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Spracherwerb hörgeschädigter und gehörloser Kinder

Hausarbeit 2016 12 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gehörlosigkeit
2.1 Definition
2.2 Grade der Hörschädigung
2.3 Erkennen einer Hörschädigung: Neugeborenenscreening
2.4 Risikofaktoren
2.5 Technische Unterstützung
2.5.1 Hörgeräte
2.5.2 Cochlea-Implantat

3 Sprachentwicklung von gehörlosen Kindern
3.1 Spracherwerb bei hörenden/gehörlosen Familien im Vergleich
3.2 Erstspracherwerb: Gebärdensprache
3.2.1 Gebärdensprache: Anerkannt?
3.2.2 Österreichische Gebärdensprachen
3.2.3 Erwerb der Gebärdensprache
3.3 Zweitsprachenerwerb: Lautsprache
3.4 Drittsprachenerwerb: Schriftsprache

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Zu diesem Thema sind meine Kommilitonin und ich durch reines Interesse gekommen. Wenn man sich Gedanken zum Seminarthema mach, nämlich dem Spracherwerb von Kindern, kommt man meiner Meinung nach auf die Gedanken: „Wie erlernen eigentlich Kinder die Sprache wenn sie eine Hörschädigung oder gar gehörlos sind?“.

Ich denke auch hinsichtlich unserer späteren Berufslaufbahn, die des Lehrers, ist es sehr wichtig sich im Voraus mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn wenn man dann im eigenen Unterricht auf einmal ein Kind hat was eine Hörschädigung hat oder gehörlos ist, sollte man wissen wie man professionell damit umgeht.

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit dem Thema des Spracherwerbs hörgeschädigter bzw. gehörloser Kinder beschäftigen. Hierzu möchte ich insbesondere auf das Erkennen einer Hörschädigung eingehen, die Unterstützung der hörgeschädigten Kindern durch Technik und den Erwerb von Gebärdensprache, Lautsprache und Schriftsprache bei gehörlosen Kindern unter Einbezug von Fallbeispielen.

2 Gehörlosigkeit

2.1 Definitionen

„Als Gehörlos bezeichnet man Menschen, bei denen im frühen Kindesalter (prä-, perioder postnatal) vor Abschluss des Lautspracherwerbs (also prälingual) eine so schwere Schädigung des Gehörs vorliegt, dass seine Funktionstüchtigkeit hochgradig bis total beeinträchtigt ist.“ (Leonhardt 2010)

Aus medizinischer Sicht wird Gehörlosigkeit über den Grad des Hörverlustes defi- niert. Von gehörlos oder taub spricht man bei einem mittleren Hörverlust von mehr als 120 dB. Hier kann auch mit Hörgeräten Sprache nicht mehr verstanden werden. Daneben gibt es den Begriff der Resthörigkeit. Dieser beinhaltet einen mittleren Hör- verlust von 90 bis 120 dB. Hier verfügt das Kind über so genannte Hörreste, die für eine Sprachwahrnehmung genutzt werden können (Müller 1994).

2.2 Grade der Hörschädigung

Der durchschnittliche oder mittlere Hörverlust (mHv) wird seit Löwe (1974) durch das arithmetische Mittel der Reintonaudiogrammwerte der Requenzen 500 Hz, 1.000 Hz und 2.000 Hz auf dem besseren Ohr angegeben.

Nach Schmalbrock (2002) werden auf Basis des Umfangs des mittleren Hörverlustes die Hörschäden hinsichtlich des Ausmaßes des Hörverlustes eingeteilt in: Leichtgradige Schwerhörigkeit (mHv bis 40 dB), mittelgradige Schwerhörigkeit (mHv 40 - 70 dB), hochgradige Schwerhörigkeit (mHv 70 - 100 dB) und Gehörlosigkeit (mHv > 100 dB).

Rien (2007) unterteilt die Grade der Hörschädigung geringfügig anders:

Bei der Geringgradigen Hörschädigung beträgt der Hörverlust 10 - 40 Dezibel. Umgangssprache wird aus einem Abstand von mehr als 4 Metern verstanden. Hier kann bei einem Hörverlust von 0 -20 dB auch von einer vernachlässigbaren Hörschädigung gesprochen werden. In der Regel ist ein Sprachverständnis auch ohne Hörgeräteversorgung möglich.

Bei der Mittelgradigen Hörschädigung beträgt der Hörverlust zwischen 40 - 60 Dezibel. Hierbei wird Umgangssprache nur noch aus einem Abstand von 1 - 4 Metern verstanden. Da sich der Hörverlust bereits im Sprachbereich befindet, wird von einem Hörgeschädigten, der nicht mit einer Hörhilfe versorgt ist, Kommunikation und die Aufnahme von Informationen als belastend und anstrengend empfunden. Hier führt eine nicht optimale Versorgung bereits zur Erschöpfung, Aufnahme von Fehlinformationen und Missverständnissen und damit verbundenen negativen Erlebnissen.

Bei der Hochgradigen Schwerhörigkeit beträgt der Hörverlust zwischen 60 - 80 Dezibel. Umgangssprache wird nur noch aus einer Entfernung von ca. 25 Zentimeter und 1 Meter Abstand zum Ohr verstanden. Normale Umgangssprache wird in einem normalen Abstand nicht mehr verstanden. Ohne ausreichende Kompensierung durch technische Hilfsmittel ist eine Teilnahme an Gesprächen oder einer Aufnahme von Informationen nicht mehr möglich. Hierbei ist eine Hörgerätversorgung unabdingbar.

Bei der an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit spricht man von einem Hörverlust der größer als 90 Dezibel ist. Selbst die leistungsstärksten Hörgeräte werden nicht in der Lage sein, ein Sprachverständnis herbeizuführen. Umgangssprache wird nur noch bei einem Abstand zum Ohr von 25 Zentimetern verstanden. In der Regel liegt hier bereits eine Indikation für eine Cochlea-Implantat-Versorgung vor. Dieser Grad des Hörverlustes geht bereits mit einer Sprachstörung einher, wenn der Hörverlust bis zum siebten Lebensjahr eingetreten ist.

Bei der Gehörlosigkeit beträgt der Hörverlust deutlich über 95 Dezibel. Auch mit technischen Hilfsmitteln wird es nicht mehr möglich sein, überhaupt Sprachverständnis

herbeizuführen. Von einer Gehörlosigkeit spricht man, wenn die Hörschädigung vor Abschluss des Spracherwerbs eingetreten ist. In der Regel wird heutzutage diese Form der Hörschädigung mit einem Cochlea-Implantat versorgt.

2.3 Erkennen einer Hörschädigung: Neugeborenenscreening

Nach Schmalbrock (2002) können beim Neugeborenenscreening Hörschädigungen schon früh durch flächendeckendes Screening gleich nach der Geburt erkannt werden. Als praktikable, effiziente und effektive Screening-Methode (TEOAE) zur Erkennung von Hörschädigungen bei Neugeborenen hat sich die Messung der otoakustischen Emission (OAE) des Innenohres bewährt. Otoakustische Emissionen lassen sich an schlafenden Säuglingen zuverlässig messen, wobei die Messdauer pro Ohr ca. fünf Minuten dauert. Im Gegensatz zu den Hirnstammpotentialien, deren Ausbildung wegen der Hörbahnreifung erst ab dem ersten Lebensjahr abgeschlossen ist, sind OAE vom dritten Lebenstag an nachweisbar, da die Cochlea bereits bei der Geburt voll ausgereift ist. Sind OAE bei Säuglingen und Kleinkindern mit spektralen Anteilen im Frequenzbereich zwischen 1 und 5 kHz vorhanden, kann davon ausgegangen werden, das eine normale Mittel- und Innenohrfunktion vorliegt. Fehlen die Emissionen, weist dies auf eine Hörschädigung hin; weitere diagnostische Aussagen lassen sich jedoch nicht treffen. Erst eine weiterführende Diagnostik ermöglicht ein differenziertes Urteil über Art und Ausmaß des Hörschadens (vgl. Lehnhardt/Laszig 2000).

2.4 Risikofaktoren

Es gibt laut Horsch (2004) einige Risikofaktoren, die schon im Voraus auf eine angeborene Schwerhörigkeit hindeuten können: Familiäre Schwerhörigkeit, Blutsverwandtschaft der Eltern, Frühgeborene (< 1500 g, vor der 32. SSW), Perinatale Asphyxie (Apgar < 5 nach 1 min), kritische Hyperbilirubinaemie, Craniofaciale Fehlbildungen, angeborene Infektionen + neonatale Infektionen (Sepsis, Toxoplasmose, Zytomegalie, Herpes), Therapie mit Aminoglykosiden u. a. ototoxischen Substanzen, Persistierende pulmonale Hypertension, Beatmung > 5 Tage, Syndrome mit Beteiligung der Hörfunktion und Abusus (Medikamente, Alkohol, Drogen).

2.5 Technische Hilfen

Bei organisch bedingten physiologischen Hörschäden unterscheidet man zwischen einer Schallleitungs- und einer Schallempfindungsschwerhörigkeit sowie kombinierten Formen von beiden (vgl. Diller 1997).

2.5.1 Hörgeräte

Schallleitungsstörungen beruhen auf Funktionsstörungen des Gehörgangs, des Trommelfells oder des Mittelohrs und können durch operative Maßnahmen oder Hörgeräte so kompensiert werden, dass die Hörfähigkeit nahezu vollständig wiederhergestellt wird.

Hörgeräte dienen dazu, Hörschall, vor allem Sprache, so zu verstärken, dass der Hörgeschädigte besser hören und verstehen kann. Heute verwendet man als technische Hörhilfen elektroakustische Geräte. Jedes Hörgerät besteht im Prinzip aus vier Funktionseinheiten: Mikrophon, Verstärker, Regler und Hörer (siehe Abbildung). Das Mikrophon nimmt das akustische Signal auf und wandelt es in elektrische Schwingungen um. Der Verstärker verstärkt das Signal. Die dafür notwendige Energie stammt aus der Stromquelle (Akku / Batterie). Mit dem Regler kann die Stärke des elektrischen Signals geregelt werden und der Hörer verwandelt die elektrischen Schwingungen wieder in Schallschwingungen zurück, so dass sie vom Ohr des Hörgeschädigten aufgenommen werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.hoerbiko.de/seiten/ wissen/hoerg.php?action=print

2.5.2 Cochlea-Implantat

Schallempfindungsschwerhörigkeiten sind Hörstörungen im Innenohr. Sie sind meistens mit dem Ausfall oder Funktionsstörung der Haarzellen in der Cochlea (der Hörschnecke) verbunden. Es können aber auch, relativ selten, die Nervenbahnen des Hörorgans geschädigt sein. Die große Mehrheit der kindlichen Hörstörungen sind Schallempfindungsstörungen. Durch individuell angepasste Hörgeräte kann ein Hörverlust relativiert bzw. ausgeglichen werden. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit einer Cochlea-Implantation.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

http://www.apotheken-umschau.de/ multimedia/178/42/59/95041208337.jpg

Das Cochlea-Implantat (im folgenden CI) ist eine technische Hörhilfe, eine Innenohrprothese, die ertaubten und gehörlosen Menschen operativ eingesetzt wird. Das CI eignet sich für Personen, deren Ertaubung oder Gehörlosigkeit Folge eines Funktionsausfalls des Innenohrs ist. Der Hörnerv und das zentrale Hörsystem müssen jedoch regulär arbeiten.

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Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668334434
ISBN (Buch)
9783668334441
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339752
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
Schlagworte
spracherwerb kinder

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