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Die Harmonie zwischen Instruktion und Entdeckenlassen

Abwägung von direkter Instruktion gegen entdeckenlassendes Lernen mit Wygotskis Theorie der proximalen Zone

Hausarbeit 2012 11 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zwei differenzierende Lehrtheorien
2.1 Direkte Instruktion
2.2 Entdeckenlassendes Lehren
2.3 Direkter Vergleich der Vor- und Nachteile

3. Die Harmonie zwischen Instruktion und Entdeckenlassen - ein Lösungsvorschlag
3.1 Wygotskis Theorie der Zone der proximalen Entwicklung
3.2 Die Rolle des Lehrenden

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Bibliothek findet man in der Abteilung Pädagogik/Psychologie eine unübersichtliche Vielzahl an Bücher über die verschiedenen Lehr- und Lerntheorien, über Diskussionen, welche nun die effizienteste ist. außerdem gibt es eine Vielzahl an Kritiken, wieso, weshalb und warum eine bestimmte Perspektive des Lehrens nicht zu empfehlen ist, und so fort. Daraus kann man eigentlich schließen, dass die eine tatsächlich von allen Experten anerkannte Ansicht nicht existiert. Wie auch? Bei den vielfältigen Lerninhalten, bei den bunten Zielgruppen, bei den heterogenen Lehrkräften. Bransford et al. (2002) pointierte einst:

Nach der besten Unterrichtsmethode zu fragen ist wie nach dem besten Werkzeug zu fragen

- Hammer, Schraubenzieher, Messer oder Zange. Beim Unterrichten wie beim Handwerken hängt die Auswahl der Werkzeuge von der Aufgabe ab und von den Materialien, mit denen gearbeitet wird.

[Hasselhorn und Gold, 2006, S. 239 zitiert nach Bransford et al., 2000, S. 22]

In der Mannigfaltigkeit der Perspektiven ist mir eine besonders aufgefallen: das Entdeckenlassende Lehren. Diese entspricht in meinen Augen nicht dem typischen Muster des Unterrichtens. Gewiss ist es sinnvoll den Fokus nicht immer nur auf das Ergebnis zu richten, sondern auf den Prozess der Wissensaneignung. Aber ist das letztlich überhaupt möglich?

Aus diesem Grund stelle ich in dieser Arbeit zuerst eine der Kontrastperspektiven des entdeckenlassenden Lehrens vor - die direkte Instruktion - weil dies die gäng- igste Methode der Unterrichtsgestaltung konstituiert, und dann gehe ich erst da- rauf ein, was entdeckenlassendes Lehren eigentlich genau bedeutet. Anschließend folgt ein Abschnitt, in dem die Vor- und Nachteile der beiden Theorien aufgegriffen werden, um anlässlich der jeweiligen Stärken beider Perspektiven eine Mischform zu erörtern.

Der Hauptgedanke dieser Arbeit geht der Frage nach, wie viel Instruktion der Lernende benötigt und wie viel der Lehrende ihn selber entdecken lassen sollte. In anderen Worten lautet die Fragestellung: wie sollte der Lehrende Instruktion und Entdeckung dosieren, damit er weder zu viel, noch zu wenig verrät und es dennoch zu einer effektiven Wissenskonstruktion kommt? Mit Wygotskis Theorie der proximalen Zone wird ein Lösungsvorschlag formuliert.

2. Zwei differenzierende Lehrtheorien

Wie schon erwähnt, werden nun zwei gegenüberstehende Ansichten der Unterrichtsgestaltung etwas genauer betrachtet: zuerst die direkte Instruktion und danach das entdeckenlassende Lehren.

2.1 Direkte Instruktion

In der direkten Instruktion nimmt der Lehrende die aktive Rolle ein, indem er ver- mittelt, was gewusst werden soll. Der Aufbau einer solchen Unterrichtsstunde setzt sich zusammen durch Wiederholung des aktuellen Wissenstandes, modellierte Inhaltsvermittlung, gelenktes und selbstständiges Üben, und wöchen- tliche, beziehungsweise monatliche Prüfung der Lernenden. Die Wiederholung dient der Aktivierung des Vorwissens, an welches man dann neue Informationen anknüpfen kann und wird durch eine Fragerunde über die letzte Stunde oder über das Besprechen der Hausaufgabe vollzogen. Wichtig beim nächsten Punkt, der modellierten Inhaltsvermittlung, ist, dass man kurz und knapp verdeutlicht, um was es sich beim nächsten Thema handelt und welche Ziele erreicht werden sollen, damit Motivation und Interesse der Lernenden hervorgerufen werden. Gleichzeitig sollen während der Stoffvermittlung immer wieder Fragen an die Lernenden gestellt werden - einerseits zur Überprüfung der Aufmerksamkeit der Lernenden, und andererseits zur Prüfung der Verständlichkeit. Nachdem die Schüler, beziehungsweise die Schülerinnen, durch Anleitung einige Übungen erledigt haben, sollen sie nach und nach selbstständiger arbeiten. Die Effektivität der Stoff- vermittlung sollte dann in einem anschließenden Test geprüft werden. Unerlässlich in der direkten Instruktion ist das Feedback. Durch Rückmeldung des Lehrenden werden falsche Antworten korrigiert, unsichere Aussagen stabilisiert und richtige Meldungen belohnt. Pauschal betrachtet, trägt der Lehrende die Hauptverantwortung über den Erfolg seiner Schüler, da er die Lernaktivitäten plant und steuert. Daher reden Reinmann-Rothmeier und Mandl (2001) vom Primat der Instruktion (vgl. Hasselhorn und Gold, 2006, S. 241ff.).

2.2 Entdeckenlassendes Lehren

Die Theorie des entdeckenlassenden Lehrens stellt eine Antithese zur direkten In- struktion dar, und zwar handelt es sich eher um eine indirekte Art Wissen zu ver- mitteln, weil die Lernenden selbstgesteuert arbeiten. Essentiell ist auch hier, dass das Vorwissen aktiviert wird, nicht damit die neue, vermittelte Informationsflut daran angeknüpft werden kann, sondern, um den Lernenden einen Anstoß zu geben, auf was sie sich konzentrieren und von was sie sich inspirieren lassen sollen. Die Idee, die hinter dem entdeckenlassenden Lehren und dem entdecken- den Lernen steht ist, dass persönlich angeeignetes Wissen um einiges leichter und länger abrufbar ist. Die Unterrichtsplanung ist keineswegs einfach, denn der Lehrende muss sich bewusst machen auf welchem Niveau sich seine Schüler und Schülerinnen derzeitig befinden und Forderung adäquat für entdeckendes Lernen ist. Außerdem muss er planen, mit welchen Mitteln er die Lernenden unterstützen kann ohne zu viel zu verraten und ohne der Motivation der Lernenden zu schaden (vgl. Hasselhorn und Gold, 2006, S. 262ff.).

Nachdem erläutert wurde, was man unter den verschiedenen Theorien zu ver- stehen hat, werden nun deren Privilegien und Defizite kurz zusammengefasst.

2.3 Direkter Vergleich der Vor- und Nachteile

Jede dieser beiden Lehrperspektiven hat ihre Privilegien und ihre Defizite. Wäh- rend in der indirekten Instruktion der zu lernende Wissensbestand von einer Lehr- kraft vorstrukturiert, dargelegt und demonstriert wird, haben die Lernenden im entdeckenden Lernen die Aufgabe selbstständig herauszufinden, wie man zur Auf- lösung des Problems gelangt. So ist der Verdienst der ersteren Ansicht der, dass ein größeres Kontingent an Wissen in kürzerer Zeit vermittelt werden kann, wäh- renddessen der Mangel darin besteht, dass es auch bloß zum qualitativen Wissens- ausgleich führt, wenn die Lernenden den Leitgedanken des Lehrenden bis zum Re- sultat nachvollziehen können und nicht einfach blind nachahmen. Gleichzeitig hat die Ansicht des Entdeckenlassenden Lehrens zur Annehmlichkeit, dass die lernen- den Personen ihr Wissen selbst konstruieren und sich somit in die Lösung des Pro- blems hineindenken. Die Kehrseite, laut Ausubel beispielsweise, bildet sich jedoch aus dem Verlust an Qualität, als auch Quantität des Wissens, da man sich auf dem Weg zur Lösung öfters irrt. Diese unumgängliche Fehler ziehen eine Verzögerung und das Risiko von Fehlinformationen nach sich (vgl. Hasselhorn und Gold, 2006, S. 266ff.). Also ist auch diese Perspektive nicht für jeden Lerncharakter optimal.

Demgemäß kommt man zu dem Punkt, dass man eine Mischform beider Theorien anwenden sollte, denn bekanntlich besitzt jedes Individuum das Bestreben seine Bedürfnisse zu stillen und das schon ab dem zweiten Lebensjahr. Mit anderen Worten, ist das Begünstigen des selbstgesteuerten Ichs einer jeden Person tendenziell bedeutsam (vgl. Schenk-Danzinger, 2002, S. 49ff.).

3. Die Harmonie zwischen Instruktion und Entdeckung - ein Lösungsvorschlag

Jedoch stellt sich einem nun die Frage, wie Instruktion und Entdeckenlassen har- monisch proportioniert werden können. Um diesem Problem entgegenzusteuern, ist es denkbar Wygotskis Bekenntnis der proximalen Entwicklung herzuleiten.

3.1 Wygotskis Theorie der Zone der proximalen Entwicklung

Wygotski orientiert sich in seiner Theorie an der Art und Weise wie ein Kind von den Eltern erzogen wird und wie es sich dabei die nötigen Fähigkeiten aneignet. Die Mutter steht dem Kind immer zur Verfügung, indem sie dem Kind hilft sich im Alltag zu Recht zu finden und die Umwelt zu verstehen. Wenn das Kind zu laufen beginnt, ist die Mutter anfangs immer in seiner Nähe, weil es erst noch den Halt der Mutter benötigt, später dann, da die Wahrscheinlichkeit zu fallen noch zu ris- kant ist. Nach und nach kann die Mutter ihr Kind beruhigt laufen lassen. Weiß das Kind an einem Punkt nicht mehr weiter, kann es seine Mutter um Rat fragen.

Der kompetentere Erwachsene baut auf die Fähigkeiten auf, über die das Kind bereits verfügt, und konfrontiert es mit Aktivitäten, die ein Kompetenzniveau erfordern, das etwas über dem aktuellen Fähigkeitsstand des Kindes liegt.

[Miller, 1993, S.348]

In der kontexttheoretischen Perspektive steht der Prozess der Veränderung im Vordergrund und nicht das Ergebnis. Ein Ergebnis gibt es so gesehen nicht, da man immer weiter auf seine Fähigkeiten und Fertigkeiten aufbauen kann (vgl. Miller, 1993, S. 349). So kann man hier von einer gelenkten Partizipation sprechen, des- sen Effizienz Freund (1990) an einer Untersuchung von Drei- und Fünfjährigen unternommen hat. Die Aufgabe, die durch den Versuchsleiter an die Kinder weiter- gegeben wurde, bestand darin, ein Puppenhaus zu möblieren, indem sie die Möbel den richtigen Räumen zuordnen.

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Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668298132
ISBN (Buch)
9783668298149
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340245
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
harmonie instruktion entdeckenlassen abwägung lernen wygotskis theorie zone

Autor

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