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Die Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck. Darstellung und Kritik

Seminararbeit 2002 12 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Konzeption von Ulrich Beck

3. Zentrale Begriffe der Individualisierungstheorie nach Beck
3.1. Reflexive Modernisierung
3.2. Risikogesellschaft
3.3. Individualisierungsschub

4. Auswirkungen der Individualisierung auf verschiedene Lebensbereiche
4.1. Geschlechtsrollen
4.2. Familie
4.3. Jugend

5. Kritik an der Beckschen Theorie
5.1. Klaus-Jürgen Tillmann
5.2. Guenter Burkart

6. Schlussteil

1. Einleitung

Die Behandlung von Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck präsentierte im Seminar ein eineinzigartiges Konzept einer Vielzahl von Sozialisationstheorien. Diese ziemlich junge Theorie geht ganz genau auf die Beschreibung der heutigen Gesellschaft ein und versucht dabei, neue Erscheinungsformen und Veränderungen zu erklären.

Das Thema der Hausarbeit sprach mich erstmals darum an, weil sie ganz neue und außergewöhnliche Ansätze enthält. Außerdem ergibt sich die Möglichkeit, aufgrund ihrer Aktualität die Situation mitzuverfolgen und zu beurteilen.

In dieser Hausarbeit versuche ich mich mit dieser Individualisierungstheorie auseinanderzusetzen und sie plausibel darzustellen. Zunächst präsentiere ich die Konzeption von Ulrich Beck und erkläre anschließend die wichtigsten Formulierungen seiner Theorie. Danach erläutere ich die Auswirkungen des Individualisierungsprozesses auf verschiedene Lebensbereiche. Dabei habe ich mich auf drei, meiner Meinung nach, wichtigsten Aspekte begrenzt. Im nächsten Teil meiner Hausarbeit stelle ich die Kritik an der Bekschen Theorie dar, indem ich mich auf die Beurteilung von Klaus-Jürgen Tillmann und Guenter Burkart beziehe. Im Schlussteil fasse ich das Ergebnis dieser Arbeit zusammen und nehme Stellung zur Beckschen Theorie.

Bei der Beschäftigung mit diesem Thema habe ich festgestellt, dass es sehr viel Literatur über diese Theorie zur Verfügung steht. In dieser Hausarbeit stütze ich mich hauptsächlich auf seinen Aufsatz „Das eigene Leben in die eigene Hand nehmen“ aus der Zeitschrift „Pädagogik“. Zusätzlich benutze ich auch Sekundärliteratur von Klaus-Jürgen Tillmann und Guenter Burkart - beiden Autoren gelingt es, die Becksche Individualisierungstheorie ganz deutlich zu erläutern.

2. Die Konzeption von Ulrich Beck

Die deutsche Diskussionslawine der achtziger Jahre wurde vor allem durch die Veröffentlichungen von Ulrich Beck losgetreten. Spätestens seit dem Erscheinen der „Risikogesellschaft“(1986) hat sich das Stichwort „Individualisierung“ zu einer Leitformel der öffentlichen Diskussion innerhalb und außerhalb der Soziologie entwickelt.

Immer mehr Menschen in der westlichen Welt streben nach eigenem Leben. „Selbst Liebe, Ehe, Elternschaft, die mit dem Verfinstern der Zukunft mehr denn je ersehnt werden, stehen unter dem Vorbehalt, eigene, das heißt zentrifugale Biographien zusammenzubinden und zusammenzuhalten. (…) Das alltägliche Ringen um das eigene Leben ist zur Kollektiverfahrung der westlichen Welt geworden“ (Beck 1996, S.41).

Ulrich Beck stellt sich in seinem Aufsatz „Das ,eigene Leben’ in die eigene Hand nehmen“ die Frage nach der Ursache dieser Sehnsucht nach dem eigenen Leben. Die Antwort liegt bei den Menschen selbst: „(…) ihr Wille, ihre Anspruchsinflation, ihr überschäumender Erlebnishunger, die abnehmende Bereitschaft, auszuführen, sich einzuordnen, zu verzichten – das steckt dahinter“ (Beck 1996, S.41).

Trotz dieser Antwort bleibt offen, wie es zu diesem Massenaufbruch kommt, wie sich die Gleichzeitigkeit, mit der die Menschen in vielen Ländern der Erde ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen, erklärt. Ulrich Beck stellt seine eigene Gesellschaftstheorie auf und versucht somit diesen evolutionären Wandel zu erklären.

Die Gesellschaftsanalyse von Beck ist als eine „historisch-soziologische“ und nicht als „gesellschaftsgeschichtliche“ zu verstehen, weil er dabei nicht in Kategorien innerpsychischer Zustände argumentiert und auch keine subjektive Entwicklungsprozesse beschreibt. Bei dieser Analyse betrachtet er die Gegenwartsgesellschaft der Bundesrepublik, konzentriert sich auf den Wandel dieser Gesellschaft seit den fünfziger Jahren und beschreibt ihn als Übergang von der Industriegesellschaft zur „Risikogesellschaft“. Die traditionelle „gesellschaftliche Milieus“ und damit verbundene „klassenkulturelle“ Normen lösen sich seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts immer mehr auf. Dadurch wird die Verhaltenssicherheit immer schwächer, da nicht nur der Zwang zu diesen Traditionen, sondern auch die Sicherheit dieser Einbindung nicht mehr vorhanden ist. Wir erleben somit eine gesellschaftliche Entwicklung, in der das überkommene Hierarchiemodell sozialer Klassen und Schichten „unterlaufen und in seinem Realitätsgehalt zunehmend in Frage“ (Beck 1983, S.36, zit. bei Tillmann 2000, S.261) gestellt wird.

In der modernen Gesellschaft ist der Mensch mit unterschiedlichen Rollen aus verschiedenen Funktionsbereichen konfrontiert, die teilweise unvereinbar sind. Die Menschen werden nicht als ganze Personen in die Funktionssysteme der Gesellschaft integriert, sondern müssen ständig ihre verschiedenen Rollen aufeinander abstimmen. „Die Sozialform des eigenen Lebens ist also zunächst nur die Leerstelle, welche die sich immer weiter ausdifferenzierende Gesellschaft öffnet“ (Beck 1996, S.41).

„Das eigene Leben ist gar kein eigenes Leben!“ (Beck 1996, S.41). Individualisierung meint nicht nur Freisetzung, sondern auch die damit verbundenen neue Abhängigkeiten. Es ist nicht möglich, nur nach seinen eigenen Bestimmungen und Vorlieben zu leben. Im Gegenteil: wir müssen uns heute an viele Regeln und Bedingungen halten, die wir nicht kontrollieren oder beeinflussen können. „Das eigene und globale Leben muss sich grenzübergreifend orientieren und organisieren, muss sich Fremdes zu eigen machen, will es als eigene Leben überleben“ (Beck 1996, S.46). Wir sind lebenslänglich von Sozialstaat, Arbeitsmarkt, Arbeitsrecht, Ausbildung usw. abhängig. Die Institutionen geben uns vor, ein eigenes Leben zu organisieren. In der traditionellen Gesellschaft hatte man nicht viele Gelegenheiten für eigene Entscheidungen, heute muss man alles in seinem Leben selbständig organisieren, d. h. „(…)Ideen entwickeln, schneller, wendiger, kreativer sein, um sich in der Konkurrenz durchzusetzen“ (Beck 1996, S.42). Dadurch wird der einzelne Mensch immer wieder vor Entscheidungszwänge gestellt, ohne dabei auf traditionelle Biographiemuster seines sozialen Milieus zurückgreifen zu können.

Beck behauptet, dass die Normalbiographie in der Risikogesellschaft zur Wahlbiographie, zur Risikobiographie wird. Nicht nur der Erfolg, sondern auch das Scheitern wird zum eigenen Scheitern, da hauptsächlich das Individuum selbst sein Schicksal zu verantworten hat.

Das Leben in einer modernen Gesellschaft ist nicht mehr nur von lokalen Ereignissen geprägt, sondern auch von globalen, dabei spricht Ulrich Beck von Globalisierung des eigenen Lebens. Diese Ortlosigkeit ist durch Medien entstanden und damit lebt der heutige Mensch in einer „Weltgesellschaft“.

„Das eigene Leben ist ein experimentelles Leben“ (Beck 1996, S.43). Da man keine Möglichkeit hat, sich bei der Lebensführung an den Anderen zu orientieren, müssen eigenes und soziales Leben neu aufeinander abgestimmt werden. Damit wird das eigene zum reflexiven Leben. „Die Lebensführung muss angesichts vielfältiger, sich widersprechender Anforderungen in einem Raum globaler Unsicherheit aktiv, man kann ruhig sagen: gemanagt werden“ (Beck 1996, S.43).

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Details

Seiten
12
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638343039
ISBN (Buch)
9783640278176
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33963
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Pädagogisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Individualisierungstheorie Ulrich Beck Proseminar Sozialisationstheorien

Autor

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Titel: Die Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck. Darstellung und Kritik