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Das Kaufmannsgeschlecht der Fugger. Begünstigte ihre ständische und wirtschaftliche Sonderstellung den sozialen Aufstieg?

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Die Fugger im historischen Kontext

3.) Die soziale Stellung der Fugger im 16.Jhdt.
3.1) Die Fugger im Konflikt mit der alten ständischen Ordnung
3.2) Außerständische Gruppierung in der städtischen Gesellschaft?

4.) Bedeutung der außerständischen Stellung

5.) Wirtschaftliche Macht als Faktor des Aufstiegsprozesses

6.) Fazit

7.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

„Bürger zu Augspurg vnd Stend des Römischen Reichs“1. Mit diesen Worten klassifizierten die Fugger ihre eigene Stellung in der reichsstädtischen Gesellschaft des 16. Jahrhunderts und ver- suchten sich damit ein Stück weit von alten ständischen Prinzipien abzusetzen. Die Fugger gelten heute als Symbol einer aufstrebenden wirtschaftlichen Elite, die zu Beginn der frühen Neuzeit das gesamte sozial Gefüge neu aufmischt. In diesem Zusammenhang ist es auch relevant aufzuarbei- ten, in welchem Maße die außerständische Rolle der Fugger, aber auch ihre wirtschaftliche Macht den sozialen Aufstieg der Kaufmannsfamilie aus Augsburg begünstigten. Die Arbeit nimmt inner- halb des Seminarthemas „Klerus - Adel - Bürger - Bauer. Ständische Ordnung und gesellschaftli- che Mobilität in der Frühen Neuzeit“ eine repräsentative Rolle bezüglich des aufstrebenden städti- schen Bürgertums im 15. Jahrhundert ein. Die soziale Stellung der Fugger und der damit vorange- gangene soziale Aufstieg und seine Ursache spiegeln speziell auch das Aufkommen neuer, stän- deübergreifenden Funktionseliten, die im Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit einen Umbruch des ständischen Gesellschaftssystem markierten. Die Fugger stehen dabei für die städtischen Kaufmannsgeschlechter, die sich durch wirtschaftliche Macht und Expansion einen Na- men machen konnten und sich auch in vielen Fällen, so wie auch im Falle der Fugger, von einfa- chen Handwerkerfamilien bis in den Reichsadel katapultieren konnten. Es soll hier also bewusst Geschlechter wie die Welser, die traditionell Angehörige des Patriziats waren, keine nennenswerte Rolle bei der Erarbeitung der Problemfrage spielen. Die Fugger sind gut für diesen Themenkom- plex geeignet, da sie in weiten Teilen abseits der ständischen Kategorien als Kaufmannsfamilie einen ungeheuren gesellschaftlichen Aufstieg umsetzen konnten.

Die Problemfrage dieser Arbeit setzt sich also aus zwei Teilbereichen zusammen, die jedoch eng miteinander verknüpft sind und sich in beiden Fällen auf das Kaufmannsgeschlecht der Fugger konzentrieren sollen. Auf der einen Seite soll geklärt werden, in welcher Hinsicht sich die Fugger als außerständische Gruppierung bezeichnen lassen können und damit nur in begrenztem Maße in das Gefüge der Reichsstadt integriert waren. Dabei soll jedoch auch untersucht werden, in welchem Maße eine außerständische Rolle der Fugger die eigene soziale Mobilität positiv beeinträchtigen konnte. Auf der anderen Seite soll jedoch auch der ökonomische Machtzuwachs als Faktor des sozialen Aufstieg eine übergeordnete Rolle bei dieser Arbeit spielen. Im Rahmen dieser beiden inhaltlichen Bereiche ist gleichzeitig die Frage jeweils angeheftet, ob die Fugger es durch diese Voraussetzungen allgemein leichter hatten, einen gesellschaftlichen Aufstieg zu vollziehen.

Olaf Mörke hat hinsichtlich dieser Thematik einen entscheidenden Beitrag geleistet, indem er sich der Frage widmete, ob die Fugger als städtische Elite oder doch als eine Art Sonderstruktur 2 innerhalb der Reichsstadt bezeichnet werden könnte.2 Mörke hat dabei die gesellschaftliche Stellung der Fugger anhand von Kriterien untersucht, die eine stadtbürgerliche Familie ausmachen sollen. Barbara Stollbaerg-Rilinger hat des weiteren die Veränderung der gesellschaftlichen Werte im 16. Jahrhundert genauer analysiert und dabei die Rolle der Fugger beschrieben.3 Grundsätzlich ist sich die neuere Forschung, vertreten unter anderem durch Mark Häberlein oder auch Regina Dauser, einig dass sich die Fugger an adligen Leitbildern orientierten, jedoch ist die Beurteilung der Nähe zur städtischen Gesellschaft recht unterschiedlich, wobei hier der Fokus der Betrachtung nicht mehr allein auf der aktuelleren Forschung liegt. So beschreibt Olaf Mörke die Heiratspolitik der Fugger nicht als gezielte „Feudalisierung“ und damit als verbundene Abkehr von bürgerlichen Lebensformen, sondern als rein ökonomisches Kalkül.4 Mark Häberlein spricht hinge- gen von einer erkennbaren „Orientierung an außerstädtischen Leitbildern“, die beispielsweise durch die Heirat mit dem Landadel deutlich wurde.5

Hier zeigt sich also ein klarer Wandel im historischen Urteil, wobei diese Frage auch in einer diffe- renzierteren Form beantwortet wurde. So konstatiert Barbara Stollbaerg-Rilinger, dass es die Fug- ger jegliche ständische Konvention sprengten und damit keine Neigung zur einen oder anderen Seite klar gedeutet werden kann.6 Einen recht allgemeinen Überblick über die Entwicklung der so- zialen Verflechtungen der Fugger gibt Mark Häberlein auch in seiner 2006 veröffentlichten Mono- graphie, die sich mit der gesamten Geschichte der Fugger beschäftigt, jedoch auch mehrere Al- leinstellungsmerkmale der Augsburger Familie relativierte.7 Lässt sich im letzten Jahrhundert noch eine Fülle an wissenschaftlichen Arbeiten zum sozialen Aufstieg der Fugger beziehungsweise ihrer Stellung in der Reichsstadt verzeichnen, so ist die Auswahl der letzten 20 Jahre zu diesem Thema nur noch recht begrenzt.

Um die Fragestellung beantworten zu wollen, soll zunächst der historische Kontext, in den sich die Geschichte der Fugger einordnen lässt, skizziert werden. Anschließend steht die soziale Stellung der Fugger im Fokus der Betrachtung, welche jedoch auf zwei Ebenen verläuft. Zum einen spielt der gesellschaftliche Wandel im 16. Jahrhundert hierbei eine Rolle, gleichwohl soll jedoch auch untersucht werden, inwieweit die Fugger eine Sonderstruktur darstellten und wie sich diese wieder um im reichsstädtischem Gefüge behauptete. Die außerständische Rolle der Fugger in der Reichsstadt soll zudem in einem ganzheitlichen Kontext betrachtet werden, der auch die Frage nach dem sozialen Aufstieg dabei stellt. Letztendlich soll die Rolle des wirtschaftlichen Wandels bei der sozialen Mobilität der Fugger knapp beleuchtet werden, worauf die Fugger als Profiteur dieser neuen ökonomischen Dynamik hinterfragt werden sollen. Abschließend folgt ein Rückbezug auf die Problemfrage des begünstigten gesellschaftlichen Aufstiegs der Fugger.

2.) Die Fugger im historischen Kontext

Die Fugger wurden von der älteren Forschung schon als „berühmteste Handelsfamilie Augsburgs“8 bezeichnet, jedoch sind sie auch noch heute ein Symbol für die Stadt Augsburg. Doch welchen Platz in der Historie nimmt die Kaufmannsfamilie vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit ein? Im Jahr 1367 wurde im Augsburger Steuerbuch die Ankunft des ersten Fugger mit dem Namen Hans vermerkt, was ein gutes Abbild der damaligen Vorgänge war, da der Umzug vom Land in die Stadt nicht ungewöhnlich war und durch den Aufschwung des Textilgewerbes in Augsburg bewirkt wurde.9 Das Familienunternehmen der Fugger spaltete sich bereits 1455 in zwei geschäftliche Linien: Die Fugger vom Reh und die Fugger von der Lilie,10 wobei erstere Ende des 15. Jahrhunderts schon keine Rolle mehr spielten und bankrott gingen, weshalb sie in dieser Untersuchung auch nicht weiter erwähnt werden.11 Für den Aufstieg der erfolgreichen Fugger von der Lilie im 15. Jahrhundert sorgte die ausgeweitete Handelstätigkeit, der soziale Status und auch bereits die Heiratspraxis.12

Der Hintergrund für den rasanten Aufstieg der Fugger und anderer Kaufmannsgeschlechter war die demographische und wirtschaftliche Expansion ab der Mitte des 15. Jahrhunderts, wobei das Textilgewerbe und die Herstellung von Barchent als Motor für die Augsburger Wirtschaft fungier- ten.13 Die Erschließung neuer Absatzmärkte war dabei ein bedeutender Faktor, der das Handels- geschäft der süddeutschen Kaufmannsgeschlechter um ein Vielfaches lukrativer gestaltete. Im konkreten Beispiele der Fugger ist die Verbindung von Krediten und dem Edelmetallhandel in Tirol zu nennen, die den dynamischen wirtschaftlichen Umschwung verstärkte und später auch eine tra- gende Säule des Fugger'schen Handels sein sollte.14 Ein Symbol für diesen ökonomischen sowohl als auch sozialen Aufstieg innerhalb der Fugger-Dynastie war Jakob Fugger, der ab 1510 als letz- ter und alleiniger Teilhaber zur Fortführung der Gesellschaft berechtigt war.15 Durch die bereits er- wähnten Montangeschäfte mit dem Tiroler Erzherzog konnte Jakob Fugger lukrative Gewinne an Silber machen und damit den Aufstieg des Unternehmens deutlich vorantreiben.16

Anton Fugger steht für die Bewahrung des Erbe seines Onkels, wobei er durch die Heirat mit der

Augsburger Patriziertochter Anna Rehlinger eine neue Ära der Heiratspolitik einläutete, die im weiteren Verlauf auf eine Verbindung mit dem Landadel abzielte.17

Mit dem Tod von Anton Fugger 1560 folgten mehrere Krisen, die mit finanziellen Schwierigkeiten, die durch außenpolitische Faktoren hervorgerufen wurden, zusammenhingen. Es fanden aus diesem Grund auch strukturelle Anpassungen an veränderte politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen statt.18 Ab der Mitte des 17.Jahrhunderts wird die weitere Entwicklung der Fugger meist als“Zeit des Verfalls bezeichnet, obwohl das Familienunternehmen schon ab 1600 sehr große Verluste zu beklagen hatte und in die Abhängigkeit anderer Geldgeber geraten ist.19

Doch in welchem Maße gelten die Fugger im 16. Jahrhundert als heraus stechende und dominierende Gruppierung? Die neuste Forschung ist sich diesbezüglich einig, dass der Zeitraum von 1500 bis 1550 aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht nicht als Zeitalter der Fugger bezeichnet werden kann, obwohl sie selbstverständlich heute immer noch als berühmteste süddeutsche Handelsfamilie zählen.20 Auch hierbei hat Mark Häberlein einige Argumente dafür geliefert, in dem er zunächst betonte, dass auch andere Firmen sehr am allgemeinen Aufstieg in Augsburg beteiligt waren. Zudem ist dabei zu berücksichtigen, dass gerade einmal ein Fünftel der königlichen Anleihen auf die Fugger fielen und dass darüber hinaus neue und wichtige geschäftliche Zweige nicht allein von den Fuggern beherrscht wurden, wie beispielsweise das Montangeschäft.21 Häberlein beschriebt demnach, dass der Aufstieg der Fugger im Kontext eines allgemeinen Aufschwungs des süddeutschen Fernhandels im 16. Jahrhunderts zu sehen ist, wonach die Zusammensetzung der Spitzengruppe der süddeutschen Fernhändler und Bankiers auch dynamisch und nicht statisch war.22 Letztendlich bezeichnet Häberlein das Wirken der Fugger in einem übergeordneten „Zeitalter der süddeutschen Familienhandelsgeschlechter im langen 16. Jahrhundert“ und definiert dadurch ziemlich einleuchtend, dass die Fugger nicht alleine diese Zeitperiode mitgestaltet haben.23

3.) Die soziale Stellung der Fugger im 16. Jahrhundert

Um abwägen zu können, in welcher Hinsicht die ständischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen der Fugger ihren sozialen Aufstieg begünstigten, sollte ihre gesellschaftliche Stellung im 16. Jahrhundert genauer beleuchtet werden.

[...]


1 Sieh-Burens, Katahrina: Oligarchie, Konfession und Politik im 16. Jahrhundert. Zur sozialen Verflechtung der Augsburger Bürgermeister und Stadtpfleger 1518-1618. (Schriften der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg: Historisch-sozialwissenschaftliche Reihe (Nr.29)). München 1986, S.127.

2 Mörke, Olaf: Die Fugger im 16. Jahrhundert: Städtische Elite oder Sonderstruktur?, In: Archiv für Reformationsgeschichte 74 (1983), S.141-162.

3 Stollbaerg-Rilinger, Barbara: Gut vor Ehre oder Ehre vor Gut?, In: Burkhardt, Johannes(Hrsg.): Augsburger Handelshäuser im Wandel des historischen Urteils. Berlin 1996. (Colloquia Augustana, Band 3), S.31-45.

4 Mörke: Fugger im 16. Jahrhundert, S.154.

5 Häberlein, Mark: Sozialer Wandel in den Augsburger Führungsschichten, In: Schulz, Günther: Sozialer Auftsieg. Funktionseliten im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte 2000 und 2001. München 2002. (Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit 25), S.77-78.

6 Stollbaerg-Rilinger: Gut vor Ehre oder Ehre vor Gut?, S.24.

7 Häberlein, Mark: Die Fugger. Geschichte einer Augsburger Familie (1367-1650). Stuttgart 2006.

8 Strieder, Jakob: Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg. München 1935, S.171.

9 Häberlein: Die Fugger, S.17.

10 Strieder: Genesis des Kapitalismus, S.170.

11 Häberlein: Die Fugger, S.23.

12 Häberlein: Die Fugger, S.27.

13 Häberlein: Die Fugger, S.28.

14 Häberlein: Die Fugger, S.31.

15 Häberlein: Die Fugger, S.39.

16 Häberlein: Die Fugger, S.41.

17 Häberlein: Die Fugger, S.89.

18 Häberlein: Die Fugger, S.97/98.

19 Häberlein: Die Fugger, S.117ff.

20 Dauser, Regina / Ferber, Magnus Ulrich: Die Fugger und Welser. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Augsburg 2010, S.129.

21 Häberlein: Die Fugger, S.93

22 Häberlein: Die Fugger, S.95.

23 Häberlein: Die Fugger, S.96.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668276581
ISBN (Buch)
9783668276598
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338237
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Fugger Ständegesellschaft sozialer Aufstieg soziale Mobilität Kaufmann Gesellschaft Mittelalter Frühe Neuzeit Eliten städtische Gesellschaft

Autor

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