Lade Inhalt...

Kritische Auseinandersetzung mit der Darstellung des Krankheitsbildes Anorexia nervosa im Film. Die Protagonistin Marie aus dem Film „Vincent will Meer“

Hausarbeit 2015 11 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe „Vincent will Meer“

3. Das Krankheitsbild der Anorexia nervosa
3.1. Definition
3.2 Historische Einordnung
3.3 Gruppe der Betroffenen
3.4 Symptome und Therapiemöglichkeiten

4. Kritische Auseinandersetzungen mit der Darstellung des Krankheitsbildes anhand der Protagonistin Marie
4.1. Darstellung der Therapie
4.2. Darstellung der Todessehnsucht
4.3. Darstellung der Reise

5. Verwendung von filmischen Mitteln

6. Fazit

1. Einleitung

„(…) bei mir ist das Gehirn kaputt, aber du musst doch einfach nur essen!“1 Inspiriert durch das Komplementärseminar „Psychiatrie im Film“ beschäftigt sich das folgende Essay mit dem Spielfilm Vincent will Meer und fokussiert die Hauptperson der Marie und das dargestellte Krankheitsbild der Anorexia nervosa. Das zu Beginn angeführte Zitat ist dem Film entnommen und wird von dem Protagonisten Vincent gegenüber der magersüchtigen Marie äußert. Dieses Zitat wurde ausgewählt, da es das Unverständnis und die Komplexitätsreduzierung wiederspiegelt, mit der Vincent dem Krankheitsbild der Anorexia nervosa begegnet.

Dieses Essay gibt eine Antwort auf die Fragestellung: Welches Krankheitsbild der Anorexia nervosa wird in dem Film Vincent will Meer vermittelt und wie realistisch ist diese Darstellung?

Einleitend wird im 2. Kapitel ein kurzer Einblick in die Inhaltsangabe des Filmes gegeben und die drei Hauptdarsteller kurz vorgestellt. Das 3. Kapitel beschäftigt sich ausführlich mit dem Krankheitsbild der Anorexia nervosa und beginnt mit einer Begriffsdefinition. Anschließend findet in diesem Kapitel die historische Einordnung statt und die Gruppe der Betroffenen AnorexiepatientInnen wird erläutert. Das 3. Kapitel schließt mit der Darstellung der Symptome sowie Therapiemöglichkeiten. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Darstellung der Marie erfolgt im 4. Kapitel. Dabei werden bestimmte Themen des Films, wie die Todessehnsucht von Marie oder ihre Liebesbeziehung zu Vincent, gesondert in den Fokus genommen. Abschließend werden die filmischen Mittel vorgestellt, die in der Produktion verwendet wurden und ein abschließendes Fazit gezogen, um die Forschungsfrage begründet zu beantworten.

Ziel dieses Essays ist es, eine Sensibilisierung für das Krankheitsbild der Anorexia nervosa, sprich der Magersucht sowie auf die Not der betroffenen Personen hinzuweisen. Zudem wird versucht, die Ambiguität der filmischen Inszenierung zu berichtigen und literaturgestützt die Symptome und Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen und zu erörtern.

2. Inhaltsangabe „Vincent will Meer“

Die zwei Außenseiter, Marie und Vincent, lernen sich in einem Therapiezentrum kennen. Vincent leidet seit der Grundschulzeit unter dem Tourette-Syndrom, Marie ist magersüchtig. Vincent wurde aufgrund seiner verbalen und motorischen Tics von seinem Vater ins „Heim“, wie dieser es nennt, gebracht. Von Vincents Verhalten ist sein Vater, ein ehrgeiziger Lokalpolitiker, oft peinlich berührt. Vincents Pläne hingegen, sind ganz andere. Er will nach Italien, ans Meer, um dort den Wunsch seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen und ihre Asche ins Wasser zu streuen. Nachdem Marie ihrer Therapeutin deren Wagenschlüssel entwenden konnte, überredet sie Vincent zur Flucht. Mit Alex im Gepäck, der nicht ganz freiwillig an dieser Reise beteiligt ist, geht es im gestohlenen Wagen gen Süden. Verfolgt werden die drei dabei von Vincents wütenden Vater und ihrer Therapeutin. Trotz all ihrer Auseinandersetzungen gelangen die drei Ausbrecher tatsächlich ans Ziel ihrer Wünsche. Doch am Ende der Reise bricht Marie vor Schwäche zusammen und muss umgehend in ein Krankenhaus gebracht werden. Vincent und sein Vater versöhnen sich und Alex und Vincent beenden die Reise gemeinsam.2

3. Das Krankheitsbild der Anorexia nervosa

3.1. Definition

Anorexia nervosa, so der medizinische Name der Magersucht, ist im ICD-10 unter F50.0 „Essstörungen“ und der „Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren“3 aufgeführt. Der aus dem lateinischen abgeleitete Fachbegriff steht für die Nicht-Nahrungsaufnahme (An-Orexie) aus pschischen („nervösen“), nicht organischen Gründen.4 Das ICD-10 definiert Anorexia nervosa als Störung mit einem „absichtlich selbstherbeigeführten oder aufrechterhaltenden Gewichtsverlust“5, von dem hauptsächlich heranwachsende Mädchen und junge Frauen betroffen sind. Zudem ist die Krankheit „mit einer spezifischen Psychopathologie verbunden“6, meint die überwältigende Ideen und Angst vor einem zu dicken Körpers und einer schlaffen Körperform.

Anorexia nervosa ist zudem multifaktoriell, sprich zahlreiche Ursachen fördern die Entstehung der Essstörung und gehört zu den am häufigsten vorkommenden Essstörungen.7

3.2 Historische Einordnung

Das Krankheitsbild der Anorexia nervosa erfährt gegenwärtig eine verstärkte Aufmerksamkeit und wird sowohl in Filmen, Romanen und Serien zunehmend Gegenstand der Darstellung. Es wäre jedoch ein Trugschluss anzunehmen, dass diese Krankheit ein modernes Phänomen sei, denn bereits Überlieferungen aus dem Mittelalter lassen auf ein typisches Verhalten anorektischer PatientInnen schließen.8 9 Durch verstärkte Medienberichte bezüglich dieser Thematik und prominenten Beispielen, kann jedoch eine erhöhe Aufmerksamkeit festgestellt werden. Sowohl das öffentliche als auch klinische und wissenschaftliche Interesse ist somit durch eine Vielzahl von Gründen in den letzten Jahre deutlich angestiegen.10

Das Krankheitsbild der Anorexia nervosa findet sich bereits in den 60er Jahre verstärkt in wissenschaftlichen Veröffentlichungen wieder.11 Die Diagnostik von Essstörungen erfolgt dabei in der ambulanten und stationären Praxis nach ICD-10. Als Bewertungsmaßstab zur Beurteilung des Körpergewichts wird der Body-Maß-Index (BMI) verwendet.

3.3 Gruppe der Betroffenen

Anorexia nervosa gilt als Krankheitsbild, dass häufig zu Beginn oder während der Adoleszenz Phase oder dem frühen Erwachsenenalter beginnt. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Symptomatik als Ausdruck von Angst vor der körperlichen Veränderung entsteht. Zudem scheinen sich die PatientInnen gegen die Identifikation mit der weiblichen Rolle zu wehren.12 Das Verhältnis von Frauen und Männern, die von diesem Krankheitsbild betroffen sind, beträgt 11:1, sodass in der Literatur häufig nur von Patientinnen gesprochen wird.13

Die Zahl der Betroffenen im Alter bis 18 Jahren schwankt in den wissenschaftlichen Untersuchungen zwischen 0,3% und 3%, da die Erfassung des Dunkelfeldes einige Schwierigkeiten birgt und es daher in Studien nicht einfach ist die tatsächliche Zahl anorektischer PatientInnen zu ermitteln.14

Im Folgenden wird die Formulierung „PatientInnen“ verwendet, um deutlich zu machen, das auch ein nicht unerheblicher Teil von Jungen und Männern mit dieser Krankheit zu kämpfen haben.

3.4 Symptome und Therapiemöglichkeiten

Anorektische PatientInnen berichten von einem stetigen Einstieg in die Krankheit. Zunächst erfolgt eine Reduktion der Nahrungsaufnahme inklusive dem ständigen Zählen von Kalorien und unter der strikten Vermeidung von Fetten. In der Regel bleibt es jedoch nicht bei diesen Verhaltensmustern, sondern steigerte sich in eine generelle Ablehnung von warmen Mahlzeiten und einer intensiven Bearbeitung von essbarem.15 Zudem seien Schuldgefühle während dem Essen ein ständiger Begleiter sowie zwanghafte Gedanken an das eigene Körpergewicht. Eine verzerrte Wahrnehmung des Körpers ist eine Folge dieser Prozeduren. Einige Betroffen berichten zudem, dass sie ihre Hobbys weitestgehend aufgegeben haben, sehr intensiv Sport betreiben würden und ihre Freunde nur noch sehr unregelmäßig treffen.16 Das wohl auffälligste Merkmal der Anorexia nervosa ist der gravierende Gewichtsverlust, der zu einer lebensbedrohlichen Unterernährung führen kann.17 Als Folge der Mangelernährung kommt es zudem zu einer Vielzahl somatischer Symptomen, wie beispielsweise Hypothermie (unternormale

Körperwärme), Hypotonie (Erniedrigung des Blutdrucks), Lanugu (Flaumhaarbildung) und Ödemen (Hautirritationen). Zudem bleibt bei fast allen PatientInnen die Regelblutung aus (Amenorrhoe).18

[...]


1 Vincent will Meer 2010, TC: 34. Min.

2 http://www.filmernst.de/Filme/Filmdetails.html?movie_id=218, Stand: 17.06, 14:21.

3 DIMDI 2012, S. 201.

4 Vgl. Schulte-Markwort; Zahn 2011, S. 15.

5 DIMDI 2012, S. 201.

6 Ebd., S. 202.

7 Schlegel 2007, S. 6.

8 Als Beispiel werden die Briefe der heiligen Katharina von Siena angeführt.

9 Vgl. Esser 2002, S. 360.

10 Vgl. Limbacher 2007, S. 6.

11 Vgl. ebd., S.6.

12 Vgl. Hirsch 2000, S. 185.

13 Vgl. Limbacher 2007, S. 6.

14 Vgl. Schulte-Markwort; Zahn 2011, S. 15.

15 Vgl. Esser 2002, S. 360.

16 Vgl. Schlegel 2007, S. 24. / Vgl. Esser 2002, S. 359.

17 Vgl. Laessle 1989, S. 11.

18 Vgl. ebd., S. 14.

Details

Seiten
11
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668277502
ISBN (Buch)
9783668277519
Dateigröße
956 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338270
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,0
Schlagworte
Anorexia nervosa Bulemie Anorexie Komplementär Psychatrie im Film Vincent will Meer Marie

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kritische Auseinandersetzung mit der Darstellung des Krankheitsbildes Anorexia nervosa im Film. Die Protagonistin Marie aus dem Film „Vincent will Meer“