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Deflationspolitik als Triebfeder des nationalsozialistischen Aufstiegs

Notwendiges Krisenmanagement oder politisches Fehlversagen?

Seminararbeit 2011 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Index

1. Einführung

2. Hauptteil
2.1 Ursachen und Folgen der Deflationspolitik
2.2 Auswirkungen auf die Entwicklung der NSDAP
2.3 Historische Beurteilung der Ära Brüning

3. Fazit

4. Quellen- & Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einführung

Die Weltwirtschaftskrise, auch „Great Depression“1, deren Beginn geschichtshistorisch im Jahr 1929 und Ende in den späten 30er Jahren festgemacht werden, gilt gemeinhin als einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die politische Entwicklung der noch jungen Weimarer Republik, welche mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ihr Ende fand. Über die Zusammenhänge zwischen Krise und Veränderung des politischen Klimas hin zum Nationalsozialismus existieren seit jeher verschiedene Kontroversen. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Untersuchung der wirtschaftspolitischen Reaktion des Kabinetts Brüning auf die konjunkturelle Misslage und deren Auswirkung auf Probleme der Sozial-, Außen- und Wirtschaftspolitik.2 Die Wahl einer Deflationspolitik als Antwort auf die wirtschaftliche Depression wird von Historikern, wie Knut Borchardt oder Gerhard Schulz unterschiedlich beurteilt und soll als Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit dienen, mit welcher versucht werden soll, die Notwendigkeit einer derartigen Politik zu untersuchen. Ein besonderes Augenmerk soll im Weiteren auf Zusammenhänge zwischen Brünings Wirtschaftspolitik und dem parallelen Machtzuwachs der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands unter ihrem Vorsitzenden Adolf Hitler gelegt werden, ehe abschließend zusätzlich kontrafaktisch Alternativen zur Deflationspolitik aufgezeigt und auf ihre Tauglichkeit überprüft werden sollen.

Die wirtschaftspolitische Situation der Jahre 1929 bis 1933 kann ohne Frage als Krisenzeit betrachtet werden. So erlebte allein Deutschland während dieser Zeit drei Währungskrisen, wobei sich die letzte im Juli 1931 sogar zu einer Bankenkrise entwickelte.3 Als Ursachen für das plötzliche Ende des Booms in den zwanziger Jahren werden von Theoretikern wie Harald Winkel unterschiedliche Faktoren genannt. Allerdings erscheint die Rückkehr zum Goldstandard, so beschlossen im Zuge der Weltwirtschaftskonferenz von Genua 19224, als zentraler Ausgangspunkt, da diese Maßnahme als „der Versuch, an der Wirklichkeit vorbei Anpassungsmechanismen und Rahmenbedingungen für eine liberale Wirtschaft zu schaffen, die allenfalls noch in den Köpfen einiger Theoretiker, nicht aber mehr in der Praxis existierte“5, gesehen werden kann. Des Weiteren gilt das mit der Wiederaufnahme der Produktion in Europa aufkommende Überangebot an Waren und dem damit einhergehenden Preisverfall als wichtiger Faktor, welcher die Weltwirtschaft negativ beeinflusste. Der Zusammenbruch des Aktienmarktes in den USA auf Grund von bereits erwähnter Überproduktion, sowie einem in den 20er Jahren entstandenen Interesse der Bevölkerung mit Hilfe von Krediten an der Börse zu spekulieren und Aktien bei Anzeichen des Abschwungs umgehend abzustoßen, führte am 25. Oktober 1929 zum „Schwarzen Freitag“ und stürzte ebenfalls den weltweiten Wertpapiermarkt in eine Krise. Als Folge des ersten Weltkrieges traf zusätzlich die Last der Reparationszahlungen die Weimarer Republik in ihrem wirtschaftlichen Handeln hart. Mit diesem kurzen Überblick wird deutlich, in welch schwieriger Zeit der Zentrumspolitiker Heinrich Brüning am 30. März 1930 das Amt des Reichskanzlers übernahm.

Bereits in seiner Regierungserklärung spricht der neue Kanzler von „Sparmaßnahmen in den öffentlichen Ausgaben“ und einer „Senkung der Erzeugungskosten“6. Die Ankündigung eines „ausgearbeiteten Planes zur Tilgung der kurzfristigen Schulden und ebenso einer endgültigen Klärung der Reparationsfrage”7 sollte sich in den folgenden Jahren als intensive Deflationspolitik herausstellen. Hinter diesem Begriff verbergen sich Maßnahmen einer grundlegenden Haushaltssarnierung. Mit Hilfe der “Notverordnungen8 zur Sicherung von Wirtschaft und Staat”9 wurden direkte und indirekte Steuern drastisch erhöht oder aber auch Gehälter und Lohnnebenkosten des öffentlichen Dienstes reduziert. Ein solches Sparprogramm war “der Versuch die Ausgaben den sinkenden Einnahmen anzupassen”10, führte jedoch zu einer zunehmenden sozialen Verarmung und Produktions- und Beschäftigungsrückgängen, resultierend aus fehlendem Konsum. Des Weiteren war ein Rückgang der öffentlichen Ausgaben auf Grund der steigenden sozialen Kosten zur Versorgung der Arbeitslosen nicht abzusehen. Die Arbeitslosenrate war seit 1929 von 4,3% 1931 auf bereits 23,3% gestiegen11 und stellte die Reichsregierung vor immense Probleme. Mit der Bankenkrise von Mai bis Juli 1931 verschärfte sich die wirtschaftliche Situation in Deutschland ein weiteres Mal drastisch. Der Abzug ausländischer Kredite, welcher bereits 1929 einsetzte, wurde zunehmend fortgesetzt und mit dem Zusammenbruch der größten österreichischen Geschäftsbank, der “Österreichischen Creditanstalt”, am 11. Mai zogen ausländische Gläubiger noch drastischer Kapital aus Deutschland zurück. Ob die Reaktion des Kabinetts Brüning auf diese Situation weitere Notverordnungen zu erlassen und den harten Sparkurs fortzusetzen wirklich ein Versuch war die Krise zu bekämpfen, bleibt hierbei umstritten. Historiker wie Eberhard Kolb vertreten vielmehr die Ansicht, dass “in Brünings Prioritätenskala die “Befreiung” des Reiches von der Reparationslast an oberster Stelle rangierte”12. Um dieses Ziel zu erreichen war man bereit, Massenarbeitslosigkeit und Verelendung breiter deutscher Bevölkerungsschichten in Kauf zu nehmen.13 In jüngeren Diskussionen diesbezüglich wird allerdings angezweifelt, ob die Reparationsfrage zentral hinter Brünings wirtschaftspolitischem Handeln stand oder ob er nicht doch versuchte, im Rahmen seines Handlungsspielraumes (Vgl. Borchardt-Kontroverse S.14f.) jeweils auf Auswirkungen der Krise zu reagieren. Dies soll an späterer Stelle genauer untersucht werden. Sicher scheint jedoch aus heutiger Sicht, welchen Einfluss der politische Kurs des Reichskanzlers in den Jahren der Depression auf den Aufstieg der NSDAP hatte. Durch einen Fokus auf die Außenpolitik wurden so zum Beispiel laut Karlheinz Dederke innenpolitische Probleme zu wenig berücksichtigt. Einer zunehmenden Unzufriedenheit und Bereitschaft zur Radikalität innerhalb der Bevölkerung stand die Regierung zu passiv gegenüber, beziehungsweise nährte sie durch eine strikte Deflationspoltitik zusätzlich. Dadurch gelang es der NSDAP als “Auffangbecken für alle Gegner des demokratischen Systems, für alle Enttäuschten, Verbitterten und Fanatisierten”14 zu fungieren und zu einer Massenpartei aufzusteigen.

2. Hauptteil

2.1 Ursachen und Folgen der Deflationspolitik

Um die historische Entwicklung der Jahre 1930 bis 1933 auf Zusammenhänge zwischen der Wirtschaftspolitik der Weimarer Regierung und dem Aufstieg der NSDAP zu untersuchen, ist es zunächst wichtig die angewandte Deflationspolitik von den Gründen bis hin zu den Folgen genauer zu betrachten. Wie bereits angesprochen, belasteten Reparationszahlungen und Folgekosten des Ersten Weltkrieges die junge Republik besonders in den Jahren der Krise zusätzlich und man war von fremden Kapital abhängig. Dies führte so Brüning in seinen Memoiren in den Jahren seiner Amtszeit zu einer stets schlechten Verhandlungsposition in Bezug auf Fragen der Außenpolitik, insbesondere des Schulden- und Reparationsproblems.15 So war der Reichskanzler darauf bedacht, mit äußerster Vorsicht Äußerungen zu dieser Thematik zu machen. Besonders in Frankreich und Großbritannien bestand man auf das fristgerechte Nachkommen der Zahlungsverpflichtungen und auf Erfüllung des am ersten September 1929 rückwirkend in Kraft getretenen Young-Plans. Insbesondere dessen Einhaltung bereitete der Reichsregierung Schwierigkeiten in ihren Bemühungen diesbezüglich einen internationalen Kompromiss zu finden. So heißt es in den Regelungen des Vertrages „ Diese Bedingungen mußten Wort für Wort genau erfüllt werden “ 16 . Aktive Versuche, das Reparationsproblem zur Sprache zu bringen, wurden mit zusätzlichem Druck beantwortet. Bereits am 8. Dezember 1930, also lange bevor Brüning mit Präsident Hoover in Kontakt tritt, um über die Schwierigkeiten der finanziellen Nachkriegsverpflichtungen zu sprechen, wird die Reichsregierung von einem britischen Botschafter ausdrücklich gewarnt, „das Reparationsproblem aufzurollen“17. Umso deutlicher scheint Brünings Politik darauf abgezielt zu haben, Deutschlands Misere durch eine strenge Sparpolitik zum Ausdruck zu bringen. Brüning selbst beschreibt sein Handeln als „drakonische Maßnahmen der Reichsregierung zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen und der Wirtschaft“18. Es kann also davon ausgegangen werden, dass man sich der Auswirkungen der vorgenommenen Maßnahmen durchaus bewusst war und ein Niedergang der Lebensqualität der Bevölkerung zur Erreichung außenpolitischer Ziele in Kauf genommen wurde. Hierbei befand sich die Republik allerdings in einer Dilemmasituation. Während man auf der einen Seite versuchen musste, den Gläubigermächten zu verdeutlichen, dass die Reparationszahlungen das Reich finanziell zu sehr belasten, durfte die Möglichkeit der Zahlungsunfähigkeit, deren Risiko man sich durchaus bewusst war unter keinen Umständen öffentlich zum Ausdruck gebracht werden, weil dies den Abzug ausländischer Kredite zur Folge gehabt hätte. Das diese Situation im Zuge der Bankenkrise 1931 dennoch eintrat, verschärfte sich die Krise im Reich auf Grund der Tatsache, dass es auf Fremdkredite angewiesen war. Gleichzeitig scheint es, dass der Zusammenbruch und seine Folgen als ein entscheidendes Zeichen und Schritt zur Aufhebung der Reparationszahlungen gesehen werden kann. Dennoch fürchtete Brüning diese Situation und versuchte dieses Worst-Case-Szenario zu verhindern und nicht etwa zur Verdeutlichung der deutschen Misere auszunutzen.19 Dies lässt die Vermutung zu, dass man nicht konsequent davon ausgehen kann, dass die Regierung nur die Lösung der Reparationsfrage im Blick hatte. Vielmehr lässt sich erkennen, dass die Wirtschaftspolitik unter Brüning eine Art Spagat zwischen außenpolitischen Maßnahmen gegenüber den großen Gläubigernationen USA, Frankreich und Großbritannien und einer Verhinderung des wirtschaftlichen Zusammenbruchs auf Grund des Abzuges benötigter fremder Finanzmittel war. Dies wird zum Beispiel deutlich, als Brüning den international anerkannten Finanzexperten Dr. Hjalmar Schacht bittet, sich bei seinen Ausführungen gegenüber den USA über die wirtschaftliche Lage Deutschlands 1930 in seiner durchaus angebrachten Kritik zurückzuhalten, um keine zusätzliche Unruhe bei den amerikanischen Verantwortlichen zu wecken. Insgesamt war das Agieren des Reichskanzlers in den Jahren 1930 und 1931 somit aus dem Versuch heraus motiviert, vorsichtig das Reparationsproblem zu lösen um dafür eine Zahlungsfähigkeit in Bezug auf die kurzfristigen Kreditschulden zu gewährleisten. Von einer Maxime der Reparationsfrage kann dennoch nur partiell gesprochen werden. Vielmehr beruhten Brünings Ansätze auf der zu damaligem Zeitpunkt weit verbreiteten Überinvestitionstheorie, welche davon ausging, dass „in einer Volkswirtschaft nur in dem Umfang investiert werden könne, in dem die Bevölkerung zuvor Ersparnisse gebildet habe.“20 Man kann somit schlussfolgern, dass die Deflationspolitik der Jahre 1930 bis 1933 nicht als Mittel zum Zweck für außenpolitische Ziele diente, sondern tatsächlich der Glaube an den Erfolg eines Sparkonzeptes vorherrschte.

Die Folgen einer solchen Politik waren jedoch katastrophal. Ein anhaltender Nachfrageausfall im internationalen Handel, welcher in einem Exportrückgang von 13,4 Mrd. Mark 1929 auf 5,7 Mrd. Mark 1932 deutlich wurde21, zeigte durch die prozyklische Konjunkturpolitik der Regierung nun auch im Inland seine negative Wirkung. Besonders stark von jener Situation betroffen waren hierbei Arbeitnehmer in weniger bedeutsamen Positionen, sowie die wachsende Menge an Arbeitslosen. „Da die ganze Welt im Überfluß nicht absetzbarer Güter aller Art zu ersticken drohte“22, zählten bald auch erste Großunternehmer zu dem in seiner Existenz bedrohten oder sogar arbeitssuchenden Teil der Bevölkerung. Dies belegen die Arbeitslosenzahlen der entsprechenden Jahre.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Gebhardt, Bruno: Handbuch der Deutschen Geschichte, Bd. IV. Stuttgart 1960. Zit. nach Tormin, Walter: Die Weimarer Republik. Hannover 1962. S. 278)

Diese Daten verdeutlichen, welch rasant negativer Entwicklung der Arbeitsmarkt unterworfen war obwohl man augenscheinlich bemüht war die Krise zu bekämpfen. Wirkliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden auf Grund der damit verbundenen Kosten jedoch nicht eingeleitet. Derlei Schritte sollten erst ab 1933 durch die Nationalsozialisten erfolgen und als wichtiges propagandistisches Argument genutzt werden. Unter Brüning jedoch verschlimmerte sich die Lage der Bevölkerung zunehmend. Karlheinz Dederke unterscheidet zur genaueren Untersuchung der Situation in drei Gruppen. Während die Selbstständigen auf Grund sinkender Einnahmen den Konjunktureinbruch bewusst miterleben konnten, traf es besonders die Arbeitnehmer hart, da sie in permanenter Angst vor der Entlassung leben mussten. Finanzielle Rücklagen waren auf Grund der Inflation nur selten in ausreichender Menge vorhanden. Diejenigen, die letztendlich gezwungen waren, sich als Arbeitssuchende zu melden, lebten an der Grenze des Existenzminimums.23 12,6% jenes Bevölkerungsteils lebten unterhalb dieser, da sie keinerlei Unterstützung, weder von der Krisenfürsorge, Wohlfahrt noch der Versicherung erhielten.24 Die soziale Notlage führte zunehmend zu sozialer Unzufriedenheit.

Der wirtschaftliche Niedergang führte zunehmend zu einer Steigerung antidemokratischer und antirepublikanischer Gefühle und Stimmungen, die laut Karlheinz Dederke bereits mit Gründung der Republik entstanden sind, da keine „machtvolle Volksbewegung“ mit dem „Wunsch nach politischer Mitbestimmung“ sondern die Sehnsucht nach einem glimpflichen Frieden, auch „um den Preis der Übernahme des Regierungssystems der Sieger“ zum Erfolg der demokratischen Idee geführt hatte.25 Dieser abweisende Grundtenor blieb auch in den 20er Jahren erhalten. Die deutsche Außenpolitik unter Stresemann wurde auf Grund der nicht erreichten Revision des Versailler Vertrags ebenso wenig respektiert wie die innenpolitische Entwicklung. Mit Einsetzen der Wirtschaftskrise sollte sich die Stimmung weiter radikalisieren. Deutlich wird das zerrüttelte Bild der deutschen Nation, welcher Brüning ab 1930 seine Deflationspolitik zuzumuten gedachte, im Sommer 1929 im Vorfeld der Unterzeichnung des Young-Planes. Der Vorsitzende der DNVP Alfred Hugenberg führte eine groß angelegte Kampagne aller „nationalbewußten Menschen“26 gegen den Plan an und wollte „lieber zusammen mit dem gesamten Volk eine Zeitlang, bis die Stunde der Freiheit kommt, Proletarier sein, als gegen [sein] Volk Fronvögte und Nutznießer auswärtigen Kapitals [zu sein].“27 Zwar scheiterte ein eingeleiteter Volksentscheid im Dezember, dennoch wird deutlich in welch politischem Klima der Unruhe und öffentlichen Unsicherheit die Republik von der Wirtschaftskrise getroffen wurde und welche Folgen Brünings Wirtschaftspolitik vermutlich haben würde. Historiker sprechen an dieser Stelle von einem „Übergang zu Staatskrise unter dem Einfluß der Wirtschaftskrise“28. Die wachsende Notlage in großen Teilen der Bevölkerung, verstärkt durch den drastischen Sparkurs der Regierung, führte zu einer zunehmenden Radikalisierung. In der Arbeiterschaft äußerte sich diese Entwicklung in einem Bekenntnis zum Kommunismus. Das Gefühl der Vernachlässigung und das Unverständnis über die Tolerierungspolitik29 der SPD, die nach außen hin den Eindruck erweckte, nicht gewillt zu sein, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, verstärkten diesen Prozess.30 Desweiteren sorgte die Tatsache, dass die UdSSR von der Weltwirtschaftkrise weitestgehend unberührt blieb für eine Sympathisierung mit dem Kommunismus. Aber auch in den Gruppen des Mittelstandes31 wuchs der Glaube daran, dass ein Umsturz des bestehenden Systems eine Besserung der Lebenssituation zur Folge haben würde. Eine Steigerung des Nationalismus, angefeuert von der politischen Rechten, resultierend aus den Enttäuschungen der Kriegsniederlage, des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und nicht zuletzt der „unpopulären“32 Sparpolitik des Kabinetts Brüning, bildet das letzte fehlende Merkmal der Lage in der Weimarer Republik in den Jahren 1930 bis 1932/33.

[...]


1 Zu deutsch: Große Depression (in die Historik eingegangener Terminus zur Beschreibung der Krise von 1929)

2 Vgl. Gessner, Dieter: Die Weimarer Republik. Darmstadt 2002, S. 81.

3 Vgl. Winkel, Harald: Der Glaube an die Beherrschbarkeit von Wirtschaftskrisen (1933-1970) (= Schulz, Gerhard (Hrsg.): Die Große Krise der dreißiger Jahre. Vom Niedergang der Weltwirtschaft zum Zweiten Weltkrieg). Göttingen 1985, S. 17.

4 Vgl. Ebd, S. 19.

5 Ebd, S. 22.

6 Verhandlungen des Reichstags. Stenographische Berichte. Bd. 427. 152. Sitzung , S. 4730.

7 Ebd.

8 Notverordnung: vom Reichspräsidenten erlassenen Bestimmungen von gesetzlicher Gültigkeit

9 Marcowitz, Rainer, S. 65.

10 Ebd.

11 Mitchell, Brian R.: European Historical Statistics. 1750-1970. London / New York 1975.

12 Kolb, Eberhard: Die Weimarer Republik, 6. Auflage, München 2002, S. 136.

13 Ebd.

14 Ebd., S. 112.

15 Vgl. Brüning, Heinrich: Memoiren 1918-1934. Bd. 1. Stuttgart 1970, S. 239.

16 Brüning, Heinrich, S. 244.

17 Ebd., S. 234.

18 Ebd., S. 234.

19 Ebd., S. 238.

20 Winkel, Harald, S. 22.

21 Ebd, S. 22.

22 Dederke, Karlheinz: Reich und Republik Deutschland 1917-1933. Stuttgart 1969, S. 193.

23 Vgl. Dederke, Karlheinz: Reich und Republik Deutschland 1917-1933. Stuttgart 1969, S. 196.

24 Vgl. Ebd., S. 197. Zit. nach Michaelis, Herbert: Ursachen und Folgen. Bd. 8. Die Weimarer Republik. Berlin 1962.

25 Vgl. Ebd., S.199.

26 den „Reichsausschuß gegen den Young-Plan“ leiteten Alfred Hugenberg, Franz Seldte (1. Bundesführer des Stahlhelm) und Adolf Hitler

27 Dederke, Karlheinz, S. 260.

28 Ebd., S. 203.

29 Tolerierungspolitik: nach den Reichstagswahlen 1930 entschied sich die SPD Brüning zu unterstützen (seine Politik zu tolerieren) um eine Reichstagsauflösung und Neuwahlen zu Verhindern aus Angst vor weiteren Wahlerfolgen der NSDAP

30 Vgl. Dederke, Karlheinz, S. 201.

31 sowohl „alter Mittelstand“ (selbstständige Handwerker, Einzelhändler, Unternehmer, akademische Berufe und Bauern) als auch „neuer Mittelstand“ (Beamte, Angestellte)

32 unpopulär, da vom Volk mit Unverständnis, Enttäuschung und Kritik beantwortet

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668291522
ISBN (Buch)
9783668291539
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339682
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
weltwirtschaftskrise deflationspolitik nsdap aufstieg great depression Heinrich Brüning Adolf Hitler Reichskanzler

Autor

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