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Die Bedeutung der Thematisierung von sexueller Vielfalt und Möglichkeiten des Umganges für die Fachschule Sozialpädagogik

Hausarbeit 2016 13 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Homosexualität - eine Begriffsannäherung

3. Die vier Formen der Homosexualität nach W. Bräutigam (1967)
3.1 Die Entwicklungshomosexualität
3.2 Die Hemmungshomosexualität
3.3 Die Neigungshomosexualität oder auch genuine Homosexualität
3.4 Die Pseudohomosexualität
3.5 Kritik an den vier Formen der Homosexualität nach W. Bräutigam

4. Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht

5. Der Umgang mit Homosexualität in der Fachschule für Sozialpädagogik

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Es gibt so viele Entstehungstheorien der Homosexualität, wie es Forscher gibt, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben“[1]

Die Thematisierung von sexueller Vielfalt in Schulen hat eine hitzige öffentliche Debatte ausgelöst, die einmal mehr zeigt, wie wichtig eine konkrete Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist. Für homosexuelle Schüler*innen fehlen viel zu oft mediale oder reale Vorbilder und Modelle, an denen sie sich im Rahmen ihrer Identitätsfindung orientieren können.[2] Dieses Recht wird scheinbar im Rahmen Schule lediglich heterosexuellen Schüler*innen zugesprochen. Selbsttabuisierung kann nicht selten als Folge der gesellschaftlichen Ablehnung homosexueller genannt werden.[3] Diese Tabuisierungstendenzen reichten über den Erziehungs- und Bildungsprozess bis in die Kulturträger hinein, mit denen Kinder und Jugendliche sozialisiert werden. Als Beispiel hierfür sind Bilderbücher, Jugendzeitschriften sowie Sportvereine und Tanzschulen zu nennen. Auch deshalb rückt die Schule als wichtige Sozialisationsinstanz in den Fokus dieser Betrachtung und es liegt an ihr, die Erziehung zur Verschiedenheit zu thematisieren und nicht ausschließliche die Dichotomie der Geschlechter sowie die Heteronormativität zu reproduzieren.[4]

Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird literaturgestützt die Forschungsfrage beantwortet: Welche Bedeutung gewinnt die Thematik der sexuellen Vielfalt in der Fachschule für Sozialpädagogik und wie kann eine Thematisierung in Lehr - Lernarrangements gelingen?

Ziel und Schwerpunkt dieser Ausarbeitung ist es, die Bedeutung der Thematisierung von sexueller Vielfalt aufzuzeigen und weiterführend Möglichkeiten für eine gelungene Einbettung und Bearbeitung im Unterrichtsgeschehen vorzustellen. Homosexualität wird dabei exemplarisch, als eine Facette der sexuellen Vielfalt bearbeitet, wenngleich unter diesem Begriff verschiedenste Konzepte der sexuellen Selbstbestimmung gefasst werden, die es jederzeit mitzudenken gilt. Beispielhaft sind hierfür die Lebensformen der Trans*, Intersexualität zu nennen, die jedoch aufgrund der noch recht mangelhaften wissenschaftlichen Bearbeitung nicht intensiver in diese Ausarbeitung einfließen.

Um die Forschungsfrage begründet zu beantworten, wird zunächst eine Annäherung an eine Definition des Begriffes der Homosexualität vorgenommen und in Folge dessen verschiedene Formen der Homosexualität kritisch beleuchtet. Anschließend wird das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, als rechtliche Grundlage für die weiteren Ausführungen, vorgestellt.

Schlussendlich werden Möglichkeiten und Formen der Thematisierung aufgeführt und im abschließenden Fazit die Kernthesen gebündelt aufgeführt, um eine Antwort auf die eingangs erwähnte Fragestellung zu finden.

2. Homosexualität - eine Begriffsannäherung

Bezüglich des Ursprungs der Begrifflichkeiten Homo- und Heterosexualität besteht große Uneinigkeit zwischen den jeweiligen Autoren. Zudem wird innerhalb der Forschung von der Norm der Heterosexualität ausgegangen und im Sinne einer Defizitorientierung geschaut, wie sich Homosexualität als Abweichung von der Heteronorm entwickelt. Dieser Aspekt sollte bei den nachfolgenden unterschiedlichen Erklärungsmustern der wissenschaftlichen Disziplinen mitgedacht und berücksichtigt werden.

Ein erstes Klassifikationsschema Sexueller Orientierung kann auf Ulrichs zurückgeführt werden, der bereits in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts eine grundlegende Unterteilung der Menschen in drei Kategorien vornahm.[5] Dionings (weibliche Form: Dioningins), Urnings (weibliche Form: Urningins) und Uranodingins (weibliche Form: Uranodioniningins) können somit als Vorläufer der heute noch gängigen Kategorien hetero-, homo-, und bisexuell gesehen werden, die in einem Briefwechsel zwischen Ulrich und Benkert 1869 eingeführt wurden.[6] Laut Boswell (1980) geht der englische Begriff homosexual auf Symonds zurück, der ihn 1891 das erste Mal in seinem Buch „A Problem of Modern Ethics“ verwendet haben soll.[7] Hirschfeld (1991) führt eine weitere Bezeichnung für homosexuelle Frauen und Männer ein, das dritte Geschlecht. Diese Bezeichnung weicht die Grenzen zwischen binären Geschlechtskategorisierungen auf und sei zudem, so Hirschfeld, weniger herabsetzend und verächtlich. Eine weitgefasstere Definition nimmt Zucker (2002) vor, indem er die sexuelle Orientierung in Beziehung setzt zu der sexuellen Anziehungskraft, die von der zu begehrenden Person ausgeht. Daraus ergibt sich folgende Definition Sexueller Orientierungen:

Der Begriff Sexuelle Orientierung bezieht sich auf die relative emotional-sexuelle Erregbarkeit einer Person durch Stimuli, welche meist in Bezug auf Geschlechtszugehörigkeiten kategorisiert werden. Das bedeutet, die sexuelle Orientierung ist meist verallgemeinernd durch die Geschlechtszugehörigkeit der Personen, zu denen man sich emotional-sexuell hingezogen fühlt, bestimmt.[8]

In der Medizin galt Homosexualität jahrelang als sexuelle Abweichung und wurde dementsprechend in den Klassifikationskatalogen aufgeführt.

Im ersten DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders), welches von der American Psychiatric Association erstellt wird, wurde 1952 Homosexualität unter der Kategorie sexuelle Abweichung aufgeführt und somit den soziopathischen Persönlichkeitsstörungen zugeordnet.[9] Im DSM–II wurde die Homosexualität dann 1968 unter den seelischen Erkrankungen klassifiziert. Aufgrund der heftigen Kritik im Anschluss an die Veröffentlichung wurde 1973 beschlossen, Homosexualität aus dem Katalog der psychischen Erkrankungen zu streichen. Nachdem jahrelang eine Kompromisslösung bestand, sodass im DSM-III eine neue Kategorie der sogenannten ich-dystonen Homosexualität bestehen bleiben durfte, wird seit 1992 Homosexualität im ICD nicht mehr als Krankheit aufgeführt.[10] Die Ursache dafür liegt in der Definition von Störungen begründet, denn diese bestehen ausschließlich, wenn ein Leidensdruck für die Patientin bzw. den Patienten vorliegt. An dieser Stelle wurde bereits berücksichtigt, dass homosexuelle Menschen nicht unter ihrer sexuellen Orientierung leiden, sondern unter der gesellschaftlichen Norm, die dieser widerspricht.[11] Im Zentrum der Betrachtung steht somit nicht das biologische Geschlecht des jeweiligen Partners, sondern die Fähigkeit für Liebes- und Paarbeziehungen, in denen sich homosexuelle nicht wesentlich von heterosexuellen Menschen unterscheiden.[12]

Im Jahre 1994 wurde schließlich auch der sogenannte „Homosexuellenparagraph“ §175 StGB, der bereist Jahre zuvor schon keine Anwendung mehr fand, aus dem Gesetzbuch gestrichen, der sexuelle Handlungen gleichgeschlechtlicher Paare zum Straftatbestand erklärte.[13]

Eine Reihe biomedizinischer Untersuchungen hat zudem gezeigt, dass eine homosexuelle Orientierung nicht durch Umwelteinflüsse herbeigeführt werden kann. Bezüglich der biomedizinischen Faktoren konnten bei homosexuellen Frauen vermehrt Hinweise auf hyperandrogenämische Störungen der Ovarial- und/oder Nebennierenrindenfunktion gefunden werden. Eine pränatale Erhöhung des Androgenspiegels, so die Annahme von Biologen, scheint bei Frauen zu einer gleichgeschlechtlichen Orientierung zu führen.[14] Durch die Stammbaum- und Zwillingsforschung ist außerdem bekannt, dass eine familiäre Häufung von Homosexualität besteht. Diese liegt bei eineiigen, gemeinsam oder getrennt aufgezogenen Zwillingen bei 50% und sinkt bei zweieiigen Zwillingen sowie „normalen“ Geschwistern auf 20%. Wurde ein Kind adoptiert, bleibt eine 10% Wahrscheinlichkeit. Zudem haben Studien bewiesen, dass homosexuelle Männer signifikant mehr ältere Brüder haben als nicht homosexuelle Männer.[15]

Zusätzlich lässt sich feststellen, dass einige Wissenschaftler Forschung diesbezüglich grundsätzlich ablehnen, aus Sorge, dass erneut über eine Ausmerzung homosexueller Genanlagen, ähnlich wie im Dritten Reich, nachgedacht werden könnte. Schmidt (1986) und Sigusch et al. (1982) fürchten zudem, dass sobald biologische Ursachen entdeckt würden, von medizinischer Seite Forschung betrieben würde, um dieses Problem zu beheben, anstatt den gesellschaftlichen Umgang und die Heteronormativität in Frage zu stellen.[16]

Weitere Erklärungsmuster für Homosexualität ergeben sich durch die Psychoanalyse von Freud, innerhalb derer davon ausgegangen wird, dass der homosexuelle Mann sich mit seiner Mutter identifiziert, zu der eine starke Bindung besteht und mit der er sich in zärtlicher Nähe identifikatorisch verbindet. Ferenzi (1911) erweitert diese Annahme und vermutet ebenso wie später auch Freud, dass sich Homosexuelle selber als Sexualobjekt sehen, sprich für sich selber Männer auswählen, die sie so lieben wollen, wie die Mutter sie geliebt hat. Bei homosexuellen Frauen erkennt Freud keinen nennenswerten Einfluss des gegengeschlechtlichen Elternteils, wohl aber des gleichgeschlechtlichen Elternteils. Diese weisen darauf hin, dass bei der weiblichen homosexuellen Beziehungsform das erste Liebesobjekt, das der Mutter, erhalten bleibt.[17]

Die sogenannte San Fransisco-Studie von Bell zeigt eine signifikante Korrelation zwischen dem nonkonformen geschlechtstypischen Verhalten in der Kindheit und einer späteren Homosexualität. Dadurch sind jedoch weder Ausnahmen ausgeschlossen, noch die Möglichkeit eines nonkonformen geschlechtstypischen Verhalten und einer späteren Heterosexualität. Zudem zeigt sich auch unter Homosexuellen eine größere Gruppe, die eine Geschlechtsrollenkonformität in ihrer Kindheit bejahen würde.[18]

Abschließend lässt sich sagen, dass auch aus der psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Betrachtungsweise keine eindeutige Theorie der Homosexualität definiert werden kann. Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass die bisherige sexualwissenschaftliche Forschung zwar auf eine biologische Präposition für die individuelle Ausprägung der sexuellen Orientierung hindeutet, die exakte Ursache jedoch aktuell noch nicht genau bestimmt werden kann und eine Reihe von Erklärungsansätzen sehr fragwürdige Ergebnisse aufweisen. Die Homosexualität gibt es demnach nicht, sondern eine Vielfalt an Formen und Erscheinungen homosexuellen Verhaltens mit vermutlich unterschiedlicher Genese.[19] Solange Homosexualität zudem aus einer defizitorientierten Perspektive erforscht wird, können die Ergebnisse nur kritisch beäugt und im Wissen um die Heteronormativität der Gesellschaft reflektiert und bewertet werden.

3. Die vier Formen der Homosexualität nach W. Bräutigam (1967)

Eine noch differenziertere Unterscheidung der jeweiligen Formen von Homosexualität wird bei Bräutigam (1967) vorgenommen. Er unterscheidet vier Formen der Homosexualität und begründet diese mit entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten (Entwicklungshomosexualität und Hemmungshomosexualität) sowie durch ökonomische Gründe bzw. Notsituation im Leben eines Menschen (Pseudohomosexualität) und trennt davon die vermeintlich echte Homosexualität, die er als Neigungshomosexualität betitelt. Diese vier Formen werden im Folgenden kurz näher betrachtet und erläutert.

3.1 Die Entwicklungshomosexualität

Die Entwicklungshomosexualität kann als Durchgangsphase bezeichnet werden und beschreibt gleichgeschlechtliche Handlungen, die von jungen Menschen im Laufe ihrer Entwicklung vereinzelt oder auch häufiger probiert werden. Dennoch entscheiden sich diese Menschen schlussendlich für eine heterosexuelle Lebensweise. Gemäß der Definition von Bräutigam entsteht die Entwicklungshomosexualität zudem situationsabhängig und basiert auf einem sexuellen Bedürfnis der Adoleszenz, welches aufgrund innerer und/oder äußerer Gründe nicht mit dem gegengeschlechtlichen Partnern ausgelebt werden kann.[20]

3.2 Die Hemmungshomosexualität

Die bereits in der Entwicklungshomosexualität angesprochenen inneren Gründe können durch eine von Bräutigam definierte Hemmungshomosexualität begründet sein. Diese Form der Homosexualität entsteht sobald eine Hemmung gegenüber dem anderen Geschlecht auftritt und dementsprechend das sexuelle Bedürfnis in einer gleichgeschlechtlichen Sexualität ausgelebt wird. Bräutigam führt an, dass diese Form bei Minderbegabten sowie Dementen oder auch Schizophrenen anzutreffen sei.[21]

3.3 Die Neigungshomosexualität oder auch genuine Homosexualität

Unter der Neigungshomosexualität, für die ebenso der Begriff genuine Homosexualität verwendet werden kann, dekliniert Bräutigam die scheinbar „echte“ Homosexualität. Sprich eine dauernde und entschiedene homosexuelle Ausrichtung, die eine sexuelle Anziehung beinhaltet durch den gleichgeschlechtlichen Körper. Betroffen seien etwa 4% der männlichen und 1-2% der weiblichen Bevölkerung gesellschafts- und länderübergreifend.[22]

3.4 Die Pseudohomosexualität

Der Pseudohomosexualität sind Menschen zugeordnet, die sich gleichgeschlechtliche Praktiken hingeben, ohne homosexuell zu empfinden. Diese Form richtet sich auf ökonomische Kosten-Nutzen-Kalkulationen, z. B. Strichjungen oder entsteht in Notsituation wie beispielsweise der Unterbringung in einem Gefängnis oder längeren Aufenthalten in Kasernen.[23]

3.5 Kritik an den vier Formen der Homosexualität nach W. Bräutigam

Diese vier Formen sind jedoch durchaus kritisch zu betrachten, da diese Systematisierung deutliche Schwächen aufweist. Zunächst wird der Druck der von einer heteronormativ geprägten Gesellschaft ausgeht, in keinsterweise in der Entwicklungshomosexualität berücksichtigt. So kann es sein, dass junge Menschen sich am Ende der Adoleszenz nicht für eine homosexuelle Lebensweise entscheiden, aufgrund der Sorge vor Verachtung und Ausgrenzung durch das soziale Umfeld. In der Zeit der Pubertät wird ein homosexuelles Verhalten eventuell noch als Phase gedeutet, sodass ein loses ausprobieren noch keine Konsequenzen durch das Umfeld mit sich bringt. Ebenso wird dem Einfluss der eigenen Sozialisation, durch eine derart geprägte Gesellschaft, keinerlei Bedeutung zugeschrieben. So können Unterdrückungsmechanismen wirken, die eine Neigungshomosexualität verhindern. Zudem werden scheinbar homosexuelle Menschen, die sich im Laufe ihres Lebens doch für eine heterosexuelle Lebensweise entscheiden, dementsprechend nicht der Entwicklungshomosexualität zuzuordnen sind, nicht aufgeführt. Die Hemmungshomosexualität widerspricht zudem dem Aspekt, der in der Neigungshomosexualität beschriebenen und benötigten sexuellen Anziehungskraft durch den gleichgeschlechtlichen Körper. So wird in dieser Form der Homosexualität implizit davon ausgegangen, dass für Personen, die von dieser Homosexualität betroffen sind, scheinbar automatisch ein Ausleben ihrer sexuellen Bedürfnisse mit gleichgeschlechtlichen Partnern möglich sei. Würde ein solches Verhalten vorliegen, wäre sie gemäß den vier Formen der Homosexualität jedoch eher den Pseudohomosexuellen zuzuordnen, da sich hier ein gleichgeschlechtliche Praktiken hingegeben wird, ohne eine homosexuelle Empfindung zu besitzen. Zudem lässt sich auch in dieser Differenzierung eine klare Defizitorientierung feststellen, da die Erklärungsmuster durchgehend auf Unzulänglichkeiten beruhen.[24]

Abschließend lässt sich festhalten, dass in der zeitgenössischen Fachliteratur überwiegend von fließenden Übergängen zwischen hetero- und homosexuellen Ausrichtungen ausgegangen wird.

Eine derart starre Zuordnung ist demnach überholt und kann aus den Gesichtspunkten einer pluralistischen Gesellschaft lediglich kritisch-reflektiert betrachtet werden.

Diese Ausarbeitung unterliegt der Annahme, dass es sich sowohl bei der Homo,- als auch bei der Bi- und Heterosexualität um gesellschaftliche Konstrukte handelt, die lediglich eine Benennung vereinfachen, dabei jedoch nicht ausreichend sind, um die Identität eines Menschen und die pluralistisch vorherrschenden Lebensform innerhalb der Gesellschaft zu klassifizieren.[25] Es wird somit davon ausgegangen, dass Menschen sich in Menschen verlieben und nicht in biologische Geschlechter.[26]

4. Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht

Unter dem Begriff der sexuellen Selbstbestimmung wird das Recht eines jeden Menschen über die eigene sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität entscheiden zu können, verstanden. Dieses betrifft vor allem die Lebensbereiche Partnerschaft, Sexualität, Familienplanung, Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft.[27] Als zentrale Dimensionen der sexuellen Selbstbestimmung können die Bereiche sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität benannt werden. Bedingt durch diese beiden Dimensionen eröffnet sich die Möglichkeit Identitäts- und Gruppenzuschreibungen zu vermeiden und eine Vielzahl von sexueller und geschlechtlicher Selbstzuschreibung und Selbstdefinition mitzudenken.[28] Leicht definiert sexuelle Orientierung als die Fähigkeit eines Menschen, sich emotional und sexuell zu Personen des eigenen oder anderen Geschlechtern hingezogen zu fühlen und vertraute Beziehungen aufzubauen.[29]

Die Erklärung der sexuellen Menschenrechte wurde bereits am 26. August 1999 in Hongkong von der Generalversammlung der World Association for Sexual Health (WAS) verabschiedet. Die WAS verdeutlichte durch die Verabschiedung dieser sexuellen Menschenrechte, dass die Sexualität einen Teil des Menschen ausmacht und als solche universell und unveräußerlich anzuerkennen sind.[30] Unter anderem sind in dieser sogenannten Yogyakarta die Prinzipien der freien Partnerwahl und der sexuellen Gleichwertigkeit benannt sowie das Recht auf umfassende Sexualerziehung. Die Notwendigkeit einer schulischen Thematisierung wird an dieser Stelle erneut deutlich und es drängt sich die Frage auf, warum diesem Recht derzeit noch nicht flächendeckend entsprochen wird.

[...]


[1] Hofsäss 1995, S: 29.

[2] Vgl. Krell; Oldemeier 2015, S. 14.

[3] Vgl. Hofsäss 1995, S: 22.

[4] Vgl. ebd., S: 75.

[5] Vgl. Eckloff 2007: 22.

[6] Vgl. Vetter 2007: 61.

[7] Vgl. Eckloff 2007: 22.

[8] Eckhoff 2007: 24.

[9] Vgl. Breckenfelder 2015, S: 21.

[10] Vgl. Krell; Oldemeier 2015, S: 7.

[11] Vgl. Lautmann 1977, S: 21.

[12] Vgl. Vetter 2007, S: 61.

[13] Vgl. Krell; Oldemeier 2015, S: 7.

[14] Vgl. Vetter 2007, S: 67.

[15] Vgl. ebd., S: 68.

[16] Vgl. Vetter 2007: 68.

[17] Vgl. ebd. S: 70.

[18] Vgl. ebd. S: 69.

[19] Vgl. ebd. S: 72.

[20] Vgl. Vetter 2007, S: 64.

[21] Vgl. ebd., S: 66.

[22] Vgl. ebd., S: 67.

[23] Vgl. Vetter 2007: 64.

[24] Beispiel: Pseudohomosexualität entsteht in „Notsituationen“ und die Hemmungshomosexualität besteht aufgrund der mangelnden Kontaktaufnahmefähigkeit zum anderen Geschlecht.

[25] Vgl. Fiedler 2004, S. 35.

[26] Diese Form der sexuellen Orientierung wird allgemein als Pansexualität definiert.

[27] Vgl. Leicht 2015: 17.

[28] Vgl. ebd., S: 18.

[29] Vgl. ebd., S: 20.

[30] Vgl. Hierholzer 2014: S. 32.

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668278684
ISBN (Buch)
9783668278691
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338251
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Sozialpädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Homosexualität sexuelle Vielfalt Sexualpädagogik

Autor

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