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Der Afghanistan Konflikt in Kurt Krömers Essay "Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will – Zu Besuch in Afghanistan"

Referat / Aufsatz (Schule) 2013 9 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Historische Entwicklung des Afghanistan-Konflikts

2. Akteure

3. Analyse mit dem neorealistischen Modell

4. Aktuelle Situation / mögliche Lösung(en) des Konflikt

5. Quellen

1. Historische Entwicklung des Afghanistan-Konflikts

Bevor der Afghanistan-Konflikt genauer und detailliert analysiert wird, ist es zunächst von Bedeutung, seine historische Entwicklung zu beschreiben.

Der Konflikt in Afghanistan begann 1978 mit einem militärischen Putsch der kommunistischen demokratischen Volkspartei, welche folglich die Macht in der erst seit 1973 bestehenden Republik übernahm. Unterstützt bei der Entwicklung zu einem modernen sozialistischen Staat wurde sie dabei von der Sowjetunion. 1979 wurde der Regierungschef Taraki von einem Gegner (Amin) aus der eigenen Partei erschossen, woraufhin die Sowjetunion bewaffnet in Afghanistan einmarschierte und eine militärische Bedrohung darstellte. Sie führte den Kommunismus ein und Karmal wird neuer Regierungschef. Widerstandsgruppen der Mudschaheddin wurden im Kampf gegen die neue Regierung von den USA und Saudi-Arabien mit Waffen unterstützt, die der ISI (pakistanischer Geheimdienst) an radikalislamische Parteien leitete. Der Krieg dauerte zehn Jahre, verwüstete das Land und brachte viele Opfer und Flüchtlinge. Als Michael Gorbatschow neuer Führer der UdSSR wurde und die wachsende Unbeliebtheit der Sowjetunion und die hohen Kosten erkannte, beschloss er deren Rückzug. Im Februar 1989 zogen die sowjetischen Truppen ab.

Trotzdem gab es weiterhin Auseinandersetzungen, da die Regierung immer noch von der Sowjetunion unterstützt wurde. Wie auch die USA begann die Sowjetunion schließlich hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen abzurüsten und eigene Atomwaffen zu vernichten. Dies führte zum Ende des Kalten Krieges und die Auflösung der Sowjetunion 1991 beendete die bipolare Weltordnung. Dadurch erhielt Afghanistan deren Hilfe nicht mehr und die Zentralregierung brach zusammen, was 1992 einen Bürgerkrieg auslöste. Parteien versuchten, sich gegenseitig zu bekämpfen, um mehr Macht zu erlangen, wobei diese Auseinandersetzungen vor allem in Kabul stattfanden. Ab 1994 entwickelte sich die radikalislamische Taliban und erlangte - unterstützt von Pakistan - immer mehr Macht, woraufhin sie eine strenge Ordnung (vor allem Frauen gegenüber) einstellten und gegen Ungläubige kämpft(e). Oppositionsparteien wurden zurückgedrängt. Nach den Anschlägen am 11.09.2001 der Terrororganisation Al-Qaida auf US-Symbole forderte Präsident Bush die Auslieferung Osama Bin Ladens von der afghanischen Regierung, da diese Al-Qaida Stützpunkte in ihrem Land erlaubten und begann so den „Krieg gegen den Terror“. uf die fehlende Reaktion reagierten die USA mit Luftangriffen und Bodeneinsätzen. Die „Nordallianz“ (Taliban-feindliche Kriegspartei, bestehend aus afghanischen Gruppen und den USA) besetzte wichtige afghanische Städte, woraufhin sich die Taliban-Regierung schließlich auflöste. Doch Taliban-Gruppen wollten einen Wiederaufbau durch Terroranschläge verhindern und hielten sich überwiegend im pakistanischen Grenzgebiet auf oder blieben im Untergrund. Bis Mitte 2002 soll Afghanistan politisch neu geordnet werden - mit der Hilfe westlicher Staaten. Dazu wurde bei einem Abkommen der Gegengruppierungen zur Taliban eine Übergangsregierung unter Hamid Karzai entschieden. Von Mitte 2002 bis Anfang 2008 gab es in Afghanistan eine durch Wahlen legitimierte Regierung, gestützt auf einer Verfassung. Unterstützt wurde diese beim „Nation-Building“ finanziell und organisatorisch von westlichen Staaten, der NATO und der Schutztruppe ISAF (International Security Assistance Force). Trotzdem gibt es noch Auseinandersetzungen mit der Taliban und der Konflikt um Afghanistan ist bis jetzt nicht gelöst.

2. Akteure

Allgemein kann man sagen, mit Akteuren sind die Staaten und Organisationen gemeint, die am Afghanistan-Konflikt beteiligt sind. Das wären also Afghanistan/die afghanische Bevölkerung, die USA, Deutschland, die NATO und die Taliban. Für die folgende Analyse des Konflikts ist es wichtig zu wissen, was diese Akteure jeweils wollen.

Die afghanische Bevölkerung (und Regierung) möchte für ihr Land in allererster Linie Sicherheit und Frieden. Dabei erstrebt sie das Ende des Konflikts mit der Taliban, der Bedrohung und der gewaltsamen Auseinandersetzungen mit dieser. Dafür soll die Taliban ihre Ziele auf rechte Weise durchsetzen, nämlich als Partei bei demokratischen Wahlen1. Außerdem wird ein schnellstmöglicher Wiederaufbau erhofft. Hierzu zählt: eine funktionierende, stabile Regierung und demokratische Wahlen und der Bau von beispielsweise Schulen oder Straßen, welche durch den Krieg zerstört wurden. Auch die Sabotage des pakistanischen Geheimdienstes soll verhindert werden. Die USA wollen einen Sieg über die Taliban um den internationalen Terror durch Al-Qaida zu beenden. Es wird sowohl auf den militärischen Schutz der afghanischen Bevölkerung, als auch auf den der eigenen Soldaten geachtet und deshalb werden viele Lufteinsätze durchgeführt, bei denen viele Zivilisten sterben, was für einen Wiederaufbau Afghanistans kontraproduktiv ist - genau wie das dortige Abladen des eigenen Mülls2. Die USA übernehmen innerhalb der NATO eine dominierende Rolle und können dort ihre eigenen Interessen durchsetzen. Es gibt auch Gerüchte über ein Handeln der USA lediglich aus eigenem Interesse (z.B. Öl) - inwieweit man das glauben kann ist jedoch fraglich. Auch Deutschland arbeitet an einem schnellen Wiederaufbau Afghanistans und sendet Hilfskräfte für den Bau von Straßen oder Ausbilder für Fachkräfte und Ordnungspersonal. Afghanistan soll die Verantwortung für sich selbst tragen können - vor allem in Bezug auf die Sicherheit. Deshalb schickt Deutschland immer weniger Soldaten in das Konfliktgebiet. Für die NATO, die die Führung der Schutztruppe ISAF übernahm, ist der Krieg teuer (Gebiet ist „out of area“) und aufwendig. Sie ist an einem schnellen, guten Ende interessiert und möchte Frieden mit allen Mitteln erzwingen. Auch der eigene Erfolg dort ist für die NATO bedeutend, da ihre „Wirksamkeit“ oft kritisch diskutiert wird. Dennoch bekam sie mehrfach den Einsatzauftrag von den Vereinten Nationen. Die USA ist innerhalb der NATO führend und so basieren ihre Pläne zum Großteil auf den Interessen der USA. An erster Stelle steht jedoch die Sicherheit der afghanischen Bevölkerung.

Die Taliban möchte einen Wiederaufbau verhindern und durch Angriffe auf möglichst viele Opfer Angst und Schrecken in der Bevölkerung verbreiten. Sie wollen einen Krieg gegen Ungläubige führen und gewinnen - mit allen Mitteln. Radikalislamische Selbstmordattentäter erwartet ihrem Glauben nach das Paradies. Sie sind auch anti-westlich eingestellt und nutzen außerdem die Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes.

3. Analyse mit dem neorealistischen Modell

Das neorealistische Modell versucht wie andere Modelle (zum Beispiel das „Netzwerkmodell“) auch, internationale Beziehungen zu erklären. Mithilfe dieses Modells werde ich versuchen, den Konflikt um Afghanistan zu analysieren. Es beschreibt die Beziehungen der Staaten weltweit als „Staatenanarchie“, in der mächtige Staaten schwächere kontrollieren und ihnen ihren Willen aufzwingen können. Sie übernehmen die Rolle der Spieler und stoßen schwache Staaten wie Billardkugeln. Deshalb wird dieses Modell auch Billardkugelmodell genannt.

Im Mittelpunkt des Konflikts steht Afghanistan und kann deshalb als Spielkugel angesehen werden, mit der die anderen Staaten spielen. Das Problem bei der Erläuterung mit dem Billardkugelmodell ist die Rolle von Organisationen. Diese vernachlässigt es und stuft sie in Bezug auf internationale Beziehungen als unwichtig ein. Jedoch sind zum Beispiel die NATO und die Taliban beim Afghanistan-Konflikt sehr bedeutend. Deshalb übernehmen sie bei mir die Rolle von spielenden Staaten, was das neorealistische Modell jedoch nicht vorsieht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Aktuelle Situation / mögliche Lösung(en) des Konflikts

Für Afghanistan soll 2014 ein bedeutendes Jahr werden. Beispielsweise gibt es Wahlen zu einem neuen Präsidenten (Ergebnis vom April 2014 ist nicht eindeutig  Stichwahl im Juni). Außerdem möchte das Land die Verantwortung für die Sicherheit vollständig selbst übernehmen und Truppen ziehen ab. Jene ist jedoch immer noch sehr kritisch und deren Verbesserung hat deshalb höchste Priorität. Dass sich die Bevölkerung nach einem Ende der Bedrohung durch die Taliban sehnt, zeigt sich in der hohen Wahlbeteiligung. Doch dieser Konflikt kann nur durch ernsthafte Gespräche und eventuelle Kompromisse gelöst werden, wozu es jedoch in naher Zukunft nicht zu kommen scheint.

Da es bis jetzt für den Afghanistan-Konflikt noch keine langfristig funktionierende und friedenbringende Lösung zu geben scheint, ist es von sehr großer Bedeutung an verschiedenen Lösungsmöglichkeiten und -ansätzen zu arbeiten. Der Konflikt ist international und betrifft so einige Staaten und Organisationen, die alle an einem schnellen und endgültigen Kriegsende interessiert sind. Weil diese eine solche Lösung bis jetzt noch nicht gefunden haben, ist es natürlich auch für mich schwierig, eine zu erarbeiten.

[...]


1 Vgl.: Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will; Kurt Krömer; (Tankred Lerch); Verlag Kiepenheuer&Witsch (KiWi Paperback); Köln; 2013; ISBN 978-3-462-04536-9; S. 164.

2 Vgl.: Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will; Kurt Krömer; (Tankred Lerch); Verlag Kiepenheuer&Witsch (KiWi Paperback); Köln; 2013; ISBN 978-3-462-04536-9; S. 157-160.

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668291577
ISBN (Buch)
9783668291584
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339515
Note
1,0
Schlagworte
afghanistan konflikt kurt krömers essay ausflug besuch

Autor

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