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Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft

Treiber oder Hemmer der multilateralen Welthandelsordnung?

Masterarbeit 2016 89 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis V

1 Einführung
1.1 Motivation und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Grundzüge des internationalen Handels
2.1 Zwischen Freihandel und Protektionismus
2.2 Theorien des internationalen Handels
2.2.1 Smith-Modell des absoluten Kostenvorteils
2.2.2 Ricardo-Modell des komparativen Vorteils
2.2.3 Heckscher-Ohlin-Modell der Faktorproportionen
2.2.4 Krugman-Modell des intrasektoralen Handels
2.3 Freihandel und seine Auswirkungen

3 Die Anfänge der multilateralen Welthandelsordnung
3.1 Das GATT – General Agreement on Tariffs and Trade
3.1.1 Entstehung des GATT
3.1.2 Grundlegende Inhalte des GATT
3.1.2.1 Prinzipien des GATT
3.1.2.2 Ausnahmen des GATT
3.1.3 Entwicklung des GATT
3.2 Die WTO – World Trade Organization
3.2.1 Gründung der WTO
3.2.2 Ziele und Aufgaben der WTO
3.2.3 Konflikte der WTO

4 Der Trend zu regionalen Handelsabkommen
4.1 Regionale Integrationen und ihr Fortschritt
4.2 Regionalismus im globalen Handelssystem
4.2.1 Chancen und Risiken regionaler Integrationen
4.2.2 Regionalismus versus Multilateralismus

5 Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP
5.1 Eckpunkte der transatlantischen Handelsbeziehung
5.2 Gegenstand der Verhandlungen
5.2.1 Inhalte und Ziele
5.2.2 Konfliktthemen
5.3 Volkswirtschaftliche Effekte – Studien und ihre Ergebnisse
5.3.1 Vorstellung und methodologisches Vorgehen der Studien
5.3.2 Effekte auf den Handel
5.3.3 Effekte auf das Wirtschaftswachstum
5.3.4 Effekte auf den Arbeitsmarkt
5.3.5 Kritische Stellungnahme

6 TTIP und die multilaterale Welthandelsordnung
6.1 Gefahren und Potenziale für den Multilateralismus
6.2 Zukunft der WTO
6.3 Harmonisierungsmöglichkeiten
6.3.1 von Seiten der TTIP
6.3.2 von Seiten der WTO

7 Resümee
7.1 Zusammenfassung
7.2 Kritische Würdigung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Integrationsstufen

Abbildung 2: Weltweite Entwicklung regionaler Handelsabkommen, 1948 - 2016

Abbildung 3: Wichtigste Handelspartner der EU 2015

Abbildung 4: Regionen und Länder außerhalb der EU mit den höchsten EU-FDI-Auslands- und Inlandsbestand (Outward und Inward Stock der EU), 2014

Abbildung 5: EU-FDI-Bestände aus den und in den USA

Abbildung 6: Wertzölle im transatlantischen Handel, Branchenschnitt, 2012

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Handelsströme nach SITC Klassifizierung

Tabelle 2: Wachstum bilateraler Exporte und Nettoexporte der EU und USA (Zeithorizont: 10 Jahre)

Tabelle 3: BIP-Wachstum der EU und den USA in einem Zeitraum von 10 Jahren

Abstract

Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaftund welche Auswirkungen diese auf die multilaterale Welthandelsordnung ausüben könnte.Beleuchtet wurde dazudie Freihandelsidee im theoretischen Kontext sowie ihre Entwicklung im institutionellen, multilateralen Rahmen der World Trade Organization.Im Anschluss folgte die allgemeine Betrachtung regionaler Handelsabkommen und ihrer möglichen Effekte auf den Multilateralismus. Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft, als Teil des Regionalismus, wurde sowohl in ihren Inhalten, Zielen als auch volkswirtschaftlichen Effekten analysiert und hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf die multilaterale Handelsordnung der World Trade Organization untersucht. Es ergaben sich verschiedene Kriterien und Argumente, welche die Leitideen der transatlantischen Partnerschaft und der World Trade Organization unterstützen, gleichzeitig aber auch deren strukturellen und funktionellen Defizite aufzeigen. Für eine erfolgreiche Umsetzung des Abkommens und dessen Kompatibilität mit dem multilateralen Handelssystem wurden abschließend Harmonisierungsmöglichkeiten aufgezeigt. Der Einfluss der transatlantischen Partnerschaft auf den Multilateralismus ist abhängig von der finalen Ausgestaltung der Vertragsinhalte und wie sich die World Trade Organization in Zukunft weiterentwickelt.

1 Einführung

1.1 Motivation und Zielsetzung

Wohlstand, Wachstum und Wettbewerb sind vermeintlich die fundamentalsten Treiber des Freihandels und ließen das Konzept bereits vor über 200 Jahren zum Leitbild der Außenhandelstheorie werden. Freier zwischenstaatlicher Handel gilt daher als die Lösung, die allen anderen Formen des Güteraustausches überlegen und demnach anzustreben ist. Sei es der Liberalisierungsprozess der World Trade Organization (Welthandelsorganisation, WTO) oder die Schaffung des europäischen Binnenmarktes. Die Gründe für das Streben nach freiem Handel sind immer die Gleichen: Wirtschaftswachstum und Beschäftigung (vgl. Flassbeck, 2014, S. 2; Haas & Neumair, 2006, S. 210f.).

Zur Erreichung dieser Ziele wird seit 2013 die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen der Europäischen Union (EU) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) verhandelt. Das Freihandelsabkommen soll eine weitere, intensivere Integration der beiden Volkswirtschaften vorantreiben und neue Wohlfahrtsgewinne, die sich aus einem gemeinsamen Wirtschaftraum ergeben würden, schaffen. Neben der allgemeinen Senkung von Zöllen konzentriert sich die TTIP dabei insbesondere auf den Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse, die beispielsweise in Form unterschiedlicherSicherheitsstan­dards und technischer Vorschriften Anwendung finden. Wie bei traditionellen Handelsliberalisierungen soll die Reduzierung der Handelskosten, ob nun durch den Abbau von Zöllen oder anderer Handelsschranken, zu einem größeren Handelsvolumen und zu allgemeinen wirtschaftlichen Vorteilen beitragen(vgl. Capaldo, 2014, S. 4).

Die aktuellen Pläne einer transatlantischen Partnerschaft mit ihren Handelserleichterungen, Investitionsbestrebungen sowie Regulierungsfragen werfen jedoch eine Reihe wirtschaftlicher, politischer, ökologischer und gesellschaftlicher Fragen auf. Im Rahmen dieser Arbeit liegt der Fokus auf der inhaltlichen Ausgestaltung der TTIP und welche handelspolitischen Einflüsse diese auf das globale Handelssystem und somit auf die multilaterale Welthandelsordnung der WTO einnimmt. Im Laufe der Untersuchungen gilt es daher folgende Forschungsfrage zu beantworten:

Stellt die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft einen Widerspruch zur multilateralen Welthandelsordnung der World Trade Organization dar?

Als multilaterale Welthandelsordnung wird hierbei der Prozess verstanden, der die Liberalisierung internationaler Handelsbeziehungen im globalen Kontext umfasst. Die TTIP als regionales Abkommen, das sich nicht global, sondern nur über zwei Handelspartner erstreckt, soll bezüglich ihrer volkswirtschaftlichen Auswirkungen sowie ihres Einflusses auf den Multilateralismus untersucht werden. Hierbei stehensowohl die allgemeinenmultilateralen Entwicklungsmöglichkeiten als auch die WTO, als Organisation des multilateralen Prozesses, im Fokus. Um sich der Beantwortung der Forschungsfrage sukzessive zu nähern, werden im Laufe der Arbeit die folgenden Unterforschungsfragen im Rahmen der einzelnen Kapitel behandelt:

Welche ökonomischen Effekte sind von der TTIP auf Basis ausgewählter Studien zu erwarten?

Welche potenziellen Chancen und Risiken weist die TTIP hinsichtlich der Verwirklichung multilateraler Ziele auf?

Welche Maßnahmen fördern die Harmonisierung multilateraler und regionaler Integrationsvorhaben?

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Bestrebungen einer transatlantischen Partnerschaft sowie die Kritik an ihr in Bezug auf den Multilateralismus herauszustellen und abzuwägen. Es sollen Harmonisierungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, die sowohl die mögliche Diskrepanz zwischen der TTIP und dem multilateralen Prozess als auch zwischen zukünftigen regionalen Abkommen und den multilateralen Handelssystem ausgleichen können.

Die Wichtigkeit der Beantwortung dieser Forschungsfrage ergibt sich insbesondere aus der gegenwärtigen, überwiegend negativen medialen und gesellschaftlichenKritik an der TTIP heraus. Im Laufe der Untersuchungen wird daher objektiv Stellung genommen und der Blickwinkel nicht nur darauf gelegt, welche Folgen es haben könnte, wird die TTIP einmal umgesetzt, sondern auch welche Konsequenzen zu erwarten wären, wenn diese es nicht wird.

1.2 Aufbau der Arbeit

Um in das Thema einsteigen zu können, werden zu Beginn die Anfänge sowie verschiedenen Modelle der Freihandelsidee näher betrachtet. Dadurch soll vor allem ein Überblick über die theoretischen Grundlagen gegeben und das Verständnis für weitere Ausführungen im Zuge der Arbeit erleichtert werden.Neben der Definition von Freihandel und seinem Verhältnis zum Protektionismus erfolgen genauere Betrachtungen verschiedener Theorien des internationalen Handels.

Im nächsten Kapitel wird näher auf die institutionelle Entwicklung und praktische Umsetzung der Freihandelsidee eingegangen. Der Fokus liegt dabei auf der Entstehung und den Inhalten der ersten multilateralen Vereinbarung über den Welthandel, dem General Agreement on Tariffsand Trade (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen, GATT). Anschließend erfolgt die Betrachtung der WTO als Nachfolger des GATT sowie ihrer Ziele und derzeitigen Konflikte im Welthandelssystem.

Im Anschlusswird der zum multilateralen Handelssystem parallel verlaufende Regionalismus vorgestellt. Neben den allgemeinen Chancen und Risiken regionaler Integrationen, findet dabei insbesondere die „Regionalismus versus Multilateralismus“- Debatte Beachtung. Diese bildet die Basis für das Verständnis der transatlantischen Partnerschaft und der Diskussion darüber, welchen Nutzen oder Schaden diese für die multilaterale Welthandelsordnung mit sich bringt.

In Kapitel fünf liegt der Fokus auf den aktuellen Verhandlungen der TTIP, die als sogenanntes „Mega-Regional“ neue Maßstäbe setzen würde. Hierbei soll die TTIP hinsichtlich ihrer Inhalte, Ziele und möglicher ökonomischer Effekte untersucht und kritisch hinterfragt werden.

Danach erfolgt die Betrachtung der transatlantischen Partnerschaft im Zusammenhang mit ihren möglichen Auswirkungen auf die multilaterale Welthandelsordnung. Im Mittelpunkt steht dabei die Diskussion, ob die TTIP den Multilateralismus und damit die Ziele der WTO vorantreibt oder eher beeinträchtigt. Nachfolgend werden Möglichkeiten aufgezeigt, die zu einer Harmonisierung regionaler und multilateraler Ziele beitragen könnten.Den Abschluss der Arbeit bilden ein zusammenfassender Überblick und eine kurze Reflexion des Themas.

2 Grundzüge des internationalen Handels

2.1 Zwischen Freihandel und Protektionismus

Freihandel versus Protektionismus – diese Gegenüberstellung beschäftigt die globale Wirtschaftspolitik seit jeher und bildet die Grundlage eines der meist diskutierten Themen der Handelsgeschichte.

Freihandel gilt dabei als das klassische Leitbild der Außenhandelstheorie, dessen Tradition insbesondere durch die Ökonomen Adam Smith (1723-1790)und David Ricardo (1772-1823) begründet wurde. Ausgangspunkt ihrer außenhandelstheore­tischen Überlegungen war die Umsetzung des klassischen Liberalismus, nach dem sich Handel frei von staatlichen Eingriffen vollziehen sollte(vgl. Wagner, 2009, S. 54). Freihandel umfasst daher allen voran die Abwesenheit oder Reduzierung von Handelshemmnissen zwischen Nationen und die damit einhergehende Schaffung eines gemeinsamen Marktes (vgl. Osabuohien, Efobi & Beecroft, 2014, S. 14).Die Abschöpfung vorhandener Wohlfahrtsgewinne sowie die Verbesserung der Faktormobilität sind dabei die angestrebten Ziele der klassischen Freihandelsdoktrin (vgl. Beck & Ohr, 2014, S. 345). Trotz der aufgezeigten Vorteile besteht jedoch immer noch ein starker Kontrast zwischen den in der Theorie vermittelten Erkenntnissen und deren Umsetzung in die Realität. So ist Freihandel in seiner idealtypischen Form in der Praxis kaum anzutreffen, sondern wird durch eine Vielzahl regulierender Außenhandelsmaßnahmen in seiner Wirkung eingeschränkt (vgl. Haas & Neumair, 2006, S. 211).

Dieses handelspolitische Konzept des Protektionismus wendet sich grundsätzlich gegen die prinzipielle Marktoffenheit und befürwortet die Regulierung des internationalen Handels mittels protektionistischer Maßnahmen. Tarifäre Handelshemmnisse wie Zölle oder Exportsubventionen werdendabei direkt auf ein bestimmtes Gut erlassen. Zusätzlich erschweren nichttarifäre Handelshemmnisse wieEinfuhrkontingente, Sicherheitsstandards oder auch Importverbote den Marktzugang ausländischer Waren zu Gunsten der heimischen Industrie(vgl. Sell, 2003, S. 205). Mit der Regulierung von Importen und Marktzugängen soll folglich die Erreichung wohlfahrtsökonomischer Ziele gewährleistet sowie möglichen Marktineffizienzen entgegengewirkt werden(vgl. Osabuohien et al., 2014, S. 13f.).

Seit dem Beginn internationaler Handelsbeziehungen bilden die Theorien des Freihandels sowie Protektionismus die Grundlage wirtschaftspolitischer Debatten und kommen nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung immer noch zu keinem Konsens. So zeigt die Geschichte ein Wechselspiel zwischen Freihandel und Protektionismus, das auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen ist. Neben Kriegen, Wirtschafts- und Finanzkrisen, die zu Phasen instabiler Wirtschaftsordnungen beitrugen(vgl. Boltho, 1996, S. 247), ist es heute allen voran die zunehmende Komplexität des Handels, die sich aus dem Fortschreiten der Globalisierung ergibt.Im Laufe der Zeit erwies sich der Handel etwa nicht als rein statisches, sondern dynamisches Phänomen, das fortan durch stetige Veränderungen gekennzeichnet ist. Waren die vorangegangenen Jahrhunderte noch vom Austausch von Gütern geprägt, die in einem einzigen Land gefertigt wurden, zeigt sich im 21. Jahrhundert eine starke Fragmentierung der Produktions- und Beschaffungsprozesse. Die wirtschaftliche Integration im Rahmen globaler Wertschöpfungsnetzwerke nimmt demnach einen immer größeren Stellenwert ein (vgl. Freytag, Draper & Fricke, 2014a, S. 7).

Zum anderen treten neben wirtschaftlichen auch zunehmend soziale und ökologische Aspekte in den Mittelpunkt der Diskussionen, die den Protektionismus vorantreiben und die Freihandelsdebatte zu einer immer komplizierteren und abstrakten Thematik werden lassen(vgl. Beck & Ohr, 2014, S. 344; Went, 2000, S. 655).

Für beide Theorien ergibt sich sowohl ein Für als auch ein Wider. Dennoch ist Freihandel die dominante Strategie im Außenhandel, da dadurch bewiesenerma­ßen die Wohlfahrt der beteiligten Länder begünstigt wird. Als first-best-Lösung sollte es jedoch nicht angesehen werden, da in kluger und moderater Weise protektionistische Maßnahmen durchaus zum Wohlstand beitragen können: „Economic Science admitsthatfromtheeffiencypointofviewthereareexceptionstothegeneralrulethatfreetradeis a universal good“ (Moss, 2001, S. 139).

Statt nun beide Ansätze in ihren grundlegenden Idealen zu hinterfragen, sollte es vielmehr das Ziel sein, Freihandel und Protektionismus in Balance zu bringen. Wichtig ist folglich anhand nationaler Aspekte, der globalen wirtschaftlichen Situation sowie vorhandener Theorien und Empirien zu schauen, welche Maßnahmen zu welchen Zeitpunkten angebracht sind(vgl. Osabuohien et al., 2014, S. 14; Went, 2000, S. 669).

Im Folgenden werden daher nun vier grundlegende Ansätze der Außenhandelstheorie betrachtet, die mittels ihrer unterschiedlichen Annahmen versuchen, den Handel in seinen Charakteristiken zu erläutern.

2.2 Theorien des internationalen Handels

Die Außenhandelstheorie blickt auf eine lange Geschichte an Modellen zurück, die allesamt in ihrer Verschiedenheit versuchen, das Zustandekommen des internationalen Güteraustausches zu beschreiben. Im Zentrum steht dabei die Beantwortung der Fragen, welche realwirtschaftlichen Indikatoren wie über Außenhandelsmuster entscheiden, warum Nationen Handelsbeziehungen eingehen und welchen Nutzen Außenhandel den Beteiligten bringt(vgl. Ströbele & Wacker, 2000, S. 9). Neben Adam Smith, der als eine der Schlüsselfiguren in der Volkswirtschaftstheorie anerkannt ist, finden sich noch viele weitere Ökonomen, die sich dem Freihandelsthema annehmen. Im Folgenden sollen daher einige Modelle aufgezeigt werden, die der Illustration verschiedener Konzeptionen von Außenhandel dienen und zum Verständnis aktueller Freihandelsbemühungen beitragen.

2.2.1 Smith-Modell des absoluten Kostenvorteils

Aus der Kritik am im 18. Jahrhundert vorherrschenden Merkantilismus heraus, verfasste Smith seine Theorie in dem 1776 erschienenen Werk „An Inquiryintothe Nature andCausesoftheWealthofNations“. Diese neue Wirtschafts-philosophie stellte eine regelrechte Innovation dar, die sich den Annahmen des merkantilistischen Wirtschaftsmodells entgegenstellte. Wurde bis dahin der Staat als Hauptakteur der Wirtschaft angesehen, rückte nun zunehmend die Trennung von Markt und Staat in den Vordergrund (vgl. Schirm, 2013, S. 16). Prägend für die Zeit des Merkantilismus war außerdem die Annahme, internationaler Handel sei ein Nullsummenspiel, welchem zufolge Handelsgewinne ausschließlich auf Kosten anderer Länder realisierbar sind (vgl. Rübel, 2008, S. 223; Ströbele &Wacker, 2000, S. 9). Es folgte die Einführung protektionistischer Maßnahmen, um zum einen die eigene Wirtschaft zu schützen und zum anderen den Reichtum des eigenen Landes zu erhöhen (vgl. Schirm, 2013, S. 16; Ströbele &Wacker, 2000, S. 9).

Aufbauend auf diesem Verständnis, entwickelte Smith den Ansatz des absoluten Kostenvorteils, um zu beweisen, dass alle beteiligten Nationen vom gegenseitigen Handel profitieren können. Grundlage dieser Überlegung war dabei die Erkenntnis, dass kein Marktakteur in der Lage sei alle benötigten Güter selbst herzustellen. Austausch und Arbeitsteilung wurden daher zum Treiber der Wirtschaft und ließen einen Markt entstehen, der durch das Angebot der eigenen Güter sowie die Nachfrage nach Gütern, die der Einzelne selbst nicht erzeugen kann, charakterisiert ist. Die Erreichung eines Marktgleichgewichts war nun frei von staatlichen Eingriffen, da sich Angebot und Nachfrage über den Preis regeln ließen. Diese als Invisible Hand bezeichnete Selbstregulierung ermöglicht einen gesamtgesellschaftlichen Wohlstand, indem alle Marktakteure denjenigen Tätigkeiten nachgehen, die sie am besten können (Smith zit. nach Schirm, 2013, S. 16f.).

Dieser Grundgedanke von Arbeitsteilung und Spezialisierung wurde von Smith auf den Außenhandel übertragen. Kann demnach das Ausland Güter zu günstigeren Kosten als das eigene Land herstellen, dann ist es nach Smith (1993) vorteilhafter, diese besagten Güter mit einem Teil der Erzeugnisse zu kaufen, die wiederum das eigene Land günstiger als das Ausland herstellen kann (S. 371f.). Demzufolge entsteht Außenhandel, wenn diese sogenannten absoluten Vorteile je Land für je ein Gut vorhanden sind. Nach Ströbele & Wacker (2000) werden diese Ansichten Smiths verdeutlicht, indem diese auf die Betrachtung eines einzigen Produktionsfaktors, nämlich Arbeit, hinweisen. Folglich spezialisiert sich jedes Land auf die Herstellung desjenigen Gutes, in dessen Produktionsprozess die Arbeitsproduktivität durchgängig höher ist als im Ausland und demzufolge es über einen absoluten Vorteil verfügt. Ein Teil der erzeugten Güter kann dann gegen Ware getauscht werden, bei deren Herstellung das Land einen größeren Faktoreinsatz benötigt als das Ausland und demzufolge einen absoluten Nachteil aufweist (S. 9).

Vom reinen Grundverständnis her wäre es sicherlich möglich, die meisten Produkte im eigenen Land zu erzeugen. Erfolgt der Einsatz der verfügbaren Produktionsfaktoren jedoch für die Herstellung der Güter, die am günstigsten produziert werden können, „so kann ein Land durch Austausch dieser gegen andere Güter seinen Verbrauch an allen Gütern erheblich gegenüber jenem Zustand steigern, in dem es versucht, alles das selbst herzustellen, was es benötigt“ (Rose & Sauernheimer, 2006, S. 388).

2.2.2 Ricardo-Modell des komparativen Vorteils

Unter der Annahme es existiere ein Land, das im Vergleich zum Ausland für beide Produkte den absoluten Kostenvorteil besitzt, dann würde internationaler Handel für dieses besagte Land nach den Aussagen Smiths keinen Nutzen mehr bringen. In seinem 1817 erschienenen Werk „ On thePrinciplesof Political Economy and Taxation “ nimmt sich Ricardo genau dieser Annahme an und entwickelte die bestehende Theorie um die des komparativen Kostenvorteils weiter (vgl. Schirm, 2013, S. 27).

Hintergrund dieser Erweiterung war die bis dahin primäre Betrachtung derjenigen Länder, die bei jeweils einem Gut einen absoluten Kostenvorteil aufwiesen. Länder, die dahingehend bei keinem Gut über einen absoluten Vorteil verfügten, wurden dementsprechend ausgeblendet. NachRicardo (1994) kann jedoch ein Land selbst dann Außenhandelsgewinne erzielen, wenn es sich auf die Produktion und den Export desjenigen Gutes spezialisiert, das es mit relativ geringeren Kosten herstellen kann als das Ausland (S. 115). Über diesen sogenannten komparativen Kostenvorteil verfügt ein Land, wenn die Opportunitätskosten[1] für die Erzeugung dieses Gutes im eigenen Land niedriger sind als im Ausland (vgl. Dixit & Norman, 1994, S. 13). Infolgedessen können Länder auch dann am internationalen Handel teilnehmen, wenn sie in allen Produktbereichen über Produktivitätsnachteile verfügen.

Wie auch Smith geht Ricardo in seiner Theorie dabei von zwei unterschiedlich entwickelten Ländern mit jeweils zwei Gütern aus, deren einziger Produktionsfaktor Arbeit[2] ist und sich durch Produktivitätsunterschiede auszeichnet (vgl. Schirm, 2013, S. 27; Siebert, 2000, S. 29). Letzteres verweist damit auf den unterschiedlichen Entwicklungsstand der beiden Länder, der sich durch Unterschiede im technologischen Niveau ergibt und als eine der Grundvoraussetzungen für das Funktionieren des Modells gilt. Dementsprechend sollte sich das generell produktivere Land auf die Güter spezialisieren, in dessen Produktion es am meisten überlegen ist, während sich das weniger produktivere Land auf die Güter konzentrieren muss, in dessen Produktion es am wenigsten unterlegen ist. Wären sich die beiden in Außenhandel tretenden Länder jedoch hinsichtlich Arbeit und Technologie sehr ähnlich, lässt sich eine Wohlfahrtssteigerung im Sinne des komparativen Kostenvorteils Ricardos nicht realisieren (vgl. Heine & Herr, 1999, S. 572ff., 591).

Die eben genannten Merkmale verdeutlichen die starke Vereinfachung des, auf der Arbeitswerttheorie beruhenden und mit konstanten Opportunitätskosten arbeitenden, Modells. Ricardo (1994) selbst verweist jedoch auf das Fehlen wirklichkeitsnäherer Prämissen, um die Grundidee von Außenhandel vereinfacht darstellen zu können (S. 120f.).

Die Theorie des komparativen Kostenvorteils stellt daher nur den Anfang für die Erklärung internationaler Handelsbeziehungen dar und betont vielmehr die Bedeutung von Außenhandel und den Freihandel(vgl. Sell, 2003, S. 165).

2.2.3 Heckscher-Ohlin-Modell der Faktorproportionen

Die neoklassische Handelstheorie findet ihren Anfang in dem vom Heckscher (1919) und Ohlin (1933) entwickelten Faktorproportionentheorem und knüpft somit an den klassischen Außenhandelsansatz an. Als Ursache für den Handel gehen aus beiden Theorien dabei unterschiedliche Kostenvorteile der beteiligten Länder hervor. Demzufolge spezialisieren sich Länder auf diejenigen Güter, die effizienter als im Ausland produziert werden können. Jedoch stehen nun nicht mehr Produktivitätsunterschiede als Ursache komparativer Vorteile im Vordergrund, sondern die unterschiedlichen Ressourcenausstattungen (vgl. Ohlin, 1931, S. 162; Sell, 2003, S. 166).

In der Realität zeigen sich neben dem bisher einzig betrachteten Faktor Arbeit noch weitere, zu denen beispielsweise Boden, Klima und Kapital zählen. Die relative Verfügbarkeit der Produktionsfaktoren (Faktorausstattung) sowie deren Produktionseinsatz (Faktorintensität) bilden daher nach dem Faktorproportionen­modell die wichtigste Grundlage für internationalen Handel (vgl. Ohlin, 1931, S. 163; Ströbele & Wacker, 2000, S. 24).

Demnach bestimmt „das Verhältnis, in demdie verschiedenen Produktionsfaktoren in einem Land vorkommen, […] seine Eignung für verschiedene Industrien“ (Ohlin, 1931, S. 162). Jedes Land ist folglich am besten für die Erzeugung derjenigen Güter geeignet, die große Mengen von Produktionsfaktoren benötigen, welche im Inland verhältnismäßig reichlich vorhanden sind (vgl. ebd., S. 163). Diese Erkenntnis lässt sich am einfachsten an einem zwei Länder - zwei Güter - zwei Faktoren - Modell erläutern. Land A, beispielsweise China, ist mit dem Faktor Arbeit reichlich ausgestattet, der für die Produktion eines Gutes X, angenommen Textilien, intensiv benötigt wird. Land B, zum Beispiel Deutschland, ist wiederum relativ kapitalreich und hat somit Vorteile in der Produktion von Gut Y, beispielsweise Autos. Im Autarkiezustand würden beide Güter sowohl in China als auch in Deutschland produziert werden. Jedoch ergeben sich dabei für beide Länder erhebliche Kostenunterschiede bei der Erzeugung dieser Güter. Textilien wären in China relativ günstig, wohingegen Autos relativ teuer wären (vgl. Ströbele & Wacker, 2000, S. 24f.).

Freier internationaler Handel ermöglicht nach dem Modell nun den Ausgleich von Faktor- und somit Güterpreisen in den beteiligten Ländern (vgl. Sell, 2003, S. 167). Dementsprechend sollen Länder, die mit reichlich Kapital ausgestattet sind, sich auf die Herstellung kapitalintensiver Güter konzentrieren, während Länder, die ausgiebig über den Faktor Arbeit verfügen, sich auf die Herstellung von arbeitsintensiven Gütern spezialisieren (vgl. Ohlin, 1931, S. 163). Deutschland würde daher die Produktion sowie den Export von Autos intensivieren, da diese kapitalintensiv sind. Textilien würden aus China importiert werden, da diese wiederrum arbeitsintensiv sind.

2.2.4 Krugman-Modell des intrasektoralen Handels

Die Idee des komparativen Vorteils als Ursache für den Außenhandel dominiert seit jeher die internationale Handelstheorie. Unterschiede in der Produktivität und Faktorausstattung von Ländernbegründen hierbeiden Austausch verschiedener Güter aus unterschiedlichen Industrien und bilden somit den Ausgangspunktdes eben beschriebenen intersektoralen Handels (vgl. Grubel, 1967, S. 374).

Im Rahmen der neuen Handelstheorie entfernt sich Krugman (1979, 1981) von dieser Ansicht, revidiert bisherige Annahmen und passt sie einer neuen Realität an. Sein Modell widmet sich dementsprechend entgegen klassischer Ansätze dem Austausch gleichartiger Güter oder Güter gleicher Industrien und betrachtet die Ursachen des intrasektoralen Handels (vgl. Grubel, 1967, S. 374).

Allen voran steht dabei die Erkenntnis, dass häufig kein vollständiger Wettbewerb vorliegt. So werden Märkte nicht durch Produkthomogenität, sondern vorrangig durch Produktdifferenzierung beherrscht.Gehandelte Güter ähneln sich zwar in ihrer Grundfunktion, unterscheiden sich jedoch in gewissen Merkmalen.Als Ursache dafür sind Konsumentenpräferenzen und der Wunsch nach Vielfalt ausschlaggebend (vgl. Krugman, 1981, S. 959). Unternehmen betreiben folglich Produktdifferenzierung, um zum einen den Präferenzen zu entsprechen und zum anderengewisse monopolistische Marktnischen zu schaffen sowie harte Preiswettbewerbezu vermeiden (vgl. Rose & Sauernheimer, 2006, S. 563). Dieses Modell des monopolistischen Wettbewerbs beschreibt eine Marktform zwischen Monopol und Wettbewerb, wobei viele Anbieter durch die Schaffung von Produktvarianten versuchen, über einen gewissen monopolistischen Spielraum zu verfügen(vgl. Chamberlin, 1962, S. 68f.).

Eine weitere wesentliche Grundlage, die den intrasektoralen Handel begründet und mit den vorangegangenen Annahmen einhergeht, ist die Existenz von Skaleneffekten. Krugman (1979) geht dabei von steigenden, internen Skaleneffekten aus, die es einem Unternehmen erlauben,dessen durchschnittliche Produktionskosten mit dem Anstieg der Produktion zu senken(S. 469).Die Vielfalt an Produkten in einem Land wird demnach durch die Gegebenheit von Skaleneffektenbegrenzt. Treten nun zwei Länder mit identischen Präferenzen und Ressourcen in Freihandel, verdoppelt sich deren Größe und damit die Anzahl der erzeugten Produkte. Durch die Öffnung spezialisiert sich jedes Land nun auf die Produktion einiger Güter, um steigende Skaleneffekte auszunutzen. Die Produktvielfalt steigt und die Wohlfahrt beider Länder nimmt zu (vgl. ebd., S. 476).

Krugman (1981) weicht damit prinzipiell von drei fundamentalen Annahmen der klassischen Theorie ab: vollständiger Wettbewerb, konstante Skalenerträge sowie unterschiedlich entwickelte Länder (S. 959, 971).Während sich im intersektoralen Bereich auf den Handel zwischen Industrien konzentriert wird, beschränkt sich der intrasektorale Handel aufgrund von Produktvielfalt und bestehender Fixkosten in der Produktion,nur auf eine Teilmenge der in einer Industrie gefertigten Produkte(vgl. Krugman, 1981, S. 960). Aus diesem Grund findet intrasektoraler Handel auch vorrangig zwischen Ländern mit ähnlichen Ressourcen statt und spielt daher insbesondere bei der Betrachtung der TTIP-Verhandlungen zwischen den USA und der EU eine wichtige Rolle.

2.3 Freihandel und seine Auswirkungen

Trotz unterschiedlicher Ansätze und Annahmen verweisen die angesprochenen Theorien gemeinsam auf den Nutzen, den freier internationaler Handel allen beteiligten Volkswirtschaften bringen würde.

Grundsätzlich verhilft Freihandel der Ausnutzung komparativer Vorteile und Skaleneffekte, woraus Nutzenzuwächse für alle am Handel beteiligten Länder hervorgehen.Neben produktivitätssteigernder Spezialisierung im inter- sowie intrasektoralem Handel, wird auch die Lenkung von Produktionsfaktoren in diejenigen Bereiche ermöglicht, in denen sie den größten Nutzen stiften. Effizienz- und Wohlfahrtszuwächse werden durch Arbeitsteilung geschaffen, die vom nationalen auf den internationalen Rahmen übertragen werden. Dahinter steckt die Überzeugung, dass die Verknüpfung einer dezentralen Regulierung mit freiem Wettbewerb und einem System von flexiblen Marktpreisen als Grundsatz für die globale Wirtschaft genauso vorteilhaft ist wie als Ordnungsprinzip für den nationalen Wirtschaftsraum. Die Öffnung der Märkte schafft daher ein Wettbewerbsumfeld, in dem Unternehmen zur effizienteren Produktion, innovativen Tätigkeit und Anpassungsflexibilität gezwungen sind(vgl. Sell, 2003, S. 203f.; Wagner, 2009, S. 54).

Die Befürworter verweisen grundsätzlich auf die Vorteile, die Freihandel mit sich bringt. Jedoch gehen mit intensiveren Außenhandelsverflechtungen auch neue Herausforderungen einher. Eine ist dabei die größere Abhängigkeit inländischer Produzenten vom ausländischen Konjunkturverlauf und somit von wirtschaftspolitischen Entscheidungen wichtiger Handelspartner. Freihandel bedarf demnach einer fortlaufenden Anpassung der inländischen Wirtschaft an strukturelle Veränderungen im Ausland, zu denen beispielsweise technologische Durchbrüche gehören(vgl. Sell, 2003, S. 204).

Eine durchaus größere Herausforderung sehen Kritiker hingegen in der Verteilung erzielter Wohlfahrtsgewinne. Wirtschaftsintegrationenführen zuVeränderungen von Volkswirtschaften, die sich für bestimmte Nationen vorteilig auswirken können, für andere wiederum nachteilig. Das erklärte Ziel ist zwar die Kompensation der Verlierer durch die Gewinner. Jedoch wirft dessen direkte Umsetzung und dieAngst, die Verlierer könnten allen voran die Länder sein, die bereits Unterstützung benötigen, Zweifel auf. Ökonomen sind sich daher einig, dass die Gewinnverteilung ein viel bedeutenderes Thema darstellt als die Summe der Gewinne selbst (vgl. Kets & Tang, 2004, S. 243).

Wachsende internationale Handelsströme bringen somit neben wichtigen wirtschaftlichen Vorteilen, auch eine wachsende Anzahl an Risiken mit sich. Eine adäquate Handhabung dieser in Form weltwirtschaftlicher Reglungsmechanismen scheint für viele Ökonomen daher unerlässlich. Hinsichtlich der Gestaltung der Weltwirtschaftsordnung sowie zunehmender wirtschaftlicher Verflechtungen nehmen transparente internationale Handelsinstitutionen einen besonderen Stellenwert ein(vgl. Pradhan, 2012, S. 74;Winters, 2004, S. 13f.).

3 Die Anfänge der multilateralen Welthandelsordnung

Die Erkenntnisse der ökonomischen Theorie und Historie führten am Anfang des 20. Jahrhunderts zu den Bemühungen, ein einheitliches System konformer Wirtschaftsregelungen zu kreieren. Damit sollte die Basis geschaffen werden, Länder mehr aneinander zu koppeln, um sowohl politische als auch wirtschaftliche Krisen abzumildern.Wichtig war insbesondere die Schlichtung von Konflikten im internationalen Rahmen, die durch institutionalisierte Konsultationen und Zusammenarbeit gelöst werden sollten. Des Weiteren wurde die Schaffung einer internationalen Instanz mit dem Ziel verfolgt, die soziale Wohlfahrt weltweit zu erhöhen (vgl. Wagner, 2009, S. 65).

Ausgangspunkt dafür war vor allem die Theorie Ricardos, welche die Relevanz komparativer Vorteile für den Handel betonte. Freihandel sei daher für jedes Land von Interesse, da es immer etwas geben wird, was gehandelt werden kann(vgl. Went, 2000, S. 656). Geschichtliche und empirische Faktoren führten letztendlich zur Umsetzung und Entwicklung einer globalen Handelsorganisation, so wie sie auch heute noch existiert.

3.1 Das GATT – General Agreement on Tariffs and Trade

3.1.1 Entstehung des GATT

Bereits mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begannen die Bemühungen um einewirtschaftliche Neuordnung der Welt. Auf Initiative der USA hin wurde der Versuch unternommen, eine Welthandelsordnung zu schaffen, welche die Liberalisierung und Stabilität der globalen Wirtschaft neu gewinnen und sichern sollte(vgl. Wagner, 2009, S. 90). Im Rahmen der 1944 abgehaltenen Bretton Woods Konferenz sollte neben dem bereits konstituierten Internationalen Währungsfond sowie der Weltbank eine dritte Institution, die Internationale Handelsorganisation, gegründet werden. Mit ihr sollte ein am Freihandelsprinzip orientiertes multilaterales Handelssystem geschaffen werden, um möglichen Blockbildungen und Autarkiebestrebungen entgegenzuwirken (vgl. Hartman, 2013, S. 412; Sell, 2003, S. 213).Jedoch stießen die in der sogenannten „Havanna-Charta“ festgeschrieben Grundsätze bei verschiedenen Unterzeichner-staaten, insbesondere bei den USA, auf Ablehnung und wurdenfolglich nicht ratifiziert.Aus der Verfehlung heraus eine mit Kompetenzen ausgestattete Welthandelsorganisation zu etablieren, trat am 1. Januar 1948 das zwischenzeitlich von 23 Vertragspartnern abgeschlossene GATT in Kraft (vgl. WTO, 2005, S. 16f.).

Ab diesem Zeitpunkt stellte das GATT das bislang einzige multilaterale Handelsinstrument und den Versuch dar, eine freie und stabile Welthandels-ordnung zu schaffen (vgl. Wagner, 2009, S. 67;WTO, 2005, S. 17).

3.1.2 Grundlegende Inhalte des GATT

3.1.2.1 Prinzipien des GATT

Zur Schaffung einer liberalen Weltwirtschaft setzte sich das GATT neben der Erhöhung des Lebensstandards, der Erreichung von Vollbeschäftigung und wirtschaftlichen Wachstums, auch die effiziente Ausnutzung von Produktionsquellen sowie die Intensivierung des internationalen Warenaustausches als oberste Ziele (vgl. GATT, 2013, S. 16).Zur Erreichung dieser Ziele und der damit verbundenen Liberalsierung der Märkte wurden im GATT unterschiedliche Grundsätze und Prinzipien festgeschrieben. Diese dienten vor allem der Einschränkung von Staaten, unterschiedliche Maßnahmen fortzuführen oder zu erheben, die den internationalen Handel zurückhalten oder verzerren würden. Dazu zählen zum einen die tarifären und zum anderen die nichttarifären Handelshemmnisse, die ausländischen Waren den Marktzutritt erschweren sollen (vgl. Jackson, 1998, S. 22f). Eines der grundlegenden Prinzipien ist daher der Abbau aller Arten von Handelshemmnissen, um die Liberalisierung des Handels zu ermöglichen (vgl. WTO, 2005, S. 12).

Ein weiterertragender Grundsatz ist das bereits in der Präambel vermerkte Prinzip der Nichtdiskriminierung, das vor allem in der Meistbegünstigungsklausel (GATT Art. I)[3] und dem Inländerprinzip (GATT Art. III) konkretisiert wird. Nach der Allgemeinen Meistbegünstigung verpflichten sich die Vertragspartner, jeglicheHandelsvorteile für alle gleichartigen Waren, die sie einem Land zugestehen, unverzüglich und bedingungslos auch allen anderen Vertragspartnern einzuräumen.Die Vergabe von Vorteilen darf demnach nicht etwa von Gegenleistungen der Vertragsparteien abhängig gemacht werden. Dieser nach außen gerichtete Ansatz wird durch das Gebot der Inländergleichbehandlung ergänzt, nachdem ausländische Güter nach ihrem Import nicht schlechter gestellt werden dürfen als gleichartige Waren inländischen Ursprungs.

Das Meistbegünstigungsprinzip bestimmt demzufolge die Nichtdiskrimierung ausländischer Vertragspartner, wobei das Inländerprinzip zur Nicht-diskriminierung zwischen In- und Ausland verpflichtet. Dieser Grundsatz betrifft somit ausschließlich nichttarifäre Handelshemmnisse, die in der heutigen Zeit einen größeren Stellenwert einnehmen als tarifäre Hemmnisse (vgl. Senti, 2000, S. 183).

Ein anderer Kernbereich der multilateralen Welthandelsordnung ist das Prinzip der Reziprozität. Nach diesem sollen handelspolitische Zugeständnisse „auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und zum gemeinsamen Nutzen“ (GATT, 2013, S. 16) erfolgen. Diese Aufforderung zu gegenseitig ausgewogenen Verhandlungen, zu gleichgewichtigen Zugeständnissen und zur Wahrung gemeinsamer Interessen erstreckt sich über das gesamte Vertragswerk des GATT (vgl. Senti, 2000, S. 200).

Für eine stabile und berechenbare Welthandelsordnung setzt das GATT zusätzlich auf Transparenz. Die Aufforderung zur gegenseitigen Information und Veröffentlichung von Normen findet sich in allen Bereichen des Vertrags wieder, wird jedoch im Artikel X des GATT konkretisiert (vgl. Senti, 2000, S. 195ff.). Demnach sind alle handelsrelevanten Regelungen unverzüglich zu veröffentlichen, sodass Regierungen und Wirtschaftskreise sich mit ihnen vertraut machen (GATT Art. X:1) und sich somit im Welthandel platzieren können.

3.1.2.2 Ausnahmen des GATT

Neben den oben beschriebenen Prinzipien enthält das GATT zugleich eine Vielzahl von Ausnahmen, die diese in ihrer Wirkung einschränken und somit den geschaffenen Vertragsrahmen eingrenzen.

Zu den allgemeinen Ausnahmen wie den Schutzmaßnahmen im Interesse der öffentlichen Ordnung, Gesundheit und der nationalen Sicherheit (Art. XX GATT), gehören auch Sonderregelungen für Entwicklungsländer (Art. XXXVI GATT) und für bestimmte Sektoren wie den Agrar- und Textilhandel(vgl. Beise, Oppermann & Sander, 1998, S. 44).

Eine jedoch umfassende strukturelle Ausnahme, die insbesondere die Meistbegünstigungsklausel einschränkt, sind die Bestimmungen zugunsten wirtschaftlicher Integrationsräume in Form von Zollunionen und Freihandelszonen (Art. XXIV GATT). Den Ländern ist es demnach erlaubt, „durch freiwillige Vereinbarungen zur Förderung der wirtschaftlichen Integration […] eine größere Freiheit des Handels herbeizuführen“ (Art. XXIV:4 GATT) und die damit intern bestimmten Handelsvorteile nicht allen anderen Vertragparteien gewähren zu müssen.

Die Bildung von Integrationsräumen und der Erreichung der damit verbundenen Vorteile ist jedoch an drei Bedingungen geknüpft. Die Erste gibt vor, dass Drittstaaten durch die Gründung von Integrationsgemeinschaften nicht mit höheren Zöllen belastet oder anderen neuen Handelsvorschriften stärker diskriminiert werden dürfen (Art. XXIV: 5 GATT). Zweitens sollten die vertraglich geregelten Abkommen möglichst den gesamten Handel umfassen (Art. XXIV: 8 GATT). Zweck dieser Bedingung ist dabei, demÜberhandnehmen selektiver Präferenzen entgegenzuwirken, um somit eine gezielte Diskriminierung zu vermeiden (vgl. Hilpold, 1996, S. 225). Die dritte Bedingung betrifft die Notifizierung und die Offenheit gegenüber Drittstaaten. Demnach soll den Vertragparteien des GATT die Möglichkeit offen gehalten werden, einem Integrationsraum beizutreten. Im Fall eines Beitritts, ist das Vorhaben dann unverzüglich zu melden, wobei entsprechende Auskünfte über die Vertragsinhalte zu erteilen sind (Art. XXIV: 7 GATT).

Der maßgebende Gedanke hinter dieser Ausnahme von Integrationsräumen ist, dass regional begrenzter Freihandel als erster Schritt zum globalen Freihandel angesehen werden kann. Demnach soll die Offenheit eine Weiterentwicklung ermöglichen, um dem Ziel eines weltweit freien Warenaustausches näher zu kommen. Integrationsräume dienen daher der Verdeutlichung der Freihandelsvorteile und können den Anstoß für den Abbau des Protektionismus nach außen fördern (vgl. Rübel, 2008, S. 227).

3.1.3 Entwicklung des GATT

Im Laufe seines Bestehens führte das GATT durchaus zu der Entwicklung eines starken und erfolgreichen multilateralen Welthandelssystems, das durch zahlreiche Verhandlungsrunden die Liberalisierung des Welthandels vorantrieb. Die anfängliche Konzentration auf die Senkung und Abschaffung von Zöllen verhalf zu einem wachsenden Welthandel, wobei das Wachstum im Handel das Produktionswachstum überstieg(vgl. WTO, 2005, S. 16, 18.) und sich somitdemZiel der effizienten Ausnutzung von Ressourcen genähertwurde.

Ein weiteres Indiz für den Erfolg des GATT sind die kontinuierlichen Versuche, Reformen durchzusetzen. So konnte zum einen in den sechziger Jahren das Anti-Dumping-Abkommen statuiert und zum anderen im Rahmen der Tokio-Runde das Abkommen über nichttarifäre Handelshemmnisse umgesetzt werden. Der schnelle Zulauf neuer Vertragspartner während der Uruguay-Runde verdeutlichte zumal, dass das multilaterale Handelssystem als Treiber für die Entwicklung und als Instrument für Handels- und Wirtschaftsreformen angesehen ist (vgl. ebd., S. 17ff.).

3.2 Trotz der geschaffenen Reformen und der Erreichung eines wachsenden Welthandels, erfuhr das GATT im Laufe seiner Entwicklung jedoch zunehmende Kritik. Allen voran standen die vielen Ausnahmeregelungen, die zum zentralen Element der Diskussionen gehörten. So wurde besonders das Gewähren von Integrationszonenhinterfragt, da Kritiker damit die konsequente Durchsetzung der Meistbegünstigungsklauselsowie die prinzipielle Marktoffenheit des GATT bedroht sahen (vgl. Hnát, 2008, S. 11).Corbet (1977) sah darin einfach eine zu milde Ahndung von Grundsatzverletzungen. So wurde mehr oder weniger hingenommen, dass das Prinzip der Nichtdiskriminierungkeine wirkliche Berücksichtigung fand:„…the principle of non-discrimination, the cornerstone of the GATT system, has been more honoured in the breach than in the observance“ (S. 135). Jedoch wäre sowohl die Gründung als auch das Bestehen des GATT ohne diese Duldung wahrscheinlich nicht möglich gewesen (vgl. Wagner, 2009, S. 93). Letzten Endes war das GATT nur ein mit begrenzten Handlungsmöglichkeiten ausgestattetes Provisorium, das die Weltwirtschaft mit ihren neuen Herausforderungen und Entwicklungen in dieser Konstellation nicht mehr bewältigen konnte. Das Voranschreiten der Globalisierung veranlasste daher die Vertragsparteien, das multilaterale System zu stärken und zu erweitern. Dies führte zur Uruguay-Runde und schließlich zur Gründung der WTO (vgl. WTO, 2005, S. 18f.).

[...]


[1] Opportunitätskosten eines Gutes A bestehen aus dem Betrag eines Gutes B, der aufgegeben werden muss, um eine Einheit von Gut A zu erhalten. Diese Kosten werden daher auch als Kosten des Verzichts verstanden (vgl. Ethier, 1994, S. 12; Krugman, Obstfeld& Melitz, 2012, S. 57).

[2] Wie Smith greift Ricardo auf die klassische Arbeitswerttheorie zurück, in welcher der Wert einer Ware durch die in ihr enthaltene Arbeitszeit bestimmt ist(vgl. Heine & Herr, 1999, S. 572).

[3] Zu GATT-Artikeln vgl. GATT, 2013.

Details

Seiten
89
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668303492
ISBN (Buch)
9783668303508
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340241
Institution / Hochschule
Technische Universität Ilmenau
Note
1,5
Schlagworte
Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft Transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen TTIP Transatlantisches Freihandelsabkommen World Trade Organization WTO Regionalismus Multilateralismus bilaterale Handelsabkommen

Autor

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Titel: Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft