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Der Umgang und die Bedeutung von Medien für türkische Jugendliche in Deutschland

Diplomarbeit 2004 50 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1.Migration
1.2. Die Fünf Phasen der Medienkultur der Türken in Deutschland

2. Türkische Zeitungen
2.1. Die „Erste Türkische Zeitung in Deutschland“
2.2.„Die Neue Türkei. Illustrierte unabhängige Deutsch-Türkische Wochenschrift“, Jahrgang 1, Nummer 1, 1.Februar 1917

3. Gastarbeiterprogramme der ARD

4. Fernsehen als Medium
4.1 Türkischer TV-Sender vs. Deutscher TV-Sender

5. Die Internetnutzung der Jugendlichen
5.1. Türkische Internet-Nutzer sind Newcomer
5.2. Die Internetnutzung von Türken in Deutschland
5.3. Haushaltsausstattung des PCs in türkischen Haushalten von 1992
5.4 Die Haushaltsaustattung des PCs in türkischen Haushalten
5.5. Struktur der türkischen Internetnutzer
5.6. Welche Dienste bzw. Programme wird von den türkischen Jugendlichen genutzt

6. Welche kulturspezifische Medienkonzepte wurden für türkischsprachige Jugendliche entwickelt?

7. Deutschtürkisches Radio
7.1. Metropol FM – Radio – Deutschtürkisches Radio für Deutschtürken
7.2. Die Vorteile der Ethnomarketing
7.3. Statistiken von Metropol FM

8. Virtuelle Welten für türkische Migranten im www

9. Türkische Jugendliche im Internet
9. 1. Auswertung meines Interviews
9.2. Ein Auszug eines 1:1 Interviews

10. Wie wird die Zukunft der türkischen Domänen in den Medien in Deutschland in der nahen Zukunft aussehen?

11. Türkische Zeitungsleser 2000

12. Countdown läuft – Digitales Fernsehen in Rhein- Main

13. Bestimmungsfaktoren der Mediennutzung

14. Fazit

15. Literaturliste

Vorwort

Derweil gibt es nur wenig Informationsmaterial zu dem Thema „Türkische Migranten (Jugendliche) im Internet“. Deshalb wird ein Teil mit Quellenangaben aus dem Internet. bzw. des Interviews (Berlin, 22.Mai 2004) und meiner Hauptlektüre „Zwischen Abgrenzung und Integration. Türkische Medienkultur in Deutschland“, Rehburg-Loccum 2003, Teil 1 „Zwischen Autonomie und Gängelung- Türkische Medienkultur in Deutschland“ Teil 2, Rehburg-Loccum 2001 „Zwischen kultureller Zersplitterung und virtuelle Identität – Türkische Medienkultur in Deutschland Teil 3, Rehburg-Loccum 2003 bearbeitet.

Meine Arbeit umfasst die türkischstämmigen, sowohl als auch die bis zur jetzigen Generation der türkischen und kurdischen Bevölkerung die hier in Deutschland leben. Wie haben sich die Migranten vom Gastarbeiterradioprogramm bis zu dem heutigen Nutzen vom Internet entwickelt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Deutschen Sprache bei türkischen Jugendlichen und der tendenziell zunehmenden Angebote türkisch sprachiger Medien?

Mein Schwerpunktsthema betrifft das Internet, da das Thema Internet immer mehr an Bedeutung gewinnt. (Schule, Beruf, Privat) Welche zwingenden Möglichkeiten sind vorhanden, um einem sprachlichen Defizit der deutschen Sprache unter türkischen Jugendlichen entgegenzuwirken?

Die Quellen aus dem Internet kann man, sofern sie dort noch vorhanden sind nachlesen. Viele Quellen wurden von mir auf CD-Rom gespeichert.

Das erste Kapitel verdeutlicht den Umgang der damaligen Gastarbeiter mit der neuen deutschen Medienumgebung.

1. Einleitung

Das Thema „Der Umgang und die Bedeutung von Medien für türkische Jugendliche in Deutschland“ habe ich gewählt, da sich mein Interesse im Bereich türkische Medienlandschaft insbesondere die Vertretung dieses Landes und seiner Gesellschaft im World Wide Web in der letzten Zeit enorm gesteigert hat. Seitdem mein Bruder und ich einen Amiga 500 als Kind besaßen, war dies der Anfang, mich für Computer (Spiele) zu interessieren. Das Fernsehen stand auf meiner Beschäftigungsliste auf dem zweiten Platz. Ich erkannte, dass Medien und ihr dazugehöriger Einfluss auf den einzelnen Menschen mich sehr faszinierten. Als Kind bemerkte ich ganz deutlich, dass es mehrere Wege und Möglichkeiten gab, den einzelnen Bürger mit der jeweiligen Information zu bedienen, die er gerade brauchte: Nachrichten im Fernsehen, Musik im Radio, regionales aus der Zeitung oder eben wie es in meinem Fall war Spiele am Computer. Wie informierte sich allerdings eine türkische Durchschnittsfamilie (Vater, Mutter, zwei Kinder) er Arbeiter, sie Hausfrau, beide verstehen die Sprache ihrer Kinder nicht. Die vorliegende Arbeit spiegelt die Auseinandersetzung der Migranten, die als Gastarbeiter in den 60er nach Deutschland kamen bis hin zu den zweiten und dritten Generation in Deutschland lebender Türken mit den sogenannten „neuen Medien“ wider. Hierzu zählen Printmedien, Hörfunk und Fernsehen bis hin zum Internet. Für türkische Familien gab es jahrelang nichts wichtigeres, als vierzig Minuten lang „Köln-Radio“ zu hören. Seit 1964 bietet der WDR Köln Nachrichten und Informationen speziell für in Deutschland lebende Ausländer in der jeweiligen Sprache. „Die Sendung (…) war für die türkischen >Gastarbeiter< die einzige Gelegenheit, sich ausführlich über ihre Heimat zu informieren. Für hier aufgewachsene Türken gehören Sandmännchen, Sesamstrasse und Köln-Radio zum festen Repertoire ihrer Kindheitserinnerung.“(Die Türken in Deutschland brauchen mehr und andere Medien „Bedarf, wenig Angebot“ von Cem Özdemir)

In der Vorlesung von Fr. Huth – Hildebrandt Generation@2004.de kam die Frage auf: „Warum gibt es wenige Studien über Migrantenkinder in den Medien bzw. Internet?“ dies gab mir den Ansporn mich mit diesem Thema zu befassen. Da ich selbst gebürtige Türkin bin und somit als “Mitglied“ der größten Einwandergruppe hier in Deutschland zähle.

Als ich in Berlin Interviews durchführte um eine Statistik zu erheben, die den Grad der Mediennutzung türkischer Mitbürger bestimmen sollte, habe ich bemerkt dass bei türkischen Jugendlichen / Migranten zweiter und dritter Generation, das Thema „Internet“ rasant an Bedeutung gewinnt. Es steht fest, dass die Bedeutung des Massenmediums Internet in türkischen Haushalten an Gewicht zunimmt, weiter noch dass unsere durchschnittliche, türkische, vier köpfige Arbeiterfamilie an dieser Entwicklung teilhaben möchte.

Bemerkenswert ist auch die Selbstverständlichkeit eines türkischen Jugendlichen das Thema Internet, surfen und online- sein auch in seinen eigenen Räumlichkeiten zu integrieren. Einen PC zu haben ist mittlerweile Pflicht, einen Internetzugang zu besitzen die Kür, einen schnellen Zugang zu haben „DSL“: ein Status!

1.1 Migration

1961 begann das Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei. Ein Prozess der Arbeitsmigration. Die meisten türkischen Arbeitskräfte kamen aus den ländlichen Regionen Anatoliens, die vorwiegend von einer agrarischen Lebensweise geprägt sind. Es kamen vorwiegend männliche Migranten, dessen Aufenthalte in Deutschland begrenzt waren, um sich dann mit dem ersparten Geld eine eigene berufliche Perspektive bzw. Selbstständige Existenz aufzubauen. Als die Unternehmen bzw. die Arbeiter merkten, das durch das wechselnde Arbeitskräfte unrentabel war. Ende der sechziger Jahre, wurde die Familienzusammenführung eingesetzt. 1973 wurde erstmals in Deutschland ein Anwerbestopp eingeführt. Grund: Ölkrise. Durch die Zusammenführung der Familien richtete die erste Generation auf ein längeres verbleiben in der Bundesrepublik ein, dennoch war aber die Rückkehr der Gastarbeiter im eigenen Land hoch 1981 kam es zu einer ersten Rückkehrwelle türkischer Arbeitsmigranten, welches durch das „Gesetz zur Förderung, der Rückkehrbereitschaft von Ausländern“ getragen wurde. Jetzt ist die dritte Generation im Lebensmittelpunkt und somit auch Heimat in Deutschland finden. In den Neunzigern gaben 69 Prozent der Türken an, in Deutschland bleiben zu wollen. Deutschland wurde zum Heimatland, die Türkei immermehr zum Urlaubsland .

1.2. Die Fünf Phasen der Medienkultur der Türken in Deutschland

„In den letzten Jahrzehnten hat sich die türkische Medienlandschaft in Deutschland entscheidend gewandelt.“ (Zwischen Abgrenzung und Integration – Türkische Medienkultur – Teil 1, Rehburg-Loccum,2003 von Jörg Becker/Reinhard Behnisch Seite 5 Vorwort). In dieser ersten Phase gab es noch keine türkischsprachige Fernsehprogramme, so verfolgten auch die türkischen Radioprogramme das Ziel, die in Deutschland lebenden Türken einerseits über aktuelle Ereignisse im Gastland, vor allem betreffend der Situation der Türken, zu informieren, anderseits ihre nationale Identität und ihre Bindung an die Heimat zu sichern, denn viele der Türken planten sowieso nicht allzu lange in Deutschland zu bleiben.“ (Zwischen Abgrenzung und Integration – Türkische Medienkultur – Teil 1, Rehburg-Loccum 2003 M. Nail Alkan „Brückenschlag oder Barriere Türkisch – Deutsche Pressebeziehung Seite 54) Am 17. Dezember 1965 wurde die erste fremdsprachige Sendung in den WDR Senderreihen „Ihre Heimat – Unsere Heimat“ gesendet. Im Jahr 1966 wurde dann vom ZDF die Senderreihen „Nachbarn in Europa“ produziert und in sechs Sprachen ausgestrahlt. Seit 1973 wurde in diese Sendung auch „ein Brief aus der Türkei“ aufgenommen, die vom TRT produziert wurde. Diese Medienangebote fanden bei der türkischen Bevölkerung in Deutschland großen Zuspruch. 1980 sahen 75 bis 80 Prozent der Türken in Deutschland die wöchentlichen Fernsehprogramme für Ausländer. Die täglichen Radioprogramme hörten nur noch 40 bis 60 Prozent der Türken.

Die Dritte Phase begann in den Achtzigern, die Einschaltquoten der Ausländerprogramme gingen zurück. Grund: Unter der türkischen Bevölkerung in Deutschland gewannen die Videokassetten an Bedeutung, welche aus der Heimat importiert oder in türkischen Lebensmittelgeschäften ausgeliehen worden sind. – davon 80 Prozent türkische Spielfilme, 20 Prozent Unterhaltung und Sport -. Fazit: Die Türken in Deutschland wollten zwar etwas aus der Umgebung sehen ( Nachrichten aus Deutschland ), ihr Hauptinteresse jedoch galt den Informationen aus der Heimat.

Vierte Phase Kabelfernseher

Durch die Verkabelung Anfang der neunziger Jahre wurde die Versorgung der Bevölkerung mit dem türkischen (staatlichen) Fernsehsender TRT-INT ermöglicht. 1993 verfügten 58 Prozent aller türkischen Haushalte in Deutschland Kabelanschluss. So ging der Videoverleih des türkischen Marktes verloren, da nach dreißig Jahren in Deutschland für die türkische Bevölkerung eine Marktlücke gefüllt wurde, die in der Lage war Unterhaltung und Informationen aus der Heimat gleichzeitig ohne Zeitlimit durch ein Medium konsumieren zu können.

Phase Fünf: Anfang der neunziger Jahre in der Türkei wurden die Privaten Fernsehsender gegründet, bemerkt wurde, dass in Deutschland für ihre Landsleute dieser Sender fehlen und sendeten diese Programme über Satellit weiter.

Phase sechs: Durch die wachsende Zahl der türkischen Arbeitnehmer in Deutschland wagten Mitte der sechziger Jahre einige große türkische Zeitungen den Sprung nach Deutschland. Bis 1971 wurden die Zeitungen per Flugzeug nach Deutschland geschickt, durch die weitere anwachsende Zahl der Türken in Deutschland entschieden dann die großen Zeitungen ihre eigene Druckereien und Redaktionen in Deutschland zu errichten. Heute erscheinen in Deutschland neun Tages- und zwei Wochenzeitungen. (Zwischen Abgrenzung und Integration – Türkische Medienkultur – Teil 1 von Jörg Becker /Reinhard Behnisch Seite 5) In der Lektüre sind Daten und Feststellungen bis 2000, welche sich in meiner Hauptlektüre Teil 3 von mal zu mal geändert haben. Auch im Jahr 2000 ist/war die Kaufkraft der Türken in Deutschland höher. Türkische Haushalte geben mehr Geld für Heimelektronik, alltägliche Gebrauchsgüter und Autos aus als vergleichbar deutsche Haushalte. „Mit einem Marktanteil von über 70 Prozent ist die türkische Tageszeitung Hürriyet, die am häufigsten genutzte Informationsquelle der in Deutschland lebenden Türken“. Viele türkische Zeitungen haben zwei bis sechs Seiten einen anderen europäischen Inhalt, als die die in Istanbul/Türkei gedruckt werden. Grund: Die Redaktion in Deutschland erstellt in Absprache mit den Zentralredaktionen Beiträge, die in der türkischen Redaktion mit deutschen Anzeigen in die tagesaktuellen Ausgaben einmontiert werden. Vor allem diese Europa-Ausgaben sind es, die das Deutschlandbild der in Deutschland lebenden Türken prägen und beeinflussen. (Zwischen Abgrenzung und Integration. Türkische Medienkultur Teil 1, Rehburg-Loccum von M. Nail Alkan Seite 56 „Brückenschlag oder Barriere Türkisch – Deutsche Pressebeziehung)

Zusammenfassung des ersten Kapitels: Nach dem Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei ging es den Arbeitern einzig darum ihren finanziellen Status durch Arbeit in Deutschland aufzubessern, ihre daheim gebliebenen Familien zu unterstützen um baldmöglichst wieder die Rückreise anzutreten. Die heutige Generation erkennt Deutschland als Zuhause an und die Türkei als heimatliches Urlaubsland. Informationen mittels gängigen Medien wie Zeitung, Fernsehen oder Internet sind für die hier lebende türkische Bevölkerung die fundamentalen Faktoren, um den nahen Kontakt zum Heimatland aufrecht zu erhalten. Es fing mit einer 45 minütig Radiosendung an und erreicht ihren aktuellen Höhepunkt mit der Informationsflut via Internet.

2. Türkische Zeitung

Im zweiten Kapitel hebe ich die bereits geschichtlich fundierte Zusammenarbeit Deutsch Türkischer Medieninteressen hervor. Und das, bevor es zu dem sogenannten „Anwerberabkommen“ in den 50 und 60 Jahren kam. Das Ergebnis dieser medialen Zusammenarbeit war die nicht mehr auf dem Deutschen Markt existierende zweisprachige Zeitung „Die Neue Türkei“. Es wurde als „Fenster“ in den Orient propagiert und dem in Deutschland lebenden Türken sollte diese Zeitung das inländische Gefüge deutlicher vermitteln, den Einblick in das deutsche Land und die Seele des deutschen Volkes gewähren.

2.1. Die „Erste Türkische Zeitung in Deutschland“

Am 01.Februar1917 erschien in Berlin die erste Nummer der Zeitung „Die neue Türkei“ in den Texten möchte ich zeigen, dass schon damals in Deutschland türkischen Jugendlichen mit Medien konfrontiert worden sind. „Die neue Türkei“ war eine Illustrierte unabhängige Deutsch-Türkische Wochenschrift. „Dem deutschen Volk brachte die Zeitung, etwas aus dem Orient mit, den Türken aber die Neuigkeit Deutschlands und der übrigen Welt. Die Zeitung wird für den Deutschen das Fenster sein, von welchem aus er die Türkei sieht, dem Türken aber soll sie den Einblick in das deutsche Land und die Seele des deutschen Volkes gewähren.“ (Zwischen Autonomie und Gängelung – Türkische Medienkultur in Deutschland Teil 2, Rehburg-Loccum 2002 von Ahmet Atilla Dogan, Die Internetnutzung der Türken in Deutschland Seite 97) Diese Zeitung erschien zweisprachig, einmal in lateinischer Druckschrift für die deutsche und in arabischen Schriftzeichen für die türkische Sprache. Herausgegeben von Dr. M. Saadis. Thema bzw. Reden, wie „Verbrüderung der beiden Staaten und Völker“ „aufrichtige Freundschaft“. Zu ersehen aber auch die Erklärung des Islams, da dieser falsch und irrtümlich dargestellt werde. Besonderes Anliegen dieser Zeitung war es „die Rolle der Frau in der Türkei“ aufmerksam zu machen. Eine besondere Seite der Zeitschrift wird der Frau gewidmet. Welches wie in Punkt 3.2. zu lesen ist.

2.2. „Die Neue Türkei. Illustrierte unabhängige Deutsch-Türkische Wochenschrift“, Jahrgang 1, Nummer 1, 1.Februar 1917

Das Programm der „Neuen Türkei“

Unter der hiesigen Zeitungen taucht heute zum ersten Male ein neuer, fremdartiger aussehender Kollege auf, der zu seinen Lesern nicht wie diese in einer Sprache spricht, sondern sich an zwei Völker in ihrer Muttersprache wendet, an ein Volk des Nordens und an ein Volk des Ostens, sein Name ist „Die Neue Türkei“.

„Die Neue Türkei“ ist ins Leben gerufen worden, um zwischen Deutschland und der Türkei eine aufrichtige Freundschaft und volles gegenseitiges Verständnis zu schaffen und zu fördern und dahin zu wirken, dass sich diese Freundschaft nicht nur auf militärische Verbrüderung erstreckt, sondern das gesamte Volk beider Länder umfasst .Zweck der vorliegende Zeitschrift ist es, das Verständnis zwischen dem Deutschen und dem türkischen Volke zu mehren, die Gebräuche, die Sitten, die Gesetze, den Charakter, kurz alles Wissenswerte und Interessante des einen und des andern dem gegenseitigen Verständnis nahe zu bringen.

Des Weiteren ist das Bestreben der „Neuen Türkei“ darauf gerichtet, die Entwicklung der wirtschaftlichen Verbindung zwischen beiden Ländern zu verfolgen und zu pflegen. Gleichwie jeder Deutsche und jeder Türke Bundesbrüder sind und auf ein gemeinschaftliches Ziel zugehen, sollen auch der Handel und die Industrie beider Länder vereint arbeiten und schaffen und durch gegenseitigen Austausch zum Nutzen jedes Landes zu höchster Blüte gelangen. Dies soll sich nicht nur auf große Unternehmungen beziehen, denn wie der Herausgeber der vorliegenden Zeitschrift in Konstantinopel erfuhr, begünstigt die türkische Regierung keineswegs das Wachstum des Syndikalismus, ob groß oder klein soll ein jeder teilhaben an dem Werk. „Die Neue Türkei“ will dem Handel und der Industrie der beiden Länder neue Wege öffnen und freie Bahn schaffen, sie wird jeden Deutschen und jeden Türken die sich suchen, der Mittler sein.

Die Politik der „Neuen Türkei“ wird den gleichen Weg verfolgen, den der Gründer in vielen Artikeln dargelegt hat, die in Berliner Zeitungen, in den verschiedenen Blättern des Reiches sowie der türkischen Zeitung „Ikdam“ veröffentlicht wurden. „Die Neue Türkei“ ist eine unabhängige, unparteiische Zeitung, die einerseits der Hüter der verschiedenen Interessen der Heimat sein wird und anderseits die Verbrüderung der beiden Staaten und Völker schützen und fördern will. „Die Neue Türkei“ – an erster Stelle der Herausgeber, der sich mit diesem Problem bereits viele Jahre in anderen Ländern Europas beschäftigt hat – will die Gesetze und Gebräuche des Islams, die oft in falscher irrtümlicher Weise bekannt geworden sind, dem Verständnis der modernen Welt näherführen. „Die Neue Türkei“ wird neuen, fortschrittlichen und freiheitlichen Ideen dienen und vor allem das Bestreben verfolgen, die Stellung der türkischen Frau freier und einflussreicher zu gestalten. Eine besondere Seite der Zeitschrift wird der Frau gewidmet sein. Hier werden die Briefe, die dem Redakteur in türkischer wie auch in deutscher Sprache zugehen, veröffentlicht werden. „Die Neue Türkei“ wird allwöchentlich dem deutschen Volk Nachrichten aus der Türkei und dem Orient bringen, den Türken aber die Neuigkeit Deutschlands und der übrigen Welt vermitteln, sie wird für den Deutschen das Fenster sein, von welchem aus er die Türkei sieht, dem Türken aber soll sie den Einblick in das deutsche Land und die Seele des deutschen Volkes gewähren.

Damals gab es nicht nur türkische Zeitungen, auch in der Türkei hatte die seit 1995 existierende deutsche Zeitung „Türkische Allgemeine Zeitung“ ihre deutschsprachige Vorläufer die „Osmanische Post (1890 – 1895); „Konstantinopler Handelsblatt (1896)“ Osmanischer Lloyd (1908-1918)“ oder die „Türkische Post (1926-1939)“. Und damals wie heute, gab es an den deutsch-türkischen Medienbeziehung ein aktives und Politik steuerndes Gestaltungsinteresse der deutschen Regierung. (Zwischen kultureller Zersplitterung und virtueller Identität -Türkische Medienkultur Teil 3, Rehburg-Loccum 2003 von Jörg Becker „Die Deutsch-Türkische Medienrevolution:„Weitere sieben Meilensteine“ aus „Geschichte und Tradition“ S.51)

3. Gastarbeiterprogramme der ARD

Am 21.Mai 1964 wurde das erste türkischsprachige Radioprogramm vom WDR in Köln unter dem Namen „Köln Radyosu“ ausgestrahlt. Was ich an dem Bericht von Jörg Becker wirklich erstaunlich und interessant finde, ist es das wie er alles belegt sehr eindrucksvoll ist, ich selbst habe oft gelesen das man die ARD immer wegen des Radioprogrammes „Köln Radyosu“ hochgelobt und nur Symphatie bekommen hat nie etwas negatives, obwohl ich in meinen Interviews auch selbst bemerkt habe wie manche diesen Sender (zweite Generation) dies noch von ihren Eltern aus kannten und die dritte Generation fast gar nicht.

Jörg Becker, zeigt in seinem Text weiterhin eine vom WDR eigene Untersuchung von 1996, Ergebnis, dass von allen in NRW lebenden Türken das türkischsprachige Hörfunkangebot des WDR nur drei Prozent aller Türken gehört wird. (Eckhardt, Josef Nutzung und Bewertung von Radio – und Fernsehsendung für Ausländer, in: Media Perspektiven, Nr8/1996 Seite 451-461 selbst übernommen. Bei Jörg Becker Zwischen kultureller Zersplitterung und virtueller Identität – Türkische Medienkultur in Deutschland 3, Rehburg-Loccum „Zangenbewegung Teil 1 Missachtung durch die ARD Seite 55).

Folge: Das muttersprachliche Hörfunkangebot für Migranten wurde inhaltlich und finanziell verkürzt. Und von 1993 bis 1995 sank beim WDR der Anteil ausländischer Mitarbeiter sogar leicht von 3,2 Prozent auf 3 Prozent.

1999 nahm der WDR Abschied vom alten Gastarbeiterradio und entwickelte mit der Einrichtung des „Funkhaus Europa“ ein neuartiges Sendeformat. In einer Art zwei Säulen Modell sendet „Funkhaus Europa“ tagsüber ein Tagesbegleitprogramm in deutscher Sprache, und frühmorgens und abends Zielgruppensendungen in anderen Sprachen. Nach dem völligen Ausstieg des Südwestrundfunks (SWR) zum 01.01.2003 aus den Fremdsprachenprogramm der ARD (also auch aus türkischsprachigen Sendungen) sendet die ARD gegenwärtig täglich nur noch 30 Minuten in türkischer Sprache im „Funkhaus Europa“ des WDR und weitere 60 Minuten bei „Radio MultiKulti“ beim SFB 4 in Berlin.

Jörg Becker zeigt auf, dass ARD und ZDF selbst verschuldet seien, da sie für das Rundfunksgeld anderen Fernsehsendungen wie Arte - TV, Phoenix, usw. … mehr investiert hatten, als für den türkischen Mitbürger. So wanderten die Türkische Fernsehnutzer zu den Türkischen TV-Sendern wie Kanal D, Show TV, ATV, und andere.

4. Fernsehen als Medium

4.1 Türkischer TV-Sender vs. Deutscher TV-Sender

In Deutschland wohnen nun mehr als zehn Millionen Menschen ausländischer Herkunft, wobei der hier lebenden Türken und türkischstämmigen Deutschen sich auf etwa drei Millionen beläuft. Durch die enge Verbundenheit zu der eigenen Heimat gibt es einen hohen Bedarf an türkischen Fernsehprogrammen. 75 Prozent der türkischen Haushalte in Deutschland ist die Mediennutzung zu ersehen, wohingegen 23 Prozent der deutschen TV Sender einen Marktanteil haben. Bei den mit Satellitenempfang ausgestatteten Haushalten fällt dieses Verhältnis, noch extremer aus. Türkischer TV-Sender 81 Prozent, deutscher TV-Sender von gerade einmal 17, 5 Prozent.

Durch die schwere Anbringung (bautechnische Schwierigkeiten oder ästhetisches Problem an Balkonen, Häuserwänden und Dächer), hoher Kostenaufwand hat nun eine Reihe von Kabelnetzbetreiber (Bosch, Kabel Iesy, usw.…)eine Alternative gefunden. Für die Türken bedeutet dies, dass ein Abonnement für die Türkischen Kanäle (Show TV, Kanal D, ATV, Kanal 7, und TGRT) für Monatlich zur Zeit 5,- Euro erhalten können. Bezahlt man 15,- Euro mehr erhält der Haushalt noch zwei weitere Programme Lig -TV = 24 Stunden Fußballprogramm (türkische Bundesliga) und Sinema Turk = Rund um die Uhr Türkische Filme. Jeder erhält eine Smartcard mit dem dazugehörigen D-Box Kasten (gleiche Art wie Premiere- Abonnement). Kernzielgruppen sind Kunden mit Kabelanschluss und Satelliten TV, 54% der türkischen Haushalte in Deutschland verfügen über einen Kabelanschluss, welches sich auch jedes Mal steigert.

Aus Jörg Beckers Text geht auch hervor, dass seit 1992 von dem Marktforschungsunternehmen DATA4U in Berlin zu türkischen Fernsehnutzung in Deutschland (das sind inzwischen rund 100.000 Interviews) zeigen gleich bleibend folgende Trends: deutsches Fernsehen spielt eine Untergeordnete Rolle; türkisches ist bei weitem beliebter als deutsches Fernsehen; auch wenn ältere Deutsch-Türken mehr türkisches Fernsehen gucken als die Altersgruppe der 14 – 29 jährigen Deutsch – Türken, bevorzugt auch diese jüngste Altersgruppe mit knapp fünfzig Prozent, das türkische vor dem deutschen Fernsehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: „Zwischen kultureller Zersplitterung und virtueller Identität – Türkische Medienkultur in Deutschland Teil 3, Rehburg-Loccum, 2003 Seite 60 von Data4U, Berlin

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Zwischen kultureller Zersplitterung und virtueller Identität- Türkische Medienkultur in Deutschland Teil 3 von Derman Kanal „Das türkische Fernsehen der Zukunft Herausforderung und Chancen von Fremdsprachenprogrammen im digitalen TV-Kabelnetz am Beispiel von Eutelsat und visAvision Seite.95 Marktanteil türkischer und deutscher Haushalten)

Zusammenfassung des vierten Kapitels: In dem vierten Kapitel sind, wie auf den Diagrammen zu ersehen, die Fernseheinschaltquoten höher als die der Deutschen Zuschauer. Grund: Die in Deutschland lebende türkische Bevölkerung ab 14 Jahren haben zu ihrer eigenen Heimat eine engere Verbundenheit und somit einen höheren Bedarf an Informationen, die sie über ihre Heimat erhalten möchten, hinzu kommt das gesteigerte Interesse an der eigenen Sprache.

5. Türkische Jugendliche im Internet

Das fünfte Kapitel befasst sich mit dem stetig steigenden Interesse türkischer Jugendlichen der 2. und 3. Generation in Bezug auf das Thema Internet. Wandlung und Verschiebung gängiger Informationsquellen hin zu Onlineangeboten im Bereich Nachrichten, Kultur und Gesellschaft.

5.1. Türkische Internet-Nutzer sind Newcomer

Im Text „Türkische Internet-Nutzer sind Newcomer“ wird die Aussage, dass von den in Deutschland lebenden Türken ein großer und somit wichtiger Anteil Internetnutzung betreibt, besonders hervorgehoben. „Liegt der Einstieg der in Deutschland lebenden türkischen Mitbürger im Alter von 14 bis 69 Jahren ins Internet zwar erst bis zu einem Jahr zurück, so gehören die Türken allerdings zu den „Heavy Usern“, wenn 81 Prozent von ihnen das World Wide Web mindestens zwei- bis dreimal in der Woche nutzen.“ (Quelle: http://ibusiness.de/members/aktuell/db/968975948.html (Dies ist ein zentrales Ergebnis der aktuellen Marketingstudie "Türkische Mitbürger in Deutschland", Befragung unter 1001 türkischen Mitbürgern von TNS EMNID Stand 15.09.2000).Stand 09/2000)

Als sogenannte „Heavy User“ werden jene Kunden bezeichnet, die - im Gegensatz zu den „Light Usern“ - ein Produkt oder eine Dienstleistung besonders häufig in Anspruch nehmen und daher die zentrale Zielgruppe für Marketingmaßnahmen darstellen. (z.B. "Heavy User Surfer surfen besonders ausgiebig im Internet“, http://www.zasterbox.de/bonitaet/Heavy-User-cms_590.html)

Nachdem mehrere türkischsprachige Angebote für Migranten (z.B. vaybee.com, metropolfm.de, usw.) im World Wide Web aufzufinden sind, wie der freie Journalist Atilla Azrak, (http://www.digitalechancen.de/content/stories/index.cfm/key.1495/secid.8/secid2.67 Integration und Internet: Wie nutzen Migranten das Internet von Atilla Azrak) zu dem Thema schreibt, haben die deutschen Medien „regelrecht verschlafen“, spezielle Angebote für Migranten zu produzieren. Es gibt zwar schon seit 40 Jahren das fremdsprachige Radioprogramm der ARD, dieses hat jedoch keine Überlebenschancen gegenüber den TV-Angeboten der Türkei oder des türkischen Radiosenders Metropol-FM in Berlin mit seinen 24 Stunden Programm.

Nicht der pensionierte Gastarbeiter hängt über der Tastatur und tippt sich die Finger wund, sondern jugendliche Migranten aus fast allen Bevölkerungsschichten (der Azubi wie auch der Student, verbringt Stunden im Internet und surft und chattet). Der Erfolg des türkischen Internetportals wie z.B. www.vaybee.com lässt sich sehr gut an der Anzahl registrierter User messen. Die Anmeldungsrate hat sich in den letzten 4 Jahren von 13000 auf ca. 300.000 Mitglieder mehr als verzwanzigfacht. Nach einer Studie von TNS – Emnid sind mehr als die Hälfte der Deutschen im Internet und nutzen das WWW. Eine vergleichbare Studie für Migranten gibt es nicht, allerdings hat die Lab One Marketingagenur GmbH Türkische Mitbürger befragt und stellt fest: 25 Prozent der Deutschtürken haben Zugang zum Internet. Davon verbringen wiederum 35,6 Prozent mehr als 7 Stunden im Netz. Aber nicht in erster Linie zum Chatten oder Einkaufen wird das Internet benutzt- die Mehrheit der befragten Surfer (71,2 Prozent) will ihren Informationsdurst stillen, ob sie dabei rein türkische Angebote besuchen oder spezielle Angebote für Migranten aufsuchen, wurde nicht festgestellt. (Stand 01/2004 Pdf-Datei: „Wie nutzen Migranten und Migrantinnen das Internet?“ Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit)

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Details

Seiten
50
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638343343
ISBN (Buch)
9783638704298
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34002
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
2
Schlagworte
Umgang Bedeutung Medien Jugendliche Deutschland

Autor

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