.

Idea oder eidos (Gestalt/Aussehen): Das Seiende, d.h. das, was ist, ist das, was immer dasselbe Wassein sehen lässt.

Das empirisch Wahrnehmbare wird immer durch das Hinzutreten von etwas anderem konstituiert. Und: es gibt viele gerechte Menschen, viele schöne Menschen etc: Die Gerechtigkeit und die Schönheit sind aber immer Eine. In der Erfahrungswelt gibt es Vielheit, in der Ideenwelt gibt es Einheit für jeden Bereich der Vielheit.

Jedes Viele steht unter einer Idee.

Die Ideen sind das Seiende, und zwar das Seiende im Sinne des Wasseienden, das nur durch das reine Denken geschaut werden kann. In der Erfahrungswelt können sie nicht gefunden werden.

Wo sind die Ideen? > Die platonischen Ideen sind seiende Washeiten, die außerhalb der Erfahrungswelt an einem überhimmlischen Ort eine Welt für sich bilden. Sie sind demzufolge selbständig Seiende, die von den wahrnehmbaren Einzeldingen getrennt sind. Sie existieren nicht in Raum und Zeit.

In welcher Beziehung steht das Werdende und Vergehende, unsere Erfahrungswelt zum Seienden? > Die Welt der washeitlich Seienden verhält sich zur Erfahrungswelt wie das Urbild zum Abbild.

Wie wird das Seiende erkannt? > Durch die Kraft der Dialektik

[...]


1 Vgl. Bormann, Karl. Platon. 4. Auflage. Freiburg: Alber. 2003

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668304017
ISBN (Buch)
9783668304024
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340661
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Pilosophisches Seminar
Note
1.0
Schlagworte
Politeia Platon Ideenlehre drei Gleichnisse Sonnengleichnis Liniengleichnis Höhlengleichnis

Autor

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Titel: Platons Ideenlehre. Die drei Gleichnisse der "Politeia" im Überblick