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Welche Auswirkungen hat Cyber-Mobbing auf Jugendliche an Schulen im Vergleich zum Mobbing im traditionellen Sinne?

Seminararbeit 2015 17 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Definition traditionelles Mobbing
2.2 Definition Cyber-Mobbing

3 Traditionelles Mobbing
3.1 Erscheinungsformen von traditionellem Mobbing
3.2 Fallbeispiel von traditionellem Mobbing in der Schule

4 Cyber-Mobbing
4.1 Erscheinungsformen von Cyber-Mobbing
4.2 Fallbeispiel von Cyber-Mobbing in der Schule

5 Parallelen und Unterschiede der Formen
5.1 Auswirkungen
5.2 Parallelen zwischen den Mobbingformen
5.3 Unterschiede zwischen den Mobbingformen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract

Diese Arbeit erforscht, welche Auswirkungen Cyber-Mobbing auf Jugendliche im Vergleich zum Mobbing im traditionellen Sinne hat. Hierzu werden ausge- wählte Erscheinungsformen beider Mobbingformen an Schulen untersucht und verglichen. Es wurde festgestellt, dass beide Mobbingformen psychische oder physische Auswirkungen auf Jugendliche haben können, jedoch besitzt Cyber- Mobbing durch seine Verbreitung und Unkontrollierbarkeit weitreichendere und intensivere Auswirkungen im Vergleich zum Mobbing im traditionellen Sinne. Präventive Massnahmen an Schulen sind ein geeignetes Mittel, jedoch könnten diese durch intensive Forschung der Langzeitauswirkungen beider Mobbing- formen gezielter festgelegt werden.

1 Einleitung

„Die Opfer finden sich vor Tausenden am Pranger, ohne zu wissen, wer die Urheber der Hänselkampagne sind. Mit dem Läuten der Pausenglocke ist das Schikanieren längst nicht mehr vorbei“ (Spiegel, 2007, S.107).

Mobbing an Schulen ist kein neues Phänomen, wobei in den letzten Jahrzehn- ten sich diese Phänomen grade an Schulen drastisch weiterentwickelt hat (Ce- nicola, 2010, S.1). „Jedes Jahr unternehmen in Deutschland 30.000 Kinder und Jugendliche einen Suizidversuch. 1000 dieser Versuche enden tödlich“ (Ge- bauer, 2007, S.90). Mit dem Web 2.0 entstanden zahlreiche Kommunikations- plattformen für Jugendliche, welche für die Veröffentlichung persönlicher Bei- träge aus dem eigenen Leben verwendet werden. Diese innovative Entwicklung bringt nicht nur unzählige Vorteile mit sich, sondern ebenfalls Schattenseiten und negative Auswirkungen (Fawzi, 2009, S.224). Doch welche Auswirkungen hat Cyber-Mobbing auf Jugendliche in Schulen im Vergleich zu Mobbing im tra- ditionellen Sinne?

Um die Auswirkungen vom Cyber-Mobbing im Vergleich zum traditionellen Mobbing an Schulen zu untersuchen, sollen in der vorliegenden Arbeit ausge- wählte Erscheinungsformen an Schulen erläutert und gegenübergestellt wer- den. Im zweiten Kapitel werden zuerst die begrifflichen Grundlagen beschrie- ben. Danach wird in den folgenden Kapiteln drei und vier jeweils auf das traditi- onelle Mobbing bzw. Cyber-Mobbing eingegangen. Anschliessend werden die Erkenntnisse gegenübergestellt und verglichen - daraus resultieren die Auswir- kungen und Parallelismen bzw. Gemeinsamkeiten der beiden Mobbingformen.

2 Begriffliche Grundlagen

2.1 Definition traditionelles Mobbing

„Der Begriff Mobbing kommt vom engl. ’to mob’ = schikanieren, anpöbeln“ (Gebauer, 2005, S.8). Bullying und Mobbing werden zeitgemäss als Synonyme verwendet (Wachs, 2009, S.8), weshalb in dieser Arbeit nur auf den Begriff Mobbing eingegangen wird.

Es existieren unterschiedliche Definitionen von Mobbing. Die am häufigsten verwendete Definition formulierte der Schwede Dan Olweus (1996): „A person is bullied when he or she is exposed, repeatedly and over time, to negative ac- tions on the part of one or more other persons, and he or she has difficulty de- fending himself or herself“ (S.9). Jäger, Fischer, Riebel und Fluck (2007, S.8) definieren direktes Mobbing als eine wiederholende und gezielte körperliche oder verbale Aggression gegenüber Schwächeren. Opfer solcher dauerhaften Aggressionen sind oft schutzlos und lassen solche Angriffe über sich ergehen, ohne sich zu wehren (Jäger et al., 2007, S.8). Das ausschlaggebende Merkmal ist die wiederholende Tätigkeit des Mobbings und ein Ungleichgewicht der Kräf- te, somit werden gemäss Jäger et al. (2007, S.8) einmalige Rangeleien unter seelisch gleich starken Schüler/innen nicht als Mobbing bezeichnet.

Da sich diese Arbeit auf Schulen beschränkt, formulierte Gollnick (2006) eine spezifische Definition dazu: „Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation in der Klasse [...] oder zwischen Lehrperson(en) und Schüler/innen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder mehreren Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt der Ausgrenzung aus der Lerngruppe direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet. Dabei sind die Angriffe in verletzender Weise tendiert (beabsichtigt) und können sich gegen einzelne, aber auch gegen eine Gruppe richten [...]“ (S.36).

2.2 Definition Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing entstand erst durch die Entwicklung des Internets und seinen zahlreichen Möglichkeiten der Nutzung - im Vergleich zum traditionellen Mob- bing an Schulen ist dieses Phänomen eher neuartig (Cenicola, 2010, S.3). Da keine einheitliche Definition von Cyber-Mobbing besteht, ist die gängigste Wahl die Übernahme der Definition vom traditionellen Mobbing auf Cyber-Mobbing mit der Ergänzung von Mobiltelefonen und des Internets (Fawzi, 2009, S.31). Kowalski und Limber (2007) definieren Cyber-Mobbing als: „bullying through e- mail, instant messaging, in a chat room, on a website, or through a text messa- ge sent to a cell phone“ (S.24).

Eine detailliertere Definition haben Jäger et al. (2007) formuliert: „Bei Cyber- Mobbing geht es darum, dass neue Techniken, wie z.B. E-Mail, Chats, Instant Messaging Systeme (wie z.B. ICQ oder MSN) oder auch Handys eingesetzt werden, um immer wieder und mit voller Absicht andere zu verletzen, sie zu bedrohen, sie zu beleidigen, Gerüchte über sie zu verbreiten oder ihnen Angst zu machen“ (S.8). Kowalski, Limber und Agatston (2008, S.62) stellen fest, dass ebenfalls ein Kräfteungleichgewicht herrscht, da in der virtuellen Welt anonym und unabhängig vom Ort und Zeit die Möglichkeit besteht, jemanden zu schikanieren oder Gerüchte und Lügen zu verbreiten. Hinduja und Patchin (2009, S.23) definieren Cyber-Mobbing als eine invasive Plage, da Nachrichten und Inhalte ungehindert an unzählige Empfänger versendet werden können und die Opfer an jeglichen Orten schutzlos ausgeliefert sind. Somit können auch einmalige Angriffe einzelner Personen sich so verbreiten, dass das Opfer über einen längeren Zeitraum und von mehreren Personen gleichzeitig gemobbt werden können (Kowalski et al., 2008, S.62).

Auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Cyber-Mobbing im Vergleich zum traditionellen Mobbing wird in den nächsten Kapiteln genauer eingegan- gen.

3 Traditionelles Mobbing

3.1 Erscheinungsformen von traditionellem Mobbing

Das traditionelle Mobbing wird differenziert in drei Kategorien: verbales Mobbing, physisches Mobbing und psychisches Mobbing (Buchegger, 2009, S.7). Wachs (2009, S.13) stellt fest, dass sämtliche Kategorien kombiniert oder einzeln auftreten können, jedoch verbales Mobbing von beiden Geschlechtern oft ausgeführt wird, wobei physisches Mobbing eher von Jungen und psychisches Mobbing eher von Mädchen angewendet wird.

Mobbing an Schulen wird als aggressiver Akt gedeutet, Schüler/innen werden über einen längeren Zeitraum, oftmals über Jahre, gemobbt oder aus Gruppen ausgeschlossen (Gebauer, 2005, S.29). Zudem ergänzt Fawzi (2009, S.10), dass Mobbing eine zyklische Struktur besitzt. Opfer von Mobbing sind oftmals Aussenseiter/innen, welche dadurch versuchen ihr Verhalten anzupassen, jedoch wieder Reaktionen bei ihren Mitschüler/innen hervorrufen und dies in einem endlosen Kreis endet (Fawzi, 2009, S.10).

Olweus (2000, S.10) legt vier zentrale Merkmale fest, welche erfüllt sein müs- sen, damit von traditionellem Mobbing in der Schule gesprochen werden kann:

- Repetition der Angriffe über einen längeren Zeitraum
- Beabsichtigte verbale, psychische oder physische Verletzung
- Machtungleichgewicht der Kräfte
- Unterlegenheit und Hilflosigkeit des Opfers

Das verbale und physische Mobbing werden als direkte Formen und das psychische Mobbing zur indirekten Form des Mobbings kategorisiert (Cenicola, 2010, S.8). Wachs (2009, S.21) stellt fest, dass Mobbing an Schulen oftmals in den Pausen, auf dem Schulhof oder auf dem Heimweg stattfindet, da hier oftmals Mangel an erwachsenen Aufsichtspersonen herrscht. Diese Angriffe auf Schwächere ausserhalb der Schule sind nur sehr schwer kontrollierbar und werden gemäss Gebauer (2005, S.30) durch Verlust von sozialen Kontakten und Abwertung des sozialen Ansehens des Opfers verstärkt.

Die Erscheinungsformen von Mobbing in einer Klasse können unzählig sein. Gebauer (2005, S.30-31) definiert einige dieser Erscheinungsformen wie folgt:

- Kleidungsstücke, Fahrräder, Ausrüstung und Schulsachen werden ver- steckt, beschädigt oder zerstört.
- Über Schüler/innen werden Gerüchte verbreitet oder hinter seinem/ihren Rücken wird schlecht geredet.
- Ausschluss von Gruppenarbeiten und öffentliche Demütigung.
- Körperliche Übergriffe, sexuelle Diffamierungen und Provokationen.
- Gruppenbildung durch aggressive Anstachlung gegen das Opfer.
- Persönliche Eigenschaften des Opfers werden blossgestellt.
- Erpressungen

3.2 Fallbeispiel von traditionellem Mobbing in der Schule

Gemäss Scheithauer, Hayer und Petermann (2003, S.13) ist das Ausmass von traditionellem Mobbing an Schulen beachtlich, welch demütigenden Dimensionen dieses annehmen kann, wird im folgenden Beispiel illustriert.

„Katja hat einen IQ von 140 (Hochbegabung). Ihre schulischen Leistungen sind durchwegs hervorragend. Katja wird seit Monaten von einer Gruppe Mitschüler/ innen als Streberin bezeichnet. Trotzdem geht sie unbeirrt ihren Weg und nimmt ihre schulische Arbeit ernst. Verbalen Attacken folgen nun andere Vor- kommnisse: Turnschuhe verschwinden, Kleidungsstücke finden sich in der WC- Schüssel wieder, das Velo steht oft ohne Luft da. Katja wird nie mehr an Partys eingeladen, in «Geheimnisse» nicht mehr eingeweiht. Die Ausgrenzung ist of- fensichtlich und für Katja sehr schmerzlich“ (Kunz, 2011, S.14).

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668292376
ISBN (Buch)
9783668292383
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339312
Institution / Hochschule
Fachhochschule St. Gallen – Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft IQB-FHS
Note
5.0
Schlagworte
Mobbing Schule Jugendliche Benachteiligung Diskriminierung Weber Cyber-Mobbing Vergleich Schulen Mobbing-Opfer Psychologie Soziologie Verhalten Psycho

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