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Depressionen in deutschen Unternehmen. Ursachen, Verbreitung, Folgen und Prävention

Seminararbeit 2014 18 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Gegenstand der Arbeit
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Thematische Abgrenzung
1.4 Methodik und Überblick über die Arbeit

2. Definition des Begriffs „Depression“
2.1 Wortbedeutungen
2.2 Begriffliche Abgrenzungen zu Stimmungsschwankungen
2.3 Arten von Depressionen

3. Ursachen von Depressionen
3.1 Bedeutungen beruflicher Tätigkeit
3.2 Aktuelle Entwicklungen der Arbeitswelt
3.3 Die Angst um den Arbeitsplatz
3.4 Stress als Ursache von Depressionen

4. Verbreitung von Depressionen
4.1 Nach Branchen
4.2 Nach dem Geschlecht

5. Folgen von Depressionen
5.1 Ökonomische Folgen
5.2 Private Folgen

6. Präventionen von Depressionen
6.1 Resilienz Modell
6.2 Vorbeugende Handlungsempfehlungen für den Arbeitgeber

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Chronischer Stress

Abbildung 2 Entwicklung der Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen von 1997 bis 2012

Abbildung 3 Abweichungen der AU-Tage in Branchen 2012

1. Einleitung

1.1 Gegenstand der Arbeit

„Krankheit, Wahnsinn und Tod hielten wie schwarze Engel Wacht an meiner Wiege. Sie haben mich durch mein ganzes Leben begleitet.“ (Welt: 2006) Mit diesen Worten beschrieb der norwegische Maler Edvard Munch sein Leben mit Depressionen und gab mit seinem Bild „Der Schrei“ einen Einblick in seine seelischen Qualen. Es gibt kaum eine Krankheit, die so schwerwiegend und gleichzeitig so tabuisiert ist, wie eine Depression. Betroffene grenzen sich oft aus ihrem sozialen Umfeld aus, zeigen veränderte Verhaltensweisen auf und beenden ihre Leiden zu oft mit dem Suizid. Diese Folgen einer Depression werden auch für die Unternehmen zu einer immer größer werdenden Belastungsprobe, da durch sie die Produktivität beeinträchtigt wird, wertvolles Know-how verloren geht und auch die Krankheit als Kostenfaktor nicht länger ignoriert werden kann. Frauen leiden mehr unter diesem zunehmenden Druck und erkranken daher häufiger an Depressionen als Männer. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Formen und Ursachen von Depressionen, belegt die aufgestellten Behauptungen, befasst sich mit der Bedeutung von Depressionen in deutschen Unternehmen und gibt abschließend vorbeugende Handlungsempfehlungen.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Unsere Gesellschaft ist geprägt durch Leistungsfähigkeit, Wachstum und Druck. Es erbringen viele einen bedingungslosen Einsatz, um Anteil am wirtschaftlichen Erfolg zu haben, ohne dabei zu bemerken oder zugeben zu wollen, dass ihre körperlichen und psychischen Kräfte aufgezehrt sind. In den folgenden Kapiteln soll das Krankheitsbild einer Depression näher erläutert werden und dabei ihre Verbreitung in den unterschiedlichen Branchen aufgezeigt, die Folgen einer Erkrankung genannt sowie Präventivansätze diskutiert werden. Das Ziel ist es, Betroffene, aber auch Angehörige, Kollegen und Arbeitgeber für das Thema Depression zu sensibilisieren und sie empfänglich zu machen für die Leidenden in ihrem Umfeld und die Anzeichen einer möglichen Erkrankung. Es ist wünschenswert, dass Unternehmen ihr Gesundheitsmanagement überdenken, den Menschen nicht nur als Träger des Faktors Arbeit, sondern wieder als Individuum betrachten.

1.3 Thematische Abgrenzung

Die Arbeit „Depressionen in deutschen Unternehmen“ beschäftigt sich mit den Ursachen psychischer Erkrankungen von Arbeitnehmern in Unternehmen der Bundesrepublik Deutschland. Die Ursachenforschung soll sich dabei ausschließlich mit Faktoren aus dem Arbeitsumfeld der Betroffenen beschäftigen. Eine Aussage zur Entstehung der Krankheit unter biologischen Gesichtspunkten ist nicht vorgesehen.

1.4 Methodik und Überblick über die Arbeit

Die Erstellung der Gliederungspunkte setzte erste Vorabüberlegungen voraus und wurde durch die Vor-Ort-Recherche bei ansässigen Krankenkassen sowie Online- Veröffentlichungen verfeinert. Als Grundlage für die folgenden Ausführungen dienten Materialen von öffentlichen Stellen, dem Robert-Koch-Institut, Statistiken des Bundes, Begleitliteratur sowie nach Seriosität gewählte Presseartikel. Diese Informationen wurden nach ihrer Relevanz gefiltert und hinsichtlich der gewählten Gliederungspunkte sortiert. Eigene Überlegungen runden die Ausarbeitung ab.

2. Definition

2.1 Wortbedeutungen

Das Wort „Depression“ leitet sich vom lateinischen Wort „deprimere“ ab, welches übersetzt „niederdrücken“ bedeutet. Der ältere Ausdruck „Melancholie“ hingegen stammt aus der Antike. Der berühmte Arzt Hippokrates nahm an, dass die Krankheit durch einen Überschuss an „schwarzer Galle“ verursacht wird. „Melas“ ist die griechische Bezeichnung für „schwarz“ und „chole“ bedeutet „Galle“. Nach heutigen Erkenntnissen weiß man, dass bei einer Depression der Neurotransmitter- Stoffwechsel in speziellen Nervenzellverbänden gestört ist (vgl. Techniker Krankenkasse: 2011, S. 8). Betroffene beschreiben diesen Zustand so: „Das Leben erschien mir sinnlos und leer, ich dümpelte nur noch kraftlos vor mich hin. Morgens wollte ich nicht aufstehen, abends konnte ich nicht einschlafen. Wozu das alles? Viele Stunden dachte ich darüber nach, mich umzubringen. Zusätzlich machte sich die Erschöpfung vom Arbeiten breit. Dann bin ich im Urlaub plötzlich zusammen- gebrochen.“ (Allianz: 2011, S. 15). Weitere Begleiterscheinungen sind Freudlosigkeit und Interessenlosigkeit, Konzentrations- und Appetitstörungen sowie überwertige oder wahnhafte Ideen.

2.2 Begriffliche Abgrenzungen zu Stimmungsschwankungen

Was unterscheidet eine Depression von einer normalen schlechten Stimmung oder Traurigkeit, die jeder Mensch einmal erleben kann? Ein Laie nutzt den Ausdruck für viele Formen von negativen Befindlichkeiten, die oft auch von äußeren Einflüssen abhängig sind, wie etwa die zwischenmenschliche Ebene mit dem Partner, Freunden und Nachbarn, beruflicher und privater Stress und sogar vom Wetter. Auch der Trauerprozess beim Verlust geliebter Menschen wird oft mit einer Depression verwechselt. Besonders in der zweiten Phase der Aufarbeitung des Verlustes, der Verzweiflung, ähneln sich die Symptome. Der Trauernde reagiert mit Nieder- geschlagenheit und Frustration, wobei diese Anzeichen aber nicht krankhaft sind, sondern hilfreich in der Bewältigung der Schmerzen über den Verlust des Angehörigen. Der Depressive hingegen leidet über Wochen, teilweise über Monate, unter der gedrückten Stimmung, von der er sich nicht alleine erholt und in eine Erkrankung abgleitet. Neben dieser Stimmungstrübung gelten Antriebsstörungen und Freudlosigkeit zu den drei wichtigsten Symptomen, die nach dem Diagnose- Klassifikationssystem, der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD), eine Depression diagnostizieren. Treten diese Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen ununterbrochen auf und zeigt der Betroffene mindestens vier weitere Symptome, wie zum Beispiel Konzentrationsstörung, Appetitstörung, Schlafstörung, Wahn und Suizidgedanken, spricht man von einer schweren Depression (vgl. Robert Koch-Institut: 2010, S. 10).

2.3 Arten von Depressionen

Major Depression

So unterschiedlich wir Menschen sind, so verschieden können auch die Verläufe und Formen einer Depression sein. Spricht der Laie von einer Depression, ist meist eine „Major Depression“ gemeint, welche das typische Krankheitsbild widerspiegelt. Die Betroffenen sind bei der erstmaligen Erkrankung im Durchschnitt 25 Jahre alt und durchlebten im Vorfeld besondere Belastungssituationen wie Verlust, Mobbing, Trennungsängste oder Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Die Depression verläuft phasenhaft und tritt oftmals erst nach vielen Jahren erneut auf oder in seltenen Fällen verschwindet sie ganz. In einigen Verläufen bildet sich die depressive Episode nicht vollständig zurück und es bleiben Symptome wie Schlafstörungen, Antriebs- und Konzentrationsstörungen weiterbestehen. In diesen Fällen endet die Krankheit häufig mit dem Tod (vgl. Allianz: 2011, S. 20).

Bipolare Störung

Von einer bipolaren Störung (früher: manisch-depressiv) spricht man, wenn der Betroffene an einer depressiven Gefühlslage leidet, aber auch eine übertrieben heitere und erregte Stimmung erlebt. In den manischen Phasen verlieren die Betroffenen die Kontrolle über ihr Handeln und können die Konsequenzen ihres Tuns nicht mehr einschätzen. Sie sind redselig und voller Tatendrang und verdrängen dabei ihre Leiden und Erschöpfung (Ebd., S. 21).

Zyklothyme Störungen

Stimmungsschwankungen, die weder extrem depressiv noch manisch verlaufen, werden als zyklothyme Störungen bezeichnet. Die Krankheit bleibt oft unentdeckt und unbehandelt, da es neben auffallend wechselnden Stimmungsschwankungen keine weiteren Symptome gibt (Ebd., S. 22).

Anpassungsstörung

Eine weitere Art einer Depression ist die Anpassungsstörung. Sie entsteht in Folge eines belastenden Ereignisses, wie der Verlust vom Arbeitsplatz. Häufig leiden Pensionäre unter dieser Erkrankung, da sie plötzlich nicht mehr wie gewohnt täglich ins Büro gehen können. Die Dauer dieser Störung kann einige Wochen oder gar Monate dauern (Ebd.).

3. Ursachen von Depressionen

3.1 Bedeutungen beruflicher Tätigkeit

Möchte man sich die Ursachen für die Erkrankung deutscher Arbeitnehmer näher anschauen, sollte man sich im Vorfeld über die Bedeutung der beruflichen Tätigkeit für einen Erwachsenen bewusst sein. Der tägliche Gang zur Arbeitsstelle macht für die meisten Menschen den wichtigsten Bestandteil ihres Lebens aus. Neben dem Erwerb von Geld und der damit verbundenen Grundlage eines selbstständigen Lebensunterhalts, schafft eine berufliche Tätigkeit die Rahmenbedingungen für das psychische Wohlbefinden. Der Erwerbstätige lernt seine sozialen Fähigkeiten auszubauen und anzuwenden, erwirbt neue Qualifikationen, übt sich in Verhandlungen mit Kollegen und Vorgesetzten und erlangt so eine Stellung im Unternehmen, in der er Erfolg und Anerkennung erleben kann. Diese positiven Funktionen führen zu einer starken normativen Bindung der beruflichen Tätigkeit. Diese Bindung kann nun durch verschiedene Risikofaktoren negativ beeinflusst werden (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: 2013, S. 16). Ein entscheidender Faktor bildet dabei die Gestaltung der Arbeitsbedingungen, welche nun näher betrachtet werden.

3.2 Aktuelle Entwicklung der Arbeitswelt

Bereits im Jahr 1986 wurde durch die „Ottawa-Charta“, verfasst von der Weltgesundheits-organisation, der Gestaltung der Arbeitsbedingungen ein hoher Stellenwert zugeschrieben.

„…Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Arbeit und die Arbeitsbedingungen organisiert, sollte eine Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit sein…“

(Ottawa-Charta der WHO: 1986, S.3)

Die Entwicklung der heutigen Arbeitswelt ist jedoch geprägt durch den technologischen Fortschritt und der Globalisierung, was zu einer Verdichtung und Intensivierung der Arbeitsaufgaben führt. Die Unternehmen verfolgen dabei oftmals nur ihr einziges Ziel der Gewinnmaximierung durch höhere Effizienz, was einfach ausgedrückt bedeutet: „…Reduzierung der Belegschaft um den Prozentsatz x bei gleichzeitiger Steigerung der Leistung der verbliebenen Mitarbeiter…“ (Dahlke: 2006, S. 152). Weiterhin ist es zunehmend problematisch, dass immer mehr Erwerbstätige sich in atypischen Beschäftigungs-verhältnissen befinden, welche durch befristete Arbeitsverträge, niedrigeres Einkommen und eingeschränkte Arbeitsschutzrechte bestimmt sind (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: 2013, S. 18). Diese schlechten Bedingungen führen bei 5 % der Erwerbstätigen zur Notwendigkeit, neben der eigentlichen Arbeit noch Nebentätigkeiten auszuführen, um ihren Lebensunterhalt sicherstellen zu können. Ein weiterer kritischer Aspekt ist die zunehmend geforderte Mobilität, wie z.B. tägliche Geschäftsreisen, wöchentliches Pendeln zur Arbeitsstelle und Entsendungen von Arbeitskräften über einen längeren Zeitraum. Nicht selten zeigen Betroffene Symptome von erhöhten Stressparametern durch den täglichen Termindruck. Weiterhin stellt sich ein Gefühl von Entwurzelung und Vereinsamung bei den Wochenendheimfahrern ein. Betrachtet man die täglichen Arbeitsabläufe in Unternehmen fällt auf, dass selten Aufgaben in einem Zug bearbeitet werden können. Infolge der ständigen Weiterentwicklung neuer Kommunikationskanäle kommt es zu einer Informationsüberlastung für den Arbeitnehmer. Das Problem der ständigen Erreichbarkeit sowie der damit verbundenen Arbeitsunterbrechung führen häufig zu negativen Gefühlen wie Kontrollverlust, Erschöpfung und einer höheren Depressivität. Betroffene reagieren häufig mit „Rumination“. Das bedeutet eine andauernde gedankliche Beschäftigung mit dem Problem oder der Aufgabe. Die Folgen sind ein gestörtes Wohlbefinden und ein gestörter Schlaf, was letztlich wieder zu einem erhöhten Risiko einer Herzkreislauferkrankung führt (Ebd. S.19). Alle genannten Gestaltungspunkte der Arbeitswelt können positive oder negative Auswirkungen für die Angestellten haben. Daher kommt es auf eine humane und gesundheitsgerechte Einbindung dieser Faktoren in den täglichen Arbeitsalltag an.

3.3 Die Angst um den Arbeitsplatz

Die bereits beschriebenen Ausprägungsmerkmale der heutigen Arbeitswelt lassen darauf schließen, dass viele Arbeitnehmer Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Sie sehen die drohende Gefahr von Umstrukturierungen, infolge dessen ihre Stellen nun von einer Zeitarbeitsfirma besetzt werden oder ihr Aufgabenbereich enorm an Komplexität zunehmen wird. Empirisch belegt wird diese These der Angst durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Arbeitsplatzunsicherheit und psychischen Störungen beschäftigt haben. Besonders hervorzuheben ist hier das Trierer Inventar zur Erfassung von chronischem Stress (TICS), das zusammen mit dem Fragebogen zur Erfassung des körperlichen Wohlbefindens (FEW-16), dem WHO-5 Wohlbefindens-Index, dem Screening für somatoforme Störungen und der EURO-HIS-QOL eine Erhebung durchgeführt hat (vgl. Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen: 2008, S. 11).

Die folgende Tabelle fasst das Ergebnis einer Befragung von 2473 Bundesbürgern zusammen, welche Angaben zu der Frage „Wie sehr machen Sie sich zurzeit Sorgen wegen Ihres Arbeitsplatzes?“ machen sollten. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich in den Skalen des Trierer Inventars zu Erfassung von chronischem Stress die meisten Arbeitenden große Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Chronischer Stress

(Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen: BDP Gesundheitsbericht 2008, Berlin, 2008, S. 11)

Weiterhin ist zu erkennen, dass diese Gruppe auch die stärkste Arbeitsüberlastung, soziale Überlastung und Überforderung, den höchsten Erfolgsdruck und Mangel an sozialer Anerkennung sowie die ausgeprägtesten sozialen Spannungen aufweist (Ebd. S. 18). All diese Symptome können Auslöser einer depressiven Störung sein.

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Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668288065
ISBN (Buch)
9783668288072
Dateigröße
758 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339153
Note
1,7
Schlagworte
Depression Unternehmen Stress Belastungen Burn Out

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Titel: Depressionen in deutschen Unternehmen. Ursachen, Verbreitung, Folgen und Prävention