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Canossa 1077. Anfang oder Ende eines Machtkampfes?

Hausarbeit 2007 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Hinführung zum Thema:
1. Canossa 1077 S.
2. Personalia S

Auseinandersetzung mit der zentralen Frage:
1. Die Ausgangssituation S
2. Laieninvestitur S
3. Ein Streit entbrennt S
4. Canossa zum Greifen nahe S
5. Nach Canossa - Alles wieder gut? S
6. Weiterentwicklungen S
7. Kampf der Könige S

Ende und Ausblick auf einen größeren Horizont:
1. Ausblick auf die weitere Zukunft S
2. Das Erbe Canossas S
3. Canossa - Anfang oder Ende eines Streits? S

Quellen- und Literaturverzeichnis S.

Canossa 1077

Die Jahre 1076 und 1077 werden in der Geschichte immer zusammen mit dem Begriff „Canossa“ genannt. Canossa ist zum Synonym geworden für eine Selbsterniedrigung, die schwer fällt, aber von den äußeren Umständen her unvermeidlich. ist. Die Ereignisse der beiden Jahre betreffen uns auch im 21. Jahrhundert noch, da die Auswirkungen des damaligen Streits immer noch sichtbar sind. Doch was ist dort genau geschehen? Handelte es sich nicht nur um den Streit zweier Männer, die jeweils aus ihrer eigenen Interessenlage heraus handelten und sich beide im Recht fühlten? Um das zu erörtern muss man die Entwicklungen, die zum Treffen bei Canossa geführt haben, anschauen. Meine Betrachtung widmet sich der Frage: „War Canossa das Ende eines Disputs oder vielmehr nur der Auslöser neuer Probleme?“

Zu Beginn des Jahres 1077 trafen zwei der wichtigsten Menschen der damaligen Weltgeschichte in der Burg Canossa aufeinander. Bei diesen Beiden handelte es sich um den amtierenden Papst, Gregor VII. und König Heinrich IV., den Sohn von Kaiser Heinrich III. und der Kaiserin Agnes. Die Umstände von Heinrichs Reise nach Canossa waren alles andere als ein normaler Höflichkeitsbesuch. So hatte er unter großer Anstrengung den Weg von Speyer in die Nähe von Mainz, entlang des Rheins bis Basel, durch Besançon, Gex und Genf zurückgelegt, überquerte den Alpenpass Mont Cenis, um nach Italien zu gelangen und kam Ende Januar 1077 bei der Burg Canossa an.1 Sein Ziel war es gewesen, den Papst Gregor VII. abzufangen, der sich selbst auf einer Reise befand.

Papst Gregor VII. machte sich auf den Weg nach Deutschland um am 2. Februar an einem Treffen mit Heinrichs Gegnern in Augsburg teilzunehmen.2 Aber zu diesem Treffen kam es nicht, da Heinrich IV. am 25. Januar 1077 vor den Toren von Canossa stand und bis zum 28. Januar darum bat Buße tun zu dürfen, auf dass ihm vergeben werden würde.3

Aber was war genau vorgefallen? War es denn nicht so, dass der König, von Gottes

Gnaden, über allem stand?4 Das Gottesgnadentum bezeichnet ein Herrschaftssystem, bei dem der Herrscher als direkt von Gott eingesetzt gilt, ohne selbst von göttlichem Wesen oder Geblüt zu sein.5

Personalia

Vorhergegangen war ein Streit beider Herrscher. Der kirchliche- und weltliche Herrscher waren so sehr zerstritten, dass der Eine den Anderen am liebsten seines Amtes enthoben sehen wollte. Obwohl von höchst unterschiedlichen Charakteren bestand vorher Einigkeit zwischen beiden Herrschern. Heinrich IV., ein weltlicher Herrscher, der Deutsche König, er war verheiratet und zu Beginn des Streites und dem daraus resultierenden Ganges nach Canossa, einer junger Mann Mitte zwanzig. Außerdem war er durch seine königliche Herkunft von „Gottes Gnaden“ in seine Position als König gekommen.6 Gregor VII. hingegen, der mit bürgerlichem Namen Hildebrand von Soana hieß, war zur gleichen Zeit Mitte fünfzig. Er wurde bereits von Kind auf im Kloster erzogen. Er war ein geistlicher Herrscher. Im Gegensatz zu Heinrich IV. oder anderen Königen wurde er als Papst vorgeschlagen und gewählt. Dies geschah bei der Beisetzung des vorherigen Papstes Alexander II. im Jahre 1073.7

Diese erheblichen Altersunterschiede und verschiedenen Weltbilder bedingt durch die Herrschaftsformen spielt mit Sicherheit eine erhebliche Rolle im Verlauf der Streitigkeiten zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. und beeinflussten ebenso ihre Gefolgsleute.

Die Ausgangssituation

1073 wurde Hildebrand von Soana nach dem Tod des Papstes Alexander II. vom Volk Roms durch Akklamation, Ausruf, dass er neuer Papst werden sollte, in sein Amt gewählt. Dies wurde auch vom amtierenden König, Heinrich IV., abgesegnet, obwohl es sich von dem normalen Procedere einer Papstwahl unterschied. Gregor VII. hatte vor, dem Verständnis von Kirche und Welt eine neue Dimension zu verleihen und wollte am liebsten die Kirche von den weltlichen Dingen lösen. Formuliert wurde dies in den Dictatus Papae, 27 Leitsätzen, die genau diese Loslösung und eine klare Hierarchie regeln sollten, die die weltlich herrschenden Gewalten unter die der Kirche stellte. Dies stand allerdings komplett im Gegensatz zum allgemein verbreiteten Glauben und auch dem Wissen um das so genannte „Gottesgnadentum“ sowie gegen Gregors eigene Worte, die man kurz nach seinem Amtsamtritt im August und September des Jahres 1073 in einem Brief an Heinrich VI. lesen kann. Er schreibt, dass er sich wünscht, dass „die geistlich Gewalt und die höchste Herrschaft in einträchtiger Einheit verbunden seien“.8

Zu dieser Zeit waren sich Heinrich IV. und Gregor VII. besonders über diesen Punkt einig. Zwischen den Männern entwickelte sich ein Briefkontakt. So steht in einem Brief Heinrichs zum Beispiel, dass sich jener seiner Sünden der Vergangenheit bewusst ist und um Vergebung durch den Papst bittet9 . Außerdem wünsche er sich ebenfalls eine innige Verbundenheit zwischen geistlicher Macht und weltlicher Macht. Gregor VII. war sogar gewillt dem weltlichen Herrscher eine der höchsten Dienste zu erweisen: Die Kaiserkrönung.

Es schien so, als wären sich die Männer auf ganzer Linie einig und nichts stände einem ausgewogenen Miteinander im Wege. Doch Gregor VII. hatte auch zu diesem Zeitpunkt schon seine eigenen Vorstellungen wie das Wechselspiel zwischen den Herrschern aussehen sollte. Der König sollte, wie auch später in den Dictatus Papae deutlich wurde, nur auf das weltliche beschränkt und der Kirche untertänig sein. Und sogar noch mehr als das: Es reichte nicht „nur“ untertänig zu sein, sondern dem Papst sei zu dienen.10

Gemäß dieser Weltansicht machte sich auch Gregor VII. ans Werk. Er schrieb die Herrscher der Welt an um gegen Unzucht, Gotteslästerung und andere schlechte Taten vorzugehen. Das Schema war dabei immer sehr ähnlich: Er drohte ihnen „mit dem Schwert der apostolischen Strafe“11 - Einer Strafe durch das Gericht der Kirche. Ob Frankreich, Irland, Ungarn oder auch Herrscher in Italien selbst. Auch Heinrich IV. blieb nicht unangetastet.

Laieninvestitur

Heinrich IV. befand sich gerade in Mailand, wo er einen neuen Erzbischof einzusetzen wollte, um den unbequemen alten Erzbischof so zu ersetzten. Allerdings war der Erzbischof ein Mitglied der Pataria, einer volksnahen Gemeinschaft, die sich gegen den Einfluss des Weltklerus in kirchliche Riten und Aufgaben aussprach.12 Heinrich IV. favorisierte einen Mann, der allerdings vom vorigen Papst exkommuniziert wurde, also aus der Kirche ausgeschlossen war. Dieser Kandidat gehörte außerdem nicht der Pataria an, sondern er war sehr viel Näher dem Adel als dem Volk verbunden. Das konnte der amtierende Papst nicht dulden, da es sich auch gegen seine Interessen stellte. Papst Gregor VII. und Heinrich IV. begannen umgehend mit Verhandlungen, um diese Situation schnellst möglich aus der Welt zu schaffen. Diese Problematik wurde später „Laieninvestitur“ genannt, womit gemeint ist, dass ein kirchliches Amt mit einem nicht Geistlichen, einem Laien, besetzt wird. Somit träfe das auch bei dem Fall in Mailand zu. Das war bedingt durch die Exkommunikation des neuen Erzbischofs, der deshalb kein Mitglied der Kirche mehr war. Es wurde befürchtet, dass die Herrscher auf diese Weise Menschen in wichtige kirchliche Ämter einsetzen wollten, die aber eher dem weltlichen Herrscher als der Kirche loyal und hörig waren. Das war auch ein Punkt, den auch Papst Gregor VII. nicht außer Acht lassen konnte. Deswegen führte kein Weg an intensiven Verhandlungen vorbei. Heinrich IV. wurde dabei von fünf anderen Reichsbischöfen unterstützt, die ebenfalls schon bei Verhandlungen mit dem früheren Papst Alexander II. zugegen waren. Papst Alexander II. hatte diese fünf Männer gebannt und auch Papst Gregor VII. bannte diese erneut.

Ohne nennenswerte Ergebnisse wurden die Verhandlungen dann abgebrochen. Aber Papst Gregor VII. war ein Teilsieg gelungen, Heinrich IV. lies seinen Kandidaten für den Mailänder Bischofstuhl fallen.13

Ein Streit entbrennt

Der Frieden währte nicht lange: Heinrich IV hatte zwar seinen eigentlichen Kandidaten nicht zum Erzbischof gemacht, aber einen anderen Laien namens Tedald zum Erzbischof von Mailand ernannt, obwohl der alte Erzbischof immer noch in seinem Amt war. Üblicherweise wurden diese Ämter nur dann neu vergeben, wenn der Amtsinhaber verstorben war.

Die Antwort von Papst Gregor VII. folgte per Brief am 08. Dezember 1075:

Bischof Gregor, Knecht der Knechte Gottes, an König Heinrich Gru ß und apostolischen Segen - vorausgesetzt, er gehorcht dem Apostolischen Stuhl, wie es sich für einen christlichen König gehört (...)!14

Der König durfte keine Zeit verlieren. Etwas musste geschehen, das war ihm klar und so beraumte er eine Versammlung für den 24. Januar 1076 in Worms an, zu dem er die Bischöfe und Erzbischöfe seines Reichs rief.15

Fast alle Bischöfe und Erzbischöfe erschienen zum festgesetzten Treffen. Es stellte sich heraus, dass nahezu alle dem Papst nicht vollkommen Wohl gesonnen waren. Sie missbilligten seine korrigierende, befehlende Art, die in den von ihm verschickten Briefen immer wieder deutlich wurde. Unter Anleitung von Heinrich IV. setzte die Versammlung daher ein Schreiben auf, in dem der Wunsch zum Ausdruck gebracht wurde, den Papst (Gregor) abzusetzen. Obwohl hier „abzusetzen“ wohl nicht ganz richtig formuliert ist. Da seine Wahl zum Papst nicht der üblichen Form entsprochen hatte, sei er niemals Papst gewesen und das wurde eben erst in jüngster Zeit festgestellt.16

Deswegen wurde das Schreiben auch nicht an Papst Gregor VII. adressiert, sondern an Hildebrand von Soana, den bürgerlichen Namen Gregors. Das war wohl die größte, vorstellbare Beleidigung.

Dieses Schreiben ließ Heinrich IV. von den Bischöfen namentlich unterschreiben. Er selbst fügte noch eine eigene Schrift hinzu, in welcher er deutlich machte Gregor

[...]


1 Lampert von Hersfeld, Annalen zu 1077, S.396/397.

2 Holder-Egger, Fragmente eines Manifestes, S. 193.

3 Weinfurter, Canossa, S. 19-23.

4 Bernward von Hildesheim, Liuthar-Evangeliar, S. 85 II-36.

5 Anton, Gottesgnadentum, LexMa IV, Sp. 1592f.

6 Struve, Heinrich IV., LexMa IV, Sp. 2041.

7 Struve, Gregor VII., LexMa IV, Sp. 1687

8 Register I, Brief 19, S.31.

9 Register I, Brief 19, S. 31

10 Register I, Brief 20.

11 Register II, Brief 5, S. 132.

12 Goldini, Pataria, LexMa VI, Sp. 1776f.

13 Weinfurter, Canossa, S. 117.

14 Register III, Brief 10, S. 197.

15 Lampert von Hersfeld, Annalen zu 1076, S. 344.

16 Schneider, Prophetisches Sacerdotium, S. 93f.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668278066
ISBN (Buch)
9783668278073
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338459
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Historisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
canossa anfang ende machtkampfes

Autor

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Titel: Canossa 1077. Anfang oder Ende eines Machtkampfes?