Lade Inhalt...

Stand und Entwicklungsperspektiven des Versandhandels

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 37 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Gliederung

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wesen des Versandhandels
2.1 Charakterisierung des Versandhandels
2.1.1 Definition des Begriffes Versandhandel
2.1.2 Rahmenbedingungen & rechtliche Grundlagen des Versandhandels
2.2 Systematisierung des Versandhandels
2.2.1 Versandhandel als spezielle Form des Einzelhandels
2.2.2 Versandhandelsformen
2.3 Entwicklung des Versandhandels
2.3.1 Entstehung und Ausbildung des Versandhandels in Deutschland
2.3.2 Entfaltung des Versandhandels in Europa

3 Aktueller Zustand der Versandhandelsbranche
3.1 Derzeitige Lage und Bedeutung des Versandhandels in Deutschland
3.2 Bedeutung des deutschen Versandhandels für Europa

4 Branchenanalyse des Versandhandels
4.1 Grundlagen der Analyse
4.1.1 Ausgangsbasis
4.1.2 Das Konzept der Makroumweltanalyse
4.2 Analyse der Makroumwelt
4.2.1 Politisch-rechtliche Faktoren
4.2.2 Ökonomische Entwicklung
4.2.3 Technologische Entwicklung
4.2.4 Gesellschaftliche Veränderungen
4.3 Zusammenfassende Beurteilung der Branchenanalyse
4.3.1 Entwicklungstrend der Branchensegmente E-Commerce und Katalogversand
4.3.2 Prognostizierte Entwicklung der Gesamtbranche

5 Schlussbetrachtung

Anhang 1: Funktionsweise des Versandhandels

Anhang 2: Abgrenzung der speziellen Einzelhandelsformen

Anhang 3: Systematisierungsmöglichkeiten des Versandhandels

Anhang 4: Entwicklung des Versandhandels von 1970 bis heute

Anhang 5: Übersicht der Makroumweltanalyse

Anhang 6: Entwicklung der Internetzugänge und –nutzung in Europa

Anhang 7: Gründe gegen den E-Commerce

Anhang 8: Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Bundesamtes bis 2050.

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht Einzelhandelsformen

Abbildung 2: Kategorisierungen Versandhandelsformen

Abbildung 3: Pro-Kopf-Umsatz des europäischen Versandhandels 2003 in EURO

Abbildung 4: Korrelation von Versandhandel- und Einzelhandelsentwicklung

Abbildung 5: Umsatzprognose des europäischen T-Commerce in Mio. Euro

Abbildung 6: Einkaufsverhalten nach Altersgruppen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ist die Internet-Revolution für die Versandhandelsbranche genau so ein Geschenk des Himmels, wie die „Revolte der Ostdeutschen“ für den damals angeschlagenen Bundes­kanzler Helmut Kohl?[1] Erlebt die Branche mit dem E-Commerce gewissermaßen eine Renaissance, welche dessen zukünftige Entwicklung wesentlich beeinflussen wird?[2] Diese Meinung vertreten zumindest Mitarbeiter von McKinsey in „Der Handel“ 03/2001.

Dass die Versandhandelsbranche besonders in Deutschland schon seit längerem stagniert, ist kein Geheimnis und dass Versender Unsummen in die Implementierung von Internetauftritten, Tele-Shopping und Online-Shops investieren zeigt, wie viel Hoffung sie in diese neuen Medien setzten. Aus gegebenem Anlass werden deshalb die Einflüsse dieser neuen Technologien und besonders der des E-Commerce auf den Versandhandel genauer betrachtet. Die Entwicklung des klassischen Kataloggeschäfts als bisheriger Basisbaustein des Versandhandels wird ebenfalls beleuchtet.

Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, einen Überblick über die Funktion, die Entstehung, die derzeitige Situation und die möglichen Entwicklungsperspektiven des institutionellen Versandhandels zu geben.

Dabei liegt der Focus hauptsächlich auf dem Versandhandel Deutschlands, weil dieser in Europa mit Abstand der Größte ist und ihm somit sozusagen als „Zugpferd“ eine besondere Bedeutung zukommt. Sekundär wird der Versandhandel Europas betrachtet, was nicht zuletzt auf die begrenzt existierende Literatur und die damit spärlich vorhandene Informationsgrundlage zurückzuführen ist.

Grundlegende Definitionen, wesentliche Rahmenbedingungen, eine Systematisierung des Versandhandels und ein kurzer Abriss der Entwicklung bis heute, bilden den Ausgangspunkt dieser Arbeit. Daraufhin wird die derzeitige Lage der deutschen und europäischen Versandhandelsbranche in umrissen und grob dargelegt. Anschließend werden die festgelegten Werttreiber dieser Branche durch eine Umweltanalyse untersucht, um den Einfluss dieser auf die Versandhandelsbranche zu bestimmen. Dadurch kann abschließend eine Aussage über die zukünftige strategische Entwicklung des Versandhandels getroffen werden.

2 Wesen des Versandhandels

2.1 Charakterisierung des Versandhandels

2.1.1 Definition des Begriffes Versandhandel

Eine Einheitliche Definition des Terminus Versandhandel[3] existiert nicht, folglich herrscht bis heute auch in der fachspezifischen Grundlagenliteratur keine Einigkeit über die exakte Begriffsbestimmung.[4]

Einerseits versteht man unter dem Begriff Versandhandel das Versandprinzip. Diese funktionelle Deutung des Wortes Versandhandel bedeutet demzufolge eine „… Operationstechnik, der sich Unternehmungen der verschiedenen Wirtschaftsstufen bedienen können.“[5]. Diese Definition stellt folglich ausschließlich auf die Methode des Versandverkaufs ab, d.h. die Versendung einer vorher bestellten Ware. Demnach ist es konsequent, Händler, die den Versandhandel funktional nutzen (d.h. als Sekundäres unter anderen Marktbearbeitungssystemen), als „Auch-Versender“[6] zu bezeichnen.

Andererseits wird der Ausdruck Versandhandel institutionell als spezielle Betriebsform des Einzelhandels aufgefasst. Dieses Verständnis bildet die Grundlage dieser Arbeit.

Definitionsversuche in der Form, dass der Versandhandel eine eigenständige, auf den Ver­braucher bezogene Betriebsform des Einzelhandels darstellt, ist schon in älteren Quellen zu finden. So schrieb Hoffmeister 1921: „Unter einem Versandgeschäft versteht man ein Unternehmen, das … seine Ware ausschließlich auf dem Wege des Versands – also durch Post, Bahn oder Boten – vertreibt … unmittelbar an den Verbraucher.“[7].

Die zentralen Aussagen dieser Definition haben auch in heutiger Zeit noch Bestand. So wird in der aktuellen Handelsliteratur grundsätzlich davon ausgegangen, dass sich das Versandhandelsgeschäft auf den Endverbrauchen bezieht, unabhängig davon, ob dieser ein Privatkunde oder ein Unternehmen ist. Abgegrenzt davon werden Großhändler, welche ihren Käufern die Handelsware zustellen. Diese bezeichnet man als Zustellgroßhändler.[8]

Die drei folgenden, grundsätzlichen Kernmerkmale charakterisieren den Versandhandel am deutlichsten und grenzen ihn gleichzeitig von anderen Formen des institutionellen Einzelhandels (Vgl. Abschnitt 2.2.1) ab.[9]

1. Waren bzw. Dienstleistungen werden dem Nachfrager mittels einer medialen Offerte, wie Katalog, Anzeige, TV, Internet, usw. angeboten.
2. Der Kauf erfolgt auf Distanz, d.h. die Überbrückung des räumlichen Abstands zwischen Anbieter und Nachfrager durch eine Auftragserteilung an den Versender oder unter Zuhilfenahmen von Kontaktstellen (Agenturen, Sammelbesteller, etc.) auf telefonischem, schriftlichem oder sonstigen elektronischem Wege.
3. Der Versand der Ware an den Kunden findet durch eigene oder fremde Zustellunternehmen und Paketdienste statt.

Die Grafik im Anhang1 verdeutlicht überschaubar die Funktionsweise des Versandhandels.

In der vorliegenden Arbeit wird der E-Commerce als spezielle Versandhandelsform (Vgl. Abschnitt 2.2.2) dem Versandhandel zugeordnet.[10] In der fachspezifischen Literatur existieren zu dieser Zuordnung unterschiedliche Auffassungen.[11]

2.1.2 Rahmenbedingungen & rechtliche Grundlagen des Versandhandels

Aufgrund der Eigenarten des Versandhandels, wie der unterschiedliche Angebots- und Nachfrageort, Zusendung der Ware nach Vertragsschluss, zeitlich verzögerte Bezahlung und Ähnliches sind spezielle Rahmenbedingungen für das reibungslose Funktionieren des Versandhandels notwendig. Erst mit der Entstehung geeigneter infrastruktureller, wirtschaftlicher und politischer Strukturen konnte sich der Versandhandel als eigenständige Vertriebsform etablieren.[12] Diese Voraussetzungen einer ausgeprägten Konsumdifferenzierung zeigen, dass der Versandhandel weltweit nur ein Thema hoch entwickelter Industrienationen sein kann.

Folgend werden die wesentlichsten wirtschaftshistorischen Wandlungen (am Beispiel von Deutschland) aufgeführt, die als zentrale Voraussetzungen für das Entstehen einer funktionierenden und rentablen Versandhandelsbranche anzusehen sind.

Wichtige Voraussetzungen im Überblick sind:

- die Gewerbefreiheit
(1871 in die Gewerbeordnung des Deutschen Reiches übernommen)
- die Abschaffung von Zollhemmnissen
(in Deutschland 1871 mit der Reichsgründung )
- das Paketeinheitsporto
(in Deutschland 1874 eingeführt)
- der Ausbau der Verkehrs- und Transportwege
- die Einführung geeigneter Zahlungswege
(wie in Deutschland Nachnahmeverkehr 1878, Postscheckdienst und Postanweisung seit 1865)

2.2 Systematisierung des Versandhandels

2.2.1 Versandhandel als spezielle Form des Einzelhandels

Wie bereits in der Definition des Versandhandelsbegriffes geäußert, konzentriert sich diese Arbeit auf die institutionelle Betrachtung des Versandhandels (vgl. Abschnitt 2.1.1). Folglich ist eine spezielle Einordnung bzw. Unterordnung des Versandhandels in den Einzelhandel notwendig.

Parallel zum Versandhandel bilden der stationäre Einzelhandel und der ambulante Handel die weiteren Formen des Einzelhandels.[13] Dies wird in der folgenden Abbildung
illustriert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht Einzelhandelsformen

(Quelle: Thieme J., 2003 : Versandhandelsmanagement – Grundlagen, Prozesse und Erfolgsstrategien für die Praxis, Wiesbaden 2003, S. 19.)

Eine Abgrenzung der speziellen Einzelhandelsformen untereinander ist im Anhang 2 dargestellt.

2.2.2 Versandhandelsformen

Eine Kategorisierung der Versandhandelsformen stellt sich in der Praxis äußerst schwierig dar. Sie kann nach verschiedenen Kriterien vorgenommen werden, die sich zum einen überschneiden und zum anderen oft nicht trennscharf voneinander existieren.[14]

Bei der vorliegenden Systematisierung wird sich bewusst auf die drei bedeutendsten Typisierungen konzentriert, da es sich einerseits um die in der Praxis Geläufigsten handelt[15] und um andererseits die Übersichtlichkeit zu wahren.

Demnach ist eine Unterscheidung nach folgenden Gesichtspunkten gebräuchlich:

a) Zielgruppe

Hierbei erfolgt eine Differenzierung danach, ob es sich bei dem Versandhandelskunden um einen privaten Endverbraucher (B2C-Versender) oder um einen gewerblichen End­verbraucher (B2B-Versender) handelt.

b) Verbindungsmedium

Bei dieser Kategorisierung steht die Art der möglichen Kontaktaufnahme mit dem Kunden im Vordergrund. Die aktuell repräsentativsten Medien sind der Katalog (Katalog-versender), das Internet (Internetversender; E-Commerce), der Vertreter (Direktvertrieb) und das Fernsehgerät (T-Commerce-Unternehmen).

Unternehmen können sich durchaus mehrerer dieser Verbindungsmedien parallel bedienen. Sie verfolgen dann eine so genannte Multi-Channel-Strategie (Vgl. Abschnitt 4.2.3).[16]

c) Sortiment

Die wichtigste Systematisierung stellt die Differenzierung nach der zugrunde liegenden Sortimentsdimension dar. So stehen sich Versender mit einem umfassenden, warenhausähnlichem Sortiment (Universalversender) und Versender mit einem sehr spezialisierten Sortiment (Spezialversender) gegenüber.[17]

Die folgende Abbildung veranschaulicht die möglichen Kategorisierungen, wobei die Marktplatzierung einer Unternehmung durch einen oder mehrere Würfel darstellbar ist. In der vorliegenden Arbeit liegt der Schwerpunkt auf den hervorgehobenen Bereichen, da diese für die zukünftige Entwicklung von wesentlicher Bedeutung sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kategorisierungen Versandhandelsformen

(Quelle: eigene Darstellung)

Im Anhang 3 sind ergänzend weitere Möglichkeiten der Systematisierung der Versandhandelsformen als Übersicht dargestellt.

2.3 Entwicklung des Versandhandels

2.3.1 Entstehung und Ausbildung des Versandhandels in Deutschland

In Deutschland begann der Versandhandel in den siebziger Jahren des letzen Jahrhunderts, als nach der Reichsgründung 1871 die wesentlichen Grundlagen für den Versandhandel geschaffen wurden (Vgl. Abschnitt 2.1.2). Primär konzentrierte sich der Versandhandel zu dieser Zeit infrastrukturbedingt auf die ländliche Bevölkerung, um diese vom umfangreichen städtischen Einzelhandel als zusätzliche Zielgruppe zu erschließen.[18] Eine Blütezeit erreicht der Versandhandel in den zwanziger Jahren, wo er durch die schwierige wirtschaftliche Lage nach dem ersten Weltkrieg immer mehr Kunden akquirierte.[19] Nach­dem der Versandhandel während des 2. Weltkrieges fast völlig zum Erliegen kam, begann nach der Währungsreform 1948 eine zweite Gründerwelle und eine unvergleichliche Hochzeit.[20]

In der ehemaligen DDR blieb der Versandhandel bedeutungslos. Nach der Einführung 1956 erreichte er lediglich 1% des Einzelhandelsumsatzes und 1974 stellte man per Dekret den Versandhandel ein.[21]

Die Hinwendung des bis dahin spezialisierten Versandhandels zum Universalhandel (Vgl. Abschnitt 2.2.2) stellte in den fünfziger Jahren die entscheidende Entwicklung dar.[22] Allgemein kann die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts als Expansionsphase des Versandhandels bezeichnet werden.[23] So stieg beispielsweise der Versandhandelsumsatz zwischen den Jahren 1968 und 1977 von 7,0 Mrd. DM auf 16,3 Mrd. DM und hatte sich damit mehr als verdoppelt.[24] Mit der Wiedervereinigung 1989 erlebte der Versandhandel in Deutschland die vorerst letzte Blütezeit. Auf einen Schlag gewannen die Versandhändler 16 Mio. neue „hungrige“ Kunden, welche dem Distanzhandel bis 1991 ein Umsatzplus von 43% bescherten.[25]

Der Versand per Katalog bildet bis dato die Basis des Versandhandels. Nach Schätzungen des BVH wuchs die Zahl der in Deutschland versendeten Kataloge bis Ende der Neunziger auf jährlich ca. 500 Mio., dass entspricht ungefähr 14 Katalogen pro Haushalt jährlich.[26]

Bis in die neunziger Jahre ließen sich die Versender noch relativ eindeutig in verschiedene Gruppen untergliedern (Vgl. Abschnitt 2.2.2). Jedoch verwischte diese klare Trennung Ende der Neunziger mit der Etablierung des Internets[27] und dem Umschwenken vieler (vor allem großer) Unternehmen hin zu Multi-Channel-Strategien (Vgl. Abschnitt 4.2.3). Die kommerzielle Nutzung des Internets stellt für den Versandhandel wohl die bedeutendste Weiterentwicklung in seiner gesamten Geschichte dar. Eine Übersicht über die Entwicklung des Versandhandels vom Jahre 1970 bis heute wird im Anhang 4 dargestellt.

2.3.2 Entfaltung des Versandhandels in Europa

Wie in Deutschland, blickt auch der Versandhandel Europas auf eine lange Tradition zurück. So wurde in Frankreich 1867 durch Aristide Boucicaut der erste Versandhaus­katalog veröffentlicht. Jedoch gewann der Versandhandel in Frankreich erst nach dem 2. Weltkrieg mit einer deutlichen Aufwärtsentwicklung in den 60er Jahren an Bedeutung.[28] In Großbritannien hingegen bildeten die so genannten „Sparklubs“ die Grundlage des entstehenden Versandhandels, wodurch 1932 mit Littlewoods das erste Versandhaus entstand. Aber auch hier setzte sich der Versandhandel erst nach dem 2. Weltkrieg auf breiter Basis, besonders bei der Arbeiterbevölkerung, durch.[29] Bis auf Belgien, wo der Versandhandel bereits um die Jahrhundertwende seine erste Bedeutung gewann setzte sich dieser in den restlichen Ländern Europas erst nach dem 2. Weltkrieg durch.[30] Bedingt wurde dies zu diesem Zeitpunk im Wesentlichen durch die Armut und Zerstörung nach dem Krieg.

In der Folgezeit entwickelte sich der europäische Versandhandel stark korreliert zum Einzelhandel. Mitte der Neunziger kam es europaweit erneut zu einem Versandhandels­boom. Dieser entstand einerseits durch die immer stärker werdende Etablierung des Internets und dem dadurch bedingten Wachstum des E-Commerce und andererseits durch die fortschreitende Integration Europas.

3 Aktueller Zustand der Versandhandelsbranche

3.1 Derzeitige Lage und Bedeutung des Versandhandels in Deutschland

Im Jahre 2003 erwirtschaftete der gesamte Versandhandel (klassischer Versandhandel und
E-Commerce) in Deutschland einen Umsatz von ca. 24,6 Mrd. Euro, wobei dies einem Anteil von 6,93% am Einzelhandel entspricht.[31] Auffällig dabei ist, dass der Umsatz des „klassischen Versandhandels“ seit 1992 ungefähr auf dem Niveau von 21 Mrd. Euro (dem entspricht ein Marktanteil von ca. 5,5% bis 6%) stagniert (Vgl. Anhang 4). Im Gegensatz dazu stieg der Umsatz des E-Commerce in den letzten drei Jahren von 1 Mrd. Euro 2000 auf 3,6 Mrd. Euro 2003 (ohne digital übermittelte Produkte wie Software oder Musik, und ohne Online-Buchungen im Touristikbereich) und stellt damit aktuell ca. 1% des Einzelhandelsumsatzes in Deutschland.[32]

Der vom Versandhandel erwirtschaftete Umsatz verteilt sich zu ungefähr 2/3 auf die Universal- und zu 1/3 auf die Spezialversender.[33] Bemerkenswert ist die starke Konzentration des Versandhandels auf die großen Universalversender. So generierten allein die TOP 9 der deutschen Universalversender (Quelle, Otto, Neckermann, Heine, Schwab, Klingel, Baur, Bader, Wenz) 2001 ca. 15 Mrd. Euro[34] im Versandhandelsbereich, wobei die gesamte Branche in Deutschland natürlich durch den OTTO-Konzern und die Karstadt/Quelle AG dominiert wird, den beiden größten Versandhändlern der Welt.

Derzeitig teilen sich schätzungsweise 500 Versandhandelsunternehmen den Markt in Deutschland auf.[35] Diese Zahl kann jedoch zum einen je nach Definitionsansatz stark schwanken und zum anderen ist eine trennscharfe Abgrenzung zwischen „reinen Versendern“ und „Auch-Versendern“ in der Praxis nahezu unmöglich. So ordnet Thieme aktuell ca. 4700 Versender in den deutschen Versandhandelsmarkt ein.[36]

Nach Aussage des BVH sind in Deutschland ca. 100.000 Menschen direkt in der Versandhandelsbranchen beschäftigt und weiter 100.000 in vor- und nachgelagerten Bereichen, wie Logistik, Druck, Marketing, Agenturen, etc.[37]

3.2 Bedeutung des deutschen Versandhandels für Europa

Dass der deutsche Versandhandel in Europa eine gewisse Sonderrolle besitzt, ist unumstritten. Mit einem Pro-Kopf-Umsatz von 255 Euro (inklusive E-Commerce sogar 299 Euro) ist er der wichtigste Versandhandelsmarkt der Welt.

Der europäische Durchschnitt liegt laut EMOTA, nach der Aufnahme Russlands im Januar 2004 in die Berechnung, derzeitig bei 107 Euro.[38] In der folgenden Abbildung ist der Versandhandelsumsatz pro Kopf der europäischen Länder zusammenfassend dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Pro-Kopf-Umsatz des europäischen Versandhandels 2003 in EURO

(Quelle: BVH, 2004e: www.versandhandel.org/index_oeffentlich_mitglieder.html, 28.09.2004)

Bemerkenswert ist, das Deutschland 2003 mit einem klassischen Versandhandelumsatz von 21 Mrd. Euro einen Anteil von über 36% am klassische europäischen Versandhandelsumsatz besitzt. Dieser beläuft sich aktuell auf 57,9 Mrd. Euro.[39] Entgegen anfänglicher Erwartungen entwickelt sich der reine Versandhandel über die Grenzen (d.h. der direkte Verkauf eins inländischen Unternehmens ins Ausland oder umgekehrt) sehr schleppend. Er erreicht laut EMOTA 2003 in ganz Europa lediglich ca. 1,7 Mrd. Euro, was einem Anteil von 3% am europäischen Versandhandel entspricht.[40] Gründe dafür sind unter anderem soziokulturelle Barrieren (Vgl. Abschnitt 4.2.4) oder differierende Auffassungen über Rechtsanwendungen (Vgl. Abschnitt 4.2.1). Um dies zu umgehen, hat es sich mittlerweile in der Praxis etabliert, Tochterunternehmen (o. ä.) im Ausland zu platzieren. So ist der OTTO-Konzern beispielsweise in 20 Ländern durch Unternehmen vertreten. Damit erwirtschaftet OTTO 46% seines Umsatzes im Ausland, was 2002 einem Geschäftsvolumen von ca. 8 Mrd. Euro entsprach.[41]

[...]


[1] Vgl. Barrenstein, P.; Näther, C.: 2001, S. 26.

[2] Vgl. ebenda, S. 26.

[3] Als Synonym kann auch der Begriff „Distanzhandel“ verwendet werden.

[4] Vgl. Tietz, B.: 1974, S. 2094.

[5] Eli, M.; Laumer, H.: 1970, S. 13.

[6] Vgl. Mattmüller, R.; Hauser T.: 1999, S. 16.

[7] Hoffmeister, E.: 1921, S. 1.

[8] Vgl. Thieme, J.: 2003, S. 17.

[9] Vgl. BVH: 2002, S. 22f.

[10] Versandhandel ohne E-Commerce wird nachfolgend als „klassischer Versandhandel“ betitelt.

[11] Vgl. Mehler-Bicher, A.; Borgman H.: 1999, S. 54.

[12] Vgl. Lorenz, E.: 2001, S. 13ff.

[13] Vgl. Thieme, J.: 2003, S. 19.

[14] Vgl. ebenda, S. 22.

[15] Vgl. Lorenz, E.: 2001, S. 24; Thieme, J.: 2003, S. 22ff; Eisinger, H.: 1998, S. 9.

[16] Vgl. BVH: 2003a, S. 5f.

[17] Vgl. Hellbusch, H.: 1991, S. 14ff.

[18] Vgl. Mattmüller, R.; Hauser T.: 1999, S. 16.

[19] Vgl. BVH: 2002, S. 12.

[20] Vgl. ebenda, S.12.

[21] Vgl. Mattmüller, R.; Hauser T.: 1999, S. 17.

[22] Vgl. BVH: 2002, S. 13.

[23] Vgl. Lorenz, E.: 2001, S. 31f.

[24] Vgl. Falk, B.; Wolf, J.: 1982, S. 806.

[25] Vgl. Lorenz, E.: 2001, S. 15.

[26] Vgl. BVH: 2002, S. 33.

[27] Vgl. Achtelig, M.: 1998, S.22.

[28] Vgl. Eli, M.; Laumer, H.: 1970, S. 42f.

[29] Vgl. ebenda, S. 73.

[30] Vgl. ebenda, S. 65ff.

[31] Vgl. BVH: 2004a, Grafik 6.

[32] Vgl. BVH: 2004b, S. 4.

[33] Vgl. BVH: 2002, S. 26.

[34] Vgl. Thieme, J.: 2003, S. 23.

[35] Vgl. o.V.: 2004b.

[36] Vgl. Thieme, J.: 2003, S. 7.

[37] Vgl. BVH: 2002, S. 60.

[38] Vgl. EMOTA: 2004a.

[39] Vgl. EMOTA: 2004b.

[40] Vgl. EMOTA: 2004c.

[41] Vgl. OTTO GmbH & Co KG: 2003, S. 1f.

Details

Seiten
37
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638341950
ISBN (Buch)
9783656248453
Dateigröße
7.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33809
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Note
2,3
Schlagworte
Stand Entwicklungsperspektiven Versandhandels

Autor

Zurück

Titel: Stand und Entwicklungsperspektiven des Versandhandels