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Der kindliche Hörsinn aus Sicht von Rudolf Steiner und Maria Montessori

Referat (Ausarbeitung) 2015 10 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sinnesentwicklung nach Rudolf Steiner

3. Die Sinnesentwicklung nach Maria Montessori

4. Entwicklung des Gehörsinnes des Kindes während der pränatalen Phase

5. Entwicklung des Gehörsinnes des Kindes nach der Geburt

6. Der physiologische Vorgang des Hörens (auditiver Sinn)

7. Fehlentwicklungen und psychosomatische Hörblockaden

8. Bedeutung des Hörsinns in der pädagogischen Praxis

9. Literatur

1. Einleitung

Wir alle haben in unserem Leben bestimmt folgende Sätze schon mal gehört: „Ich bin ganz Ohr“, „Die Ohren auf Durchzug stellen“, „Du hast wohl Bohnen auf den Ohren oder hörst du nicht?“.

Die Entwicklung eines Kindes vollzieht sich rasant. Eltern und soziale Umwelt unterstützen das Kind bei der Befriedigung seiner Bedürfnisse und gehen auf die Verhaltensweisen des Kindes ein. Für die Entwicklung der Sinne gibt es keine starren Normen. Bei gesunden Kindern können die Eltern auf den individuellen Entwicklungsplan vertrauen. Seine Umwelt lernt es durch Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken kennen. Durch Bewegung und Experimentieren mit dem eigenen Körper macht es wichtige Erfahrungen. Das Kind muss im wahrsten Sinne begreifen: z.B. durch Anfassen und Probieren. Alles wird befühlt, in den Mund genommen, geschüttelt, zerrissen und geworfen. Die Schnelligkeit unserer modernen Wohlstandsgesellschaft und ein entsprechender Lebensstil lässt den Kindern kaum noch die Möglichkeit, die Welt mit allen Sinnen zu erfassen. Ein deviantes Verhalten ist im Kindergartenalltag immer mehr zu beobachten.

In anderen Kulturen der Welt erleben die Babys ganz andere Sinneserfahrungen als bei uns. In Afrika lernen die Kinder früh, inmitten von Lärm einzuschlafen. Wiegelieder werden zum Einschlafen ganz anderes gesungen (nicht besonders leise) als bei europäischen Babys. Um ihre Kinder warm zu halten, wickelten die Indianerinnen ihre Kinder in kleine Decken aus Hirschkuh-, Hasen- oder Rentierfell. Als Windeleinlage zerkrümelten sie Salbei, trockenes Moos, getrockneten Bison-Dung oder duftende Kräuter. Bei den Inuit wird die Plazenta getrocknet und als erste feste Nahrung nimmt das Baby ein Stückchen davon zu sich. Zu jedem besonderen Ereignis in seiner Kindheit wird das Kind wieder ein Stück Plazenta essen, z.B. beim ersten Anorak oder dem ersten Kajak. Eine Kayapo-Mutter zeichnet mit der Rippe eines Palmblattes als Pinsel farbige geometrische Flächen, Streifen, manchmal auch geschlungene Netze aus geraden oder gebogenen Linien auf das Gesicht des Kindes. Sie lässt ihrer Phantasie freien Lauf und kann sogar Botschaften übermitteln oder spontan ihre Stimmung ausdrücken, z. B. ihre Wut gegen den Ehemann, wenn er nicht auf die Jagd gegangen ist (vgl. Fontanel/d’ Harcourt, 2011, S. 46-196).

Viele Kinder wachsen in der heutigen Zeit in einer sinnesarmen Umgebung auf. Gleichzeitig sind sie von einer reizintensiven Umwelt umgeben. Ihr Hörsinn ist überfordert, z.B. durch permanente Medien- und Umweltgeräusche. Dafür sind aber die elementaren, körpernahen Sinne (z.B. taktiles-, kinästhetisches- und vestibuläres System, Geschmackssinn, Geruchssinn) oft vernachlässigt. Dies kann bei Kindern Unruhe, Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität auslösen. Wahrnehmungsstörungen sind im Kindergarten immer häufiger zu bemerken. Durch Mangel an Anregung fällt es den Kindern schwer, Eindrücke und Informationen einzuordnen. Das Integrieren der Reize ins Gehirn ist empfindlich gestört. Unser Ohr ist das Tor zur Seele. Wie oft hören Kinder den Satz „Sei doch endlich still“. Das Ohr spielt eine zentrale Rolle der Erziehung. Der Begriff „ge-horchen“ hat hier seine Wurzeln. Kinder die nicht hören, tun sich schwer Musik zu erleben, die Sprache zu erlernen, Informationen aufzunehmen oder andere zu verstehen (vgl. Kreusch-Jacob, 2008, S. 11 -13). Die Hörwahrnehmung ist der letzte intakte Sinn, wenn wir im Sterben liegen oder ohnmächtig werden (vgl. Hirler, 1999, S. 16).

Ein Kind wird nur dann wissen, was z.B. das Wort „Banane“ bedeutet, wenn es über die folgenden Sinnesfähigkeiten verfügen kann:

Hören: Es nimmt die für dieses Wort charakteristische Sprachmelodie und den Rhythmus wahr.

Sehen: Es erkennt Form und Farbe der gelben, leicht gekrümmten Frucht.

Tasten: Es greift und fühlt mit Fingern, Lippen und Zunge die Form und Konsistenz der Banane.

Riechen: Es riecht das typische fruchtige Bananenaroma.

Schmecken: Es schmeckt die Süße der Frucht.

All diese Eindrücke sind mit dem Wort „Banane“ verbunden (Wendlandt, 1995, S. 31).

2. Die Sinnesentwicklung nach Rudolf Steiner

Die Vorstellung, dass die Menschheit nur 5 Sinne besitzt, ist lange vorbei. Rudolf Steiner befasste sich viele Jahrzehnte mit der Erforschung von Leib und Sinnen des Menschen. Die Entdeckung von zwölf Sinnen z.B. Sprachsinn, Gedankensinn, Ichsinn, Geruchssinn, Gesichtssinn, Gehörsinn, Tastsinn gehört zu den zentralen Forschungsergebnissen der Anthroposophie (vgl. Steiner, 2009, S. 7-8). Rudolf Steiner sagt, dass Menschen nicht selber hören können, sondern dass andere Wesen ihnen dabei helfen müssen. Wir hören mit der Seele der Engel und nicht durch unsere eigenen Seele, weil wir dafür, grob gesagt, zu egoistisch sind. Engelwesen sind immer uneigennützig als Beschützer des Menschen tätig und begleiten uns immer treu von Inkarnation zu Inkarnation. Darum sind es auch die Engel, die in uns wirken in unserem wahrhaft sozialen, wahrhaft spirituellen Sinnesorgan - im Gehör. Der Temperatursinn ist das erste Sinnesorgan des Menschen, aber das Gehör war noch vor dem Anfang da. (vgl. Soesman, 2009, S. 224-225).

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Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668294820
ISBN (Buch)
9783668294837
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339499
Institution / Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter – Bildungswissenschaften
Note
Schlagworte
Gehörsinn Sinne Waldorfpädagogik Montessoripädagogik

Autor

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