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Al Gazali und die Wissenschaft

Hausarbeit 2016 22 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie

3. Selbstzweifel und Wissbegierde
3.1. Spirituelle Krise

4. Selbsterkenntnis

5. Das Wissen und der Weg zur Glückseligkeit
5.1. Die Wege, Wissen anzueignen

6. Al-Ġazālī und die Philosophen

7. Fazit.1 Literaturverzeichnis.

Einleitung

Die vorliegende Arbeit behandelt das Leben al-Ġazālīs, der im 11. und 12. Jahrhundert gelebt hat und einer der bedeutendsten Gelehrten in der islamischen Geschichte des Mittelalters war. Er hat die geistes- und wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung der islamischen Gesellschaft bis heute mit geprägt. Da er über ein weit ausgebreitetes Wissen in verschiedenen Bereichen verfügte, ist es nicht möglich ihn zu einer bestimmten Lehrrichtung zuzuordnen und ihn einzugrenzen. Er schrieb mehrere Bücher über Theologie, Philosophie, Logik und Ethik. Einer seiner größten Werke ist das theologische Werk Iḥyāʾ ʿulūm ad-dīn. Al-Ġazālī entwickelte im Laufe seines Studiums ein Bestreben nach Wissen, es anzueignen und die Erkenntnis darüber zu gewinnen. Dieser Ehrgeiz verhalf ihm später zu Ruhm, Ansehen und Reichtum bis hin zu dem Titel des muhyiddin (Erneuerer der Religion) und ḥuǧǧat al-islām (der Beweis des Islam).

Seit Anbeginn des islamischen Zeitalters wurden die Muslime dazu motiviert, Wissen anzueignen. Sogar der erste Vers (Aya) des Qurʾāns, der vom Erzengel Gabriel an Muḥammad offenbart wurde im Berg ḥirāʾ in Mekka lautete:

„ 1- Lies, im Namen deines Herrn, der dich erschaffen hat, 2- den Menschen erschaffen hat aus einem Anhängsel. 3- Lies, und dein Herr ist der Edelste, 4- Der (das Schreiben) mit dem Schreibrohr gelehrt hat, 5- den Menschen gelehrt hat, was er nicht wußte. “ 1

In einem anderen Vers lautet es:

„ -Sag: Sind etwa diejenigen, die wissen, und diejenigen, die nicht wissen, gleich? Doch bedenke nur diejenigen, die Verstand besitzen. “ 2

Nach den ersten Offenbarungen wurden von Seiten der Anhänger des Propheten Lehrräume zur Verfügung gestellt, wie das Haus des Erkam (Bayt`ul Erkam), um die Offenbarungen und Gebetspraktiken zu lernen.3

In der arabischen Welt verbreitete sich die Alphabetisierung und der Drang die Offenbarungen des Islams den Menschen in verschiedenen Regionen zu verkünden stieg an.4

Selbst nach dem Ableben des Propheten hörte das Lehren und lernen nicht auf. Zu den Qurʾān Versen, die zur Zeit des vierten Kalifen Uṯmān ibn ʿAffān zum Buch gebunden wurden, kamen ḥadīṯ-Sammlungen dazu und die Vielzahl an Überlieferungen entwickelte sich zu einer eigenständigen Wissenschaft, zu der islamischen Theologie.5 Schließlich bildeten sich zum Ende des 10. Jahrhunderts, im Angesicht verschiedener Gelehrten, Rechtsschulen in der sunnitischen islamischen Welt, die über eine beachtliche Meinungsvielfalt innerhalb dieser Rechtsschulen verfügte.6

Mit den Eroberungen der umliegenden Länder durch die Muslime, breitete sich die islamische Region immer mehr aus. Zu der islamischen Religionswissenschaft kamen dann Wissenschaften der nicht Muslimen dazu. Die ersten Ansätze der Übersetzungsbewegung brachen unter der Herrschaft des umayyadischen Kalifen Muʿāwiya I. im 7. Jahrhundert an. Man hat griechische Bücher in die syrische und später in die arabische Sprache übersetzt.7 Mehr und mehr entwickelte sich die Wissenschaft unter der islamischen Herrschaft zum Bildungszentrum der Welt. Wo die Christen ihre Werke unter Verschluss hielten und nur zugangsberechtigten Personen in ihren Bücher Einblick gewährten, ließ der Kalif der Abbasiden al-Maʾmūn zahlreiche griechische Werke zur Logik, Mathematik, Medizin und Astronomie in seinem Haus der Weisheit (bait al-ḥikma) übersetzen und verschaffte jedem Zugang zu diesen Werken.8 Im Hinblick auf den Grund der Übersetzungsbewegung zitiert Fuat Sezgin in seinem Buch Wissenschaft und Technik im Islam den Autor Franz Rosenthal: « […] Ohne diese dem Islam von Haus aus eigene Zentralstellung, ja gewissermaßen religiöse Verehrung des ‹Wissens› wäre die Übersetzungstätigkeit vermutlich weniger wissenschaftlich, weniger ausgreifend gewesen und hätte sich wohl viel mehr auf das unbedingt Zwecknotwendige beschränkt, als es tatsächlich der Fall gewesen ist.»9

Die „goldene Periode“ der islamischen Wissenschaft aber endete bereits im 11. Jahrhundert und nach dem Sturz der abbasidischen Herrschaft im 13. Jahrhundert wurden viele Werke durch die Mongolen zerstört.10 Die Übernahme der beiden islamischen Kulturzentren Cordoba und Baghdad war der Anfang des Niedergangs der islamischen Wissenschaft. Doch Jahre zuvor setzte der Rückgang der Wissenschaft in der islamischen Welt bereits ein, die mit dem Gelehrten al-Ġazālī in Verbindung gebracht wird, wie ich es in dieser Arbeit schlussfolgern werde.

2. Biografie

Abu-Hamid Muhammad al-Ġazālī kam 1058 in Tūs der Provinz Ḫorāsān im heutigen Iran auf die Welt und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater war ein frommer Mann, der seinen Lebensunterhalt als Wollspinner verdiente und sich überwiegend in der Gesellschaft der Gelehrten aufhielt, um ihnen seine Dienste zu erweisen. Kurz bevor er stirbt, gibt er seine beiden Söhne Muhammad und Ahmad al- Ġazālī in die Obhut eines nahen Verwandten, der ein Sufi ist. Dieser verhilft ihnen, nach einiger Zeit, die Aufnahme in eine Madrasa, wo sie neben Essen und Unterkunft, islamisches Recht und Mystik studieren können. Al-Ġazālī ist 11 als er in die Madras aufgenommen wird und bleibt dort bis zu seinem 17. Lebensjahr. Nach seinem Studium beschließt er eine Studienreise nach Djurjdan zu machen. Während dieser Reise widerfährt ihm ein Ereignis, das seine Einstellung zu seinem Studium in den darauffolgenden Jahren grundlegend verändert.

Al-Ġazālī wird von Räubern überfallen, die ihm seine Tasche mit seinen Notizen wegnehmen. Verärgert über diesen Vorfall läuft er den Räubern hinterher und verlangt von dem Anführer der Bande seine Tasche zurück, da diese für sie keinen Nutzen haben können. Der Räuber fragt nach dem Inhalt der Tasche und al-Ġazālī antwortet ihm, dass es sich um Notizen handle, die er während seines Studiums gemacht hat, um aus den Erkenntnissen darin zu lernen. Daraufhin lacht der Räuber und fragt ihn, was für Erkenntnisse das sind, um die man ihn berauben kann. Sie geben ihm letztendlich seine Notizen zurück und er beschließt nach Tūs zurückzukehren, sich der Wissenschaft ganz zu widmen und die Kommentare auswendig zulernen, damit niemand sie ihm noch einmal wegnehmen kann.

Nachdem er Djurdjan verlässt, geht er an die Niẓāmīya in Nisapur und lernt bei dem berühmten Gelehrten Abū l-Maʿālī ʿAbd al-Malik ibn ʿAbdallāh al-Dschuwainī Imām al- Haramain (der Imām der zwei heiligen Städte Mekka und Medina) Rechtsphilosophie, Theologie, Philosophie und die Kunst der Dialektik. Sieben oder acht Jahre bleibt al-Ġazālī an der Niẓāmīya. Als sein Lehrer stirbt, verlässt er Nīschāpūr und geht nach al-Mu`asker, dem Hauptsitz der seldschukischen Herrschaft. Er lernt den Wesir Nizām al-Mulk kennen und wird sein persönlicher Berater in politischen und religiösen Angelegenheiten. Nizām al-Mulk errichtet während seiner Amtszeit (1063-1092)11 Schulen, die nach ihm benannt werden um hauptsächlich die sunnitische Lehre gegenüber der Batiniden (die, die Religion als Grundlage für die Verwirklichung ihrer Ziele einsetzten) zu verteidigen. Al-Ġazālī wird vom Wesir zu dem Bedeutendsten dieser Schulen in Bagdad berufen, um zu lehren und weiter an seinen Werken zu schreiben. Es ist das höchste religiöse Amt in der islamischen Welt zu dieser Zeit.

Al-Ġazālī bleibt hier nur für fünf Jahre und verfällt in eine tiefe Krise, die sechs Monate andauert. Er kann sich von dieser Krankheit nicht erholen und aus Angst vor dem Kalifen, der ihm etwas antun könnte, beschliesst er, unter dem Vorwand eine Pilgerreise zu machen, Baghdad zu verlassen. Er reist zuerst nach Damaskus, dann nach Jerusalem und schließlich nach Mekka und macht anschließend die Pilgerfahrt. Während seines Aufenthalts in Damaskus und Jerusalem beginnt er sein größtes Werk Iḥyāʾ ʿulūm ad-dīn zu verfassen. Als er nach Tūs zurück kommt, zieht er sich zurück und lebt in Abgeschiedenheit, bis der Minister von Ḫorāsān ihn darum bittet, die Lehre an der Niẓāmīya wieder aufzunehmen.

Er akzeptiert das Angebot des Ministers, doch bleibt er hier nicht sehr lange. Schließlich kehrt er in seinen Heimatort nach Tūs zurück und widmet sich ganz der Mystik. Er errichtet neben seinem Haus eine Schule und ein Gästehaus, in denen er weiter Schüler unterrichtet. Al-Ġazālī stirbt im Jahre 1111 im Alter von 53 Jahren und hinterlässt zahlreiche Werke über das islamisches Recht, Philosophie und Theologie. Er wird in Tūs neben dem Grab des Kalifen Hārūn ar-Rašīd, des Imām ar-Riḍā und des persischen Dichters al-Firdausī begraben. 12

3. Selbstzweifel und Wissbegierde

In den vielen Jahren seines Lebens ist al-Ġazālī damit beschäftigt, sich Wissen anzueignen. Seinen Eifer beschreibt er hierzu in seinem Buch Der Erretter aus dem Irrtum: „ [ … ] bis jetzt, wo ich fünfzig Jahre alt bin, hörte ich nicht auf, mutig und nicht zaudernd oder feige in die Tiefe dieses weiten Meeres und in jede Dunkelheit einzudringen, griff jedes Problem an, stießin jede Schwierigkeit vor, untersuchte die Glaubensgrundsätze (`aqida, Plural:`aqa`id) jeder Schulrichtung und machte mir die Geheimnisse der Lehrmeinungen jeder Gruppe klar, damit ich zwischen dem wahrhaftigen und dem falschen [ … ] unterscheiden konnte. Ich verließkeinen B āṭ in ī ten, ohne michüber seine Lehre unterrichtet, keinen Zaristen, ohne das Resultat seiner Schule erfahren zu haben. Ferner verließich keinen Philosophen , bevor ich michüber den Kern seiner Philosophie erkundigt, keinen islamischen Scholastiker (mutakallim), bevor ich das Ziel seiner Rede und Dialektik erforscht hatte; desgleichen keinen Mystiker, [ … ] keinen Frommen, [ … ] keinen Häretiker und Verneiner der göttlichen Eigenschaften und seiner Häresie herausgefunden zu haben, damit ich die Gründe dieser Leute ausfindig machen konnte. “ 13

In der ersten Krise, in die er verfällt und die zwei Monate andauert, stellt er fest, dass die Menschen ihr Wissen eher aus Nachahmungen erhalten, als dass sie sie selbst erkennen und bewusst wahrnehmen. Ein Christ erzieht sein Kind nach christlichen Glaubensgrundsätzen, ein Jude nach jüdischen Glaubensgrundsätzen, ein Moslem nach islamischen Glaubensgrundsätzen und den Überlieferungen und Nachahmungen seiner Vorfahren. Diese Zweifel überkommen ihn, als er bemerkt, dass das Wissen, das er sich aneignet, ihm nicht die Gewissheit gibt, das es das wahre Wissen ist oder welche Lehrmeinung nun recht hat. Er sieh ein, dass er, bevor er die Lehrmeinungen nach seinem Wahrheitsgehalt überprüfen kann, die Fragen nach den Kriterien der Wahrheit selbst untersuchen muss.14

Al-Ġazālī ist der Überzeugung, dass ihm sein Verlangen nach der Erfassung der Wahrheiten seit seiner Jugend durch Eigenschaft, Gewohnheit, Instinkt und natürliche Veranlagung von Gott verliehen ist und er nicht durch Nachahmung zu seinen Erkenntnissen gekommen ist. Er beschließt sich zu fragen, wie das Wesen der Erkenntnis ist, um dann das Erkannte auf eine Art und Weise zu enthüllen, ohne dass es Zweifel oder die Möglichkeit eines Irrtums aufweist, um so die Erkenntnis der Wahrheiten der Dinge zu erlangen. 15

„ Wer also glaubt, dass die Enthüllung der Wahrheit nur von den niedergeschriebenen Argumenten abhängig ist, der hat die große Barmherzigkeit Gottes eingeengt. “ 16 Obwohl er zunächst feststellt, dass die religiöse Autorität und die naturwissenschaftlichen Experimente unzuverlässig sind, wie auch die Sinneswahrnehmung und die Vernunftfunktion, versucht er durch subjektive Erlebnisse zu neuen Erkenntnisse zu gelangen.17

Hierzu teilt Al-Ġazālī die Forscher zuerst in vier Klassen auf:

Die Mutakallimūn (d.s. die islamischen Scholastiker): Sie behaupten, die Menschen der Einsicht und des spekulativen Denkens zu sein.

Die Bāṭinīten: Sie behaupten, die Träger des Unterrichts und die privilegierten Empfänger (des Wissens) durch einen unfehlbaren Imām zu sein.

Die Philosophen: Sie behaupten, sie seien Menschen der Logik und des Beweises.

Die Ṣūfīs: Sie behaupten, die Auserwählten der göttlichen Anwesenheit, des Schauens und der Erleuchtung zu sein.18

Er ist sich sicher, dass das wahre Wissen außerhalb dieser vier Gruppen nicht zu finden ist. Die Scholastiker, die ihre Ziele darin sehen, die sunnitischen Glaubensgrundsätze gegenüber den Erneuerern zu wahren, in dem sie die Grundlagen ihrer Gegner nutzen und von der Verteidigung der Sunna zur Suche nach den Wahrheiten der Dinge über gehen19

Die Philosophen teilt er in drei Gruppen ein: Die 1. Gruppe sind die Materialisten, die behaupten, dass die Welt von Anbeginn der Zeit existiere und nicht durch einen Schöpfer entstanden ist. Die 2. Gruppe sind die Naturalisten, die meinen, dass die Erde und die Lebewesen darin durch Gott erschaffen sind, aber wenn ein Lebewesen tot ist, so ist sie nicht mehr lebendig. Somit ist die Seele sterblich und würde nach dem Tod nicht mehr existieren, folglich gibt es das Jenseits, das Paradies und die Hölle nicht. Die 3. Gruppe sind die Theisten, die widersprechen den beiden vorherigen Gruppen und widersprechen sich auch untereinander, wie zum Beispiel Aristoteles, der seine beiden Vorgänger Platon und Sokrates in ihrer Logik und Ansicht zur Wissenschaft widerlegt.20

Die Bāṭinīten, die behaupten, dass das wahre Wissen nur durch den wahren Imam, der unfehlbar ist, zu erlernen sei. Nur durch Nachahmung (Taqlīd) kann das Wissen überliefert werden und bei theologischen Fragen ist die Meinung des Imams wichtiger als die eigene.

Die letzte Gruppe sind die Ṣūfīsten, deren Wege zum erlangen von Wissen, nur durch die Verbindung von Theorie und Praxis nachvollziehbar ist. Dieses Wissen kann man durch ein reines Herz, frei von allem was außer Gott ist, aufnehmen. Er sieht das Problem eher in der Praxis, als in der Theorie dieser Wissenschaft, denn die Lehre beinhaltet Schmecken und Erleben und Verwandlung der Eigenschaften. Die Mystiker waren nicht Redner sondern Menschen der Erlebniszustände. Die vorherigen Wissenschaften unterscheiden sich zur dieser Wissenschaft in religiösem und rationalem Glaube.

3. . Spirituelle Krise

Während dieser Zeit des Studiums der Mystiker fällt er in die zweite Krise, die wesentlich länger andauert und auch für ihn verheerender ist. Er verliert seine Sprachfähigkeit und somit auch die Lehrfähigkeit in der Zeit, in der er seinen größten Ruhm und Ansehen genießt. Die Zweifel über das wahre Wissen und sein Dasein beschäftigen ihn. Seine Ohnmacht über diesen Zustand, veranlasst ihn, wegen der Unfähigkeit seiner Lehrtätigkeit, von seinem Amt Abstand zu nehmen und in die Zurückgezogenheit zu flüchten. 21

„ Mir war bereits klar geworden, das es keine Hoffnung auf die Glückseligkeit im Jenseits gibt außer durch Frömmigkeit und Enthaltung der Seele von allen Neigungen, und dass der Kern all dessen ist, die Bindung des Herzens an die Welt zu lösen,[ … ] Ferner war mir klar geworden, dass man dies nicht anders als dadurch erreicht, dass man auf Ruhm und Reichtum verzichtet und vor Beschäftigungen und Bindungen flieht. “ 22

Unter dem Vorwand, die Pilgerfahrt zu machen, begibt er sich nach Damaskus und schließt sich in der Minarette der großen Mosche ein. Seine Einsamkeit setzt er in Jerusalem im Felsendom fort. Es folgt danach die Pilgerfahrt mit anschließendem Wanderleben, in dem er sein größtes Werk vollbracht und den Menschen predigt, sich dem Jenseits zuzuwenden. Diese Zeit der Abgeschiedenheit beschreibt er in seiner Biographie folgendermaßen:

„ Es war, was es war, was ich nie sagen werde, Du denke gut davon und frage nicht. “ 23

Al-Ġazālī ist der Meinung, dass Menschen aus drei Gründen Wissen erwerben. Die einen um Gottes Willen zu erhalten und das Jenseits zu gewinnen,weshalb sie im Vorteil sind. Dann die einen, die Wissen erwerben um Ruhm und Reichtum auf der Welt zu erlangen, die sich aber der Wertlosigkeit ihrer Ziele nicht bewusst sind. Falls sie aber ihren Fehler erkennen, und sich von diesem Weg abwenden, haben sie noch eine Möglichkeit mit ihrem Wissen gute Taten zu vollbringen, somit ist deren Schicksal dann in Gottes Hand. Die dritten aber sind die, die vom Satan besessen sind. Die benutzen ihr Wissen, um ihr Reichtum zu vermehren und um ihre weltlichen Ziele zu erreichen. Auch wenn sie mit ihrem Reden und ihren Erscheinungen im Vordergrund sind und denken sie haben vor Allah eine besondere Stellung, so sind sie innerlich wie äußerlich der Welt verfallen und sind irregeleitet. Ihre Taten schaden den Menschen mehr als ihre Worte gut machen können.24

Das Wissen zu erwerben nur um Ruhm, Reichtum und Anerkennung auf dieser Welt zu erlangen, bedeutet aber auch den Untergang der Seele und den Ruin im Glauben und ein Verlust im Jenseits.25 Auch ein Wissen, das nicht zur Erkenntnis Gottes und nicht zu dem Nachfolgen des Propheten führt, ist ein Unglück für denjenigen, der sie besitzt, das stellt al-Ġazālī fest.26

10 Jahre der Selbstfindung bringen ihn schließlich zu der Erkenntnis, dass nur Mystik der richtige Weg zu einem erfüllten Leben ist.

„ Ich wusste mit Gewissheit, das die Sufi diejenigen sind, die auf dem Wege des erhabenen Gottes voranschreiten, [ … ] Denn all ihre Bewegungen und Ruhehaltungen, in ihrem Ä ußeren wie auch im Inneren, sind der Lichtnische der Prophetie entnommen. Hinter diesem Lichte der Prophetie gibt es kein anderes Licht auf Erden, von dem Erleuchtung erlangt werden kann. “ 27

Er erkennt, dass die Sufis einen schwachen Abglanz von dem, was die Propheten in voller Klarheit zuteil geworden sind, erleben. Jeder Mensch, so al-Ġazālī hat in sich eine Anlage, was die Propheten in Vollkommenheit besitzen. Dieses Organ ist das Herz. Obwohl der Mensch die Erkenntnis Gottes in diesem Organ schon besitzt, lässt er es am Anfang verkümmern, bis er vom weltlichen bereinigt wird und Heilung erfährt, um so zu Gott zu gelangen. Den Propheten wurde die Kenntnisse der Mittel zur Reinigung der Seele gegeben. Die gewöhnlichen Menschen können diese Kenntnisse im Schlaf und Sufis in ihren inneren Offenbarungen als einen Hauch verspüren. Wer also sein Herz frei machen will, um zu der wahren Bestimmung zu gelangen, der muss sich an die Worte der Gottesgesandten halten.

Diese Erkenntnis nimmt al-Ġazālī die Furcht einer Autorität und die Angst einer höheren Instanz, welche die vorherigen Erkenntnisse immer für nichtig gehalten haben. Die Gewissheit, dass die Propheten über Erkenntnisse verfügen, die für gewöhnliche Menschen unzugänglich gewesen sind, gibt ihm die Sicherheit aus dem „inneren Fenster“. Ein Abbild jener Quelle, aus der die Propheten schöpften, welche ihm nicht mehr fremd scheint.28

[...]


1 Der edle Qur`an und die Ü bersetzung seiner Bedeutungen in die deutsche Sprache, König-Fahd- Komplex zum Druck vom Qur`an, al-Madina al-Munauwara 2005, S. 597.

2 Der edle Qur`an und die Ü bersetzung seiner Bedeutung in die deutsche Sprache, König-Fahd- Komplex zum Druck vom Qur`an, al-Madina al-Munauwara 2005, S. 459.

3 gl. Dr. M. Said Ramzan El-Buti, Fikhu`s Siyre Peygamberimiz (s.a.v.) in uygulamasiyla Islam. Gonca Yayinevi Istanbul 1992, S. 98.

4 Vgl. M. Yusuf Kandehlevi, Hayatu`s- Sahabe 1 Muhtasar. Isik Yayinlari Istanbul 2008, S. 88.

5 Vgl., Joseph Hell, Religiöse Stimmen der Völker, Die Religion des Islam I, Hrsg. Walter Otto. Eugen Diedrichs Verlag, Jena 1915, S. VIII.

6 Vgl. Mathias, Rohe. Das islamische Recht. Geschichte und Gegenwart, C. H. Beck, 3. Auflage, München 2011, S. 27-30.

7 Vgl. Fuat, Sezgin. Wissenschaft und Technik im Islam. Band I Einführung in die Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften. Strauss Offsetdruck, Mörlenbach 2003, S. 2-3.

8 ebd., vgl, S. 2-3.

9 ebd., S. 5.

10 ebd., vgl, S. 165.

11 Encyclopedia Britannica, britanica.com, Encyclopædia Britannica, Inc 2016.

12 Vgl. Abu-Hamid Muhammad al-Ghazālī. Der Erreter aus dem Irrtum, aus dem arabischenübersetzt, mit einer Einleitung, mit Anmerkungen und Indices herausgegeben von À bd-Elsamad À bdElhamid Elschazli. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1988, S. XI-XVI.

13 Al-Ghazālī, al-Munqiḏ min aḍ-ḍalāl; zitiert nach al-Ghazālī Der Erreter aus dem Irrtum, S. 4-5. 7

14 Vgl., Al-Ghazālī, Das Elixier der Glückseligkeit, Aus dem Persischen und Arabischen übertragen von Helmut Ritter, Marix Verlag Wiesbaden 2016, S. 11

15 Ebd., vgl., S. 5.

16 Al-Ghazālī, al-Munqiḏ min aḍ-ḍalāl; zitiert nach al-Ghazālī Der Erreter aus dem Irrtum, S. 10.

17 Vgl., Raid al-Daghistani,Abū Ḥammid al-Ghazālī. Erkenntnislehre und Lebensweg, Kalam Verlag KG, Hg. v. Milad Karimi, Freiburg i.Br. 2014, S. 35.

18 -Ghazālī, al-Munqiḏ min aḍ-ḍalāl; zitiert nach al-Ghazālī Der Al Erreter aus dem Irrtum, S.12.

19 Vgl., ebd., S. 13-14.

20 Vgl., ebd., S. 15 ff.

21 Vgl., ebd., S. 30-44.

22 Al-Ghazālī, al-Munqiḏ min aḍ-ḍalāl; zitiert nach al-Ghazālī Der Erreter aus dem Irrtum, S. 42.

23 Al-Ghazāli, Das Elixier der Glückseligkeit, zitiert Aus dem Persischen und Arabischen übertragen, Maria Verlag, Wiesbaden 2016, S. 15.

24 Vgl., Briefe und reden des Abu Hamid Muhammad al-Gazzali, übersetzt und erläutert von Dorothea Krawulsky, Klaus Schwarz Verlag, Freiburg im Breisgau 1971, S. 78-79.

25 Vgl., Joseph Hell, Religiöse Stimmen der Völker, Die Religion des Islam I, Von Mohammed bis Ghazālī, Hrsg. Walter Otto, Eugen Diedrich Verlag, Jena 1915, S. 77.

26 Vgl., Briefe und reden des Abu Hamid Muhammad al-Gazzali, übersetzt und erläutert von Dorothea Krawulsky, Klaus Schwarz Verlag, Freiburg im Breisgau 1971, S. 191.

27 Al Ghazālī, al-Munqiḏ min aḍ-ḍalāl; zitiert nach al-Ghazālī Der Erretter aus dem Irrtum, S. 46.

28 Vgl., Al-Ghazālī, Das Elixier der Glückseligkeit, Aus dem Persischen und Arabischen Übertragen , Maria Verlag Wiesbaden 2016, S.15 ff.

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668283428
ISBN (Buch)
9783668283435
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338566
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Philologie
Note
1
Schlagworte
gazali wissenschaft

Autor

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Titel: Al Gazali und die Wissenschaft