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Unterrichtsstörungen. Ein Praktikumsbericht zu Schulpraktischen Studien

Praktikumsbericht / -arbeit 2010 36 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schulbeschreibung
2.1 objektiv
2.2 subjektiv

3. Hospitationsbeobachtungen
3.1 Lob und Kritik
3.1.1 Beobachtungen
3.1.2 Analyse
3.2 Lehrerfragen im Unterricht
3.2.1 Beobachtungen
3.1.3 Analyse

4. Schwerpunktthema
4.1 wissenschaftliche Erarbeitung
4.1.1 Definition
4.1.2 Ursachen der Unterrichtsstörungen
4.1.3 Ziele der Unterrichtsstörungen
4.1.4 Intervention von Unterrichtsstörungen
4.2 Fallanalyse
4.2.1 Beispiel
4.2.2 Analyse

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1 Philosophie
7.2 Religion
7.3 Biologie
7.4 Biologie
7.5 Biologie
7.6 Biologie
7.7 evangelische Religion
7.8 Evangelische Religion

1. Einleitung

Dieses Schulpraktikum war das erste in meinem bisherigen Studium. Ich hatte zwar schon ein Orientierungspraktikum absolviert, doch damals stellte sich das Hospitieren als sehr langweilige Tätigkeit heraus, da man die Situation noch aus Sicht eines Schülers betrachtete. Man wusste nicht, auf was man achten kann und wie man Schüler und Lehrer beobachten kann, wie man etwas für sich selbst aus diesen Beobachtungen lernen kann. Dieses Mal ging ich mit anderen Vorstellungen an die Sache heran, wir hatten auch einige Beobachtungsbögen zur Verfügung gestellt bekommen und ich hoffte, einiges aus den Hospitationen lernen zu können.

In dem letzten Praktikum fühlte ich mich noch völlig als Schüler, schließlich hatte ich die Schule erst etwa 3 Monate vorher verlassen, und so wurde man von den Lehrern auch noch behandelt. Ich hoffte, dass das dieses Mal anders sein würde, ich wünschte mir, im Kollegium gleichberechtigt aufgenommen zu werden, als einer von ihnen und nicht als gleichgestellt mit den Schülern. Ich wollte erfahren, wie es in einem Kollegium zugeht, wie die Menschen in dieser Konstellation miteinander umgehen und besonders wie sie neue Mitglieder aufnehmen.

Ich war mir in meinem bisherigen Studium auch noch nicht völlig sicher, ob ich den richtigen Beruf anstrebe und hatte mir deshalb selbst vorgenommen, mich in diesem Praktikum auf die Probe zu stellen. Ich wollte für mich die Antwort finden, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Die Entscheidung war recht kurzfristig gewesen und meine einzige Erfahrung bezog sich auf meine Nichten und Neffen, also war ich sehr gespannt, wie ich mit den Kindern würde umgehen können, besonders, da ich gegenüber fremden Kindern meist sehr zurückhaltend bin.

Als Schwerpunktthema habe ich Unterrichtsstörungen gewählt, da dies ein alltägliches Problem ist, mit dem man sich als Lehrer auseinandersetzen muss. Dabei ist es gut, wenn man eine theoretische Grundlage hat, mit der man das Problem betrachten und analysieren kann, um dies zu üben wage ich mich in diesem Bericht das erste Mal an das Thema heran.

2. Schulbeschreibung

2.1 objektiv

Die Schule in D. ist eine katholische Privatschule und wird von ungefähr 1400 Schülerinnen und Schülern besucht. Ihre Vorgängerschule wurde 1854 als katholische höhere Töchterschule gegründet und ab 1870 von den „Englischen Fräulein“ geführt. Nach der Schließung im Zweiten Weltkrieg übernahmen die Ursulinen ihre Leitung, die die Schule erst 1960 wieder verließen. Seit 1986 ist die ursprüngliche Mädchenschule koedukativ.

Dieses Gymnasium ist zwar eine Privatschule, jedoch staatlich anerkannt mit einer freien Trägerschaft. Das bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler ein staatlich anerkanntes Abitur erreichen können. Weiterhin ist anzumerken, dass das Schulgeld durch Spenden gedeckt wird und nicht durch regelmäßige Beiträge der Eltern.

Das Leitbild der Schule ist dem Leitbild von „Schule als christliche Erziehungsgemeinschaft“ verpflichtet, wodurch ein Lebensraum entstehen soll, in dem laut II. Vatikanischem Konzil „der Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums lebendig ist“. Das Konzil hat auch beschlossen, dass die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden sollen, einen aktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Leben zu leisten, was eine qualifizierte Wissensvermittlung voraussetzt.

Das daraus entstehende Menschenbild umgreift alle Bereiche des schulischen Lebens, Begegnungen miteinander und gegenseitigen Respekt. Es begründet weiterhin das Streben, jeden Schüler bestmöglich zu fördern. Zum Wesen der Schule gehört desweiteren die ökumenische Orientierung, in der sich alle auf einer christlichen Ebene begegnen können. Letztendlich ist also zu sagen, dass die Schule anstrebt, eine leistungsfähige Schule im Bildungssystem und zugleich ein pastoraler Ort zu sein.

Einige Besonderheiten der Schule, die ich noch erwähnen möchte, sind die Hausaufgabenbetreuung, das Mittagessen, das neue Lernzentrum, ein schulpsychologischer Dienst, die Schulseelsorge, ein Schulsanitätsdienst, der von den Schülern gemanaged wird, eine Gemeinschaft christlichen Lebens, der Eine-Welt-Laden und die Erwerbung von Sprachzertifikaten (DELF scolaire, Cambridge Certificate) in der Oberstufe.

2.2 subjektiv

Zunächst fällt auf, dass die Schule zweigeteilt ist, die 5. und 6. Klasse befindet sich in einem alten Gebäude, etwa 50m von dem Hauptgebäude. Dieses Gebäude ist noch aus der Zeit, als die Schule von Schwestern geleitet wurde, später musste sie aus Platzgründen expandieren. Die Jahrgänge sind hier auf zwei verschiedene Teile des Hauses aufgeteilt, die Fünfer befinden sich im rechten Flügel, die Sechser im linken. Im Innenhof befindet sich der gemeinsam genutzte Pausenhof. Gleich nebenan ist die Kirche zu finden, die von der Schule täglich genutzt wird.

Wollen die Schüler in das Hauptgebäude, so müssen sie eine Straße überqueren, was ihnen nur unter Aufsicht eines Lehrers oder eines älteren Schülers erlaubt ist. Das Hauptgebäude hat einige sehr neue Anteile und beinhaltet alle weiteren Klassen- sowie Fachräume. Auch zwei Turnhallen und ein Sportplatz sind hier zu finden. Auch dieses Gebäude ist baulich in mehrere Teile aufgeteilt, wodurch sich einige große Innenhöfe ergeben, die als Pausenhöfe dienen. Alle Gänge, die zu diesen Höfen zeigen sind großzügig verglast und erzeugen dadurch eine sehr offene Atmosphäre. Die Gänge sind größtenteils dunkel gefliest, nur vor den Verwaltungszimmern befindet sich oranges Laminat, was die Stimmung sehr auflockert. In den Gängen findet man die Spinde der Schüler und eine große Anzahl ihrer Kunst-Werke. Daraus ergibt sich, dass man immer wieder stehen bleibt um zu staunen. Man bekommt das Gefühl, die Schüler seien wirklich ein Teil der Schüler, als könnten sie ihren Teil zu ihre beitragen, was eine sehr positive Grundeinstellung vermittelt, die durchaus dem Leitbild der Schule entspricht. Eine dazu passende Tradition ist es, dass sich jeder Abiturjahrgang an einer Wand verewigt, sei es mit einem Bild, einer Skulptur oder einem Gemälde. Auch Urkunden, Bilder von Wettbewerben, gute Arbeiten und Ergebnisse von Projekten sind überall präsent.

Die höheren Jahrgänge sind, wie die jüngeren, räumlich etwas voneinander getrennt, sodass die Lernatmosphären (die doch abhängig von dem Alter sind) nicht gestört werden.

Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Schule über ein gut ausgestattetes Lernzentrum verfügt und, zwar nur wenige, aber dafür gut ausgestattete Fachräume hat, an die sich jeweils ein Fach-Lehrerzimmer anschließt. Für die Chemie und Physik sind auch einige Hörsäle zu finden.

In der Schule herrscht ein sehr freundliches Klima, man grüßt sich auf dem Gang, Schüler grüßen ihre Lehrer, der Umgang ist insgesamt sehr offen. Man bekommt den Eindruck, dass die Schule ihrem Leitbild absolut gerecht werden kann. Auch im Lehrerzimmer wurde ich sofort sehr freundlich aufgenommen und später gab es fast keine Pause, in der ich mich nicht mit jemandem unterhalten konnte. Was diese gute Atmosphäre unter den Lehrern noch unterstützt ist der Kaffeeraum, schräg gegenüber vom Lehrerzimmer. Hier findet man eine komplett eingerichtete Küche, in der es immer frischen Kaffee gibt, einige Sitzecken und ein Sofa. Hier herrscht meistens eine gute, lockere Stimmung, während das Lehrerzimmer mehr zum Arbeiten dient und es meist recht ruhig ist.

Insgesamt möchte ich sagen, dass die Schule einen sehr guten und offenen Eindruck bei mir hinterlassen hat.

3. Hospitationsbeobachtungen

3.1 Lob und Kritik

3.1.1 Beobachtungen

Die geschilderten Beobachtungen umfassen nicht alle in den Stunden ausgesprochenen Lobe und Kritiken, sondern beziehen sich besonders auf die, die ausformuliert wurden und besondere Reaktionen hervorgerufen haben.

Die ersten Beobachtungen beziehen sich auf zwei Stunden Philosophie in der 13. Klasse (Protokoll 1). Die Stimmung zwischen Lehrer und Schüler/innen ist sehr locker und da es sich um einen freiwilligen Kurs handelt sind die Schüler/innen auch motiviert sich am Unterricht zu beteiligen. Zu Beginn muss der Lehrer eine Schülerin kritisieren, da sie die Hausaufgaben nicht gemacht hat, doch aufgrund seines ironischen Tonfalls, den er bei der Kritik anschlägt, nimmt sie es sich nicht zu Herzen, sondern lacht darüber. Auf eine spätere, sehr persönliche Kritik reagiert sie jedoch etwas anders. Die Betonung ist hierbei sehr ernst und entschuldigend, man kann dem Lehrer ansehen, dass es ihm sehr wichtig ist. Die Schülerin reagiert erstaunt und verletzt und im weiteren Unterrichtsverlauf sitzt sie mit verschränkten Armen da und sie ist sehr still im Gegensatz zu sonst. Weiterhin wird in der Stunde einem Schüler sehr impulsiv widersprochen, doch durch das Lächeln des Lehrers und seiner überschwänglichen Ausführung muss auch der Schüler lachen, er nimmt es nicht als Kritik auf.

Auf Lob reagieren die Schüler/innen sichtlich mit Freude und Stolz. Ein zustimmendes und freundliches „Das finde ich auch!“ führt zu einem Lächeln und einer weiterhin sehr motivierten Mitarbeit, und auch ein ähnliches Lob, welches mit Begeisterung ausgesprochen wird führt zu ähnlichen Effekten. Als ein Schüler etwas sagt, was genau dem entspricht, was der Lehrer gerade versucht hat deutlich zu machen, wird der Lehrer ganz überschwänglich, woraufhin der Schüler sogar etwas rot im Gesicht wird.

Auf Lob und Kritik, was mit einer gewissen Gleichgültigkeit ausgesprochen wird sind keine besonderen Reaktionen zu beobachten.

Insgesamt ist noch zu sagen, dass in der Stunde 21x gelobt und nur 6x getadelt wurde, während der ganzen Zeit waren die Schüler/innen sehr motiviert und ihre Mitarbeit war stabil.

Das Protokoll 2 bezieht sich auf eine Religionsstunde in der 6. Klasse. Hier wurde fast soviel Kritik wie Lob ausgesprochen (Kritik: 12, Lob: 14). Zunächst soll wieder auf die Reaktionen auf die Kritik eingegangen werden. Eine anfängliche Rüge bezüglich der Hausaufgaben wurde noch sehr nett ausgesprochen und die Klasse reagierte mit Einsicht und Nicken. Auch auf eine ermahnende Kritik bezüglich des Zappelns reagiert der angesprochene Schüler sofort, fühlt sich deswegen jedoch nicht verletzt, sondern grinst den Lehrer breit an, eine ähnliche Ermahnung wird leise aber bestimmt ausgesprochen und auch sie führt zu dem gewünschten Ergebnis. Als der Lehrer bei einem Schüler jedoch etwas persönlicher wird und ihm sagt, dass er ernsthaft stört und sie schon so oft darüber gesprochen haben, sieht man dem Schüler an, dass er betroffen ist. Er ist im weiteren Unterricht sehr still und starrt vor sich hin, man kann sehen, dass er mit seinen Gedanken ganz woanders ist. Später in der Stunde wird der Lehrer immer ungehaltener, als ein Schüler eine merkwürdige Antwort gibt reagiert der Lehrer sehr ungläubig und merkwürdig, was den Schüler völlig verwirrt und verunsichert. Als der Lehrer dann auch noch sauer wird und die Schüler/innen enttäuscht anfährt, starren alle Schüler/innen auf ihre Tische und keiner wagt es mehr sich zu rühren. Gegen Ende der Stunde wird der Ton immer unpassender, als der Lehrer zu einer Schülerin sagt „Hey, ich schlaf gleich ein!“ wird diese frech, was den Lehrer noch ungehaltener werden lässt. Eine andere Schülerin wird nach einer harsche Kritik rot und kneift die Lippen aufeinander, scheinbar um sich ein paar Tränen zu verkneifen.

Zu Beginn der Stunde gibt es jedoch noch lobende Worte, die nun dargestellt werden sollen. Nachdem der Lehrer einer Schülerin begeistert zugestimmt hat kann diese sich nicht halten und ruft laut „yeaah!“, was deutlich die Stimmung aller anhebt. Auf ein ähnliches Lob reagiert ein anderer Schüler mit einem stolzen Lächeln, man sieht eindeutig wie er sich freut.

Insgesamt ist hier zu sagen, dass zu Beginn die Stimmung und Motivation gut ist, gegen Ende wird das jedoch immer schlechter, alle sind genervt und kaum ein/e Schüler/in macht mehr mit.

Der Biologieunterricht in der 7. Klasse verläuft dagegen wieder ganz anders (Protokoll 3). Hier überwiegt wieder das Lob mit 28x gegenüber der Kritik mit 9x.

Bei der Verbesserung einer Aussage bleibt der Lehrer sehr freundlich und formuliert die Kritik sehr schonend, woraufhin der Schüler die Verbesserung ohne weitere Reaktionen aufnimmt und seinen Hefteintrag berichtigt. Bei einem weiteren ähnlichen Vorfall ist die Schülerin ein wenig enttäuscht, trotz der lieben Betonung der Kritik. Ein anderer Schüler ist da etwas weniger empfindlich, er nimmt die Kritik auf, unterhält sich mit seinem Nachbarn über eine bessere Idee und meldet sich gleich darauf erneut. Es fällt auf, dass es dem Lehrer sehr schwer fällt eine/n Schüler/in zu kritisieren, er formuliert es meist ausweichend, etwas unsicher und entschuldigend, was bei den Schülern zu leichter Enttäuschung führt, insofern die Kritik etwas mit dem Stoff der Stunde zu tun hat.

Dafür reagierten die Schüler/innen sehr positiv auf ausgesprochenes Lob. Nach einer begeisterten Zustimmung schaut die Schülerin sofort wieder in ihr Heft und meldet sich kurz darauf erneut, andere Schüler schauen sich strahlend um, wieder andere versuchen den Blickkontakt mit dem Lehrer möglichst lange zu halten.

Auch hier fällt auf, dass auf eine gleichgültige Aussage auch mit Gleichgültigkeit von Seiten der Schüler/innen reagiert wird.

3.1.2 Analyse

Zunächst soll auf den theoretischen Aspekt von Lob und Kritik eingegangen werden. Beides sind Mittel, durch die der Erziehende versucht, das Verhalten, die Einstellung oder die Motive des Zu-Erziehenden zu beeinflussen. Lob und Kritik sind damit sozusagen „Aktionsformen“ des pädagogischen Handelns, eine ist unterstützend, die andere entgegenwirkend.

Kritik wirkt gegen eine bestimmte, aufgefallene Verhaltensweise, sie sollen dem Betroffenen zeigen, dass sein gezeigtes Benehmen nicht erwünscht ist und dass er das ändern muss (Lenzen, 1989, S. 1051). Dabei muss man beachten, dass Ermahnungen nicht mehr wertfrei sind, sondern meistens bereits einen Vorwurf beinhalten. Deshalb muss man mit dem Einsatz sehr vorsichtig sein, um einen Schüler nicht persönlich zu verletzen.

Lob wirkt dagegen unterstützend für ein Verhalten, man erkennt ein Verhalten oder eine Leistung an. Das kann dazu führen, dass ein/e Schüler/in motiviert wird und sich stärker anstrengt. Ob ein Lob in dieser Weise wirkt ist von sehr unterschiedlichen Faktoren abhängig, zum Beispiel Schwierigkeit der Aufgabe, Alter, Geschlecht, Selbsteinschätzung der Schüler/innen und vieles mehr, letztlich lässt sich also feststellen, dass Lob nicht in jedem Falle positiv wirkt, „sondern je nach individueller und situativer Faktorenkonstellation positiv oder auch negativ“ wirkt (Lenzen, 1989, S. 1029). Negative Auswirkungen könnten zum Beispiel Eitelkeit, Überheblichkeit oder falsches Selbstbewusstsein sein.

Dennoch wird geraten, so oft wie möglich zu loben (Böhmann, Schäfer-Munro, 2008, S. 137). Dabei sollte beachtet werden, sich immer fair und freundlich zu verhalten, aber konsequent. Ist eine Kritik oder eine Strafe unumgänglich, so sollte sie immer das Fehlverhalten betreffen, nie den/die Schüler/in persönlich betreffen.

Diese Aussagen können von den geführten Beobachtungen nur unterstützt werden, wie man nachfolgend sehen wird.

In den erläuterten Beobachtungen fällt auf, dass die Schüler/innen je nach Betonung der geäußerten Kritik oder des geäußerten Lobes sehr unterschiedlich reagieren.

Nur wenn ein Lob mit Begeisterung und aufrichtiger Freude ausgesprochen wird zeigt es eine verstärkende Wirkung und führt dazu, dass die Schüler/innen sich mehr anstrengen und weiter gut mitarbeiten, wie man deutlich an der Biologiestunde in der 7. Klasse sehen kann. Die Schüler wenden sich gleich wieder ihren Heften zu und versuchen einen neuen Beitrag zu finden. Bei manchen Schüler/innen führt das Loben eindeutig zu Stolz, wobei man darauf achten sollte, dass dieser Stolz nicht in Eitelkeit umschlägt, wenn zu oft gelobt wird. Ist das Lob jedoch nur gleichgültig formuliert, so zeigt sich keine besondere Reaktion.

Auch bei der Formulierung der Kritik kommt es auf die Betonung an. Bei einem liebevoll, aber konsequent formulierten Tadel zeigen die Schüler/innen zwar Einsicht, es sind jedoch keine Zeichen zu erkennen, dass sie verletzt wären oder beleidigt. So wird Kritik scheinbar besser aufgenommen und umgesetzt, als wenn hart und streng kritisiert wird. Besonders die Stunde in der 6. Klasse zeigt, wie eine harsche Kritik die Stimmung und die Mitarbeit zerstören kann. Je schlimmer und verletzender die Kritik wird, umso schlechter wird die Motivation der Schüler/innen. Sie trauen sich nicht mehr sich zu melden, aus Angst auch so angegangen zu werden. Hier ist auch deutlich zu erkennen, dass es einen großen Unterschied in den Reaktionen gibt, je nachdem gegen was sich die Kritik richtet. Tadelt der Lehrer den/die Schüler/in aufgrund von Schwatzen oder Zappeln, so wird die Kritik im Allgemeinen sehr gut aufgenommen, etwas schlimmer ist es schon, wenn eine fachliche Aussage zum Unterricht verbessert oder abgelehnt wird, das schlimmste ist jedoch eine persönliche Kritik am Schüler, wie sie gegen Ende der Stunde in der 6. Klasse, oder auch in der Philosophiestunde zu finden sind. Durch sie reduziert sich die Aufmerksamkeit und Mitarbeit drastisch, der/die Betroffene zieht sich aus dem Unterrichtsgeschehen zurück. Man kann hier auch erkennen, dass eine mehrmalige Kritik dieser Art dazu führen kann, dass die ganze Klasse die weitere Mitarbeit ablehnt.

Man kann also letztlich festhalten, dass ein aufrichtiges und begeistertes Lob den/die Schüler/in motivieren und mitreißen kann, wohingegen eine schlecht eingesetzte Kritik genau das Gegenteil bewirken kann. Man sollte also immer darauf achten, wie, wann und vor allem wen oder was man kritisiert. Weiterhin kann man den Schluss ziehen, dass man durch das Verhältnis von Lob und Kritik, unter der Voraussetzung, dass sie gut eingesetzt werden, die Stimmung und Mitarbeit im Unterricht direkt beeinflussen kann.

3.2 Lehrerfragen im Unterricht

3.2.1 Beobachtungen

In der Biologie Stunde in der 5. Klasse ging es um die Kennzeichen des Lebens und was Leben allgemein ausmacht (siehe Protokoll 4). Die Schüler waren sehr motiviert und interessiert, zu Beginn teilweise noch etwas schläfrig, da es sich um die 1. Stunde handelte. Im Verlauf des Unterrichtsgesprächs nutzte der Lehrer verschiedene Fragetypen, auf die die Schüler/innen unterschiedlich reagierten und die das Klima des Unterrichts mit beeinflussten. Zu Beginn der Stunde stellte er einige einfachere Kenntnisfragen, die sich vor allem auf Unterrichtsstoff der letzten Stunde bezogen. Darauf reagierten die Schüler/innen zunächst zögerlich, es dauerte eine Weile, bis die Erinnerung an die Stunde zurückkehrte, doch dann meldeten sich fast alle und konnten die Fragen gut beantworten. Im weiteren Verlauf nahm die Schwierigkeit der Fragen zu, hauptsächlich stellte der Lehrer konvergierende und divergierende Fragen. Auf die ersteren reagierten die Schüler/innen mit großer Begeisterung, sie winkten mit den Armen und gaben Laute von sich um schneller dran zu kommen. Teilweise konnten sie sich gar nicht auf den Stühlen halten, sondern sprangen voller Motivation auf. Die divergierenden Fragen stellten noch etwas höhere Anforderungen, zunächst wussten die Schüler/innen nicht genau, was sie antworten sollen, als jedoch die ersten etwas gesagt hatten sprang der Funke über und alle bekamen großartige Ideen. Jeder wollte Geschichten erzählen, die ihm passend zum Thema einfielen und alle Schüler/innen waren voll bei der Sache. Auch auf die Sondierungsfragen und organisierenden Fragen kamen sofort Antworten, alle waren bei der Sache und dachten mit. Der Unterricht verlief insgesamt sehr flüssig, die Schüler beteiligten sich durchgängig aktiv am Geschehen und konnten viel zum Unterrichtsverlauf beitragen.

Ähnlich verlief die Biologiestunde in der 7. Klasse (siehe Protokoll 5). Hier wurden hauptsächlich konvergierende Fragen gestellt, die die Schüler/innen stolz beantworteten. Auf die divergierenden Fragen reagierten die meisten mit Begeisterung, äußerten Laute beim Melden und schnipsten mit den Fingern, um die Aufmerksamkeit des Lehrers auf sich zu ziehen. Insgesamt reagierten die Schüler/innen sehr gut auf die Fragen, viele meldeten sich und beschäftigten sich mit den Problematiken. Auffällig ist hier nur, dass auf Sondierungsfragen sehr vorsichtige Antworten gegeben wurden, die Schüler waren sich ihrer Antworten nicht sicher.

Ganz anders verlief eine Doppel-Stunde Biologie in der 11. Klasse (siehe Protokoll 6). In diesen Stunden herrschte große Langeweile, die Schüler/innen beschäftigten sich mit anderen Dingen, Hausaufgaben, der Wochenendeplanung und vielem anderem, der Unterricht wurde kaum beachtet. Das spiegelt sich auf in den Reaktionen auf die Fragen und besonders in der Anzahl der Fragen wieder. Die Lehrerin stellte hauptsächlich organisierende Fragen, auf die sie meistens gar keine Antwort, geschweige denn eine Reaktion der Schüler/innen erhielt. Diese zuckten höchstens mit den Schultern oder meldeten sich genervt, nachdem die Lehrerin sehr lange schweigend auf eine Antwort gewartet hatte. Der zweithöchste Anteil der Fragetypen lag hier bei den Kenntnisfragen, auf die teilweise gelangweilt geantwortet wurde. Ein bisschen mehr Interesse wurde durch einige konvergierende Fragen geweckt, hier bemerkte man, dass die Schüler/innen zumindest begannen, sich ein paar Gedanken über die Frage zu machen. Das geschah auch, als die Lehrerin eine divergierende Frage stellte, die Schüler/innen begannen sich über die Problematik mit ihren Nachbarn zu unterhalten, doch bevor sie ihre Überlegungen äußern konnten hatte die Lehrerin schon selbst eine Antwort gegeben und war in ihrem Unterricht fortgefahren. Insgesamt konnte man in der Stunde als kaum Aktivität, Interesse und Motivation beobachten, die Lehrerin bestritt ihn mehr oder weniger alleine.

Die Stunde des Grundkurses evangelische Religion in der 12 verlief dagegen wieder sehr gut (siehe Protokoll 7). Die Schüler waren aufmerksam und beteiligten sich gut am Unterricht. Auf die Kenntnisfragen zu Beginn der Stunde reagierten sie sehr schnell mit vielen Meldungen und auch auf die organisierenden Fragen kamen sofortige Reaktionen und Antworten. Die konvergierenden und divergierenden Fragen riefen etwas weniger Meldungen hervor, doch man konnte erkennen, dass die anderen Schüler sehr interessiert waren und voll bei der Sache waren. Einige Fragen riefen auch eine kurze Diskussion hervor, meist dadurch, dass sich zwei Schüler/innen darüber unterhalten hatten und dann gefragt wurden, was es zu tuscheln gebe. Interessant war, dass in dieser Stunde auch bewertende Fragen gestellt wurde, was bei den anderen Beobachtungen nicht vorgekommen war. Die Schüler/innen reagierten sehr unsicher auf diesen Fragetyp, sie zögerten sehr lange, bis sie sich zu einer Meldung entschließen konnten und stockten dann oft während ihrer Antwort. Insgesamt verlief die Stunde jedoch sehr gut, die Schüler waren geistig bei der Sache, meldeten sich und konnten sich für einige Problematiken begeistern.

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Details

Seiten
36
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668303737
ISBN (Buch)
9783668303744
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340385
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
1,0
Schlagworte
Schulpraktische Studien Unterrichtsstörungen Lehramt

Autor

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Titel: Unterrichtsstörungen. Ein Praktikumsbericht zu Schulpraktischen Studien