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SICHERUNG DER LEISTUNGSFÄHIGKEIT DER UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND: Möglichkeiten und Grenzen der Leistungserstellung durch Immigration ausländischer Arbeitskräfte

Bachelorarbeit 2004 49 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrundinformationen zu den Problemen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland
2.1. Sozialer Wandel in Deutschland
2.1.1. Rentenalter in Deutschland
2.1.2. Demographische Lücke
2.2. Arbeitslosigkeit in Deutschland
2.2.1. Rückblick auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit
2.2.2. Besonderheit der strukturellen Arbeitslosigkeit
2.3. Mögliche Auswirkungen des sozialen Wandels und der Arbeitslosigkeit
2.4. Immigration nach Deutschland
2.5. Freizügigkeit für Arbeitnehmer innerhalb der EU
2.6. Folgerungen aus den Hintergrundinformationen

3. Immigration ausländischer Arbeitskräfte zur Sicherung der Leistungsfähigkeit
3.1. Möglichkeiten für Unternehmen durch Immigration
3.1.1. Der Einfluss von Kultur auf das Verhalten am Arbeitsplatz
3.1.2. Möglichkeiten und Herausforderungen an multikulturelle Unternehmen
3.2. Grenzen für Unternehmen durch Immigration
3.2.1. Grundsätzliche Hindernisse in multikulturellen Teams
3.2.2. Grundlage der kulturellen Dimensionen
3.2.2.1. Hofstedes 5 Dimensionen
3.2.2.2. Dimensionen nach Trompenaars
3.2.2.3. Dimensionen nach Hall
3.2.3. Ein Unternehmen als multikultureller Arbeitgeber
3.2.3.1. Analyse der deutschen Kultur anhand von Fatehis Einteilungen
3.2.3.2. Analyse der deutschen Kultur anhand der Dimensionen von
Hofstede
3.2.3.3. Vergleich der deutschen Kultur mit bereits immigrierten Kulturen
3.2.3.4. Vergleich der deutschen Kultur mit potenziellen Ländern für eine Immigration
3.3. Mögliche Ansatzpunkte für Unternehmen zur Sicherung der Leistungsfähigkeit
3.3.1. Valuing Diversity: Wertschätzung der kulturellen Vielfalt
3.3.2. Cultural Awareness: Kulturelles Bewusstsein innerhalb des Unternehmens
3.3.3. Realisation des short-comings des Managements
3.3.4. Wettbewerbsvorteil durch Diversity Management
3.3.5. Veränderungen in der Unternehmenskultur
3.3.6. Die Adaption von Führungsverhalten und der Aufgabe des Managements
3.3.7. Unternehmerische und individuelle Anpassung
3.3.8. Strukturelle Veränderungen

4. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1:Geburten- vs. Sterberate, eigene Berechnungen, Daten: Worldbank (2002)

Abb. 2: Altersaufbau in Deutschland im zeitlichen Wandel, Statistisches Bundesamt

Abb. 3: Fertilität in beiden Teilen Deutschlands 1950-1998, Bundesministerium des Inneren

Abb. 4: Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung, Bundesministerium des Inneren

Abb. 5: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1991-2003, Statistisches Bundesamt

Abb. 6: Zuzüge und Fortzüge von Ausländern 1954-1999, Statistisches Bundesamt

Abb. 7: Ausländische Bevölkerung nach Geburtsland, eigene Berechnung

Abb. 8: Hofstede’s Cultural Dimensions for Germany, ITIM

Abb. 9: Vergleich zwischen Deutschland und der Türkei bzw. Italien, ITMS

Abb. 10: Vergleich zwischen Deutschland und Indien bzw. China, ITMS

1. Einleitung

Sicherung der leistungsfähigkeit von unternehmen in deutschland: Möglichkeiten und grenzen der leistungserstellung durch immigration ausländischer arbeitskräfte

Deutschland wird schon im Jahr 2010 mit dem Problem konfrontiert werden, nicht mehr genügend Arbeitskräfte zu haben. Die großen Generationen nach dem 2. Weltkrieg erreichen bereits das Rentenalter und die geringe Geburtenrate der letzten Jahrzehnte führt zu einer jährlichen Lücke von mehreren tausend Arbeitnehmern. Deshalb werden auch die Unternehmen in Deutschland in den nächsten Jahren mit einen weitläufigem Problem konfrontiert werden: sie müssen ihre Leistungsfähigkeit sichern. Doch warum ist dies erforderlich? Augrund diverser Aspekte, die zum Schrumpfen der Bevölkerung führen, wird auch die Anzahl der Menschen sinken, die zum einen Arbeiten können und zum anderen auch die Qualifikationen und Fähigkeiten zum vorhandenen Arbeitsangebot haben. Besonders im Bereich der Servicedienstleistungen und der Arbeiterschaft wird mit erhöhter Nachfrage bei Arbeitskräften gerechnet, obwohl auf der anderen Seite die Arbeitslosenzahlen weiter steigen. Als Möglichkeit zur Milderung des Bevölkerungsrückganges wird verstärkt auf die Immigration ausländischer Arbeitskräfte gesetzt. Diese gilt es, in die Unternehmen zu integrieren und auf der anderen Seite die bereits bestehenden Arbeitnehmer auf die Konfrontation mit einer neuen, verschiedenen Kultur vorzubereiten. Somit bietet die Erhöhung der Zuwanderer sowohl viele Möglichkeiten, allerdings werden Unternehmen auch an ihre Grenzen kommen.

Diese Thesis beschäftigt sich mit diesem Thema und es wurden zuerst relevante Informationen und Daten untersucht, ob in Deutschland überhaupt bedarf nach mehr Zuwanderern ist. Falls dies der Fall ist, soll herausgestellt werden, welche Vorteile Unternehmen in Deutschland daraus ziehen können und welche Grenzen auch damit erreicht werden. Am Ende werden Ansatzpunkte gegeben, in wie weit sie ihre Leistungserstellungskraft sichern können und welche Methoden und Mittel sie dafür verwenden können.

2. Hintergrundinformationen zu den Problemen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland

Deutschland muss sich für das 21. Jahrhundert auf eine alternde Gesellschaft und Bevölkerung einstellen. Verschiedene Untersuchungen und Berechnungen zeigen das Schrumpfen der Bevölkerungszahl bis zum Jahre 2050. In welchem Umfang sich die schrumpfende Zahl von Menschen in unserem Land entwickelt hängt allerdings auch in hohem Maße davon ab, wie wir Migration zulassen und den Prozess der Zuwanderung politisch gestalten. Nachfolgend sollen die Probleme auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland dargestellt werden und wie Immigration nach Deutschland diese Probleme beeinflussen und eventuell verbessern kann.

2.1. Sozialer Wandel in deutschland

Die Bevölkerung ist das Grundelement der Sozialstruktur in Deutschland. Unter ihr wird die Gesamtzahl der Einwohner innerhalb eines abgrenzbaren Gebietes verstanden. Derzeit hat Deutschland rund 82 Millionen Einwohner, die zukünftige Tendenz dürfte allerdings fallend aussehen. Drei Prozesse haben großen Einfluss auf die Größe einer Bevölkerung: Geburten und Sterbefälle sowie Außenwanderungen. Die Geburtenrate in Deutschland ist seit Jahrzehnten sehr niedrig, wie aus Abbildung 1 mit Zahlen der Worldbank ersichtlich wird. Es kam bisher nicht zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang, da erstens die Lebenserwartung der Einwohner gestiegen ist und zweitens regelmäßig mehr Menschen nach Deutschland ein- als auswandern. Für die Zukunft ist in Deutschland allerdings eine deutliche quantitative Abnahme der Bevölkerung zu erwarten. Gleichzeitig ist ebenfalls eine massive Verschiebung der Alterstruktur zu erwarten, da der Anteil der Alten in der Gesamtbevölkerung weiter steigt, wo hingegen immer weniger Junge nachrücken.[1] Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die wichtigsten Aspekte des sozialen Wandels aufgegriffen und im Besonderen die Auswirkungen auf die Leistungserstellung in Deutschland aufgezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Geburten vs. Sterberate, eigene Berechnung,

Daten: Worldbank (2002)

2.1.1. Rentenalter in deutschland

Das offizielle Rentenalter in Deutschland, festgelegt durch eine gesetzliche Grenze, liegt bei 65 Jahren. Das tatsächliche durchschnittliche Renteneintrittsalter, z.B. verursacht durch Frühverrentung, liegt bei 60 Jahren. In einigen speziellen Branchen wie beispielsweise dem Militär oder Beamten im öffentlichen Dienst werden frühere Renten angeboten, der grossteil der deutschen Industrie hält sich jedoch an das offizielle Rentenalter. Die Altersrente wurde bisher staatlich finanziert und erfolgte im so genannten Umlageverfahren, bei dem die aktuell arbeitende Bevölkerung mit ihren Zahlungen in die Rentenkasse die Renten der aktuellen Pensionäre finanziert. Jedoch kommt es aufgrund von demographischen Problemen derzeit zu einem finanziellen Ungleichgewicht, da es immer mehr ältere Menschen mit Rentenanspruch gibt und immer weniger arbeitende Menschen, welche in die Rentenkasse einzahlen.

2.1.2. Demographische lücke

Seit langer Zeit ist die demographische Entwicklung Westeuropäischer Länder sichtbar. Neugeborenen wird eine hohe Lebenserwartung zugesprochen und Geburtenzahlen bleiben konstant auf niedrigem Niveau. In den kommenden 50 Jahren wird sich die Bevölkerungspyramide wie in Abbildung 2 ersichtlich zum Bevölkerungspilz verändern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Altersaufbau in Deutschland im zeitlichen Wandel, Statistisches Bundesamt Deutschland, 2003

Seit Anfang der siebziger Jahre wird von vielen einschlägigen Instituten in deutscher Sprache, allen voran das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, von Bevölkerungsrückgang gesprochen. Alle folgenden Zahlen beziehen sich daher auf die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des statistischen Bundesamtes, veröffentlicht im Juni 2003[2].

Es wurden in diesen Jahren erstmals mehr Sterbefälle als Geburten registriert und somit reichte die Geborenenzahl zum Generationenersatz nicht mehr aus. Konstante Defizite bei den Geburten führen zu einer Alterung der Gesamtbevölkerung, was demographisches Altern genannt wird. Im europäischen Vergleich ist die Fertilität, d.h. Kinder pro Frau, von Deutschland mit 1,3 am unteren Ende. Nur Spanien und Italien haben mit durchschnittlich 1,2 Kindern niedrigere Kennziffern. Bei diesem Niveau würde die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder pro Generation um ein Drittel abnehmen, denn zur Bestandserhaltung müsste jede Frau durchschnittlich 2,1 Kinder bekommen. Bis 2050 wird mit einer Konstanz der Geburtenhäufigkeit von 1,4 Kindern pro Frau gerechnet.

Historisch gesehen liegt die Fertilität seit den siebziger Jahren in Westdeutschland zwischen 1,3 und 1,4. Anfang der neunziger Jahre verzeichneten die neuen Bundesländer einen starken Rückgang auf eine Zahl von 0,8 Kinder je Frau, welche jedoch in der Zwischenzeit wieder zugenommen hat und sich dem Niveau der alten Bundesländer annähert. Mit etwa 1,1 Kindern pro Frau im Jahre 1998 lag die Zahl in Ostdeutschland jedoch noch immer deutlich niedriger als in den alten Bundesländern[3].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Fertilität in beiden Teilen Deutschlands, 1950-1998, Bundesministerium des Inneren

Viele Institute vermuten, dass Zuwanderer das derzeit niedrige Fertilitätsniveau der deutschen Bevölkerung ausgleichen könnten. Leider ist dies nicht ganz richtig, da sich die durchschnittliche Anzahl der Kinder von Zuwanderern jener der deutschen Bevölkerung mit der Zeit anpasst. In Deutschland setzt sich der Alterungsprozess also besonders aus dem seit 1973 vorhandenen Geburtendefizit zusammen. Darüber hinaus tragen auch die steigenden Überlebenschancen in allen Altenjahrgängen zur demographischen Lücke bei. Die Lebenserwartung für Neugeborene liegt anhand der Untersuchung im Jahre 2050 rund 6 Jahre über dem durchschnitt von heute, also für Jungen bei 81,1 Jahre und für Mädchen bei 86,6 Jahre. Es wird daher versucht, durch konjunkturelle und technische Mittel die demographische Lücke zu überbrücken, beispielsweise durch gesteigerte Frauenbeschäftigung oder Manipulation der Lebensarbeitszeiten sowie durch Zuwanderung. Eine Geburtenförderung widerspricht sich mit den Prinzipien eines liberalen politischen Systems zur Schließung der Lücke, somit ist meistens von der Einwanderung die Rede. Rein rechnerisch fehlen in Deutschland jährlich rund 200.000 Geburten um die Negativbilanz aus Sterbeüberschüssen substanziell zu beheben. Würde diese Rate des Defizits durch Neusiedler gedeckt, so würde allerdings auch mit dauerhaft 200.000 Zuzügen pro Jahr die Gesamtbevölkerung bis 2040 auf 74 Millionen fallen[4]. Die Alterung der Gesellschaft würde ebenfalls durch diese Zuwanderungsrate langfristig nicht abgewendet werden können, selbst bei einer Steigerung des Zustroms auf 300.000 Menschen würde sich die Einwohnerzahl auf 75 Millionen verringern.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung, Bundesministerium des Inneren

Einige Argumente sprechen jedoch gegen die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Zum ersten wurden Strukturbrüche nicht in die Prognose eingearbeitet. Wirft man beispielsweise den Blick 50 Jahre zurück, wurden Einflussfaktoren wie die Entwicklung und Verbreitung der Antibabypille oder die Öffnung der Grenzen in Osteuropa nicht in die Prognose von 1950 eingebracht. Strukturbrüche sind nicht vorhersehbar und deshalb ein Problem von Langfristprognosen. Zum zweiten sind solche Modellannahmen durch die Politik immer beeinflussbar. Die Kinderanzahl pro Frau kann beispielsweise durch familien- und kinderfreundliche Politik gesteigert werden. Des Weiteren ist die Lebenserwartungssteigerung um 6 Jahre nicht sicher aufgrund von Adipositas (Fettleibigkeit) bei bereits 25% der Kinder oder dem frühzeitigen Konsum von Alkohol, Nikotin und Drogen. Drittens werden Bevölkerungsberechnungen im Schnitt alle 4 Jahre neu berechnet und belegen die großen Unsicherheiten der Prognosen. Die Spannbreiten werden von Berechnung zu Berechnung größer, so ist in der 7. Prognose beim Bevölkerungsstand im Jahre 2030 von 69,9 Millionen Einwohner ausgegangen worden, in der 8. von 3,8 bis 11,2 Millionen mehr Einwohner und in der 10. Vorausberechnung werden einem 9 Varianten angeboten von 67,0 (Variante 1) bis 81,3 (Variante 9) Millionen Einwohner. Dies ergibt somit eine Spannbreite von 14,3 Millionen. Als letztes Argument ist zu erwähnen, dass von einer 6 Jahre längeren Lebenserhaltung ausgegangen wird, die Menschen jedoch keinen Tag länger arbeiten. Angesichts der Tatsache, dass bereits jetzt Diskussionen um die Erhöhung des Rentenalters stattfinden würde eine Erhebung des durchschnittlichen tatsächlichen Rentenalters von derzeit 60 auf 63 Jahre die demographische Entwicklung erheblich beeinflussen.[6]

2.2. Arbeitslosigkeit in Deutschland

Die Arbeitslosenquote in Deutschland liegt zum Stand von Juni 2004 in Prozent bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen bei 10,2%. Dieser Prozentsatz beinhaltet die konjunkturelle Arbeitslosigkeit, saisonbedingte Arbeitslosigkeit und strukturelle Arbeitslosigkeit. Gerade letztere ist im Bezug zur Leistungserhaltung für deutsche Unternehmen von Bedeutung.

2.2.1. rückblick auf die entwicklung der arbeitslosigkeit

In Westdeutschland lassen sich insgesamt 3 Phasen der Arbeitsmarktentwicklung unterscheiden. Die erste Phase wird als die des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders bezeichnet. Der Zeitraum wird von der Gründung der Bundesrepublik bis zum Ende der 50er Jahre festgesetzt. Die Arbeitslosenquote konnte in dieser Zeit von 10,4% in 1950 auf 1,3% im Jahre 1960 innerhalb von 10 Jahren gesenkt werden. Die hohe Arbeitslosigkeit am Anfang dieser Periode war vor allem zurückzuführen auf hohe strukturelle Arbeitslosigkeit, da das Wirtschaftswachstum zunächst noch zu gering war und die Arbeitslosigkeit auf dem Lande augrund der Ansiedlung der Zuwanderer in ländlichen Gebieten extrem hoch. Die zweite Phase dauerte vom Beginn der 60er Jahre bis zum ersten Ölpreisschock 1973 und wird unter der Bezeichnung der Vollbeschäftigung gestellt. So blieb die Arbeitslosenquote währen des gesamten Zeitraums unter dem in 1960 erreichten Wert von 1,3%, abgesehen von der Struktur- und Konjunkturkrise in 1966/67. Arbeitslosigkeit war daher nur friktioneller und saisonaler Natur. Es herrschte Arbeitskräftemangel und so wurde mit der Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften, den „Gastarbeitern“, begonnen. Somit stieg die Zahl der in Deutschland ansässigen Ausländer zwischen 1961 und 1973 um über 3 Millionen, die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer nahm um über 2 Millionen zu. Dennoch wuchs aufgrund der geburtenschwachen Kriegsjahrgänge die Zahl der Beschäftigten in dieser Zeit nur um weniger als 1 Million, was einzig und allein nur mit der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte erreicht wurde. 1973 erreichte die Anwerbung ihr vorläufiges Ende, da die Bundesregierung angesichts rückläufiger Konjunktur einen Anwerbstopp erließ, um die Einreise zur Arbeitsaufnahme aus Anwerbestaaten zu unterbinden. Die dritte Phase war gekennzeichnet durch Massenarbeitslosigkeit und begann 1974. Mehrere Rezessionen prägten seit beginn der 70er Jahre die Beschäftigungsentwicklung und in deren Folge wurden jedes Mal Arbeitsplätze abgebaut. Zwar wurden im Anschluss in den Phasen wirtschaftlicher Erholung wieder neue Arbeitsplätze geschaffen, allerdings konnte die jeweilige Steigerung der Arbeitslosigkeit infolge des anhaltenden Zustroms von Arbeitssuchenden auf den Arbeitsmarkt nicht wieder vollständig rückgängig gemacht werden. Somit wurde der Sockel der Arbeitslosigkeit immer wieder erhöht und aus konjunktureller Arbeitslosigkeit wurde strukturelle Arbeitslosigkeit.[7]

2.2.2. Besonderheit der strukturellen arbeitslosigkeit

Unter diesem Begriff wird verstanden, dass das Arbeitsangebot und die Arbeitsnachfrage nicht zusammen passen. Dies kann daran liegen, dass die Qualifikationen von Arbeitssuchenden nicht Marktgerecht sind oder die Arbeitsvermittlung nicht den Anforderungen des Arbeitsmarktes entspricht. Eine Ursache für strukturelle Arbeitslosigkeit ist, dass viele, besonders ältere Arbeitnehmer, zu wenig oder gar nicht in die innerbetriebliche Fort- und Weiterbildung einbezogen werden. Strukturelle Arbeitslosigkeit zeigt sich im wachsenden Trend in der hohen Anzahl der Langzeitarbeitslosen und der Personen ohne formale Berufsqualifikation.[8]

Tabelle 1: Dauer der Arbeitslosigkeit nach Qualifikationsniveau, 2000

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Umstritten ist jedoch, ob die strukturelle Arbeitslosigkeit als Hauptursache der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland zu betrachten ist. Auf der einen Seite gilt die Aussage „je länger man Arbeitslos ist, desto schwieriger wird es, wieder eine Arbeit zu finden“. Allerdings schlägt sich auf der anderen Seite der Staat manchmal selbst in dem die Zahlungen für Arbeitslose höher sind als das der gezahlte Lohn im neuen Job. Dies macht es für viele Arbeitslose profitabler, Zahlungen vom Staat zu erhalten als in die Arbeit zu gehen und sie tragen somit ebenfalls zur strukturellen Arbeitslosigkeit bei.

2.3. Mögliche auswirkungen des sozialen wandels und der arbeitslosigkeit

Trotz der bereits angesprochenen Unsicherheiten der Prognosen lassen sich vorsichtige Tendenzen aus dem demographischen Wandel schließen. Besonders der Bevölkerungsrückgang würde Deutschland Wirtschaft beeinflussen. Auf der einen Seite kommt der Staat mit sinkender Erwerbspersonenzahl dem Ziel der Vollbeschäftigung näher, auf der anderen Seite kann es bei unveränderten Bedingungen zu einer Arbeitskräfteknappheit kommen, welche zu Lohndruck und zur Erhöhung der Produktionskosten führt und das Preisniveau steigen lässt. Auch wird die Bevölkerungsabnahme die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erheblich dämpfen und somit würde das wirtschaftliche Wachstum geringer ausfallen. Andere Aspekte sind der Anstieg der Staatsverschuldung pro Kopf oder die deutlich dünnere Besiedlung, welches Auswirkungen auf die Infrastruktur hat. Die Wohl größte Belastung liegt auf Seiten des sozialen Sicherungssystems. Immer mehr alte Menschen in den sozialen Sicherungssystemen müssen von immer weniger jüngeren Menschen versorgt werden. Der Hauptaugenmerk des Verfassers liegt darin, dass die Alterung langfristige Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit und die Leistungserstellungskraft der Wirtschaft hat, da deutlich weniger neu ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung stehen werden. Unternehmen müssen ihre Leistungsfähigkeit durch andere Mittel sichern, bevorzugt durch Immigration ausländischer Arbeitskräfte, da das Wissen in den Unternehmen bei einem sinkenden Angebot an jungen Arbeitskräften nicht mehr überwiegend durch Neueinstellungen erneuert werden kann. Auch ist die selektive Zuwanderung von Personen eine Möglichkeit den allgemeinen Arbeitskräftemangel in bestimmten Berufen oder Regionen in relativ kurzer Zeit abzubauen.[9]

2.4. Immigration nach deutschland

Die Bevölkerungsschrumpfung ist wie bereits erwähnt auch bei einer konstanten oder sogar zunehmenden Geburtenrate nicht zu vermeiden. Diese demographisch bedingte Veränderung der Altersstruktur kann durch Zuwanderungsüberschüsse Jüngerer gemildert werden, jedoch nicht gestoppt. Besonders das hohe Bevölkerungswachstum in geographisch benachbarten Regionen der EU wie Türkei, Marokko oder Ägypten verstärken den demographischen Zuwanderungsdruck nach Deutschland. Die Türkei beispielsweise gilt als wichtigstes Herkunftsland angeworbener Zuwanderer in Deutschland, und dies bereits seit den späten 60er Jahren. Ähnliches gilt für die Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen hat eine Berechnung erstellt, in der bis zum Jahr 2050 netto 188 Millionen Menschen nach Deutschland zuwandern müssten um den Anstieg des Altersquotienten zu stoppen. Historisch gesehen hätte sich ohne die Zuwanderung von Ausländern die Bevölkerung Deutschlands schon bis heute um zirka drei bis vier Millionen verringert. Tatsache ist somit, dass Deutschland seine Wirtschaftskraft nur erhalten kann, wenn es zu einer deutlichen Zuwanderungssteigerung kommt. Im Jahre 2003 kam es in Deutschland allerdings erstmals zu einer Bevölkerungsabnahme, berechnet aus der Summe von Sterbefallüberschuss und Zuwanderungsüberschuss.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1991 bis 2003, Statistisches Bundesamt Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland ist zwar seit ihrem Bestehen ein Zuwanderungsland, es kam jedoch aufgrund von unterschiedlichen Wanderungsursachen immer wieder zu sehr starken Schwankungen im Wanderungssaldo. Wie aus der nachfolgenden Abbildung des Statistischen Bundesamtes ersichtlich wird, zogen in den letzten knapp 40 Jahren fast 30 Millionen Menschen nach Deutschland. Auf der anderen Seite zogen über 21 Millionen Menschen aus Deutschland ins Ausland, was einen positiven Wanderungssaldo von insgesamt 8,753 Millionen Menschen ergibt. Somit kann festgestellt werden, dass neben Geburten und Sterbefällen auch Zu- und Fortzüge aus dem bzw. in das Ausland die Bevölkerungszahl und den Altersaufbau der Bevölkerung der Bundesrepublik beeinflussen[11].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Zuzüge und Fortzüge von Ausländern, 1954-1999 (in 1000), Statistisches Bundesamt Deutschland

Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wurde seit Jahren um ein Zuwanderungsgesetz für Deutschland gerungen, um den Wirtschaftsstandort Bundesrepublik auch für die Zukunft zu sichern und Spitzenkräfte nach Deutschland holen zu können. Am 01. Januar 2005 wird voraussichtlich das Zuwanderungsgesetz seine Gültigkeit erlangen. Grundsätzlich gilt bei diesem Gesetz immer noch das Prinzip des Vorranges für deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu deren Schutze und Vorteil. Ausländische Arbeitskräfte werden demnach nur eine Arbeit erhalten sofern diese nicht durch inländische Arbeitskräfte gedeckt werden können. Das Zuwanderungsgesetz soll somit die Zuwanderung nach Deutschland steuern und begrenzen und die Immigration unter der Berücksichtigung der Integrationsmöglichkeiten, wirtschaftlicher und arbeitsmarktpolitischer Interessen Deutschlands sowie dessen humanitäre und völkerrechtliche Verpflichtungen steuern. Es beinhaltet darüber hinaus noch Sicherheitsaspekte hinsichtlich der weltweit anhaltenden Terrorgefahr durch Extremisten[12].

Wie sich die Zuwanderung auf die Wirtschafts- und Arbeitskultur Deutschlands auswirkt, ist nicht abzuschätzen. Meinhard Miegel stellte folgendes hierzu fest: „Die Wirkung, die von einer zahlenmäßig schrumpfenden, alternden und zunehmend von Zuwanderern durchsetzten Bevölkerung auf den wirtschaftlichen Wachstumstrend ausgehen, sind nicht geklärt. Empirische Erfahrungen … gibt es nicht. Als gesichert kann nur angenommen werden, dass es kritische Untergrenzen der Bevölkerungsdichte und –homogenität gibt, unterhalb derer wirtschaftliches Wachstum zum Stillstand kommt.“[13] Trotz der unvoraussehbaren Auswirkungen wird Deutschland seine Wirtschaftskraft nur erhalten können, wenn es zu einer deutlichen Zuwanderung kommt. Durch gesteuerte und vor allem sozialverträgliche Zuwanderung würde das Tempo des Bevölkerungsschwundes mit all seinen wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen abgefedert und abgebremst werden. Anhand der nachfolgenden Abbildung 7, beruhend auf Daten des Statistischen Bundesamtes Deutschland, kann festgestellt werden, dass traditionell die meisten Einwanderer aus der Türkei, aus Staaten vom Balkan oder auch anderen benachbarten europäischen Staaten kommen. Diese bereits bestehende, besonders aber die noch benötigte Zuwanderungserhöhung fordert sowohl den Staat als auch die Unternehmen heraus: wie sollen diese Einwanderer in die Arbeitsgesellschaft integriert werden? Einige Dinge müssen bereits von der Gesellschaft und vom Staat erbracht werden um negative Auswirkungen vorzubeugen. Deutschland steht deshalb vor dem Problem der Cultural Diversity innerhalb der Bevölkerung, in der sowohl verschiedene Kulturen als auch verschiedene Religionen aufeinander treffen.

[...]


[1] Vgl. Worldbank: http://devdata.worldbank.org/hnpstats/query/series.htm

[2] Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland: Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2050. Ergebnisse der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausrechnung (2003)

[3] vgl. Bundesministerium des Inneren: Modellrechnung zur Bevölkerungsentwicklung der Bundesrepublik Deutschland ( 2004)

[4] vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland: Statistische Jahrbuch für die BRD ( jährlich)

[5] vgl. Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands (2002)

[6] vgl. Hradil: Bevölkerungsentwicklung und Gesellschaftsveränderung in den kommenden Jahrzehnten (2001)

[7] vgl. Hradil: Soziale Ungleichheit in Deutschland (2001)

[8] vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland: Datenreport 2002 (2002)

[9] vgl. Zimmermann/Bauer/Bonin/Fahr/Hinte, Arbeitskräftebedarf bei hoher Arbeitslosigkeit

[10] vgl.Daten und Fakten zur Ausländersitutation (1999/2002)

[11] vgl. Lederer/Rau/Rühl: Migrationsbericht 1999. Zu- und Abwanderung nach und aus Deutschland (1999)

[12] vgl. Bundesministerium des Inneren, Zuwanderungspolitik auf http://www.bundesregierung.de/Politikthemen/Innenpolitik-,6812/Zuwanderung.htm (2004)

[13] vgl. Miegel/Wahl: Das Ende des Individualismus. Die Kultur des Westens zerstört sich selbst (1998), S.107ff

Details

Seiten
49
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638343503
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34021
Institution / Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
320 (400)
Schlagworte
SICHERUNG LEISTUNGSFÄHIGKEIT UNTERNEHMEN DEUTSCHLAND Möglichkeiten Grenzen Leistungserstellung Immigration Arbeitskräfte

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Titel: SICHERUNG DER LEISTUNGSFÄHIGKEIT DER UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND: Möglichkeiten und Grenzen der Leistungserstellung durch Immigration ausländischer Arbeitskräfte