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Bildung im Alter. Biografiearbeit als Bildung für Bildung?

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Alter
2.1 Veränderte Lebensbedingungen und Konsequenzen

3. Bildung
3.1 Bildung im Alter
3.2 Die Bedeutung der Biografie für die Bildung im Alter

4. Biografiearbeit
4.1 Funktionen von Biografiearbeit

5. Biografiearbeit als Bildung für Bildung? (Fazit und Kritik)

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es erscheint [1] trivial in dieser Arbeit zu Beginn auf den demographischen Wandel in Deutschland hinzuweisen, um den Blick auf die Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen zu richten. Gepaart mit dem subjektiven Empfinden, dass genau diese Altersgruppe durch Seminarangebote im Studium der Erziehungs- und Bildungswissenschaft bisher eher unbeachtet geblieben ist[2], erscheint es aber dennoch sinnvoll. Bereits im Jahr 2020 werden 24 % der Bevölkerung mindestens 65 Jahre alt sein (im Jahr 2008 = 20 %), 2060 sogar 34 %, während der Anteil der unter Dreißigjährigen beständig sinkt (vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S. 14ff). Dieses gegensätzliche Verhältnis zwischen einer alternden Gesellschaft und der geringen Beachtung dieser Zielgruppe im aktuellen Studium sorgte für die thematische Ausrichtung dieser Arbeit.

Schon zu Beginn der Literaturrecherche kam die Frage auf, welche besonderen Merkmale das Leben älterer Menschen gegenüber jüngeren Generationen ausmacht. Auch ohne eingehendes Befassen mit diesem Themenbereich kann man davon ausgehen, dass sich die Altersphase grundlegend von Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter unterscheidet. Schon mit Blick auf die eigene Familie stellt man fest, dass z.B. Großeltern in völlig anderen Rhythmen leben als die Eltern. Mit den Älteren assoziiert man fast automatisch Schlagworte wie Freizeit oder Freiheit. Genauso aber auch Krankheit, Immobilität oder Verfall. Hier werden schon positive und negative Aspekte des Alters erkennbar. Doch was bedeuten geänderte Lebensumstände im Alter für die Menschen? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Pädagogik, die sich dieser ständig wachsenden möglichen Adressatengruppe gegenübersieht? Häufig trifft man auf den Begriff der Geragogik, welche sich in der Vergangenheit als Teildisziplin der Pädagogik herausgearbeitet hat und sich mit den spezifischen Anforderungen und Zielen von Bildung im Alter beschäftigt (vgl. Kricheldorff 2010, S. 101). Ziel dieser Arbeit ist es, herauszustellen, dass Bildung auch im Alter mit Blick auf Begriffe wie lebenslanges Lernen noch ein großer Stellenwert zugeschrieben werden kann. Daran angeschlossen werden Überlegungen die sich damit befassen, dass im Alter ein Großteil des Lebens schon durchlaufen wurde. Alle Hürden im Verlauf des bisherigen Lebens wurden von jedem Menschen auf seine ganz eigene Art bewältigt. Hochs und Tiefs haben geprägt. Die eigene Biografie dürfte also ein äußerst bedeutsamer Faktor für das Handeln in der Gegenwart und Zukunft sein. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie ist wiederum Gegenstand des Forschungsbereichs der Biografiearbeit. Biografiearbeit im Kontext veränderter Lebensbedingungen und der Bedeutung von Bildung im Alter führt zur zentralen Fragestellung dieser Arbeit: Kann Biografiearbeit als Hilfe zur Bildungsbeteiligung im Alter gesehen werden?

Bei der Klärung dieser Fragestellung wird auf theoretischer Ebene verblieben, was bedeutet, dass gerade der Bereich der Biografiearbeit nicht mit expliziten Handlungsanweisungen und Formen der praktischen Arbeit abgehandelt wird.

2. Alter

Zunächst ist es notwendig, zu klären, wer für diese Arbeit überhaupt als alt gilt. Für keine andere Altersgruppe dürfte es so schwer sein, eine geeignete Eingrenzung zu treffen, um sie zu definieren. Alter erscheint zunächst als sehr subjektive Wahrnehmung, was durch Aussagen wie „Man ist nur so alt, wie man sich fühlt“ widergespiegelt wird. Aus der Sicht eines Jugendlichen könnte schon jemand ab 40 (oder noch jünger) als alt angesehen werden. Ein Vierzigjähriger dürfte dahingehend durchaus anderer Meinung sein. Und noch im Alter von 80 kann man sich z.B. aufgrund einer guten Gesundheit immer noch nicht alt fühlen. Die subjektive Wahrnehmung erscheint im Hinblick auf das gefühlte Alter also als wenig sinnvoll, um eingrenzend zu wirken. Aber auch in der Betrachtung des biologischen Alters stößt man auf Probleme. Ab welchem Alter ist man nun alt? Orientierung kann die Normalbiografie geben, die das zeitliche Durchlaufen der Phasen Kindheit, Jugend, Erwachsen und Alter beinhaltet (vgl. Jansen 2009, S. 17). Integriert und vergleicht man diese Phasen mit dem Bevölkerungsbericht des Statistischen Bundesamtes (2009), könnte man die biologischen Alter den Phasen wie folgt zurechnen: 0-19 = Kindheit und Jugend, 20-64 = Erwachsen und ab 65 = Alt. Die Jugendphase bis 20 einzugrenzen, wobei die Kindheit gar nicht eigenständig dargestellt wird, spiegelt sicher nicht die Realität wider. Das Konstrukt soll aber mit Fokus auf die Altersphase im Moment beibehalten werden. Erkennbar ist ganz klar die Fixierung auf das 65. Lebensjahr als Regelaltersgrenze zum Eintritt in die Rentenversicherung. Als Untergrenze, um als alt im Sinne der hier betrachteten Zielgruppe angesehen zu werden soll nicht punktgenau das Alter von 65 Jahren angesehen werden, sondern der damit einhergehende Austritt aus dem Erwerbsleben. Was das heutige Alter kennzeichnet „ist die Entberuflichung und die damit freigesetzte ‚Altersfreizeit‘ bei überproportional gestiegener Lebenserwartung“

(Böhnisch 2012, S. 102). Dem einleitend beschriebenen Schlagwort der Freizeit soll hier also prinzipiell gefolgt werden, da man im Alter nicht mehr der Struktur der Erwerbstätigkeit folgen muss (aber dennoch kann).

Während der Beginn der Altersphase damit ungefähr bestimmt ist, lässt sich das Ende durch den Tod eindeutig festlegen. Geht man davon aus, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in der Zukunft weiter steigt, nimmt die Altersphase damit einen Großteil – wenn nicht sogar den größten – des Lebens ein. Während sich die Jugendphase z.B. durch gestiegene Ausbildungszeiten verlängert und die Altersphase zeitgleich durch gehobene Lebenserwartung verlängert, verkürzt sich die Lebensphase im mittleren Alter (vgl. Kade 2007, S. 15). Trotz der etwas schwammigen Darstellung des Eintritts in das Alter (da zeitlich schwer zu bestimmen), soll diese Ansicht hier beibehalten werden, um den Kern des Alters als Phase der Entberuflichung hervorzuheben.

2.1 Veränderte Lebensbedingungen und Konsequenzen

Eine der größten Veränderungen mit Eintritt in die Altersphase wurde im vorangegangenen Kapitel schon angesprochen: Die Entberuflichung. Mit dem Austritt aus dem Erwerbsleben einher geht eine einschneidende Umstellung, da die vorangegangene Lebensphase zeitlich überwiegend durch das Arbeitsleben strukturiert wurde, wobei dies auch für Menschen gilt, die nicht direkt im Arbeitsprozess als Arbeitnehmer teilnahmen. Zu erwähnen sind hier z.B. Ehepartner, die sich der Hausarbeit widmen, die wiederrum durch die Zeitabläufe des arbeitenden Partners strukturiert werden (vgl. Böhnisch 2012, S. 274). Brechen diese Strukturen weg, schwindet auch der gewohnte Lebensrhythmus. An dieser Stelle wird das Leben in gewisser Weise nicht mehr fremddiktiert. Ein Kann tritt an die Stelle des Muss. Die Erwerbstätigkeit soll nicht auf den einzigen Sinn im Verdienen des Lebensunterhalts reduziert werden, doch spielt der finanzielle Aspekt eine große Rolle. Dieser wird nun ausgefüllt von staatlichen (oder auch privaten) Altersabsicherungssystemen. Der Mensch muss also nicht mehr notwendigerweise einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sondern er kann sein Leben gestalten wie er möchte. Zunächst ist dieser neue Zustand als durchweg positiv zu sehen, da sich viele Menschen auf die Altersphase freuen dürften, um sich ganz den eigenen Interessen widmen zu können. Diese Art von Freiheit kann allerdings auch dazu führen, dass man sich in der gewonnenen Freiheit verliert und nicht weiß, was man mit sich anfangen soll (vgl. ebd., S. 276). Diese ganz individuelle selbstbestimmte Lebensgestaltung erfordert also Kompetenzen in der Selbstverwirklichung im Sinne eines „Was will ich (für mich) tun?“

Die gewonnene Freizeit kann z.B. durch den intensiven Kontakt mit dem eigenen sozialen Netzwerk ausgefüllt werden. Doch auch hier tritt mit steigendem Alter eine Veränderung ein, da im Zeitverlauf zunehmend die Todesfälle von Partnern, Verwandten, Freunden und Bekannten zu beklagen sind. Das soziale Netzwerk verkleinert sich und soziale Isolation droht. Das bedeutet aber nicht, dass alte Menschen keine neuen Kontakte knüpfen könnten. Hierbei kommt es aber vor allem auf die eigene soziale Anschlussfähigkeit an (vgl. Kade 2007, S. 49). Auf der anderen Seite werden neue Kontakte im Hinblick auf professionelle Helfer notwendig, falls der körperliche oder geistige Zustand dies erfordert.

Der vorherige Satz lässt schon andeuten, dass eine nicht zu verleugnende Begleiterscheinung des Alters der zunehmende körperliche, psychische und kognitive Funktionsverlust ist (vgl. ebd., S. 41). Das Leben neigt sich dem Ende zu und naturgemäß baut auch der Körper ab. Dieser Abbau kann allerdings nicht generalisierend auf die gesamte Altersphase angewandt werden. Klar ist, dass mit steigendem Alter solche Einbußen wahrscheinlicher werden. Das Alter allgemein als defizitär (Defizitmodell) zu bezeichnen ist aber genauso unangebracht, wie eine ausschließliche Betrachtung der Kompetenzen (Kompetenzmodell), da beides Seiten der Medaille Alter sind (vgl. Erlemeier 2009, S. 236). Der Mensch muss aber mit den eventuell eintretenden Defiziten umgehen können, da sie das Leben durchaus in schwerwiegender Weise beeinträchtigen und damit auch die o.g. Freiheit im Sinne von Freizeit einschränken können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Alter in der heutigen Gesellschaft nicht mehr nur als eine Art Restphase der Inaktivität und des Rückzugs aus dem Leben betitelt werden kann, sondern vielmehr als eigen zu gestaltende und zu bewältigende Phase angesehen werden muss. Durch die Häufung kritischer Lebensereignisse (z.B. Verlust des Partners; Krankheit), das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit und die Möglichkeiten zur freien Alltagsgestaltung fernab von gewohnten Zeitstrukturen, werden allerdings Kompetenzen bei den Menschen notwendig, die eine Lebensbewältigung unter diesen neuen Voraussetzungen ermöglichen (vgl. Böhnisch 2012, S. 270ff). Etwas schwierig erscheint die Annahme einer Selbstgestaltung des Lebens mit zunehmender Abhängigkeit von Hilfskräften und/oder – einrichtungen, sobald die Spuren des Alters deutliche Einschränkungen körperlicher oder geistiger Art zeigen. Doch auch hier muss es möglich sein durch Betreuungsangebote den „Alten Ansätze – wie beschränkt sie durch Krankheit und Behinderung auch immer sein mögen – für ein ‚eigenes Leben‘ – im Anerkennungskreis Menschenwürde – zu ermöglichen“ (ebd., S. 273). Die Altersphase ist von Veränderungen und die Anpassung an neue Lebensumstände geprägt. Um diese gewandelten Bedingungen zu bewältigen stellt Bildung ein zentrales Element dar, welches im nächsten Kapitel näher beleuchtet werden soll.

3. Bildung

Einen allgemein gültigen Bildungsbegriff zu finden scheint angesichts der Fülle an unterschiedlichen Definitionen schwierig bis unmöglich zu sein. Von Literatur zu Literatur trifft man auf verschiedenste Formulierungen, was genau in diesem Begriff enthalten ist, je nach Themen- und Untersuchungsschwerpunkt. So soll auch hier kein Anspruch auf eine universelle Begriffsbestimmung erhoben werden.

[...]


[1] Beim Erstellen dieser Arbeit wurde darauf geachtet, geschlechtsneutrale Formulierungen zu verwenden. War dies nicht möglich, wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form genannt, die jeweils das andere Geschlecht mit einbezieht.

[2] Gemeint ist hier der Eindruck des Autors von bisher besuchten und angebotenen Veranstaltungen in den ersten drei Semestern des Studiums.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668299931
ISBN (Buch)
9783668299948
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v340181
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Erziehung- und Bildungswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
bildung alter biografiearbeit

Autor

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Titel: Bildung im Alter. Biografiearbeit als Bildung für Bildung?