Lade Inhalt...

Die Bedeutung der Rationalität im Controlling

Bachelorarbeit 2016 30 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Controlling
2.1 Begriff des Controllings
2.2 Aufgaben des Controllings
2.3 Anforderungen an den Controller

3 Menschenbildim Controlling
3.1 Das traditionelle Modell des Homo oeconomicus
3.1.1 Die Bedeutung der Rationalität
3.1.1.1 Rationalitätsunterscheidungen in der Philosophie
3.1.1.2 Praktische Rationalität in den Sozialwissenschaften
3.1.2 Die ökonomische Rationalität
3.2 Verhaltensorientiertes Controlling
3.2.1 BegrenzteRationalitätalsGrundlage
3.2.2 Zwei menschliche Denksysteme als zwei Rationalitäten

4 Fazit

5 WeiterführendeBetrachtungen

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Controlling nimmt eine entscheidende Rolle innerhalb einer Organisation einundist aus Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig wächst in den wirtschaftswissenschaftlichen Forschungen die Bedeutung dieses Forschungsfeldes, welches seinen Ursprung in der Praxis hat. Die Literatur hat noch keine einheitliche Vorstellung davon, was unter diesem Gebiet zu verstehen ist.Dementsprechend nehmen Controller in der betrieblichen Praxis viele verschiede Aufgaben war. So kann es sein, dass in der betrieblichen Praxis völlig verschiedene Aufgaben zum Controlling gehören oder auch gar keine Abteilung des Controllings existiert.

Zu beobachten sind in der Literatur zwei mögliche Perspektiven. Zum einen das traditionelle Controlling mit derimmer stärker in Kritik geratenen Modellannahme des Homo oeconomicus. Zum anderen gewann in diesem Zeitraum die aus dem angloamerikanischen Raum stammende Perspektive des Behavioral Economics im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung. Daraus hat sich die Perspektive des verhaltensorientierten Controllings entwickelt.

In beiden Modellen ist die Rationalität von entscheidender Bedeutung, wenngleich sie zur Rationalität teilweise unterschiedliche Auffassungen vertreten. So wird bei dem Modell des Homo oeconomicus von der reinen Rationalität ausgegangen, während im verhaltensorientierten Controlling von einer beschränkten Rationalität ausgegangen wird. So verschieden die Auffassungen im Controlling sind, so teilen doch alle eine bestimmteAnsicht darüber, welches Verhalten angestrebt werden sollte. Dieses soll ein rational geprägtes Verhalten sein, wodurch die Entscheidungen für das Unternehmen optimal ausfallen sollten.

Rationalität ist ein zentraler Begriff im Controlling, der jedoch in der Literatur kaum näher betrachtet wird. Aus diesem Grund werde ich mich in dieser Arbeit mit dem Begriff der Rationalität und ihrer Bedeutungim Controlling auseinandersetzen. Ich werde in der Arbeit der Frage nachgehen, ob sich die Bedeutung der Rationalität durch ein verhaltensorientiertes Controlling geändert hat. Zur Klärung dieser Frage ist zu erläutern, was unterControlling verstanden werden kann, welche Aufgaben ihm zukommen und welche Anforderungen an den Controller gestellt werden.Im Anschluss werde ich zwei Modelle vorstellen, die das Menschenbild im Controlling prägen. Zuerst werde ich dabei auf das traditionelle Modell des Homo oeconomicus eingehen, bei dem die Rationalität ein wichtiger Begriff ist. Aus diesem Grund soll im Anschluss geklärt werden, was es mit der Rationalität auf sich hat. Dieser Begriff ist wie das Controlling nicht eindeutig definiert, deshalb soll eine Darstellung der Rationalität erfolgen, auch um die Entwicklung der Rationalitätsauffassung im Controlling zu veranschaulichen.Zunächst beginne ich mit der philosophischen Sichtweise auf die Rationalität und gehe im Anschluss über zur sozialwissenschaftlichen Perspektive. Darauf aufbauend stelle ich dann die Auffassung in der Ökonomie vor. Diese Darstellung der Entwicklung hin zur ökonomischen Rationalität soll die Bedeutung der Rationalität für das Modell des Homo oeconomicus darstellen.Anschließend erfolgt eine Betrachtung des verhaltensorientierten Controllings. In diesem Ansatz wird die Rationalität als begrenzt begriffen. Diese Begrenztheit soll näher vorgestellt werden, da sich hieraus ein anderes Menschenbild ergibt. Weiterhin gibt es im verhaltensorientierten Ansatz psychologische Erkenntnisse, die übernommen wurden. Eine solche Erkenntnis ist die Unterscheidung von Kahneman, die daraufhin vorgestellt werden soll.Daraus soll abschließend hervorgehen, ob die Rationalität im Controlling durch den Einfluss des verhaltensorientierten Ansatzes einen Bedeutungswandel erfahren hat.

Ich benutze zur Ausarbeitung Literatur zur Einführung in das Thema des Controllings. Diese beschäftigt sich unter anderem mit dem verhaltensorientiertem Controlling. Besondere Beachtung findet dabei das Lehrbuch „Einführung in das Controlling“ von Jürgen Weber. Zur Aufarbeitung des Rationalitätsverständnisses werde ich auf Literatur der Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften und Philosophie zurückgreifen, um die Auffassung der einzelnen Wissenschaften nachvollziehen zu können.

2 Controlling

Das Controlling ist aus der Unternehmenspraxis nicht mehr wegzudenken.Obwohl es eine wichtige Funktion in Organisationen eingenommen hat, gibt es in der Fachliteratur keine allgemein anerkannte Definition des Begriffes. Aus diesem Grund vertretenzahlreiche Definitionen unterschiedliche Auffassungen darüber, welche betriebswirtschaftlichen Bereiche damit in Verbindung gebracht werden müssen und welche Arbeitsaufgaben ein Controller hat. Je nach Perspektive sind andere Erwartungen und Vorstellungen an das Controlling festzustellen(vgl. Schorb Manfred, 1994, S.34). Deshalb ist es möglich, dass„der Controller [...] auf einen kleinen Teil seiner tatsächlichen Aufgaben reduziert [wird]“ (Grömminger Torsten, 2010, S.4), wodurch er nur einen Teil seines möglichen Aufgabenspektrums wahrnimmt. Eine solche Reduzierung wird vorgenommen, wenn Controlling mit Kontrolle gleichgestellt wird. Wenn dies erfolgt, dann werden die Aufgaben des Controllers auf die reine Kontrolle reduziert(vgl. Krause Hans-Ulrich, 2001, S.30).Andererseits kann dem Controlling eine Vielzahl an Aufgaben zugedacht werden, so dass ,,die Auffassungen zum Controlling von der Informationsversorgung über die Koordination einzelner oder aller Führungsteilsysteme und die Sicherstellung der Rationalität der Führung bis zur Mitverantwortung für die Erfüllung der Unternehmensziele reichen"(Friedl Birgit, 2003, S.1) können.Wenn keine klare allgemeingültige Definition angeführt werden kann, muss eine Darstellung darüber erfolgen, was unter dem Begriff des Controllings in dieser Arbeit verstanden werden kann.

2.1 Begriff des Controllings

Es können zwei wesentliche Perspektiven auf das Controlling unterschieden werden. Zum einen die funktionale Perspektive und zum anderen die institutionelle. (vgl. Schorb Manfred, 1994, S.35)

Die funktionale Perspektive betrachtet den Manager als Aufgabenträger, der das Controlling durchzuführen hat. Seine Aufgabe besteht dann darin, die geplanten Prozesse zu kontrollieren und auf unplanmäßige Abweichungen zu reagieren, um für eine konsequente Zielausrichtung des Unternehmens Sorge zu tragen. (vgl. Schorb Manfred, 1994, S.35)

Eine institutionelle Perspektive auf das Controlling sieht dabei im Gegensatz zur funktionalen Perspektive einen speziellen Aufgabenträger vor und somit eine eigens geschaffene Arbeitsstelle, die von einem Controller ausgefüllt wird(vgl. Schorb Manfred, 1994, S.35).Sie gibt ein klareres Bild für diese Arbeit, da sie für das Controlling eine spezielle Person vorsieht, die ausschließlich Aufgaben des Controllings wahrnimmt. So spricht diese Perspektive im Gegensatz zur funktionalen Perspektive eine konkrete Person an. Es ist so möglich, die Anforderungen an den Controller zu betrachten und somit Überschneidungen mit den Anforderungen an den Manager zu vermeiden. Eine klare Abgrenzung zwischen Manager und Controller ist wichtig, da sich„[d]ie unterschiedlichen Eigenschaften von Managern und Controllern [...] empirisch bestätigen [lassen].“(Weber Jürgen, 2014, S.41)

Controlling kann verstanden werden „als ein zielorientiertes Steuerungssystem im Managementprozess, das funktionsübergreifend unternehmerische Entscheidungen durch Informationser- und verarbeitung unterstützt.“ (Kraus Hans-Ulrich, 2001, S.30) Dieses Verständnis ist charakterisiert durch das wahrnehmeneiner „Dienstleistungsfunktion im Managementprozess, [eine] Funktionsübergreifende Koordinationsfunktion innerhalb des Unternehmens [und einer] Informationsfunktion im Entscheidungsprozesses“ (Kraus Hans-Ulrich, 2001, S.30). Diese Funktionen stellen einzelne Problemfelder dar. Es gibt mehrere Konzeptionen, die sich in ihren Ansätzen zu den Problemfeldern unterscheiden und die Aufgabenschwerpunkte anders bewerten.„Als wesentliche Controllingkonzeptionen lassen sich [...] ein informationsbezogener, ein erfolgszielbezogener und ein koordinationsbezogener Ansatz unterscheiden.“ (Weber Jürgen, 2014, S.27) Auf der Basis einer kritischen Beschäftigung mit dem koordinationsbezogenen Ansatz wurde der "Rationalitätssicherungsansatz"(Weber Jürgen, 2014, S.26) entwickelt, der alsrelevante Perspektive für diese Arbeit dient. (vgl.Weber Jürgen, 2014, S.26)

Der Rationalitätssicherungsansatz ist für diese Arbeit ein interessantes Konzept, da es sich direkt mit der Rationalität auseinandersetzen muss.Dies erfolgt, um rationale Entscheidungen in der Unternehmensführung sicherzustellen(vgl. Friedl Birgit, 2003, S.149).Der Ansatz erkennt das Problem, das Manager Rationalitätsdefizite aufweisen können. Die Defizite können "Wollens- und Könnensbeschränkungen der Manager“ (Weber Jürgen, 2014, S.26) sein, wodurch Unternehmensziele nicht erreicht werden können. Dem Controlling kommt die Aufgabe zu,solche Defizite zu erkennen und darauf zu reagieren und schlussendlich rationale Entscheidungen zu erwirken, die dem Zweck der Unternehmung entsprechen. (vgl. Weber Jürgen, 2014, S.26-27)

2.2 Aufgaben des Controllings

Je nach Konzeption werdendem Controlling unterschiedliche Aufgaben zugedacht.An dieser Stelle werden die zentralen Funktionen genannt,die in allen Konzeption, mal mehr oder mal weniger, erscheinen.

So wird die Aufgabe des Controllings „heute generell als Funktion zur Führungsunterstützung angesehen.“ (Friedl Birgit, 2003, S.148)In dieser Funktion soll „die Qualität der Führungsentscheidungen [...] verbessert werden“ (Schorb Manfred, 1994, S.36), insbesondere in den Bereichen der Planung, Kontrolle und Informationsgewinnung.

Es kann als eine Hauptaufgabe des Controllers gesehen werden Informationen aufzuarbeiten. Die dann aufbereiten Informationen sollen den Managern zur Verfügung gestellt werden. Die Versorgung der Manager mit Informationen bildet die Grundlage von Planungsprozessen und der im Anschluss stattfindenden Kontrolle. Die Führung soll aber nicht nur durch Informationsbereitstellung unterstützt werden, sondern der Controller soll das Management auch in der Planung und Kontrolle direkt unterstützen. In der Planung soll er deshalb „die Konzipierung sowie die Koordination des Planungsprozesses“ (Schorb Manfred, 1994, S.38) unterstützen.Mit Hilfe dieser Unterstützung soll eine systematische Planung sichergestellt werden, die den Unternehmenszielen entspricht. In der Kontrolle ist es seine Aufgabe, den Managern „Kontrollhilfen zur Verfügung“ (Schorb Manfred, 1994, S.38) zu stellen, die eine Steuerung gemäß den Unternehmenszielen ermöglicht. Geschehen soll dies nicht nur durch die Erstellung von Kontrollberichten, sondern auch durch die Einführung von Kontrollverfahren in die Organisation.

Diese Hauptaufgaben sollen gewährleisten, dass die Führungsentscheidungen von hoher Qualität sind und damit Führungsfähigkeiten verbessern(vgl. Schorb Manfred, 1994, S.36-39).Wenn die Qualität von Entscheidungen verbessert oder sichergestellt werden soll, muss damit im Sinne des Rationalitätssicherungskonzepts eine rationale Qualität gemeint sein. In diesem Konzept werden dem Controller weitere Aufgaben zugedacht und zwar, Rationalitätsdefizite zu erkennen und im Anschluss zu beseitigen. Damit hat der Controller die zusätzliche Aufgabe, rationale Entscheidungen der Unternehmensführung sicherzustellen.

2.3 Anforderungen an den Controller

Im Controlling müssen nach den vorherigen Erkenntnissen verschiedene Aufgaben erfüllt werden, sodass an die Person des Controllers ein breites Spektrum an Anforderungen geknüpft wird, damit er diesen gewachsen ist. Dem Controller kommt in den Aufgaben, die er erfüllen soll, eine Rolle zu in der er als ein Vermittler agiert undim Rationalitätssicherungskonzept dafür sorgt, dass die Führungsentscheidungen rational ausfallen. Wenn er diesen vielfältigen Aufgaben nachkommen soll, müssen die Anforderungen an den Controller so ausgelegt sein, dass er rationale Entscheidungen erwirken kann. Das Herbeiführen solcher Entscheidungen und das Agieren als Vermittler ist nur möglich, wenn ihm genug Vertrauen entgegengebracht und er als Vermittler anerkannt wird.Aus diesem Grund werden Anforderungen an den Controller gestellt, die sonst mit denen eines Richters in Verbindung gebracht werden.So sollen den Controller „Neutralität und Unabhängigkeit sowie Unbestechlichkeit“ (Weber Jürgen, 2014, S.42) auszeichnen. Als neutraler Unterstützer des Managements verfolgt der Controller keine eigenen Ziele. Seine Unabhängigkeit ermöglicht das freie Beurteilen von Entscheidungen, sowie deren Bewertung, da sie nicht von anderen beeinflusst werden. Die Unbestechlichkeit ist eine Anforderung, welche sicherstellt, dass andere Akteure die Entscheidungen des Controllers nicht verändern. Diese Anforderungen stellen sicher, dass er als vertrauenswürdig anerkannt wird und geben ihm die Möglichkeit, eine vermittelnde Rolle einzunehmen.(vgl. Weber Jürgen, 2014, S.42)

[...]

Details

Seiten
30
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668288898
ISBN (Buch)
9783668288904
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339271
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Schlagworte
Controlling Rationalität im Controlling begrenzte Rationalität ökonomische Rationalität Menschenbild im Controlling

Autor

Zurück

Titel: Die Bedeutung der Rationalität im Controlling