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Was muss politische Bildung leisten, um mündige Bürger zu erschaffen? Theoretische Ansätze von Deichmann, Reinhard und Lösch

Die Simpsons, Islamophobie und Politikunterricht

Seminararbeit 2016 12 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Hauptteil

3. Reflexion aus dem Seminar „Medien und konzeptuelles Deutungswissen in der politischen Bildung“
1.Einleitung
2.Begriff Islamophobie
3.Die Simpsons und Politik
4.Islamophobie, Die Simpsons und eine Persiflage der Gesellschaft!
5.Welche Probleme können im Politikunterricht auftreten?
6.Warum werde ich die Simpsons im Politikunterricht zeigen?

4. Fazit

5.Literatur

1.Einführung

Bettina Lösch sagt, dass die Politische Bildung in Deutschland aufgrund zwei Weltkriege und die Erfahrungen mit Faschismus eine besondere Geschichte hat und durch die Politik die Re-education eine Demokratisierung der Gesellschaft angestrebt wurde. Seitdem ist das demokratische Prinzip tragender Konsens innerhalb der politischen Bildungsarbeit. Politische Bildung benötigt demokratische Prinzipien, um nicht als Erziehung zu Unmündigkeit missbraucht zu werden (vgl. Lösch Bettina, Ein kritisches Demokratieverständnis für die politische Bildung, S. 119).

Auch bei Sibille Reinhard steht der mündige Bürger im Mittelpunkt – darin stimmen alle Konzepte der Politikdidaktik überein- ist fähig zur rationaler Urteilsbildung über politisch relevanten Fragen. Und die doppelte Struktur des Urteils, wo ein Urteil die moralische Ebene überschreitet und integriert, indem Inhalte informiert bearbeitet und verantwortlich bewertet werden und Reinhard bezeichnet diese Struktur politisch-moralische Urteilsbildung (vgl. Reinhard, Sibille, Politisch-moralische Urteilsbildung, S. 148).

Bei Carl Deichmann findet man auch als Ziel in der politischen Bildung „aktive Wahrnehmung der Bürgerrolle durch Entwicklung einer demokratischen politischen Identität“ (Deichmann, Carl: Lehrbuch für Politikdidaktik, München/ Wien 2004, S.22).

Was soll die Politische Bildung leisten, um einen selbstdenkenden mündigen Bürger zu erziehen? Um diese Frage zu beantworten, muss man sehen, wie kann man die kritische Demokratiebildung und die politisch-moralische Urteilsbildung, sowie Werteerziehung im Politikunterricht umsetzen? Die theoretischen Ansätze von Carl Deichmann sowie Sibille Reinhard und Bettina Lösch werden analysiert, um diese Frage zu beantworten.

2.Hauptteil

Bettina Lösch sieht in der didaktischen Umsetzung in der schulischen Politikdidaktik Methoden und Ansätze zentral, die sich an dem Prozedere der repräsentativ- parlamentarischen Demokratie orientieren: Beispielweise an der Simulation politischen Handelns und politischer Entscheidungsfindung durch Planspiele, Pro-Contra-Debatten oder „Talkshow, wie auch Service-Learning-Projekte. In diesen Projekten lernen die Schülerinnen und Schüler Sozialtechniken: vernunftgeleitetes und demokratisches Sprechen und auch soziales Engagement für das Gemeinwesen ein demokratisches Bürgerbewusstsein.Es geht in solchen Projekten vielmehr um bürgerschaftliches Engagement und soziales Leben und weniger um politisches Lernen und Bildung. Daraus ergibt sich eine Stärkung demokratischen Handelns und Bewusstseins. Und politische Bildung wird sich im sozialen Engagement der Schülerinnen und Schüler nicht enthalten (vgl. Lösch, Bettina, Ein kritisches Demokratieverständnis für die politische Bildung, S. 119).

Auch bei European Citizenship Education wird es beschrieben, wie Demokratie und wie das demokratische Verhalten von Bürger bzw. Schülerrinnen und Schüler sein soll. Aber die europapolitische Bildung soll das demokratische Defizit der Europäische Union durch die Gewinnung einer europäischen Identität und der demokratischen Verantwortlichkeit der Bürger ausgleichen, was auf institutionelles Problem hinweist (vgl. Lösch, Bettina, Ein kritisches Demokratieverständnis für die politische Bildung, S. 120).

Deswegen wird von Bettina Lösch angeboten, bestehende Demokratieansätze durch eine kritische Demokratiebildung zu ergänzen: als erstens schlägt sie vor nach Strukturen von Demokratisierung und Entdemokratisierung zu fragen; als zweitens politische Bildung an gegenwärtige sozial- und politikwissenschaftliche Analysen rückbindet;als drittens müssen der Politikbegriff und die Demokratieverständnis durch eine kritische Demokratieverständnis ergänzt werden (hier möchte Lösch, dass Schülerrinnen undSchüler sich selbst eine Vorstellung machen können, in welche Welt sie leben und vor allem in welche Welt sie leben wollen). Und viertens nach Lösch ist eine kritische Demokratiebildung subjektorientiert und arbeitet mit einem weitgefassten Verständnis von Demokratie und politischer Beteiligung (vgl. Ebd.: S. 120).

Eine kritische Demokratiebildung von Lösch trägt dazu einen kompetenten demokratischen Bürger zu erziehen, weil die kritische Demokratiebildung darauf zielt, die politische und soziale Verhältnisse zu begreifen, in denen die Menschen leben. Wenn es um demokratische Alltagsverhältnisse geht, dann müssen in der Bildungseinrichtung soziale Ungleichheit, rassistische Alltagsstrukturen, Diskriminierung abgeschafft werden, weil sie politische Bildung und Teilhabe behindern. Der idealistisch überhöhte Demokratiebegriff kann zur politischen Frustration und Entfremdung führen, wenn die Schülerrinnen und Schüler die alltäglichen Wiedersprüche erkennen, sowie wenn es von Freiheit und Gleichheit gesprochen wird und das Schulsystem soziale Ungleichheit produziert (vgl. Ebd., S. 121).

Für die didaktische Umsetzung muss man gesellschaftliche Widersprüche deutlich machen und subjektorientierte Lernverhältnisse zentral stellen. „Diese sollen die Erfahrung der Menschen mit Politik und Demokratie aufgreifen und sowie deren Zugang zu und Ausschluss von Politik und politische Bildung kritisch thematisieren (Lösch, Bettina, Ein kritisches Demokratieverständnis für die politische Bildung, S. 121)“.

Sibille Reinhard sagt, dass „die fachdidaktische Auseinandersetzung mit moralischen Fragen und Fragen der Wertungen schwieriger geworden ist. Aber sie ist notwendig, weil sie zeigt, dass in modernen Gesellschaften keine Integration über eindeutige Werte möglich ist. Pluralismus der Interessen, der Lebensstile und der Lebensentwürfe die Konkretion und Beurteilung auch ehrwürdiger Werte (z.B.: Solidarität) in unterschiedlichen Kontexten erzwingt (Reinhard, Sibille, Politisch-moralische Urteilsbildung, S. 148)“.

Der Ausgangspunkt der Beschäftigung mit moralischem und politischem Urteil war für Reinhard das Stufenkonzept der Entwicklung des moralischen Urteilens nach Kohlberg.

Reinhard spricht von „politisches Entscheidungsdenken“, dass durch politischen Unterricht verfügbar sein soll und wird von einer Situation oder Lage entwickelt.

Ihre politisches Entscheidungsdenken Dilemma- Methode konfrontiert die Schülerrinnen und Schüler in der ersten Phasemit dem moralischen Dilemma einer Person, in der zweiten Phase wird das durch Konflikt zweier gleichgewichtiger Werte definiert. In der dritten Phase folgt auf die erste Auseinandersetzung analytische und argumentativer Erklärung des Dilemmas, auch Reflexion über Argumente und Entscheidungen. In der vierten Phase wird das moralische Dilemma politisiert (es wird gefragt, ob ein politisches Problem vorliegt und wie könnte das politischen Entscheiden oder Handeln beeinflussen (vgl. Reinhard, Sibille, Politisch-moralische Urteilsbildung, S. 152).

Die politisches Entscheidungsdenken Dilemma –Methode kann man an konkrete Beispiele verwenden, so wie Müllentsorgung in einer konkreten Stadt oder in „Familienpolitik“ oder in Dilemma Chemie-Export, Kosovo-Intervention, Embryonenschutz usw. Die politische Entscheidungsdenken Dilemma –Methode eignet sich für die Oberstufenarbeit und verliert nicht politische Aktualität.Mit dieser Dilemma-Methode kann man bei Schülerrinnen und Schülern moralische Reaktionen in Politik und Alltagsleben hervorrufen.

So lernen die Schülerrinnen und Schüler nicht nur politische Konfrontation mit einem politischen Konflikt, sondern die politische Entscheidungsfindung oder politisches Handeln.

Werte werden bei Carl Deichmann als die letzte Begründungsbasis und Orientierung für menschlichen Handeln (hier: politisches Handeln) bezeichnet, sowie: Freiheit, Gleichheit, Frieden und Gerechtigkeit, die an der Würde des Menschen orientiert sind. Politische Bildung vermittelt die Werte wie auch die Fähigkeit an politischen Willensbildung zu beteiligen. Die politische Bildung muss die Fähigkeit zur Analyse des Umgangs mit Werten in der politischen Diskussion als Unterrichtsmethode vermitteln und hier spricht Deichmann von „Werteerziehung und Symbolpolitik“ (vgl. Deichmann, Politische Bildung: Werte, S. 11).

Wertediskussion, Symbole und symbolische Politik hängen bei Deichmann mit Strukturbedingungen medialer Welt zusammen. So erhält die Politik durch politischer Talkshows, „sachgerechte“ Lösungen, Presseerklärungen und Statements der politischen Parteien, Rituale der Regierungsvertreter usw. immer mehr Aspekte der symbolischen Politik (vgl. Deichmann, Carl, Politische Bildung: Werte, S. 12).

In der Politikdidaktik werden Symbol und symbolische Politik unter verschiedenen Aspekten differenziert: Symbol als Sprachsymbole z.B.: Friedenspolitik der Regierung oder Politik der Mitte; Symbolische Handlungen wie z.B.: Singen der Nationalhymne oder Gemeinsames Auftreten der Spitzenkandidaten; Reale Symbole wie z.B.: Fahnen, Nationalflaggen, Denkmäler usw. Damit werden die politischen Funktionen der Symbole deutlich, sie dienen zur kollektiven und personalen Identität (vgl. Deichmann, Carl, Politische Bildung: Werte, S. 15-16).

Auch symbolische Politik wird als eigenständiger politischer Prozess verstanden, wenn es sich um eine Form der Interessenpolitik handelt. Aber die inhaltliche Qualität kann sich auch durch folgende Gesichtspunkten wie Themenauswahl, Personalisierung und Wertebesetzung herausstellen.

Dadurch kann die symbolische Politik:

- Ersatz für tatsächliche Entscheidungen sein;
- Als eigenständiger Prozess spätere, notwendige Entscheidungsprozesse „mental“ vorbereiten;
- Zur Mehrheitsbeschaffung dienen (Deichmann, Carl, Politische Bildung: Werte, S. 18).

Werteerziehung in der politischen Bildung ist im Interaktions- und Kommunikationsprozess des Schullebens und der Unterrichtsstunden möglich, wo es zwischen Normen und Werten ausdifferenziert wird. Aktive Wahrnehmung der Bürgerrolle durch Entwicklung einer demokratischen politischen Identität ist das Ziel der politischen Bildung und um sie zu erziehen, muss man folgendes beachten: eine demokratische Schulstruktur, welche Schülerrinnen und Schüler Maximum an Partizipation bietet; auch die Unterrichtsstruktur im Politikunterricht muss auf „Entfaltung der Persönlichkeit“, sowie auf „Kompetenzmodell“ und Methodenkompetenz achten. Im Politikunterricht soll Lehrer-Schüler- und Schüler-Schüler- Kommunikation stattfinden, wobei Fragetechnik und Impuls vom Lehrers ausgehen wird. Nur so kann man die Entwicklung der persönlich begründeten Meinung fördern, wenn man die Werte der Persönlichkeitsentwicklung ausrichtet (vgl. Deichmann, Politische Bildung: Werte, S. 22).

Die Werteerziehung in der politischen Bildung ist nur dann in der Struktur des politischen Lernprozesses deutlich, wenn in drei Hauptphasen geteilt wird:

- Problemdarstellung (Einstieg/ Motivation)
- Problemanalyse (Erarbeitung)
- Urteilsbildung/ Handlungsorientierung (Transfer/ Anwendung)

In der Einstiegs- und Motivationsphase wird es z.B.: analysierendes Problem zu weitere Analyseprozess von der Lerngruppe durchgeführt. Die Problemanalyse wird von den Gruppenmitgliedern selbstständig mit den Thesen analysiert. Und in der Urteilsbildungs- und Handlungsorientierungsphase in der Form offener Diskussion nehmen „die normativen Kategorien solche wie „Gerechtigkeit“, „Gleichheit“, „Freiheit“, „Menschenwürde“ besonderen politikdidaktischen Stellenwert, indem die die Schüler zu grundlegender Einsichten und damit zur Wertebildung führen“ (Deichmann, Carl, Politische Bildung: Werte S. 23).

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Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668279711
ISBN (Buch)
9783668279728
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338148
Note
Schlagworte
bildung bürger theoretische ansätze deichmann reinhard lösch simpsons islamophobie politikunterricht

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Titel: Was muss politische Bildung leisten, um  mündige Bürger zu erschaffen? Theoretische Ansätze von Deichmann, Reinhard und Lösch