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Die Vater- und Tochterbeziehung in Lessings "Emilia Galotti" und "Minna von Barnhelm"

Hausarbeit 2014 13 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das 18. Jahrhundert der Aufklärung
2.1 Die patriarchale Familienordnung
2.2 Die Familienordnung in Lessings Dramen

3. Minna von Barnhelm - Eine Komödie (1767)
3.1 Die Familie
3.2 Die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Minna und Graf von Bruchsall

4. Emilia Galotti - Ein bürgerliches Trauerspiel (1772)
4.1 Die Familie
4.2 Die Vater-und Tochter-Beziehung zwischen Emilia und Odardo Galotti

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Familie, die disziplinenübergreifend einen erheblichen Diskussionsgegenstand darstellt, ist ein auschlaggebendes Motiv der Literatur des 18. Jahrhunderts. Die Institution Familie, die sich klassisch aus Vater, Mutter und Kind zusammensetzt, konstituiert sich in Lessings Dramen unterschiedlich. Die Familie besteht nicht selten aus Vater und Tochter, auf deren Beziehung auch der Fokus gerichtet ist. Auch der Konflikt wird zwischen Vater und Tochter gespannt, der zu lösen ist.

In der vorliegenden Arbeit sollen zwei Dramen G. E. Lessings, Emilia Galotti und Minna von Barnhelm, aufgegriffen werden und vor dem Hintergrund des zeitgenös- sischen Diskurses im Hinblick auf die Vater-und Tochterbeziehung untersucht werden. Die Untersuchung der Dramen basiert darauf, wie sich die Tochter- und Vaterfiguren jeweils geprägt sind und wie ihre gemeinsame Interaktion bzw. Verhältnis geprägt ist. Dementsprechend ist die vorliegende Arbeit folgendermaßen aufgebaut: Da die Dramen Lessings in das 18. Jahrhundert verortet werden, wird zunächst das 18. Jahrhundert der Aufklärung vor dem Hintergrund seiner patriarchalen Familienordnung skizziert. Paral- lel dazu werden die familiären Sozialstrukturen in Lessings Dramen dargestellt. (2.) Die Untersuchung beginnt mit Minna von Barnhelm. Da es sich hierbei um eine Komödie handelt, wird zunächst auf ihre Dramengattung eingegangen. Anschließend wird die Familienkonstellation in der Komödie vorgestellt, sodass im nächsten Kapitel die Be- ziehung zwischen Minna und ihrem Vater untersucht werden kann. (3.) Im nächsten Kapitel wird das bürgerliche Trauerspiel Emilia Galotti zur Untersuchung herangezo- gen. Die Untersuchung des bürgerlichen Trauerspiels erfolgt nach dem gleichen Prinzip der Komödie Minna von Barnhelm. (4.) Im letzten Kapitel werden die im Hauptteil er- zielten Ergebnisse im Hinblick auf die jeweiligen Vater- und Tochterbeziehungen re- sümiert. Sowohl die Vaterfiguren Odardo Galotti und Graf von Bruchsall als auch die Tochterfiguren Emilia Galotti und Minna von Barnhelm werden im Hinblick auf Ge- meinsamkeiten und Unterschiede verglichen und versucht diese zu kategorisieren. Die Arbeit ist als Überblick zu verstehen, sodass sie nicht weitere Untersuchungsaspekten gerecht werden kann.

2. Das 18. Jahrhundert der Aufklärung

Im 18. Jahrhundert, das durch die anthropologische Wende und aufklärerischen Ten- denzen geprägt war, kam vielschichtige Kritik gegenüber der zeitgenössisch herrschen- den gesellschaftlichen Ordnung und der Kirche zum Vorschein. Vor dem Hintergrund der absolutistischen Herrschaft waren unbedingter Fortschrittsglaube und Orientierung nach geistiger Emanzipation Merkmale und Tendenzen des zeitgenössischen Diskurses.

2.1 Die patriarchale Familienordnung

Konträr dazu herrschte im „bürgerlichen“ Privatbereich eine patriarchische und autonome Familienstruktur. Die Familienordnung zeichnete sich aus durch Autoritäts- und Abhängigkeitsverhältnisse. Der Vater, der Patriarchat der Familie, hatte die ‚absolute’ Macht innerhalb der Familie. In seine Zuständigkeit fiel die Sicherung der Hausgemeinschaft, die sich aus Frau und den Kindern zusammenstellte.1

„[D]er Vater als Haupt der Familie und Inhaber der `väterlichen Gewalt´ [konnte] die Angelegenheiten der Familie unabhängig von den Wünschen der anderen Familienmitgliedern entscheiden [...].“2 Insbesondere suchte er die zukünftigen Ehemänner seiner Töchter aus - die Meinung der Töchter war irrelevant. Sowohl die Ehefrau als auch die Kinder waren der väterlichen Gewalt unterstellt und „[d]ie Kinder“ waren ihm, „der väterlichen Gewalt“, zu „Gehorsam und Ehrfurcht verpflichtet.“3

Die Mutter und zugleich Ehefrau fungierte zeitgemäß lediglich zur Erzeugung von Kindern und deren den moralischen Werten entsprechenden Erziehung, die seitens des Vaters kontrolliert wurde. Die geschlossenen Ehen waren dementsprechend weniger Produkte von leidenschaftlichen Liebesbeziehungen als vielmehr ökonomisch bedingte Zweckgemeinschaften.

2.2 Die Familienordnung in Lessings Dramen

In Lessings Dramen bilden ‚bürgerliche’ Kleinfamilien das Ensemble. In diesem Kon- text muss der Terminus unter seiner zeitgenössischen Bedeutung betrachtet werden, der dazu diente, „die private, häusliche, nicht standesgebunde Sphäre gegen die öffentliche Sphäre des Hofes abzusetzen [...] [;] die private Sphäre der Familie wurde als „allge- meinmenschliche“ reklamiert, der gegenüber die höfische Sphäre als unpersönlich, kalt und menschenfeindlich erschien.“4

In Lessings Dramen setzen sich die innerfamiliären Konflikte aus einem vorge- gebenen bürgerlichen Tugendkanon „wie Humanität, Toleranz, Gerechtigkeit, Mitleids- fähigkeit, Sittlichkeit, Gefühlsreichstum“ zusammen.5 Die Familienkonstellationen in den Dramen konstituieren sich unvollständig, sodass per se eine zerstörte Sozialstruktur der Familie vorhanden ist. Durch die Aussparung der Mutterfiguren, rückt der Fokus auf die anderen Familienmitglieder. Die Mütter sind in diesem Sinne nicht selten ver- storben oder spielen lediglich eine Nebenrolle und sind bei der Zuspitzung des Kon- flikts nicht beteiligt. Daraus folgt, dass der Konflikt sich zwischen dem Familienvater und den Kindern anbahnt und verstrickt ist.

3. Minna von Barnhelm - Eine Komödie (1767)

Die Theorie der Komödie,6 die in Abgrenzung zur Tragödie eine Untergattung des Dramas darstellt, geht bis auf die Antike zurück. Vor dem Hintergrund der antikischen Diskurse war sie, die Komödie, aufgrund der Beibehaltung der Ständeklausel poetolo- gisch geprägt. Das bedeutet, dass nach der Poetik Aristoteles´ Komödien, besetzt durch schlechtere bzw. sozial niedere Menschen, „lächerliche“ und „komische“ Stoffe behan- delten. Aristoteles differenziert bei der Ständeklausel zwischen Adeligen und Nichtade- ligen, die er durch „gute“ und „schlechte“ Menschen umschreibt. Im 17. Jahrhundert greift Martin Opitz diese Theorie auf und fixiert die klare Abgrenzung der Komödie von der Tragödie anlehnend an die Ständeklausel in seinem Buch von der Deutschen Po- eterey 7.8

Erst zur Aufklärung wird die Komödie mit G. E. Lessing neu positioniert.

[...]


1 Vgl. Neuhaus-Koch, Ariane: G. E. Lessing. Die Sozialstrukturen in seinen Dramen (Abhandlung zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft, Band 245), Bonn: Bouvier 1977, S. 10ff.

2 Ebd.

3 Ebd. S. 11.

4 Beutin, Wolfgang [u. a.]: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 8., aktualisierte und erweiterte Aufl., Stuttgart: Metzler, 2013, S. 167.

5 Ebd.

6 Ab dem 16. Jahrhundert etabliert sich der Alternativbegriff „Lustspiel“.

7 Die Comedie bestehet in schlechtem wesen vnnd personen: redet von hochzeiten / gastgeboten / spielen / betrug vnd schalckheit der knechte / ruhmrätigen Landtsknechten / buhlersachen / leichtfertigkeit der ju gend / geitze des alters / kupplerey vnd solchen sachen / die täglich vnter gemeinen Leuten vorlauffen. Haben derowegen die / welche heutiges tages Comedien geschrieben / weit geirret / die Keyser vnd Potentaten eingeführet; weil solches den regeln der Comedien schnurstracks zuewieder laufft. [...]. Opitz, Martin: Buch von der Deutschen Poeterey, nach der Edition von Wilhelm Braune, neu hrsg. von Richard Alewyn, 2. Auflage, Tübingen: Niemeyer 1966, S. 20.

8 Vgl. Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Germanistik. Berlin: Schmidt 1977, S. 171. 4

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668288232
ISBN (Buch)
9783668288249
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339240
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,7
Schlagworte
Lessing bürgerliches Trauerspiel Emilia Galotti Minna von Barnhelm Vater-Tochter-Beziehung
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