Lade Inhalt...

Eine Predigt zum 1.Thess 5, 14-24

Eine kritische Betrachtung und Predigtgestaltung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 24 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Meditation I

2 Exegese und Systematisch-Theologische Analyse

3 Homiletische Situation

4 Meditation II

5 Die ausformulierte Predigt

6 Angaben zum Gottesdienst

7 Predigt- und Gottesdienstkritik

Literaturverzeichnis

1 Meditation I

Die Grundlage für die Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis bildet der Text 1. Thess 5,14-24. Als sich die Bibelstelle als Briefschluss entpuppte, war ich zunächst enttäuscht und überlegte, warum man irgendwelche unbedeutenden Grüße von Paulus an eine damalige Gemeinde als Predigttext ausgewählt hatte. Dann erkannte ich jedoch, dass dieser Teil erst in den darauffolgenden Versen folgte und war nun gespannt, was denn nun so wichtiges am Ende eines Paulusbriefes stehen könnte.

Nachdem ich den Briefschluss zum ersten Mal gelesen hatte, breitete sich in mir ein positives Gefühl aus, da die Worte fröhlich und dankbar dem Text - oberflächlich betrachtet - einen freudigen Grundton verliehen. Weiterhin standen für mich das Gute, die Dankbarkeit und die Glaubensgewissheit im Vordergrund.

Als christliche Botschaft filterte ich anfangs aus dem Text heraus, dass wir als Christen die Liebe untereinander pflegen sollen.

Diese unzureichenden Beobachtungen wurden glücklicherweise im Seminar durch meine Kommilitonen und die Dozentin ergänzt, indem folgendes festgehalten wurde: Es wurde angemerkt, dass es sich um einen paränetischen Text handelt und Paulus hier eindeutig Befehle ausspricht, die dem Text nicht unbedingt einen positiven Grundton verliehen, sondern aufgrund dieser Imperative durchaus problematisch für einen selber und die Predigthörer werden könnte.

Diese Feststellung wiederum eröffnete die Frage nach dem christlichen Ethos und der systematisch-theologischen Fragestellung, was denn das Gute eigentlich sei. Weiterhin wurde die Passage der Ermahnungen dahin gehend befragt, ob es sich hier überhaupt um einen echten Dialog handeln könne oder nicht. Daran schlossen sich ebenfalls die Fragen nach der Perspektive des Autors und dem Verhältnis der Gemeinde von Thessalonich und Paulus an.

Darüber hinaus ließ sich der Vers 5,23 als Gebet erkennen, was sich gleichermaßen als interessantes Thema für die Predigt anzubieten schien.

Außerdem wurde als Hintergrundinformation mitgeteilt, dass Gemeindeaufbau und Jüngerberufung Gegenstand der Sonntage im September seien, was gut zu den Ratschlägen des Paulus passte.

Zusammenfassend blieb mir nun die Aufgabe einer zielgerichteten Exegese und die Entscheidung für eine Predigt, die versuchen sollte, die ganze Bandbreite des Textes zu erfassen oder mit Hilfe einer Texteingrenzung ein einziges hervorragendes Thema der Bibelstelle aufzugreifen.

2 Exegese und Systematisch-Theologische Analyse

Als Einführung verschaffte ich mir einen Überblick über die Bibelstelle im RGG, EKK und in Udo Schnelles Theologie des Neuen Testaments.

Der erste Thessalonicherbrief ist nach bisherigem Stand der Forschung der älteste Paulusbrief, den man bis jetzt gefunden hat. Er wird auf das Datum ca. 50 n.C. datiert. In ihm steht vor allem die Trias von Glaube, Liebe und Hoffnung im Vordergrund. In der Ev. Heilig Kreuz Kirche gibt es im Chorraum an der Decke ein größeres, gut sichtbares Fresko von den Personifikationen dieser Trias, was mich kurz daran denken ließ, dieses Bildnis in meine Predigt einzubeziehen und sie vielleicht sogar darauf aufzubauen.

Mit der Gemeinde von Thessalonich, die vorwiegend heidenchristlich geprägt war, hatte Paulus anscheinend weniger Streitigkeiten und es ist eine der ersten Gemeinden, die er auf europäischem Boden gründete. Als wichtige Aspekte für meinen Text fielen mir im EKK folgende auf:

Wirkungsgeschichtlich wurden die beiden Thessalonicherbriefe vor allem für die Eschatologie und die Paränese bedeutend. Die Vollendung der Gemeinde bei der Parusie spielte am Ende meiner Perikope eine besondere Rolle. Zudem bestätigte sich der Eindruck, dass es insbesondere in 1. Thess 5,12-22 keine Anhaltspunkte für irgendwelche Spannungen in der Gemeinde gibt. Der Predigttext wurde folgendermaßen gegliedert: In 5,12 scheint Paulus die Struktur der Gemeinde anzuerkennen, in 5,14 fordert er die gegenseitige Annahme der Gemeindeglieder, in 5,16-22 wird das geistliche Leben der Gemeinde beschrieben und in 5,23 folgt der Gebetswunsch für die Vollendung der Gemeinde.

Des Weiteren ergaben sich aus dem Gelesenen für meinen Text folgende Assoziationen: Hinsichtlich der einzelnen Ermahnungen entdeckte ich, dass die Unordentlichen oder Schwachen nicht bestraft oder ausgeschlossen werden sollten aus der Gemeinschaft, sondern diese Außenseiter sollten laut Paulus in die Gemeinde integriert werden. Das ließe sich auch auf heutige volkskirchliche Gemeinden beziehen, die manchmal in ihren althergebrachten Strukturen verharren und sich nach außen hin eher abschirmen als sich auf Neues einzulassen. Außerdem konnte man die Schwachen auch auf Menschen beziehen, die ihre Hoffnung verloren hatten und die darauf warteten aus ihrer Angst herausgeführt zu werden.

Weiterhin verneint Paulus in diesem Abschnitt das Talion Gesetz, indem er sagt, man solle nicht Böses mit Bösem vergelten. Daraus schließe ich, dass hier Vergebung wichtiger ist als Vergeltung, was sich auch mit sonstigen Aussagen des Paulus decken würde.

Insgesamt stellte die vorliegende Paränese die Welt in der Ordnung vor, wie Gott sie wohl gedacht hatte: ,Wenn ihr nach diesen Grundsätzen lebt, lebt ihr in Frieden und bei der Ankunft Jesu Christi werdet ihr teil haben an dem Reich Gottes.‘ Die Gemeinde sollte also den Frieden, den sie durch das Bekenntnis zu Jesus Christus und dem Evangelium erlangt hatte, auch leben, nicht nur bei religiösen Handlungen, sondern insbesondere im Alltag. Ein solches Leben ist nur dann möglich, wenn Gott sich des Menschen annimmt und ihn führt, aus sich heraus vermag der Mensch ohne Gottes Hilfe nämlich nichts.

Daraus folgt dann auch die Dankbarkeit für diesen, Gottes, Zuspruch und die Bedeutung des Gebets im Christentum, in dem man alles, was man auf dem Herzen hat, zum Ausdruck bringen darf und darüber mit Gott unmittelbar ins Gespräch kommen kann. Bei all dem vertrauen die Christen aber auch auf das Wirken des Heiligen Geistes. Hierbei ist jedoch zu betonen, dass der Mensch obgleich der Unterstützung Gottes und der Führung des Heiligen Geistes die Verantwortung für sein Handeln nicht an göttliche Mächte abgibt, sondern vor allem als Evangelischer Christ immer wieder selbst prüfen soll, was das Gute sei und damit verbunden auch, was denn Gottes Wille sein könnte.

Die Perikope endet meiner Meinung nach darin, dass der empfangene Glaube ganz verwirklicht werden soll, dass das Heil in Gott gründet und mit der Ankunft Christi das alte Leben des Menschen völlig überwunden wird. Der gesamte Textabschnitt besitzt Gültigkeit für alles christliche Leben.

Bevor ich nun mit der eigentlichen Exegese begann, las ich den Text noch ein paar Male auf deutsch durch und ließ ihn mit den Anregungen aus dem Seminar auf mich wirken. Aus dieser Meditation entwickelte sich der Wunsch, den Satz Seid allezeit fröhlich für die Predigt hervorzuheben und ihn zur Grundlage meiner Predigt machen. Demzufolge wäre das Thema Freude und Leid gewesen und wahrscheinlich in die Richtung der Theodizee gegangen.

Es kamen dazu Fragen auf, wie: Sollen wir uns freuen, wenn wir die Kontrolle über unser Leben verlieren? Warum sollen wir überhaupt glücklich/fröhlich sein? Da jeder Einzelne ja auch so viel Unglück und Leid sieht oder selbst erlebt.

Ich wollte das Thema darum vor dem Hintergrund der Frage bearbeiten: Warum sollen wir glücklich sein? Was an sich schon falsch war, da das Wort Glück in dem Text gar nicht vorkam, sondern dort fröhlich stand. Anscheinend setzte meine Generation Freude mit dem Zustand von Glück gleich. Doch das wäre fast eine Themapredigt geworden, in der ich mich lediglich auf einen einzigen Satz des Predigttextes bezogen hätte, und dafür war die Perikope zu reich an Aussagen, so dass man mit einer solchen Auswahl beinahe den ganzen Text ausgespart hätte.

Dann habe ich endlich herausgefunden, dass an diesem Tag auch der Weltfriedenstag der UNO bzw. der Kirchen ist. Und ich wusste, dass ich dieses wichtige Thema mit meiner Textpredigt irgendwie verbinden wollte. Deshalb begann ich zu überlegen, wie mir das am besten gelingen könnte. Ich erkannte allmählich, dass wahre Freude der Anfang von Friede ist und die übrigen Ermahnungen alles Faktoren von Frieden darstellten. Und dieses Böse waren genau die Dinge, die ich zuvor in der Theodizeefrage für mich besprochen hatte, und nun als lebensfeindliche Einstellungen identifizierte, die den Frieden verhindern konnten.

Ich dachte außerdem darüber nach, wo Krieg und Frieden alltäglich thematisiert wurden und erinnerte mich an Actionfilme. Der Anfang war meistens ähnlich: Die Welt liegt in Trümmern und Asche, Staub weht über die wüsten Stätten, die einmal Orte des Lebens waren. Ein reines schwarz-weiß-Denken wurde aufgemacht, so dass es während des Films einfach war, zu urteilen, woher das Böse und die Bedrohung der Menschheit rührte. Die Realität sieht meistens anders aus; und auch beim Thema Frieden oder einer Ethik, wie man denn heute leben solle, begegnet einem ein facettenreiches Bild und eine Komplexität, die sich nicht einfach in einen Spielfilm packen lässt und schon gar nicht in eine 10-Minuten-Predigt. Was also konnte ich den Menschen diesbezüglich sagen und wo wollte ich sie abholen? Was waren in ihrem Leben aktuelle Themen, die damit vernetzt waren und jeden betrafen, also in den Worten von Tillich jeden unbedingt angingen.

Übersetzung und Textkritik

14 Wir ermahnen euch aber, Brüder, mahnt/weist zurecht/straft die disziplinlosen/ Regellosen/ Unordentlichen, Ermutigt/tröstet die Kleinmütigen Nehmt euch an/ unterstützt die den Schwachen Seid langmütig gegen alle

15 Achtet aber, dass fast niemand Böses gegen Böses jemandem vergelte, Sondern immer verfolgt/ nachlaufen/ jagen das Gute [und] in/auf/an/gegen einander und in/auf/an/gegen alle.

16 Immer freut euch,

17 Ununterbrochen betet

18 in allem dankt. Denn all das [ist der] Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

19 den Geist löscht nicht aus/ dämpft nicht

20 Weissagung nicht schätzt gering/ verachtet nicht

21 alles [aber] prüft, das Gute haltet zurück

22 von jeder Form des Bösen meidet/ fernhaltet

23 Selbst aber der Gott des Friedens heilige euch vollkommen, und eure Unversehrtheit der Geist und die Seele und der Leib untadelig Ankunft [unseres] Herrn Jesus Christus bewahre.

24 treu [ist] er, der euch ruft, er wird [es] auch tun.

Textkritisch könnten die in den Versen 15, 21 und 23 in eckigen Klammern geschriebenen Wörter ausfallen. Dabei würde sich der Sinn der Perikope aber nicht wesentlich verändern. Die Übersetzung sowie die Textkritik konnten mir keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Ausformulierung meiner Predigt erschließen. Deshalb ging ich noch einmal zum deutschen Text, der Lutherbibel, zurück und suchte nach Worten, die mir oder einem theologischen Laien vielleicht Probleme bereiten könnten. Zudem schlug ich auch Begriffe nach, die in dem Text besonders hervorragten oder in meiner Predigt eine zentrale Rolle spielen sollten. Dabei fielen mir folgende Lexeme auf: heiligen/Heil, gut/das Gute, Freude, ermahnen, prüfen, Friede.

Daraufhin untersuchte ich die Bedeutungen und Zusammenhänge in verschiedenen Konkordanzen näher und konnte dabei manche Unklarheit beseitigen sowie eine passende Einbindung dieser Worte in meine Predigt besser einschätzen. Ich fand heraus, dass das Streben nach Gutem gleichbedeutend war mit dem Streben nach Gott, da nur Gott das Gute sein konnte. Kein Geschöpf Gottes konnte nach dieser Konkordanz das Prädikat gut in seiner absoluten Bedeutung für sich in Anspruch nehmen. Als das Böse werden die Sünde und der Satan benannt, die am Ende der Zeit endgültig durch Gott vernichtet werden sollen.

„Die Ethik [werde] durch den Begriff der Bewährung bestimmt“1 und damit eng verbunden sei der Begriff des Prüfens. Diesbezüglich verfolgt die Konkordanz nach Kittel zwei verschiedene Ansätze: Zum einen soll der Christ prüfen, was Gottes Wille ist. Zum andern soll er sich selbst und sein Verhalten einer Prüfung unterziehen, die nach der eigenen Bewährung fragt. Die Bewährung geschieht durch „geduldige[s] Durchhalten im Christusglauben auf das Gericht hin“2. Theoretisch werde die prüfende Einsicht in den Willen Gottes möglich durch die „Neusetzung der menschlichen Existenz im Glauben“3. Dabei erläutert die Konkordanz nach Coenen, dass auch die „rechte Anwendung der Gaben Gottes [und] aller Dienst an der Gemeinde und alle daraus entstehende Frucht“4 entscheide, wie der Gläubige das endzeitliche Gericht Gottes durchlaufe. Hier wird die Bewährung aber nicht nur mit dem Prüfen in Zusammenhang gebracht, sondern auch werde die Bewährung offenbar „in der Treue Gott gegenüber [, ...] in der Liebe zum Nächsten [...] [und] im Festhalten an der Hoffnung in Trübsal“5. Damit war ich wieder bei den Ermahnungen des Paulus im 1. Thess 5,14-24 angekommen.

[...]


1 Kittel, Gerhard, Friedrich, Gerhard (hrsg.), Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Bd.1, Kohlhammer, Stuttgart,1957.

2 ebd.

3 ebd.

4 Coenen, Lothar (hrsg.), Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament, Bd.2, Brockhaus, Wuppertal, 1969.

5 ebd.

Details

Seiten
24
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668295407
ISBN (Buch)
9783668295414
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339616
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
Predigt 1. Thess 5 Weltfrieden Krieg Christen Vorbilder Predigttext

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Eine Predigt zum 1.Thess 5, 14-24