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Finanzwirtschaftliche Analyse des Finetradings

Masterarbeit 2016 69 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung und Problemstellung

2. Grundlagen der Finanzwirtschaftlichen Untersuchung
2.1 Entscheidungstheorie
2.2 Nutzwertanalyse
2.3 Kriterien für die Entscheidung bei der Nutzwertanalyse
2.3.1 Finanzierung und Liquidität
2.3.2 Supply Chain Finance
2.3.3 Working Capital Management
2.3.4 Rating
2.4 Darstellung des Finanzierungsmodells für die Supply Chain Kette
2.5 Finanzierungsalternativen anhand des Finanzierungsmodells für die Nutzwertanalyse
2.5.1 Finetrading
2.5.2 Bankkredit
2.5.3 Reverse Factoring

3. Analyse des Finetradings
3.1 Finanzwirtschaftlichen Analyse
3.1.1 Grundlagen der Finanzwirtschaftlichen Analyse
3.1.2 Finanzwirtschaftliche Analyse der Bilanz
3.1.3 Finanzwirtschaftliche Analyse der Gewinn- und Verlustrechnung
3.1.4 Zusammenfassung der Finanzwirtschaftlichen Analyse
3.2 Bewertung der Kriterien anhand der Nutzwertanalyse
3.2.1 Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung
3.2.2 Liquidität und Cash-Flow
3.2.3 Supply Chain Finance
3.2.4 Working Capital Management
3.2.5 Rating
3.2.6 Zusammenfassung der Nutzwertanalyse

4. Fazit und Handlungsempfehlungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Liquiditätsgrade

Abbildung 2: Definition Working Capital

Abbildung 3: Working Capital in der Bilanz

Abbildung 4: Berechnung DPO

Abbildung 5: Finanzierungsmodell entlang der Wertschöpfungskette anhand des Musterunternehmens

Abbildung 6: Finetradingablauf

Abbildung 7: Rechtliche Dreiecksbeziehung beim Finetrading

Abbildung 8: Reverse Factoring vs. Finetrading

Abbildung 9: Bilanz zum 31.12.2015

Abbildung 10: Gewinn- und Verlustrechnung zum 31.12.2015

Abbildung 11: Vergleich Verbindlichkeiten mit und ohne Finetrading

Abbildung 12: Vergleich Verbindlichkeiten II

Abbildung 13: Vergleich der Gewinn-und Verlustrechnung für 2015

Abbildung 14: Bewertung der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung

Abbildung 15: Bewertung der Liquidität und des Cash-Flows

Abbildung 16: Bewertung der Supply Chain Finance

Abbildung 17: Bewertung des Working Capital Managements

Abbildung 18: Bewertung des Ratings

Abbildung 19: Zusammenfassung der Nutzwertanalyse

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung und Problemstellung

Die nachfolgende Master Thesis mit dem Titel „ Finanzwirtschaftliche Analyse des Finetradings “ beschäftigt sich mit der derzeitigen Finanzierungssituation und den genutzten Finanzinstrumenten in Deutschland. Hierbei wird ein besonderes Hauptaugenmerk auf ein eher unbekanntes und noch vergleichsweise wenig genutztes Produkt „ Finetrading “ gesetzt.

Im nachfolgenden Abschnitt wird zunächst die Problemstellung und Motivation für die Erstellung dieser Arbeit näher erläutert und die aktuellen Probleme im Bereich der Finanzierung bzw. Finanzierungsinstrumente aufgeführt. Anschließend werden noch der weitere Gang der Untersuchung und die Vorgehensweise während dieser Arbeit vorgestellt.

Zum Beginn dieser Arbeit wird zuerst die Problemstellung, die dieser Arbeit zu Grunde liegt, genauer dargestellt. Die derzeitige Finanzierungssituation in der deutschen Wirtschaft ist sehr unterschiedlich, große kapitalmarktorientierte Unternehmen haben die Möglichkeit sich sehr günstig und einfach am Kapitalmarkt zu finanzieren, hauptsächlich aufgrund der momentanen Niedrigzins- und Geldschwemmepolitik der EZB und FED. Wohingegen die Situation für kleinere Unternehmen, die keinen direkten Zugang zum Kapitalmarkt haben, die Situation etwas differenzierter zu betrachten ist.

Die Nachwirkungen der großen Finanz- und Wirtschaftskrise aus den Jahren 2008 und 2009 sind auch heute für viele Unternehmen noch deutlich zu spüren. Zum einen durch deutlich gestiegene Anforderungen seitens der Banken bezüglich Kreditgewährung, auch ausgelöst durch bevorstehenden neuen Basel III Vorschriften. Andererseits haben viele Unternehmen nach der Finanzkrise und den Erlebnissen währenddessen den Entschluss gefasst sich unabhängiger von den Banken zu finanzieren.[1]

Aktuelle Befragungen und Analysen ergeben, dass nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen derzeit vor allem die eigene Innenfinanzierung, d.h. Thesaurierung von Gewinnen, zur Finanzierung nutzen und ansonsten der klassische Bankkredit weiterhin die erste Wahl bei der Fremdfinanzierung ist.[2] Der klassische Bankkredit bleibt wichtigstes Finanzierungsinstrument, andere Instrumente bleiben entweder unverändert genutzt oder werden sogar weniger genutzt als vor der Finanzkrise.[3]

Insgesamt wird eine noch stärker zunehmende Bedeutung der Innenfinanzierung erwartet, obwohl mittlerweile immer mehr verschiedene Finanzinstrumente zur Verfügung stehen.[4] Hierbei ist jedoch festzustellen, dass viele Unternehmen andere Finanzierungsinstrumente als meist nicht passend für ihr Unternehmen klassifizieren ohne eine wirkliche Vorteilhaftigkeitsprüfung der einzelnen Instrumente vorzunehmen.[5] Finanzierungsalternativen werden oft nicht genutzt, weil ihr Nutzen und Ihre Funktion oft nicht richtig bekannt sind, dabei würden mehre Milliarden Euro zur Finanzierung aus diesen Produkten zur Verfügung stehen wie aktuelle Studien zeigen.[6] Außerdem halten viele Unternehmer innovative Finanzinstrumente wie Finetrading für zu undurchsichtig und kompliziert und bleiben deshalb lieber bei altbewerten Mitteln.[7]

Daher ist eine der Hauptaufgaben in dieser Arbeit eine Vorteilhaftigkeitsprüfung des Produktes Finetrading vorzunehmen um zu überprüfen ob das Produkt wirklich eine sinnvolle Ergänzung bzw. Erweiterung zu den derzeit vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten darstellt und in welcher Situation das Produkt am sinnvollsten eingesetzt werden kann. Hierzu wird das Produkt Finetrading erst einmal genauer vorgestellt und seine Funktionsweise erläutert. Die Vorteilhaftigkeitsprüfung des Finetradings wird dann in Kapitel 3 dieser Arbeit durchgeführt und deren Ergebnisse anschließend ausgewertet.

Insgesamt wird auch zu hinterfragen sein warum viele Unternehmen derzeit noch nicht bereit sind andere Produkte als die klassische Bankenfinanzierung zu nutzen und ob unter den derzeit herrschenden Marktbedingungen mit extrem niedrigen Zinsen und sehr viel Liquidität im Markt überhaupt Platz für ein Produkt wie Finetrading ist. Hierbei ist anzumerken, dass nach einer aktuellen Studie der Finanzgruppe Deutscher Sparkassen- und Giroverband der Anteil der Kreditverschuldung gegenüber Nicht-Banken im Vergleich zu den Kreditinstituten gestiegen ist in den letzten Jahren. Dies unterstreicht zwar die These, dass Unternehmen vor allem Interesse an der klassischen Kreditfinanzierung haben, zeigt jedoch auch, dass Sie bereit sind mit anderen Unternehmen als ausschließlich Banken bei der Finanzierung zu arbeiten.[8] Auch einer aktuellen Studie der KfW-Bank zur Folge sind Bankkredite weiterhin die wichtigste Quelle der Finanzierung neben der Nutzung von internen Mittel, was oben bereits aufgestellte These noch einmal unterstreicht[9]. Jedoch muss hier unterschieden werden nach den verschiedenen Größenklassen der Unternehmen, für große Unternehmen die hohen Sicherheiten für Kredite stellen können hat sich das Finanzierungsklima in den letzten Jahren noch einmal deutlich verbessert, wohingegen kleinere Unternehmen immer häufiger Probleme haben an Kredite zu gelangen.[10]

Eine andere Entwicklung ist die momentane starke Regulierung von Banken, was zum einen in einer erhöhten Melde- und Reportingpflicht mündet als aber auch eine stärkere Hinterlegung von Eigenkapital für bestimmte Geschäft bedeutet. Dies hat zur Folge dass die Kosten für Banken bei der Kreditvergabe deutlich gestiegen bzw. die Anforderungen der Banken an Kreditnehmer bezüglich wirtschaftlicher Nachweise und Rating etc. deutlich größer geworden sind. Dadurch haben Nicht-Banken, welche nicht der Prüfung und Regulierung der BaFin unterstellt sind, zum Teil einen immensen Wettbewerbs- und Kostenvorteil gegenüber Banken, da Sie in vielen Bereichen noch sehr frei in Ihrem Unternehmertum sind, verglichen mit Banken.[11] Diese Entwicklung kann auch für die Entstehung der Finetrading Branche von großem Nutzen sein, da derzeit die Finetrading-Anbieter noch zum Nicht-Banken-Sektor gezählt werden können und somit in vielen Bereichen nicht der Regulierung der BaFin unterstehen.

2. Grundlagen der Finanzwirtschaftlichen Untersuchung

Im zweiten Kapitel dieser Arbeit geht es um die Grundlagen der finanzwirtschaftlichen Untersuchung, hierfür werden Teile der Entscheidungstheorie genutzt um die Erkenntnisse in dieser Arbeit zum Thema Finetrading besser messbar zu machen und einen wissenschaftlichen Ansatz für die finanzwirtschaftliche Analyse zu nutzen. Als Instrument der Entscheidungstheorie wird die Nutzwertanalyse genutzt, welche im Kapitel 2.2 näher vorgestellt wird. Im Anschluss werden die zu untersuchenden Kriterien während der Nutzwertanalyse bzw. finanzwirtschaftlichen Analyse definiert. Außerdem wird in diesem Kapitel das Finanzierungsmodell entlang der Supply Chain Kette skizziert und die drei zu untersuchenden Finanzinstrumente für das Finanzierungsmodell, Finetrading, Bankkredit und Reverse Factoring kurz vorgestellt.

2.1 Entscheidungstheorie

Die Entscheidungstheorie ist in der angewandten Wahrscheinlichkeitstheorie ein Zweig zur Evaluation der Konsequenzen von Entscheidungen, dabei wird die Entscheidungstheorie vielfach als betriebswirtschaftliches Instrument genutzt. In der Entscheidungstheorie gibt es zwei verschiedene Methoden um eine Entscheidung für eine Problemstellung zu finden, zum einen die Nutzwertanalyse, welche auch in dieser Arbeit verwendet und im nachfolgenden Kapitel genauer definiert wird und zum anderen die etwas präzisere aber auch aufwendigere Analytic Hierarchy Process Methode, welche kein Bestandteil dieser Arbeit ist und somit auch nicht näher definiert wird. Bei der Nutzung dieser zuvor genannten Methoden werden Kriterien und Alternativen dargestellt, verglichen und anschließend bewertet, um die optimale Lösung für die Entscheidung bei einer finden zu können. [12]

Insgesamt unterscheidet man die Entscheidungstheorie in drei verschiedenen Teilbereiche[13]:

- Normative Entscheidungstheorie welche auf der Rational-Choice-Theorie und normativen Modellen basiert. Grundlegend hierfür sind Axiome, die die Menschen bei der Entscheidung beachten sollten. Durch diese Herangehensweise lassen sich logisch konsistente Ergebnisse herleiten. Zentrale Fragestellung hierbei ist immer: Wie soll entschieden werden?

- Präskriptive Entscheidungstheorie , dabei wird versucht Strategien und Methoden herzuleiten, die Menschen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, indem sie normative Modelle verwenden. Außerdem werden bei der präskriptiven Entscheidungstheorie die begrenzten kognitiven Fähigkeiten des Menschen untersucht. Meistens wird dieser Teilbereich genutzt um Probleme zu behandeln, die bei der Implementierung rationaler Entscheidungsmodelle auftreten können.

- Deskriptive Entscheidungstheorie untersucht hingegen empirisch die Frage, wie Entscheidungen in der Realität tatsächlich getroffen werden, dabei geht es hauptsächlich um die Frage: Wie wird entschieden? Das bedeutet das hier vor allem der Prozess der Entscheidungsfindung untersucht wird und weniger die genutzten Modelle.

Die praktische Anwendung der präskriptiven Entscheidungstheorie wird Entscheidungsanalyse genannt, dabei werden Methoden und Software entwickelt, welche Menschen bei der Entscheidungsfindung unterstützen sollen.[14]

Das am häufigsten auftretende Problem im Bereich der Entscheidungstheorie ist das Thema der Unsicherheit. Denn der wahre Umweltzustand bei der Entscheidungsfindung ist oft nicht wirklich bekannt bzw. kann nur grob angenommen werden, hierbei spricht man dann von Entscheidung unter Unsicherheit.[15] Wohingegen man von Entscheidung unter Sicherheit spricht wenn alle Umweltzustände klar bekannt sind, was jedoch eher die Ausnahme ist und eher ein theoretisches Modell ist, da gerade in der Betriebswirtschaftslehre meistens Mutmaßungen und Annahmen bei der Entscheidungsfindung getroffen werden müssen, da nicht alle Teilbereiche bis ins letzte Detail untersucht werden können um die Unsicherheit zu verringern[16]. Insgesamt lässt sich das Thema Sicherheit bei der Entscheidungsfindung in folgenden Bereiche untergliedern[17]:

- Entscheidung unter Sicherheit: Die eintretende Situation ist vollumfänglich bekannt und es gibt keine Unsicherheit über relevante Umweltfaktoren, hierfür werden dann Deterministische Entscheidungsmodelle verwendet.
- Entscheidung unter Unsicherheit: Es ist nicht mit Sicherheit bekannt, welche Umweltsituation eintritt, da nicht alle Umweltfaktoren vollumfänglich bekannt sind, daher unterscheidet weiter in:
- Entscheidung unter Risiko: Die Wahrscheinlichkeit für die möglicherweise eintretenden Umweltsituationen ist bekannt, hier wird in der Regel das Stochastische Entscheidungsmodell genutzt.
- Entscheidung unter Ungewissheit: Die möglicherweise auftretenden Umweltsituationen sind zwar bekannt, jedoch sind deren Eintrittswahrscheinlichkeiten nicht eindeutig bestimmbar.

Bei einer Entscheidung unter Risiko können für alle möglichen Auswirkunken einer einzelnen Entscheidung Erwartungswerte berechnet werden, während das bei einer Entscheidung unter Ungewissheit nicht möglich ist, da das Prinzip vom unzureichenden Grund (Indifferenzprinzip) angewendet werden muss[18]. Dabei wird jeder möglichen Option die gleiche Wahrscheinlichkeit zugeordnet wird. Als Folge dessen kann auch auf dieser Grundlage der Wahrscheinlichkeitsbewertung unter Ungewissheit eine Bestimmung des Erwartungswertes vorgenommen werden[19]. Anschaulich darstellen lässt sich der Entscheidungsprozess mitsamt den verschiedenen Konsequenzen am besten grafisch als Entscheidungsbaum und inkludiert dabei die mabertive Betrachtungsweise[20]:

2.2 Nutzwertanalyse

Die Nutzwertanalyse gehört zu den qualitativen, nicht-monetären Analysemethoden der Entscheidungstheorie[21]. Das Ziel der Nutzwertanalyse ist es bei der Entscheidungsfindung bei komplexen Problemen und Fragestellungen zu helfen, dabei ist die Nutzwertanalyse ein altes Verfahren was seine Ursprünge eigentlich in der Volkswirtschaft anstatt der Betriebswirtschaft bzw. Finanzwirtschaft hat. Dabei liegt der Ursprung der Nutzwertanalyse in den USA und ist erst in den 70-er Jahren auch in Deutschland vermehrt eingesetzt worden[22]. In ihrem Kern orientiert sich die Nutzwertanalyse am Grundmodell der rationalen Entscheidungstheorie, wo sie den semi-quantitativen Bewertungsmethoden zugeordnet wird.

Oft wird die Nutzwertanalyse mit der Kosten-Nutzen-Analyse verwechselt, jedoch unterscheiden sich diese beiden Methoden in einigen Punkten. Denn während die Kosten-Nutzen-Analyse hauptsächlich verschiedene Kriterien unter Effizienzgesichtspunkten betrachtet, geht es bei der Nutzwertanalyse mehr um die Messung der Effektivität. Die Nutzwertanalyse findet überall dort Anwendung wo eine Beurteilung auf Basis mehrerer quantitativer und qualitativer Kriterien, Ziele oder Bedingungen getroffen werden soll.[23]

Besonders wenn eine Menge komplexer Handlungsalternativen mit dem Ziel der Ordnung dieser Alternativen entsprechend der Präferenzen der Entscheidungsträger bezüglich eines mehrdimensionalen Entscheidungssystems geordnet bewertet werden müssen. Zur Messung der Ergebnisse der Nutzwertanalyse werden Gesamtwerte der Alternativen anhand der zuvor definierten Kriterien geordnet und somit bestmögliche Alternative für die Problemstellung gefunden. Da diese zuvor genannten Punkte in dieser Arbeit erfüllt sind, aufgrund einer Vielzahl von verschiedenen finanzwirtschaftlichen Kriterien für die Analyse des Finetradings und der großen Anzahl von Finanzierungsalternativen entlang der Supply Chain Kette, macht die Nutzung dieses Analyseverfahrens aus der Entscheidungstheorie für diese Master Thesis absolut Sinn.[24] Ein weiterer großer Vorteil der Nutzwertanalyse ist, dass nicht ausschließlich harte Faktoren, welche in Zahlen absolut gemessen werden können, sondern auch weiche Faktoren, welche nur schwer objektiv zu messen sind, in die Analyse und die anschließende Bewertung mit einfließen können.[25]

Die entscheidungstheoretische Grundlage für die Nutzwertanalyse bildet die additive multiattributive Wertefunktion, welche jeder Alternative einen Wert in der Abhängigkeit ihrer Attributausprägung zuweist und somit die verschiedenen Alternativen am Ende vergleichbar macht. Denn am Ende der Nutzwertanalyse wird ein Gesamtwert für jede Alternative aus der gewichteten Summe der Einzelwerte aus den Kriterien berechnet. Hierbei ist es wichtig sich vorher klar zu machen was abweichend von der finanzwirtschaftlichen Definition von Nutzen in diesem Fall unter Nutzen verstanden wird. Denn für die Bemessung der Größe des Nutzens sind meistens die folgenden fünf Kriterien hilfreich[26]:

- Person, die das Produkt nutzen soll
- Zweck, für den das Produkt genutzt werden soll
- Situation, in der das Produkt eingesetzt wird
- Zeitpunkt, in dem das Produkt genutzt werden soll
- Das Produkt selbst.

Beim Ablauf der Nutzwertanalyse sollte zunächst darauf geachtet werden, dass das Ziel der Analyse, also welche Problemstellung gelöst werden soll klar definiert wird. Anschließend folgt der wohl schwierigste Schritt der Analyse, die Festlegung geeigneter Kriterien für die Messung während der Analyse. Hierbei müssen zunächst Ausschlusskriterien festgelegt werden, welche dabei helfen Alternativen schon vor der Nutzwertanalyse auszuschließen um die Komplexität aufgrund der Vielzahl von Möglichkeiten zu verringern. Anschließend werden die Auswahlkriterien für die Analyse definiert, welche dann gewichtet und mit Punkten abschließend bewertet werden. Wichtig bei der Auswahl der Kriterien ist das alle Kriterien entweder qualitativ oder quantitativ erfassbar und messbar sind.[27]

Der wahrscheinlich wichtigste und zentralste Analyseschritt während der Erstellung der Nutzwertanalyse ist die Gewichtung der zuvor festgelegten Kriterien, denn die Gewichtungsfaktoren geben an wie wichtig das einzelne Kriterium für die Gesamtentscheidung während der Entscheidungsfindung ist. Dabei ist jedoch festzuhalten, dass die Gewichtung der einzelnen Kriterien sehr subjektiv ist und damit das Ergebnis der Analyse verfälscht werden kann, in dem man die Gewichtung der Kriterien so bestimmt das ein gewünschtes Ergebnis am Ende herauskommt.[28]

Die Direct Ranking Methode stellt hierbei zwar die einfachste Methode für die Gewichtung dar, weil die Kriterien einen Rang zugeordnet bekommen, z.B. von 0-10 wobei 10 die höchste Relevanz darstellt. Jedoch ist diese Methode auch die ungenauste Methode, da jedes Kriterium isoliert von den anderen betrachtet und bewertet wird und keine paarweise Betrachtung bzw. Analyse vorgenommen wird (Präferenzanalyse). Allerdings ist dies für diese Arbeit auch nicht zwangsweise notwendig, da die einzelnen Kriterien nicht unbedingt paarweise miteinander verglichen werden müssen oder in Konkurrenz zueinanderstehen, sondern durchaus einzeln betrachtet werden können.[29]

Nachdem alle Kriterien nun gewichtet worden sind, folgt nun der nächste Schritt die Festlegung der Handlungsalternativen anhand derer die Kriterien während der Analyse gemessen werden sollen. In diesem Fall werden drei Handlungsalternativen für die Analyse zur Verfügung stehen zum einen der derzeitige Ist-Zustand, und somit auch die Nullalternative, der klassische Bankkredit, welcher in Kapitel 2.5.2 näher vorgestellt wird, außerdem das Produkt Finetrading, welches im Kapitel 2.5.1 genauer definiert wird. Und als letzte Alternative wird noch das Produkt Reverse-Factoring für die Analyse als Handlungsalternative dargestellt, Kapitel 2.5.3. Die Nullalternative spiegelt in der Regel, den derzeitigen Ist-Zustand wieder und sollte immer mit untersucht werden in der Analyse, da das Ergebnis der Analyse auch durchaus lauten kann, dass keine Alternative einen höheren Nutzen aufweist als der derzeitige Ist-Zustand (Nullalternative), welches in diesem Fall der Bankkredit ist.[30]

Zusammenfassend ist zu sagen, dass man bei der Erstellung und Nutzung der Nutzwertanalyse auf die folgenden Punkte genau achten muss um die Entscheidungsauswahl und den Entscheidungsprozess transparent zu machen[31]:

- Ziele müssen spezifisch, klar, messbar und nachvollziehbar formuliert sein
- Die Skalierung der Bewertung sollte eine Kardinalskala sein um die Ergebnisse der einzelnen Alternative besser vergleichbar zu machen
- Bewertung und Gewichtung der Kriterien und Handlungsalternativen können sich in der Zukunft verändern, sobald sich die Rahmenbedingungen für die Analyse verändert haben
- Bewertung und Gewichtung der Kriterien und Handlungsalternativen können stark subjektiv beeinflusst sein

2.3 Kriterien für die Entscheidung bei der Nutzwertanalyse

Im nachstehenden Kapitel werden die Kriterien für die in Kapitel 3.2 vorgenommene Nutzwertanalyse vorgestellt und kurz für die Nutzung in dieser Arbeit definiert. Hierdurch soll ein einheitliches Verständnis der nachfolgenden Begriffe für diese Arbeit vorliegen.

2.3.1 Finanzierung und Liquidität

Für den nachhaltigen Unternehmenserfolg ist eine wohl überlegt zusammengestellte Finanzierungsstruktur überlebenswichtig, daher geht es in diesem Unterkapitel um das Thema Finanzierung und Liquidität.[32] Die neoklassische Annahme eines vollkommenen Kapitalmarktes und somit der Irrelevanz der Kapitalstruktur wurde spätestens mit der Finanzkrise ad acta gelegt.[33] Daher werden zwei andere Theorien zur Finanzierungsstruktur hier näher erläutert, die für das Verständnis der Arbeit hilfreich sind, zum einen die Pecking-Order-Theorie und zum anderen der Finanzierungslebenszyklus.[34]

Die Pecking-Order Theorie besagt, dass die Unternehmensführung die entsprechenden Finanzierungsmöglichkeiten entsprechend einer hierarchischen Ordnung in Anspruch nimmt. Zunächst werden demzufolge interne Mittel, vor allem Thesaurierung von Gewinnen, zur Finanzierung genutzt.[35] Der Vorteil liegt hier, dass Investitionen ohne externe Kontrolle getätigt werden können und somit keine Unternehmensinformationen nach außen gegeben werden müssen.[36] Erst nach der Innenfinanzierung werden externe Finanzierungsinstrumente genutzt, wobei kurzfristige Verbindlichkeiten den langfristigen Verbindlichkeiten und die Kreditfinanzierung der Mezzanine-Finanzierung vorgezogen werden, da hier weniger Mitbestimmungsrechte eingeräumt werden müssen und die steuerliche Anrechenbarkeit von Fremdkapitalzinsen vorteilhaft ist.[37] Externes Eigenkapital besitzt insgesamt, besonders bei mittelständischen Unternehmen, die geringste Bedeutung, da hier ein Mitbestimmungsrecht abgegeben werden muss und eine Gewinnbeteiligung besteht.[38] Die Gründe für diese Rangordnung bzgl. der Nutzung von Finanzierungsinstrumenten liegen zum einen in den relativen Kosten für das Finanzierungsinstrument und zum anderen in der generellen Abneigung Externen zu viele Informationen über das eigene Unternehmen zu geben bzw. sogar Mitbestimmungsrechte einzugestehen.[39]

Der Finanzierungslebenszyklus basiert auf dem evolutionstheoretischen Ansatz, dass Unternehmen ähnlich wie ein Lebewesen einen Lebenszyklus durchleben. Der Bedarf und Art der Finanzierung ist demzufolge abhängig von dem jeweiligen Lebenszyklus des Unternehmens.[40] Zu Beginn einer Unternehmensgründung werden meist interne Ressourcen für die Finanzierung genutzt, erst durch ein moderates mittelfristiges Wachstum besteht die Möglichkeit der kurzfristigen Fremdkapitalaufnahme hauptsächlich durch Kontokorrentkredite.[41] Erst sobald die Gewinnzone erreicht ist können wachstumsstarke Unternehmen auf langfristige Bankkredite zurückgreifen, bis dahin nutzen viele Unternehmen Finanzierungsinstrumente wie Leasing, Factoring oder Lieferantenkredite.[42] Die Nutzung der verschiedenen Finanzierungsinstrumente beruht also hauptsächlich auf der aktuellen wirtschaftlichen Situation (Lebenszyklus), Alter Größe und Verfügbarkeit von Informationen.[43]

Bevor das Thema der Finanzierung angegangen werden kann muss zunächst der Begriff Liquidität definiert werden. In der Betriebswirtschaftslehre versteht man Liquidität als die Fähigkeit eines Unternehmens jederzeit seine fälligen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, daher kann Liquidität auch mit Zahlungsfähigkeit gleichgesetzt werden. Hierbei ist ein wichtiges Kriterium die Liquidierbarkeit von Aktiva bzw. die Laufzeit der Verbindlichkeiten.[44] Die Quellen der Liquidität sind zum einen der zu Beginn vorhandene Kassenbestand, die erwirtschafteten Einzahlungsüberschüsse und Finanzierungsreserven wie schnell veräußerbare Vermögensgegenstände oder nicht genutzte Kreditlinien. Dabei sind bei der Liquiditätsplanung stets Nutzen und Kosten von Liquidität abzuschätzen, denn eine hohe Liquidität bedeutete zwar einerseits eine große Sicherheit bei der Zahlungsfähigkeit, jedoch versucht auch hohe Kosten in Form von Opportunitätskosten, da liquide Mittel gerade in der Niedrigzinsphase keine Zinsen und somit auch keine Rendite abwirft.[45]

Es gibt einige wichtige Kennzahlen für die Messung von Liquidität, zum einen die „goldene Bilanzregel“, welche besagt, dass die Fristigkeit des Kapitals der Fristigkeit des damit finanzierten Vermögens entsprechen soll.[46] Zur Messung dieser Bilanzregel werden gerne die Liquiditätsgrade herangezogen, die gerade bei der kurzfristigen Liquiditätsanalyse hilfreich ist. Zur Berechnung der Liquiditätsgrade werden kurzfristige Forderungen und Vermögensgegenstande den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenübergestellt.[47] Hierfür gibt es zudem noch die Unterscheidung in die unterschiedlichen Grade der Liquidität, welche in der nachfolgenden Abbildung zu erkennen sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Liquiditätsgrade[48]

Je höher die Liquiditätsgrade sind desto besser fällt die Beurteilung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit aus, in der Regel sagt man, dass der 1. Liquiditätsgrad zwischen 10 bis 30 % betragen sollte, die Liquidität 2. Grades ca. 100% und die Liquidität 3. Grades bei ungefähr 200% liegen sollte.[49] Neben dieser statischen Liquiditätsbetrachtung gibt es auch noch die dynamische Liquiditätsanalyse, welche das Ziel hat künftige Zahlungsströme auf Basis alter Zahlungsströme zu prognostizieren.[50] Eine wichtige Kennzahl hierfür ist der operative Cashflow einer Periode, welche definiert ist als der Überschuss der zahlungswirksamen Erträge abzüglich der zahlungswirksamen Aufwendungen. Dabei stellt der operative Cashflow sowohl den erfolgswirtschaftlichen als auch den finanzwirtschaftlichen Überschuss dar, der somit ein wichtiger Indikator für die Ertragskraft eines Unternehmens ist.[51] In der Nutzwertanalyse in Kapitel 3.2.2 werden daher sowohl die Auswirkungen des Finetradings auf die Liquiditätsgrade untersucht als auch der Einfluss auf den operativen Cashflow.

2.3.2 Supply Chain Finance

Der Begriff Supply Chain Finance wird in der Literatur auch häufig als Financial Supply Chain Management bezeichnet, wobei zum Teil auch zwischen Supply Chain Finance und Financial Supply Chain Management unterschieden wird, jedoch können beide Begriffe durchaus als synonym benutzt werden.[52] Beim Supply Chain Finance geht es sowohl darum eine prozessorientierte Optimierung des Kapitalflusses zu erreichen, aber auch um die Verbesserung und Verminderung der Kapitalkosten während des Supply Chain Prozesses, was eher dem Themenbereich Corporate Finance zuzurechnen ist.[53] Hierdurch soll eine Optimierung des Anlagevermögens und somit auch Verbesserung des Working Capitals erzielt werden, wodurch Kosteneinsparungen im Bereich der Kapitaleffizienz möglich werden und die Finanzierungkosten für die Supply Chain Kette sinken.[54]

Neben der stetig steigenden Notwendigkeit seine Kapitalflüsse -und kosten zu senken um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist ein weiteres Ziel des Supply Chain Finance zusätzliches Kapital freizulegen indem Zahlungsströme besser gestaltet werden um die Kreditnachfrage bei den Banken zu senken, da die Kreditvergabe nach der Finanzkrise immer noch eingeschränkt ist.[55] Aufgrund dieser Entwicklungen wurden spezielle Produkte für das Supply Chain Finance entwickelt, welche die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen unabhängig von Banken erweitert, eines dieser Produkte ist das Finetrading, welches auch Thema der vorliegenden Master Thesis ist.[56]

Um das Thema Supply Chain Finance besser verstehen zu können ist zuerst notwendig den Begriff Supply Chain zu definieren. Das grundlegende Verständnis der Supply Chain (deutsch: Lieferkette) ist das ein Unternehmen ein Produkt ausgehend von der Bereitstellung von Rohmaterialien über alle Wertschöpfungsprozesse hinweg produziert und dann am Ende das fertige Produkt an den Endkunden verkauft.[57] Ein weiterer Begriff aus diesem Bereich ist das Supply Chain Management, hier geht es vordringlich darum die Waren-, Informations- und Finanzströme zu analysieren, zu integrieren und anschließend zu managen.[58] Grundsätzlich besteht das Supply Chain Management dabei aus den folgenden vier Bestandteilen[59]:

1. Steuerung, Planung und Überwachung integrierter und synchronisierter Geschäftsprozesse
2. Management der Warenströme
3. Bereitstellung der relevanten Informationen für alle Akteure innerhalb der Supply Chain Kette
4. Management der Finanzströme, dadurch sollen Finanzmittelströme und gebundene finanzielle Mittel optimiert werden (Supply Chain Finance)

Das Supply Chain Finance befasst sich aber nicht nur ausschließlich mit der Optimierung von Zahlungsströmen und finanziellen Mitteln, sondern betrachtet auch die Bereiche Information, Risiko, Transkation von Werten und Kapitaleinsatz.[60] Das Ziel beim Einsatz von Supply Chain Finance ist es über eine effektive und effiziente Gestaltung des Finanzmittelflusses, den Wert der Supply Chain Kette und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu verbessern.[61]

Ein wichtiger Bestandteil dabei ist das Working Capital Management oder auch Management des Nettoumlaufvermögens um finanzielle Mittel freizusetzen und somit auch ein wertorientiertes Supply Chain Finance Management betreiben zu können.[62] Durch eine Optimierung des Working Capitals und einer Verbesserung des Cash Conversion Cycles kann die Kapitalstruktur des Unternehmens grundlegend verbessert werden, da weniger Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital benötigt wird.[63]

2.3.3 Working Capital Management

Unter dem Begriff Working Capital versteht man in der deutschsprachigen Literatur das Kapital, welches das Umlaufvermögen des Unternehmens finanziert, soweit dies über die Höhe der kurzfristigen Verbindlichkeiten hinausgeht.[64] Das Working Capital stellt in diesem Fall hinsichtlich der bilanziellen Sichtweise das Nettoumlaufvermögen bzw. das Betriebsvermögen dar.[65] Die nachstehende Abbildung zeigt die Berechnung des Working Capitals auch noch einmal graphisch:[66]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Definition Working Capital

Das Working Capital ist grundsätzlich in zwei Dimensionen zu unterteilen, zum einen die Dimension Geld und zum anderen die Dimension Zeit. Daher entspricht das Working Capital einer zeitpunktbezogenen monetären Größe, welches durchaus auch negativ sein kann. Ein niedriges oder sogar negatives Working Capital ist in aller Regel ein Zeichen besonderer Marktmacht.[67] Aus der nachfolgenden Abbildung kann man die einzelnen Bestandteile des Working Capitals aus bilanzieller Sicht erkennen:[68]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Working Capital in der Bilanz

Das Working Capital dient sehr gut als Indikator für die Beurteilung des Finanzierungsverhaltens und der Finanzierungskraft des Unternehmens[69], dabei weist ein positives Working Capital daraufhin, dass die Forderungen auf der Aktivseite höher sind als die Verbindlichkeiten auf der Passivseite.[70] Dies ist zwar aus bilanzieller Sicht gut, da die Verbindlichkeiten durch eigene Forderungen gedeckt sind und nicht zusätzliches Kapital aufgenommen werden muss, jedoch ist dies für die Working Capital Betrachtung negativ, da das gebundene Kapital in Form von Forderungen und Vorräten auch anderweitig für Investitionen oder zur Anlage verwendet werden könnten.[71] Außerdem ist hierbei zu bedenken dass sollten die Forderungslaufzeiten länger sein als die Laufzeiten der Verbindlichkeiten, müssen die Verbindlichkeiten über Fremdkapital finanziert werden, was wiederum zu erhöhten Kapitalkosten führt.[72]

Das Ziel des Working Capitals ist zum einen Optimierung der betroffenen Bilanzpositionen durch eine transparente Darstellung und zum anderen die Identifikation der Einflussmöglichkeiten auf die Veränderung der Bilanzpositionen.[73] Durch eine Verringerung des Working Capitals kann sowohl der Kapitalumschlag gesteigert und die Kapitalkosten gesenkt werden als aber auch die Flexibilität des Unternehmens sowohl im operativen als auch finanziellen Bereich erhöht werden.[74]

Ein wesentliches Konzept für die Messung des Working Capital Erfolges ist der der sogenannte Cash Conversion Cycle, hierbei gibt es eine dynamische Betrachtung des Working Capitals.[75] Es misst die Zeit zwischen dem Einkauf der für den Unternehmenszweck notwendigen Betriebsmittel und der Zahlung dieser Verbindlichkeiten und der Forderungslaufzeit und somit der Zahlung für die erbrachte Leistung.[76] Bei der Betrachtung des Cash Conversion Cycles, welcher auch ein wichtiger Bestandteil der finanzwirtschaftlichen Analyse in Kapitel 3 dieser Arbeit sein wird, gibt es grundsätzlich drei verschiedene Kennzahlen die zu messen sind:[77]

- DSI: Days Sales in Inventory
- DSO: Days Sales Outstanding
- DPO: Days Payables Outstanding

Für die Betrachtung in dieser Arbeit sind aufgrund des Unternehmenszwecks des Musterunternehmens nur die DPO von Relevanz. Die DPO stellt die Zeitspanne zwischen der Lieferung von Betriebsmitteln und deren Bezahlung dar, d.h. die durchschnittliche Dauer die ein Unternehmen zur Begleichung seiner Rechnungen benötigt.[78] Dabei kann ein hoher DPO Wert sowohl positiv als auch negativ interpretiert werden, da es zum einen bedeutet, dass lange Zahlungsziele mit den Lieferanten vereinbart wurde und Liquidität lange im Unternehmen verbleibt. Jedoch kann ein hoher DPO Wert auch aussagen, dass das Unternehmen lange benötigt um fällige Rechnungen zu begleichen, d.h. Rechnungen erst zu spät nach Fälligkeit bezahlt werden können was natürlich ein Hinweis für eine zu geringe Liquidität ist.[79]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Berechnung DPO[80]

Der Cash Conversion Cycle und seine beiden Kennzahlen die DSO und DPO werden eine wichtige Messgröße für die Berechnung des Nutzwertes des Finetradings im Kapitel 3.2.4 sein, da die Optimierung des Working Capitals eine der wesentlichen Aufgaben im Supply Chain Finance ist.[81]

2.3.4 Rating

In der Finanzwirtschaft versteht man unter einem Rating die Beurteilung eines Finanztitels oder eines Wirtschaft Subjektes nach im Vorfeld festgelegten Kriterien und einer darauf basierenden Klassifikation bzw. Benotung auf einer Ordinalskala.[82] Das sogenannte Kredit Rating bezieht sich dabei auf Fremdfinanzierungsbeziehungen und gibt durch die Zuordnung zu einer ordinal abgegrenzten Klasse eine Einschätzung über die Bonität des Schuldners.[83] Hierbei stellt das Bonitätsrisiko das Risiko für den Fremdkapitalgeber dar, dass der Schuldner seine Verpflichtungen zu Zins- und Tilgungszahlungen nicht rechtzeitig oder vollständig erfüllen kann.[84] Grundsätzlich können Ratings entweder individuell durch Kreditgeber, meistens Banken, ermittelt werden was dann zu internen Ratings führt welche in der Regel nicht veröffentlicht werden. Ratings können aber auch extern vorgenommen werden z.B. durch Ratingagenturen welche mit einem standardisierten Verfahren Schuldner untersuchen und die ermittelten Ratings meistens auch veröffentlichen.[85]

Der Fokus dieser Arbeit wird eher auf den internen Ratings von Banken und anderen Kreditgebern liegen, da das Finetrading nicht die komplette Finanzierung über Banken oder sonstigen Kreditgebern ersetzen kann und auch gar nicht soll. Eher soll das Finetrading dabei helfen wichtige Finanzkennzahlen für das Rating zu verbessern um somit auch das interne Rating bei Banken zu verbessern um so einen besseren und kostengünstigeren Zugang zu Fremdkapital zu erhalten. Natürlich kann das Finetrading auch von Unternehmen genutzt werden welche Zugang zum Kapitalmarkt haben oder zukünftig haben möchten und somit auch ihr externes Rating verbessern möchten. Jedoch ist das in dieser Arbeit verwendete Musterunternehmen ausschließlich in Familienbesitz und hat derzeit auch keinerlei Ambitionen an den Kapitalmarkt zu gehen.

Ein Rating kann auf verschiedene Weise sowohl dem Schuldner als auch dem Fremdkapitalgeber von Nutzen sein, auf der einen Seite hilft es dem Fremdkapitalgeber das Risiko besser einschätzen zu können ob er sein eingesetztes Kapital auch zurückerhält andererseits kann er anhand dieser Einschätzung auch den Zinssatz für das Fremdkapital besser bestimmen und gegenüber dem Schuldner begründen.[86] Außerdem wird ein Rating meistens nicht nur am Anfang eines Investments erstellt, sondern in der Regel auch in regelmäßigen Abständen quartalsweise, halbjährlich oder jährlich aktualisiert. Meistens sind in den Kreditverträgen auch Grenzwerte oder Mindestratings eingebaut, bei dessen Unterschreitung entweder eine Konditionsanpassung (Zinssatz erhöhen) oder sogar ein Kündigungsrecht besteht.[87] Aber auch für den Schuldner können diese Ratings von Vorteil sein, da sie Kenntnis über ihre Bonität auch im Vergleich zu Konkurrenten erhalten, wobei dies nur für externe Ratings gilt, aber es hilft ihnen auch die Fremdkapitalkosten bei einer Fremdkapitalaufnahme besser einschätzen zu können.[88]

Bei den internen Ratings, welche von Banken und sonstigen Kreditgebern durchgeführt wird, gibt es keinen allgemeingültigen Ablauf da hier jedes Institut eigene Schwerpunkte setzt, jedoch haben sowohl die Bundesbank als auch der Sparkassen- und Giroverband einen Einblick in Ihren internen Ablauf des Ratingverfahrens gegeben.[89] Das Kernelement des Ratingverfahrens stellt die Analyse des Jahresabschlusses dar, welcher mit Hilfe von verschiedenen Kennzahlen analysiert und schließlich auch bewertet wird. Dabei werden die nachfolgenden Kennzahlen in der Regel verwendet:[90]

- Eigenkapitalquote
- Cash-Flow Rate
- Betriebsergebnis
- Kreditorenlaufzeit (DPO)
- Debitorenlaufzeit (DSO)
- Liquidität
- Zinsaufwandsquote

[...]


[1] Vgl. Fey/ Kaserer/ Kuhn (2011), S. 7

[2] Vgl. Deloitte (2012), S. 7 f.

[3] Vgl. Fey/ Kaserer/ Kuhn (2011), S. 7

[4] Vgl. Fey/ Kaserer/ Kuhn (2011), S. 36

[5] Vgl. Deloitte (2012), S. 23 ff.

[6] Vgl. Mrozek (2014), S. 1

[7] Vgl. Kögler (2015), S. 1

[8] Vgl. Finanzgruppe Deutscher Sparkassen- und Giroverband (2015), S. 7 ff.

[9] Vgl. Schwartz/ Zimmermann (2012)

[10] Vgl. KfW (2015), S. 7 ff.

[11] Vgl. PwC (2015), S. 105 ff.

[12] Vgl. Laux (2007), S. 4 f.

[13] Vgl. Kahle (2001), S. 8 f.

[14] Vgl. Eisenführ/ Weber (1999), S. 4 f.

[15] Vgl. Eisenführ/ Theuvsen (2004), S. 36 f.

[16] Vgl. Bitz (1981), S. 15 ff.

[17] Vgl. Jungermann/ Pfister/Fischer (2010), S. 23 ff.

[18] Vgl. Springer (1974), S. 249 f.

[19] Vgl. Resnik (1987), S. 11

[20] Vgl. Bamberg/ Coenenberg/ Krapp (2012), S. 236 f.

[21] Vgl. Bamberg/ Coenenberg/ Krapp (2012), S. 59

[22] Vgl. Zangemeister (1976), S. 45

[23] Vgl. Westermann/ Finger (2012), S. 15 f.

[24] Vgl. Zangemeister (1976), S. 46 f.

[25] Vgl. Nollau (2004), S. 35

[26] Vgl. Eisenführ/ Langer/ Weber (2010), S. 69 ff.

[27] Vgl. Bautsch (2014), S. 269

[28] Vgl. Zardari (2015), S. 13 f.

[29] Vgl. Fiedler (2003), S. 27 f.

[30] Vgl. Nagel (1990), S. 14 f.

[31] Vgl. Büssow/ Baumgarten (2004), S. 129 f.

[32] Vgl. Arrow (1962), S. 609

[33] Vgl. Karcher (2015), S. 40

[34] Vgl. Berger/ Udell (1998), S. 672 ff.

[35] Vgl. Spreman/ Gantenbein (2013), S. 22

[36] Vgl. Brealy/ Myers/ Allen (2007), S. 517 ff.

[37] Vgl. Schäfer (2002), S. 129

[38] Vgl. Karcher (2015), S. 42

[39] Vgl. Myers (1984), S. 580

[40] Vgl. Berger/ Udell (1998), S. 680

[41] Vgl. Chittenden/ Hall/ Hutchinson (1996), S. 61

[42] Vgl. Hummel/ Karcher/ Schultz (2013), S. 490

[43] Vgl. Berger/ Udell (1998), S. 681

[44] Vgl. Becker (2008), S. 13

[45] Vgl. Hirth (2005). S. 171 f.

[46] Vgl. Perridon/ Steiner (2012), S. 12 f.

[47] Vgl. Heesen (2011), S. 167 ff.

[48] In Anlehnung an: Becker (2008), S. 15

[49] Vgl. Wöhe/Bilstein/ Ernst/ Häcker (2013), S. 28 ff.

[50] Vgl. Prätsch/ Schikorra/ Ludwig (2011), S. 249 f.

[51] Vgl. Kaiser (2011), S. 106 f.

[52] Vgl. Pfohl/ Gomm (2006), S. 28

[53] Vgl. Straube/ Pfohl/ Günthner/ Dangelmaier (2005), S. 38

[54] Vgl. Jahns/ Henke/ Protopappa/ Blome (2009), S. 427

[55] Vgl. Demica (2008), S. 2

[56] Vgl. Wildemann (2008), S. 12

[57] Vgl. Otto (2002), S. 89

[58] Vgl. Müller/ Seuring/ Goldbach (2003), S. 421

[59] Vgl. Fettke (2007), S. 421

[60] Vgl. Pfohl/ Hofmann/ Elbert (2003), S. 2

[61] Vgl. Skiera/ Pfaff (2004), S. 1399

[62] Vgl. Metze (2010), S. 30 f.

[63] Vgl. Pfohl/ Elbert/ Gomm (2006), S. 28 f.

[64] Vgl. Heesen/ Moser (2013), S. 2

[65] Vgl. Partsch (2000), S. 122

[66] Vgl. Klepzig (2010), S. 6

[67] Vgl. Klepzig (2010), S. 6

[68] Vgl. Klepzig (2010), S. 7

[69] Vgl. Ulbrich/ Schmuck/ Jäde (2008), S. 24

[70] Vgl. Streich (2008), S. 70 f.

[71] Vgl. Schneider (2003), S. 315

[72] Vgl. Hofmann/ Maucher/ Piesker/ Richter (2011), S. 10 f.

[73] Vgl. Steinhardt (2006), S. 479

[74] Vgl. Meyer (2007), S. 1 f.

[75] Vgl. Klepzig (2010), S. 16

[76] Vgl. Eitelwein/ Wohltat (2005), S. 417

[77] Vgl. Steinhardt (2006), S. 479

[78] Vgl. Meyer/ Lüdtke (2006), S. 610

[79] Vgl. Skiera/ Pfaff (2003), S. 59 ff.

[80] Vgl. Behm (2005), S. 106

[81] Vgl. Eitelwein/ Wohltat (2005), S. 416

[82] Vgl. Everling (1999), S.1528 f.

[83] Vgl. Brealy/ Myers/ Allen (2006), S. 651

[84] Vgl. Heinke (1998), S. 15

[85] Vgl. Rudolph (2006), S. 404

[86] Vgl. Steiner/ Bruns (2007), S. 195-198

[87] Vgl. EZB (2004), S. 12-15

[88] Vgl. Schnabel (1996), S. 315 f.

[89] Vgl. Hofmann (2011), S. 209 ff.

[90] Vgl. Goebel/ Böcker (2011), S. 2

Details

Seiten
69
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668290457
ISBN (Buch)
9783668290464
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338771
Institution / Hochschule
Europäische Fachhochschule Brühl
Note
1,7
Schlagworte
Finanzierung; Working Capital Management; Supply Chain Finance; Finetrading; Einkaufsfinanzierung; Finanzierungsmodell;

Autor

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Titel: Finanzwirtschaftliche Analyse des Finetradings