Lade Inhalt...

Das System von Bretton Woods. Vorgeschichte und Kontinuität

Hausarbeit 2015 17 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte

3. Das Bretton Woods System
3.1 Ziele des Bretton Woods Systems
3.2 Der Goldstandard des Dollars und das Prinzip der festen Wechselkurse
3.3 Die zwei konkurrierenden Pläne
3.3.1 Der Keynes Plan
3.3.2 Der White Plan

4. Die geplanten Institutionen
4.1 Der Internationale Währungsfond
4.2 Die Weltbank
4.3 Die International Trade Organisation

5. Das Ende der Bretton-Woods-Ära

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Das System von Bretton Woods

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Juli 1944 fand nach dem zweiten Weltkrieg in Bretton Woods, eine Stadt im Bundesstaat New Hampshire, eine bedeutende ökonomische Konferenz statt. Die daraus entstandenen Institutionen gingen in ihrer Gesamtheit unter dem Namen „Bretton Woods System“ in die Geschichte ein. Ziel dieser Seminar- arbeit ist es zu analysieren, welche Institutionen daraus entstanden und in welcher Form das Bretton Woods System heute noch Bestand hat.

2. Die Vorgeschichte

Nach Ende des zweiten Weltkrieges lag Europa in Trümmern und es musste etwas unternommen werden, um die Wirtschaft wieder aufzubauen und anzukurbeln. Es herrschten Depressionen und allgemeine Instabilität auf der Welt. Das vormals wohlhabende Großbritannien blieb ebenfalls nicht verschont. Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und um neue Arbeitsplätze zu schaffen, wurden die nationalen Währungen abgewertet. Großbritannien ging voran und senkte 1931 das Pfund Sterling ab. Nach und nach folgten weitere Länder.1 Davon erhofften sich die Länder, dass mehr Güter exportiert als importiert würden. Dadurch sollte die Produktion im eigenen Land ausgeweitet werden, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dies war allerdings nicht die Lösung des Problems. Stattdessen wurde eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, da nun alle europäischen Länder von diesem wirtschaftlichen Vorteil profitieren wollten.2

3. Das Bretton Woods System

Um diese Abwärtsspirale aufzuhalten und sich den wirtschaftlichen Problemen der damaligen Welt zu stellen, wurde im Jahre 1944 die Konferenz von Bretton Woods einberufen. Neben den USA und Großbritannien waren insgesamt 44 Staaten anwesend, um über die neue Wirtschafts- und Finanzordnung zu diskutieren. Deutschland nahm an dieser Konferenz nicht teil.

3.1 Ziele des Bretton Woods Systems

Im Focus der Bretton Woods Konferenz stand die Sicherung des Weltfriedens und der Wiederaufbau Europas als Wirtschaftszentrum. Dies konnte aber nur erreicht werden, wenn Handelsbarrieren abgeschafft und die Wechselkurse zwischen den Währungen stabilisiert würden.3 Da das britische Pfund seine Funktion als „Welt-Zahlungsmittel“ verloren hatte, war nun also das Ziel der Konferenz die Austauschbarkeit der nationalen Währungen (Konvertibilität) und die Schaffung eines internationalen Zahlungsmittels. Die neue Leitwährung wurde der US-Dollar.4

3.2 Der Goldstandard des Dollars und das Prinzip der festen Wechselkurse

Ein wichtiges Ergebnis des Bretton Wood Abkommens waren die festen Wechselkurse und der Gold-Devisen-Standard. Da der Dollar zur Leitwährung wurde, bestimmte man feste Wechselkurse zwischen dem Dollar und der jeweiligen Landeswährung. Zudem verpflichtete sich die USA den Mitgliedsländern gegenüber deren Dollarguthaben zu einem bestimmten Kurs in Gold umzutauschen. Damals wurden 35 Dollar je Feinunze festgelegt. Somit wurde das Gold im Bretton Woods System zum Wertmaßstab.5 Dieses Versprechen führte zu relativ festen Wechselkursen. Das bedeutete, dass sobald der Wechselkurs in einem Land sank es sich für Importeure lohnte den ausländischen Exporteur mit Gold anstatt mit Devisen zu bezahlen. Dieser Punkt wird als Goldexportpunkt oder auch als oberer Goldpunkt bezeichnet. Bedingt durch die Währungsabwertung wurde das Gold in diesem Land günstiger und die Nachfrage aus dem Ausland nach Gold stieg. Dies führte wiederrum zu einer Aufwertung dieser Währung. Umgekehrt, wenn also der Wechselkurs eines Landes stieg, bezahlten die Exporteure in Gold anstatt in Devisen. Dies führte dann zu einer Abwertung dieser Währung. Durch dieses Prinzip wurden die Grenzen der Wechselkurse fixiert. Daraus resultierte, dass in Zahlungsbilanzdefizitländern der niedrigere Wechselkurs für mehr Wettbewerb sorgte und die Zahlungsbilanzüberschussländer durch einen hohen Wechselkurs weniger wettbewerbsfähig gemacht wurden. Somit fand ein Ausgleich der Zahlungsbilanzen ohne Eingriffe der Wirtschaftspolitik oder der Zentralbanken statt. Für eine einwandfreie Wirkungsweise mussten jedoch grundlegende Voraussetzungen beachtet werden:6

1. Die einzelnen Länder mussten weitestgehend auf konjunkturpolitische Aktivitäten verzichten.
2. Handels- und Kapitalverkehre wurden nicht beschränkt.
3. Löhne und Preise mussten ausreichend flexibel sein.
4. Die erforderlichen Grundverhaltensregeln und deren Einhaltung wurde währungsgesetzlich abgesichert.

3.3 Die zwei konkurrierenden Pläne

3.3.1 Der Keynes Plan

Der Plan des Engländers John Maynard Keynes sah vor, eine Verrechnungsstelle, die sogenannte „International Clearing Union“ (ICU) für internationale Zahlungsverkehre einzurichten. Die Zahlungsverkehre sollten dann über die ICU abgewickelt werden. Das Prinzip war ganz einfach. Gutschriften und Belastungen sollten sich in diesem System ausgleichen. Für den Ausgleich der Leistungsbilanzen der Mitgliederstaaten sollte auf Basis stabiler Wechselkurse die ICU sorgen. Die Abrechnung zwischen den Zentralbanken sollte über internationale Recheneinheiten, den sogenannten Bancor, erfolgen. Der Wert der Bancor sollte in einem bestimmten Goldgewicht definiert werden. Die Währungsparitäten gegenüber dem Bancor sollten von den Mitgliedstaaten selbst festgelegt werden und waren nicht unveränderlich. Jedoch bedurfte eine Wechselkursanpassung der Zustimmung der ICU und das jeweilige Land wurde einmalig um 5% abgewertet. In dem Plan von Keynes sollte Gold neben den Bancor seinen Reservecharakter beibehalten. Gold sollte jedoch nur in Bancor eintauschbar sein. Umgekehrt, Bancor in Gold zu tauschen sah der Plan nicht vor. Die Verschuldungsgrenzen sollten durch periodisch ermittelte Länderquoten festgesetzt werden. Anfänglich lag die Quote bei 3/4 des Jahresdurchschnitts der Ein- und Ausfuhr der jeweiligen Länder. Zur Ermittlung dieser Quote wurden die Jahre 1936-1938 herangezogen. Die Verschuldung eines Mitgliedstaates sollte innerhalb einer Jahresperiode die 25% Quote nicht überschreiten. Um extreme Überschuldung der Länder zu vermeiden sah Keynes Plan vor, eine Abwertung der jeweiligen Währung zu ermöglichen. Sobald der Debetsaldo die Hälfte der Quote eines Schuldnerstaates überschritt, würde die ICU eingreifen und die Hinterlegung von Devisen, anderer internationaler Zahlungsmittel oder Staatsschuldver- schreibungen verlangen. Die Währungsabwertung und Kontrolle des Kapital- verkehres waren dabei die Voraussetzung für weitere Kredite. Wenn das Land, dessen Debitsaldo die 75% Quote überschritt, es nicht schaffte diese zu verringern konnte es von der ICU in Verzug gesetzt werden. Dies hätte zur Folge gehabt, dass Zahlungen der Partnerländer, die sie an dieses Land schuldeten, nur noch über die Zentralstelle geleiten werden durften. Gläubigerländer, deren Kreditsaldi ein Viertel der Länderquote überstieg, sollten ähnliche Abgaben leisten, um ein Auflaufen hoher Bancor-Guthaben zu verhindern. Lag der Überschuss sogar bei mehr als der Hälfte seiner Länderquote, so sah Keynes vor, gemeinsam mit der Union zu überprüfen, ob ein Zahlungsbilanzausgleich mit Hilfe von einer Ausweitung des Zahlungsmittel- umlaufs, einer Währungsaufwertung oder durch Entwicklungskredite an das Ausland herbei geführt werden könnte.7

3.3.2 Der White Plan

Die USA waren durch den zweiten Weltkrieg zur dominierenden Macht aufgestiegen und wollten daher ihre eigenen Interessen vertreten. So viel Multilateralismus wie im Keynes-Plan kam daher nicht in Frage, weshalb Harry Dexter White ein internationales Währungssystem vorstellte, welches den eigenen Interessen mehr entsprach.8 Der Unterschied zum Keynes-Plan bestand darin, dass die Mitgliedsstaaten in einen Fond einzahlen sollten. Das Kreditvolumen war durch die eingezahlten Beiträge und eventuelle Anleihen beschränkt. Je nach Mitgliedsstaat sollten 10-25% der Einzahlungen in Gold geleistet werden, 25-40% in nationalen Zahlungsmitteln und 50% in Schuldver- schreibungen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum Keynes-Plan war, dass das Verschuldungspotential bei nur 5 Mrd. anstatt bei 25 Mrd. US-Dollar lag. Zudem wären von den 5 Mrd. US-Dollar nur die Hälfte einzuzahlen gewesen. Die Grundlage für die Berechnung der jeweiligen Beitragsleistungen waren die jeweiligen Länderquoten, die nach dem Volkseinkommen, den Währungsreserven und dem Außenhandel zu berechnen wären. Der Kreditrahmen der Länder mit Zahlungsbilanzdefizit entsprach den jeweiligen Länderquoten. Bei Bewilligung eines Kredites wurde Fremdwährung vom Fond gegen die nationale Währung des jeweiligen Landes eingetauscht. Dieses Geld durfte aber nur zum Ausgleich des Zahlungsbilanzdefizits verwendet werden und nicht für Kapitalübertragungen. Ausnahmen den Kreditrahmen zu überschreiten wurden nur genehmigt, wenn das Defizitland sich verpflichtete die vom Fond empfohlenen Gegenmaßnahmen zur Herstellung des Zahlungs- ausgleichgewichts zu akzeptieren und es absehbar war, dass die Verschuldung abgebaut werden würde. Zudem mussten Abgaben in Gold in Höhe von 1 % geleistet werden. Einige Aspekte haben beide Pläne jedoch gemeinsam. Beide Systeme beruhen auf festen Währungsparitäten. Änderungen sollten nur mit Zustimmung des Stabilisierungsfonds möglich sein und autonome Wechsel- kursänderungen waren unzulässig. Auch das Gold behielt in dem Plan von White weiterhin seine Funktion als internationales Reserve- und Zahlungs- mittel.9 Das ausschlaggebende Argument war die Sicherung des Profits, weshalb sich der White-Plan im Kern durchsetzen konnte, auch wenn es genau genommen ein Kompromiss aus beiden Plänen war. Aus dieser Konferenz entstanden der Internationale Währungsfond (IWF) und die Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank).10 Unter Beteiligung von 29 Mit- gliedern wurde am 27.12.1945 das Bretton Woods Abkommen unterzeichnet.11

[...]


1 vgl. Andersen, U.: Das internationale Währungssystem zwischen nationaler Souveränität und supranationaler Integration, 1977, Seite 26

2 vgl. Tetzlaff, R.: Weltbank und Währungsfonds. Gestalter der Bretton-Woods-Ära, 1996, Seite 42

3 vgl. Steil, B.: The battle of Bretton Woods, 2013, Seite 13

4 vgl. Eichgreen, B.: Global Imbalances and the Lesson of Bretton Woods, 2007, Seite 133

5 vgl. Eichgreen, B.: Vom Goldstandard zum Euro, 2000 Seite 287f.

6 vgl. Bargelame, M.: Die Sonderziehungsrechte im Internationalen Währungssystem, 1981, Seite 17f.

7 vgl. Aschinger, F.E.: Das Währungssystem des Westens, 1973, Seite 20f.

8 vgl. Kolloch, K.: Gold-Dollar-Währungskrise, 1982, Seite 33 f.

9 vgl. Aschinger, F.E.: Das Währungssystem des Westens, 1973, Seite 22f.

10 vgl. Kolloch, K.: Gold-Dollar-Währungskrise, 1987, Seite 34

11 vgl. Jarchow, H.-J./ Rühmann, P.: Monetäre Außenwirtschaft. II. Internationale Währungspolitik, 1997, Seite 115

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668287037
ISBN (Buch)
9783668287044
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v339108
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts- Akademie Hagen VWA gemeinnützige GmbH
Note
1,0
Schlagworte
Bretton Woods IWF Weltbank World Trade Organisation Goldstandard

Autor

Zurück

Titel: Das System von Bretton Woods. Vorgeschichte und Kontinuität